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        <title type="volume" n="vol-48">Vorträge und kleinere Arbeiten 1914–1921</title>
        <title type="content">Was heißt: Sozialist sein?</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Was heißt: Sozialist sein?, 1915</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/48029 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Vorträge und kleinere Arbeiten 1914–1921, hrsg. v. Drewes, Hans-Anton / Marquardt, Friedrich-Wilhelm (Gesamtausgabe, Abt. III), Zürich 2012, S. 161–163.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Vorträge und kleinere Arbeiten 1914–1921</title>
          <title type="text">Was heißt: Sozialist sein?</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Drewes, Hans-Anton</editor>
          <editor>Marquardt, Friedrich-Wilhelm</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2012</date>
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        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Barth, Karl, Was heisst: Sozialist sein? Arb. Ver. Safenwil 16.VIII 15, 16. August 1915. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/751">KBA 12117</ref>. </bibl>
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        <date type="creation" when="1915">1915</date>
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        <head>WAS HEISST: SOZIALIST SEIN?</head>
        
          <head type="sub">
            <date when="1915">1915</date>
          </head>
        
        <div type="abstract">
          <p>
            <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> berichtet am <date when="1915-08-18">18. August 1915</date> <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> über seine Darlegungen im engeren Kreis der Mitglieder des <orgName ref="kbga-actors-9909">Arbeitervereins Safenwil</orgName>: «Am Montag hielt ich im Arbeiterverein eine Rede über: ‹Wer ist <term key="Sozialismus">Sozialist</term>?› (Antwort: wer es im Herzen ist) unter Seitenblicken auf den Krieg und auf die Prügelei am <date when="1915-08-01">1. August</date>. Ich fand ganz geduldige freundliche Zuhörer. Sie wollen dich diesen Winter oder Herbst auch einmal kommen lassen und werden wohl bald schreiben. Vielleicht redest du auch lieber so in einer Mitgliederversammlung? Ich finde wir können unsere Sache dabei besser sagen als bei den großen Betrieben mit Männerchor, öffentlichen Inseraten etc.»<note xml:id="n01"><bibl corresp="kbga-bibls-931">Bw.Th. I, <ref type="pub" target="../volume/03/p071#p071">S. 71</ref></bibl>. Die Bemerkung über den lokalen Zwischenfall einer Prügelei am Schweizer Nationalfeiertag ist dort weggelassen. Zum <orgName ref="kbga-actors-9909">Arbeiterverein Safenwil</orgName> vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-215">V.u.kl.A. 1909-1914, <ref type="pub-" target="../volume/22/p361#p361">S. 361f.</ref></bibl></note>
          </p>
        </div>
        <div>
          <head>Was heißt: <term key="Sozialismus">Sozialist</term> sein?</head>
          
            <head type="sub"><orgName ref="kbga-actors-9909">Arb[eiter-]Ver[ein] Safenwil</orgName>
<date when="1915-08-16">16. VIII 15</date>
            </head>
          <list rend="indent-nextLine">
            <item>Die <hi rend="italic">Gegner</hi> sagen: die Unzufriedenen, Nörgler, Schimpfer</item>
            <item>Die <hi rend="italic">trägen Mitglieder</hi> sagen: die Beiträge zahlen, Zeitung halten u. in d. Versammlung gehen.</item>
            <item>Der <hi rend="italic">Vorstand</hi> sagt: die fleißig in die Vers[ammlung] gehen, u. bereit sind zum Agitieren etc.</item>
            <item>Die <hi rend="italic">eifrigen Sozialisten:</hi> die von der <term key="Sozialismus, Wahrheit des S.">Wahrheit</term> u. Geltung des Programms <term ref="kbga-keywords-1539">überzeugt</term> sind u. danach thun.</item>
          </list>
          <p><hi rend="italic">Das ist Alles wahr, aber das genügt nicht.</hi> Es gab am <date when="1914-08-01">1. VIII 1914</date> genug Sozialisten in diesem Sinn in allen Ländern. Aber wo blieb das[,] was im ersten u. letzten Satz des Programms geschildert ist?<note xml:id="n02"><bibl corresp="kbga-bibls-4367">Programm der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz (1904), abgedruckt als Anhang in: <hi rend="italic">Protokoll über die Verhandlungen des Parteitages der Schweizerischen sozialdemokratischen Partei, abgehalten in der Tonhalle in Zürich am 20. und 21. November 1904</hi>, Zürich 1905</bibl>. Der erste Satz der einleitenden «Prinzipienerklärung» lautet (S. 77): «Das Endziel der Sozialdemokratie bildet eine Gesellschaftsordnung, die durch die Beseitigung jeder Art von Ausbeutung das Volk von Elend und Sorge befreit, Wohlstand und Unabhängigkeit sichert, und damit die Grundlage schafft, auf der die <term ref="kbga-keywords-1443">Persönlichkeit</term> sich frei und harmonisch entfalten und das ganze Volk zu höhern Kulturstufen aufsteigen kann.» – Der letzte Satz steht in einem durch Sperrdruck hervorgehobenen Schlussabschnitt über die «Weltgeschichtliche Bedeutung des Sozialismus» (S. 84; s. auch unten <ref type="pub" target="../volume/48/p357#fn_n22">S. 357, Anm. 22</ref>): «Indem die schweizerische Sozialdemokratie in Gemeinschaft mit den sozialistischen Parteien aller Kulturländer durch das Mittel des Klassenkampfes für die Aufhebung der Klassen und der Klassengegensätze kämpft, um an deren Stelle die Solidarität aller Volksgenossen zu setzen, wird sie mit ihrem Siege auch die nationalen Gegensätze beseitigen und die Solidarität aller Völker herstellen. – Damit erlöst die internationale Sozialdemokratie die Nationen vom Fluche des Militarismus und des Krieges und bringt ihnen mit der Erlösung aus Elend und Sorge auch den Frieden und die Verbrüderung zu gemeinsamer Bebauung und Kultivierung des ganzen Erdballs.»</note></p>
          <p><pb xml:id="p162" ed="pga" rend="noPipe"/> Die bisherige gesellschaftl. u. staatl. Ordnung konnte ihre schrecklichste Folge zeitigen: den <term key="Krieg, erster Weltkrieg">Weltkrieg</term></p>
          <table>
            <row>
              <cell>Die Sozialisten konnten nichts dagegen thun!</cell><cell>┐   <hi rend="italic">ganz wie</hi></cell>
            </row>
            <row>
              <cell>Die Sozialisten mußten mitmachen!</cell><cell> ├    <hi rend="italic">beim</hi></cell>
            </row>
            <row>
          <cell>Die Sozialisten <hi rend="italic">wollten</hi> mitmachen!!</cell><cell>┘   <term ref="kbga-keywords-807"><hi rend="italic">Christentum!</hi></term></cell>
          </row>
        </table>

          <p>Es zeigte sich auf einmal: sie sind gar nicht so gefährlich, sie lassen im Grunde schon mit sich markten.</p>
          <p>Wir möchten aber diesen Ordnungen gefährlich werden, sonst wollen wir zusammenpacken.</p>
          <p>Wo fehlts u. wie solls anders werden?</p>
          <ab rend="center">________</ab>
          <p>Es braucht <hi rend="italic">innerliche Sozialisten</hi>, einen Seelen-[,] Gemüts- u. <term ref="kbga-keywords-596">Gewissen</term><term key="Sozialismus">ssozialismus</term>, der <hi rend="italic">standhält</hi></p>
          <p>3 Sterne müssen uns dazu leuchten:</p>
          <p><hi rend="bold">1.</hi> Sozialismus bedeutet <hi rend="italic">Gerechtigkeit</hi></p>
          <p> Der jetzige Weltzustand bedeutet Ungerechtigkeit, weil willkürliche Herrschaft der unpersönlichen <term ref="kbga-keywords-1367">Kapital</term>smacht. Unter ihr <term key="Leid(, Leiden)">leiden</term> die «Armen»[,] aber auch die «Reichen». Von ihr muß der Mensch befreit werden, alle Menschen! Sozialismus ist also nicht blos <term key="Arbeiter">Arbeiter</term>sache. Nicht eine Frage des <term ref="kbga-keywords-1558">Egoismus</term>. Mit der <term ref="kbga-keywords-283">Gerechtigkeit</term> stellt sich das bessere Los von selbst ein. Am schlimmen Los der <term key="Klassen, Arbeiterklasse">Arbeiterklasse</term> mag uns die Not zum Bewußtsein kommen, aber der <pb xml:id="p163" ed="pga"/> Stern[,] der uns führt im «Klassenkampf»[,] heißt Menschlichkeit u. nicht bessere Arbeiterverhältnisse.</p>
          <p><hi rend="bold">2.</hi> Der Sozialismus siegt durch seine <hi rend="italic">Wahrheit.</hi></p>
          <p>Und der politische etc. Kampf? Verhält sich zur soz[ialistischen] Wahrh[eit] wie der Körper zum Geist. «Die Soz[ial]dem[okratie] tritt aus dem Rahmen einer polit[ischen] Partei weit heraus.»<note xml:id="n03">Aus dem Schlussabschnitt des <bibl corresp="kbga-bibls-4367"><term key="Sozialdemokratie, schweizerische">SPS</term>-Programms (a.a.O., S. 84)</bibl>: «Die <orgName ref="kbga-actors-6132">sozialdemokratische Partei</orgName> tritt also aus dem Rahmen einer reinpolitischen Partei weit heraus.»</note> Die Macht zu gewinnen ist nicht das Wesentliche, nicht ihre Stärke. Sie darf nicht um jeden Preis Macht gewinnen wollen. Sie gewinnt auf die Dauer auch nur dann Macht, wenn sie von jenem tiefern Wollen getragen ist.</p>
          <p><hi rend="bold">3.</hi> Der Sozialismus zielt auf den <hi rend="italic">freien Menschen[,]</hi> die <term ref="kbga-keywords-1443">Persönlichkeit</term>.<note xml:id="n04">Vgl. oben <ref type="pub" target="#fn_n02">S. 161, Anm. 2</ref>.</note> Die soll im «Zukunftsstaat» möglich werden. Dann muß sie aber schon jetzt Hauptsache werden. Menschen, die erlöst sind a) vom Egoismus, b) von den falschen <term key="Ideal, falsches">Idealen</term>[,] c) von der <term key="Bürgertum, Genußsucht des B.">Genußsucht</term> des Bürgertums. Nur Erlöste können erlösen.</p>
          <ab rend="center">________</ab>
          <p> Die polit.[,] <term key="Politik, und Wirtschaft">wirtschaftl.</term> etc. Bemühungen müssen damit Hand in Hand gehen.</p>
          <list type="simple">

          <item>Nicht: zuerst bessere Menschen, dann bessere Zustände</item>
          <item>Nicht: zuerst bessere Zustände, dann bessere Menschen</item>
          <item>Beides <hi rend="italic">mit[-­]</hi> u. <hi rend="italic">in</hi>einander.</item>
          </list>
          <ab rend="center">________</ab>
          <p><hi rend="bold">Was thun?</hi> Alles thun, was ein Parteimitglied thun muß um der Erfüll[un]g des Programms zuzustreben. Also nicht <term key="Anarchismus">anarchistische</term> <term key="Sekte">Sektiererei!</term></p>
          <p> Aber wissen[,] daß es darauf nicht ankommt. Der <term key="Sozialismus, Inhalt des S.">Inhalt</term> des Sozialismus, der sozialist. <term key="Mensch, sozialistischer">Mensch</term> muß stark werden, weniger wichtig ist die <term ref="kbga-keywords-1366">Macht</term>.</p>
          <p><hi rend="italic">Pflege des persönlichen Lebens</hi> durch Selbstbetrachtung! Lektüre! Natur! <term ref="kbga-keywords-1560">Kinder</term>! Kirche! <term ref="kbga-keywords-796"><hi rend="italic">Familienleben</hi></term><hi rend="italic">.</hi> Grundsätze predigen u. <hi rend="italic">anwenden! Freundeskreise.</hi> Ohne zu schimpfen u. zu politisieren, sich bestärken u. vertiefen in der <term ref="kbga-keywords-1958">Gemeinschaft</term> des inneren <term key="Sozialismus, innerer">Sozialismus</term>.</p>
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      </div>
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