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        <title type="volume" n="vol-48">Vorträge und kleinere Arbeiten 1914–1921</title>
        <title type="content">Politische Lage</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Politische Lage, 1917</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/48043 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Vorträge und kleinere Arbeiten 1914–1921, hrsg. v. Drewes, Hans-Anton / Marquardt, Friedrich-Wilhelm (Gesamtausgabe, Abt. III), Zürich 2012, S. 344–348.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Vorträge und kleinere Arbeiten 1914–1921</title>
          <title type="text">Politische Lage</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Drewes, Hans-Anton</editor>
          <editor>Marquardt, Friedrich-Wilhelm</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2012</date>
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        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Barth, Karl, Politische Lage 23.I. - 13.II 17  A.V.  13.II 17, 13. Februar 1917. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/755">KBA 12121</ref>. </bibl>
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        <head>POLITISCHE LAGE</head>
        
          <head type="sub">
            <date when="1917">1917</date>
          </head>
        
        <div type="abstract">
          <p>
            Der Bericht zählt zu den Referaten, von denen <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> im Blick auf seine Beteiligung im <term key="Arbeiterverein"><orgName ref="kbga-actors-9909">Arbeiterverein</orgName></term> am <date when="1917-03-25">25. März 1917</date> an <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> schreibt<note xml:id="n01"><bibl corresp="kbga-bibls-931">Bw.Th.I, <ref type="pub" target="3150#p186">S. 186</ref></bibl>.</note>: «Bei allem Mangel an Umsicht und <term key="Klugheit">Klugheit</term>, der bei diesen Leuten herrscht, ist da doch, nicht durch ihr Verdienst, aber sachlich ein ‹Geruch des <term key="Leben, Geruch des">Lebens</term> zum Leben› [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="2.Kor.2.16">2.Kor. 2,16</ref>], sodaß ich immer wieder gern meine Beiträglein bringe, so gut das unsereins kann.» Ein besonderes Echo zu diesem einzelnen Vortrag liegt nicht vor.
          </p>
        </div>
        <div>
          
            <dateline><hi rend="right"><orgName ref="kbga-actors-9909">A[rbeiter-]V[erein]</orgName>
<date when="1917-02-13">13. II 17</date></hi>
</dateline>
          
          <head>Politische Lage</head>
          <head type="sub"><date from="1917-01-23" to="1917-02-13">23. I - 13. II 17</date></head>
          <p><hi rend="bold">Botschaft <persName ref="kbga-actors-841">Wilsons</persName></hi> <hi rend="bold">an den Senat</hi> <date when="1917-01-23">23. I</date><note xml:id="n02">Es handelt sich um die berühmte Peace-without-Victory-Rede vom <date when="1917-01-22">22.1.1917</date> vor dem Senat der <orgName ref="kbga-actors-8455">USA</orgName>. Sie erschien am <date when="1917-01-23">23.1.1917</date> im Wortlaut in den <bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 73, Nr. 40 vom 23.1.1917 (2. Blatt), S. [2]</bibl>. <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> fasst im folgenden einige der wichtigsten Überlegungen <persName ref="kbga-actors-841">Wilsons</persName> für eine Welt-Friedensordnung zusammen.</note></p>
          <p>Bericht über den Erfolg der Aktion vom Dezember.<note xml:id="n03">Am <date when="1916-12-12">12.12.1916</date> hatten die <orgName ref="kbga-actors-8827">Zentralmächte</orgName> ihre Verhandlungsbereitschaft zur Herstellung eines Friedens erklärt, die Note aber ohne nähere Vorschläge gelassen, so dass sie bei den <orgName ref="kbga-actors-8828">Ententemächten</orgName> ohne Widerhall blieb. Am <date when="1916-12-18">18.12.1916</date> bot sich Präsident <persName ref="kbga-actors-841">Wilson</persName> als «ehrlicher Makler» zwischen den Kriegsgegnern an. Er forderte die kriegführenden Staaten auf, ihre jeweiligen Kriegsziele öffentlich bekanntzugeben, um so eine zwischen allen Parteien zu führende Diskussion zu eröffnen. Die alliierten Mächte nahmen in ihrer Antwort vom <date when="1917-01-10">10.1.1917</date> <persName ref="kbga-actors-841">Wilsons</persName> Vorschlag vom <date when="1916-12-18">18.12.</date> hinsichtlich der Erklärung der Kriegsziele auf, lehnten allerdings die Konzeption eines Friedens ohne Sieg und die darin enthaltene moralische Gleichstellung von <orgName ref="kbga-actors-8828">Entente</orgName>- und <orgName ref="kbga-actors-8827">Zentralmächten</orgName> ab. In der Antwortnote der <orgName ref="kbga-actors-8827">Zentralmächte</orgName> wurde der Vorschlag <persName ref="kbga-actors-841">Wilsons</persName> vom <date when="1916-12-18">18.12.</date>, als Vermittler zu wirken, begrüßt, Kriegsziele wurden aber nicht genannt. In seiner Rede vom <date when="1917-01-22">22.1.1917</date> entwickelte <persName ref="kbga-actors-841">Wilson</persName> dann Gedanken für eine künftige Friedensordnung und kündigte zugleich die Absicht des Volkes der <orgName ref="kbga-actors-8455">USA</orgName> an, «daß es seine Autorität und seine Macht der Autorität und der Macht der andern Nationen beifügt, um einen Frieden der Gerechtigkeit in der Welt zu gewährleisten» (<bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, ebd.</bibl>) </note> – Die Menschheit muß beim kommenden Frieden mitzureden haben, vor Allem <orgName ref="kbga-actors-8455">Amerika</orgName>!</p>
          <p><pb xml:id="p345" ed="pga" rend="noPipe"/> Der Friede muß dauernd werden. Nicht <term key="Gleichgewicht">Gleichgewicht</term>, sondern Gemeinsamkeit, nicht Rivalität sondern Friede.</p>
          <p>Garantien für die Rechte kleiner Staaten. Selbstbestimmungsrecht der Völker. Freier Zugang zum offenen Meer. Beschränkung der maritimen Rüstung. Jedem Volk seine Politik, aber nicht mehr! Keine Bündnispolitik mehr</p>
          <p>Darum Friede ohne Sieg</p>
          <p>Glaubt im Namen von <orgName ref="kbga-actors-8455">Amerika</orgName> u. d. ganzen Menschheit zu sprechen!</p>
          <p><hi rend="bold">Das Echo darauf</hi>     a) italien. u. französ. Sozialisten im Parlament!<note xml:id="n04">Am <date when="1917-01-27">27.1.1917</date> berichteten die <orgName ref="kbga-actors-5804">BN</orgName> über die französischen Sozialisten (<bibl corresp="kbga-bibls-4129">Jg. 73, Nr. 48 [2. Blatt], S. [3]</bibl>): «Die Kammergruppe der geeinigten Sozialisten, die 89 Mitglieder zählt, nahm vormittags eine Tagesordnung an, die die Botschaft <persName ref="kbga-actors-841">Wilsons</persName> freudig begrüßt und erklärt, daß die Auffassung von einem nicht auf die Macht der Waffen, sondern auf dem freien Willen der Völker, dem Erbe der französischen Revolution, gegründeten Frieden das Grundgesetz der zivilisierten Welt werden müsse. Die Tagesordnung protestiert gegen die imperialistischen Bestrebungen und fordert die französische Regierung auf, ihr Einverständnis mit den Worten <persName ref="kbga-actors-841">Wilsons</persName> klar auszusprechen. Sie fordert zum Schlusse die Vertreter aller kriegführenden Nationen auf, zur Sicherung der Zukunft einer friedlichen Zivilisation einen Druck auf die führenden Persönlichkeiten auszuüben, damit versucht werde, den edlen Vorschlag <persName ref="kbga-actors-841">Wilsons</persName> in gutem Glauben zu verwirklichen.» – Am <date when="1917-02-02">2.2.1917</date> meldeten die <bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 73, Nr. 58 (1. Blatt), S. [3]</bibl>, über «eine <hi rend="italic">neue Friedensmotion</hi> der <hi rend="italic">parlamentarischen Sozialisten</hi>» <orgName ref="kbga-actors-8521">Italiens</orgName>: «Die Motion erblickt in <hi rend="italic">Wilsons Botschaft</hi> an den Senat die Grundlagen, auf denen der Friede angeknüpft werden sollte.»</note></p>
          <p rend="long-indent">b) So meinen wirs auch und der Gegner soll sich betroffen fühlen</p>
          <p rend="long-indent"> c) Aber Friede ohne Sieg? nein Züchtigung des Feindes im Namen der Gerechtigkeit. <term key="Überwindung">Überwindung</term> des Militarismus auf dem Schlachtfeld. – Wunderschön[,] aber was thun die Andern, bis dahin das Schwert!</p>
          <p rend="long-indent"><pb xml:id="p346" ed="pga" rend="noPipe"/> d) <term ref="kbga-keywords-1379">Idealismus</term> für Europa, <term ref="kbga-keywords-439">Realismus</term> für <orgName ref="kbga-actors-8455">Amerika</orgName>. Amerikas Haltung in eigenen [?] Kriegen! Warum bei <orgName ref="kbga-actors-8730">Belgien</orgName> stumm? Lösung nicht durch transatlantische Philosophie zu erwarten. Wir verbitten uns die Einmischung. <orgName ref="kbga-actors-8455">Amerika</orgName> sucht seinen Vorteil u. will Europa bevormunden.<note xml:id="n05">Die Punkte b und c geben das Echo der kriegführenden Parteien auf die Rede <persName ref="kbga-actors-841">Wilsons</persName> vom <date when="1917-01-23">23.1.</date> wieder, soweit es sich um ein positives Echo handelte, und zwar b und c1 die Reaktion der <orgName ref="kbga-actors-8828">Ententemächte</orgName>, b und c2 die Reaktion der <orgName ref="kbga-actors-8827">Zentralmächte</orgName>. Der Punkt d) gibt das negative Echo der kriegführenden Parteien wieder; bis zu den Worten «Warum bei <orgName ref="kbga-actors-8730">Belgien</orgName> stumm?» dürfte es sich um das negative Echo von Seiten der <orgName ref="kbga-actors-8828">Ententemächte</orgName> handeln; das Folgende lässt sich aus deutschen Tageszeitungen belegen, die der <bibl corresp="kbga-bibls-4422">Basler Vorwärts am 25.1.1917, Jg. 20, Nr. 21, S. 1f.</bibl>, zitiert: «Die Frage der Rüstungsbeschränkungen kann nicht durch philosophische Ideen gelöst werden, sie wird immer eine rechnerische Frage bleiben» (<orgName ref="kbga-actors-8291">Berliner Tageblatt</orgName>); «Das Philosophieren in diesem Augenblicke überlassen wir dem Präsidenten der <orgName ref="kbga-actors-8455">Vereinigten Staaten</orgName>, der nicht in einem Kampf auf Leben und Tod steht, und wir hoffen, daß der deutsche Siegeswillen sich nirgends von der Blässe transatlantischer Gedanken ankränkeln läßt» (<orgName ref="kbga-actors-9996">Deutsche Tageszeitung</orgName>); «wir müssen es entschieden zurückweisen, den amerikanischen Präsidenten als Gestalter der europäischen Karte anzuerkennen und uns vorschreiben zu lassen, daß wir diesen Krieg ohne Sieg zu beendigen haben» (<orgName ref="kbga-actors-9986">Vossische Zeitung</orgName>).</note></p>
          <p>
            <hi rend="bold">Der verschärfte deutsche U-bootkrieg</hi>
          </p>
          <p>Neutrale sollen sich englische Blockade gefallen lassen.<note xml:id="n06"><orgName ref="kbga-actors-8733">England</orgName> hatte bei Kriegsausbruch <date when="1914">1914</date> die <placeName ref="kbga-places-984">Nordsee</placeName> zum Kriegsgebiet erklärt und damit über <orgName ref="kbga-actors-9047">Deutschland</orgName> die Blockade verhängt. Seit <date when="1916">1916</date> wurden auch neutrale Schiffe von <orgName ref="kbga-actors-8733">England</orgName> kontrolliert, für die <orgName ref="kbga-actors-8827">Mittelmächte</orgName> bestimmte Waren wurden beschlagnahmt, ohne Widerspruch der neutralen Mächte.</note> <orgName ref="kbga-actors-9047">Deutschland</orgName> baute Gegenmittel nicht aus, mußte mit stärkerm Widerstand rechnen, eventuell mit der Feindschaft der Neutralen. Deshalb Zurückhaltung der Reichsleitung bis jetzt.<note xml:id="n07">Die deutsche Marine war in den ersten Kriegsjahren eher zögernd eingesetzt worden. <date when="1915">1915</date> hatte schon einmal ein U-Bootkrieg begonnen; dieser wurde aber nach der Versenkung des englischen Passagierdampfers «Lusitania» am <date when="1915-05-07">7.5.1915</date>, der sowohl Munition als auch etwa 1200 Passagiere, darunter 139 Amerikaner, an Bord hatte, auf den Einspruch der <orgName ref="kbga-actors-8455">USA</orgName> hin eingestellt.</note></p>
          <p>Frage: Hielt die Reichsleitung zurück, um den Frieden nicht zu verunmöglichen u. gab jetzt widerwillig nach? Oder waren die Friedensangebote berechnet zur Rechtfertigung dieses Schrittes?</p>
          <p><pb xml:id="p347" ed="pga" rend="noPipe"/> Ein Zusammenhang besteht sicher. Im Übrigen: Mittel jetzt bereit<note xml:id="n08">Der fortgesetzte deutsche U-Bootbau erweckte bei der Marineführung große Hoffnungen auf eine deutsche militärische Überlegenheit. Schon im Winter <date when="1916">1916</date> sprach die Marineleitung gegenüber der politischen Führung des <orgName ref="kbga-actors-8359">Deutschen Reiches</orgName> die Garantie aus, dass <orgName ref="kbga-actors-8733">England</orgName> innerhalb von sechs Monaten friedenswillig gemacht werden könne, wenn die politische Führung einen unbeschränkten U-Booteinsatz gestatte. Reichskanzler <persName ref="kbga-actors-902">Th. von Bethmann Hollweg</persName> zögerte jedoch, um seinen Versuch, einen Verständigungsfrieden zwischen den Mächten zu erreichen, fortführen zu können. Vgl. auch zum folgenden <bibl corresp="kbga-bibls-4080">Mommsen, a.a.O. (s. oben <ref type="pub" target="48014#fn_n22">S. 64, Anm. 22</ref>), S. 646–664</bibl>.</note>, wirtschaftl. Lage im Ausland kritisch<note xml:id="n09">Der U-Boot-Handelskrieg hatte wirtschaftliche Folgen außer für die Neutralen auch für <orgName ref="kbga-actors-8733">England</orgName> und <orgName ref="kbga-actors-7856">Frankreich</orgName> gezeitigt. In <placeName ref="kbga-places-297">Russland</placeName> war die wirtschaftliche Situation aufs äußerste angespannt: eine der Voraussetzungen für die Februarrevolution <date when="1917">1917</date>. Aber auch <orgName ref="kbga-actors-9047">Deutschland</orgName> erlebte den «Steckrübenwinter» <date to="1917" from="1916">1916/17</date>.</note>, die Front steht</p>
          <p>
            <hi rend="bold">Der Bruch zwischen <orgName ref="kbga-actors-9047">Deutschland</orgName> u. <orgName ref="kbga-actors-8455">Amerika</orgName></hi>
          </p>
          <p>Das <hi rend="italic">Vorspiel</hi> Im <date when="1916-04">April 16</date> der Sussexfall. Drohende amerik. Note vom <date when="1916-04-20">20. IV 16</date>[.] Deutsche Konzessionen u. Gegenbedingung vom <date when="1916-05-04">4. V 16</date>[.] Ablehnung der letztern am <date when="1916-05-10">10. V 16</date></p>
          <p>Die <hi rend="italic">Tatsachen</hi> Die deutsche Erklärung vom <date when="1917-02-01">1. II 17</date>[.] Abbruch von Seiten <orgName ref="kbga-actors-8455">Amerikas</orgName> <date when="1917-02-04">4. II 17</date><note xml:id="n10">Am <date when="1916-03-24">24.3.1916</date> wurde das französische Handelsschiff «Sussex» mit Privatpassagieren verschiedener Nationalität von einem deutschen U-Boot versenkt. Präsident <persName ref="kbga-actors-841">Wilson</persName> stellte daraufhin ein Ultimatum an die deutsche Regierung. Am <date when="1916-04-20">20.4.1916</date> erklärte er vor dem Kongress, der von <orgName ref="kbga-actors-9047">Deutschland</orgName> geführte U-Boot-Krieg missachte alle internationalen Grundsätze in Bezug auf unbewaffnete Handelsschiffe; versenkt wurde ohne Warnung und ohne Möglichkeit der Rettung von Passagieren. Damit würden auch alle Grundsätze der Menschlichkeit verletzt. Die deutsche Reichsregierung erklärte daraufhin ihre Bereitschaft, die U-Bootfrage dem Schiedsspruch des Königs von <orgName ref="kbga-actors-9627">Spanien</orgName>, als Instanz einer neutralen Macht, zu unterbreiten und künftig die völkerrechtlichen Normen einzuhalten, sofern die <orgName ref="kbga-actors-8455">USA</orgName> auch <orgName ref="kbga-actors-8733">England</orgName> zur Einhaltung der Regeln veranlassten. Am <date when="1916-05-10">10.5.1916</date> wies <persName ref="kbga-actors-841">Wilson</persName> diese deutschen Vorschläge zurück und erklärte, das <orgName ref="kbga-actors-8359">Deutsche Reich</orgName> künftig haftbar machen zu wollen für ähnliche Vorkommnisse. Am <date when="1917-01-23">23.1.1917</date> hatte er in seiner Peace-without-Victory-Rede darauf hingewiesen, dass die Freiheit der Meere der Grundstein des Friedens werden müsse. Als am <date when="1917-02-01">1.2.1917</date> <orgName ref="kbga-actors-9047">Deutschland</orgName> und <orgName ref="kbga-actors-8248">Österreich-Ungarn</orgName> gegenüber den <orgName ref="kbga-actors-8455">USA</orgName> und den neutralen Staaten die Verschärfung des U-Boot-Krieges verkündeten, brachen am <date when="1917-02-03">3.2.1917</date> die <orgName ref="kbga-actors-8455">USA</orgName> ihre diplomatischen Beziehungen zu <orgName ref="kbga-actors-9047">Deutschland</orgName> ab.</note></p>
          <p><pb xml:id="p348" ed="pga" rend="noPipe"/> <hi rend="bold">Amerikanische Aktion bei den Neutralen</hi> <date when="1917-02-05">5. II</date></p>
          <p>Aufforderung zum Bruch mit <orgName ref="kbga-actors-9047">Deutschland</orgName> im Interesse des Friedens.<note xml:id="n11">Am <date when="1917-02-04">4.2.1917</date> lud Präsident <persName ref="kbga-actors-841">Wilson</persName> die Regierungen aller neutralen Staaten ein, sich dem Schritt der <orgName ref="kbga-actors-8455">USA</orgName> anzuschließen und die diplomatischen Beziehungen mit <orgName ref="kbga-actors-9047">Deutschland</orgName> abzubrechen. Dem schweizerischen <orgName ref="kbga-actors-7798">Bundesrat</orgName> ging die amerikanische Note ebenfalls zu (<bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 73, Nr. 65 vom 6.2.1917 [1. Blatt], S. [3]</bibl>).</note> Seltsame Fortsetzung der transatlantischen Philosophie – u. wiederum bequeme Politik</p>
          <p>Zustimmung nur bei <orgName ref="kbga-actors-9997">Brasilien</orgName> u. <orgName ref="kbga-actors-9998">Bolivien</orgName>! Protesterklärung von <orgName ref="kbga-actors-9627">Spanien</orgName>, <orgName ref="kbga-actors-8393">Holland</orgName>, <orgName ref="kbga-actors-8387">Schweiz</orgName>, <orgName ref="kbga-actors-9999">Schweden</orgName>, <orgName ref="kbga-actors-10000">Norwegen</orgName>.<note xml:id="n12">Die Ablehnung der amerikanischen Note durch die genannten Staaten schloss den Protest gegen die von <orgName ref="kbga-actors-9047">Deutschland</orgName> erklärte Verschärfung des U-Boot-Krieges ein; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 73, Nr. 70 vom 8.2.1917 (2. Blatt), S. [2f.]</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-4129">Nr. 71 vom 9.2.1917 (1. Blatt), S. [2]</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-4129">Nr. 72 vom 9.2.1917 (2. Blatt), S. [2]</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-4129">Nr. 75 vom 11.2.1917 (1. Blatt), S. [3]</bibl>.</note> Aber überall schweigende od. ausdrückl. Ablehnung des Mitgehens.</p>
          <p><orgName ref="kbga-actors-7798">B[undes-]R[at]</orgName>:   Neutralitätsvertrag von <date when="1815">1815</date></p>
          <p rend="long-indent">«Überzeugung»</p>
          <p rend="long-indent">Geograph. Lage<note xml:id="n13">Mit Verweis auf das auf dem <orgName ref="kbga-actors-8098">Wiener Kongress</orgName> am <date when="1815-03-20">20.3.1815</date> deklarierte Prinzip immerwährender schweizerischer Neutralität antwortete der <orgName ref="kbga-actors-7798">Bundesrat</orgName>: «Die Ereignisse während des gegenwärtigen Krieges haben den <orgName ref="kbga-actors-7798">Bundesrat</orgName> in seiner Überzeugung von der Notwendigkeit der Einhaltung einer strikten und loyalen Neutralität bestärkt und den Beweis geleistet, daß heute wie im Jahre <date when="1815">1815</date> die Unverletzlichkeit und Unabhängigkeit der <orgName ref="kbga-actors-8387">Schweiz</orgName> im wahren Interesse der Politik Europas liegen. [...] Der <orgName ref="kbga-actors-7798">Bundesrat</orgName> darf auch die Aufmerksamkeit von Präsident <persName ref="kbga-actors-841">Wilson</persName> auf die einzigartige geographische Lage der <orgName ref="kbga-actors-8387">Schweiz</orgName> lenken, die von allen Seiten von kriegführenden Staaten eingeschlossen ist und mit Sicherheit zum allgemeinen Kriegsschauplatz werden müßte, sobald sie aus ihrer Neutralität heraustreten würde» (<bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 73, Nr. 75 vom 11.2.1917 [1. Blatt], S. [3]</bibl>).</note></p>
          <p> War <persName ref="kbga-actors-841">Wilsons</persName> Vorgehen ein mißlungener Versuch, Andre die Kastanien aus dem Feuer holen zu lassen?</p>
          <p> Oder eine Abtastung der Möglichkeiten, die der Krieg verhindern wird?</p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
