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        <title type="volume" n="vol-48">Vorträge und kleinere Arbeiten 1914–1921</title>
        <title type="content">Der Generalstreik im November 1918</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Der Generalstreik im November 1918, 1919</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/48052 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Vorträge und kleinere Arbeiten 1914–1921, hrsg. v. Drewes, Hans-Anton / Marquardt, Friedrich-Wilhelm (Gesamtausgabe, Abt. III), Zürich 2012, S. 444–463.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Vorträge und kleinere Arbeiten 1914–1921</title>
          <title type="text">Der Generalstreik im November 1918</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Drewes, Hans-Anton</editor>
          <editor>Marquardt, Friedrich-Wilhelm</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2012</date>
          <biblScope unit="page">444-463</biblScope>
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        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Barth, Karl, Der Generalstreik im Nov. 1918, 18. Februar 1919. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/765">KBA 12131</ref>. </bibl>
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        <head>DER GENERALSTREIK IM <date when="1918-11">NOVEMBER 1918</date></head>
        
          <head type="sub">
            <date when="1919">1919</date>
          </head>
        
        <div type="abstract">
          <p> 
            Der schweizerische Landes- oder <term key="Streik, Generalstreik">Generalstreik</term> im <date when="1918-11">November 1918</date> war eine der schwersten politischen Krisen des Schweizer <term key="Schweiz, Geschichte">Bundesstaates</term>. Er bestand aus drei Phasen: Einmal aus einem 24-stündigen Proteststreik in 19 Städten am <date when="1918-11-09">9. November</date>, der gegen die Anwesenheit von <term key="Armee, schweizerische">Militär</term> in <placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName> gerichtet war, dann aus einem zürcherischen Generalstreik vom <date to="1918-11-11" from="1918-11-10">10. bis 11. November</date> und schließlich aus dem schweizerischen Landesstreik vom <date to="1918-11-14" from="1918-11-11">11./12. bis 14. November 1918</date>. In der grundlegenden Darstellung der Ereignisse von <persName ref="kbga-actors-3851">W. Gautschi</persName><note xml:id="n01"><bibl corresp="kbga-bibls-4453">W. Gautschi, <hi rend="italic">Der Landesstreik 1918</hi>, Zürich 1988<hi rend="sup">3</hi></bibl> (im folgenden zitiert: Gautschi).</note> findet sich zum geschichtlichen Hintergrund folgende Zusammenfassung:
          </p>
          <p><hi rend="text-recte"><placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName> galt bei den Bürgerlichen ganz allgemein als der Ort, der am stärksten gefährdet war, sollte eine revolutionäre Bewegung im Ausland auf die <placeName ref="kbga-places-58">Schweiz</placeName> übergreifen. [...] Der Radikalismus der Zürcher <term key="Arbeiter, Zürcher">Arbeiter</term> war weitgehend bedingt durch die industriellen Verhältnisse und die sozialen Spannungen in dieser größten Schweizerstadt. Auch der Einfluß der vielen in <placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName> lebenden ausländischen Deserteure und Refraktäre, vor allem der russischen <term key="Bolschewismus, in der Schweiz"><orgName ref="kbga-actors-8745">Bolschewiki</orgName></term>, darf nicht übersehen werden. [...]</hi></p>
          <p><hi rend="text-recte">Die schwelende Unzufriedenheit bei den sonst eher kleinbürgerlich gesinnten Angestellten hatte am <date when="1918-09-30">30. September</date> und <date when="1918-10-01">1. Oktober 1918</date> zu einem Arbeitsausstand des Zürcher Bankpersonals geführt. [...] Die Zürcher Arbeiterunion hatte aus Solidarität – wohl auch um die Bankangestellten politisch zu gewinnen – zur Unterstützung [von deren] Forderungen einen städtischen Generalstreik ausgelöst und stellte für die Bankangestellten Streikposten. [...] Eine Verständigung kam erst durch Vermittlung des Zürcher Regierungsrates zustande. [...] Am Abend des <date when="1918-10-01">1. Oktober</date> konnte die Staatskanzlei mitteilen, eine Einigung sei zustande gekommen und das Banken-Syndikat habe die Forderungen des Personals erfüllt. Die Arbeiterunion beschloß darauf, den städtischen Generalstreik abzubrechen.</hi></p>
          <p><hi rend="text-recte">Die Vorfälle, die sich im Zusammenhang mit dem Beamtenstreik ereignet hatten, steigerten die Beunruhigung der bürgerlich gesinnten <pb xml:id="p445" ed="pga"/> Kreise. Manchen erschien dieser städtische Generalstreik als Hauptprobe eines umfassenden Generalstreiks mit weiter gesteckten Zielen. Die unmittelbare Gefahr schätzte man zwar vorderhand eher gering ein, doch hatten Mitglieder der zürcherischen Regierung durch «vertrauliche Rücksprache» mit einzelnen Führern der <term key="Sozialdemokratie, schweizerische">Sozialdemokratie</term> erfahren, daß im Falle «größerer revolutionärer Bewegungen» im Auslande, die auf das nahende Kriegsende zu erwarten waren, die Möglichkeit bestehe, daß «der Funke von jenseits der Grenzen dann zu uns herüberspringe».</hi></p>
          <p> <hi rend="text-recte">Als in den ersten Novembertagen der Zusammenbruch der <orgName ref="kbga-actors-8827">Zentralmächte</orgName> zur Tatsache wurde und die ersten Nachrichten vom Aufstande der Kieler Matrosen in die <placeName ref="kbga-places-58">Schweiz</placeName> gelangten, schien die Voraussetzung zur Auslösung einer putschartigen Aktion gegeben zu sein, dies um so mehr, als die auf den <date when="1918-11-07">7. November 1918</date> angesetzten Feiern zum Jahrestag der russischen <term key="Revolution, russische">Revolution</term> einen Ausbruch revolutionärer Gefühle erwarten ließen.<note xml:id="n02"><bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 225–227</bibl>.</note></hi></p>
          <p>
            Selbstverständlich hatte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> im <date when="1918-11">November 1918</date> die Ereignisse «in diesen außerordentlichen Zeiten»<note xml:id="n03"><bibl corresp="kbga-bibls-931">Bw.Th. I, <ref type="pub" target="../volume/03/p299#p299">S. 299</ref>.</bibl></note> mit großer Anteilnahme verfolgt. Die detailgenauen Ausführungen in seinem Referat vor dem <orgName ref="kbga-actors-9909">Arbeiterverein in Safenwil</orgName> lassen vermuten, dass er Zeitungsartikel zu den Geschehnissen in einem Dossier gesammelt hatte, nach denen er an Hand der Stichwortnotizen die Abläufe referieren konnte. Leider hat er diese Sammlung – anders als die entsprechende Zusammenstellung zum Fabrikgesetz<note xml:id="n04">Siehe oben <ref type="pub" target="../volume/48/p010#p010">S. 10</ref>.</note> – nicht aufbewahrt. Doch zeigt die Recherche deutlich, dass seine Hauptquelle die Nachrichten und Berichte der von ihm im Abonnement bezogenen «<orgName ref="kbga-actors-5804">Basler Nachrichten</orgName>» waren, aus denen sich nahezu alle Stichworte konkretisieren und an Hand deren sich auch zunächst unlesbare Stellen schließlich doch entziffern ließen. Ein auf den ersten Blick unerklärliches Detail – die veränderte Reihenfolge, in der <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> die Forderungen des <orgName ref="kbga-actors-10078">Oltener Komitees</orgName> wiedergibt<note xml:id="n05">Siehe unten <ref type="pub" target="../volume/48/p463#fn_n96">S. 463, Anm. 96</ref>.</note> – erhärtet die Annahme, dass die Quelle seiner Ausführungen ganz überwiegend in den «<orgName ref="kbga-actors-5804">Basler Nachrichten</orgName>» zu sehen ist.
          </p>
          <p><pb xml:id="p446" ed="pga" rend="noPipe"/> 
            <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Bedürfnis, im <date when="1919-02">Februar 1919</date> über die Vorgänge vor und während des Landesstreiks zur Klarheit zu kommen und, wie er eingangs sagt, «daraus zu lernen», hatte wohl vor allem zwei Gründe: Zum einen stand die juristische Würdigung der Ereignisse im Landesstreikprozess bevor.<note xml:id="n06"><bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 350–359</bibl>.</note> Zum anderen hatte <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Haltung zum Landesstreik in seiner Gemeinde und in der «Kirchenpflege» (dem Kirchgemeinderat bzw. dem Presbyterium) lebhafte Auseinandersetzungen provoziert, die schließlich zum Rücktritt des Präsidenten und dreier weiterer Mitglieder der Kirchenpflege führten.<note xml:id="n07">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-134">Busch, S. 119</bibl>.</note> Am <date when="1919-02-20">20. Februar 1919</date> stand die letzte Sitzung der Kirchenpflege in der alten Zusammensetzung bevor. Auch im Blick darauf mag es <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> wichtig gewesen sein, die Ereignisse noch einmal zu reflektieren.
          </p>
          <p>
            <persName ref="kbga-actors-1753">Fr.-W. Marquardt</persName> hat die Diskussionen in der Kirchenpflege an Hand der zu jener Zeit von <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> selber als «Aktuar» (Schriftführer) geschriebenen Protokolle der Sitzungen dargestellt.<note xml:id="n08"><bibl corresp="kbga-bibls-4741">Fr.-W. Marquardt, <hi rend="italic">Der Aktuar. Aus Barths Pfarramt</hi>, in: <hi rend="italic">Einwürfe</hi>, hrsg. von Fr.-W. Marquardt, D. Schellong, M. Weinrich und dem Chr. Kaiser Verlag, [Bd.] 3: <hi rend="italic">Karl Barth: Der Störenfried?</hi>, München 1986, S. 93–139</bibl>.</note> In der Sitzung vom <date when="1918-11-15">15. November 1918</date> kündigte der Präsident der Kirchenpflege für die folgende Woche eine Sondersitzung an, in der es um Äußerungen des Pfarrers zum Landesstreik gehen solle. Er bezog sich dabei auf die «Enthüllungen», wie <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> ironisch protokolliert, die <persName ref="kbga-actors-10022">Ernst Hüssy-Senn</persName> bei einer freisinnigen Versammlung gemacht habe: «Einer der schlimmsten Anhänger des <term key="Sozialismus">Sozialismus</term> sei der Pfarrer. Er habe nämlich in einem Privatgespräch in einer Familie den <term key="Streik, Generalstreik">Generalstreik</term> verherrlicht, indem er geäußert habe, der <orgName ref="kbga-actors-7798">Bundesrat</orgName> lasse die armen Kinder verhungern und der Streik sei notwendig wegen der von der <orgName ref="kbga-actors-10024">S. B. B.</orgName> bezahlten Hungerlöhne. Er habe ferner bedauert, gegenwärtig infolge der Grippe nicht predigen zu können, ansonst er auch noch etwas zu sagen hätte.»<note xml:id="n09"><bibl corresp="kbga-bibls-4741">A.a.O., S. 128</bibl>, nach der Vorlage korrigiert. Vom <date to="1918-11-17" from="1918-10-20">20. Oktober bis zum 17. November 1918</date> fanden in <placeName ref="kbga-places-54">Safenwil</placeName> wegen der Grippe-Pandemie keine Gottesdienste statt.</note> In der Sondersitzung vom <date when="1918-11-20">20. November 1918</date> teilte der Präsident einleitend mit: «dass das beanstandete Gespräch in der Familie des Herrn <persName ref="kbga-actors-10023">Hüssy-Kunz</persName> geführt worden sei». Die Wiedergabe <pb xml:id="p447" ed="pga"/> durch Herrn <persName ref="kbga-actors-10022">Hüssy-Senn</persName> «hat sich nach den Mitteilungen von Hrn. <persName ref="kbga-actors-10023">Hüssy-Kunz</persName> als gänzlich entstellt herausgestellt. Die namhaft gemachten Äusserungen sind nicht gefallen. Der Pfarrer hat den <term key="Streik, Generalstreik">Generalstreik</term> nicht ‹verherrlicht›, wohl aber die Ansicht vertreten, er sei eine notwendige Folge der allgemeinen Lage und der herrschenden Politik.»<note xml:id="n10">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4741">a.a.O., S. 129</bibl>.</note> In der Diskussion stellte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> klar: «Zur Sache selbst ist zu sagen, daß es sich nicht um eine Verherrlichung, aber um ein ruhiges Begreifen des <term key="Streik, Generalstreik">Generalstreiks</term> handelt. Der Gebrauch von Gewalt ist selbstverständlich vom Bösen. Aber mit dieser Feststellung ist die absolute Verurteilung einer solchen Erscheinung noch nicht gerechtfertigt. Es ist übrigens mindestens die Frage, von welcher Seite mit der Drohung oder mit dem Gebrauch von Gewalt der Anfang gemacht worden ist. Die Freiheit, solche Erwägungen auszusprechen, wo es sei, kann sich der Pfarrer nicht beschneiden lassen.»<note xml:id="n11"><bibl corresp="kbga-bibls-4741">A.a.O., S. 130</bibl>.</note>
          </p>
        </div>
        <div>
          <head>Der <term key="Streik, Generalstreik">Generalstreik</term> im <date when="1918-11">Nov[ember] 1918</date></head>
          
            <head type="sub">
              <date when="1919-02-18">18. II 19</date>
            </head>
          
          <p><hi rend="italic">1.</hi> Ein in viel Dunkel gehülltes Ereignis. Einer der merkwürdigsten Punkte d. Geschichte, speziell auch des schweiz[erischen] <term key="Sozialdemokratie, schweizerische">Sozialismus</term>. Alle unbedingten Urteile zu verwerfen. Große Möglichkeiten u. Gefahren taten sich auf, 2 Welten traten sich gegenüber. Zu einer Entscheidung kams nicht. Die Spannung besteht weiter. Umso mehr daraus zu lernen.</p>
          <p><hi rend="italic">2. Die allgem. Lage</hi> Anfang Nov.: Deutscher u. österr. Rückzug.<note xml:id="n12">Am <date when="1918-09-29">29.9.1918</date> war es den Armeen der <orgName ref="kbga-actors-8828">Entente</orgName> an der Westfront gelungen, die deutschen Linien zu durchbrechen. Am selben Tag forderte die Oberste Heeresleitung die deutsche Regierung auf, den Gegnern innert 24 Stunden einen Waffenstillstand und den Frieden anzubieten, was jedoch erst am <date when="1918-10-04">4.10.</date> geschah (<bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 468 vom 7.10.1918 [Mittagsausgabe], S. [1]</bibl>). <date to="1918-11-05" from="1918-11-01">Anfang November</date> häuften sich die Berichte über den Rückzug der Truppen der <orgName ref="kbga-actors-8827">Mittelmächte</orgName>: <bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 513 vom 2.11.1918 (1. Blatt), S. [3]</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-4129">Nr. 514 vom 2.11.1918 (2. Blatt), S. [1f.]</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-4129">Nr. 516 vom 4.11.1918 (Mittagsausgabe), S. [1]</bibl>, usw. – Am <date when="1918-10-28">28.10.1918</date> hatten alliierte Truppen die österreichisch-ungarische Front am <placeName ref="kbga-places-1030">Piave</placeName> durchbrochen (<bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 507 vom 30.10.1918 [1. Blatt], S. [2]</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-4129">Nr. 509 vom 31.10.1918 [1. Blatt], S. [2]</bibl>), woraufhin die Wiener Regierung um Waffenstillstand bitten musste und den Rückzug ankündigte (<bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 510 vom 31.10.1918 [2. Blatt], S. [1]</bibl>).</note> <pb xml:id="p448" ed="pga"/> Abfall von <orgName ref="kbga-actors-9890">Türkei</orgName> u. <orgName ref="kbga-actors-9126">Bulgarien</orgName><note xml:id="n13"><orgName ref="kbga-actors-9126">Bulgarien</orgName> hatte bereits am <date when="1918-09-27">27.9.1918</date> um einen Waffenstillstand ersucht, nachdem seine Armee an der mazedonischen Front in ernste Schwierigkeiten geraten war (<bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 453 vom 28.9.1918 [1. Blatt], S. [3]</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-4129">Nr. 454 vom 28.9.1918 [2. Blatt], S. [1f.]</bibl>). - Nach schweren Niederlagen in <placeName ref="kbga-places-871">Palästina</placeName> musste am <date when="1918-10-31">31.10.1918</date> auch die <orgName ref="kbga-actors-9890">Türkei</orgName> einen Waffenstillstand mit der <orgName ref="kbga-actors-8828">Entente</orgName> schließen (<bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 505 vom 29.10.1918 [1. Blatt], S. [2]</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-4129">Nr. 512 vom 1.11.1918 [2. Blatt], S. [1f.]</bibl>).</note> 3.<note xml:id="n14">Die Ziffern bezeichnen das jeweilige Tagesdatum im November 1918: <date when="1918-11-03">3.11.1918</date> usw.</note> Österr. Waffenstillstand.<note xml:id="n15">Die <bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 511 vom 1.11.1918 (1. Blatt), S. [1]</bibl>, meldeten bereits: «Der <hi rend="italic">Auflösungsprozeß Österreich-Ungarns</hi> vollzieht sich ungemein rasch.» Am <date when="1918-11-03">3.11.</date> trat der Waffenstillstand zwischen <orgName ref="kbga-actors-8248">Österreich-Ungarn</orgName> und der <orgName ref="kbga-actors-8828">Entente</orgName> in Kraft (<bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 516 vom 4.11.1918 [Mittagsausgabe], S. [1]</bibl>).</note> «Neuer Kurs» in <placeName ref="kbga-places-151">Deutschland</placeName><note xml:id="n16">Am <date when="1918-09-30">30.9.</date> demissionierte der deutsche Reichskanzler Graf <persName key="Hertling, Georg von">Hertling</persName>. In dem Erlass, mit dem er den Rücktritt annahm, erklärte Kaiser <persName ref="kbga-actors-839">Wilhelm II.</persName>: «Ich <hi rend="italic">wünsche</hi>, daß das <hi rend="italic">deutsche Volk wirksamer als bisher an der Bestimmung</hi> der Geschicke des Vaterlandes <hi rend="italic">mitarbeite</hi>» (<bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 458 vom 1.10.1918 [2. Blatt], S. [2]</bibl>). Am <date when="1918-10-03">3.10.</date> wurde Prinz <persName ref="kbga-actors-683">Max von Baden</persName> zum Reichskanzler ernannt. Er bildete eine Regierung aus den Führern der großen parlamentarischen Parteien (u. a.  <persName ref="kbga-actors-761">Philipp Scheidemann</persName> von der <orgName ref="kbga-actors-6133">SPD</orgName> und <persName ref="kbga-actors-972">Matthias Erzberger</persName> vom Zentrum) und strebte innenpolitisch eine Änderung der Verfassung im Sinne einer «politischen Mündigkeit des deutschen Volkes» an (so in einer Rede vor dem <orgName ref="kbga-actors-8623">Reichstag</orgName> am <date when="1918-10-22">22.10</date>: <bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 496 vom 23.10.1918 [2. Blatt], S. [1]</bibl>). Über den Demokratisierungsprozess in <placeName ref="kbga-places-151">Deutschland</placeName> berichteten die <orgName ref="kbga-actors-5804">BN</orgName> in den folgenden Wochen jeweils unter dem Titel <hi rend="italic">«Der neue Kurs»</hi> (<bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Nr. 468 vom 7.10.1918 [Mittagsausgabe], S. [6], bis BN, Nr. 523 vom 8.11.1918 [1. Blatt], S. [2]</bibl>). Das wichtigste Ergebnis der Verfassungsreformen, die zwischen dem <date to="1918-10-28" from="1918-10-24">24. und 28. Oktober</date> vom Reichstag, vom Bundesrat und vom Kaiser angenommen wurden, war die Einführung des allgemeinen, gleichen Wahlrechts in <placeName ref="kbga-places-289">Preußen</placeName> und die Bestimmung, nach der der Reichskanzler gegenüber dem Parlament verantwortlich gemacht wurde (s. auch unten <ref type="pub" target="#fn_n18">Anm. 18</ref>).</note> 4. Kundgebungen in <placeName ref="kbga-places-60">Stuttgart</placeName> u. <pb xml:id="p449" ed="pga"/> <placeName ref="kbga-places-43">München</placeName>.<note xml:id="n17">Die <bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 518 vom 5.11.1918 (2. Blatt), S. [3]</bibl>, berichteten über <hi rend="italic">«Friedenskundgebungen»</hi> der <hi rend="italic">«Unabhängigen Sozialisten»</hi> am <date when="1918-11-03">3.11.</date> in <placeName ref="kbga-places-43">München</placeName> und über <hi rend="italic">«größere Kundgebungen</hi> der <hi rend="italic">Unabhängigen Sozialdemokraten»</hi> am <date when="1918-11-04">4.11.</date> in <placeName ref="kbga-places-60">Stuttgart</placeName>.</note> Aufruf der Reichsregierung<note xml:id="n18">Am <date when="1918-11-04">4.11.</date> erließ die Regierung unter Reichskanzler Prinz <persName ref="kbga-actors-683">Max von Baden</persName> einen <hi rend="italic">Aufruf an das deutsche Volk</hi>, in dem es u. a.  heißt: «Die <hi rend="italic">Not der Zeit</hi> lastet auf der Welt und auf dem deutschen Volke. Wir müssen diese schweren Tage und ihre Folgen überwinden. Heute schon müssen wir arbeiten für die glücklicheren Zeiten, auf die das deutsche Volk ein Anrecht hat. Die neue Regierung ist am Werke, diese Arbeit zu leisten.» «Wir brauchen in allen Teilen des Staates und des Reiches die <hi rend="italic">Aufrechterhaltung</hi> der <hi rend="italic">öffentlichen Sicherheit durch das Volk selbst</hi>. Wir haben <hi rend="italic">Vertrauen</hi> zu dem Volk. Es hat sich in vier furchtbaren Kriegsjahren glänzend bewährt. Es wird sich nicht von Phantasten sinnlos und nutzlos in neues Elend und Verderben hineintreiben lassen. <hi rend="italic">Selbstzucht</hi> und <hi rend="italic">Ordnung</hi> tun not.» «Die <hi rend="italic">gesicherte Zukunft Deutschlands</hi> ist unser Leitsatz» (<bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 519 vom 6.11.1918 [1. Blatt], S. [2]</bibl>).</note> 6. Ausweisung d. Sovjetgesandtschaft aus <placeName ref="kbga-places-8">Berlin</placeName><note xml:id="n19">Zum Abbruch der diplomatischen Beziehungen zur Sowjetregierung durch die deutsche Regierung am <date when="1918-11-05">5.11.1918</date> meldeten die <bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 520 vom 6.11.1918 (2. Blatt), S. [2f.]</bibl>: «Am 4. November traf von
<hi rend="italic"><placeName ref="kbga-places-42">Moskau</placeName></hi> kommend ein <hi rend="italic">Kurier</hi> der hiesigen diplomatischen Vertretung der <hi rend="italic">Sowjetregierung</hi> auf dem Bahnhof Friedrichstraße ein. Beim Hinuntertragen des Gepäcks vom Bahnsteig wurde eine der Kisten durch Anstoßen beschädigt, so daß die darin befindlichen Papiere auf den Boden fielen. Diese Papiere waren, wie sich herausstellte, in <hi rend="italic">deutscher</hi> Sprache gedruckte <hi rend="italic">Flugblätter</hi>, die die deutschen Arbeiter und Soldaten zum <hi rend="italic">sofortigen Umsturz</hi> aufforderten. Eines der Flugblätter, das von der internationalen Spartacus-Gruppe unterzeichnet war, enthält einen Aufruf zum <hi rend="italic">revolutionären Kampf</hi>, während ein anderes Flugblatt die näheren Anweisungen für diesen Kampf gibt, welche zum <hi rend="italic">Meuchelmord</hi> und zum <hi rend="italic">Terror</hi> auffordern. [...] Die deutsche Regierung hat von der russischen Regierung <hi rend="italic">Bürgschaften</hi> dafür verlangt, daß in Zukunft von ihren Organen keinerlei <hi rend="italic">revolutionäre Agitation</hi> und <hi rend="italic">Propaganda</hi> gegen die staatlichen Einrichtungen in Deutschland geduldet werden [...]. Die russische Regierung wurde ersucht, <hi rend="italic">bis zur Erfüllung</hi> dieser Forderung ihre gesamten <hi rend="italic">amtlichen</hi> Vertreter aus <placeName ref="kbga-places-151">Deutschland</placeName> <hi rend="italic">zurückzuziehen</hi>, ebenso wurden alle amtlichen Vertreter in <placeName ref="kbga-places-297">Rußland</placeName> <hi rend="italic">abberufen</hi>.» Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4129">Nr. 523 vom 8.11.1918 (1. Blatt), S. [2]</bibl>).</note> 7. Aufstand in <placeName ref="kbga-places-240">Kiel</placeName>.<note xml:id="n20">Die <bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 519 vom 6.11.1918 (Beilage zum 1. Blatt), S. [3]</bibl>, berichteten von Unruhen in <placeName ref="kbga-places-240">Kiel</placeName>, «an denen sich <hi rend="italic">Marinemannschaften</hi> und <hi rend="italic">Arbeiter</hi> beteiligten, nachdem ein Führer der <hi rend="italic">Unabhängigen Sozialisten</hi> in einer Versammlung gesprochen hatte. Die Demonstranten beabsichtigten, zahlreiche wegen schwerer Gehorsamsverweigerung in den <hi rend="italic">Militär</hi>-Arrestanstalten sitzende Mannschaften des dritten Geschwaders <hi rend="italic">gewaltsam zu befreien</hi>. Dabei kam es zu <hi rend="italic">Zusammenstößen</hi>, wobei acht Personen <hi rend="italic">getötet</hi> und 29 <hi rend="italic">verwundet</hi> wurden. [...] Der <hi rend="italic">Gouverneur</hi> hat später eine Abordnung der Mannschaften <hi rend="italic">empfangen</hi>, um neues Blutvergießen zu vermeiden. Am Nachmittag unternahm man mit den <hi rend="italic">freigelassenen Arrestanten</hi> des dritten Geschwaders einen <hi rend="italic">großen Umzug</hi> durch die Stadt. Im Zuge wurden <hi rend="italic">rote Fahnen</hi> getragen.» Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 523 vom 8.11.1918 (1. Blatt), S. [2]</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-4129">Nr. 526 vom 10.11.1918, S. [1]</bibl>.</note> Waffenstillstandsver<pb xml:id="p450" ed="pga" break="no"/>handl[un]g<note xml:id="n21">Staatssekretär <persName ref="kbga-actors-972">M. Erzberger</persName> und weitere Bevollmächtige führten vom <date to="1918-11-11" from="1918-11-08">8. bis 11.11.1918</date> in <placeName ref="kbga-places-1264">Compiègne</placeName> Waffenstillstandsverhandlungen mit dem Oberkommando der <orgName ref="kbga-actors-8828">Ententemächte</orgName> und dessen Sprecher Marschall <persName ref="kbga-actors-10083">Foch</persName> (<bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 523 vom 8.11.1918 [1. Blatt], S. [1]</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-4129">Nr. 526 vom 10.11.1918 [Beilage zum Sonntagsblatt], S. [1]</bibl>).</note> 8. Ultimatum d. <term key="Sozialdemokratie, deutsche">Soz[ial]dem[okraten]</term> an den Kaiser.<note xml:id="n22">Die <bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 525 vom 9.11.18 (1. Blatt), S. [1]</bibl>, meldeten über das <hi rend="italic">«Ultimatum der Sozialdemokraten an den Kaiser»</hi> vom <date when="1918-11-07">7.11.1918</date>: «Die <hi rend="italic">Sozialdemokratie</hi> fordert, daß 1. die <hi rend="italic">Versammlungsverbote</hi> für heute aufgehoben; 2. <hi rend="italic">Polizei</hi> und <hi rend="italic">Militär</hi> zur äußersten Zurückhaltung angehalten werden; 3. die preußische Regierung sofort im Sinne der Reichtagsmehrheit <hi rend="italic">umgewandelt</hi> werde; 4. der sozialdemokratische Einfluß in der Reichtagsmehrheit verstärkt wird; 5. <hi rend="italic">die Abdankung des Kaisers und der Thronverzicht des Kronprinzen bis Freitag [8.11.] mittag verwirklicht wird.</hi> Bei <hi rend="italic">Nichterfüllung</hi> der Forderungen <hi rend="italic">treten</hi> die <hi rend="italic">Sozialdemokraten</hi> aus der Regierung <hi rend="italic">aus</hi>.»</note> Republik in <placeName ref="kbga-places-166">Bayern</placeName><note xml:id="n23">Am <date when="1918-11-08">8.11.</date> proklamierte <persName ref="kbga-actors-540">Kurt Eisner</persName> in <placeName ref="kbga-places-43">München</placeName> die bayerische Republik: «Volksgenossen! Nach jahrelanger Knechtung hat das Volk die Machthaber gestürzt und die Regierung selbst in die Hand genommen. Die <hi rend="italic">bayrische Republik</hi> wird hierdurch <hi rend="italic">proklamiert</hi>. […] Die <hi rend="italic">Dynastie Wittelsbach</hi> ist <hi rend="italic">abgesetzt</hi>. Hoch die Republik!» (<bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 526 vom 10.11.1918, S. [1]</bibl>).</note> 9. Abdankung <persName ref="kbga-actors-839">Wilhelms II.</persName><note xml:id="n24">Prinz <persName ref="kbga-actors-683">Max von Baden</persName> gab am Mittag des <date when="1918-11-09">9.11.</date> die Abdankung <persName ref="kbga-actors-839">Wilhelms II.</persName> bekannt: <hi rend="italic">«Der Kaiser und König hat sich entschlossen, dem Throne zu entsagen. Der Reichskanzler [...] beabsichtigt, [...] die Ernennung des Abgeordneten <persName ref="kbga-actors-963">Ebert</persName> zum Reichskanzler und die Vorlage eines Gesetzentwurfes wegen der sofortigen Ausschreibung allgemeiner Wahlen für eine verfassungsgebende deutsche Nationalversammlung vorzuschlagen, der es obliegen würde, die künftige Staatsform des deutschen Volkes […] endgültig festzusetzen»</hi> (<bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 526 vom 10.11.1918, S. [1f.]</bibl>).</note> Revol[ution] in <placeName ref="kbga-places-8">Berlin</placeName><note xml:id="n25"><bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 527 vom 11.11.1918 (Mittagsausgabe), S. [1]</bibl>: «<hi rend="italic">Die Revolution in Deutschland.</hi> Reichskanzler <hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-963">Ebert</persName></hi> hat eine <hi rend="italic">neue sozialistische Regierung</hi> gebildet. Scheidemann proklamierte den Sturz der Monarchie. Der Arbeiter- und Soldatenrat <hi rend="italic">(A. S. R.)</hi> hielt am Samstag [<date when="1918-11-09">9.11.</date>] im Reichstagsgebäude seine erste Sitzung ab und übernahm die innere militärische Leitung».</note> 10.
            Waffenstillstandsbedingungen.<note xml:id="n26">Das vom Obersten Kriegsrat der Alliierten der deutschen Delegation in ultimativer Form auferlegte Waffenstillstandsabkommen enthielt 34 Artikel, in denen wichtige Bestimmungen des Versailler Friedensvertrages vorweggenommen wurden. In den <bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 527 vom 11.11.1918 (Mittagsausgabe), S. [1]</bibl>, wurden unter der Schlagzeile «Die Waffenstillstandsbedingungen» 18 dieser Bedingungen abgedruckt.</note> Regierung <persName ref="kbga-actors-963">Ebert</persName>.<note xml:id="n27">In ihrem Ultimatum vom <date when="1918-11-07">7.11.</date> hatte die <orgName ref="kbga-actors-6133">SPD</orgName>-Fraktion im <orgName ref="kbga-actors-8623">Reichstag</orgName> praktisch die Regierungsgewalt beansprucht. <persName ref="kbga-actors-963">Fr. Ebert</persName> wurde daraufhin am <date when="1918-11-09">9.11.</date> Reichskanzler, und zwar durch einfache Amtsübergabe von seinem Vorgänger Prinz <persName ref="kbga-actors-683">Max von Baden</persName>. Er konnte bereits am <date when="1918-11-10">10.11.</date> eine Regierung bilden, die sich «Rat der Volksbeauftragten» nannte und an der neben Vertretern der gemäßigten Mehrheitssozialisten auch Vertreter der radikalen <orgName ref="kbga-actors-9877">USPD</orgName> beteiligt waren (<bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 527 vom 11.11.1918 [Mittagsausgabe], S. [1]</bibl>).</note> <persName ref="kbga-actors-839">Wil<pb xml:id="p451" ed="pga" break="no"/>helm II.</persName> nach <placeName ref="kbga-places-514">Holland</placeName>.<note xml:id="n28"><bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 527 vom 11.11.1918 (Mittagsausgabe), S. [3]</bibl>: «<hi rend="italic">Der deutsche Kaiser in Holland.</hi> Berlin, 10. Nov. Der <hi rend="italic">Kaiser</hi> ist heute vormittag in <hi rend="italic">Arnheim</hi> in Holland <hi rend="italic">eingetroffen</hi>».</note> <persName ref="kbga-actors-10025">Karl I. </persName> abgedankt.<note xml:id="n29">Der österreichische Kaiser <persName ref="kbga-actors-10025">Karl I. </persName> erklärte in seinem letzten Manifest vom <date when="1918-11-11">11.11.1918</date> zwar nicht seinen Verzicht auf den Thron, verzichtete jedoch auf jeglichen Anteil an den Staatsgeschäften: «Nach wie vor von unwandelbarer Liebe für alle meine Völker erfüllt, will ich ihrer freien Entfaltung meine Person nicht als Hindernis entgegenstellen» (<bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 529 vom 12.11.1918 [2. Blatt], S. [1]</bibl>).</note> Republik in <placeName ref="kbga-places-380">Österreich</placeName><note xml:id="n30">Nach dem Regierungsverzicht <persName ref="kbga-actors-10025">Karls I. </persName> unterbreitete der deutsch-österreichische Staatsrat der provisorischen Nationalversammlung am <date when="1918-11-12">12.11.</date> ein Gesetz über die Staatsform, nach dem <hi rend="italic">«Deutsch-Österreich»</hi> eine demokratische Republik und als solche Bestandteil der Deutschen Republik sein sollte (<bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 529 vom 12.11.1918 [2. Blatt], S. [1]</bibl>).</note> – Proklamation des schweiz. <term key="Streik, Generalstreik">Generalstreiks</term>.<note xml:id="n31">Der schweizerische Landesstreik wurde in der Nacht vom <date to="1918-11-11" from="1918-11-10">10. auf den 11.11.1918</date> proklamiert, s. unten <ref type="pub" target="../volume/48/p456#fn_n55">S. 456, Anm. 55</ref>.</note></p>
          <p>Dieser Zus[ammen]hang zeigt a) den Zus[ammen]bruch der stärksten Stützen des bisherigen Systems b) die sich meldende neue Zeit, ihrer selbst noch ungewiß[.] Die Frage wird für ganz Europa akut: ist das Alte vergangen, ein Neues im Kommen [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="2.Kor.5.17">2.Kor. 5,17</ref>]. Irgendwie mußten wir dazu Stellung nahmen</p>
          <p><hi rend="italic">3. Bericht über d. Tatsächliche. 1.<note xml:id="n32">Die Ziffern bezeichnen das jeweilige Tagesdatum im November 1918: <date when="1918-11-01">1.11.1918</date> usw.</note></hi> Aufruf d. Geschäftsleitung zur Feier der russ. Revol. (<date when="1917-11-07">7. XI 17</date>)<note xml:id="n33">Die Geschäftsleitung der <orgName ref="kbga-actors-6132">Sozialdemokratischen Partei der Schweiz</orgName> veröffentlichte ihren «Aufruf zur Revolutionsfeier», der sich auf die russische Oktoberrevolution vom <date when="1918-11-07">7.11.1917</date> bezog, am <date when="1918-10-31">31.10.1918</date> in der Zürcher Parteizeitung «<orgName ref="kbga-actors-10003">Volksrecht</orgName>». Der Text ist vollständig abgedruckt in <bibl corresp="kbga-bibls-4743">Gautschi, Dokumente, S. 155–157</bibl>, zur Vorgeschichte vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 154f</bibl>. <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> zitiert die Schlusspassage daraus in der ersten «Beilage» (s. unten <ref type="pub" target="../volume/48/p462#p462">S. 462f.</ref>). Der <date when="1918-11-01">1.11.1918</date>, den er dabei als Datum nennt, erklärt sich daraus, dass die von ihm gelesenen <orgName ref="kbga-actors-5804">BN</orgName> den Aufruf gekürzt am <date when="1918-11-02">2.11.1918</date> (<bibl corresp="kbga-bibls-4129">Jg. 74, Nr. 513, 1. Blatt, S. [3]</bibl>) unter Meldungen vom <date when="1918-11-01">1.11.1918</date> ohne Hinweis auf die zuvor erfolgte Veröffentlichung im «<orgName ref="kbga-actors-10003">Volksrecht</orgName>» brachten.</note> Zeigt, daß die Lage begriffen war. <pb xml:id="p452" ed="pga"/> Obs mit den Folgerungen ernst werden sollte, ernst gemeint war? <hi rend="italic">2.</hi> Meldungen von «Umtrieben». 10 Mill. «D. Schweizervolk wittert»<note xml:id="n34"><bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, 1. Beilage zu Nr. 515 vom 3.11.1918, S. [5]</bibl>: «Es unterliegt für uns keinem Zweifel, daß die große Mehrheit des Schweizervolkes die Anwendung von Gewalt in jeder Form verpönt. Deshalb ist es erklärlich, daß es mit Argusaugen darüber wacht, was Unruhen zu bringen geeignet wäre. In neuester Zeit wittert es, wohl nicht mit Unrecht, eine Gefahr in den <hi rend="italic">bolschewistischen Umtrieben</hi>, die sich in verschiedenen Formen geltend machen. Man hat davon gehört, […] daß viele Millionen für Rechnung der <orgName ref="kbga-actors-8745">Bolschewiki</orgName> bei schweizerischen Banken deponiert sein sollen usw.» In diesem Zusammenhang waren «10 Millionen Rubel» in den <bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Nr. 512 vom 1.11.1918 (2. Blatt), S. [3]</bibl>, genannt worden; vgl. dazu auch <bibl corresp="kbga-bibls-4742"><persName ref="kbga-actors-8404">P. Schmid-Ammann</persName>, <hi rend="italic">Die Wahrheit über den Generalstreik von 1918. Seine Ursachen. Sein Verlauf. Seine Folgen</hi>, Zürich 1968, S. 204</bibl>.</note> <hi rend="italic">6.</hi> Zürcher Regierung verlangt Militär a) psycholog. Moment<note xml:id="n35"><bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 521 vom 7.11.1918 (1. Blatt), S. [3]</bibl>: «<hi rend="italic">Bern</hi>, 6. Nov. […] Die Zürcher Regierung verlangte das Truppenaufgebot im Hinblick darauf, daß <hi rend="italic">gewisse Anzeichen</hi> vorhanden sind, wonach <hi rend="italic">in Zürich</hi> im Zusammenhang mit dem <hi rend="italic">Jahrestag der russischen Revolution Unruhen zu erwarten</hi> sind. Der <orgName ref="kbga-actors-7798">Bundesrat</orgName> leistete diesem Verlangen Folge in der Meinung, daß das Truppenaufgebot <hi rend="italic">rein vorbeugenden</hi> Charakter trage und in der Hoffnung, daß es dazu beitragen werde, jegliche Ruhestörung zu vermeiden.» Vgl. auch <bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 227–232</bibl>.</note> b) Abreise des Bat[aillons] 18<note xml:id="n36">Die Armeeführung hatte am <date when="1918-11-04">4.11.1918</date> den Abzug des in <placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName> stationierten Neuenburger Bataillons 18 angeordnet; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 526 vom 10.11.1918, S. [3]</bibl>; vgl. unten <ref type="pub" target="#fn_n38">Anm. 38</ref>; vgl. auch <bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 206</bibl>.</note> c) Mitteilung einer Amtsperson über Bomben<note xml:id="n37"><bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, a.a.O. S. [2]</bibl>: Zur «Begründung des Militäraufgebots» wird «in der Mitteilung der Zürcher Staatskanzlei» «auf den Rapport einer Amtsperson an das Platzkommando Zürich Bezug genommen, aus dem hervorgehen soll, daß in <placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName> neue Bombenfunde gemacht worden sind, daß eine anarchistische Gruppe sich im Besitze von Sprengstoffen befindet und daß für die Tage vom <date to="1918-11-10" from="1918-11-07">7. bis 10. November</date> auf dem Platze Zürich ein terroristischer Putsch geplant war»; vgl. auch <bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 227f.</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-3449">Mattmüller II, S. 404f., Anm. 26</bibl>.</note> d) Hetzartikel[.]<note xml:id="n38"><bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, a.a.O., S. [3]</bibl>: In einer Erklärung des Zürcher Regierungspräsidenten nach einer Konferenz des Regierungsrates am <date when="1918-11-08">8.11.1918</date> mit Vertretern des Kantonsrates über die derzeitige Lage heißt es: «<hi rend="italic">Für das Truppenaufgebot</hi> waren <hi rend="italic">folgende Punkte</hi> für den Regierungsrat <hi rend="italic">maßgebend:</hi> 1. die Unruhen in den Nachbarstaaten; 2. der Umstand, daß am Dienstag morgen [scil. <date when="1918-11-05">5.11.1918</date>] das Bataillon 18, das bisher in <placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName> stationiert war, nach der Grenze übergeführt wurde; 3. am Dienstag morgen machte ein Amtsperson dem Platzkommando Mitteilung über geplante Unruhen und Attentate; 4. mehrere Hetzartikel des ‹Volksrecht›.»</note> 2 Inf[anterie] Reg[imenter] 2 Kav[allerie] <pb xml:id="p453" ed="pga"/> Brig[aden]<note xml:id="n39"><bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 521 vom 7.11.1918 (1. Blatt), S. [3]</bibl>: «Der <orgName ref="kbga-actors-7798">Bundesrat</orgName> hat auf kürzesten Termin (Mittwoch, <date when="1918-11-06">6. November</date>, nachmittags 3 Uhr) ein größeres Truppenaufgebot erlassen. Unter anderm müssen zwei Infanterie-Regimenter und zwei Kavallerie-Brigaden einschließlich Landwehrmitrailleur-Schwadronen Hals über Kopf einrücken.» Vgl. auch <bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 238</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-3449">Mattmüller II, S. 405</bibl>.</note> <hi rend="italic">7.</hi> Nochmals 2 Inf. Reg[.] 2 Kav. Brig.<note xml:id="n40"><bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 522 vom 7.11.1918 (2. Blatt), S. [3]</bibl>: «<hi rend="italic">Neue Truppenaufgebote. Bern</hi>, <date when="1918-11-06">6. Nov.</date> Der <orgName ref="kbga-actors-7798">Bundesrat</orgName> hat beschlossen, die Intanterieregimenter 7 (<placeName ref="kbga-places-22">Freiburg</placeName>) und 16 (<placeName ref="kbga-places-9">Bern</placeName>) sowie die Kavalleriebrigaden
1 und 2 auf Freitag den <date when="1918-11-08">8. November</date>, morgens 9 Uhr, aufzubieten.»</note>[,] «steht außer Zweifel[»,] bestimmter Plan, Anschlag auf Staatsgewalt.<note xml:id="n41">Die <orgName ref="kbga-actors-5804">BN</orgName>, <bibl corresp="kbga-bibls-4129">ebd.</bibl>, zitieren aus einem Artikel der <orgName ref="kbga-actors-4868">NZZ</orgName> (<bibl corresp="kbga-bibls-4331">Jg. 139, Nr. 1483 vom 6.11.1918 [Abendblatt], S. [1]</bibl>) zum Truppenaufgebot: «Es handelt sich um Maßnahmen zum Schutze unserer staatlichen Ordnung und aller derer, die sich ihr anvertraut haben. Denn daß die auf Verfassung und Gesetz begründete Ordnung bedroht ist, steht heute außer Zweifel. Die ausländischen und inländischen Verfechter des Umsturzes, wie er von den <orgName ref="kbga-actors-8745">Bolschewiki</orgName> in <placeName ref="kbga-places-297">Rußland</placeName> durchgeführt worden ist, sind von der Agitation, die in zielbewußter Verhetzung der Volksmassen bestand, dazu übergegangen, einen bestimmten Plan für einen revolutionären Anschlag auf unsere Staatsgewalt, ihre Träger und ihre Schutzmittel, aufzustellen – einen Anschlag, der in den nächsten Tagen oder Wochen in der Stadt <placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName>, dem Herd der ausländischen terroristischen Propaganda, ausgeführt werden soll.» Vgl. dazu <bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 234</bibl>: «Die Annahme, es hätte <date when="1918">1918</date> in <placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName> ein zielbewußt handelndes, aber raffiniert getarntes Revolutionskomitee bestanden, in der Art wie jenes, das in <placeName ref="kbga-places-297">Rußland</placeName> unter Führung <persName ref="kbga-actors-243">Lenins</persName> und <persName ref="kbga-actors-812">Trotzkis</persName>  vom <date when="1917-10-10">10. Oktober 1917</date> an systematisch den bewaffneten Umsturz organisierte und den Beginn des Aufstandes datummäßig festlegte, ist zweifellos unrichtig.»</note> Regierung in Kaserne. <persName ref="kbga-actors-10076">Sonderegger</persName>.<note xml:id="n42">Weiter zitieren die <orgName ref="kbga-actors-5804">BN</orgName>, <bibl corresp="kbga-bibls-4129">ebd.</bibl>, aus dem erwähnten <orgName ref="kbga-actors-4868">NZZ</orgName>-Artikel: «Heute sind Infanterie- und Kavallerieabteilungen in Zürich eingerückt […]. Die Mannschaften werden dem Befehl von Oberstdivisionär <persName ref="kbga-actors-10076"><hi rend="italic">Sonderegger</hi></persName> unterstellt. Das Kommando befindet sich in der Kaserne, wo auch, zum Zwecke der zur Beherrschung der Lage erforderlichen Fühlung zwischen der Staatsverwaltung und der für die Wahrung ihrer Autorität eintretenden militärischen Gewalt, der Regierungsrat Sitzung hält.» Vgl. auch <bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 228–239</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-3449">Mattmüller II, S. 405.408</bibl>.</note> Manifest von <persName ref="kbga-actors-10077">Herzog</persName>[,] «Führer d. Jung<pb xml:id="p454" ed="pga" break="no"/>burschen».<note xml:id="n43"><bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 523 vom 8.11.1918 (1. Blatt), S. [3]</bibl>: «Von <hi rend="italic">revolutionär-sozialdemokratischer</hi> Seite wurde ein <hi rend="italic">Flugblatt</hi> verteilt, welches dem Jahrestag der Zürcher Novemberkrawalle gewidmet ist und folgende <hi rend="italic">Postulate</hi> aufstellt: <hi rend="italic">Befreiung aller politischen Gefangenen</hi>, Sistierung der militärischen und zivilen Prozesse […]. Im Namen der November-Toten, der Verwundeten und Eingekerkerten verlangt das Manifest die sofortige Erfüllung dieser Postulate. Es trägt die Unterschrift der <hi rend="italic"><orgName ref="kbga-actors-10725">kommunistischen Partei</orgName> Zürich</hi>, also wohl der Leute der <hi rend="italic">Gruppe Herzog,</hi>  welche seinerzeit aus der offiziellen <orgName ref="kbga-actors-6132">sozialdemokratischen Partei</orgName> ausgeschlossen worden waren. Auf der Rückseite des Flugblattes wendet sich die <hi rend="italic">sozialdemokratische Soldatenorganisation</hi> Zürich an die <hi rend="italic">Soldaten</hi> und <hi rend="italic">fordert sie zur Gehorsamsverweigerung auf</hi>, falls es zu Konflikten komme.» Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4153">H. U. Jost, <hi rend="italic">Linksradikalismus in der deutschen Schweiz 1914-1918</hi>, Bern 1973, S. 170f.</bibl>; zu den «Novemberkrawallen» <date when="1917">1917</date> vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4153">a.a.O., S. 148–152</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 68f.</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-3449">Mattmüller II, S. 350–375</bibl>. Die <bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 524 vom 8.11.1918 (2. Blatt), S. [3]</bibl>, meldeten, dass das Flugblatt Herzog «zum Verfasser» habe, und zugleich, dass der «Führer der Jungburschen, <persName ref="kbga-actors-10077"><hi rend="italic">Herzog</hi></persName>», am <date when="1918-11-07">7.11.1918</date> verhaftet worden sei. Die sozialdemokratische <term key="Jungbursche">Jungburschen</term>-Gruppe, die sich nun «<orgName ref="kbga-actors-10725">Kommunistische Partei</orgName>» nannte (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4153">Jost, a.a.O., S. 171</bibl>), konnte in den Landesstreik nicht mehr eingreifen.</note> Arbeiterunion wehrt ab: n[icht] veranlaßt, beweisen. Aktion wie bisher.<note xml:id="n44">In den Arbeiterunionen hatten sich Gewerkschaften und sozialdemokratische Organisationen zusammengeschlossen. Die <bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 523 vom 8.11.1918 (1. Blatt), S. [3]</bibl>, meldeten: «<hi rend="italic"><placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName></hi>, <date when="1918-11-07">7. Nov.</date> Die Vorstände der Arbeiterunion Zürich, der sozialistischen Partei und des Gewerkschaftskartells veröffentlichen im heutigen ‹<orgName ref="kbga-actors-10003">Volksrecht</orgName>› folgenden Aufruf:    Arbeiter, Genossen!  Die Arbeiterschaft Zürichs, verkörpert durch die Arbeiterunion Zürich, die ihre Beschlüsse offen faßt und für alle ihre Aktionen die Verantwortung trägt, hat durch keine Maßnahmen auch nur im entferntesten ein Massenmilitär-Aufgebot veranlaßt. […] Die Arbeiterschaft Zürichs, in ihrem Bestreben nach Eroberung der politischen Macht, wird nicht zu terroristischen und konspirativen Mitteln ihre Zuflucht nehmen, sondern das Mittel der Massenaktion auf politischem und wirtschaftlichem Gebiet zur Anwendung bringen. Die Tatsache, daß weder der Arbeiterunion noch den städtischen Behörden auch nicht das geringste von dem Schritte der Regierung bekannt war, beweist, daß die Maßnahmen der Regierung eine Provokation sind, auf die hereinzufallen wir die Arbeiterschaft warnen. […] Wir protestieren gegen die Militärdiktatur. Wir fordern die Arbeiter auf, sich strikte
  an die Losungen des Unionsverbandes zu halten, der sich durch keine Maßnahmen von seinem Wege abbringen läßt. Wir fordern den Regierungsrat des <orgName ref="kbga-actors-9841">Kantons Zürich</orgName> auf, seine Beweise zu veröffentlichen und damit der gesamten Öffentlichkeit für jene Behauptungen den Beweis zu erbringen, mit denen er sein Vorgehen rechtfertigt.»</note> Aber <persName ref="kbga-actors-732">Platten</persName> u. Jugend beschließen Kundgebung <pb xml:id="p455" ed="pga"/> auf <date when="1917-11-10">10.XI</date><note xml:id="n45"><bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 524 vom 8.11.1918 (2. Blatt), S. [3]</bibl>: «<hi rend="italic"><placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName></hi>, <date when="1918-11-07">7. Nov.</date> Die Arbeiterunion Zürich und die <hi rend="italic">sozialdemokratische Jugendorganisation Zürichs</hi> veröffentlichen im ‹<orgName ref="kbga-actors-10003">Volksrecht</orgName>› eine Einladung zu einer nächsten <hi rend="italic">Sonntag</hi>, <date when="1918-11-10">10. November</date>, nachmittags 3 Uhr, auf dem Fraumünsterplatz stattfindenden <hi rend="italic">großen öffentlichen Kundgebung</hi> zur Feier des Jahrestages des Sieges der sozialistischen Revolution in <placeName ref="kbga-places-297">Russland</placeName>. Referenten sind die Genossen <persName ref="kbga-actors-732">Fritz Platten</persName> und <persName ref="kbga-actors-10084">Paul Rüegg</persName>.» <persName ref="kbga-actors-732">Platten</persName> war Sekretär der <orgName ref="kbga-actors-6132">Sozialdemokratischen Partei der Schweiz</orgName>, <persName ref="kbga-actors-10084">Rüegg</persName> gehörte zu der sozialdemokratischen Jugendorganisation. Vgl. auch <bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 262</bibl>.</note> <hi rend="italic">8.</hi> Aufruf des <orgName ref="kbga-actors-7798">B[undes]R[ates]</orgName>: Ordnung[,] daher Militär. Wir haben Alles getan!<note xml:id="n46">Die <bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 525 vom 9.11.1918 (1. Blatt), S. [2]</bibl>, druckten den «Aufruf des <orgName ref="kbga-actors-7798">Bundesrates</orgName> an das Schweizervolk» vom <date when="1918-11-07">7.11.1918</date> ab, in dem es u. a.  heißt: «Wir sind fest entschlossen, die vornehmste aller unserer Pflichten zu erfüllen: Ordnung im Lande zu halten und die öffentliche Sicherheit zu schützen. Daher haben wir beschlossen, vier Infanterieregimenter und vier Kavalleriebrigaden aufzubieten.» «In diesen 4 Kriegsjahren haben wir alles getan, und wir werden fernerhin alles tun, um dem Schweizervolke und insbesondere unsern Mitbürgern mit bescheidenem Einkommen die Lebensbedingungen zu erleichtern.» Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4743">Gautschi, Dokumente, S. 196–198</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 250f.</bibl></note> Aufruf d. <orgName ref="kbga-actors-10078">O[ltener] K[omitees</orgName><note xml:id="n47">Das «<orgName ref="kbga-actors-10078">Oltener Komitee</orgName>» geht auf den «Aktionsausschuß der Oltener Konferenz» zurück, zu der sich am <date when="1918-02-04">4. Februar 1918</date> Vertreter der <orgName ref="kbga-actors-6132">Sozialdemokratischen Partei</orgName> und des <orgName ref="kbga-actors-8617">Schweizerischen Gewerkschaftsbundes</orgName> getroffen hatten, um über den Widerstand der Arbeiterschaft gegen die geplante Einführung einer Zivildienstpflicht zu beraten; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 86–94</bibl>.</note>:] Vermutungen! 24stünd. Proteststreik<note xml:id="n48">In der Meldung über den Aufruf des <orgName ref="kbga-actors-10078">Oltener Komitees</orgName> vom <date when="1918-11-07">7.11.1918</date> zu einem 24-stündigen Proteststreik in den <bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 525 vom 9.11.1918 (1. Blatt), S. [2]</bibl>, heißt es: Das Komitee «konnte feststellen, daß sich die <hi rend="italic">bundesrätlichen Maßnahmen auf bloße Vermutungen und haltlose Konstruktionen</hi> stützen». Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4743">Gautschi, Dokumente, S. 204–206</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 247–257</bibl>.</note> <hi rend="italic">9.</hi> Zürcher Regierung: das Ausland!<note xml:id="n49"><bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 526 vom 10.11.1918, S. [3]</bibl>: In der Erklärung des Zürcher Regierungspräsidenten vom <date when="1918-11-08">8.11.1918</date> (s. oben <ref type="pub" target="../volume/48/p452#fn_n38">S. 452, Anm. 38</ref>) heißt es: «<hi rend="italic">Mit den sozialdemokratischen Führern</hi> trat der Regierungsrat in Fühlung und fragte sie an, ob sie Garantien bieten könnten, daß für den Fall, daß die revolutionären Bewegungen in den Nachbarstaaten auf die <orgName ref="kbga-actors-8387">Schweiz</orgName> übergreifen würden, sie die Massen in den Händen hätten, um zu verhindern, daß diese Funken auf unser Land übersprängen. <hi rend="italic">Diese Garantie konnten die sozialdemokratischen Führer nicht geben.</hi>»</note> <pb xml:id="p456" ed="pga"/> Nicht gegen d. Arbeiter! Ordnung!<note xml:id="n50"><bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, ebd.</bibl>: «Der Regierungsrat erklärt, daß er nicht die Rechte der organisierten Arbeiter antasten wolle. Er habe diesen Schritt getan, um im <placeName ref="kbga-places-235">Kanton Zürich</placeName> und in der <placeName ref="kbga-places-58">Eidgenossenschaft</placeName> in diesen Tagen die allgemeine Ordnung und die öffentliche Sicherheit aufrecht zu erhalten.»</note> – <persName ref="kbga-actors-1012">Grimm</persName> in <placeName ref="kbga-places-9">Bern</placeName>: polit. Macht[,] aber unblutig!<note xml:id="n51"><bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, ebd.</bibl>: Auf einer Kundgebung in <placeName ref="kbga-places-9">Bern</placeName> am <date when="1918-11-09">9.11.1918</date> erklärte <persName ref="kbga-actors-1012">Robert Grimm</persName>, einer der führenden Sozialdemokraten: «Wir sind keine Anarchisten und Putschisten, aber wir wollen die politische Macht erobern, und zwar auf unblutigem Wege.» Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 280</bibl>.</note> «Entdeckungen» der Freisinnigen in <placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName>.<note xml:id="n52">Wahrscheinlich sind die von <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> ironisch so genannten «Entdeckungen» gemeint, von denen in einer Meldung vom <date when="1918-11-09">9.11.1918</date> über einen Aufruf der freisinnigen Partei (vgl. oben <ref type="pub" target="48040#fn_n02">S. 303, Anm. 2</ref>) die Rede ist; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, ebd.</bibl>: «In einem Aufruf der freisinnigen Partei der Stadt <placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName> heißt es unter anderem: ‹Die Regierung weiß bestimmt, daß eine kleine Minderheit beabsichtigte, <hi rend="italic">die Militärstallungen in Brand zu setzen</hi>, unter Benützung der Verwirrung sich des Zeughauses zu bemächtigen und sich mit <hi rend="italic">Maschinengewehren und Munition</hi> zu versehen, sich der <hi rend="italic">Telephon- und Telegraphenzentrale</hi> zu bemächtigen und die <hi rend="italic">bolschewistische Gewaltherrschaft</hi> bei uns aufzurichten.[›] Der Aufruf fordert die Bürger auf, unsere demokratischen Einrichtungen zu schützen, die andere Völker erst erkämpfen müssen.»</note> Auflauf am
            Paradeplatz<note xml:id="n53"><bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, ebd.</bibl>: «Nachdem die auf dem Paradeplatz versammelte Menschenmenge sich gegen 10 Uhr auf eine <hi rend="italic">nach Tausenden zählende Menge</hi> angewachsen hatte, […] gab die Infanterie <hi rend="italic">mehrere Salven von blinden Schreckschüssen</hi> ab, die von der Menge mit Gejohle und Gepfeife begrüßt wurden. Schließlich wurde der <hi rend="italic">ganze Platz geräumt</hi> und die Zugänge zu demselben abgesperrt.» Vgl. auch <bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 252f.</bibl></note> <hi rend="italic">10.</hi> Verhandlungen scheitern.<note xml:id="n54"><bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 527 vom 11.11.1918 (1. Blatt), S. [3]</bibl>: Entgegen der durch die Nationalräte <persName ref="kbga-actors-1012">Grimm</persName> und <persName ref="kbga-actors-7902">Ilg</persName> überbrachten Forderung des <orgName ref="kbga-actors-10078">Oltener Komitees</orgName>, «daß die <hi rend="italic">Truppen aus <placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName> zurückzuziehen</hi> seien, da deren Verbleiben als Provokation der Arbeiterschaft betrachtet werden müßte», beschloss der <orgName ref="kbga-actors-7798">Bundesrat</orgName> am <date when="1918-11-10">10.11.1918</date>, «daß das Truppenaufgebot und die bisher getroffenen Maßnahmen <hi rend="italic">in vollem Umfange aufrecht zu erhalten</hi> seien». Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 272–276</bibl>.</note> Generalstreik.<note xml:id="n55"><bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, ebd.</bibl>: Nach der Entscheidung des <orgName ref="kbga-actors-7798">Bundesrates</orgName>, die Truppen nicht zurückzuziehen, beschloss eine Versammlung des Oltener Aktionskomitees, des Bundeskomitees des schweizerischen Gewerkschaftsbundes und der Geschäftsleitung der sozialdemokratischen Partei in der Nacht von <date to="1918-11-11" from="1918-11-10">Sonntag, 10.11., auf Montag, 11.11.1918</date>, «nach einläßlicher Besprechung der gravierenden Lage, unter Würdigung der nationalen und internationalen Situation, […] einstimmig […] auf Montag nachts 12 Uhr den <hi rend="italic">allgemeinen Landesstreik</hi> zu verhängen». Die <orgName ref="kbga-actors-5804">BN</orgName> druckten nach dieser Meldung zunächst eine Zusammenfassung des Aufrufs und die neun Programmpunkte des <orgName ref="kbga-actors-10078">Oltener Komitees</orgName> und dann unter der Überschrift «Ein Aufruf der Sozialdemokraten» den vollständigen Wortlaut der Proklamation ab; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4743">Gautschi, Dokumente, S. 237–240</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 276–302, dort S. 281f.</bibl> eine Abbildung des Aufrufs «An das arbeitende Volk der Schweiz!»</note> <pb xml:id="p457" ed="pga"/> Aufforderungen an <orgName ref="kbga-actors-10024">SBB</orgName> etc.<note xml:id="n56">In der Proklamation des Landesstreiks werden «Eisenbahner, Staatsangestellte» im besonderen aufgefordert, «Streikarbeit» zu verweigern: «Eure Entschlossenheit vermag den Kampf abzukürzen» (<bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, ebd.</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-4743">Gautschi, Dokumente, S. 239</bibl>). Außerdem erließen die Eisenbahnpersonal-Verbände eine besondere Weisung zur Durchführung des Streiks; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4743">Gautschi, Dokumente, S. 240–243</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 286–288</bibl>.</note> Neue Aufgebote.<note xml:id="n57">Die <bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, a.a.O., S. [2]</bibl>, berichteten über «Neue Truppenaufgebote»; vgl. auch <bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 297f.</bibl></note> Zusammenstoß in <placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName>.<note xml:id="n58">Die <bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, a.a.O., S. [3]</bibl>, berichteten über die Ereignisse auf dem Fraumünsterplatz am <date when="1918-11-10">10.11.1918</date>, auf dem sich trotz des Verbotes der Versammlung zum Jahrestag der russischen Revolution mehrere tausend Personen eingefunden hatten. Als die Menge der Aufforderung, auseinanderzugehen, nicht folgte, schoss das Militär in die Luft oder auf den Boden. Dabei wurden vier Personen verletzt. Vgl. auch <bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 263f.</bibl></note> Olten[er] Programm<note xml:id="n59">Vgl. unten <ref type="pub" target="../volume/48/p463#p463">S. 463</ref> die zweite «Beilage».</note> <hi rend="italic">11.</hi> Neue Aufgebote u. Strafdrohungen.<note xml:id="n60">Die <bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 528 vom 12.11.1918 (1. Blatt), S. [2f.]</bibl>, berichteten über «Neue Truppenaufgebote» und über den Aufruf des <orgName ref="kbga-actors-7798">Bundesrates</orgName> an die Staatsbediensteten, der das «Treueverhältnis» dem Staate gegenüber einschärfte und den Streikenden wie denen, die zum Streik aufriefen, Strafe androhte; vgl.auch <bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 300</bibl>.</note> Konzessionen in <placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName> (3 Demissionen, 8[-­]St[un]d[en-]Tag[,] Truppen weg)<note xml:id="n61"><bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, a.a.O., S. [3]</bibl>: «<hi rend="italic"><placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName></hi>, <date when="1918-11-10">10. Nov.</date> Heute Nachmittag haben Besprechungen zwischen dem <hi rend="italic">Regierungsrat</hi> des Kantons <hi rend="italic">Zürich</hi> und dem <hi rend="italic">Stadtrat</hi> von Zürich stattgefunden. Zur Beilegung des Konfliktes erklärte sich die Regierung zu folgenden <hi rend="italic">Zugeständnissen an die Arbeiterschaft</hi> bereit: 1. Es werden <hi rend="italic">sofort drei Mitglieder</hi> des Regierungsrates <hi rend="italic">demissionieren</hi>, um der <hi rend="italic">Arbeiterschaft</hi> eine <hi rend="italic">Vertretung</hi> einzuräumen. 2. Der Regierungsrat ist bereit, sofort eine Gesetzesvorlage einzubringen, die den <hi rend="italic">Achtstundentag</hi> für das gesamte kantonale Personal enthält, und in ähnlichem Sinne für das ganze Gebiet der <orgName ref="kbga-actors-8387">Eidgenossenschaft</orgName> beim <orgName ref="kbga-actors-7798">Bundesrat</orgName> vorstellig zu werden. 3. Der Regierungsrat ist bereit, die <hi rend="italic">sofortige Zurückziehung</hi> der <hi rend="italic">Truppen</hi> zu verlangen, wenn der Streik als beendet erklärt wird.»   Zur weiteren Entwicklung vgl. den Bericht in den <bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 529 vom 12.11.1918 (2. Blatt), S. [2]</bibl>.</note> u. <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName> (2 Demissionen, Truppen weg)<note xml:id="n62">Die <bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 528 vom 12.11.1918 (1. Blatt), S. [3]</bibl>, berichteten unter der Überschrift «Rücktritt von Regierungsräten» über den geforderten bzw. erwarteten Rücktritt zweier Basler Regierungsräte, die nicht mit der Linie der bürgerlichen Regierungsräte übereinstimmten. Ebd. wurde berichtet, dass «eine <hi rend="italic">sozialdemokratische</hi> Delegation» gegenüber dem Regierungsrat «Garantien für einen unblutigen Verlauf der
              Bewegung in <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName> übernehmen» wollte «unter der Bedingung, daß kein Militär einschreite». Zwar ging die Regierung darauf nicht ein, doch hielten sich die Truppen im Hintergrund, so dass die <bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 530 vom 13.11.1918 (1. Blatt), S. [3]</bibl>, über das «Aussehen der Stadt» am ersten Tag des Generalstreiks berichten konnten: «Militär sah man nur sehr wenig, häufig dagegen die weißen Binden der Bürgerwehr», die sich «zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung» gebildet hatte.</note> <hi rend="italic">12.</hi> <orgName ref="kbga-actors-9866">B[un<pb xml:id="p458" ed="pga" break="no"/>des-]Vers[ammlung]</orgName>!<note xml:id="n63">Die <bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 530 vom 13.11.1918 (1. Blatt), S. [2]</bibl>, berichteten über den Beginn der außerordentlichen Sitzung der <orgName ref="kbga-actors-9866">Bundesversammlung</orgName> am <date when="1918-11-12">12.11.1918</date>; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 302–318</bibl>.</note> (<persName ref="kbga-actors-10076">Sonderegger</persName>: unsre Truppen sind mit Handgranaten ...)<note xml:id="n64"><bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, ebd.</bibl>: «<hi rend="italic"><placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName></hi>, <date when="1918-11-12">12. Nov.</date> Oberstdivisionär <persName ref="kbga-actors-10076">Sonderegger</persName> erläßt folgende Kundgebung an die Bevölkerung der Stadt <placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName>: Unsere Truppen sind mit Handgranaten ausgerüstet. Sie haben Befehl, sie zu gebrauchen, wenn aus Fenstern und Kellerlöchern geschossen wird.» In einer Erklärung an das Präsidium der Arbeiterunion Zürich schreibt <persName ref="kbga-actors-10076">Sonderegger</persName>: «Die Truppen werden […] von ihrem Rechte Gebrauch machen und nach vorangegangener Warnung auf diejenigen feuern, die sich ihnen widersetzen.» Vgl. auch <bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 264f.</bibl></note> <persName ref="kbga-actors-10079">Calonder</persName>: Vertret[un]g der Soz[ialisten] im <orgName ref="kbga-actors-7798">B[undes-] R[at]</orgName>. Sozialpol[itische] Vereinbarungen.<note xml:id="n65">Die <bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, ebd.</bibl>, referierten aus der Rede des Bundespräsidenten <persName ref="kbga-actors-10079">Calonder</persName>: «Was die Forderungen des <orgName ref="kbga-actors-10078">Oltener Komites</orgName> anbetrifft, so ist der <hi rend="italic"><orgName ref="kbga-actors-7798">Bundesrat</orgName> einer Vertretung der Sozialdemokratie in seiner Behörde nicht abgeneigt</hi>, wenn möglich auf dem Wege einer Vermehrung der Mitgliederzahl.» «Der Bundesrat hat entschieden die <hi rend="italic">Notwendigkeit der Aufnahme sozialpolitischer Vereinbarungen</hi> in die grundlegenden Bestimmungen des <hi rend="italic">Völkerbundes</hi> betont. Alle Reformen können nur auf dem gesetzlichen Wege und unter Rücksichtnahme auf das ganze Volk vor sich gehen in unserer Demokratie.» Vgl. auch <bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 303f.</bibl></note> <persName ref="kbga-actors-1012">Grimm</persName> fragt nach Gründen!<note xml:id="n66">Die <bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 531 vom 13.11.1918 (2. Blatt), S. [2]</bibl>, berichteten über die Erklärung <persName ref="kbga-actors-1012">Robert Grimms</persName> im Namen seiner Fraktion: «Ursache des Landesstreiks ist das Truppenaufgebot. Bis zur heutigen Stunde ist niemand darüber unterrichtet, welche Erwägungen diese Maßnahmen begründet haben. Die heutigen Erklärungen des Bundespräsidenten können der Arbeiterschaft nicht genügen». Vgl. auch das Referat der entsprechenden Passage bei <bibl corresp="kbga-bibls-4742"><persName ref="kbga-actors-8404">Schmid-Ammann</persName>, a.a.O. (s. oben <ref type="pub" target="../volume/48/p452#fn_n34">S. 452, Anm. 34</ref>), S. 282</bibl>.</note> <hi rend="italic">13.</hi> Militär Aktion gegen Komitee<note xml:id="n67">Die <bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 533 vom 16.11.1918 (2. Blatt), S. [3]</bibl>, brachten eine <hi rend="italic">«Anmerkung»</hi> «von sozialdemokratischer Seite» über die am <date when="1918-11-13">13.11.</date> erfolgte Festsetzung des <orgName ref="kbga-actors-10078">Oltener Komitees</orgName>, das «militärisch überwacht und festgehalten wurde», bis «abends 6 Uhr» «das improvisierte Gefängnis» aufgehoben wurde. In einer angefügten «Anmerkung der Redaktion» dazu heißt es: «Diese schnoddrige ‹Anmerkung› echt Grimmschen Kalibers wird niemand täuschen.» «Die Bundesbehörden hatten allen Anlaß, sich einige Persönlichkeiten des Oltener Sowjets etwas genauer anzusehen. Bekanntlich gibt es Verbrechen, die Anstiftung zum Aufruhr, Anstiftung zur Widersetzlichkeit usw. heißen.»</note> u. Zeitungen<note xml:id="n68">Das «Bulletin der nationalen Presse», das während der Streikmaßnahmen gegen die Buchdruckerei der <orgName ref="kbga-actors-5804">BN</orgName> erschien, brachte in <bibl corresp="kbga-bibls-4129">Nr. 1 vom 13.11.1918, S. [2]</bibl>, die Meldung: «<hi rend="italic"><placeName ref="kbga-places-9">Bern</placeName></hi>, 13. Das <hi rend="italic">Gebäude der ‹Tagwacht›</hi> ist heute früh militärisch <hi rend="italic">besetzt</hi> und <hi rend="italic">Druckerei geschlossen</hi> worden. Der telephonische Verkehr mit der Streikleitung und der Redaktion der ‹Tagwacht› ist unterbunden.» Die <bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 532 vom 15.11.1918 (Mittagsausgabe), S. [1]</bibl>, berichteten aus <placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName>: «Am Nachmittag [scil. des <date when="1918-11-14">14.11.</date>] wurde das Gebäude des ‹<orgName ref="kbga-actors-10003">Volkrecht</orgName>› militärisch besetzt und die Druckerei geschlossen.» Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 294</bibl>.</note>. Zus.stoß in <pb xml:id="p459" ed="pga"/> <placeName ref="kbga-places-734">Grenchen</placeName>.<note xml:id="n69">Die <bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 532 vom 15.11.1918 (Mittagsausgabe), S. [2]</bibl>, berichteten über «ernsthafte <hi rend="italic">Ausschreitungen</hi>» in <placeName ref="kbga-places-734">Grenchen</placeName> am <date to="1918-11-14" from="1918-11-13">13./14.11.1918</date>. Am <date when="1918-11-14">14.11.1918</date> «kam es zu <hi rend="italic">Zusammenstößen</hi>, wobei die Truppen <hi rend="italic">Feuer</hi> gaben. Drei der Demonstranten blieben <hi rend="italic">tot</hi> auf dem Platze.» Vgl. auch <bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 328</bibl>.</note> Streikabbruch (Eisenbahner, Versprechungen, nicht vor Masch[inen]gewehren[,] d. Kampf geht weiter)<note xml:id="n70">Die <bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 533 vom 16.11.1918 (1. Blatt), S. [2]</bibl>, brachten die Erklärung des <orgName ref="kbga-actors-10078">Oltener Komitees</orgName> zum Streikabbruch vom <date when="1918-11-14">14.11.1918</date>, in der es heißt: «Die Frage der Weiterführung des Streiks war eine Frage des Verhaltens der Eisenbahner und der mobilisierten Truppen. Eine <hi rend="italic">Mehrheit der Leitung des
Verbandes schweizerischer Eisenbahn- und Dampfschiffangestellter schoß unserer Bewegung</hi> und den Vertrauensleuten <hi rend="italic">in den Rücken.</hi> Der <orgName ref="kbga-actors-7798">Bundesrat</orgName> und die <orgName ref="kbga-actors-9866">Bundesversammlung</orgName> haben […] hinsichtlich der wirtschaftlichen und sozialen Forderungen allgemeine Versprechungen gemacht. Diese <hi rend="italic">Zugeständnisse können nicht befriedigen.</hi> Um aber im Augenblick <hi rend="italic">mehr</hi> zu erreichen, wäre die Umwandlung des Landesstreiks in einen <hi rend="italic">revolutionären Generalstreik</hi> nötig gewesen. Die Arbeiterschaft hätte über gleichwertige Waffen verfügen müssen, wie das verbrecherisch auf sie gehetzte Heer. Diese Gleichheit bestand nicht. Die Massen wehrlos den Maschinengewehren der Gegner ausliefern, das konnten und durften wir nicht.» «Der Landesstreik ist beendigt, der Kampf der Arbeiterklasse geht weiter.» Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4743">Gautschi, Dokumente, S. 320f.</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 318–331</bibl>.</note></p>
          <p><pb xml:id="p460" ed="pga" rend="noPipe"/> <hi rend="italic">4. Die Ursachen[:] Bolschewist[ische] <term key="Bolschewismus, in der Schweiz">Agitation</term></hi><hi rend="italic">.</hi> Vorhanden<note n="*" type="original">Und die deutsche Propaganda u. Gelder?<note xml:id="n71">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 157f.</bibl></note></note><note xml:id="n72">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 156–171.380</bibl>. <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> teilt hier die Einschätzung beispielsweise von <persName ref="kbga-actors-330">L. Ragaz</persName>, vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3449">Mattmüller II, S. 423f.</bibl></note>, genügt aber nicht zur Erklärung. Große Teile d. Arbeiterschaft wollten.<note xml:id="n73">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 295f.</bibl></note> Über Geld nichts bewiesen<note xml:id="n74">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 161f.354f.</bibl></note> (Parteikassenbücher!) <hi rend="italic">Gründe[:]</hi> Tiefgreifende Unzufriedenheit mit den Bundesbehörden, die sich mit <orgName ref="kbga-actors-9047">Deutschland</orgName> kompromittiert hatten.<note xml:id="n75">Vgl. z.B. die Affäre des sog. «Obersten-Handels» im Jahre <date when="1916">1916</date>, in dem zwei Schweizer Oberste mit den deutschen und österreichischen Militärattachés neutralitätswidrigen Nachrichtenaustausch betrieben (dazu <bibl corresp="kbga-bibls-2003">E. Bonjour, <hi rend="italic">Geschichte der schweizerischen Neutralität</hi>, Bd. II, Basel 1970<hi rend="sup">5</hi>, S. 159–168</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-4746">H. von Greyerz, <hi rend="italic">Der Bundesstaat seit 1848</hi>, in: <hi rend="italic">Handbuch der Schweizer Geschichte</hi>, Bd. 2, Zürich 1977, S. 1019–1246, dort S. 1132</bibl>), und den Vorwurf des Verstoßes gegen die Neutralität zugunsten <orgName ref="kbga-actors-9047">Deutschlands</orgName>, der <date when="1917">1917</date> zum Rücktritt des Bundesrates <persName ref="kbga-actors-5824">Arthur Hoffmann</persName> führte (<bibl corresp="kbga-bibls-2003">Bonjour</bibl>; von Greyerz, a.a.O.,<bibl corresp="kbga-bibls-4746"> S. 1132f.).</bibl></note> Mangelnde Fürsorge<note xml:id="n76">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 36–39</bibl>.</note> (der Staat ohnmächtig gegen Schieber u. Wucherer)<note xml:id="n77">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 39</bibl>.</note> Preispolitik (cf. <persName ref="kbga-actors-10080">Steiger</persName> in <orgName ref="kbga-actors-5804">B[asler] N[achrichten]</orgName>)<note xml:id="n78">Vgl. unten <ref type="pub" target="../volume/48/p463#p463">S. 463</ref> die dritte «Beilage».</note> Kein Entgegenkommen (<orgName ref="kbga-actors-10024">SBB</orgName>)<note xml:id="n79">Die <bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 532 vom 15.11.1918 (Mittagsausgabe), S. [2]</bibl>, berichteten: «Nach in <placeName ref="kbga-places-9">Bern</placeName> eingetroffenen Meldungen scheinen die <hi rend="italic">Eisenbahner</hi> entschlossen, [...] die Arbeit unverzüglich wieder auf der ganzen Linie aufzunehmen, allerdings hegen sie dabei die Hoffnung, daß der <orgName ref="kbga-actors-7798">Bundesrat</orgName> für das Bundespersonal eine <hi rend="italic">allgemeine Amnestie</hi> eintreten lasse. Wie verlautet, ist aber der <hi rend="italic">Bundesrat nicht in der Lage</hi>, eine solche allgemeine Amnestie in Aussicht stellen zu können.»</note> <term key="Militarismus">Militarismus</term>. Anarchie von oben.<note xml:id="n80">Eine ähnliche Einschätzung der Haltung von Regierung und Parlament findet sich bei <persName ref="kbga-actors-330">L. Ragaz</persName>, der rückblickend von einem «Bolschewismus von oben» sprach; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3449">Mattmüller II, S. 421–423</bibl>.</note> Zum Rechten sehen! Darum: Festbe<pb xml:id="p461" ed="pga" break="no"/>soldete<note xml:id="n81">Die <bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 529 vom 12.11.1918 (2. Blatt), S. [2]</bibl>, meldeten das Eintreten des Zentralvorstands des «Schweizerischen Bundes der Festbesoldeten» «für die <hi rend="italic">sofortige Umbildung</hi> der <hi rend="italic">Landesregierung</hi>» und für «die <hi rend="italic">9 Postulate</hi> des Oltener Aktionskomitees».</note>, <orgName ref="kbga-actors-10081">Helvet[ische] Gesellschaft</orgName><note xml:id="n82">Die <bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 530 vom 13.11.1918 (1. Blatt), S. [2]</bibl>, brachten den Text eines Schreibens der «<orgName ref="kbga-actors-6206">Neuen Helvetischen Gesellschaft</orgName>», Ortsgruppe <placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName>, an den <orgName ref="kbga-actors-7798">Bundesrat</orgName> mit der «dringlichen Anregung», «es möchte unverzüglich die <hi rend="italic">Neuwahl</hi> des <hi rend="italic"><orgName ref="kbga-actors-9857">Nationalrates</orgName></hi> in die Wege geleitet werden». Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4742">Schmid-Ammann , a.a.O. (s. oben <ref type="pub" target="../volume/48/p452#fn_n34">S. 452, Anm. 34</ref>), S. 274–277</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 301</bibl>.</note>, <orgName ref="kbga-actors-2687">Zofingia</orgName> <placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName><note xml:id="n83">«Die überwiegende Mehrheit der <orgName ref="kbga-actors-2687">Zofingia</orgName>, <placeName ref="kbga-places-66">Zürich</placeName>», erklärte in einem Aufruf vom <date when="1918-11-14">14.11.1918</date> <hi rend="italic">An die Studenten der Universität Zürich</hi> u. a. : «Wir halten dafür, dass <hi rend="italic">die Fragen der Zeit nicht durch Militärgewalt</hi> wirklich gelöst werden können.» «Wir bekennen uns zu den sämtlichen 9 Forderungen des Oltener Aktionskomites». «Auch wir halten den <hi rend="italic">Boden der Verfassung</hi> für den einzig gangbaren Weg.» (<bibl corresp="kbga-bibls-4747">Centralblatt des Zofinger-Vereins, Jg. 59 [1918-1919], S. 43–45, dort S. 44</bibl>; s. auch <bibl corresp="kbga-bibls-4742">Schmid-Ammann, a.a.O., S. 276f.</bibl>; zur Auseinandersetzung über diesen Aufruf innerhalb der Studentenverbindung <orgName ref="kbga-actors-2687">Zofingia</orgName> vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4747">Centralblatt, a.a.O., S. 46–52.192–200</bibl>).</note>[.] <hi rend="italic">Demokratie[.]</hi> Ja wo war sie? <term key="Proporzwahlrecht">Proporz</term>!<note xml:id="n84">Das Gesetz über die Einführung des Proporzes bei Nationalratswahlen vom <date when="1919-02-14">14.2.1919</date>, für die die Entscheidung in
der Volksabstimmung vom <date when="1918-10-13">13.10.1918</date> gefallen war, antizipierte den Zusammenbruch der Vormachtstellung des bürgerlichen Freisinns, der von <date to="1919" from="1848">1848 bis 1919</date> dominierende Mehrheitspartei war; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4746">von Greyerz, a.a.O. (s. oben <ref type="pub" target="#fn_n75">Anm. 75</ref>), S. 1140–1142</bibl>.</note></p>
          <p><hi rend="italic">5. Der Anlaß: Komplott oder Angstschwindel?</hi> Hier auf einmal starke Hand, größte Vorsorge. Und die Tatsachen? Nichts bewiesen (Interpell[ation] <persName ref="kbga-actors-698">Müller</persName>!)<note xml:id="n85">Die <bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 563 vom 4.12.1918 (1. Blatt), S. [1]</bibl>, berichteten über die Interpellation: «<hi rend="italic">Müller</hi> (<placeName ref="kbga-places-9">Bern</placeName>) und Mitunterzeichner wünschen vom <orgName ref="kbga-actors-7798">Bundesrat</orgName> über die Ursachen und Motive der vor dem Streik beschlossenen und vollzogenen Truppenaufgebote akten- und wahrheitsgemäß Aufschluß.» </note> <persName ref="kbga-actors-840">Wille</persName> u. das Zürcheraufgebot.<note xml:id="n86">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 199–211</bibl>.</note> <persName ref="kbga-actors-10082">Gertsch</persName> in <placeName ref="kbga-places-9">Bern</placeName>.<note xml:id="n87">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 240–242</bibl>.</note> <persName ref="kbga-actors-785">Sprecher</persName> gegen <persName ref="kbga-actors-837">Wildbolz</persName>.<note xml:id="n88">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 244</bibl>.</note> Warum die Konzessionen[,] wenn gutes Gewissen? Eher der Preußengeist d. Armeeleitung schuld. Dis<pb xml:id="p462" ed="pga" break="no"/>lozierungen!<note xml:id="n89">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 206f.</bibl></note> Bürgerwehren!<note xml:id="n90">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 297.316</bibl>.</note> Wie <orgName ref="kbga-actors-9047">Deutschland</orgName> <date when="1914">1914</date> «angegriffen». Wehrlosigkeit d. Arbeiterschaft. Ausland!<note xml:id="n91">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 211–214</bibl>.</note></p>
          <p><hi rend="italic">Das <orgName ref="kbga-actors-10078">Olte[ne]r Komitee</orgName></hi> hat immerhin entscheidende Beschlüsse gefaßt: Die gewöhnl. Mittel genügen nicht mehr. Streik ist nicht Gewalt, aber auf d. Weg dazu. Zweifellos Gedanke an Umsturz. Lag in dieser Richtung nicht ein böser Irrtum über die Lage? Weltgeschichtl. Betrunkenheit? Eine Folge der vielen Phrasen? Gefangen im eigenen Netz?<note xml:id="n92">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4453">Gautschi, S. 345f.</bibl></note> Siegen oder Sterben!<note xml:id="n93">Aus der Proklamation des Landesstreiks durch das <orgName ref="kbga-actors-10078">Oltener Komitee</orgName> (s. oben <ref type="pub" target="../volume/48/p456#fn_n55">S. 456, Anm. 55</ref>), die mit den Sätzen endet: «Der Anarchie, dem Putschismus und verhängnisvollen Sonderaktionen setzen wir die organisierte Massenaktion entgegen. In ihrem Zeichen wollen wir kämpfend siegen oder sterbend untergehen! Hoch die Solidarität! Es lebe die neue Zeit!»</note></p>
          <p><hi rend="italic">6. Folgen</hi> Dem <term key="Bürgertum"><hi rend="italic">Bürgertum</hi></term> ist die Gefahr d. Lage klar geworden. Was wird es tun? <term key="Reaktion">Reaktion</term>? Dann kommts erst recht. Ernster Wille? Aber dann bald</p>
          <p>Und <hi rend="italic">wir?</hi> Haben das Halsbrecherische d. Systems <persName ref="kbga-actors-732">Platten</persName><note xml:id="n94">Gemeint ist die von <persName ref="kbga-actors-732">Fr. Platten</persName> und der Zimmerwalder Linken verfolgte Taktik des gewaltsamen revolutionären Umsturzes.</note> erkannt, andrerseits die große Arbeit, die zu tun ist.</p>
          <div>
            <head>
              <hi rend="italic">Beilagen</hi>
            </head>
            <p><hi rend="italic">1. Aufruf d. Parteileitung</hi> am <date when="1918-11-01">1. XI 18</date><note xml:id="n95">Vgl. oben <ref type="pub" target="../volume/48/p451#fn_n33">S. 451, Anm. 33</ref>.</note></p>
            <p> Schon rötet die nahende Revol[ution] den Himmel über Zentraleuropa. Der erlösende Brand wird d. ganze morsche blutdurchtränkte Gebäude der kapitalist. Welt erfassen. Eine neue Ära öffnet sich, die Ära d. Kampfes um die Befreiung der Volksmassen von Druck u. Ausbeutung, Hunger u. Krieg, die Ära d. Sozialismus. Indem das <term key="Proletariat">Prol[etariat]</term> aller Länder das Banner der soz[ialen] Revol. erhebt, wird es nicht nur die russ. <term key="Revolution, russische">Arbeiterrevol.</term> von den ihr drohenden Gefahren erretten, es wird s[eine] eigenen Fesseln abstreifen. Unsre Aufgabe ist es, das Prol. für diese nahenden Kämpfe zu wappnen. Arbeiter <pb xml:id="p463" ed="pga"/> d. <orgName ref="kbga-actors-8387">Schweiz</orgName>, zeigt, daß ihr gewillt seid, in der neuen <term key="Internationale, neue">Internationale</term> den euch gebührenden Platz zu beanspruchen!</p>
            <!-- leerzeile -->
            <p>
              
              <hi rend="italic">2. Olten[er] Programm<note xml:id="n96">Das «Minimalprogramm» aus der Proklamation des Landesgeneralstreiks durch das <orgName ref="kbga-actors-10078">Oltener Komitee</orgName> (s. oben <ref type="pub" target="../volume/48/p456#fn_n55">S. 456, Anm. 55</ref>). <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> nennt die Punkte in der von der Proklamation abweichenden Reihenfolge, in der sie in der zusammenfassenden Meldung der <bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 527 vom 11.11.1918 (1. Blatt), S. [3]</bibl>, aufgeführt sind.</note></hi>
            </p>
            <table>
              <row>
                <cell>Wir fordern:</cell>
                <cell><hi rend="italic">1.</hi> Neuwahl des <orgName ref="kbga-actors-9857">N[ational-]R[ates]</orgName></cell>
              </row>
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                <cell/>
                <cell><hi rend="italic">2.</hi> <term key="Frauenstimmrecht">Frauenstimmrecht</term></cell>
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                <cell><hi rend="italic">3.</hi> Reorganis[ation] der <term key="Armee, schweizerische">Armee</term></cell>
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                <cell><hi rend="italic">4.</hi> Lebensmittelversorgung</cell>
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                <cell><hi rend="italic">5.</hi> 48[-­]St[unden-]Woche</cell>
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                <cell><hi rend="italic">6.</hi> Allgem. Arbeitspflicht</cell>
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                <cell><hi rend="italic">7.</hi> Staatsmonopole f. Export u. Import</cell>
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                <cell><hi rend="italic">8.</hi> Alters- u. Invalidenversicherung</cell>
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                <cell><hi rend="italic">9.</hi> Schuldentilgung durch die Besitzenden</cell>
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            </table>
            <p>Siegen oder Sterben!<note xml:id="n97">Vgl. oben <ref type="pub" target="#fn_n93">Anm. 93</ref>.</note></p>
              <!-- leerzeile -->
            <p><hi rend="italic">3. <persName ref="kbga-actors-10080">Steiger</persName></hi> in den <orgName ref="kbga-actors-5804">Bas[.] Nachr.</orgName> <date when="1918-12-02">2. XII 18</date></p>
            <p>Die Ursachen der enormen Teuerung sind heute zu einem beträchtl. Teil im eigenen Lande zu suchen u. die Preissteigerung vieler Artikel wäre nicht in dem Umfang eingetreten, wenn die Bundesbehörden bei Zeiten einem künstl. Hinauftreiben d. Riegel gestoßen hätten.<note xml:id="n98">In den <bibl corresp="kbga-bibls-4129">BN, Jg. 74, Nr. 560 vom 2.12.1918 (Mittagsausgabe), S. [1]</bibl>, berichtete der Redaktor für den wirtschaftlichen Teil, Prof. Dr. <persName ref="kbga-actors-10080">J. Steiger</persName>, unter dem Namenskürzel «st.» über «Wirtschaftliches aus der Bundesstadt». U.a. wurde an Hand einer Tabelle über die <hi rend="italic">«Kaufkraft des Geldes im Kleinhandel»</hi> das Absinken der Kaufkraft von<date to="1918-06" from="1913-06"> Juni 1913 bis Juni 1918</date> auf 40% dargestellt. Im Anschluss an diese Tabelle findet sich die von <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> fast wörtlich zitierte Passage.</note></p>
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</TEI>
