<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="kbga-texts-49009">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title type="volume" n="vol-49">Vorträge und kleinere Arbeiten 1930–1933</title>
        <title type="content">Die Arbeit als Problem der theologischen Ethik</title>
        <title type="citation_line_1">Die Arbeit als Problem der theologischen Ethik, 1931</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/49009 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Vorträge und kleinere Arbeiten 1930–1933, hrsg. v. Beintker, Michael / Hüttenhoff, Michael / Zocher, Peter (Gesamtausgabe, Abt. III), Zürich 2013, S. 123–140.</title>
      </titleStmt>
      <editionStmt>
        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
      </editionStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
        </availability>
        <idno type="url">https://kbga.karl-barth.ch/texts/49009</idno>
      </publicationStmt>
      <sourceDesc>
        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
        <bibl type="pga" xml:id="pga">
          <title type="volume">Vorträge und kleinere Arbeiten 1930–1933</title>
          <title type="text">Die Arbeit als Problem der theologischen Ethik</title>
          <editor>Beintker, Michael</editor>
          <editor>Hüttenhoff, Michael</editor>
          <editor>Zocher, Peter</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2013</date>
          <biblScope unit="page">123-140</biblScope>
          <!--position within a volume-->
          <biblScope unit="part">9</biblScope>
        </bibl>
        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Karl Barth: Die Arbeit als Problem der theologischen Ethik, in: Theologische Blätter Jg. 10 (1931), Sp. 250–256 </bibl>
        <bibl xml:id="B" type="source">B (Weitere Vorlage): <i>Vierzehnte Hauptversammlung der Gesellschaft von Freunden und Förderern der Rheinischen Friedrich Wilhelms-Universität zu Bonn und der Landwirtschaftlichen Hochschule zu Bonn-Poppelsdorf am 18. Juli 1931 in der neuen Aula der Universität zu Bonn</i>, o.O. o.J. </bibl>
        <!-- we should provide more types: <bibl type="not-found-in-kba"></bibl> <bibl type="not-in-kba"></bibl>  -->
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
    <profileDesc>
      <creation>
        <date type="creation" when="1931">1931</date>
      </creation>
      <langUsage>
        <language ident="ger">German</language>
      </langUsage>
      <textClass>
        <keywords>
          <term>paper</term>
        </keywords>
      </textClass>
    </profileDesc>
    <revisionDesc>
      <change when="2026-10-02T07:56:15+02:00">teiHeader was automatically produced from the database 2026-10-02T07:56:15+02:00</change>
    </revisionDesc>
  </teiHeader>
  <text>
  <body>
   <div type="paper">
    <pb xml:id="p123" ed="pga" rend="noPipe"/>
    <head>DIE ARBEIT ALS PROBLEM<lb/> DER THEOLOGISCHEN ETHIK</head>

    <head type="sub">
     <date when="1931">1931</date>
    </head>
    <div type="abstract">
     <p><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> war am <date when="1931-04-20">20. April 1931</date> von <persName ref="kbga-actors-10030">Heinrich
       Konen</persName>, dem damaligen Rektor der Universität,
      gebeten worden, im Rahmen der jährlichen Hauptversammlung der «<orgName ref="kbga-actors-10247">Gesellschaft von Freunden und Förderern der Rheinischen Friedrich Wilhelms-Universität zu Bonn und der Landwirtschaftlichen Hochschule zu Bonn-Poppelsdorf</orgName>» am <date when="1931-07-18">18. Juli 1931</date> in der neuen
      Aula der <orgName ref="kbga-actors-8226">Universität Bonn</orgName> einen der beiden vorgesehenen
      Vorträge zu übernehmen. Die Wahl war auf ihn gefallen, weil man sich bemühte, dafür «Kollegen
      zu gewinnen, deren Arbeitsrichtung und Person besonderes Interesse bei unseren Freunden
      findet». Und, so <persName ref="kbga-actors-10030">Konen</persName> weiter: «Ohne daß ich Gefahr laufe, in den Verdacht unnützer
      Komplimente zu geraten, darf ich sagen, daß die große Bewegung, die von Ihnen ausgeht, auch
      bei ferner Stehenden größte Aufmerksamkeit und Interesse gefunden hat.»<note xml:id="n01">Brief
       <persName ref="kbga-actors-10030">Konens</persName> an <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> vom <date when="1931-04-20">20.4.1931</date> (<ref type="kba-objects-id" target="18898">KBA 9331.251</ref>). <persName ref="kbga-actors-10030">Heinrich Konen</persName> (1874–1948), seit 1920 Ordinarius und Direktor des Physikalischen
       Instituts in Bonn, 1934 zwangsemeritiert, nach 1945 wieder Rektor der Bonner Universität,
       1946/47 Kultusminister in Nordrhein-Westfalen.</note> Dass, wie <persName ref="kbga-actors-10030">Konen</persName> geschrieben hatte,
      <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> mit einer Zusage «auch denjenigen eine wesentliche Hilfe angedeihen lasse […], die sich
      bemühen, unter den Männern der Wirtschaft das Interesse für die Geisteswissenschaften zu
       beleben»,<note xml:id="n02">Ebd.</note> war vielleicht mitentscheidend dafür, dass <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> sich
      entschloss, zuzusagen und einen Vortrag mit diesem Thema zu halten.<note xml:id="n03">Vgl.
       Brief an <persName ref="kbga-actors-10030">Konen</persName> vom <date when="1931-04-26">26.4.1931</date>
        (<ref type="kba-objects-id" target="18913">KBA 9231.136</ref>).</note> Es spielte aber sicherlich auch eine Rolle, dass er im Sommer- und
      Wintersemester 1930/31 in <placeName ref="kbga-places-10">Bonn</placeName> nochmals seine Münsteraner Ethik-Vorlesung<note xml:id="n04"><bibl corresp="kbga-bibls-112"><ref type="pub-" target="../texts?facet-volume=02">Ethik I</ref></bibl>/<bibl corresp="kbga-bibls-118"><ref type="pub-" target="../texts?facet-volume=10">II</ref></bibl>.</note> gehalten hatte.</p>
     <p><hi rend="italic">Die Nähe des Vortrags zu dieser Vorlesung wird jedoch nur noch in der groben
       Orientierung an deren Grundlinien erkennbar. Zwar übernahm <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> aus dem entsprechenden
        Abschnitt<note xml:id="n05"><bibl corresp="kbga-bibls-112">Ethik I, <ref type="pub-" target="../volume/02/p367#p367">S. 367–383</ref>.</bibl></note> viele Belegstellen und vertrat keine
       prinzipiell abweichende Meinung, doch fügte er <pb xml:id="p124" ed="pga"/> auch sehr viel
       Neues ein, so dass man eher von einer Anknüpfung und Weiterführung als von einer
       Überarbeitung reden muss. Da zudem der in der Ethik-Vorlesung vorhandene Bezug zum Oberthema
        «Ordnungen» hier völlig fehlt, ist
       dieser Vortrag als eigenständiger Text zu betrachten.</hi></p>
     <p><hi rend="italic">Im Ablauf der Versammlung<note xml:id="n06">Das Programm findet sich im Bericht
        der Veranstalter, der jährlich nach der Versammlung erschien: <bibl corresp="kbga-bibls-4332"><hi rend="italic">Vierzehnte
         Hauptversammlung der Gesellschaft von Freunden und Förderern der Rheinischen Friedrich
         Wilhelms-Universität zu Bonn und der Landwirtschaftlichen Hochschule zu Bonn-Poppelsdorf am
          <date when="1931-07-18">18. Juli 1931</date> in der neuen Aula der Universität zu
         Bonn</hi>, o. O., o. J., S. 10.</bibl></note> folgten die beiden angekündigten Vorträge – der
       andere Referent war <persName ref="kbga-actors-4341">Ernst Robert Curtius</persName><note xml:id="n07"><persName ref="kbga-actors-4341">Ernst Robert Curtius</persName> (1886–1956), seit 1929 Prof. für Romanistik in Bonn. Er sprach zum
        Thema «Vom spanischen Geistesleben der Gegenwart»; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4332">a.a.O., S. 45–56</bibl>.</note> – auf die
       geschäftliche Sitzung der Gesellschaft, die um 10.00 Uhr begann. Danach fand man sich um
       14.00 Uhr zu einem «Frühstück in der Mensa academica, Lennéstr. 26» ein. Etwas verärgert war
       <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> über die Ansetzung seines Vortrages an zweiter Stelle, obwohl er «angesichts des
       abstrakteren Charakters» seiner Ausführungen zuerst hatte sprechen wollen.<note xml:id="n08">Brief an <persName ref="kbga-actors-10030">Konen</persName> vom <date when="1931-06-27">27.6.1931</date> (<ref type="kba-objects-id" target="19090">KBA 9231.183</ref>). Von
        der Abänderung der anderslautenden Absprache mit <persName ref="kbga-actors-10030">Konen</persName> hatte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> aus dem offiziellen
        Einladungsschreiben erfahren, den Grund dafür – <persName ref="kbga-actors-4341">Curtius</persName> weigerte sich offenbar, als Zweiter zu sprechen – sogar erst am <date when="1931-07-08">8. Juli</date>
        aus dem Antwortschreiben <persName ref="kbga-actors-10030">Konens</persName> (das Schreiben ist nicht erhalten; vgl. den Brief <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> an
         <persName ref="kbga-actors-10030">Konen</persName> vom <date when="1931-07-11">11.7.1931</date>, in dem er die «durch die
        bestimmte Auffassung von Herrn Curtius geschaffene Tatsache als solche» anerkannte 
        [<ref type="kba-objects-id" target="19138">KBA 9231.196</ref>]).</note></hi></p>
     <p><hi rend="italic">Veröffentlicht wurde der Vortrag zunächst im Tagungsbericht der
        Veranstalter,<note xml:id="n09"><bibl corresp="kbga-bibls-4332"><hi rend="italic">Vierzehnte Hauptversammlung</hi> (<ref type="pub" target="#fn_n06">Anm. 6</ref>),
        S. 57–67</bibl>.</note> dann auch in <bibl corresp="kbga-bibls-4309">ThBl 10 (1931), Sp. 250–256</bibl>. Deren Herausgeber <persName ref="kbga-actors-367">Karl Ludwig
        Schmidt</persName> hatte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> sehr gedrängt, diesen Vortrag
       als Aufsatz in den <orgName ref="kbga-actors-7468">«Theologischen Blättern»</orgName> zu veröffentlichen, woraufhin <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> ihn, wie er
       <persName ref="kbga-actors-275">Georg Merz</persName> berichtete, nicht ohne Ironie auf seine
       Verpflichtung gegenüber «<orgName ref="kbga-actors-6169">Zwischen den Zeiten</orgName>» hinwies: «Ich habe ihm deutlich gesagt, dass
       ich <persName ref="kbga-actors-662">Lempp</persName><note xml:id="n10"><persName ref="kbga-actors-662">Albert Lempp</persName> (1884–1943), Inhaber des Kaiser-Verlages von 1912
        bis zu seinem Tode im Mai 1943.</note> und dir gegenüber in dem Verhältnis eines
       Dienstmädchens mich befinde, das nicht nur sel<pb xml:id="p125" ed="pga" break="no"/>ten, sondern
       überhaupt nie ‹Ausgang› bekommt und das darum nur vom Fenster seiner Mansarde aus zusehen
       darf, wie die Anderen ab- und zugehen.»<note xml:id="n11">Brief <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> an <persName ref="kbga-actors-275">Merz</persName> vom <date when="1931-06-27">27.6.1931</date> (<ref type="kba-objects-id" target="19094">KBA 9231.186</ref>).</note> Nach weiteren
       Verhandlungen zwischen <persName ref="kbga-actors-367">Schmidt</persName>, <persName ref="kbga-actors-275">Merz</persName> und <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>
       durfte der Abdruck schließlich erfolgen. <persName ref="kbga-actors-367">Schmidt</persName>
       selbst korrigierte kleinere Fehler im Erstdruck und hat auch «einige kleine
       Unausgeglichenheiten beseitigt».<note xml:id="n12">Brief <persName ref="kbga-actors-367">Schmidts</persName> an <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> vom <date when="1931-08-16">16.8.1931</date> (<ref type="kba-objects-id" target="19236">KBA 9331.443</ref>).</note> Da diese Eingriffe
       offensichtlich aber auch Fehler in den Text eintrugen, wird in diesen Fällen der Erstdruck
       zugrunde gelegt und die Abweichung in <orgName ref="kbga-actors-7468">ThBl</orgName> im Apparat ausgewiesen. Eine hand- oder
       maschinenschriftliche Vorlage zu diesem Vortrag ist nicht erhalten.</hi></p>
     <p><hi rend="italic">Die zwischen senkrechten Strichen in den Text eingefügte Originalpaginierung
       ist die des Abdruckes in den «<orgName ref="kbga-actors-7468">Theologischen Blättern</orgName>».</hi></p>
    </div>
    <div>
     <head>Die Arbeit als Problem der theologischen Ethik</head>
     <head>Vortrag, gehalten bei der 14. Hauptversammlung der <orgName ref="kbga-actors-10247">Gesellschaft von Freunden und Förderern der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn und der Landwirtschaftlichen
      Hochschule zu Bonn-Poppelsdorf</orgName> am <date when="1931-07-18">18. Juli 1931</date>.</head>
     <p>Die <term ref="kbga-keywords-795">Arbeit</term> kann uns in sehr
      verschiedener Weise zum wissenschaftlichen Problem werden. Wir können rein betrachtend und
      analysierend nach den physiologischen und psychologischen Bedingungen des Arbeitsprozesses
      fragen. Wir können fragen, inwiefern Arbeit dem einzelnen Menschen bekömmlich und der
      Gemeinschaft notwendig ist. Wir können nach ihrem Wert und nach ihrer Würde fragen. Wir können
      endlich nach ihrer Geschichte fragen. Sie wird aber dann zum Problem der <hi rend="italic">Ethik</hi>, wenn wir fragen, inwiefern sie von uns <hi rend="italic">gefordert</hi> ist. Und sie
      wird dann zum Problem der <hi rend="italic">theologischen</hi>
      <term key="Ethik, theologische">Ethik</term>, wenn wir konkret, in der Voraussetzung, dass wir
      uns im Raume der christlichen Kirche befinden, danach fragen, inwiefern sie von der Instanz
      gefordert und vor der Instanz recht und wohl getan ist, die wir <hi rend="italic">Gott</hi> nennen,
      inwiefern Arbeit nach dem bekannten Ausdruck «<hi rend="italic">Got<pb xml:id="p126" ed="pga" break="no"/>tesdienst</hi>»
       ist.<note n="1)" type="orig" xml:id="n_s1">Nach <persName ref="kbga-actors-9663">G. Rörer</persName> soll <hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName></hi>
       in einer Predigt von 1534 gesagt haben: «Also könnte ein Mensch bei aller seiner Mühe und
       Arbeit alles Gutes haben, Freude im Herzen, und ein gut Gewissen, weil er weiß, <hi rend="italic">daß sein Werk und Arbeit ein Gottesdienst ist</hi>, der Gott wohlgefället, es würde ihm
       auch nicht[s] sauer werden, wenn er sich also in seinen Dienst und Beruf schickete.» (<bibl corresp="kbga-bibls-496">E. A.
       1. Aufl. 5, 101.</bibl><note xml:id="n13">Das Zitat findet sich in einer Predigt <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName> zu <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.6.24 Mt.6.34">Mt.
        6,24–34</ref>. <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName> predigte über diesen Text jeweils
        am 15. Sonntag nach Trinitatis 1532 und 1534. Die in der ersten Auflage der Erlanger Ausgabe
        (1826ff.) dem Jahr 1534 zugeordnete Predigt (<bibl corresp="kbga-bibls-496">EA<hi rend="sup">1</hi> 5, 97–106, Zitat 101</bibl>
        [i. Orig. nicht hervorgehoben]) wurde in der zweiten Auflage (1862ff.) dem Jahr 1532
        zugeordnet (<bibl corresp="kbga-bibls-496">EA<hi rend="sup">2</hi> 6, 31–40, Zitat 35</bibl>; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5201">WA 36, 323–327, der dem Zitat
        entsprechende Passus 325,12–14</bibl>).</note>) Sicher ist die Zusammenstellung bei <persName ref="kbga-actors-77"><hi rend="italic">Calvin</hi></persName>: «<foreign xml:lang="fre">Comme quand un homme travaille en
       son labeur pour gaigner sa vie ... ce n’est pas à dire qu’il nous fale separer cela du <hi rend="italic">service de Dieu</hi>. Car quand un homme prendra peine à gaigner sa vie
       honnestement … en cela il n’y a nulle doute qu’il ne rende un service agreable à Dieu.</foreign>» (Zu <ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.10.31 1.Kor.10.32">1
       Kor 10,31f.</ref>, <bibl corresp="kbga-bibls-39">Corp. Ref. 49, 695.</bibl><note xml:id="n14"><bibl corresp="kbga-bibls-4496"><persName ref="kbga-actors-77">J. Calvin</persName>, <hi rend="italic">Dixieme Sermon sur l’Epitre aux Corinthiens</hi> (1.Kor.
        10,31–11,1), CR 77 ( = Calvini opera 49), col. 695–710, Zitat col. 695</bibl> (i. Orig. nicht
        hervorgehoben).</note>)</note> Von dieser und nur von dieser Frage habe ich zu
      reden. Sie unterscheidet sich von jenen anderen Fragen dadurch, dass sie nur indirekt und
      uneigentlich beantwortet werden kann. Nicht als ob sie keine direkte und eigentliche
      Beantwortung fände. Theologische Ethik geht davon aus und kehrt dazu zurück, dass diese Frage
      ihre Antwort gefunden hat, findet und immer wieder finden wird in Gottes <term ref="kbga-keywords-60">Gebot</term>, das an den Menschen ergeht und an dem des Menschen Tun
      gemessen ist. Aber was Menschen dazu sagen können, das ist mit Gottes Gebot nicht identisch
      und insofern nicht direkt und eigentlich jene Antwort. Wenn ein Mensch dem anderen wirklich
      das Gebot Gottes gesagt hat, dann ist immer etwas das Können dieses Menschen schlechthin
      Übersteigendes, also etwas von keinem Menschen aufs Programm zu Nehmendes geschehen. Aufs
      Programm nehmen können wir nur das: die <hi rend="italic">Frage</hi> nach dem Gebot Gottes nach
      allen Seiten ganz ernst nehmen. So fragen wir nach Gottes Gebot in Bezug auf das menschliche
      Tun, das wir Arbeit nennen.</p>
     <!-- leerzeile -->
     <p rend="margin-top">Wir beginnen bei dem primitiven Sachverhalt, dass wir alle jedenfalls auch
      darum arbeiten, um zu <hi rend="italic">existieren</hi>, um uns durch unsere Arbeit, <pb xml:id="p127" ed="pga"/> d.h. durch mit besonderem Aufgebot der uns zur Verfügung stehenden
      Energien vollbrachte Leistungen, einen Platz an der Tafel des Lebens (im umfassendsten Sinn
       <pb ed="A" n="251"/> dieses Bildes) zu sichern.<note n="2)" type="orig" xml:id="n_s2">Mit
        dieser nüchternen Feststellung, die durch <ref type="can" subtype="bible" target="Gen.2.15 Gen.2.16">Gen. 2,15–16</ref>, <ref type="can" subtype="bible" target="2.Thess.3.10">II Thess. 3,10</ref> nahe genug gelegt ist, beginnt auch <hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-1282">Thomas von
         Aquino</persName></hi> seine Umschreibung der göttlichen
       «ordinatio» der Arbeit: Sie muss geschehen «ad victum quaerendum». (<bibl corresp="kbga-bibls-1625">S. Theol. II,2 Qu. 187
        c.</bibl><note xml:id="n16"><bibl corresp="kbga-bibls-1625"><persName ref="kbga-actors-1282">Thomas von Aquino</persName>, S.th. II/2 q. 187 a. 3c.</bibl></note>) – Arbeit kann unter diesem Gesichtspunkt mit <hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-393">C. Stange</persName></hi> (<bibl corresp="kbga-bibls-4497">Die Ethik der Arbeit,
       ZsystTh 1927, S. 703ff.</bibl><note xml:id="n17"><bibl corresp="kbga-bibls-4497"><persName ref="kbga-actors-393">C. Stange</persName>, <hi rend="italic">Die Ethik der Arbeit</hi>, in: ZSTh 4
       (1926/27), S. 703–743, Zitat S. 705</bibl></note>) definiert <term key="Arbeit, Definition">werden</term> als «die mit Anstrengung verbundene Tätigkeit des
       Menschen, bei der er auf die [...] Gewinnung der für das [...] Leben notwendigen Güter
       bedacht ist».</note> Dass alle menschliche Arbeit in diesem vitalen
      Zusammenhang geschieht, das erinnert uns sofort heilsam daran, dass der Mensch in seiner
      Arbeit jedenfalls nicht so etwas wie ein kleiner oder gar großer Gott ist, dass
      «schöpferisches» Tun nicht neue Sache sein kann<note xml:id="n15">Korrektur aus dem <ref corresp="B">Erstdruck</ref>; «dass ‹schöpferisches› Tun nicht neue
        Sache sein kann» fehlt in <ref corresp="A">ThBl</ref>.</note>.<note n="3)" type="orig" xml:id="n_s3"><persName ref="kbga-actors-191">K. Holl</persName> (<bibl corresp="kbga-bibls-4498">Ges. Aufs. z. Kgsch. I 1923, S. 261
        f.</bibl><note xml:id="n18"><bibl corresp="kbga-bibls-4498"><persName ref="kbga-actors-191">K. Holl</persName>, <hi rend="italic">Der
         Neubau der Sittlichkeit</hi>, in: ders., <hi rend="italic">Gesammelte Aufsätze zur
         Kirchengeschichte</hi>, Bd. I: <hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName></hi>, Tübingen 1923<hi rend="sup">2.3</hi>, S. 155–287, Zitat S. 261f.</bibl></note>) gibt als Meinung <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName> an: «Ist doch in ihrem höchsten Sinn verstanden
       alle Arbeit des Menschen nichts anderes als die Larve, <hi rend="spaced">unter der Gott
        selbst arbeitet</hi>» (von mir gesperrt). Die Stelle, die <persName ref="kbga-actors-191">Holl</persName> als Beleg für diesen Satz
        angibt<note xml:id="n19"><persName ref="kbga-actors-191">Holl</persName> nennt als
        Belegstelle <bibl corresp="kbga-bibls-5202">WA 31/I, 436,7ff.</bibl> (<bibl corresp="kbga-bibls-4498">a.a.O., S. 262</bibl>).</note>, dürfte doch, in ihrem Zusammenhang
       gelesen, die Frage nahelegen, ob nicht mit dieser Wiedergabe eine Nuance in <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName> Text
       hineingetragen ist, die für Holls Denken
       bezeichnender ist als für das <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName>.</note> Fragen wir nun, inwiefern unsere <term ref="kbga-keywords-795">Arbeit</term> von dem von uns selbst verschiedenen Gott gefordert und
      vor ihm recht sein möchte, dann stoßen wir gerade auf dieser untersten Ebene möglicher
      Betrachtung auf die grundlegende Einsicht: Gibt es ein Gebot <term ref="kbga-keywords-60">Gottes</term> in Bezug auf unsere Arbeit, dann wird es sich, wie immer es lauten möge, auch
      und gerade auf unseren Lebensakt als solchen, auf unsere <term key="Existenz, menschliche">Existenz</term> und auf unsere Sorge für unsere Existenz beziehen. Gerade in dem vitalen
      Zusammenhang, in dem wir arbeiten, gerade in dem primitiven Lebenswillen, der uns zur Arbeit
      treibt, sind wir nicht unsere eigenen Herren, sondern von Gottes Gebot getroffen und an ihm
      gemessen. Schon hier und gerade hier ist Gottesdienst gefordert. Wenn Arbeit zweifellos <pb xml:id="p128" ed="pga"/> auch einfach Kampf ums <term key="Arbeit, als Kampf ums Dasein">Dasein</term><note xml:id="n20">Aus dem Titel von <bibl corresp="kbga-bibls-2008"><persName ref="kbga-actors-2013">Ch. Darwin</persName>, <hi rend="italic">On the Origin of Species by Means of Natural Selection, or
        the Preservation of Favoured Races in the Struggle for Life</hi>, London 1859/61</bibl> (<bibl corresp="kbga-bibls-2501">dt.: <hi rend="italic">Über die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl, oder die Erhaltung
        begünstigter Gattungen im Kampf ums Dasein</hi>, Halle 1891</bibl>) in den Sprachgebrauch
       übernommene Wendung; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-828">Büchmann,
       S. 284</bibl>.</note> bedeutet, so lautet die theologische Frage: Was heißt Dasein und Kampf ums
       <term key="Kampf ums Dasein">Dasein</term>, wenn das Dasein sowohl wie der Kampf darum in
      Anspruch genommen sind und also bestimmt sind von dem, der schlechthin Herr ist, nämlich von
      dem <term ref="kbga-keywords-25">Schöpfer</term> unseres Daseins?</p>
     <p>Muss es wirklich zweierlei sein, wenn<note n="4)" type="orig" xml:id="n_s4"><ref type="can" subtype="bible" target="Ps.104.21 Ps.104.23">Pslm 104,
      21f.</ref><note xml:id="n21">Vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Ps.104.21 Ps.104.23">Ps. 104,21–23</ref>.</note></note> die jungen Löwen vor ­Aufgang der Sonne nach Raub brüllen
      und ihre Speise suchen vor Gott und wenn dann der Mensch ausgeht an seine Arbeit und an sein
      Ackerwerk bis an den Abend? Wir empfinden den Gedanken, dass beides vielleicht wirklich
      einerlei sein, dass es also bei dem Zusammenhang von Arbeit und Lebensbedürfnis sein Bewenden
      haben könnte, als unbefriedigend. Auch der an ein rein biologisches Denken Gewöhnte würde sich
      wohl schwerlich ohne weiteres und eindeutig damit abfinden wollen. Warum eigentlich nicht? Es
      liegt nicht in der Natur der Sache, dass es unsere Arbeit entwürdigen müsste, sie schlicht im
      Zusammenhang mit unserem Lebensbedürfnis zu verstehen. Es liegt nicht in der Natur der Sache,
      wenn sich hier gewisse fatale Assoziationen einstellen: das Bild des Einbrechers, dessen
      Arbeit schließlich auch in diesem Zusammenhang steht, der Gedanke an all das Asoziale und als
      solches Hässliche und Furchtbare, das sich für uns mit dem Begriff des Kampfes ums <term key="Kampf ums Dasein">Dasein</term> verbindet, die Erinnerung daran, dass Lebensbedürfnis
      für uns und Millionen Andere immer auch Sorge, und <term ref="kbga-keywords-795">Arbeit</term>
      in diesem Zusammenhang immer auch Mühsal bedeutet, schließlich die Frage, ob denn nun je ein
      Mensch seinen Platz an der Tafel des Lebens, auf die es mit seiner Arbeit abgesehen war, in
      vollem Ernst gefunden hat oder ob der erstrebte Erfolg der menschlichen Arbeit nicht letztlich
      immer und überall illusorisch ist?<note n="5)" type="orig" xml:id="n_s5">Wir könnten
       fortfahren: Es liegt nicht in der Natur der Sache, wenn gleich in der<note xml:id="n22">Korrektur aus dem <ref corresp="B">Erstdruck</ref>; <ref corresp="A">ThBl</ref>: «der zweiten».</note> biblischen Stelle, in der wir
       (nach <ref type="can" subtype="bible" target="Gen.2.15 Gen.2.16">Gen. 2,15–16</ref>) zum zweiten Mal auf
       den Zusammenhang von Arbeiten und Essen stoßen, von der Verfluchung des Ackers, von Dornen
       und Disteln, von dem mit der Bedürfnisbefriedigung für den Menschen verbundenen «Kummer» und
       «Schweiß des Angesichts» die Rede ist (<ref type="can" subtype="bible" target="Gen.3.17 Gen.3.19">Gen. 3,17–19</ref>). 
        Es liegt nicht in der Natur der Sache, wenn <hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-1282">Thomas von
         Aquino</persName></hi> in der vorhin zitierten
        Aufzählung<note xml:id="n24">Vgl. <ref type="pub" target="#fn_n_s2">Anm. 2).</ref></note> fortfährt: Die Arbeit sei auch
       nötig «<foreign xml:lang="lat">ad tollendum otium, [...] ad concupiscentiae refrenationem, [...] ad ­eleemosynas
       faciendas</foreign>». (Hier ist offenbar ein Weltbild vorausgesetzt, in dem das «<foreign xml:lang="lat">ad victum quaerendum</foreign>»
       allein nicht genügen würde, ja offenbar von Bedenklichkeiten umgeben ist!) Es liegt nicht in
       der Natur der Sache, wenn <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName> Auslegung schon
       der Stelle <ref type="can" subtype="bible" target="Gen.2.15 Gen.2.16">Gen 2, 15–16</ref> (von <ref type="can" subtype="bible" target="Gen.3.17 Gen.3.19">3, 17–19</ref> nicht zu reden!) eine einzige nur durch einen gewissen
       Humor gemilderte Klage darüber ist, wie anders unsere Arbeit gegenüber der Adams im Paradies
       geworden sei (<bibl corresp="kbga-bibls-2038">W. A. 42, 77, 15f.</bibl><note xml:id="n25"><bibl corresp="kbga-bibls-2038">WA 42, 77f.</bibl> zu <ref type="can" subtype="bible" target="Gen.2.15">Gen. 2,15</ref>; die Vorlesungen zu <ref type="can" subtype="bible" target="Gen.2.16 Gen.2.17">Gen. 2,16f.</ref> folgen
        <bibl corresp="kbga-bibls-2038">WA 42, 79–87</bibl>.</note>), wenn er unsere
       Situation <pb ed="A" n="252"/> kurzweg charakterisieren kann mit den Worten: «Wir sein in
       Adam alle tzur erbeyt <hi rend="italic">vorurteylt</hi>». (<bibl corresp="kbga-bibls-2061">Sermon von den guten Werken 1520, W. A.
       6, 271, 35</bibl>.<note xml:id="n26"><bibl corresp="kbga-bibls-2061"><persName ref="kbga-actors-261">M. Luther</persName>, <hi rend="italic">Von den guten Werken</hi> [1520], WA 6, 202–276, Zitat 271,35.</bibl></note>) Oder ein anderes Mal: «<foreign xml:lang="lat">Nobis [...] labor est molestia</foreign>» (Zu <ref type="can" subtype="bible" target="Gen.2.3">Gen 2, 3</ref>,
       <bibl corresp="kbga-bibls-2038">W. A. 42, 62, 19.</bibl><note xml:id="n27"><bibl corresp="kbga-bibls-2038">WA 42, 60–62,
        Zitat 62,19.</bibl></note>) Und wenn
       auch <persName ref="kbga-actors-77"><hi rend="italic">Calvins</hi></persName> Auslegung des
       ursprünglichen Arbeitsgebotes <ref type="can" subtype="bible" target="Gen.2.15">Gen. 2,15</ref>
       unverhältnismäßig mehr von der dringend nötigen <hi rend="italic">Disziplinierung</hi> des
       Menschen durch dieses Gebot als von der «<foreign xml:lang="lat">oblectatio</foreign>», die die Arbeit für den Einwohner des
       Paradieses bedeuten sollte, zu sagen weiß. (<bibl corresp="kbga-bibls-39">Corp. Ref. 23, 44</bibl><note xml:id="n28"><bibl corresp="kbga-bibls-4499"><persName ref="kbga-actors-77">J. Calvin</persName>, <hi rend="italic">Commentarium
         in Quinque Libros Mosis. Pars I (Genesis)</hi>, CR 51 ( = Calvini opera 23), col. 1–622,
        Zitat col. 44.</bibl></note>, vgl. auch die Predigt über <ref type="can" subtype="bible" target="Dtn.5.13 Dtn.5.15">Deutn 5, 13–15</ref>, <bibl corresp="kbga-bibls-39">Corp. Ref. 26, 296.</bibl><note xml:id="n29"><bibl corresp="kbga-bibls-4500">CR 54 ( = Calvini opera 26), col. 295–308, vgl.
       bes. col. 296.</bibl></note>)</note> Die «Natur der Sache», die <pb ed="A" n="252"/> wir offenbar
      aus den <pb xml:id="p129" ed="pga"/> Augen verloren haben, wenn uns der schlichte Zusammenhang
      von Arbeit und Lebensbedürfnis nicht nur nicht genügt, sondern sogar eine Verlegenheit
      bedeutet – diese verlorene «Natur der Sache» würde wohl darin bestehen, dass unsere Existenz
      und dann auch unsere Sorge für unsere Existenz, unser Dasein und unser Kämpfen ums Dasein ganz
      anders, nämlich so, dass wir uns ihrer nicht zu schämen hätten, beschaffen wäre. «Naturalia»
      müssten nicht «turpia» sein.<note xml:id="n23">Anspielung auf die wohl auf <persName ref="kbga-actors-2023">Euripides</persName> zurückgehende Wendung «<foreign xml:lang="lat">Naturalia non sunt turpia</foreign>»; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-828">Büchmann, S. 314</bibl>.</note> Theologisch genau gesagt: Wir müssten in Übereinstimmung stehen mit
      jenem schon unsere Existenz als solche treffenden und betreffen <pb xml:id="p130" ed="pga"/>
      den Gebot <term ref="kbga-keywords-60">Gottes</term>. Wir müssten dieses Gebot kennen als ein
      von uns gehaltenes und erfülltes. Dann, wenn wir mit unserem <term ref="kbga-keywords-25">Schöpfer</term> im Frieden stünden, dann brauchte uns wohl die Nachbarschaft unserer Arbeit
      mit dem Tun des Tieres kein Anstoß zu sein. Dann würden sich wohl jene fatalen Assoziationen
      von selbst nicht einstellen. Dann brauchten wir uns wohl nach einer befriedigenderen, weil
      höheren Begründung des Sinnes unserer Arbeit nicht erst umzusehen. Dass wir das tun müssen,
      das ist der Hinweis auf einen tiefen Unfrieden, in dem sich der Mensch befindet. Es ist der
      Hinweis<note xml:id="n30">Korrektur aus dem <ref corresp="B">Erstdruck</ref>; in <ref corresp="A">ThBl</ref> fehlt: «auf einen tiefen
       Unfrieden, in dem sich der Mensch befindet. Es ist der Hinweis». Die Auslassung dort dürfte
       auf einen Zeilensprung zurückzuführen sein.</note> darauf, dass wir das Gebot Gottes
      hinsichtlich unserer Arbeit in seinem einfachen Grundsinn nur als ein von uns nicht
      gehaltenes, sondern übertretenes und gebrochenes kennen.</p>
     <!-- leerzeile -->
     <p rend="margin-top">Aber schreiten wir nun immerhin zu dieser befriedigenderen, weil höheren
      Erklärung des Sinnes unserer <term ref="kbga-keywords-795">Arbeit</term>. Es ist ja sicher
      wahr: der Mensch und der Löwe sind nicht ganz einerlei in ihrem Tun. Arbeiten im Unterschied
      zu dem, was auch das seinen Bedürfnissen nachgehende Tier tut, heißt an der Aufgabe stehen,
      die uns damit ohne ­Weiteres gegeben ist, dass wir als <hi rend="italic">Menschen</hi> existieren.
      Als Mensch <term key="Existenz, menschliche">existieren</term> heißt aber sicher – und wie man
      auch diese Dinge interpretieren möge – als Einer existieren in dem rätselhaften <term key="Dualismus">Dualismus</term> von Leib und Seele, Natur und Geist, Objekt und Subjekt,
      äußerer und innerer Wirklichkeit. Das scheint die Verschiedenheit unserer Existenz von der des
      Engels und von der des Tieres zu sein.<note xml:id="n31">Vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Ps.8.6 Ps.8.8">Ps. 8,6–8</ref> nach der Zürcher Bibelübersetzung in den Ausgaben vor
       1996.</note> Darum scheint denn auch weder den Engeln noch den Tieren Arbeit im Sinne dessen,
      was wir als solche kennen, zugemutet zu sein. Was uns mit unserer Existenz zugemutet ist, das
      ist Humanität: Humanität aber heißt als Einer existieren in jenem <term key="Existenz, menschliche">Dualismus</term> und also: Gestaltung der Natur durch den Geist
      und Erfüllung des Geistes mit Natur, Bewahrheitung der Wirklichkeit und Verwirklichung der
      Wahrheit, Subjektivierung des Objektes und Objektivierung des Subjektes, Beseelung des
      Leiblichen und Verleiblichung des Seelischen. Und das eben heißt <pb xml:id="p131" ed="pga"/>
      Arbeiten. Wo immer Menschen arbeiten, da verteidigen sie an einem Punkt der ungeheuren Front
      die Aufgabe der <term ref="kbga-keywords-470"><hi rend="italic">Humanität</hi></term>.<note n="6)" type="orig" xml:id="n_s6">Man soll sie ruhig und ohne Scheu auch vor diesem viel
       missbrauchten und darum bedenklich gewordenen Begriff: die Aufgabe der <hi rend="italic">Kultur</hi><note xml:id="n32">Zum Thema «Kultur» vgl. ausführlicher: <bibl corresp="kbga-bibls-112">Ethik I, <ref type="pub-" target="../volume/02/p367#p367">S. 367–369</ref></bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-4501"><persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>, <hi rend="italic">Die Kirche und die Kultur</hi>, in: V.u.kl.A. 1925–1930, <ref type="pub-" target="../volume/24/p006#p006">S. 6–40.</ref></bibl></note>
       nennen.</note> Wir haben sie uns nicht selbst gegeben. Sie ist uns mit unserer Existenz als
      Menschen gegeben. Indem wir unsere menschlichen Kräfte zusammennehmen zu einem bestimmten Tun,
      indem wir arbeiten, treten wir von irgendeiner Seite in je ganz bestimmter Weise in das Licht
      dieser Aufgabe. Gibt es ein Gebot <term ref="kbga-keywords-60">Gottes</term> hinsichtlich
      unserer Arbeit und ist dieser gebietende Gott der <term ref="kbga-keywords-25">Schöpfer</term>
      eben unserer Existenz, dann müssen wir diese Aufgabe als sein Gebot verstehen. Wir sind dann
      also von Gott daran gemessen, ob unsere Arbeit als Arbeit an dieser Aufgabe, ob sie als
      Mitarbeit an der Sache der <term key="Arbeit, als Mitarbeit an der Sache der Menschheit">Menschheit</term> zu verstehen ist. Wir werden uns des sekundären Charakters der so
      gestellten Frage wohl bewusst sein. Wenn unsere Arbeit in jenem schlichten Zusammenhang mit
      unseren Bedürfnissen in Ordnung ginge, wenn wir das göttliche Gebot in seinem einfachen
      Grundsinn als von uns erfüllt kennen würden, so wäre diese zweite Frage überflüssig, weil in
      und mit der ersten schon gelöst. Aber eben weil dem nicht so ist, weil wir uns ja selbst von
      unserer Natürlichkeit etwas verlegen auf unsere Humanität zurückziehen mussten und wollten,
      muss auf dieser höheren Ebene die zweite Frage gegen uns aufstehen: Lässt sich unsere zunächst
      einfach auf unser Bedürfnis bezogene Arbeit wirklich als Mitarbeit an der uns aufgetragenen
      Sache der Menschheit verstehen? – Man wird die so gestellte Frage dann folgendermaßen
      spezifizieren müssen:
     </p>
     
      <p><pb ed="A" n="253"/> 1. Die Aufgabe der <term ref="kbga-keywords-470">Humanität</term> gliedert
       sich konkret, entsprechend der Vielheit der Menschen im Raum und in der Zeit, in einen
       unübersehbaren, immer neu sich gestaltenden Kosmos von Zwecken. Nicht eines jeden Arbeit kann
       die jedes Anderen sein. Soll meine Arbeit Gehorsam sein, so muss sie <hi rend="italic">notwendig</hi> gerade <hi rend="italic">meine</hi> Arbeit sein. Soll sie Gehorsam gegen <term key="Arbeit, als Gehorsam gegen Gott">Gott</term> sein, so muss ich von Gott gerade zu <hi rend="italic">meiner</hi> Arbeit für <hi rend="italic">meinen</hi> Zweck <term key="Arbeit, Berufung zur A."><hi rend="italic">berufen</hi></term> sein.<note n="7)" type="orig" xml:id="n_s7">Zur Geschichte dieses Begriffs vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4502"><hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-1952">M. Weber</persName></hi>, Aufsätze zur Religionssoziologie I 1922,
         S. 63–83</bibl><note xml:id="n33"><bibl corresp="kbga-bibls-158"><persName ref="kbga-actors-1952">M. Weber</persName>, <hi rend="italic">Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus</hi>, in: ders., <hi rend="italic">Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie</hi>, Bd. I, Tübingen 1922<hi rend="sup">2</hi>, S. 17–206.</bibl> Dort S. 63–83 findet sich unter «I. Das Problem» der
         Abschnitt «3. <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName> Berufskonzeption. Aufgabe der Untersuchung».</note>, und <bibl corresp="kbga-bibls-4503"><hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-191">K. Holl</persName></hi>, Die Geschichte des Wortes Beruf
        in Ges. Aufs. z. Kgsch. III 1928, S. 189–219</bibl><note xml:id="n34"><bibl corresp="kbga-bibls-4503"><persName ref="kbga-actors-191">K. Holl</persName>, <hi rend="italic">Die Geschichte des Wortes
         «Beruf»</hi>, in: ders., <hi rend="italic">Gesammelte Aufsätze zur Kirchengeschichte</hi>, Bd.
         III: <hi rend="italic">Der Westen</hi>, Tübingen 1928, S. 189–219.</bibl></note>.</note>
       Gibt es Kriterien des Beru<pb xml:id="p132" ed="pga" break="no"/>fenseins zu dieser und dieser Arbeit?
       Man hat von jeher zwei solche Kriterien geltend gemacht: einerseits das <term key="Individuum">Individuum</term>, das sich als solches durch Schicksal, Geburt, Charakter
       und Umgebung nun einmal an diesen und diesen Arbeitsplatz als in seinen «Stand» gestellt sieht und ihn darum auszufüllen
       hat, weil es <hi rend="italic">sein</hi> «Stand» ist. Andererseits die <term ref="kbga-keywords-380">Sozietät</term>, die Gemeinschaft, in der sich der Einzelne
       vorfindet, die als solche der eigentliche Träger der <term ref="kbga-keywords-470">Humanität</term> ist und in Beziehung zu der (als Beitrag zum «gemeinen Nutzen») darum die Arbeit des Einzelnen den
       Sinn berufener Mitarbeit bekommt.<note n="8)" type="orig" xml:id="n_s8"><hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName></hi> argumentiert vorwiegend
        vom «Stand» des Individuums aus, klassisch zu <ref type="can" subtype="bible" target="Gal.6.4">Gal 6,4</ref>: «<foreign xml:lang="lat">Ut, qui Magistratus, Pater familias,
        Servus, Praeceptor, discipulus etc. est, maneat in vocatione sua ac in ea probe et fideliter
        officium suum faciat, nihil solicitus de his, quae extra vocationem suam sunt. Hoc faciens
        habet gloriam in seipso, ut dicere possit: Summa qua potui fide et diligentia feci opus
        vocationis divinitus mihi mandatum, ideoque scio hoc opus in fide et obedientia Dei factum
        placere Deo ... Ut scilicet unusquisque sciat opus suum, in quocunque tandem pio vitae
        genere sit, esse divinum opus, quia est opus vocationis divinae, habens mandatum Dei.</foreign>» (<bibl corresp="kbga-bibls-561">W.
        A. 40, II, S. 152, 39f. und S. 153, 27f.</bibl><note xml:id="n35"><bibl corresp="kbga-bibls-561">WA 40/II, 152,39–153,18 und
         153,27–29.</bibl></note>) Vgl. auch die bei <bibl corresp="kbga-bibls-4498"><hi rend="italic">K. Holl</hi>, Der Neubau der Sittlichkeit (Ges. Aufs. z. Kgsch. I 1923,
         S. 260–63<note xml:id="n36"><bibl corresp="kbga-bibls-4498"><persName ref="kbga-actors-191">Holl</persName>, <hi rend="italic">Neubau</hi> (<ref type="pub" target="#fn_n18">Anm. 18</ref>), dort S. 260–263.</bibl></note>)</bibl> gesammelten Lutherstellen. <persName ref="kbga-actors-77"><hi rend="italic">Calvin</hi></persName> vertritt vorwiegend das zweite
        Kriterium: «<foreign xml:lang="lat">Atqui scimus, hunc in finem conditos esse homines, ut se laboribus exerceant,
        nec ulla sacrificia magis placere Deo, quam dum in suam quisque vocationem intentus utiliter
         <hi rend="italic">in commune bonum vivere</hi> studet.</foreign>» (Zu <ref type="can" subtype="bible" target="Lk.10.38">Luk 10, 38</ref>, <bibl corresp="kbga-bibls-39">Corp. Ref. 45, 382.</bibl><note xml:id="n37"><bibl corresp="kbga-bibls-4974">CR 73 ( = Calvini opera 45), col. 381f., Zitat col. 382</bibl> (Hervorhebung durch
         <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>).</note>) «<foreign xml:lang="lat">Quisquis enim <hi rend="italic">hominum societatem</hi> industria sua iuvat,
        sive familiam regendo, sive publica sive privata negotia administrando, sive consulendo,
        sive docendo, et quacunque alia ratione, is inter otiosos numerandus non est.</foreign>» (Zu <ref type="can" subtype="bible" target="2.Thess.3.10">II Thess
        3, 10</ref>, <bibl corresp="kbga-bibls-39">Corp. Ref. 52, 213.</bibl><note xml:id="n38"><bibl corresp="kbga-bibls-4975">CR 80 ( = Calvini opera 52), col. 213</bibl>
         (Hervorhebung durch <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>).</note>) Es ist bezeichnend für <hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName></hi> und <hi rend="italic">Calvin</hi> und für die beiden von ihnen vertretenen Gesichtspunkte, dass
         <persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName>, soweit ich sehe, nur das <hi rend="italic">Bleiben</hi> in dem einmal ergriffenen Beruf zu empfehlen pflegte, während Calvin gerade bei der Auslegung von <ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.7.20">I Kor. 7,20</ref> die Möglichkeit eines Berufs<hi rend="italic">wechsels</hi> ausdrücklich hervorgehoben hat. (<bibl corresp="kbga-bibls-39">Corp. Ref. 49, 415.</bibl><note xml:id="n39">«<foreign xml:lang="lat">Non
         ergo necessitatem cuiquam imponit manendi in vitae genere semel suscepto […]</foreign>» (<bibl corresp="kbga-bibls-4973">CR 77 [ =
         Calvini opera 49], col. 415</bibl>).</note>)</note> Als nicht ein<pb xml:id="p133" ed="pga" break="no"/>deutige Kriterien erweisen sich diese zwei Gesichtspunkte schon durch ihre gegenseitige
       Bedingtheit, durch die Unmöglichkeit, sie ohne Mehrbetonung des einen oder des anderen auf
       eine zusammenfassende Formel zu bringen, schließlich durch die Gewaltsamkeiten, zu denen man
       greifen muss, wenn man den einen oder den anderen nun wirklich zum beherrschenden
       Gesichtspunkt machen wollte. Wer vom Schicksal bzw. «Stand» des <term key="Individuum">Individuums</term> aus denkt, wird
       sich fragen lassen müssen, woher uns denn unser Schicksal, in dem wir unseren Beruf zu
       erkennen meinen, so gewiss ist? Wiederum bedürfte aber auch der Begriff des «gemeinen
        Nutzens» einer Interpretation von
       einer Authentie und Kompetenz, die man zwar an sich reißen könnte, aber darum doch nicht
       wirklich besitzen würde.<note n="9)" type="orig" xml:id="n_s9"><hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-2153">August Bebel</persName></hi> schrieb einmal:
        «Genau genommen ist aber ein Arbeiter, der Kloaken auspumpt, um die Menschen vor
        gesundheitsgefährlichen Miasmen zu schützen, ein sehr nützliches Glied der Gesellschaft,
        wohingegen ein Professor, der gefälschte Geschichte im Interesse der herrschenden Klassen
        lehrt, oder ein Theologe, der mit übernatürlichen transzendenten Lehren die Gehirne zu
        umnebeln sucht, äußerst schädliche Individuen sind.» (<bibl corresp="kbga-bibls-4504">Die Frau und der Sozialismus,
        136.–140. Tausend, 1913, S. 409f.</bibl><note xml:id="n40">Laut <persName ref="kbga-actors-4578">Eduard Bernstein</persName> erreichte bereits die 1909 erschienene 50.
         Auflage des Werkes «die Zahl 197 000 der herausgekommenen Exemplare» (Vorwort zu: <bibl corresp="kbga-bibls-4504"><persName ref="kbga-actors-2153">A.
          Bebel</persName>, <hi rend="italic">Die Frau und der
          Sozialismus</hi>, Jubiläumsausgabe, Berlin 1929, S. XV</bibl>; der von <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> zitierte Passus
         findet sich auch in dieser Ausgabe auf S. 409f.).</note>) Man würde als Theologe gerne in
        Kauf nehmen, so rauh mit sich reden zu lassen, wenn man nur gleichzeitig erfahren dürfte,
        was etwa in diesem Zusammenhang «nützlich» und «schädlich» grundsätzlich bedeuten
        möchten.</note> Diese Gesichtspunkte können also nur dazu dienen, die grundlegende Frage
       nach unserem Beruf zu unserer <term key="Arbeit, Berufung zur A.">Arbeit</term> aufzudecken,
       sie, wie es sich gehört, immer wieder zu einer offenen Frage zu machen. Das Gebot <term ref="kbga-keywords-60">Gottes</term>, wie wir es gehört haben, hören und hören werden, gibt
       die Antwort. Wir können uns nur klar machen, dass uns auch das gesagt werden wird: Ob wir
       Berufene oder Unberufene sind in unserer Arbeit.</p>
     
      <p>2. Setzen wir die Frage des Berufes nach ihrer individuellen <pb ed="A" n="254"/> und sozialen Seite als beantwortet voraus, so ist weiter zu sagen: Die Aufgabe
       der <term ref="kbga-keywords-470">Humanität</term> bedeutet jedesmal, im Blick auf jeden
       besonderen Zweck, das Gebot einer ganz bestimmten <hi rend="italic">Sachlichkeit</hi>, d. h. der
        <pb xml:id="p134" ed="pga"/> Erfüllung ganz bestimmter technischer Notwendigkeiten. Unsere
       Arbeit kann beiläufig auch den sachlichen Erfordernissen anderer Zweckgebiete gerecht zu
       werden suchen; sie ist aber vor allem und unbedingt nach ihrer eigenen, nach der ihr
       immanenten Sachlichkeit gefragt. Gibt es ein Gebot Gottes bezüglich unserer Arbeit, so werden
       wir uns – nicht nur einmal, sondern immer aufs Neue – als gefragt bekennen müssen nach der
       Ordentlichkeit und Sauberkeit unserer Arbeit im Unterschied zu aller Zerstreutheit, zu allem
       offenen oder heimlichen Dilettantismus, nach unserem Verhältnis zu der Spielregel, nach der,
       vor diese und diese Aufgabe gestellt, wir uns zu richten haben. Was gut ist auf dem Felde der
       Arbeit, das muss auch tüchtig sein. Aber freilich: Wenn Gottes <term ref="kbga-keywords-60">Gebot</term> darüber entscheidet, was gut ist, dann ist auch die Norm des Tüchtigen nicht
       so in unserer Hand, dass wir nicht jeden Tag aufs Neue aufs Grundsätzlichste nach ihr fragen
       müssten.</p>
     
      <p>3. Die Aufgabe der <term ref="kbga-keywords-470">Humanität</term> wird in
       concreto immer eine ganz bestimmte Beziehung zwischen den beiden so merkwürdig verbundenen
       und getrennten Elementen unserer <term key="Existenz, menschliche">Existenz</term> sein. Die
       verschiedenen Arten menschlicher <term ref="kbga-keywords-795">Arbeit</term> unterscheiden
       sich wie nach ihrem Zweck und nach ihrer Sachlichkeit so auch nach ihrer Struktur
       hinsichtlich des in ihnen zur Darstellung kommenden Verhältnisses von Geist und Natur,
       Innerem und Äußerem. Und so sind wir, wenn wir damit rechnen, dass es ein göttliches <term ref="kbga-keywords-60">Gebot</term> hinsichtlich der Arbeit gibt, nicht nur nach Beruf und
       Tüchtigkeit gefragt, sondern auch nach dem inneren <hi rend="italic">Sinn</hi> unserer Arbeit.
       Inwiefern dient sie in ihrer besonderen Proportionalität von innerem und äußerem Tun der
       Sache der Menschheit, dem Einswerden von beiden? Man redet von «ehrlicher» Arbeit und meint
       damit offenbar über Zweckhaftigkeit und Sachlichkeit hinaus ihre Sinnhaftigkeit.
       Sinnhaftigkeit muss dann aber im ganz Besonderen ihre Humanität bezeichnen. Wenn Arbeit
       Gehorsam gegen <term key="Arbeit, als Gehorsam gegen Gott">Gott</term> ist, dann muss sie
        <term key="Arbeit, Sinnhaftigkeit der A.">Sinn</term> haben. Aber was macht sie sinnvoll?
       Was unterscheidet sie von einer sinnlosen, sinnentleerten Arbeit? Zwei äußerste Möglichkeiten
       lassen sich denken: eine Arbeit, die auf ihren Inhalt gesehen nur noch in Vergeistigung,
       Verinnerlichung, Beseelung, Bewahrheitung bestünde, und eine andere, die ganz Verwirklichung,
       Veräußerlichung, Verleiblichung, Naturwerdung wäre. Die theologische <term key="Ethik, theologische">Ethik</term> als Besinnung auf das Gebot <term ref="kbga-keywords-60">Gottes</term> würde nicht <pb xml:id="p135" ed="pga"/> wohl tun, wenn
       sie etwa innerhalb dieser Gegensätze Partei ergreifen oder auch einem gesunden Mittelweg
       zwischen beiden das Wort reden wollte. Sie wird, wenn ihr der Mensch als Träger des <term key="Mensch, Träger des Geistes">Geistes</term> und seine Arbeit als geistiges Schaffen vor
       Augen steht, nicht vergessen, dass dieses Abstraktum eine Illusion ist, dass der arbeitende
       Mensch vielmehr in der Beziehung der Wahrheit auf die Wirklichkeit existiert, dass gerade der
       vorzugsweise innerlich Arbeitende, der sogenannte Geistesarbeiter allen Anlass hat, seiner
       tiefsten Solidarität mit den Millionen derer, deren Raum fast ganz der des Stoffes und seiner
       ­Bewegung ist, jeden Augenblick eingedenk zu sein.<note n="10)" type="orig" xml:id="n_s10">«Das Thorastudium ohne werktätige Arbeit wird am Ende nichtig und führt sogar zur Sünde» –
        «Derjenige, der von seiner Hände Arbeit lebt, steht höher als der Fromme» – «Die Handwerker
        brauchen, während sie mit ihrer Arbeit beschäftigt sind, nicht vor den Gelehrten
        aufzustehen», sagt talmudische Weisheit. (<bibl corresp="kbga-bibls-4505">Die Lehren des Judentums nach den Quellen, hrsg.
        vom Verband deutscher Juden, Leipzig, I, S. 198f.</bibl><note xml:id="n42"><bibl corresp="kbga-bibls-4505"><hi rend="italic">Die Lehren des Judentums nach den
        Quellen</hi>, hrsg. vom Verband der deutschen Juden, [Bd. 1], Erster und zweiter Teil, mit
        Einleitungen von L. Baeck u. a., 3., verbesserte
        Aufl., besorgt von Fr. Bamberger, Leipzig 1928,
        S. 198.199.200.</bibl></note>)</note> Sie wird, wenn ihr umgekehrt das tätige Leben so wichtig wird,
       wie dies seit der <term ref="kbga-keywords-61">Reformation</term> geschehen ist, nicht
       vergessen wollen, dass unser aller Leben nur zu einem geringen Bruchteil ein Leben in der Tat
       sein kann. Weiter: dass es Kranke gibt, denen mit dem Lobpreis der Berufstätigkeit als der
       eigentlichen Teilnahme am Reiche <term key="Arbeit, als Teilnahme am Reich Gottes">Gottes</term><note xml:id="n41">Wohl eine Anspielung auf
         <persName ref="kbga-actors-339">Albrecht Ritschl</persName>, über dessen diesbezügliche
         Anschauung <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> an anderer Stelle schreibt: «Der Inbegriff der dem Menschen gestellten
         Aufgabe und zugleich sein höchstes Gut, sein eigener Endzweck, ist das Reich Gottes, in dem
         die Liebe zum Nächsten betätigt wird [...]. Aber für das Reich Gottes kann man nicht
         außerhalb, sondern nur innerhalb der natürlich bedingten Gemeinschaften, vor Allem in der
         regelmäßigen Arbeitstätigkeit des sittlichen Berufes leben [...], so daß die Treue im Beruf
         zugleich die wahre Erfüllung des Vorbildes Christi ist» (<bibl corresp="kbga-bibls-34">Prot.Theol., S. 601</bibl>). <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> führt
         hier als Belegstellen an: <bibl corresp="kbga-bibls-1760"><persName ref="kbga-actors-339">A. Ritschl,</persName> <hi rend="italic">Unterricht in der christlichen Religion</hi>, Bonn 1875 (Nachdr. Gütersloh 1966
         [TKTG 3]; Studienausgabe [UTB 2311], hrsg. von Chr. Axt-Piscalar, Tübingen 2002),
         §§ 5f.27f.56.</bibl></note> wenig geholfen wäre. Weiter: dass es Formen äußerer Arbeit gibt, die
       nach einer Ergänzung durch innere Arbeit geradezu schreien, und umgekehrt sol<pb xml:id="p136" ed="pga" break="no"/>che, deren bester und wesentlichster Teil gerade unter Umständen
       geschieht, die der werktätige Bürger, Bauer und Arbeiter wohl für Müßiggang halten müsste.
       Gerade indem theologische <term key="Ethik, theologische">Ethik</term> die Aufgabe der <term ref="kbga-keywords-470">Humanität</term> als Gottes <term ref="kbga-keywords-60">Gebot</term> versteht, wird sie sich auf die Alternative: vita contemplativa oder vita
        <term key="Vita activa / Vita contemplativa">activa</term> nicht festlegen lassen. Es wäre
       aber hier wie anderswo ein allzu einfaches Verfahren, die Wahrheit nun ausgerechnet in der
       Mitte, also in einem harmonischen Ausgleich der beiden Extreme suchen zu wollen. Und hier
       geht es ja überhaupt nicht um ein Suchen der Wahrheit, sondern um die Bereitschaft für das
       Gebot Gottes. Das Gebot Gottes kann den Menschen zur Linken oder zur Rechten oder in der
       Mitte treffen. Wir haben ihm nicht vorzugreifen. Wir haben nur festzustellen, dass es
       jedenfalls auch diese Dimension hat, dass es so oder so auch in <pb ed="A" n="255"/> diese
       Problematik eingreifen wird und dass uns also von ihm her auch diese Frage gestellt ist.</p>
      <!-- leerzeile -->
      <p rend="margin-top">Wenn die <term ref="kbga-keywords-795">Arbeit</term>, d. h. nun also: die
       Sorge für unsere Bedürfnisse auf der unteren und die Aufgabe der <term ref="kbga-keywords-470">Humanität</term> auf der oberen Ebene der Betrachtung Gottes Gebot
       ist, dann ist eben damit gesagt, dass unser Arbeiten, wenn es Gehorsam gegen Gottes <term ref="kbga-keywords-60">Gebot</term> sein soll, eine Grenze haben muss und dass wir um diese
       seine Grenze wissen müssen. Die heilige Schrift Alten und Neuen <term key="Heilige Schrift / Bibel">Testaments</term> spricht von einem «<hi rend="italic">Tag des
        Herrn</hi>», einem Tag, an dem Leben in keinem Sinn Arbeiten, sondern durchaus und streng
       Ruhe bedeutet, und es ist bedeutsam für den Sinn dieses Begriffs, dass er ebensowohl den
       «Jüngsten Tag» als Grenze der Zeit des Menschen überhaupt wie den Sabbath als Grenze der
        sechs<note n="11)" type="orig" xml:id="n_s11">«Die hebräische Sprache hat für die Tage der
        Woche keine Namen geschaffen. Sie gelten nur als der erste, der zweite, der dritte usw. Tag
        der Woche. Sie sind nur Ziffern, bis der siebente Tag erreicht ist.» (<bibl corresp="kbga-bibls-4506">Die Lehren des
        Judentums II, 164.</bibl><note xml:id="n43"><bibl corresp="kbga-bibls-4506"><hi rend="italic">Die Lehren des Judentums nach den
          Quellen</hi>, hrsg. vom Verband der deutschen Juden, [Bd. 2], Dritter und vierter Teil,
         mit Einleitungen von L. Baeck u. a., 2.,
         verbesserte Aufl., besorgt von Fr. Bamberger,
         Leipzig 1930, S. 165.</bibl></note>)</note> Arbeitstage der Woche bezeichnet und dass er in der
       urchristlichen Gemeinde in Verbindung dieses zwiefachen Sinnes als der Tag der Auferstehung
       des Herrn gefeiert worden <pb xml:id="p137" ed="pga"/> ist.<note xml:id="n44">Vgl. u. a. <ref type="can" subtype="bible" target="Apk.1.10">Apk. 1,10</ref>; 
        <ref type="can" subtype="bible" target="1.Thess.5.2">1.Thess. 5,2</ref>; <ref type="can" subtype="bible" target="Gen.2.3">Gen. 2,3</ref>; 
        <ref type="can" subtype="bible" target="Ex.20.8 Ex.20.11">Ex. 20,8–11</ref>; <ref type="can" subtype="bible" target="Apg.20.7">Act. 20,7</ref>. Zur Zusammenschau beider
        Deutungsvarianten vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Hebr.4.9 Hebr.4.10">Hebr. 4,9f.</ref></note> Dieses Letzte ist das Entscheidende, was uns theologische Besinnung
       über unsere Arbeit sagen kann:<note n="12)" type="orig" xml:id="n_s12">Es ist auffällig,
        dass in den beiden meines Wissens letzten Bearbeitungen unseres Themas, in dem schon
        zitierten Aufsatz von <hi rend="italic"><bibl corresp="kbga-bibls-4497"><persName ref="kbga-actors-393">C. Stange</persName></bibl></hi><note xml:id="n45">Siehe <ref type="pub" target="#fn_n17">Anm. 17</ref>.</note> und in dem <bibl corresp="kbga-bibls-4507">RGG-Artikel (2.
        Aufl.) «Arbeit» von <hi rend="italic">G. Wünsch</hi></bibl><note xml:id="n46"><bibl corresp="kbga-bibls-4507"><persName ref="kbga-actors-433">G. Wünsch</persName>, Art. «Arbeit», in: RGG<hi rend="sup">2</hi> I, Sp. 471–480.</bibl></note>
        diese Sache gar kein Gewicht bekommt.</note> Es gibt einen <term key="Sonntag als Grenze der Arbeit"><hi rend="italic">Sonntag</hi>. </term> Gehorsam und
       Ungehorsam auf dem Gebiet der Arbeit unterscheiden sich auch dadurch und zwar entscheidend
       und Alles umfassend dadurch, dass gehorsame Arbeit eine konkret und zeitausfüllend durch <hi rend="italic">Ruhe</hi> unterbrochene Arbeit ist. Diese Unterbrechung der Arbeit durch Ruhe ist
       schon nach den Erklärungen des Alten Testaments ein «Zeichen», aber ein Zeichen, das etwas sagt und das als solches
       beachtet sein will: «Dass ihr erkennt, dass ich der Herr bin, der euch heiligt».<note n="13)" type="orig" xml:id="n_s13"><ref type="can" subtype="bible" target="Ex.31.13">Ex. 31,13</ref>; [vgl.] <ref type="can" subtype="bible" target="Hes.20.12">Ezech. 20,12</ref>.</note>
       Wir können uns nicht selbst heiligen, d. h. wir können uns das, was das Gebot <term ref="kbga-keywords-60">Gottes</term> uns rechtfertigend, segnend, wegweisend zu sagen hat,
       nicht selber sagen. Wir können uns nur bereit machen, es zu hören. Wir können es nur als an
       uns gerichtete Frage ernst zu nehmen versuchen. Wir können und sollen wohl arbeiten, aber wir
       können unsere Arbeit nicht gut machen und wir sollen sie auch nicht gut machen wollen. Wir
       können und sollen sie aber im Gedenken<note xml:id="n47">Korrektur aus dem <ref corresp="B">Erstdruck</ref>; <ref corresp="A">ThBl</ref>:
        «Gedanken».</note> und in der Erwartung des Gebotes Gottes machen und machen wollen. Wir
       können und sollen unsere Arbeit nicht um der Arbeit <term key="Arbeit, kein Selbstzweck">willen</term> tun.<note n="14)" type="orig" xml:id="n_s14">Wie dies nach <hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-191">K.
          Holls</persName></hi> erstaunlicher Interpretation (<bibl corresp="kbga-bibls-4498">Ges.
        Aufs. z. Kgsch. I 1923, S. 262, 273, 474</bibl><note xml:id="n48"><bibl corresp="kbga-bibls-4498"><persName ref="kbga-actors-191">Holl</persName>, <hi rend="italic">Neubau</hi> (<ref type="pub" target="#fn_n18">Anm. 18</ref>), S. 262.273</bibl>; ders., <bibl corresp="kbga-bibls-4508"><hi rend="italic">Die
          Kulturbedeutung der ­Reformation</hi>, in: ders., <hi rend="italic">Gesammelte Aufsätze I</hi>
         (<ref type="pub" target="#fn_n18">Anm. 18</ref>), S. 468–543, dort S. 474.</bibl></note>) <persName ref="kbga-actors-261">Luthers</persName> Meinung gewesen wäre – sicher nicht gewesen ist! –. Es scheint mir
        eines der schwersten Bedenken gegen die Theologie <hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-339">A. Ritschls</persName></hi>, in dessen Spuren hier <persName ref="kbga-actors-191">Holl</persName> wohl geht, dass in ihr der Kampf gegen <term ref="kbga-keywords-113">Metaphysik</term> und <term ref="kbga-keywords-1307">Mystik</term>
        so weit getrieben ist, dass es konsequenter Weise keinen Sonntag geben dürfte, sondern nur
        den ewigen <term key="Alltag; ewiger">Alltag</term> von «Weltanschauung und
         Sittlichkeit»<note xml:id="n49">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-34">Prot.Theol., S. 602</bibl>: «Christentum ist Weltanschauung
         und Sittlichkeit, aber in keiner Weise unmittelbare Beziehung zu Gott. [...] Es dürfte nach
          <persName ref="kbga-actors-339">Ritschl</persName> genau genommen keinen Sonntag geben und
         auch keine Ewigkeit, jedenfalls keine stille Ewigkeit, wie er denn in der Tat auch die
         Ewigkeit Gottes dahin definiert hat, sie sei die die Zeitschranke überwindende Stetigkeit
         des Willens Gottes zur Schöpfung und Erhaltung seiner Gemeinde».</note>. – <hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-312">Fr.
          Overbeck</persName></hi> hat einmal gegenüber einem
        Ausspruch <persName ref="kbga-actors-155">A. v. Harnacks</persName>, dass in der
        Wissenschaft «die Arbeit entscheide», sehr heidnisch, aber gegenüber einem allzu strengen
        Christentum doch sehr lehrreich und erfreulich geschrieben, «daß unter den Danaergeschenken,
        mit denen ausgestattet der Gelehrte auf die Welt kommt, und ohne welche er darin nicht zu
        existieren vermag, der Fleiß das unbedenklichste und am wenigsten fragwürdigste nicht ist.
        Diese Unerbittlichkeit des Fleißes verscheucht aus der Atmosphäre des Gelehrten alle übrigen
        Götter, während es sich doch eben, um die Gediegenheit der Arbeit sicherzustellen, ernstlich
        empfehlen dürfte, auch der Faulheit in einer Seitennische ein Altärchen zu errichten ... <hi rend="italic">Nicht</hi> die Arbeit entscheidet, sondern ihre Qualität.» (<bibl corresp="kbga-bibls-1340">Christentum und Kultur
        1919, S. 204.</bibl><note xml:id="n50"><bibl corresp="kbga-bibls-1340"><persName ref="kbga-actors-312">Fr. Overbeck</persName>, <hi rend="italic">Christentum und Kultur. Gedanken und Anmerkungen zur modernen Theologie</hi>,
         hrsg. von C. A. Bernoulli, Basel 1919 (= Darmstadt 1963), S. 204.</bibl> Das Harnack-Zitat findet
         sich a.a.O., S. 203. Vgl. dazu <bibl corresp="kbga-bibls-1310"><persName ref="kbga-actors-155">A. von Harnack</persName>, <hi rend="italic">Das Wesen des Christentums. Sechzehn Vorlesungen vor
          Studierenden aller Facultäten im Wintersemester 1899/1900 an der Universität Berlin
          gehalten</hi>, Leipzig 1902, S. 121 (Neuausgabe: <persName ref="kbga-actors-155">A. von Harnack</persName>, <hi rend="italic">Das Wesen des
          Christentums</hi>, hrsg. und komm. von Tr. Rendtorff, Gütersloh 1999,
        S. 190)</bibl>.</note>)</note>
       <pb xml:id="p138" ed="pga"/> Wir können und sollen sie um Gottes willen tun. Eben die
       Freiheit für Gott, die dazu von Gott selbst bei uns geschaffen werden muss, ist bezeichnet
       durch den Sabbath, durch die konkrete, zeitausfüllende Unterbrechung unserer Arbeit<note n="15)" type="orig" xml:id="n_s15">«<foreign xml:lang="lat">Praeceptum [...] morale [...] est quantum ad hoc, quod
        homo <hi rend="italic">deputet aliquod tempus</hi> vitae suae ad vacandum divinis.</foreign>» (<bibl corresp="kbga-bibls-1625"><hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-1282">Thomas von Aquino</persName></hi>, S. Theol. II, 2 Qu.
        122 c.</bibl><note xml:id="n51">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-1625"><persName ref="kbga-actors-1282">Thomas von Aquino</persName>,
         S.th. II/2 q. 122 a. 4c.</bibl></note>)</note>, wie sie ursprünglich bezeichnet ist durch die
       große Unterbrechung des menschlichen Alltags in der Auferstehung Jesu Christi von den Toten.
       Der <term ref="kbga-keywords-1617">Sonntag</term> erinnert an die Offenbarung <term ref="kbga-keywords-8">Gottes</term>, an sein Wort, an seine allein alles Gute schaffende,
       Sünden vergebende Gnade. Er erinnert daran, dass die Befriedigung unserer Lebensbedürfnisse,
       aber auch die humane Zweckhaftigkeit, Sachlichkeit und Sinnhaftigkeit unserer <term ref="kbga-keywords-795">Arbeit</term> damit stehen und fallen, dass sie uns gegeben, nämlich
       von Gott gegeben werden, erinnert also daran, dass wir endlich und zuletzt nur darum beten,
       d. h. uns selbst mit unserem notwendigen <pb ed="A" n="256"/> Tun der Güte und <pb xml:id="p139" ed="pga"/> Gewalt Gottes anbefehlen können.<note n="16)" type="orig" xml:id="n_s16">«Er kund dir wol korn und fruchte geben on dein pflügen und pflantzen. Aber er
        wills nicht thun. So wil er auch nicht, das dir dein pflügen und pflantzen korn und fruchte
        geben, sondern du solt pflügen und pflantzen und darauff einen segen sprechen und beten
        also: Nu berat Gott, Nu gib korn und frucht, lieber herr. Unser pflügen und pflantzen
        werdens uns nicht geben. Es ist deine gabe. Gleich wie man die kindlin gewenet, das sie
        fasten und beten und jr kleiderlin des nachtes ausbreiten, das jn das Christkindlin odder
        Sanct Nicolas bescheren sol, Wo sie aber nicht beten, nichts bescheret odder eine rute und
        pferdopfel bescheret. – Was ist aber alle unser erbeit auff dem felde, im garten, jnn der
        stad, im hause, im streit, im regiern anders gegen Gott, denn ein solch kinderwerck, dadurch
        Gott seine gaben zu felde, zu hause und allenthalben geben wil? Es sind unsers herrn Gotts
        larven, darunter wil er verborgen sein und alles thun.» (<bibl corresp="kbga-bibls-5202"><hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName></hi>, Der 147. Psalm, 1532, W. A. 31, I, 435,36ff.</bibl><note xml:id="n53"><bibl corresp="kbga-bibls-5202"><persName ref="kbga-actors-261">M. Luther</persName>, <hi rend="italic">Der 147. Psalm, Lauda Jerusalem,
          ausgelegt</hi> (1532), WA 31/I, 430–456, Zitat 435,36–436,11.</bibl></note>) – «<foreign xml:lang="fre">Et ainsi, quand un homme s’appliquera à
        quelque labeur, qu’il n’y aille point avec presomption: mais qu’il invoque Dieu, qu’il luy
        presente ses mains en offerte, pour dire, Seigneur, il te plaist que ie travaille: et bien,
        ie m’y en vay: mais ie say que ie ne profiteroye rien, sinon que tu me conduises, sinon que
        tu me donnes bonne issue. Que donc mon labeur prospere par ta pure bonté et gratuite … ces
        deux choses sont coniointes: Le Seigneur te benira, et neantmoins il veut que tu travailles
        … qu’il faut prendre ici le frein aux dents, et cependant faire cest honneur à Dieu, de
        dire, Seigneur, encores que nous ayons tout fait, cela ne seroit rien, sinon que ta pure
        grace dominast par dessus.</foreign>» (<bibl corresp="kbga-bibls-4509"><hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-77">Calvin</persName></hi>, Zu Deutn 28,9, Corp. Ref. 28, 379.</bibl><note xml:id="n54"><bibl corresp="kbga-bibls-4509"><persName ref="kbga-actors-77">J. Calvin</persName>, <hi rend="italic">Sermon sur le Deuteronome Chap. XXVIII. V. 9-14</hi>, CR 56 ( = Calvini opera 28),
        col. 371–382, Zitat col. 379f.</bibl></note>)</note> Der Sonntag
       erinnert uns<note xml:id="n52">Im <ref corresp="B">Erstdruck</ref> fehlt «uns».</note> aber auch, gerade auf dem Umweg der Erinnerung an
       Gott, an die Liebe und Bereitschaft, die wir über alle Arbeit hinaus unserem <term ref="kbga-keywords-851">Nächsten</term> als dem wirklich nächsten Repräsentanten Gottes
       selbst schuldig sind.<note n="17)" type="orig" xml:id="n_s17">«Nein, so müst jr den Sabbath
        nit deutten. Den Sabbath feyren heyst Gottes wort hören und dem nechsten helffen, wo mit man
        kann ... Was heist aber lieben? Es heyst nicht mit gedancken umgehen, Sondern von hertzen
        dem nechsten günstig sein und darnach mit dem wort trösten oder straffen, wo es von nöten
        ist, und mit der faust zugreyffen und also an leyb und seele helffen ... Solchs, spricht der
        Herr, gebeut dir Gott eben auff dem Sabbath, Ja, das mer ist, Hat er den Sabbath drumb
        eingesetzt, das du es lernen und hören solt und deinem nechsten freundtlich sein mit worten
        und hilfflich mit der faust, wo ers bedarff.» (<bibl corresp="kbga-bibls-2037"><hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName></hi>, Predigt über Mtth 14, 1–11 Hauspostille 1544, W. A. 52, 484, 28
        und 285, 10 und 15.</bibl><note xml:id="n55"><bibl corresp="kbga-bibls-2037"><persName ref="kbga-actors-261">M. Luther</persName>,
          <hi rend="italic">Am Sibenzehenden Sonntag nach der Trifeltigkeyt, Euangelion Matth. 14,
          [1–11]</hi>, in: ders., <hi rend="italic">Hauspostille</hi> (1544), WA 52, 484–488, Zitate
         484,28–30; 485,10–13.15–18.</bibl></note>)</note> Und der <term ref="kbga-keywords-1617">Sonntag</term> erinnert schließlich daran, dass wir arbeitend <pb xml:id="p140" ed="pga"/>
       unterwegs sind nach einem Ziel, das als «Ruhe des Volkes Gottes»<note n="18)" type="orig" xml:id="n_s18"><ref type="can" subtype="bible" target="Hebr.4.9 Hebr.4.10">Hebr. 4,9f.</ref></note>
       jenseits aller Arbeit liegt und gerade so, als das Ziel ewigen <term ref="kbga-keywords-726">Lebens</term>, das Diesseits der Arbeit möglich, weil zu einem Ort der Hoffnung macht.<note n="19)" type="orig" xml:id="n_s19">«<foreign xml:lang="lat">Manifestabatur autem et tanquam de iis quae facta sunt,
        requietio Dei, hoc est regnum, in quo requiescens homo ille qui perseveraverit Deo adsistere
        participabit de mensa Dei.</foreign>» (<bibl corresp="kbga-bibls-4510"><hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-1063">Irenäus</persName></hi>, c.o.h. IV 16,1.</bibl><note xml:id="n57"><bibl corresp="kbga-bibls-4510"><persName ref="kbga-actors-1063">Irenäus</persName>, <hi rend="italic">Contra omnes haereses</hi> IV, 16,1, SC 100, 562.</bibl></note>) – «<foreign xml:lang="lat">Dies enim septimus etiam nos ipsi erimus, quando eius fuerimus
        benedicitione et sanctificatione pleni atque refecti. Ibi vacantes videbimus quoniam ipse
        est Deus.</foreign>» (<bibl corresp="kbga-bibls-432"><hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-14">Augustin</persName></hi>, De civ.
        Dei XXII 30, 4.</bibl><note xml:id="n58"><bibl corresp="kbga-bibls-432"><persName ref="kbga-actors-14">Augustinus</persName>, <hi rend="italic">De civitatae Dei</hi> XXII, 30,4, CChr.SL 48, 865.</bibl></note>) – «<foreign xml:lang="lat">Nam omnia, quae in
        Sabbato Deus voluit agi, sunt evidentia signa alterius vitae post hanc vitam. Quid enim
        necesse est, Deum per verbum suum nobiscum loqui, si non vivendum est in futura et aeterna
        vita? … Quia divina maiestas cum solo homine loquitur, et solus homo agnoscit et
        appraehendit Deum, necessario sequitur: esse aliam vitam post hanc vitam, ad quam
        consequendam nobis opus sit verbo et cognitione Dei … Hoc significat Sabbatum seu quies Dei
        in quo Deus nobiscum loquitur per verbum suum et nos vicissim cum eo per invocationem et
        fidem.</foreign>» (<bibl corresp="kbga-bibls-2038"><hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-261">Luther</persName></hi>, Zu Gen 2,3,
        W. A. 42, 61, 4f.</bibl><note xml:id="n59"><bibl corresp="kbga-bibls-2038">WA 42, 60–62, Zitate
         61,4–6.8–11.14f.</bibl></note>)</note> Wir würden
       gottlos arbeiten, wenn wir nicht grundsätzlich im Zeichen dieser Unterbrechung unserer Arbeit
       arbeiten würden. Wichtiger und dringender und sachgemäßer als Alles, was die Kirche heute zur
       Lösung oder Milderung der sozialen <term ref="kbga-keywords-1477">Frage</term>, die ja
       weithin eben die Frage der Arbeit ist, sagen und tun möchte, wäre dies, dass sie es wieder
       lernte, dieses Zeichen zu deuten: Den äußeren und inneren<note n="20)" type="orig" xml:id="n_s20">«<foreign xml:lang="lat">Si sanctificatio nostra propriae voluntatis mortificatione constat, iam se
        profert aptissima signi externi cum re ipsa interiori analogia. Quiescendum omnino est, ut
        Deus in nobis operetur; cedendum voluntate nostra, resignandum cor, abdicandae cunctae
        carnis cupiditates, denique feriandum est ab omnibus proprii ingenii muniis, ut Deum
        habentes in nobis operantem, in ipso acquiescamus.</foreign>» (<bibl corresp="kbga-bibls-16"><hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-77">Calvin</persName></hi>, Instit. II 8, 29.</bibl><note xml:id="n60"><bibl corresp="kbga-bibls-41">OS III, 372,8–14</bibl></note>)</note>, den zeitlichen und ewigen Sabbath als das Ende alles
       Kampfes<note xml:id="n56">Korrektur aus dem <ref corresp="B">Erstdruck</ref>;
         <ref corresp="A">ThBl</ref>: «Krampfes».</note> und als den Anfang aller <term ref="kbga-keywords-1269">Erlösung</term> in unserer <term ref="kbga-keywords-795">Arbeit</term>. </p>     
     
    </div>
   </div>
  </body>
 </text>
</TEI>
