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        <title type="volume" n="vol-49">Vorträge und kleinere Arbeiten 1930–1933</title>
        <title type="content">Theologische Existenz heute! II. (Entwurf)</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Theologische Existenz heute! II. (Entwurf), Juni 1933</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/49018 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Vorträge und kleinere Arbeiten 1930–1933, hrsg. v. Beintker, Michael / Hüttenhoff, Michael / Zocher, Peter (Gesamtausgabe, Abt. III), Zürich 2013, S. 364–382.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
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        <idno type="url">https://kbga.karl-barth.ch/texts/49018</idno>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Vorträge und kleinere Arbeiten 1930–1933</title>
          <title type="text">Theologische Existenz heute! II. (Entwurf)</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Beintker, Michael</editor>
          <editor>Hüttenhoff, Michael</editor>
          <editor>Zocher, Peter</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2013</date>
          <biblScope unit="page">364-382</biblScope>
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        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Barth, Karl, Theologische Existenz heute! II. (Entwurf) [Fragment], Juni 1933. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/496">KBA 11043</ref>. </bibl>
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        <date type="creation" when="1933-06">Juni 1933</date>
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    <head>THEOLOGISCHE EXISTENZ HEUTE! II<lb/> (ENTWURF)</head>

    <head type="sub">
     <date when="1933">1933</date>
    </head>
    <div type="abstract">
     <p>Die Schrift <hi>Theologische Existenz heute!</hi> war gerade in den Druck
      gegangen, als <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> sich entschloss, seinem unter diesem Titel ausgegangenen ersten Wort «ein
      zweites sofort nachzuschicken».<note xml:id="n01">Siehe unten,
       <ref type="pub" target="../volume/49/p369#p369">S. 368</ref>.</note> Er begründete das damit, dass die kirchliche Lage sich
      seit dem <date when="1933-06-24">24. Juni 1933</date> akut verschärft habe. Dieses «zweite
      Wort in derselben <term key="Wort zur Sache">Sache</term>» solle sich «wesentlich der nächsten
      Zukunft» zuwenden, während sich das erste «wesentlich der letzten Vergangenheit» zugewandt
       habe.<note xml:id="n02">Ebd.</note></p>
     <p>Bereits am 27. Juni war <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> mit der Niederschrift beschäftigt. Er schrieb an
       <persName ref="kbga-actors-403">Eduard Thurneysen</persName>: «Ich bin jetzt im Begriff,
       noch eine <hi>zweite</hi> Flugschrift für die Pfarrer abzufassen im Blick auf die
        <hi>neue</hi> Lage. Es ist ja Alles wie in den Sturm geschwätzt, aber vielleicht haftet die
       eine oder andere Formulierung irgendwo in der Stille und für die Zukunft».<note xml:id="n03">Brief <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> an <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> vom <date when="1933-06-27">27.6.1933</date> 
        (<ref type="kba-objects-id" target="21728">KBA 9270.588</ref>; <bibl corresp="kbga-bibls-6">Bw.Th. III, <ref type="pub-" target="../volume/34/p428#p428">S. 428f.</ref></bibl>).</note> Im gleichen Zusammenhang erwähnte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> einen Besuch
       bei <persName ref="kbga-actors-1044">Hermann A. Hesse</persName> in <placeName ref="kbga-places-197">Elberfeld</placeName> am Abend des Vortages, bei dem es wieder einmal
       um seinen Rat zur Lage gegangen sei.<note xml:id="n04">Vgl. ebd. (<bibl corresp="kbga-bibls-6">Bw.Th. III, <ref type="pub-" target="../volume/34/p429#p429">S. 429</ref></bibl>).</note>
       Überdies habe ihn dort «eine ganze Pfarrerkonferenz (etwa 16 Mann von Elberfeld und <placeName ref="kbga-places-162">Barmen</placeName>)» erwartet, denen er dann «<foreign xml:lang="lat">ex tempore</foreign> einen kleinen
       Vortrag halten musste».<note xml:id="n05">Ebd. (<bibl corresp="kbga-bibls-6">Bw.Th. III, <ref type="pub-" target="../volume/34/p429#p429">S. 429f.</ref></bibl>).</note> Daraus muss der
       Plan zu einer zweiten «Theologischen Existenz heute» erwachsen sein, denn <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> fügte
       ausdrücklich hinzu: «bei diesem Anlass wurde mir der Inhalt der zweiten Broschüre
        ‹geschenkt›!!».<note xml:id="n06">Ebd. (<bibl corresp="kbga-bibls-6">Bw.Th. III, <ref type="pub-" target="../volume/34/p430#p430">S. 430</ref></bibl>).</note></p>
     <p>Leider sind wir über diesen «Inhalt» nur unzureichend unterrichtet. Der Text
       blieb ein Fragment. Erhalten sind lediglich die Einleitung und ein erster, umfangreicher
       Abschnitt, in dem vor allem die nach Abschluss der ersten Schrift erfolgten Maßnahmen des
       preußischen <term key="Staatskommissariat">Staatskommissars</term> und der von ihm ernannten
       «kirchlichen Gewalt<pb xml:id="p365" ed="pga" break="no"/>haber»<note xml:id="n07">Siehe unten,
        <ref type="pub" target="../volume/49/p381#p381">S. 381f.</ref></note> erörtert werden. Der in der Einleitung eigens
       hervorgehobene Zukunftsaspekt klingt allenfalls beiläufig an. An was <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> dabei gedacht
       haben könnte, lässt sich aber aus Aufzeichnungen von <persName ref="kbga-actors-5489">Karl Immer</persName><note xml:id="n08"><persName ref="kbga-actors-5489">Karl Immer</persName> (1888–1944), Pfarrer in Barmen-Gemarke, wurde
        im September 1933 Vorsitzender des neuen Coetus reformierter Prediger, 1934 Mitglied des
        Reichsbruderrats.</note> ablesen, der unter den Hörern von <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> improvisiertem «kleinen
       Vortrag» gesessen hatte.<note xml:id="n09">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3281">G. van Norden, <hi rend="italic">Der Kirchenkampf im Rheinland 1933 bis 1934</hi>, in:
        ders. (Hrsg.), <hi rend="italic">Kirchenkampf im Rheinland. Die Entstehung der Bekennenden Kirche
         und die Theologische Erklärung von Barmen 1934</hi> (SVRKG 76), Köln 1984, S. 1–188, dort
        S. 22f.</bibl></note> Die Frage «Was sollen wir tun?» habe <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> mit fünf «Anweisungen»
       beantwortet:</p>
     <!-- leerzeile -->
     <list type="ordered" rend="text-recte">
      <item n="1."> Beten für das Volk. Priester braucht’s.</item>
      <item n="2."> Heraus aus allen Fronten und <term ref="kbga-keywords-292">Bewegungen</term>,
       diese Bewegungen hat der <term key="Teufel">Teufel</term> erfunden. Marsch in die <term ref="kbga-keywords-249">Gemeinde</term>, in Unterricht, Predigt, Seelsorge. Da ist die
       Kirche. Hinein in die theologische Arbeit, von der die <orgName ref="kbga-actors-8309">Deutschen Christen</orgName> nichts verstehen.</item>
      <item n="3."> Es wird mit der Zeit zu einer freiwilligen <term key="Synoden">Synode</term>
       kommen. Die geistlichen <term key="Widerstand, geistlicher">Widerstandszentren</term> gegen
       die herrschende <term key="Häresie / Ketzerei">Irrlehre</term> in den einzelnen Gemeinden
       werden sich finden und einander zu Hilfe kommen. Wenn der Wolf kommt, schrickt die Herde
       zusammen.</item>
      <item n="4."> Es werden Erlasse und Gebete verordnet werden, die zunächst ziemlich harmlos
       aussehen. Der Wolf kommt im Schafskleid [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.7.15">Mt. 7,15</ref>]. Da gilt <term key="Zivilcourage">Zivilcourage</term> zeigen, die auch zu den
       theologischen Begriffen gehört.</item>
      <item n="5."> Es ist gut, sich für das <term ref="kbga-keywords-1293">Martyrium</term> bereit
       zu machen.<note xml:id="n10"><bibl corresp="kbga-bibls-3281">A.a.O., S. 23</bibl> (Zitat aus einem Bericht <persName ref="kbga-actors-5489">Immers</persName> über die Ereignisse vom <date to="1933-07-04" from="1933-06-26">26.6. bis
       4.7.1933</date>).</note></item>
     </list>
     <!-- leerzeile -->
     <p><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> kann nur am 27. Juni und allenfalls kurz danach mit der
      Ausarbeitung des vorliegenden Textes beschäftigt gewesen sein. Die am Ende erwähnte Anordnung
      zur Beflaggung der kirchlichen Gebäude galt zwar erst für Sonntag, den <date when="1933-07-02">2. Juli 1933</date>, wurde aber bereits am <date when="1933-06-27">27. Juni</date> erlassen.<note xml:id="n11">Siehe unten,
       <ref type="pub" target="#fn_n85">Anm. 85.</ref> – Dass sich zahlreiche Pfarrer der Anordnung <persName ref="kbga-actors-6439">August Jägers</persName>, an jenem Sonntag einen Dankgottesdienst abzuhalten, verweigerten (vgl.
        <bibl corresp="kbga-bibls-173">Scholder I, S. 458f.469–471</bibl>), wird nicht mehr
       erwähnt.</note> Über den <date when="1933-06-27">27. Juni</date> kommt die Kommentierung der <pb xml:id="p366" ed="pga"/>
      kirchlichen Entwicklung nicht hinaus. Schon auf <persName ref="kbga-actors-289">Ludwig Müllers</persName> handstreichartige «Übernahme» des Kirchenbundesamtes mit Hilfe der <orgName ref="kbga-actors-8360">SA</orgName> am
       <date when="1933-06-28">28. Juni</date><note xml:id="n12">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-292">DKPDR I, S. 76</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-169">Gauger I, S. 90</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-173">Scholder I,
       S. 460f.</bibl></note> findet sich im Text nicht der geringste Hinweis. Dasselbe gilt für das
      weitere Schicksal des <term key="Drei-Männer-Kollegium"><orgName ref="kbga-actors-8422">Drei-Männer-Kollegiums</orgName></term>, dem das
      Mandat zur Erarbeitung der <term ref="kbga-keywords-928">Reichskirchenverfassung</term> erst
      von <persName ref="kbga-actors-289">Ludwig Müller</persName> entzogen und dann wieder erteilt
       wurde,<note xml:id="n13">Zu den Einzelheiten vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4895">H. Kater, <hi rend="italic">Die Deutsche Evangelische Kirche in den Jahren 1933 und
        1934. Eine rechts- und verfassungsgeschichtliche Untersuchung zu Gründung und Zerfall einer
        Kirche im nationalsozialistischen Staat</hi> (AGK 24), Göttingen 1970, S. 85–90</bibl>, <bibl corresp="kbga-bibls-173">Scholder I, S. 471ff.</bibl> Siehe auch unten,
        <ref type="pub" target="../volume/49/p383#p383">S. 383f.</ref></note> und für den den Staatseingriff problematisierenden
      Brief des <persName ref="kbga-actors-1047">Reichspräsidenten</persName> an <persName ref="kbga-actors-185">Hitler</persName> vom <date when="1933-06-30">30. Juni 1933</date><note xml:id="n14">Siehe unten, <ref type="pub" target="../volume/49/p383#fn_n01">S. 383, Anm. 1.</ref></note> – und das, obwohl
      <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> dieser Intervention <persName ref="kbga-actors-1047">Hindenburgs</persName> eine große Bedeutung beimaß.<note xml:id="n15">Am
       <date when="1933-07-04">4.7.1933</date> schrieb <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> aus <placeName ref="kbga-places-8">Berlin</placeName> an <persName ref="kbga-actors-223">Ch. von Kirschbaum</persName> (<ref type="kba-objects-id" target="21775">KBA 9272.114</ref>; <bibl corresp="kbga-bibls-1">Bw.K., <ref type="pub" target="../volume/45/p300#p300">S. 300</ref></bibl>): «Dem Brief von <persName ref="kbga-actors-1047">Hindenburg</persName> an <persName ref="kbga-actors-185">Hitler</persName>
       kommt doch viel mehr Bedeutung zu als man von Weitem meinte. ‹Der alte Herr› sei in
       gewaltiger Aufregung, lese die ganzen Stöße von Telegrammen, die ihm zugehen, alle
       persönlich, greife je und je ganz direkt ein [...], und es seien letzte Möglichkeiten zu
       erwarten, wenn man nicht auf ihn hören wolle. Ebenso scheint Hitler in dieser (nur in
       dieser?) Sache zu den Gemäßigten zu gehören.»</note></p>
     <p>Das Fehlen jeden Bezugs auf diese Entwicklung ist um so bemerkenswerter, als
       <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> auf Bitten <persName ref="kbga-actors-1044">Hesses</persName> am Montag, dem <date when="1933-07-03">3. Juli 1933</date>, nach <placeName ref="kbga-places-8">Berlin</placeName> reiste, um ihm dort als heimlicher Berater – <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> teilte mit ihm
      dasselbe Hotelzimmer<note xml:id="n16">Wie er <persName ref="kbga-actors-223">Ch. von Kirschbaum</persName> ebenfalls am <date when="1933-07-04">4.7.1933</date> 
        (<ref type="kba-objects-id" target="21776">KBA 9272.115</ref>; <bibl corresp="kbga-bibls-1">Bw.K., <ref type="pub" target="../volume/45/p305#p305">S. 305</ref></bibl>) schrieb, war dies «ein bisschen bedrängend», aber «es ließ sich
        technisch nicht anders machen».</note> – bei den Verfassungsverhandlungen zur Seite zu
       stehen. Bis zum <date when="1933-07-05">5. Juli</date> blieb <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> in Berlin. Einen Anruf <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> von dort resümierte
       <persName ref="kbga-actors-223">Charlotte von Kirschbaum</persName> am 4. Juli noch so: «Sein
       Mitgehen scheint nun doch sinnvoller, als er vorher wissen konnte, da die ganze Lage noch
       viel mehrdeutiger ist, als es einen Augenblick lang schien. Man hofft mit Einwirkungen auf
        <persName ref="kbga-actors-185">Hitler</persName> und <persName ref="kbga-actors-1047">Hindenburg</persName> noch allerhand erreichen und zum mindesten die Alleinherrschaft der
       <orgName ref="kbga-actors-8309">Deutschen Christen</orgName> verhindern zu können.»<note xml:id="n17">Brief <persName ref="kbga-actors-223">Ch. von Kirschbaums</persName> an <persName ref="kbga-actors-18">Anna
        Barth</persName> vom <date when="1933-07-04">4.7.1933</date> (<ref type="kba-objects-id" target="21774">KBA 9233.162</ref>; <bibl corresp="kbga-bibls-143">Br. 1933,
        S. 273</bibl>).</note> Am <pb xml:id="p367" ed="pga"/> nächsten Tag aber stellte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> bereits
       fest: «meine Anwesenheit in <placeName ref="kbga-places-8">Berlin</placeName> hat vorläufig
       und wahrscheinlich endgiltig keinen Wert mehr», denn <persName ref="kbga-actors-1044">Hesse</persName> habe sich «<hi>gestern Abend schauderhaft übers Ohr hauen lassen</hi>
       durch eine Abmachung, durch die er zunächst faktisch ausgeschaltet ist» – und er schrieb dies
       bereits «Unterwegs zwischen <placeName ref="kbga-places-8">Berlin</placeName> und <placeName ref="kbga-places-30">Hannover</placeName>».<note xml:id="n18"><p>Brief an <persName ref="kbga-actors-708">W. Niesel</persName> vom <date when="1933-07-05">5.7.1933</date> (<ref type="kba-objects-id" target="21792">KBA 9233.164</ref>; <bibl corresp="kbga-bibls-143">Br. 1933, S. 279f.</bibl>).
        <persName ref="kbga-actors-1044">Hesse</persName> hatte einer Vereinbarung zugestimmt, nach der er erst nach dem Abschluss der weiteren
        Verhandlungen in einem neuen «Ausschuss» wieder selbst «auf den Plan» treten sollte –
        nämlich bei der Übergabe des Ergebnisses an den Innenminister! Seine Beobachtungen in der
        gemeinsamen Unterkunft aufnehmend zog <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> das Fazit: «Männer, die nachts mit einer weißen
        Zipfelmütze zu Bett gehen, sollten eben in solchen Zeiten nicht ‹Bevollmächtigte› sein»
        (ebd.; <bibl corresp="kbga-bibls-143">Br. 1933, S. 281</bibl>).</p> 
        <p>Trotzdem reagierte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> auf die Zusendung des
        Verfassungsentwurfs durch <persName ref="kbga-actors-1044">Hesse</persName> am <date when="1933-07-08">8.7.1933</date> (<ref type="kba-objects-id" target="21824">KBA 9333.470</ref>) am darauffolgenden Tag noch mit
         einem Brief (<ref type="kba-objects-id" target="21831">KBA 9233.170</ref>; <bibl corresp="kbga-bibls-143">Br. 1933, S. 284–289</bibl>), der detaillierte Anmerkungen und
        Verbesserungsvorschläge zu diesem Entwurf enthielt (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-6">Bw.Th. III, <ref type="pub-" target="../volume/34/p471#fn_n04">S. 471,
       Anm. 4</ref></bibl>).</p></note></p>
     <p>Spätestens die Reise nach <placeName ref="kbga-places-8">Berlin</placeName> dürfte den Abbruch der Arbeit am Manuskript
       bewirkt haben. Die sich nach der Intervention <persName ref="kbga-actors-1047">Hindenburgs</persName> mehrfach ändernden kirchenpolitischen <term ref="kbga-keywords-523">Konstellationen</term> werden dann dazu geführt haben, dass <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> nicht einfach dort
       anknüpfen konnte, wo er mit der Niederschrift aufgehört hatte. Als schließlich am <date when="1933-07-14">14. Juli 1933</date> das Gesetz über die Verfassung der <orgName ref="kbga-actors-8262">Deutschen
       Evangelischen Kirche</orgName> beschlossen wurde<note xml:id="n19">Hierzu und zum Folgenden siehe unten, <ref type="pub" target="../volume/49/p383#p383">S. 383f.</ref></note> und
       Reichskirchenminister <persName ref="kbga-actors-347">Rust</persName> am gleichen Tag den
        <term key="Staatskommissariat">Staatskommissar</term> für die preußischen <term key="Evangelische Kirche der altpreußischen Union">Landeskirchen</term> zurückzog<note xml:id="n20">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-169">Gauger I, S. 92.</bibl> Am
        darauffolgenden Tag erklärte <persName ref="kbga-actors-6439">August Jäger</persName> auch
        die Mandate der von ihm «Bevollmächtigten» für die preußischen Landes- und Provinzialkirchen
        für «erloschen» (<bibl corresp="kbga-bibls-4904">Rheinisch-Westfälische Zeitung, Nr. 354, 15.7.1933</bibl>, zit. nach
        <bibl corresp="kbga-bibls-4917">Zeitungsspiegel, Nr. 87, 15.7.1933, S. 2</bibl>).</note>, hätte selbst der vorliegende erste Teil
       des Textes einer nochmaligen umfassenden Revision bedurft. Neue Ereignisse wie die <term key="Kirchenwahlen">Kirchenwahlen</term> warfen ihre Schatten voraus. So blieb der Text ein
       unpublizierter Torso.</p>
     <!-- leerzeile -->
     <p rend="margin-top">Erhalten ist ein sechsseitiges, einzeilig beschriebenes Typoskript mit
      Durchschlag.<note xml:id="n21"><ref type="kba-objects-id" target="496">KBA 11043</ref>/1 und 2.</note> Ein Manuskript fehlt, und auch sonst
      spricht manches – <pb xml:id="p368" ed="pga"/> etwa einige Verschreibungen und Ungereimtheiten
      beim Satzbau – dafür, dass <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> selbst den Text gleich in die Maschine getippt hat. Einen
      Durchschlag des Entwurfs sandte <persName ref="kbga-actors-223">Charlotte von Kirschbaum</persName> am <date when="1933-07-15">15. Juli 1933</date> an <persName ref="kbga-actors-403">Eduard Thurneysen</persName> und vermerkte, dass er «in <hi>dieser</hi>
      Form natürlich nicht in Druck» gehen werde, «da alles darin Geschriebene längst
       <hi>überholt</hi>» sei.<note xml:id="n22">Brief <persName ref="kbga-actors-223">Ch. von Kirschbaums</persName> an <persName ref="kbga-actors-403">E. Thurneysen</persName> vom <date when="1933-07-15">15.7.1933</date> (<ref type="kba-objects-id" target="21882">KBA 9270.596</ref>; <bibl corresp="kbga-bibls-6">Bw.Th. III,
       <ref type="pub" target="34135">S. 467</ref></bibl>); vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-1186">Th.Ex.h., S. 108 (Anm. 37)</bibl>.</note></p>
     <p>Der Text wird hier erstmals in vollem Umfang veröffentlicht. Einige Auszüge hat
       <persName ref="kbga-actors-397">Hinrich Stoevesandt</persName> in seiner Edition von
        <hi>Theologische Existenz heute!</hi> dokumentiert.<note xml:id="n23"><bibl corresp="kbga-bibls-1186">A.a.O., S. 108–111
        (Anm. 37)</bibl>.</note></p>
    </div>
    <div>
     <head>Theologische Existenz heute!<lb/> II.<lb/> (Entwurf)</head>
     <p>Die kirchliche Lage ist seit dem <date when="1933-06-24">24. Juni
       1933</date><note xml:id="n24">Vgl. zu diesem «kritischen» Datum oben,
        <ref type="pub" target="../volume/49/p288#p288">S. 288</ref>, und die Aufzählung der Ereignisse dieses Tages im
       nachfolgenden Text.</note> in so akuter Weise ernst geworden, dass ich mich veranlasst sehe,
      meinem unter demselben Titel ausgegangenen ersten Wort<note xml:id="n25">Siehe oben,
       <ref type="pub" target="../volume/49/p271#p271">S. 271–363</ref>.</note> ein zweites sofort nachzuschicken. Ein zweites
      Wort in derselben <term key="Wort zur Sache">Sache</term>, an dieselben Adressaten und in
      derselben Absicht, inhaltlich noch einmal dasselbe Wort, aber nun ebenso wesentlich der
      nächsten Zukunft zugewandt, wie das erste wesentlich der letzten Vergangenheit. Der 24. Juni
      hat ja gewiss schon politisch-kirchenpolitisch nichts verändert, sondern nur Einiges ans Licht
      und zu aktueller Bedeutung gebracht, was vorher so allgemein und grundsätzlich nicht deutlich
      war. Auch theologisch hat sich nichts verändert, nur dass auch hier das, was schon vorher zu
      bedenken und zu sagen war, noch deutlicher wurde. Immerhin: so viel deutlicher, dass eine neue
      Situation entstanden ist, in der sich mit der Gestalt aller Einzelfragen auch die Frage der
      konkreten grundsätzlichen Entscheidung, die jede Einzelfrage erst so aufregend macht, die
      Grundfrage der Behauptung oder Nichtbehauptung unserer theolo<pb xml:id="p369" ed="pga" break="no"/>gischen <term key="Existenz, theologische">Existenz</term> ganz neu stellen muss. Ich möchte
      mich, da ich einmal zum Mitreden aufgerufen wurde,<note xml:id="n26">Vgl. oben,
       <ref type="pub" target="../volume/49/p273#p273">S. 273f.</ref> und <ref type="pub" target="../volume/49/p281#p281">S. 280</ref>.</note> auch in dieser
      neuen Situation der Pflicht nicht entziehen, denen[,] die mich hören wollen, zu sagen, um was
      es mir jetzt erst recht auf der ganzen Linie zu gehen scheint.</p>
     <!-- leerzeile -->
     <p rend="margin-top">Die <orgName ref="kbga-actors-8262">evangelische Kirche Deutschlands</orgName> hat mit dem, was sich an und seit dem
      <date when="1933-06-24">24. Juni</date> zunächst im preußischen <term key="Evangelische Kirche der altpreußischen Union">Bereich</term> zugetragen hat (Beurlaubung des Ministerialdirektors <persName ref="kbga-actors-10180">Trendelenburg</persName> am <date when="1933-06-22">22.</date>,<note xml:id="n27"><persName ref="kbga-actors-10180">Friedrich
       Trendelenburg</persName> (1878–1962), Leiter der Kirchenabteilung des preußischen Kultusministeriums,
       wurde am <date when="1933-06-22">22.6.1933</date> durch Minister <persName ref="kbga-actors-347">Rust</persName> von seinem Amt beurlaubt, weil er mit der
       kommissarischen Ernennung <persName ref="kbga-actors-7455">Ernst Stoltenhoffs</persName> zum
       Nachfolger <persName ref="kbga-actors-5289">Kaplers</persName> als Präsident des <orgName ref="kbga-actors-10264">preußischen
        <term key="Evangelische Kirche der altpreußischen Union, Oberkirchenrat">Oberkirchenrats</term></orgName> (s. oben, <ref type="pub" target="../volume/49/p271#p271">S. 271f.</ref>) die politische Klausel
       des preußischen <term key="Staatskirchenvertrag, preußischer">Kirchenvertrages</term> nicht
       tangiert gesehen hatte. Zugleich wurde <persName ref="kbga-actors-6439">August Jäger</persName> mit der Leitung der Kirchenabteilung beauftragt. Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4917">Zeitungsspiegel,
       Nr. 68, 23.6.1933, S. 1</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-292">DKPDR I, S. 68</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-173">Scholder
       I, S. 442–444.</bibl></note> ­Telegramm des preuß[ischen] Kultusministers an die preuß[ischen] ­Vertreter an der Eisenacher
       Kirchenkonferenz,<note xml:id="n28">Das Telegramm <persName ref="kbga-actors-347">Rusts</persName> vom Abend des <date when="1933-06-23">23.6.1933</date> wies die
       Vertreter der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union auf der Kirchenkonferenz des
       <orgName ref="kbga-actors-8421">Deutschen Evangelischen Kirchenbundes</orgName>
       in <placeName ref="kbga-places-195">Eisenach</placeName> «nachdrücklichst darauf hin, dass
       sie rechtsgültig nicht handeln können» (<bibl corresp="kbga-bibls-4915">Kölnische Zeitung, Nr. 136, 24.6.1933</bibl>, zit. nach
       <bibl corresp="kbga-bibls-4917">Zeitungsspiegel, Nr. 69, 24.6.1933, S. 1</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-292">DKPDR I, S. 69</bibl>; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-173">Scholder I, S. 447f.</bibl>).</note> Einsetzung des <term key="Staatskommissariat">Kirchenkommissars</term>
      <persName ref="kbga-actors-6439">Jäger</persName> für <placeName ref="kbga-places-289">Preußen</placeName>,<note xml:id="n29">Die Nachricht
       von der Einsetzung <persName ref="kbga-actors-6439">August Jägers</persName> ließ <persName ref="kbga-actors-347">Rust</persName> am Mittag des <date when="1933-06-24">24.6.1933</date> den Vertretern der preußischen
       Landeskirche nach Eisenach telegraphieren (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-292">DKPDR I, S. 69</bibl>).</note> Rücktritt von D. <persName ref="kbga-actors-7588">von
       Bodelschwingh</persName>, Beurlaubung von
      O.K.R. <persName ref="kbga-actors-7087">Hundt</persName><note xml:id="n30">Oberkirchenrat
       <persName ref="kbga-actors-7087">Ernst Hundt</persName> (1877–1945) war seit 1929 juristischer Vizepräsident im <orgName ref="kbga-actors-10264">Evangelischen
       Oberkirchenrat</orgName> und wurde wegen seines Einspruchs gegen den Staatseingriff noch am Abend des
       <date when="1933-06-24">24. Juni</date> von <persName ref="kbga-actors-6439">Jäger</persName> beurlaubt (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-292">DKPDR I, S. 70</bibl>).</note> und Gen. Sup. D. <persName ref="kbga-actors-4471">Schian</persName><note xml:id="n31"><persName ref="kbga-actors-4471">Martin Schian</persName> (1869–1944) war seit
       1924 Generalsuperintendent des Sprengels Liegnitz in Breslau und wurde ebenfalls am Abend des
       24. Juni von <persName ref="kbga-actors-6439">Jäger</persName> beurlaubt (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-292">ebd.</bibl>).</note>, Aktion gegen die bisherige Leitung des
      <orgName ref="kbga-actors-10322">ev[angelischen] <term key="Evangelischer Pressverband für Deutschland">Presseverbandes</term></orgName>
      am <date when="1933-06-24">24.</date>,<note xml:id="n32">Gleichfalls noch am Abend des <date when="1933-06-24">24. Juni</date> ließ <persName ref="kbga-actors-6439">Jäger</persName> das Dienstgebäude
       des <orgName ref="kbga-actors-10322">Evangelischen <choice><sic ed="pga">Pressverbandes</sic><corr type="misprint" resp="sm">Presseverbandes</corr></choice> für Deutschland</orgName> besetzen und sorgte dafür, dass dessen
       Pressedienst nur noch im Sinne der <orgName ref="kbga-actors-8309">Deutschen Christen</orgName>
       berichtete (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4917">Zeitungsspiegel, Nr. 70, 25.6.1933, S. 2</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-173">Scholder I, S. 454f.</bibl>).</note> Einsetzung von provisorischen Bevollmächtig<pb xml:id="p370" ed="pga" break="no"/>ten des Kirchenkommissars am <date to="1933-06-27" from="1933-06-26">26.–27.</date>,<note xml:id="n33">Am <date when="1933-06-24">24.</date> und
       <date when="1933-06-25">25. Juni</date> wurde fast der ganze <orgName ref="kbga-actors-10264">Evangelische Oberkirchenrat</orgName>
       ausgewechselt, und für die acht preußischen Kirchenprovinzen und die sieben Landeskirchen in
        <placeName ref="kbga-places-289">Preußen</placeName> wurden – in Anlehnung an die Position
        <persName ref="kbga-actors-6439">Jägers</persName> in der Gesamtkirche – «Bevollmächtigte»
       ernannt (zum Vorgang und zu den Personen s. <bibl corresp="kbga-bibls-4917">Zeitungsspiegel Nr. 71, 27.6.1933, S. 1f.</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-292">DKPDR
       I, S. 70</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-169">Gauger I, S. 84.87</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-173">Scholder I, S. 454</bibl>). Am <date when="1933-06-27">27. Juni</date> fand die offizielle
       Amtsübernahme des <term key="Staatskommissariat">Staatskommissars</term> für die rheinische
        <term key="Evangelische Kirche der Rheinprovinz">Landeskirche</term> statt (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4675">G. van
        Norden, <hi rend="italic">Der deutsche
        Protestantismus im Jahr der nationalsozialistischen Machtergreifung</hi>, Gütersloh 1979,
       S. 170ff.</bibl>).</note> Beurlaubung von D. <persName ref="kbga-actors-92">Dibelius</persName> am
       <date when="1933-06-27">27.</date>,<note xml:id="n34">Die Beurlaubung von <persName ref="kbga-actors-92">Otto Dibelius</persName> erfolgte am <date when="1933-06-26">26. Juni</date> (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-292">DKPDR I,
       S. 70</bibl>, <bibl corresp="kbga-bibls-173">Scholder I, S. 455f.</bibl>; <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> gibt das
       Erscheinungsdatum der Nachricht in der Presse an [vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4917">Zeitungsspiegel, Nr. 71, 27.6.1933,
       S. 2</bibl>]). Er bemerkte dazu: «Wer hätte sich träumen lassen, dass er, der Prediger von
        <placeName ref="kbga-places-668">Potsdam</placeName>, mein alter Feind und nun beinahe
       Freund, noch <hi rend="italic">vor</hi> mir fliegen müsste!­!» (Brief an ­<persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> vom <date when="1933-06-27">27.6.1933</date> [<ref type="pub" target="#fn_n03">Anm. 3</ref>; <bibl corresp="kbga-bibls-6">Bw.Th. III,
       <ref type="pub-" target="../volume/34/p433#p433">S. 433f.</ref></bibl>]).</note> Einsetzung von Kommissaren beim Zentralausschuss für Innere <term key="Innere Mission, Zentralausschuss">Mission</term> am <date when="1933-06-27">27.</date><note xml:id="n35">Die
       kommissarischen Bevollmächtigten für den Zentralausschuss der Inneren Mission wurden bereits
       am <date when="1933-06-24">24. Juni</date> eingesetzt (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-169">Gauger I, S. 87</bibl>;
       <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> folgt auch hier dem Datum des Nachdrucks der Pressenotiz im <bibl corresp="kbga-bibls-4917">Zeitungsspiegel, Nr. 71,
       27.6.1933, S. 3f.</bibl>).</note>) eine schwere kirchenpolitische <term ref="kbga-keywords-523">Niederlage</term> erlitten. Dass sie bloß kirchenpolitisch ist, ändert nichts daran, dass
      sie eine schwere Niederlage ist. |</p>
     <p> Die Kirche sieht sich in ihren bisherigen Führern äußerlich vor aller Welt <term key="Kirche, Entmündigung durch Staatseingriff">entmündigt</term>. Sie sieht sich äußerlich
      in eine Zwangslage gedrängt, für die man in ihrer Geschichte jedenfalls seit Beginn des 19.
      Jahrhunderts wohl kaum eine Parallele finden wird. Sie sieht sich in den Führern, denen sie
      ihre äußeren Geschicke bis dahin anvertraut hatte oder die in den mit der überstürzt
      beschlossenen und unternommenen <term key="Kirchenreform">Kirchenreform</term> entstandenen
      Wirren mehr oder weniger legitimiert die Leitung ihrer äußeren Geschicke übernommen hatten,
      insofern enttäuscht, als diese es jedenfalls nicht verstanden haben, sie vor dieser
      Entmündigung und Zwangslage zu behüten. Sie sieht sich auch in ihrem Verhältnis zum römischen
       <term ref="kbga-keywords-34">Katholizismus</term>, der jedenfalls dieser Entmündigung und
      Zwangslage bis heute zu entgehen gewusst hat, in offenkundigen und beschämenden Nachteil
       versetzt.<note xml:id="n36">Es verdient Beachtung, dass ungeachtet dieser für die
       evangelische Kirche so bedrückenden Lage die Verhandlungen zum <term key="Konkordat">Konkordat</term> zwischen dem <orgName ref="kbga-actors-8736">Vatikan</orgName> und dem
       <orgName ref="kbga-actors-8359">Deutschen Reich</orgName> kurz vor ihrem Abschluss standen (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-173">Scholder I, S. 504ff.</bibl>).</note> Es muss nicht <pb xml:id="p371" ed="pga"/>
      notwendig so sein, dass eine äußere Niederlage der Kirche eine Bedrohung der theologischen
       <term key="Existenz, theologische">Existenz</term> ihrer Prediger und Lehrer bedeutet. Diese
      äußere Niederlage bedeutet das. Unsere theologische Existenz war durch die bisherigen
      Ereignisse dieses Jahres von innen <term key="Existenz, theologische">bedroht</term>. In
      grundsätzlich ungestörter äußerer Freiheit kam die Versuchung zur Abweichung, zum Abenteuer,
      zum geistlichen Schlaf (bei allzu großer geistiger Regsamkeit), zu einem wahrheitsfeindlichen
      Wirklichkeitsdenken<note xml:id="n37">Siehe oben, <ref type="pub" target="../volume/49/p331#fn_n138">S. 331f.,
       Anm. 138.</ref></note> über uns. Jetzt kommt die Bedrohung auch von außen, in Gestalt von
      Ereignissen und Verhältnissen, denen sich die Kirche ohne[,] ja wider ihren Willen von ihren
      Grenzen her unterworfen sieht und die doch in ihrer Bedeutsamkeit für ihre Prediger und Lehrer
      denselben Effekt haben zu wollen scheinen, wie jene in Freiheit abzuwehrenden (oder nicht
      abzuwehrenden) <term ref="kbga-keywords-176">Versuchungen</term>, mit denen sie es bis jetzt
      zu tun hatten: den Effekt, dass wir uns entreißen lassen, was wir unter allen Umständen
      behaupten sollten, den freien Boden des Wortes <term ref="kbga-keywords-50">Gottes</term> und
      seiner Verkündigung.</p>
     <p> Diese Bedrohung liegt noch nicht an sich darin, dass nun auch die evangelische Kirche dem
      Zugriff der harten Faust des nationalsozialistischen <term key="Drittes Reich">Staates</term>
      verfallen, dass äußerlich nun auch an ihr das große <term key="Gleichschaltung">Gleichschaltungsprogramm</term><note xml:id="n38">Siehe oben,
        <ref type="pub" target="../volume/49/p296#fn_n73">S. 296, Anm. 73.</ref></note> zur Vollstreckung gekommen ist. – Dass dies
      Letztere der nächste Sinn der letzten Ereignisse gewesen ist, darüber kann kein Zweifel
      bestehen. Wenn wirklich, wie es einen Augenblick in den Vordergrund gestellt wurde, die
      bisherige preußische Kirchenleitung dadurch den «Rechtsboden verlassen hat»<note xml:id="n39">Zitat aus dem Telegramm des preußischen Kultusministers vom <date when="1933-06-23">23.6.1933</date> (<ref type="pub" target="#fn_n28">Anm. 28</ref>).</note>[,]
      dass sie ohne vorherige Befragung der Staatsregierung die Ernennung eines kommissarischen
      Präsidenten des E.O.K.<note xml:id="n40">Evangelischer Oberkirchenrat: oberstes
       Leitungsgremium der Evangelischen Kirche der altpreußischen <term key="Evangelische Kirche der altpreußischen Union, Oberkirchenrat">Union</term>.</note>
       vollzog<note xml:id="n41">Gemeint ist die Ernennung <persName ref="kbga-actors-7455">Stoltenhoffs</persName> (s. oben, <ref type="pub" target="#fn_n27">Anm. 27</ref>).</note>[,] und wenn die in den Erlassen des
       Ministers und des neuen Kommissars erwähnte «Verwirrung» und «Zerrissenheit» im
       «Kirchenvolke»<note xml:id="n42">Das Telegramm des preußischen Kultusministers, mit dem die
       Einsetzung <persName ref="kbga-actors-6439">Jägers</persName> als Staatskommissar bekanntgegeben wurde, begann mit den Worten: «Die Lage
       von Volk, Staat und Kirche verlangt Beseitigung der vorhandenen Verwirrung» (<bibl corresp="kbga-bibls-292">DKPDR I, S. 69</bibl>).
       In seinem ersten Erlass vom <date when="1933-06-24">24.6.1933</date> sah Jäger den Minister «beseelt von dem unbeugsamen
       Willen, der Zerrissenheit im Kirchenvolke ein Ende zu machen» (<bibl corresp="kbga-bibls-292">a.a.O., S. 70</bibl>), und sich
       selbst dazu bestellt, «die zur Beseitigung der vorhandenen Verwirrung und zur Verhütung
       weiterer Zerreißung und Aufspaltung erforderlichen Maßnahmen zu treffen» (<bibl corresp="kbga-bibls-292">ebd.</bibl>).</note> –
      gemeint ist <pb xml:id="p372" ed="pga"/> wohl: infolge des <term key="Bischofsstreit">Bischofsstreites</term><note xml:id="n43">Siehe oben, <ref type="pub" target="../volume/49/p314#fn_n105">S. 314f.,
       Anm. 105.</ref></note> – an vielen Orten tatsächlich vorhanden gewesen sein mag, so stand doch der
      Ernst der von Seiten des Staates ergriffenen Maßnahmen zu diesen Übeln in keinem Verhältnis.
      Sie werden aber restlos verständlich im Zuge der im Juni durchgeführten allgemeinen Politik.
      Nach den <term key="Gewerkschaften">Gewerkschaften</term><note xml:id="n44">Die freien
       Gewerkschaften waren am <date when="1933-05-02">2.</date> und <date when="1933-05-03">3. Mai 1933</date> gewaltsam aufgelöst
       worden.</note> und <term key="Arbeitervereine">Arbeitervereinen</term><note xml:id="n45">Mit
       den Verfügungen des Führers der <orgName ref="kbga-actors-8362">Deutschen Arbeitsfront</orgName> vom <date when="1933-06-22">22.6.1933</date> wurde die Auflösung aller
       früheren Arbeitervereine und Arbeitnehmerorganisationen, auch der konfessionellen, erklärt
       (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4917">Zeitungsspiegel, Nr. 68, 23.6.1933, S. 3f.</bibl>).</note>, nach den <term key="Wehrverbände">Wehrverbänden</term><note xml:id="n46">Die Eingliederung des der <orgName ref="kbga-actors-5933">Deutschnationalen Volkspartei</orgName> (DNVP) nahestehenden
       «<orgName ref="kbga-actors-10272">Stahlhelm. Bund der Frontsoldaten</orgName>» und seiner paramilitärischen Formationen in die
       «nationalsozialistische Bewegung» erfolgte am <date when="1933-06-21">21. Juni
       1933</date>.</note> und Jugendorganisationen<note xml:id="n47">Bereits am <date when="1933-04-05">5. April 1933</date> hatte die <orgName ref="kbga-actors-10273">Hitler-Jugend</orgName> (HJ) die Geschäftsstelle des Reichsausschusses deutscher <term key="Reichsausschuss deutscher Jugendverbände">Jugendverbände</term> besetzt, und im
       Anschluss daran waren alle politischen Bünde aufgelöst worden. Die letzten verbliebenen
       Jugendabteilungen von Wehrverbänden, die «Scharnhorst-Jugend» und der «Jung-Stahlhelm»,
       wurden am <date when="1933-06-26">26. Juni 1933</date> in die <orgName ref="kbga-actors-10273">HJ</orgName> bzw. <orgName ref="kbga-actors-8360">SA</orgName> eingegliedert. Der «Großdeutsche Bund», in dem sich
       verschiedene <term key="Pfadfinder">Pfadfinder</term> zusammengeschlossen hatten, um einem
       Verbot zu entgehen, wurde per Verordnung vom <date when="1933-06-21">21. Juni 1933</date>
       aufgelöst (von den zugehörigen Pfadfinderbünden konnten sich einige bis zum endgültigen
       Verbot 1937 behaupten). Die kirchlich-konfessionellen Jugendverbände waren von dieser
       Verbotswelle nicht betroffen.</note>, nach den Parteien der verschiedenen mit dem <term key="Nationalsozialismus">Nationalsozialismus</term> nicht identischen Richtungen<note xml:id="n48">Das Verbot der <orgName ref="kbga-actors-6133">SPD</orgName> erfolgte am <date when="1933-06-22">22. Juni 1933</date>; die Selbstauflösung
       der <orgName ref="kbga-actors-10937">Deutschen <term key="Deutsche Zentrumspartei">Zentrumspartei</term></orgName> am <date when="1933-07-05">5. Juli 1933</date> wurde von <persName ref="kbga-actors-5704">Goebbels</persName> schon am <date when="1933-06-28">28. Juni</date> angekündigt; nach der Verhaftung von Führern der
       <orgName ref="kbga-actors-10938">Bayerischen <term key="Bayerische Volkspartei (BVP)">Volkspartei</term></orgName> am <date when="1933-06-26">26. Juni 1933</date> löste die BVP sich am 4. Juli auf; die Ausschaltung
       und Selbstauflösung der Deutschnationalen Front (vormals <term key="Deutschnationale Volkspartei (DNVP)"><orgName ref="kbga-actors-5933">DNVP</orgName></term>) erfolgte am <date when="1933-06-27">27.</date> und <date when="1933-06-28">28. Juni</date>.</note>
      mussten auch die Kirchen und musste <pb xml:id="p373" ed="pga"/> – teils als Kirche der
      überwiegenden Volksmehrheit, teils wohl auch als Stelle des geringeren Widerstandes – vor
      allem die evangelische Kirche hinsichtlich der Eingliederung in das neue <term key="Gleichschaltung, der Kirche">System</term> an die Reihe kommen. Der Vorgang liegt so
      genau in der Folgerichtigkeit des am 30. Januar<note xml:id="n49">Datum der Ernennung
        <persName ref="kbga-actors-185">Hitlers</persName> zum Reichskanzler.</note> eröffneten
      politischen <term key="Nationalsozialismus, politische Revolution des N.">Geschehens</term>,
      dass man den <term key="Nationalsozialismus">Nationalsozialismus</term> schon sehr schlecht
      verstanden haben müsste, wenn man in der Lage wäre, sich jetzt noch einmal besonders gerade
      darüber zu wundern oder gar zu entsetzen. Möchten sich doch alle, die jetzt auf einmal zu
      weinen oder zu schelten beginnen, klar machen, dass es dazu nun wirklich zu spät ist. Man kann
      nicht, wie es gerade auf dem theologischen Felde so reichlich geschehen ist, mit dem Begriff
      der politischen <term key="Autorität, politische">Autorität</term><note xml:id="n50">Vgl. etwa
       <bibl corresp="kbga-bibls-278"><persName ref="kbga-actors-137">Fr. Gogarten</persName>, <hi rend="italic">Wider die Ächtung der
        Autorität</hi>, Jena 1930.</bibl></note>, mit dem Staatsgedanken der heidnischen <term key="Polis">Antike</term><note xml:id="n51">Vgl. den Rückgriff auf den Begriff der «Polis» bei <bibl corresp="kbga-bibls-102"><persName ref="kbga-actors-137">Fr.
       Gogarten</persName>, <hi rend="italic">Politische Ethik. Versuch einer Grundlegung</hi>, Jena 1932,
       S. 57ff.</bibl></note>, mit der Autonomie der angeblichen <term ref="kbga-keywords-1039">Schöpfungsordnungen</term><note xml:id="n52">Siehe oben,
        <ref type="pub" target="../volume/49/p225#p225">S. 225</ref>.</note> spielen wie Kinder auf dem Schießplatz mit
      Blindgängern, um dann auf einmal, wenn das Entsprechende nun eben mit allen Konsequenzen
      Ereignis wird, wehleidig zu erklären, dass man es so nun doch nicht gemeint habe. Nein, nun
      gilt es der mit dem 30. Januar auf den Plan getretenen politischen Wirklichkeit nüchtern ins
      Gesicht zu sehen. Im Zeichen dieser Wirklichkeit <hi rend="italic">musste</hi> auch der
      evangelischen Kirche widerfahren, was ihr nun widerfahren ist. – Darin an sich, dass das
      geschehen ist, was geschah, wird man ja auch eine Bedrohung dessen, um was es hier allein
      gehen soll, eine Bedrohung der theologischen <term key="Existenz, theologische">Existenz</term> des Predigers und Lehrers der deutschen evangelischen Kirche noch nicht
      sehen dürfen. Noch nicht einmal eine äußerliche Bedrohung. So weit es sich bloß um die
      staatliche Aktion als solche handelt, bedeutet die neue Situation weder einen Eingriff <note xml:id="n53">Im <ref corresp="A">Tskr.</ref> stand zunächst «Eintritt», am Rand handschriftlich in «Eingriff»
       geändert.</note> in das <term ref="kbga-keywords-1417">Dogma</term> oder in den <term key="Kultus">Kultus</term>, noch auch einen Eingriff <note xml:id="n54"><ref corresp="A">Tskr.</ref>: «Eintritt»
       (durch die Hrsg. in Angleichung an die vorhergehende Korrektur geändert).</note> in die
      glaubensnotwendigen Elemente der kirchlichen Verfas<pb xml:id="p374" ed="pga" break="no"/><term key="Verfassung; kirchliche">sung</term>. Denn darin, dass die «kirchlichen
       Vertretungen», wenn ich recht verstehe: beauftragt mit
      der vorläufigen Weiterführung der Geschäfte, aufgelöst (gemeint ist doch wohl: neu zu wählen)
       sind,<note xml:id="n55">In <persName ref="kbga-actors-6439">Jägers</persName> erstem Erlass
       vom <date when="1933-06-24">24.6.1933</date> hieß es unter Ziffer 2: «Ich übernehme hierdurch die Führung der Geschäfte der
        <hi rend="italic">sämtlichen</hi> evangelischen Landeskirchen Preußens. Ich beauftrage mit der
       vorläufigen Weiterführung der Geschäfte die <hi rend="italic">bisherigen</hi> Stellen» (<bibl corresp="kbga-bibls-4916">Essener
       Allgemeine Zeitung, Nr. 173, 25.6.1933</bibl>, zit. nach <bibl corresp="kbga-bibls-4917">Zeitungsspiegel, Nr. 70, 25.6.1933, S. 2</bibl>;
       vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-292">DKPDR I, S. 70</bibl>). Ziffer 5 besagte: «Ich <hi rend="italic">löse</hi> mit sofortiger Wirkung
       sämtliche gewählten <hi rend="italic">kirchlichen Vertretungen</hi> in den evangelischen
       Landeskirchen <hi rend="italic">Preußens</hi> auf» (ebd.).</note> ist nichts geschehen, was nicht
      infolge irgend einer anderen <term key="Krisis">Krisis</term> ebensowohl und ebenso ohne
      Angriff auf die Substanz des kirchlichen Lebens hätte geschehen können. Durch die eingetretene
      Politisierung der Konsistorien wird man sich ja so wenig in den <foreign xml:lang="lat">status <term ref="kbga-keywords-588">confessionis</term></foreign> versetzt sehen können, wie dies unseren Vätern im
      17. und 18. Jahrhundert eingefallen ist.<note xml:id="n56">Die Konsistorien in den
       evangelischen Territorien waren im 17. und 18. Jahrhundert landesherrliche Behörden und als
       solche staatliche <term key="Kirchenregiment, landesherrliches">Einrichtungen</term>.</note>
      Der Generalsuperintendent und der Konsistorialrat und gar der Leiter des <orgName ref="kbga-actors-10322">Presseverbandes</orgName> sind
      nun einmal im Unterschied zu den Ämtern der Gemeinde zwar nützliche und wichtige, aber keine
      <foreign xml:lang="lat">de fide</foreign><note xml:id="n57">Nach katholischer Auffassung eignet einer «de fide [divina et
       catholica]» klassifizierten Lehraussage der höchste Gewissheitsgrad (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4896"><persName ref="kbga-actors-2826">Fr. Diekamp</persName>, <hi rend="italic">Katholische Dogmatik nach den
        Grundsätzen des heiligen Thomas</hi>, Bd. I: <hi rend="italic">Einleitung in die Dogmatik – Die
        Lehre von Gott dem Einen – Die Lehre von Gott dem Dreieinigen</hi>, Münster 1930<hi rend="sup">6</hi>, S. 11f.64</bibl>; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-25">DH 3011</bibl>).</note> notwendigen Figuren. «Lass fahren
       dahin...!»<note xml:id="n58">Aus Strophe 4 des Liedes <bibl type="song" corresp="kbga-songs-59">«Ein feste Burg ist unser Gott» von <persName ref="kbga-actors-261">M.
        Luther</persName> (EG 362,4; RG 32,4)</bibl>:
        <q rend="block"><lg>
         <l>«Nehmen sie den Leib, / Gut, Ehr, Kind und Weib:</l>
         <l>lass fahren dahin, / sie haben’s kein Gewinn.»</l></lg></q></note>[,]
      wenn es denn nun so sein soll, dass an diesen Stellen in Zukunft oder doch in der nächsten
      Zukunft die Bevollmächtigten des staatlichen <term key="Staatskommissariat">Kirchenkommissars</term> das Wort führen oder doch erheblich mitreden wollen. Die Kirche
      braucht diese Apparate, auf die der Staat nun vorläufig seine Hand gelegt hat, aber sie kann
      sie zur Not auch entbehren, zuletzt [ist sie] nicht von ihnen [abhängig]. Noch ist durch den
      staatlichen Eingriff als solchen die Freiheit der <term key="Freiheit, der Verkündigung">Verkündigung</term> und der <term key="Freiheit, der Theologie">Theologie</term>, die
      Ordnung der <term key="Ordnung, der Gemeinde">Gemeinde</term> und die Ordnung des Got<pb xml:id="p375" ed="pga" break="no"/>tesdienstes nicht bedroht, geschweige denn
      angegriffen. Es ist zwar zu sagen – und ich werde noch darauf zurückkommen – dass einzelne
      Formulierungen insbesondere in der Kundgebung der neuen Pressekommissare vom <date when="1933-06-25">25. Juni</date><note xml:id="n59">Nach dem Bericht der Essener Allgemeinen Zeitung vom <date when="1933-06-25">25.6.1933</date> ließen die
       neuernannten Kommissare für den <orgName ref="kbga-actors-10322">evangelischen Pressverband</orgName> unter anderem verlauten: «Die
       Aktion gegen die bisherige Leitung des evangelischen Presseverbandes für <placeName ref="kbga-places-151">Deutschland</placeName> ist eine entscheidende
       Teilhandlung innerhalb der von Herrn Kommissar <persName ref="kbga-actors-6439">Jaeger</persName> durchgeführten Notmaßnahmen. Die
       nationalsozialistische <term key="Nationalsozialismus, politische Revolution des N.">Revolution</term> steht in ihrer leicht [sic] entscheidenden zweiten Etappe. Es geht um die
       restlose, von unserem Führer <persName ref="kbga-actors-185">Adolf Hitler</persName> gerade
       in der letzten Zeit neu geforderte <hi rend="italic">Einheit</hi> von Volk und Staat – nicht
       zuletzt auch in der evangelischen Kirche»; die «nach den letzten Vorkommnissen der letzten
       Woche» nun «unvermeidliche Maßnahme» betreffe «die Kirche als irdische Organisation und
       völkische Gemeinschaft». Es sei «der feierliche Wille von Wehrkreispfarrer <persName ref="kbga-actors-289">Müller</persName>, daß alle hierher gehörenden Fragen alsbald ihre <hi rend="italic">Klärung</hi> vor der breiten Öffentlichkeit erfahren», u. a. die «Stellung der
       getauften Nichtarier innerhalb der einen christlichen Kirche» (zit. nach <bibl corresp="kbga-bibls-4917">Zeitungsspiegel, Nr. 70,
       25.6.1933, S. 2</bibl>).</note>, des Kirchenkommissars selbst vom <date when="1933-06-27">27. Juni</date><note xml:id="n60">Rundfunkansprache des Staatskommissars vom
       <date when="1933-06-27">27.6.1933</date> (<bibl corresp="kbga-bibls-292">DKPDR I, S. 71–74</bibl>). <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> lagen Auszüge der Rede vor (<bibl corresp="kbga-bibls-4917">Zeitungsspiegel Nr. 72,
       28.6.1933, S. 1f.</bibl>), in denen er unter anderem die folgende Aussage angestrichen hatte: «Die
       Eingliederung deutscher Art und deutschen Volkstums in die Kirche, wie sie von der nationalen
       Bewegung mit Recht gefordert wird, soll den <hi rend="italic">Glauben der Väter</hi> und die <hi rend="italic">Verehrung Gottes nicht</hi> etwa <hi rend="italic">verkleinern</hi>, oder durch andere
       dem christlichen Glauben nicht angemessene Elemente ersetzen, sondern vielmehr diesen <hi rend="italic">christlichen Glauben verdeutlichen</hi>, <hi rend="italic">klären</hi> und dem Volk
       insbesondere in seinem der christlichen Idee fremden Teil dem christlichen Glauben
       näherbringen und aufs neue lieb und wert machen» (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-292">DKPDR I, S. 73</bibl>). Ebenfalls
       angestrichen ist die Aussage, dass der Staat Widerstände gegen den Staatseingriff nicht
       dulden werde, sondern «als <hi rend="italic">Revolte</hi>, gerichtet gegen die Staatsautorität,
       betrachten und niederschlagen» muss (ebd.).</note> und in einem offenbar offiziösen
      «Mitgeteilt» unter dem Titel «Die Begründung des Kultusministeriums» (Köln[ische] Z[eitung]
      Nr. 342 vom 27. Juni)<note xml:id="n61">Im Art. <bibl corresp="kbga-bibls-4897"><hi rend="italic">Die Einsetzung des
        Kirchenkommissars. Die Begründung des preußischen Kultusministeriums</hi>, Kölnische
       Zeitung, Nr. 342, 27.6.1933</bibl> (<persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> zitiert nach <bibl corresp="kbga-bibls-4917">Zeitungsspiegel, Nr. 71, 27.6.1933, S. 2f.</bibl>),
       heißt es: «Zu der Einsetzung des Kirchenkommissars wird von unterrichteter Seite mitgeteilt
       [...].» Im Weiteren ist die Rede davon, «daß die Träger der Kirchenverwaltung <hi rend="italic">dem neuen Staat</hi> zum Teil <hi rend="italic">durchaus widerstrebend gegenüberstanden</hi>»
       und somit die «von der nationalen Regierung soeben geschaffene Volksgemeinschaft aufs
       ernsthafteste» gefährdeten.</note> höchst zweideutig sind und dass ein<pb xml:id="p376" ed="pga" break="no"/>zelne davon, wenn man sie außerhalb des Zusammenhangs läse, diese Bedrohung
      zweifellos explizit bedeuten würden. Es stehen aber in denselben Dokumenten andere
      Formulierungen daneben, an die man sich jedenfalls <hi rend="italic">zunächst</hi> jedenfalls <hi rend="italic">auch</hi> mit aller Bestimmtheit halten darf.</p>
     <!-- leerzeile -->
     <p rend="margin-top">«[Die] Souveränität des <term key="Evangelium, Souveränität des E.">Evangeliums</term> und seine freie <term key="Verkündigung, des Evangeliums">Verkündigung</term> bleibt davon unberührt; sie ist unantastbar».<note xml:id="n62">Verlautbarung der Kommissare für den <orgName ref="kbga-actors-10322">evangelischen Presseverband</orgName> (<ref type="pub" target="#fn_n59">Anm. 59</ref>; i. Orig.
        teils hervorgehoben).</note></p>
     <p>«Das Eigenleben und die Eigengesetzlichkeit der Kirche, des Glaubens und
       des <term ref="kbga-keywords-741">Bekenntnisses</term> werden dadurch in keiner Weise
       berührt. Damit ist auch ausgesprochen, dass eine sogenannte <term ref="kbga-keywords-1153">Staatskirche</term> in jeder Form abgelehnt wird».<note xml:id="n63"><bibl corresp="kbga-bibls-4898"><hi rend="italic">Die
         Einsetzung des Kirchenkommissars</hi> (<ref type="pub" target="#fn_n61">Anm. 61</ref>), zit. nach Zeitungsspiegel, S. 3</bibl> (i. Orig.
        teils hervorgehoben).</note></p>
     <!-- leerzeile -->
     <p rend="margin-top">Gestützt auf das, was damit gesagt wird, und vor allem auch auf das, was im
      Übrigen nicht gesagt wird, hätte man sich zunächst einzuprägen: noch ist von der
      Staatsregierung als solcher und ihren Kommissären die Linie der Kanzlerrede vom <date when="1933-03-23">23. März</date><note xml:id="n64">Siehe oben,
       <ref type="pub" target="../volume/49/p296#fn_n71">S. 296, Anm. 71</ref> und <ref type="pub" target="../volume/49/p296#fn_n72">72.</ref></note> und der<note xml:id="n65"><ref corresp="A">Tskr.</ref>:
       «unter» statt «und der» (von den Hrsg. korrigiert).</note> Erklärung des preußischen
       Kultusministers vom <date when="1933-05-07">7. Mai</date><note xml:id="n66">Siehe
        oben, <ref type="pub" target="../volume/49/p297#fn_n76">S. 297, Anm. 76.</ref></note> nicht verlassen<note xml:id="n67">Im
         <ref corresp="A">Tskr.</ref> ursprünglich: «erlassen», handschriftlich korrigiert.</note>. Noch ist der Kirche vom
      Staat nicht befohlen, sich selbst untreu zu werden. Noch ist durch die staatliche Maßnahme als
      solche kein solcher Druck auf uns ausgeübt, der die innere <term ref="kbga-keywords-176">Versuchung</term> zum Abfall, in der wir uns schon befanden und noch befinden, auch zur
      äußeren machen würde. Noch wäre – wenn man jene bedenklichen Formulierungen<note xml:id="n68">Siehe oben, <ref type="pub" target="#fn_n59">Anm. 59</ref>, <ref type="pub" target="#fn_n60">60</ref> und <ref type="pub" target="#fn_n61">61</ref>.</note> als Entgleisungen einklammern darf – nach dieser
      Seite kein Anlass vorhanden, an den Satz zu erinnern, dass man Gott mehr gehorchen müsse als
      den Menschen [<ref type="can" subtype="bible" target="Apg.5.29">Act. 5,29</ref>]. Es dürfte gut
      sein, sich dies einzuprägen, damit doch jetzt ja niemand unnütz eifere und sich ins Unrecht
      setze durch Tumult in einer Sache, die uns schmerzlich sein <pb xml:id="p377" ed="pga"/> mag,
      gegen die man sich aber unmöglich mit letztem Ernst und Leid auflehnen darf.</p>
     <p>Anders verhält es sich nun freilich mit einer bestimmten Eigentümlichkeit des staatlichen
      Zugriffs und Eingriffs, einer Eigentümlichkeit, die ihm nicht wesentlich ist, die er nicht
      haben müsste, die nicht notwendig in der Absicht der Staatsregierung zu liegen braucht, die
      denn auch jedenfalls in den<note xml:id="n69"><ref corresp="A">Tskr.</ref>: «dem» (von den Hrsg. korrigiert).</note>
      von Kultusminister Dr. <persName ref="kbga-actors-347">Rust</persName> selber stammenden
      Dokumenten noch keineswegs sichtbar ist. Sie ist aber leider charakteristisch für den
      konkreten Vollzug des tatsächlich geschehenen Zugriffs und Eingriffs. Dieser Zugriff und
      Eingriff bedeutet nämlich, auf die Persönlichkeiten der ernannten staatlichen Funktionäre bzw.
      der vom Staat ernannten kirchlichen Funktionäre gesehen, tatsächlich die Auslieferung des
      kirchlichen Regierungs- und Verwaltungsapparates an die sogen[annte] «<orgName ref="kbga-actors-8309">Glaubensbewegung
      Deutsche Christen</orgName>»<note xml:id="n70">Siehe oben, <ref type="pub" target="../volume/49/p321#p321">S. 320–330</ref>.</note>. Dieser Modus der
      staatlichen Aktion gegen die Kirche macht sie zu dem, was sie an sich nicht sein müsste: zu
      einer äußeren Bedrohung unserer theologischen <term key="Existenz, theologische, von außen bedroht">Existenz</term>. Der Glaube dieser
      Glaubensbewegung ist nicht der durch die heilige <term key="Heilige Schrift / Bibel">Schrift</term> nach dem Verständnis der lutherischen und reformierten <term ref="kbga-keywords-187">Bekenntnisse</term> bestimmte, sondern ein anderer, ein neuer und
      fremder Glaube. Wenn er in der Kirche die Herrschaft bekommen sollte, so würde sie aufhören,
      eine evangelische, eine christliche Kirche zu sein. Wenn wir uns durch die Herrschaft dieses
      Glaubens in der Kirche bestimmen lassen würden, zu diesem Glauben überzutreten, oder unseren
      Glauben diesem Glauben anzupassen, so hätten wir damit unsere theologische Existenz, unsere
      Existenz als Prediger und Lehrer des evangelischen Glaubens verwirkt. Denn die
      Fundamentalartikel<note xml:id="n71">Siehe oben, <ref type="pub" target="../volume/49/p295#fn_n70">S. 295f.,
       Anm. 70.</ref></note> der <orgName ref="kbga-actors-8309">Deutschen Christen</orgName>:</p>
     <list type="ordered">
      <item n="1."> Die Lehre von der wesentlichen Bedingtheit des zu verkündigenden Glaubens durch
       die Rasse-[,] Volks- und Staatszugehörigkeit des Glaubenden,<note xml:id="n72">Vgl. etwa die
        (Hossenfelderschen) <hi rend="italic">Richtlinien der Glaubensbewegung «Deutsche Christen»</hi>
        vom <date when="1932-05-26">26.5.1932</date> (s. oben, <ref type="pub" target="../volume/49/p321#fn_n115">S. 321f., Anm. 115</ref>),
        These 4: «[...] Wir bekennen uns zu einem bejahenden artgemäßen Christus-Glauben, wie er
        deutschem Luther-Geist und heldischer Frömmigkeit entspricht» (<bibl corresp="kbga-bibls-74">Schmidt I, S. 135</bibl>); These 7:
        «Wir sehen in Rasse, Volkstum und Nation uns von Gott geschenkte und anvertraute <term key="Schöpfungsordnungen">Lebensordnungen</term>, für deren Erhaltung zu sorgen uns Gottes
        Gesetz ist. Daher ist der Rassenvermischung entgegenzutreten […]» (<bibl corresp="kbga-bibls-74">a.a.O.,
       S. 136</bibl>).</note></item>
      <item n="2."><pb xml:id="p378" ed="pga" rend="noPipe"/> die Lehre von dem Dienst, den die Berufung zum ewigen Leben dem geschichtlichen
       Beruf eines Volkes zu leisten habe[,]<note xml:id="n73">In den sogenannten <hi rend="italic">Fezerschen</hi> oder <hi rend="italic">Müllerschen Richtlinien</hi> der <orgName ref="kbga-actors-8309">Deutschen Christen</orgName> vom
        <date when="1933-05-16">16.5.1933</date> (s. oben, <ref type="pub" target="../volume/49/p321#fn_n115">S. 321f., Anm. 115</ref>) wurde einleitend unter
        anderem gesagt: «[...] eine deutsche Kirche <hi rend="italic">neben</hi> dem deutschen Volk ist
        nichts als eine leere Institution. Christliche Kirche im deutschen Volk ist sie nur, wenn
        sie Kirche <hi rend="italic">für</hi> das deutsche Volk ist, wenn sie dem deutschen Volk in
        selbstlosem Dienst dazu hilft, daß es den von Gott ihm aufgetragenen Beruf erkennen und
        erfüllen kann» (<bibl corresp="kbga-bibls-74">Schmidt I, S. 143</bibl>).</note></item>
      <item n="3."> die Lehre von der notwendigen inneren Beziehung der kirchlichen Verkündigung zu
       einer bestimmten Weltanschauung und Gesellschaftsform<note xml:id="n74">Vgl. etwa These 2 der
         <hi rend="italic">Grundsätze der Glaubensbewegung «Deutsche Christen»</hi> vom <date when="1933-05-04">4.5.1933</date> (s.
        oben, <ref type="pub" target="../volume/49/p321#fn_n115">S. 321f., Anm. 115</ref>): «Wir wollen keine Staatskirche, aber auch
        keine Kirche, die Staat im Staate ist, sondern eine evangelische Reichskirche, die die
        Hoheit des nationalsozialistischen Staates aus Glauben anerkennt und das Evangelium im
        Dritten <term key="Evangelium, im Dritten Reich">Reich</term> verkündet» (<bibl corresp="kbga-bibls-74">Schmidt I,
        S. 145</bibl>).</note> –</item>
     </list>
     <p>diese Lehren, das in ihnen vorausgesetzte Verständnis der Begriffe Gott,
      Schöpfung, Sünde, Gesetz, Evangelium, Gnade und ihres Verhältnisses untereinander samt allen
      daraus folgenden religiösen und moralischen Anschauungen und Grundsätzen sind der heiligen
       <term key="Heilige Schrift / Bibel">Schrift</term> und den evangelischen <term ref="kbga-keywords-187">Bekenntnissen</term> nicht nur fremd[,] sondern zuwider, sind
      innerhalb der Kirche theologisch zu bekämpfen, als offiziell herrschende Lehren dagegen
      schlechterdings untragbar, weil kirchenzerstörend. Kirchenzerstörend auch und gerade dann,
      wenn sich mit jenen Fundamentalartikeln der Schein einer mehr oder weniger massiven
      lutherischen oder reformierten Rechtgläubigkeit und ein überlautes Reden von der «Souveränität
      des Evangeliums»<note xml:id="n75">Siehe oben <ref type="pub" target="../volume/49/p376#p376">S. 376</ref>.</note>
      verbinden sollte. Kirchenzerstörend auch und gerade dann, wenn die «Glaubensbewegung» von
      persönlich sehr frommen Persönlichkeiten<note xml:id="n76">Als eine solche Persönlichkeit galt
       z. B. <persName ref="kbga-actors-289">Ludwig Müller</persName> (s. oben,
       <ref type="pub" target="../volume/49/p337#p337">S. 337</ref>).</note> getragen sein sollte (es hat schon viele <term key="Häresie / Ketzerei">Häretiker</term> gegeben, die sich in dieser Hinsicht ausgezeichnet
      haben) und wenn sie das kirchliche <pb xml:id="p379" ed="pga"/> Leben noch so sehr in Schwung
      bringen sollte.<note xml:id="n77">Siehe oben, <ref type="pub" target="../volume/49/p332#fn_n140">S. 332f., Anm. 140</ref> und
       <ref type="pub" target="../volume/49/p332#fn_n141">141.</ref></note> Kirchenzerstörend sage ich, auch und gerade dann, wenn <orgName ref="kbga-actors-8309">Deutsche Christen</orgName> mit irgendwelchen Trümmern von «dialektischer
       Theologie» bewaffnet
       auftreten sollten!<note xml:id="n78">Siehe oben, <ref type="pub" target="../volume/49/p321#fn_n114">S. 321, Anm. 114.</ref> –
       Aufschlussreich ist auch die Äußerung im Brief von <persName ref="kbga-actors-275">G. Merz</persName> an <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> vom <date when="1933-06-09">9.6.1933</date> (<ref type="kba-objects-id" target="21671">KBA 9333.373</ref>): «Auf der einen Seite sieht der
       wissenschaftliche Beirat des Bischofskandidaten
       der <orgName ref="kbga-actors-8309">deutschen Christen</orgName> in Deiner Theologie den
       eigentlich zu bekämpfenden Feind. Auf der anderen legt Herr Dr. <persName ref="kbga-actors-644">Knittermeyer</persName> den Bremer deutschen Christen dar, dass von
       der dialektischen Theologie als der reinen Lehre der evangelischen Kirche der eigentliche
       gerade Weg zu seiner Stellung als dem Laienkirchenvater der Bremer deutschen Christen führt.
       Jedenfalls hast Du, woran ja schon seit langem nicht mehr zu zweifeln war, den stolzen Ruhm
       des grossen <persName ref="kbga-actors-167">Hegel</persName> nicht nur
       erreicht, sondern noch übertroffen, dass die Diadochen das Erbe teilen und sich aus den
       vorhandenen Erzen Schwerter zu gegenseitigem Kampf schmieden.»</note> Wenn das Christentum
      der <orgName ref="kbga-actors-8309">Deutschen Christen</orgName> offiziell herrschend wird in der evangelischen Kirche, dann ist
      offiziell die Zerstörung der <term key="Kirche, Zerstörung durch die Deutschen Christen">Kirche</term> angebahnt. |</p>
     <p> Das ist es aber, was uns infolge der Ereignisse der letzten Juniwochen droht: der Versuch,
      den Lehren der Deutschen <term key="Deutsche Christen, theologisches und kirchenpolitisches Programm">Christen</term> in der
      evangelischen Kirche zur offiziellen Herrschaft zu verhelfen. Das macht diese Ereignisse so
      ernsthaft: dass sie eben nicht bloß in einer politischen Aktion bestehen, sondern dass in
      dieser politischen Aktion faktisch eine theologische sich vollzieht, dass in und mit den
      Kommissaren des <term key="Staatskommissariat">Staates</term> zugleich die Anhänger und
      Verkündiger (wie die Kirche, wenn sie sich selbst treu bleibt, sagen muss:)<note xml:id="n79">Im <ref corresp="A">Tskr.</ref> keine Klammern, dort ist die von den Hrsg. eingeklammerte Parenthese an das
       Vorhergehende mit «und» angeschlossen.</note> falschen <term key="Glaube, Verkündiger eines falschen G.">Glaubens</term> von bestimmten, nicht
      lebensnotwendigen[,] aber immerhin auch nicht unwichtigen gemeinsamen Organen der Gemeinden,
      von den Konsistorien mit ihren immerhin erheblichen personellen[,] ökonomischen und
      disziplinären Befugnissen und darüber hinaus von dem ganzen weitmaschigen Betrieb der
      I[nneren] <term key="Innere Mission">M[ission]</term> und nicht zuletzt von den Zentralstellen
      der kirchlichen Presse und vom kirchlichen Zugang zum Radio Besitz ergriffen haben. Noch
      regieren sie nicht in den Gemeinden; jedenfalls nicht im Zusammenhang mit der Juniaktion der
      Staatsregierung. Sie regieren aber über die <pb xml:id="p380" ed="pga"/> Gemeinden. Noch kann
      dies nur ein sehr relatives Regieren bedeuten. Denn trotz seines ehrwürdigen Alters hat weder
      der überlieferte Konsistorialismus (entgegen der der evangelischen Kirche nun einmal
      natürlichen und angemessenen <term key="Verfassung; kirchliche">Verfassungsform</term>) eine
      allzu große Bedeutung für das wirkliche Leben in den Gemeinden je gehabt[,] noch hat etwa der
      erwünschte <term key="Bischofsfrage">Episkopalismus</term><note xml:id="n80">Siehe oben,
       <ref type="pub" target="../volume/49/p302#p302">S. 302–320</ref>.</note> trotz seiner Affinität zu dem heute herrschenden
      politischen <term ref="kbga-keywords-432">Führergedanken</term> diese Bedeutung schon erlangt.
      Welche reale Macht den <orgName ref="kbga-actors-8309">D[eutschen] Chr[isten]</orgName> durch den
      Besitz der kirchlichen Presse und des kirchlichen Radios in die Hand gegeben ist, lässt sich
      schwer abschätzen, wird sich jedenfalls erst zeigen müssen. Und ebenso wage ich keine
      Vermutungen darüber, ob und wie sich der Griff nach der Zentralstelle der I[nneren] <term key="Innere Mission, Zentralausschuss">M[ission]</term> als Gewinnung einer realen
      Machtposition auswirken oder auch nicht auswirken wird. Von einer vollen Machteroberung durch
      die D[eutschen] Chr[isten] würde wohl erst nach einem entsprechenden Ausgang der <term key="Kirchenwahlen">Neuwahlen</term><note xml:id="n81">Vgl. unten, <ref type="pub" target="../volume/49/p383#p383">S. 383f.</ref>
        <ref type="pub" target="../volume/49/p391#p391">391f.</ref></note> in die Presbyterien und Synoden zu reden sein. Es braucht aber
      nicht ausgeführt zu werden, was für ein Gewicht gerade für den Ausgang dieser Wahlen die schon
      jetzt eroberten bzw. bezogenen Stellungen auf alle Fälle haben werden. Nimmt man hinzu die
      längst unter Beweis gestellte politische und kirchenpolitische Tüchtigkeit der
      deutschchristlichen Führer und Methoden, so wird man auch bei zurückhaltender Einschätzung der
      der Glaubensbewegung bis jetzt zugefallenen Machtmittel und bei noch so hoher Einschätzung der
      in den Gemeinden wirksamen Gegenkräfte doch von einer sehr ernsthaften Gefahr eines Angriffs
      auf die Substanz der Kirche reden müssen. Es besteht sehr schlicht die Gefahr, dass die
      <orgName ref="kbga-actors-8309">D[eutschen] Chr[isten]</orgName> ihre schon gewonnenen und noch zu
      gewinnenden Machtpositionen dazu benützen können, sich und ihrer Lehre das Monopolrecht in der
      Kirche zu verschaffen: einmal indem sie allen Anderen die Mitbenutzung der jetzt in Beschlag
      genommenen Einfluss- und Sprechmittel versagen, sodann indem sie den Anderen nach und nach
      auch das nehmen, was sie in dieser Hinsicht noch haben. Ich brauche nicht auszuführen, welche
      einzelnen Maßnahmen zu befürchten sind. Nichts wird den D[eutschen] <pb xml:id="p381" ed="pga"/> Chr[isten][,] wenn sie das wollen, leichter sein als dies: den theologischen Widerspruch,
      den sie sich jetzt noch gefallen lassen müssen, nach und nach zum Schweigen zu bringen. Wenn
      die entsprechenden Maßnahmen ergriffen werden, so wird die Substanz der Kirche angegriffen und
      vielleicht sehr bald tödlich angegriffen <term key="Deutsche Christen, Angriff auf Substanz der Kirche">sein</term>. Denn wie sollte der
      äußere Druck, der der Sinn dieser Maßnahmen sein wird, sein Ziel nicht erreichen: Viele und
      immer Mehrere, die jetzt noch stehen, zum Fallen zu bringen? «Schreib, Vater, schreib, dass du
      bei der Pfarre bleib!»<note xml:id="n82"><bibl corresp="kbga-bibls-4899"><persName ref="kbga-actors-1038">H. Heppe</persName>,
        <hi rend="italic">Geschichte der lutherischen Concordienformel und Concordie</hi>, Bd. 2, Marburg
       1859, S. 359f.</bibl>: «Man erzälte sich damals ganz allgemein, daß die Pfarrersfrauen ihren
       Männern, wenn dieselben zur Unterzeichnung der Concordienformel auf das Rathaus gingen, noch
       aus dem Fenster zuriefen: ‹Schreibt, lieber Herr, schreibt, daß ihr bei der Pfarre
       bleibt›».</note> wird es in den Pfarrhäusern wieder heißen, wie in den Tagen, da es galt die
       <term key="Konkordienformel">Konkordienformel</term> zu unterschreiben[,] und wieder wird es
      in den allermeisten Fällen menschlich nur zu verständlich sein, wenn der Vater wirklich
      schreibt, wenn der Privatdozent oder auch Ordinarius wirklich einschwenkt, wenn der Student
      oder Kandidat sich die verlangte «Theologie» wirklich zulegt. Auch <term key="Theologen, sind Menschen, keine Helden">Theologen</term> sind Menschen und wollen gelebt
      haben[,] und starker äußerer Druck hat auch an Theologen schon oft das Wunder gewirkt, das gar
      kein Wunder ist: dass sie zwar standen[,] aber dann doch auch anders konnten.<note xml:id="n83">Siehe oben, <ref type="pub" target="../volume/49/p087#fn_n61">S. 87, Anm. 61.</ref></note> Man kann auch von
      einem braven Theologen jedenfalls nicht ohne Weiteres verlangen, dass er nun gleich auch noch
      ein Held sei, wenn es vielleicht darum gehen könnte, durch Preisgabe seiner <term key="Existenz, theologische">theologischen</term>, seine – ganz gewöhnliche <term key="Existenz, menschliche">Existenz</term> zu retten! Nicht das würde schlimm sein, dass man
      dann noch einmal Viele fallen sähe, von denen man es nicht gedacht hätte, wohl aber die dann
      Schritt für Schritt hereinbrechende innere Verödung einer ihres Glaubens, ihrer Liebe, ihrer
      Hoffnung [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.13.13">1.Kor. 13,13</ref>] beraubten
      Kirche. Denn das könnte die Kirche werden, nachdem die <orgName ref="kbga-actors-8309">D[eutschen] Chr[isten]</orgName> eine Weile von den ihnen jetzt zugestandenen und
      von den vielleicht noch [zu] erwerbenden Machtmitteln Gebrauch gemacht hätten. Noch kann man
      auch in dieser Hinsicht erst von einer Gefahr, von einer Bedrohung der kirchlichen Substanz
      reden. Die Taten der neuen kirchlichen Gewalthaber, der verschiedenen Juristen und Theologen,
       <pb xml:id="p382" ed="pga"/> die sich bereit fanden[,] die von der Staatsregierung für
      notwendig gehaltene Exekution an der Kirche zu vollziehen, stehen ja noch aus. Noch kann man
      sich, wie es in diesem Jahr ja öfters geschehen ist, mit der Rede trösten, dass nicht so heiß
      gegessen wie gekocht werde. Aber wir haben uns nun doch schon öfters getäuscht mit diesem
      Trost. Ich wollte wohl, dass wir uns in diesem Fall nicht täuschen würden. Ich wollte wohl,
      dass es ein Ereignis ohne Symbolkraft wäre, wenn die erste öffentlich bekannte Tat des neuen
       <term key="Evangelische Kirche der altpreußischen Union, Oberkirchenrat"><orgName ref="kbga-actors-10264">E.O.K</orgName>.</term> nun
      gerade die Anordnung gewesen ist, dass inskünftig an Festtagen auf den Kirchtürmen außer der
       <term key="Kirchenfahnen">Kirchenfahne</term> – wie rächt sich nun die unsinnige Einführung
      dieses Tuches! – auch die schwarz-weiß-rote und die Hakenkreuzflagge<note xml:id="n84">Im
       <ref corresp="A">Tskr.</ref> ursprünglich: «Hackenkreuzflagge» (handschriftlich korrigiert).</note> zu zeigen
       sei!<note xml:id="n85">Vgl. den <bibl corresp="kbga-bibls-4901">Erlass des Evangelischen Oberkirchenrats vom 27.6.1933
       (Kirchliches Gesetz- und Verordnungsblatt, Jg. 57 [1933], Nr. 10, 28.6.1933, S. 1</bibl>; zit. nach
       <bibl corresp="kbga-bibls-4902">Zeitungsspiegel Nr. 72, 28.6.1933, S. 4</bibl>): «[...] Bei allen <hi rend="italic">festlichen Anlässen
        in Kirche und Staat</hi> sind hinfort <hi rend="italic">außer der Kirchenfahne</hi> auf den
       evangelischen Kirchen und kirchlichen Gebäuden die <hi rend="italic">Hoheitszeichen des
        Reiches</hi> (<hi rend="italic">Schwarz-weißrot</hi> und <hi rend="italic">Hakenkreuzfahne</hi>) zu
       hissen.» – Eine eigene Kirchenfahne mit dunkelviolettem Kreuz auf weißem Grund war 1926 für
       den <orgName ref="kbga-actors-8421">Deutschen Evangelischen Kirchenbund</orgName> eingeführt worden (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4900">G. Stuhlfauth, Art. «Kirchenfahnen», in: RGG<hi rend="sup">2</hi> III,
       Sp. 881f.</bibl>).</note> Ich wollte wohl, dass ich zu schwarz sehe, wenn ich die Einsetzung der
      deutsch-christlichen Gewalthaber mindestens für eine unmittelbare Bedrohung des <term key="Evangelium, bedroht durch Deutsche Christen">Evangeliums</term> und der evangelischen
      Kirche Preußens halte. Dass
      man mit dieser Bedrohung rechnen muss, das haben in den letzten Juniwochen mit mir
      wahrscheinlich Tausende und Tausende von deutschen Evangelischen so oder so empfunden.</p>
    </div>
   </div>
  </body>
 </text>
</TEI>
