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        <title type="volume" n="vol-52">Vorträge und kleinere Arbeiten 1934–1935</title>
        <title type="content">Friedrich Schleiermacher. Zum 100. Todestag am 12. Februar</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Friedrich Schleiermacher. Zum 100. Todestag am 12. Februar, 1934</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/52009 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Vorträge und kleinere Arbeiten 1934–1935, hrsg. v. Beintker, Michael / Hüttenhoff, Michael / Zocher, Peter (Gesamtausgabe, Abt. III), Zürich 2017, S. 145–156.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
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        <idno type="url">https://kbga.karl-barth.ch/texts/52009</idno>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Vorträge und kleinere Arbeiten 1934–1935</title>
          <title type="text">Friedrich Schleiermacher. Zum 100. Todestag am 12. Februar</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Beintker, Michael</editor>
          <editor>Hüttenhoff, Michael</editor>
          <editor>Zocher, Peter</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2017</date>
          <biblScope unit="page">145-156</biblScope>
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        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Karl Barth: Friedrich Schleiermacher. Zum 100. Todestag am 12. Februar, in: Unterhaltungsblatt der Vossischen Zeitung Nr. 36 (11. Februar 1934), S. 25 </bibl>
        <bibl xml:id="B" type="source">B (Weitere Vorlage): , Schleiermacher, 11. Februar 1934. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/73">KBA 10060</ref>. </bibl>
        <bibl xml:id="C" type="source">C (Weitere Vorlage): , Schleiermacher., 11. Februar 1934. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/72">KBA 10059</ref>. </bibl>
        <!-- we should provide more types: <bibl type="not-found-in-kba"></bibl> <bibl type="not-in-kba"></bibl>  -->
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			<!-- Text 07 -->
			<head>FRIEDRICH SCHLEIERMACHER ZUM 100. TODESTAG AM 12. FEBRUAR</head>
			<head type="sub">
				<date>1934</date>
			</head>
			<div type="abstract">
			<p rend="left">
				<hi rend="italic">Veranlasst wurde dieser Artikel durch die Anfrage <persName ref="kbga-actors-10782">Wolfgang von Einsiedels</persName>, damals Mitglied der Feuilleton-Redaktion und Schriftleiter der Vossischen Zeitung Berlin,</hi><note xml:id="n01"><persName ref="kbga-actors-10782">Wolfgang von Einsiedel</persName> (1903–1967), Germanist, Übersetzer, 1933/34 Schriftleiter der Vossischen Zeitung, in den 1960er Jahren Mitbegründer von <hi rend="italic">Kindlers Literatur-Lexikon</hi>, Zürich 1965ff. </note>
				<hi rend="italic"> ob <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> zum 100. Todestag <persName ref="kbga-actors-360">Schleiermachers</persName>, dem
<date when="1934-02-12">12. Februar 1934</date>, für die Zeitung einen Aufsatz schreiben könne: «Wir könnten uns vorstellen, dass gerade vom Standpunkt der dialektischen <term type="sachen" key="Theologie, dialektische">Theologie</term> sich Perspektiven ergeben, die sich in keinem der sonstigen Gedenkartikel finden.» Ausdrücklich bat er Barth darum, «nur für unsere Zeitung einen solchen Aufsatz zu schreiben», und stellte dafür auch ein höheres Honorar in Aussicht.</hi><note xml:id="n02">Brief von <persName ref="kbga-actors-10782">Einsiedels</persName> an <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> vom
	<date when="1934-01-12">12.1.1934</date> (<ref type="kba-objects-id" target="23058">KBA 9334.60</ref>). – Die Redaktion der «Vossischen Zeitung» hatte von <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> wenige Monate vorher erfolglos einen Artikel zum Luther-Jubiläum 1933 erbeten (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-26">V.u.kl.A. 1930–1933, <ref type="pub" target="../volume/49/p567#p567">S. 567</ref></bibl>) und ihn kurz vor Weihnachten <date when="1933">1933</date> – diesmal erfolgreich – um eine Betrachtung zur Weihnacht gebeten (<bibl corresp="kbga-bibls-245">K. Barth, <hi rend="italic">Offenbarung</hi>, in: Predigten 1921–1935, <ref type="pub-" target="../volume/31/p644#p644">S. 644–648</ref></bibl>). Nach deren Abdruck hatte man jedoch feststellen müssen, dass eine weitere Weihnachtsbetrachtung Barths in der «Berliner Zeitung» erschienen war (<bibl corresp="kbga-bibls-245">K. Barth, <hi rend="italic">Verborgenheit</hi>, in: a.a.O., <ref type="pub-" target="../volume/31/p639#p639">S. 639–643</ref></bibl>) und sich darüber bei Barth beklagt (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-245">a.a.O., <ref type="pub-" target="../volume/31/p644#fn_n01">S. 644, Anm. 1</ref></bibl>). </note>
				<hi rend="italic"> Barth sagte zu, und obwohl er seinen Entwurf nicht pünktlich absandte, erschien der Artikel rechtzeitig zu Schleiermachers Geburtstag. Damit das Erscheinungsdatum eingehalten werden konnte, wurde der Text vermutlich telefonisch durchgegeben.</hi><note xml:id="n03">Für diese Annahme spricht der Brief von <persName ref="kbga-actors-10782">Einsiedels</persName> an <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> vom
					<date when="1934-02-21">21.2.1934</date> (<ref type="kba-objects-id" target="23396">KBA 9334.272</ref>): «Sehr verehrter Herr Professor, es tut mir leid, dass Sie mit dem Telefon Auslagen gehabt haben – Sie hatten uns aber Ihren Aufsatz bereits für Anfang Februar in Aussicht gestellt, und ich hatte nicht früher gemahnt, weil ich mich fest darauf verlassen hatte. Damit Sie aber nicht allzu schwer an der von Ihnen eingesandten Rechnung zu tragen haben, habe ich mir erlaubt, Ihnen ein Gesamthonorar von 100.- RM überweisen zu lassen, womit die Spesen als ersetzt betrachtet werden dürften, da wir sonst höchstens die Hälfte hätten aussetzen können.»</note>
			</p>
			<p><pb xml:id="p146" ed="pga" rend="noPipe"/> 
				<hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Ausführungen weisen z. B. bei Zitaten und Schlüsselbegriffen weitgehende Parallelen zu seiner Schleiermacher-Deutung in früheren Veröffentlichungen und Vorlesungen auf.</hi><note xml:id="n04">Vgl. bes. <bibl corresp="kbga-bibls-974">Th.Schl.</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-1466">K. <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>, <hi rend="italic">Brunners Schleiermacherbuch</hi> (1924), in: V.u.kl.A. 1922–1925, <ref type="pub" target="../volume/19/p401#p401">S. 401–425</ref></bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-5868">ders., <hi rend="italic">Schleiermachers «Weihnachtsfeier»</hi> (1924), in: a.a.O., <ref type="pub" target="../volume/19/p458#p458">S. 458–489</ref></bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-954">ders., <hi rend="italic">Schleiermacher</hi> [1926], in: Th.u.K., S. 136–189</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-34">ders., Prot.Theol., S. 379–424.</bibl> </note>
				<hi rend="italic"> Die Besonderheit dieses Artikels liegt darin, dass Barth seine Deutung hier auf die aktuelle <term type="sachen" key="Kirchenpolitik">kirchenpolitische</term> Situation hin zuspitzt.</hi>
			</p>
			<p><hi rend="italic">Der Aufsatz erschien am Sonntag, dem
				<bibl corresp="kbga-bibls-5553"><date when="1934-02-11">11. Februar 1934</date>, im Unterhaltungsblatt der Vossischen Zeitung, Nr. 36, S. 25</bibl>. Manuskript und Typoskript des Aufsatzes sind erhalten. Das Manuskript – <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> benutzte die Rückseiten zweier Blätter des Typoskripts für <bibl corresp="kbga-bibls-2">KD I/1</bibl> – umfasst zwei eng beschriebene Seiten, an die jeweils noch ein kleiner Zettel für eine Korrektur angeklebt ist.</hi><note xml:id="n05"><ref type="kba-objects-id" target="72">KBA 10059</ref>. Die Rückseiten entsprec<bibl corresp="kbga-bibls-2">hen KD I/1, S. 464–466.</bibl> </note><hi rend="italic"> Das Typoskript besteht aus drei einzeilig beschriebenen Schreibmaschinenseiten.</hi><note xml:id="n06"><ref type="kba-objects-id" target="73">KBA 10060</ref> (Durchschlag).</note><hi rend="italic"> Die recht große Zahl der Abweichungen zwischen dem als Druckvorlage vorgesehenen Typoskript und der dann gedruckten Fassung wird zum einen auf eine bewusste redaktionelle Bearbeitung, aber vermutlich auch auf Fehler bei der wohl telefonischen Übermittlung zurückgehen. Daher wird hier die dem Abdruck zugrundeliegende Druckfassung korrigiert, wenn Manuskript </hi>und<hi rend="italic"> Typoskript den besseren Text bieten.</hi></p>
		</div>
		<div>
			<head><persName ref="kbga-actors-360">Friedrich Schleiermacher</persName> <hi rend="small">Zum 100. Todestag am <date when="1934-02-12">12. Februar</date></hi><note n="a" type="textcritical" xml:id="na">Die Überschrift lautet im Mskr.: «<hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-360">Schleiermacher</persName></hi>. †
<date when="1834-02-12">12. Februar 1834</date>»; im Tskr.: «<hi rend="italic">Schleiermacher</hi>.
<date when="1834-02-12">12. Februar 1834</date>».</note></head>
			<p rend="left"><persName ref="kbga-actors-360">Schleiermacher</persName> ist mit Abstand der glänzendste und wichtigste Mann gewesen, den der <anchor type="note" xml:id="fn-b"/><hi rend="italic">kirchliche Protestantismus</hi><note n="b" target="fn-b" type="textcritical" xml:id="nb">Im Mskr. und im Tskr. nicht hervorgehoben. </note> seit den Tagen der <term type="sachen" key="Reformation">Reformation</term> hervorgebracht hat. Man kann ihn nicht kennen und verstehen, ohne durch den Reichtum und die Tiefe der Aufgabe, die er <pb xml:id="p147" ed="pga"/> sich gestellt, durch die sittliche und intellektuelle Ausrüstung, mit der er an sie herantrat, durch die männliche Beharrlichkeit, in der er seinen Weg ging, durch die gediegene Kunst aller seiner Leistungen und nicht zuletzt durch seine vornehme<note n="c" type="textcritical" xml:id="nc">Fehlt im Mskr.</note> Menschlichkeit in jenen Respekt versetzt und auch zu jener Liebe aufgerufen zu werden, die man so nur den großen Wenigen schenken kann. Und man weiß nicht um das Problem des kirchlichen <term type="sachen" key="Protestantismus">Protestantismus</term>, wenn man nicht um <term type="namen" key="Schleiermacher, Friedrich Daniel Ernst">Schleiermacher</term> <anchor type="note" xml:id="fn-d"/>weiß und<note n="d" target="fn-d" type="textcritical" xml:id="nd">Mskr.: «weiß, um».</note> seine geschichtliche Schlüsselstellung als Vollender und Anfänger zugleich, als der wahrhaft klassische, ein scheinbares Vielerlei souverän in sich versammelnde, seine Einheit original herausstellende Vertreter jenes Verständnisses protestantischer Kirchlichkeit, das ihr zur Schicksalsfrage werden musste und – wenigstens im deutschen Raume – heute unzweideutig zur Schicksalsfrage geworden ist.</p>
			<p><persName ref="kbga-actors-360">Schleiermacher</persName> war genial genug, dass sein Name auch in der Geschichte der <hi rend="italic">Philosophie</hi><note xml:id="n07">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5869"><persName ref="kbga-actors-360">Fr. D. E. Schleiermacher</persName>, <hi rend="italic">Sämmtliche Werke</hi>, III. Abt.: <hi rend="italic">Zur Philosophie</hi>, 9 Bde., Berlin 1835–62.</bibl> </note>, der <hi rend="italic">Philologie</hi><note xml:id="n08">Von Bedeutung ist vor allem <persName ref="kbga-actors-360">Schleiermachers</persName> Übersetzung der Werke <persName ref="kbga-actors-322">Platons</persName>, die <date to="1828" from="1804">1804 bis 1828</date> in drei Bänden (sechs Teile) erschien. Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5870">K. Nowak, <hi rend="italic">Schleiermacher. Leben, Werk und Wirkung</hi>, Göttingen 2002<hi rend="sup">2</hi>, S. 131–138.</bibl> </note>, der <hi rend="italic">Pädagogik</hi><note xml:id="n09">Vgl. bes. <bibl corresp="kbga-bibls-5901"><persName ref="kbga-actors-360">Fr. D. E. Schleiermacher</persName>, <hi rend="italic">Erziehungslehre</hi>, hrsg. von C. Platz (Sämmtliche Werke, III/9), Berlin 1849.</bibl> </note>,<note n="e" type="textcritical" xml:id="ne">Im Mskr. und im Tskr. hier und sonst in diesem Absatz keine Hervorhebungen</note> aber auch in der politischen Geschichte <term type="sachen" key="Preußen">Preußens</term><note xml:id="n10">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5902">M. Redeker, <hi rend="italic">Friedrich Schleiermacher. Leben und Werk (1768 bis 1834)</hi> (SG 1177/1177a), Berlin 1968, S. 126–136</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-5870">Nowak (<ref type="pub" target="#fn_n08">Anm. 8</ref>), bes. S. 187-197. 340–356.</bibl></note> immer mit Ehren zu nennen sein wird. Sein Herz, seine persönlichste Teilnahme gehörte doch, daran kann kein Zweifel sein, dem Phänomen der evangelischen <term type="sachen" key="Kirche, evangelische">Kirche</term>. Er hat sich der <anchor type="note" xml:id="fn-f"/>Pflicht und<note n="f" target="fn-f" type="textcritical" xml:id="n">Mskr.: «schlichten». </note> schweren Aufgabe der <hi rend="italic">Predigt</hi> jahraus, jahrein fast allsonntäglich gestellt. Er hat die Aufgabe der Theologie an ihrer schwierigsten Stelle angefasst, indem er sein Hauptwerk <pb xml:id="p148" ed="pga"/> ausgerechnet der lehrhaften Entwicklung des christlichen <term type="sachen" key="Glaube / Glauben, Lehre">Glaubens</term> <anchor type="note" xml:id="fn-g"/>widmete, und <note n="g" target="fn-g" type="textcritical" xml:id="ng">Mskr. und Tskr.: «widmete. Und».</note> diese seine <hi rend="italic">Glaubenslehre</hi><note xml:id="n11"><bibl corresp="kbga-bibls-256"><persName ref="kbga-actors-360">Fr. D. E. Schleiermacher</persName>, <hi rend="italic">Der christliche Glaube nach den Grundsätzen der evangelischen Kirche im Zusammenhange dargestellt</hi>, 2 Bde., Berlin 1821/22 (ders., Kritische Gesamtausgabe, Abt. I, Bd. 7,1–2, hrsg. von H. Peiter, Berlin / New York 1980); Berlin 1830/31<hi rend="sup">2</hi> (ders., Kritische Gesamtausgabe, Abt. I, Bd. 13,1–2, hrsg. von R. Schäfer, Berlin / New York 2003).</bibl> </note> kreist wie wenige ihrer Art um die wirkliche <anchor type="note" xml:id="fn-h"/>zentrale Frage<note n="h" target="fn-h" type="textcritical" xml:id="nh">Mskr.: «Centralfrage»; Tskr.: «Zentralfrage».</note> des christlichen <term type="sachen" key="Glaube / Glauben, zentrale Frage">Glaubens</term>: Wer ist und was bedeutet uns Jesus Christus?<note xml:id="n12">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-256"><persName ref="kbga-actors-360">Schleiermacher</persName>, <hi rend="italic">Der christliche Glaube</hi><hi rend="sup">2</hi>, Bd. 1, S. 74–108 (§§ 11–14); Bd. 2, S. 28–176 (§§ 92–105).</bibl> </note> Den religiösen Ernst dieses <term type="namen" key="Schleiermacher, Friedrich Daniel Ernst">Mannes</term> und die Sachlichkeit, in der er ihn betätigte, kann man nicht genug würdigen.</p>
			<p> Das Zeichen, unter dem er die Kirche, das <term type="sachen" key="Evangelium">Evangelium</term> und den <term type="sachen" key="Glaube / Glauben">Glauben</term> verstand, war nun freilich ausgesprochen das der <anchor type="note" xml:id="fn-i"/><hi rend="italic">sittlich-technischen Lebensgestaltung</hi><note n="i" target="fn-i" type="textcritical" xml:id="ni">Im Mskr. und im Tskr. nicht hervorgehoben.</note> als des königlichen Werks, in dem<note n="j" type="textcritical" xml:id="nj">Tskr.: «welchem».</note> der Mensch seine <term type="sachen" key="Mensch, Bestimmung">Bestimmung</term> zu erfüllen hat. In <persName ref="kbga-actors-360">Schleiermacher</persName> lebte wie in allen bedeutenden Menschen seiner Zeit jener selbstverständliche Absolutismus des <term type="sachen" key="Humanität">Humanen</term>, der im 18. Jahrhundert Kampf und Sehnsucht gewesen war, um im 19. zum Siege auf der ganzen Linie<note n="k" type="textcritical" xml:id="nk">Mskr.: «Front».</note> fortzuschreiten. <anchor type="note" xml:id="fn-l"/>So war es<note n="l" target="fn-l" type="textcritical" xml:id="nl">Mskr.: «Es war».</note> ihm schlechterdings natürlich, dass der Sinn auch des Evangeliums und des Glaubens nur der sein könne, als Geist, Kraft und Leben den Menschen auf dem Wege der Kultur<note n="m" type="textcritical" xml:id="nm">Mskr.: «‹Kultur›».</note><note xml:id="n13">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-34">Prot.Theol., S. 387f.</bibl>: «Seine Theologie ist von Haus aus, sie ist in ihrem innersten Heiligtum Kulturtheologie […]. Kultur als Triumph des Geistes über die Natur ist das eigenste Werk des <hi rend="italic">Christentums</hi>, wie Christlichkeit ihrerseits die Spitze eines durchkultivierten <hi rend="italic">Bewußtseins</hi> ist.»</note> (im umfassenden<note n="n" type="textcritical" xml:id="nn">Mskr.: «umfassendsten». </note> Sinne des Begriffs) immer weiter vorwärts zu treiben, immer mehr in die Höhe und in die Tiefe zu führen. «Christus» im Munde Schleiermachers zielt auf den <term type="sachen" key="Staat">Staat</term>, auf den <term type="sachen" key="Beruf">Beruf</term>, auf <term type="sachen" key="Ehe">Ehe</term> <pb xml:id="p149" ed="pga"/> und <term type="sachen" key="Familie">Familie</term>, auf die <term type="sachen" key="Gesellschaft">Gesellschaft</term>, auf <term type="sachen" key="Charakter">Charakterbildung</term>. Als mächtigstes, als unentbehrliches Mittel zum wahren Menschentum <anchor type="note" xml:id="fn-o"/>schätzt Schleiermacher die <term type="sachen" key="Religion">Religion</term> und schätzt<note n="o" target="fn-o" type="textcritical" xml:id="no">Mskr.: «schätzt er die ‹Religion›, schätzt».</note> er das <term type="sachen" key="Christentum">Christentum</term> als die vollendete Religion.<note xml:id="n14">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-212"><persName ref="kbga-actors-360">Fr. D. E. Schleiermacher</persName>, <hi rend="italic">Über die Religion. Reden an die Gebildeten unter ihren Verächtern</hi>, Berlin 1799, 5. Rede, bes. S. 291–312 (in: ders., Kritische Gesamtausgabe, Abt. I, Bd. 2, hrsg. von G. Meckenstock, Berlin / New York 1984, S. 183–326, dort S. 316–326).</bibl> </note> Unter diesem Gesichtspunkt wurde er – mitten in der <persName ref="kbga-actors-136">Goethe</persName>-Zeit<note n="p" type="textcritical" xml:id="np">Mskr.: «‹Goethezeit›»; Tskr.: «Goethezeit».</note> kein geringes Wagnis – zu ihrem klugen und beredten Verteidiger vor dem Forum der «Gebildeten unter ihren <anchor type="note" xml:id="fn-q"/>Verächtern» – unter<note n="q" target="fn-q" type="textcritical" xml:id="nq">Mskr. und Tskr.: «Verächtern›. Unter».</note> diesem Gesichtspunkt lag ihm alles an der Stiftung eines «ewigen Vertrages»<note xml:id="n15">Vgl. dazu <bibl corresp="kbga-bibls-5903"><persName ref="kbga-actors-360">Fr. D. E. Schleiermacher</persName>, <hi rend="italic">Dr. Schleiermacher über seine Glaubenslehre, an Dr. Lücke. Zweites Sendschreiben</hi> (1829), in: ders., Kritische Gesamtausgabe, Abt. I, Bd. 10, hrsg. von H.-Fr. Traulsen unter Mitwirkung von M. Ohst, Berlin / New York 1990, S. 337–394, dort S. 350,30–351,9</bibl>: «Wenn die Reformation, aus deren ersten Anfängen unsere Kirche hervorgegangen ist, nicht das Ziel hat, einen ewigen Vertrag zu stiften zwischen dem lebendigen christlichen Glauben und der nach allen Seiten freigelassenen, unabhängig für sich arbeitenden wissenschaftlichen Forschung, so daß jener nicht diese hindert, und diese nicht jenen ausschließt: so leistet sie den Bedürfnissen unserer Zeit nicht Genüge, und wir bedürfen noch einer andern […]. Meine feste Überzeugung aber ist, der Grund zu diesem Vertrage sey schon damals gelegt, und es thue nur Noth, daß wir zum bestimmteren Bewußtseyn der Aufgabe kommen, um sie auch zu lösen.» </note> zwischen ihr und der neuzeitlichen <term type="sachen" key="Bildung">Bildung</term>. Unter diesem Gesichtspunkt hat er aber die Frage des <anchor type="note" xml:id="fn-r"/><term type="sachen" key="Leben">Lebenswerkes</term>, d. h. des Bildungswerkes<note n="r" target="fn-r" type="textcritical" xml:id="nr">Mskr.: «Lebenswertes, d. h. des Bildungswertes». Im Tskr. ursprünglich wie oben, aber dann in die Mskr.-Fassung korrigiert.</note>, auch unerbittlich zum Kanon des richtigen Verständnisses von Kirche, <term type="sachen" key="Evangelium">Evangelium</term> und <term type="sachen" key="Glaube / Glauben">Glauben</term> erhoben. Als moderner <term type="sachen" key="Mensch, moderner">Mensch</term>, als <term type="sachen" key="Ethik">Ethiker</term>, als preußischer <term type="sachen" key="Preußen">Mann</term> wollte er Christ,<note n="s" type="textcritical" xml:id="ns">Mskr.: «Christ und». </note> Kirchenmann und Theologe sein. So und nicht anders. Sein Standort war, indem er dem <term type="sachen" key="Christentum">Christentum</term> dieses Programm und diese Bedingung stellte, nach einer von ihm selbst gebrauchten Wendung: «<hi rend="italic">Über</hi> dem Christentum.»<note xml:id="n16">«Der Standpunkt der philosophischen Theologie in Beziehung auf das Christentum überhaupt ist nur über demselben zu nehmen» (<bibl corresp="kbga-bibls-286"><persName ref="kbga-actors-360">Fr. D. E. Schleiermacher</persName>, <hi rend="italic">Kurze Darstellung des theologischen Studiums zum Behuf einleitender Vorlesungen, Berlin 1811</hi>, in: ders, Kritische Gesamtausgabe, Abt. I, Bd. 6, hrsg. von D. Schmid, Berlin / New York 1998, S. 243–315, dort S. 256,17f. [Erster Teil, § 4]</bibl>). – «Die philosophische Theologie kann daher ihren Ausgangspunkt nur über dem Christentum in dem logischen Sinne des Wortes nehmen, d. h. in dem allgemeinen Begriff der frommen oder Glaubensgemeinschaft» (<bibl corresp="kbga-bibls-286">ders., <hi rend="italic">Kurze Darstellung des theologischen Studiums zum Behuf einleitender Vorlesungen. Zweite umgearbeitete Ausgabe, Berlin 1830, Nebst den Marginalien aus Schleiermachers Handexemplar</hi>, in: ders., Kritische Gesamtausgabe, Abt. I, Bd. 6, S. 317–446, dort S. 338,14–17 [§ 33]</bibl>). – «Um auszumitteln, worin das Wesen der christlichen Frömmigkeit bestehe, müssen wir über das Christenthum hinausgehn, und unsern Standpunkt über demselben nehmen, um es mit andern Glaubensarten zu vergleichen» (<bibl corresp="kbga-bibls-256">ders., <hi rend="italic">Der christliche Glaube</hi><hi rend="sup">1</hi>, Bd. 1 [<ref type="pub" target="#fn_n11">Anm. 11</ref>], S. 20,13–16 [§ 6]</bibl>). </note></p>
			<p><pb xml:id="p150" ed="pga" rend="noPipe"/> <persName ref="kbga-actors-360">Schleiermacher</persName> wusste – im Unterschied zu der <term type="sachen" key="Aufklärung">«Aufklärung»</term> des vorangehenden Jahrhunderts, im Unterschied auch zu seinem großen Zeitgenossen <term type="namen" key="Hegel, Georg Wilhelm Friedrich">Hegel</term> – sehr wohl und sehr lebendig um die Eigenart, um die Selbständigkeit, um die Ursprünglichkeit, um<note n="t" type="textcritical" xml:id="nt">Mskr.: «er wusste auch sehr wohl, wie er einmal sagte, um».</note> die «hohe Willkür»<note xml:id="n17">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5904"><persName ref="kbga-actors-360">Fr. D. E. Schleiermacher</persName>, <hi rend="italic">Rezension von Friedrich Wilhelm Joseph Schelling: Vorlesungen über die Methode des akademischen Studiums (1804)</hi>, in: ders., Kritische Gesamtausgabe, Abt. I, Bd. 4, hrsg. von E. Herms / G. Meckenstock / M. Pietsch, Berlin / New York 2002, S. 461–484, dort S. 474,10–14</bibl>: «auch die speculative Ansicht von Christo ist mit der Behauptung, daß er als Grenze zweier <hi rend="italic">Zeiten</hi> dastehe, nicht wohl zu vereinigen, und überhaupt hier die hohe Willkühr etwas verwischt, die von dieser Seite doch der Schlüssel des Christenthumes seyn möchte». </note> der <term type="sachen" key="Religion">Religion</term> und insbesondere des <term type="sachen" key="Christentum">Christentums</term>. Seine berühmten «<hi rend="italic">Reden</hi>»<note n="u" type="textcritical" xml:id="nu">Im Mskr. und im Tskr. nicht hervorgehoben.</note> von 1799 waren ein einziger flammender Protest gegen die Verwechslung der Religion mit <term type="sachen" key="Metaphysik">«Metaphysik»</term> oder mit <term type="sachen" key="Moral">«Moral»</term>.<note xml:id="n18">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-212"><persName ref="kbga-actors-360">Schleiermacher</persName>, <hi rend="italic">Über die Religion</hi> (Anm. 14), S. 41–54 (Kritische Gesamtausgabe, S. 207–213).</bibl> </note> Er ist diesem Protest zeitlebens treu geblieben. Er wollte darum zeitlebens die staatsfreie<note n="v" type="textcritical" xml:id="nv">Mskr.: «staats<hi rend="italic">freie</hi>».</note> <term type="sachen" key="Kirche, und Staat">Kirche</term>.<note xml:id="n19">Vgl. etwa <bibl corresp="kbga-bibls-212">a.a.O., S. 203–230 (Kritische Gesamtausgabe, S. 278–290)</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-256"><persName ref="kbga-actors-360">Schleiermacher</persName>, <hi rend="italic">Der christliche Glaube</hi><hi rend="sup">2</hi> (Anm. 11), Bd. 1, S. 20–22 (§ 3,1)</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-5905">ders., <hi rend="italic">Ueber das liturgische Recht evangelischer Landesfürsten. Ein theologisches Bedenken von Pacificus Sincerus</hi>, Göttingen 1824, in: ders., Kritische Gesamtausgabe, Abt. I, Bd. 9, hrsg. von G. Meckenstock unter Mitwirkung von H.-Fr. Traulsen, Berlin / New York 2000, S. 211–269</bibl>. In <bibl corresp="kbga-bibls-954"><hi rend="italic">Schleiermacher</hi> (<ref type="pub" target="#fn_n04">Anm. 4</ref>), S. 181</bibl>, verweist <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> diesbezüglich auf die Reden und eine späte Predigt <persName ref="kbga-actors-360">Schleiermachers</persName> (<bibl corresp="kbga-bibls-5906"><persName ref="kbga-actors-360">Fr. D. E. Schleiermacher</persName>, <hi rend="italic">[Predigt über] Marcus XII,13–27</hi>, in: <hi rend="italic">Friedrich Schleiermacher’s Literarischer Nachlaß. Predigten</hi>, 2. Bd.: <hi rend="italic">Predigten über das Evangelium Marci und den Brief Pauli an die Kolosser</hi>, hrsg. von Fr. Zabel, Berlin 1835, S. 164–178, dort S. 171</bibl>). </note> Aber er wusste und lehrte: <pb xml:id="p151" ed="pga"/> gerade in<note n="w" type="textcritical" xml:id="nw">Im Mskr. und im Tskr. hervorgehoben.</note> dieser Eigenart ist die <term type="sachen" key="Mensch, und Religion">Religion</term> ein unveräußerliches Wesensmoment der menschlichen Natur, ein bedeutsamer<note n="x" type="textcritical" xml:id="nx">Tskr.: «bedeutsam».</note> in Rechnung zu stellender Faktor in der menschlichen Wirklichkeit. <hi rend="italic">Seelische</hi> Eigenart hat er der Religion, <hi rend="italic">geschichtliche</hi> Eigenart hat er dem Christentum zugesprochen.<note xml:id="n20">In <bibl corresp="kbga-bibls-34">Prot.Theol.</bibl> identifiziert <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> «das <hi rend="italic">Erlebnis</hi> und die <hi rend="italic">Geschichte</hi>» als «die beiden Pole», zwischen denen «die Schleiermachersche Interpretation des Christentums» verlaufe (<bibl corresp="kbga-bibls-34">S. 402</bibl>). Parallelen dazu bilden die Unterscheidung zwischen dem «<hi rend="italic">psychologischen</hi>» und dem «<hi rend="italic">historische[n]</hi> Moment» (<bibl corresp="kbga-bibls-34">S. 414</bibl>) und die zwischen dem Glauben und Christus (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-34">S. 415</bibl>). Christus als «der historische und als solcher für alle Zeiten bezeichnende <hi rend="italic">Anfang</hi>» (<bibl corresp="kbga-bibls-34">S. 421</bibl>) des Christentums sei für <persName ref="kbga-actors-360">Schleiermacher</persName> «das Prinzip der <hi rend="italic">Individuation</hi> dieser Religion» (<bibl corresp="kbga-bibls-34">S. 420</bibl>).</note> Mit <anchor type="note" xml:id="fn-y"/>psychologisch-historischen<note n="y" target="fn-y" type="textcritical" xml:id="ny">Im Mskr. ursprünglich: «psychologisch-geschichtlichen», korrigiert in: «seelisch-geschichtlichen».</note> Gründen hat er sie darum verteidigt und mit der modernen <term type="sachen" key="Kultur, moderne">Kultur</term> in geordnete Beziehung zu setzen gesucht. Und mit <anchor type="note" xml:id="fn-z"/>psychologisch-historischem<note n="z" target="fn-z" type="textcritical" xml:id="nz">Im Mskr. ursprünglich: «psychologisch-geschichtlichem», korrigiert in: «seelisch-geschichtlichem».</note> Maßstab<note n="aa" type="textcritical" xml:id="naa">Mskr., Tskr.: «Maßstab messend».</note> hat er die <term type="sachen" key="Bibel / Heilige Schrift">Bibel</term> und das <term type="sachen" key="Dogma">Dogma</term> kritisiert, das heißt auf ihre<note n="ab" type="textcritical" xml:id="nab">Mskr.: «die».</note> Haltbarkeit, auf den Wert ihrer Aussagen geprüft.</p>
			<p> Eben als Kenner der menschlichen <term type="sachen" key="Seele">Seele</term> und der menschlichen <term type="sachen" key="Geschichte">Geschichte</term>, der als solcher auch der <term type="sachen" key="Religion">Religion</term> ihren besonderen Ort, auch dem <term type="sachen" key="Christentum">Christentum</term> sein eigentümliches Wesen anzuweisen wusste, stand er offenbar wieder «<hi rend="italic">über</hi> dem Christentum». Das gibt seiner Verteidigung und seiner Darstellung des Christentums den großen überzeugenden Zug und Schwung. Hier redet einer, der seinen Gegenstand überblickt und <anchor type="note" xml:id="fn-ac"/>beherrscht. Er<note n="ac" target="fn-ac" type="textcritical" xml:id="nac">Mskr.: «beherrscht: er».</note> hat, wie <persName ref="kbga-actors-374">Heinrich Scholz</persName> <pb xml:id="p152" ed="pga"/> schön von ihm gesagt hat, seine Aufgabe «in dem Vertrauen in Angriff genommen, daß er wisse, was Christentum sei, und sich durch keine noch so beglaubigte Kirchenlehre an diesem Grundgefühl irre machen lassen»<note xml:id="n21"><bibl corresp="kbga-bibls-2194"><persName ref="kbga-actors-374">H. Scholz</persName>, <hi rend="italic">Christentum und Wissenschaft in Schleiermachers Glaubenslehre. Ein Beitrag zum Verständnis der Schleiermacherschen Theologie</hi>, Leipzig 1911<hi rend="sup">2</hi>, S. 121</bibl>; dort: «[…] in diesem Grundgefühl beirren lassen». </note>. Er wusste aber, was Christentum sei, weil und sofern er zuvor um den Menschen, seine Möglichkeit und seine Wirklichkeit wusste. Kraft dieses <hi rend="italic">höheren</hi> Wissens, wir dürfen auch sagen: in genialer Betätigung ursprünglichster, befreitester Menschlichkeit konnte und durfte er als «Virtuos» (wie es in den «Reden» heißt)<note xml:id="n22">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-212"><persName ref="kbga-actors-360">Schleiermacher</persName>, <hi rend="italic">Über die Religion</hi> (<ref type="pub" target="#fn_n04">Anm. 14</ref>), S. 3. 158. 205. 220 (­Kritische Gesamtausgabe, S. 190,15; 258,22; 279,9; 320,27).</bibl> </note> das christliche Instrument spielen, zum Klingen und zum Verstummen bringen, so und so meistern. Seine in der <term type="sachen" key="Berlin">Berliner</term> Dreifaltigkeitskirche gehaltenen Predigten<note xml:id="n23"><persName ref="kbga-actors-360">Schleiermacher</persName> war von 1809 bis zu seinem Tode 1834 reformierter Prediger an der Dreifaltigkeitskirche in <placeName ref="kbga-places-8">Berlin</placeName>. </note> insbesondere müssen ein für die mitwissenden Zeitgenossen überwältigender Beweis dieses seines Könnens, dieser seiner Meisterschaft über <term type="sachen" key="Evangelium">Evangelium</term> und <term type="sachen" key="Glaube / Glauben">Glauben</term> <anchor type="note" xml:id="fn-ad"/>kraft dessen, was ursprünglich in ihm lebte,<note n="ad" target="fn-ad" type="textcritical" xml:id="nad">Fehlt im Mskr.</note> gewesen sein.</p>
			<p><hi rend="italic">Über</hi> dem Christentum stehend, hat <persName ref="kbga-actors-360">Schleiermacher</persName> im Christentum das gefunden und <anchor type="note" xml:id="fn-ae"/>das Christentum als das<note n="ae" target="fn-ae" type="textcritical" xml:id="nae">Mskr. und Tskr.: «als Christentum das».</note> gepredigt, was er für das Tiefste<note n="af" type="textcritical" xml:id="naf">Druck: «tiefste»; korrigiert in Übereinstimmung mit Mskr. und Tskr.</note> der menschlichen Natur und Wirklichkeit und<note n="ag" type="textcritical" xml:id="nag">Mskr. und Tskr.: «und darum».</note> für das mächtigste Vehikel aller<note n="ah" type="textcritical" xml:id="nah">Druck: «als»; korrigiert in Übereinstimmung mit Mskr. und Tskr.</note> humanen <term type="sachen" key="Kultur">Kultur</term> hielt: die <hi rend="italic">Vermittlung</hi><note xml:id="n24">«Vermittlung» war ein zentraler Begriff in der Philosophie <persName ref="kbga-actors-167">Hegels</persName>, der spekulativen <term type="sachen" key="Theologie, spekulative">Theologie</term> und der von <persName ref="kbga-actors-360">Schleiermacher</persName> beeinflussten <term type="sachen" key="Theologie, Vermittlungstheologie">Vermittlungstheologie</term> (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4959">R. <term type="namen" key="Holte, Ragnar">Holte</term>, <hi rend="italic">Die Vermittlungstheologie. Ihre theologischen Grundbegriffe kritisch untersucht</hi> [SDCU 3], Uppsala 1965, S. 24–47</bibl>). Im Unterschied zur Vermittlungstheologie hatte Schleiermacher selbst den Ausdruck <term type="sachen" key="Vermittlung">«Vermittlung»</term> nicht programmatisch verwendet.</note> zwischen den Gegensätzen des <term type="sachen" key="Natur">Natürlichen</term> und<note n="ai" type="textcritical" xml:id="nai">Mskr.: «und des». </note> <term type="sachen" key="Geist">Geistigen</term>, des All<pb xml:id="p153" ed="pga" break="no"/>gemeinen und des Besonderen, des Äußern und des Innern, des <term type="sachen" key="Seele">Seelischen</term> und des <term type="sachen" key="Geschichte">Geschichtlichen</term> – den «Frieden»<note xml:id="n25">Im Zusammenhang mit <persName ref="kbga-actors-360">Schleiermachers</persName> Interesse an Vermittlung hebt <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> auch an anderen Stellen die Bedeutung der <term type="sachen" key="Frieden">Friedens-Thematik</term> bei Schleiermacher hervor. Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-974">Th.Schl., S. 14-17. 26–31</bibl> u. ö.; <bibl corresp="kbga-bibls-954">Barth, <hi rend="italic">Schleiermacher</hi> (<ref type="pub" target="#fn_n04">Anm. 4</ref>), S. 144–155</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-34">Prot.Theol., S. 403f.</bibl> </note>, wie er gern sagte. Vermittlung bedeutet <anchor type="note" xml:id="fn-aj"/>bei ihm<note n="aj" target="fn-aj" type="textcritical" xml:id="naj">Fehlt im Mskr.</note>: Ausgleichung und schließliche<note n="ak" type="textcritical" xml:id="nak">Mskr. und Tskr.: «schließlich».</note> Aufhebung dieser Gegensätze in die Einheit des frommen <hi rend="italic">Gefühls</hi>. Dies war ja das höhere Wissen, die ursprüngliche befreite <term type="sachen" key="Humanität">Menschlichkeit</term>, der archimedische Punkt, von dem aus <term type="namen" key="Schleiermacher, Friedrich Daniel Ernst">Schleiermacher</term> an das <term type="sachen" key="Christentum">Christentum</term> herantrat: das unmittelbare fromme Gefühl oder Selbstbewusstsein,<note n="26" xml:id="n26">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-256"><persName ref="kbga-actors-360">Schleiermacher</persName>, <hi rend="italic">Der christliche Glaube</hi><hi rend="sup">2</hi> (<ref type="pub" target="#fn_n11">Anm. 11</ref>), Bd. 1, S. 19–53 (§§ 3–5).</bibl></note> in dem<note n="al" type="textcritical" xml:id="nal">Mskr. und Tskr.: «welchem».</note> der Mensch die Einheit aller Gegensätze schon erlebt<note n="am" type="textcritical" xml:id="nam">Mskr.: «hat».</note>, um sie nun überall und am vollkommensten nach Schleiermacher eben im Christentum wieder zu erleben<note n="an" type="textcritical" xml:id="nan">Mskr.: «finden».</note>. Aber handelt es sich nicht etwa gerade<note n="ao" type="textcritical" xml:id="nao">Druck: «grade»; hier und sonst korrigiert in Übereinstimmung mit Mskr. und Tskr.</note> auch im Christentum um Gegensätze? Redet es nicht deutlich von <term type="sachen" key="Gott, und Mensch">Gott</term> und Mensch, von <term type="sachen" key="Offenbarung">Offenbarung</term> und <term type="sachen" key="Vernunft">Vernunft</term>, vom <term type="sachen" key="Himmel / Himmelreich">Himmelreich</term> und von der <term type="sachen" key="Welt">Welt</term>, von<note n="ap" type="textcritical" xml:id="nap">Tskr.: «vom». Ob das Mskr. «von» oder «vom» bietet, ist nicht sicher zu entscheiden.</note> Christus und vom <term type="sachen" key="Jesus Christus, und Glaube an J. Chr.">Glauben</term> an ihn, von <term type="sachen" key="Gnade">Gnade</term> und von <term type="sachen" key="Sünde">Sünde</term>, von <term type="sachen" key="Ewigkeit">Ewigkeit</term> und <term type="sachen" key="Zeit">Zeit</term>? Werden <anchor type="note" xml:id="fn-aq"/>auch <hi rend="italic">diese</hi><note n="aq" target="fn-aq" type="textcritical" xml:id="naq">Mskr.: «diese».</note> Gegensätze sich als aufhebbar erweisen? Aufhebbar in der Einheit des frommen <term type="sachen" key="Gefühl, frommes">Gefühls</term>? Sollte der «Friede <term type="sachen" key="Frieden, Gottes">Gottes</term>, welcher höher ist als alle <term type="sachen" key="Vernunft">Vernunft</term>» [<ref type="can" subtype="bible" target="Phil.4.7">Phil. 4,7</ref>], wirklich auch in der <term type="sachen" key="Vermittlung">Vermittlung</term> zwischen <hi rend="italic">diesen</hi> Gegensätzen bestehen? <term type="namen" key="Schleiermacher, Friedrich Daniel Ernst">Schleiermacher</term> hat diese Frage absolut<note n="ar" type="textcritical" xml:id="nar">Mskr. und Tskr.: «resolut».</note> bejaht. <anchor type="note" xml:id="fn-as"/>Über dem Christentum<note n="as" target="fn-as" type="textcritical" xml:id="nas">Mskr.: «‹Über dem Christentum›». </note> stehend, das im <term type="sachen" key="Christentum">Christentum</term> suchend, was er schon gefunden hatte, konnte und <pb xml:id="p154" ed="pga"/> musste er <anchor type="note" xml:id="fn-at"/>sie bejahen<note n="at" target="fn-at" type="textcritical" xml:id="nat">Mskr.: «es».</note>. Das ist das einfache Geheimnis seiner Glaubenslehre, dass er auch und gerade die christlichen Gegensätze als fließende<note xml:id="n27">In <bibl corresp="kbga-bibls-974">Th.Schl., S. 351</bibl>, zitiert <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> die Formulierung «fließende Differenz» (<bibl corresp="kbga-bibls-256"><persName ref="kbga-actors-360">Schleiermacher</persName>, a.a.O., S. 392,3 [§ 62,1]</bibl>). </note>, vergehende, verschwindende Gegensätze behandelt hat. Was immer ihm die christliche <term type="sachen" key="Tradition, christliche">Überlieferung</term> an ernsten<note n="au" type="textcritical" xml:id="nau">Mskr.: «grimmigen ernsten»; Tskr.: «grimmig ernsten».</note> letzten Worten bieten mochte: <anchor type="note" xml:id="fn-av"/>der Zorn <term type="sachen" key="Gott, Zorn">Gottes</term><note xml:id="n28">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-256"><persName ref="kbga-actors-360">Schleiermacher</persName>, a.a.O., S. 522–525 (§ 84,3); Bd. 2, S. 200–202 (§ 109,4)</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-5907">ders., <hi rend="italic">Daß wir nichts vom Zorne Gottes zu lehren haben</hi> [Predigt über 2.Kor 5,17f.], in: Friedrich Schleiermacher’s sämmtliche Werke, Zweite Abtheilung: Predigten, Bd. 2, Neue Ausgabe, Berlin 1934, S. 725–738.</bibl> </note>, ein ewiges Verlorengehen<note xml:id="n29">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-256">ders., <hi rend="italic">Der christliche Glaube</hi><hi rend="sup">2</hi> (<ref type="pub" target="#fn_n11">Anm. 11</ref>), Bd. 2, S. 490–492 (§ 163, Anhang)</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-255">ders., <hi rend="italic">Über die Lehre von der Erwählung; besonders in Beziehung auf Herrn Dr. Bretschneiders Aphorismen (1819)</hi>, in: Kritische Gesamtausgabe, Abt. I, Bd. 10 (<ref type="pub" target="#fn_n15">Anm. 15</ref>), S. 145–222.</bibl> </note>, die Gottheit <term type="sachen" key="Jesus Christus, Gottheit">Christi</term><note xml:id="n30">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-256">ders., <hi rend="italic">Der christliche Glaube</hi><hi rend="sup">2</hi>, Bd. 2, S. 52–58 (§ 94); S. 60–89 (§§ 96f.).</bibl> </note>, die <term type="sachen" key="Rechtfertigung">Rechtfertigung</term> des Sünders, seine Wiedergeburt und Bekehrung<note n="av" target="fn-av" type="textcritical" xml:id="nav">Mskr.: «Zorn Gottes, Verlorengehen, Gottheit Christi, Rechtfertigung des Sünders, Bekehrung».</note><note xml:id="n31">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-256">a.a.O., S. 168–202 (§§ 107–109).</bibl></note>… <persName ref="kbga-actors-360">Schleiermachers</persName> Dialektik war um ein milderndes «Und» nie verlegen, fand den Ausgleich unter allen Umständen, wusste Harmonie über jede Höhe <anchor type="note" xml:id="fn-aw"/>und jede<note n="aw" target="fn-aw" type="textcritical" xml:id="naw">Mskr.: «oder».</note> Tiefe auszubreiten – die Harmonie des frommen <term type="sachen" key="Gefühl, frommes">Gefühls</term>, das auch in <hi rend="italic">diesen</hi> Höhen und Tiefen sich <anchor type="note" xml:id="fn-ax"/>selber,<note n="ax" target="fn-ax" type="textcritical" xml:id="nax">Mskr. und Tskr.: «selber und».</note> das heißt: die siegreiche Einheit des Menschen, wiedererkennt.<note n="ay" type="textcritical" xml:id="nay">Im Mskr folgt hier kein Absatz. Im Tskr. wurde nachträglich ein Absatzzeichen eingefügt.</note></p>
			<p>Es herrscht heute<note n="az" type="textcritical" xml:id="naz">Fehlt im Mskr.</note> Einverständnis darüber, dass <persName ref="kbga-actors-360">Schleiermachers</persName> Unternehmen gerade an dem Punkt am wenigsten überzeugend durchgeführt ist, der ihm mit Recht der wichtigste war und auf den er die größte Mühe verwendet hat, <anchor type="note" xml:id="fn-ba"/>an der zentralen Frage<note n="ba" target="fn-ba" type="textcritical" xml:id="nba">Mskr.: «in der Centralfrage»; Tskr.: «in der Zentralfrage». </note>: <anchor type="note" xml:id="fn-bb"/><hi rend="italic">Wer ist <pb xml:id="p155" ed="pga"/> und was bedeutet uns Christus?</hi><note n="bb" target="fn-bb" type="textcritical" xml:id="nbb">Im Mskr. und im Tskr. nicht hervorgehoben.</note><note xml:id="n32">Zur zeitgenössischen Beurteilung von <persName ref="kbga-actors-360">Schleiermachers</persName> Christologie vgl. etwa <bibl corresp="kbga-bibls-5908"><persName ref="kbga-actors-4">P. Althaus</persName>, <hi rend="italic">Das Kreuz Christi</hi>, in: <hi rend="italic">Mysterium Christi. Christologische Studien britischer und deutscher Theologen</hi>, hrsg. von G. K. A. Bell / A. Deißmann, Berlin 1931, S. 237–271, dort S. 266f.</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-5909">E. <term type="namen" key="Burger, Ewald">Burger</term>, <hi rend="italic">Der lebendige Christus. Die theologische Bedeutung der Auferstehung und Erhöhung Christi</hi>, Stuttgart 1933, S. 116f.</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-1464"><persName ref="kbga-actors-63">E. Brunner</persName>, <hi rend="italic">Die Mystik und das Wort. Der Gegensatz zwischen moderner Religionsauffassung und christlichem Glauben dargestellt an der Theologie Schleiermachers</hi>, Tübingen 1924, S. 121-146. 206–228, dort bes. S. 218–220</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-4841"><persName ref="kbga-actors-184">E. Hirsch</persName>, <hi rend="italic">Jesus Christus der Herr. Theologische Vorlesungen,</hi> Göttingen 1926, S. 44f.</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-5910">W. <term type="namen" key="Thimme, Wilhelm">Thimme</term>, <hi rend="italic">Die Christlichkeit der Theologie Schleiermachers</hi>, in: ChW 41 (1927), S. 146-150. 201–207, dort S. 204.</bibl></note> Man versteht nämlich, obwohl <persName ref="kbga-actors-360">Schleiermacher</persName> gerade dies mit allen Mitteln zu beweisen trachtet, nicht, warum und inwiefern Christus für den christlichen <term type="sachen" key="Glaube / Glauben">Glauben</term> unentbehrlich sein soll? <anchor type="note" xml:id="fn-bc"/>Die <term type="sachen" key="Vermittlung">Vermittlung</term> im <term type="sachen" key="Gefühl">Gefühl</term> musste offenbar auch den Gegensatz zwischen <term type="sachen" key="Jesus Christus, und Glaube an J. Chr.">Christus</term> und dem christlichen Glauben aufheben. <persName ref="kbga-actors-360">Schleiermacher</persName> hat das nicht ausdrücklich gesagt, er hat aber auch nicht klarmachen können, warum er es nun doch nicht sagen wollte.<note n="bc" target="fn-bc" type="textcritical" xml:id="nbc">Fehlt im Mskr. Im Tskr. beginnt nach «ausdrücklich gesagt.» ein neuer Satz.</note> Mit welchen unsichtbaren Widerständen hatte seine Dialektik es gerade hier zu tun? Wir können die Frage offen lassen. Dass sie sich erhebt, ist der Hinweis auf die innere Problematik dessen, was <persName ref="kbga-actors-360">Schleiermacher</persName> wollte und als<note n="bd" type="textcritical" xml:id="nbd">Druck: «was»; korrigiert in Übereinstimmung mit Mskr. und Tskr.</note> der stärkste Mann des modernistischen <term type="sachen" key="Protestantismus, modernistischer">Protestantismus</term> ebenso vollendet wie angebahnt hat: die Humanisierung des Christentums. Wenn sich das <term type="sachen" key="Christentum, Humanisierung">Christentum</term> humanisieren <hi rend="italic">lässt</hi>, wenn es eine Angelegenheit ist, die man verteidigen und darstellen <hi rend="italic">kann</hi>, indem man sich <hi rend="italic">darüber</hi> stellt – wenn es wirklich so ist, dass das fromme <term type="sachen" key="Gefühl, frommes">Gefühl</term> im christlichen <term type="sachen" key="Glaube / Glauben">Glauben</term> nur wiederfindet, was es schon zuvor in sich selbst<note n="be" type="textcritical" xml:id="nbe">Fehlt im Mskr.</note> gefunden hatte, dann <anchor type="note" xml:id="fn-bf"/>wäre jene schwächere Stelle<note n="bf" target="fn-bf" type="textcritical" xml:id="nbf">Druck: «wären jene schwächeren Stellen»; korrigiert in Übereinstimmung mit Mskr. und Tskr. und im Blick darauf, dass auch der Drucktext im nächsten Satz die Singularfassung bietet. </note> in <persName ref="kbga-actors-360">Schleiermachers</persName> Werk ein Schönheitsfehler, der angesichts des im Ganzen erreichten Triumphes wenig <pb xml:id="p156" ed="pga"/> zu besagen hätte, den irgendein anderer <anchor type="note" xml:id="fn-bg"/>an <persName ref="kbga-actors-360">Schleiermachers</persName> Stelle<note n="bg" target="fn-bg" type="textcritical" xml:id="nbg">Fehlt im Mskr.</note> gutmachen könnte. Aber vielleicht ist hier doch gerade im Ganzen ein Versuch am ungeeigneten Objekt und darum auch mit untauglichen Mittel unternommen worden und vielleicht ist es dies, was an jener schwächeren Stelle warnend zum Vorschein kommt. Als einen «großen Mann»<note xml:id="n33">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-5911"><persName ref="kbga-actors-360">Fr. D. E. Schleiermacher</persName>, <hi rend="italic">Zur öffentlichen Sitzung am
24. Januar 1826</hi>, in: ders., Kritische Gesamtausgabe, Abt. I, Bd. 11, hrsg. von M. Rössler unter Mitwirkung von L. Emersleben, Berlin / New York 2002, S. 479–490.</bibl> Die für diese Akademierede in Abdrucken verwendete Überschrift «Über den Begriff eines großen Mannes» stammt nicht von Schleiermacher, sondern wurde erstmals <date when="1911">1911</date> von <persName ref="kbga-actors-2545">Otto Braun</persName> verwendet (vgl. a.a.O., S. LXI). </note> hätten wir <persName ref="kbga-actors-360">Schleiermacher</persName> <anchor type="note" xml:id="fn-bh"/>allen Ernstes<note n="bh" target="fn-bh" type="textcritical" xml:id="nbh">Fehlt im Mskr.</note> auch dann zu ehren. Eine Denkwürdigkeit würde sein Werk für den kirchlichen <term type="sachen" key="Protestantismus">Protestantismus</term> auch dann bedeuten,<note n="bi" type="textcritical" xml:id="nbi">Im Mskr. und im Tskr. schließt das Folgende nach einem Punkt als ein neuer Satz an.</note> aber dann freilich eine denkwürdige Warnung. Wir hätten <anchor type="note" xml:id="fn-bj"/>uns dann zu sagen, dass wir<note n="bj" type="textcritical" xml:id="nbj">Mskr.: «dann».</note> in Kirche und Theologie einen radikal anderen Weg anzutreten haben als den Weg <persName ref="kbga-actors-360">Schleiermachers</persName>.<note n="bk" type="textcritical" xml:id="nbk">Im Mskr. folgte ursprünglich noch der dann durchgestrichene Satz: «Aber davon zu reden ist hier nicht die Stelle.» </note></p>
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