<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<TEI xmlns="http://www.tei-c.org/ns/1.0" xml:id="kbga-texts-52016">
  <teiHeader>
    <fileDesc>
      <titleStmt>
        <title type="volume" n="vol-52">Vorträge und kleinere Arbeiten 1934–1935</title>
        <title type="content">Zum Geleit [zu: M. Lackmann, Herr, wohin sollen wir gehen?]</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Zum Geleit [zu: M. Lackmann, Herr, wohin sollen wir gehen?], 1934</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/52016 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Vorträge und kleinere Arbeiten 1934–1935, hrsg. v. Beintker, Michael / Hüttenhoff, Michael / Zocher, Peter (Gesamtausgabe, Abt. III), Zürich 2017, S. 259–263.</title>
      </titleStmt>
      <editionStmt>
        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
      </editionStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
        <availability>
          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/">Creative Commons BY-SA 4.0</licence>
        </availability>
        <idno type="url">https://kbga.karl-barth.ch/texts/52016</idno>
      </publicationStmt>
      <sourceDesc>
        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
        <bibl type="pga" xml:id="pga">
          <title type="volume">Vorträge und kleinere Arbeiten 1934–1935</title>
          <title type="text">Zum Geleit [zu: M. Lackmann, Herr, wohin sollen wir gehen?]</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Beintker, Michael</editor>
          <editor>Hüttenhoff, Michael</editor>
          <editor>Zocher, Peter</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2017</date>
          <biblScope unit="page">259-263</biblScope>
          <!--position within a volume-->
          <biblScope unit="part">16</biblScope>
        </bibl>
        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="A" type="source">A (Vorlage der Edition): Max Lackmann: Zum Geleit, in: ders., Herr, wohin sollen wir gehen? Ein Wort eines evangelischen Theologiestudenten an seine Kommilitonen (Theologische Existenz heute! 11), München 1934, S. 3f. </bibl>
        <bibl xml:id="B" type="source">B (Weitere Vorlage): , Zum Geleit [zu: Max Lackmann, Herr, wohin sollen wir gehen?], Mai 1934. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/91489">KBA 9234.184</ref>. </bibl>
        <!-- we should provide more types: <bibl type="not-found-in-kba"></bibl> <bibl type="not-in-kba"></bibl>  -->
      </sourceDesc>
    </fileDesc>
    <profileDesc>
      <creation>
        <date type="creation" when="1934">1934</date>
      </creation>
      <langUsage>
        <language ident="ger">German</language>
      </langUsage>
      <textClass>
        <keywords>
          <term>paper</term>
        </keywords>
      </textClass>
    </profileDesc>
    <revisionDesc>
      <change when="2026-10-02T07:56:16+02:00">teiHeader was automatically produced from the database 2026-10-02T07:56:16+02:00</change>
    </revisionDesc>
  </teiHeader>
  <text>
	<body>
		<div type="paper">
			<pb xml:id="p259" ed="pga" rend="noPipe"/>
			<!-- Text 14 -->
			<head>ZUM GELEIT [zu: M. Lackmann, Herr, wohin sollen wir gehen?]</head>
			<head type="sub">
				<date>1934</date>
			</head>
			<div type="abstract">
			<p rend="left">
				<hi rend="italic">Im <date when="1934-05">Mai 1934</date> war <persName ref="kbga-actors-7152">Max Lackmann</persName></hi><note xml:id="n01"><persName ref="kbga-actors-7152">Max Lackmann</persName> (1910–2000), schickte den Herausgebern dieses Bandes im <date when="1996-08">August 1996</date> eine Kassette zu, auf die er seine Erinnerungen an die hier geschilderten Ereignisse gesprochen hatte. Daneben existiert ein einseitiges Typoskript mit einem Bericht <persName ref="kbga-actors-7152">Lackmanns</persName> über seinen Werdegang im «Dritten Reich» (<ref type="archival">LKA Bielefeld, Best. 5.1, Nr. 430</ref>). </note>
				<hi rend="italic">, seit <date when="1932">1932</date> Theologiestudent in <placeName ref="kbga-places-10">Bonn</placeName>, auf <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> zugekommen und hatte ihn um ein Urteil über ein von ihm geschriebenes Manuskript zur Lage der evangelischen Theologiestudenten und um Hilfe bei einer Veröffentlichung gebeten. <persName ref="kbga-actors-7152">Lackmann</persName> schilderte in diesem Text recht konkret die Zustände an der Bonner <term type="sachen" key="Bonn, theologische Fakultät">Fakultät</term> und äußerte deutliche Kritik an der Arbeit der Theologischen Fachschaft, aber auch an der Ideologie der <orgName ref="kbga-actors-8360">SA</orgName>, die er für unvereinbar mit dem <term type="sachen" key="Christentum">Christentum</term> erklärte, und am <term type="sachen" key="Nationalsozialismus">Nationalsozialismus</term> insgesamt. <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>, über das Vorhaben Lackmanns bis dahin nicht informiert,</hi><note xml:id="n02">Siehe unten <ref type="pub" target="../volume/52/p261#p261">S. 261</ref>, vgl. auch <ref type="pub" target="#fn_n04">Anm. 4.</ref> </note>
				<hi rend="italic"> war beeindruckt und bot <persName ref="kbga-actors-7152">Lackmann</persName> unter der Bedingung, kleinere Korrekturen und Änderungen einzuarbeiten,</hi><note xml:id="n03">In seinem Brief an <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> vom
					<date when="1934-05-25">25.5.1934</date> (<ref type="kba-objects-id" target="23968">KBA 9334.613</ref>), dem die überarbeitete Fassung seines Textes beilag, benennt <persName ref="kbga-actors-7152">Lackmann</persName> die von <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> beeinflussten Änderungen: «Es sind hinzugekommen: 1) Im Vorwort die Erwähnung meiner S.A.-Zeit und die Übereinstimmung des Tenors der Schrift mit der Stimmung der Kommilitonen. 2) Im vorletzten Kap. in einem neuen Zusammenhang Erwähnung meiner lutherischen Herkunft. 3) Im letzten Kap. Umänderung der Reichskanzlerbrief-Erwähnung. 4) Neues Inhaltsverzeichnis am Schluss. – Das Vorwort ist gekürzt und noch etliches andere gestrichen.» </note>
				<hi rend="italic"> eine Veröffentlichung in der Reihe ThExh an. Der ungewöhnliche Umstand, dass der Verfasser der Schrift noch studierte, bewog <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>, dieses Geleitwort zu schreiben, in dem er – wie es zuvor auch dem Verleger <persName ref="kbga-actors-662">Albert Lempp</persName> gegenüber geschehen war</hi><note xml:id="n04">«Das Manuskript ist ohne Aufforderung von <persName ref="kbga-actors-2151">Karl Barth</persName> entstanden. Als es ihm aber fertig vorlag, hat ihn die Ernsthaftigkeit und Gediegenheit dieser Arbeit bewogen, sie in seine Schriftenreihe aufzunehmen. Er hofft sich darin mit Ihnen einig» (Brief <persName ref="kbga-actors-223">Ch. von Kirschbaums</persName> an <persName ref="kbga-actors-662">Lempp</persName> vom
					<date when="1934-05-27">27.5.1934</date> [<ref type="kba-objects-id" target="23984">KBA 9234.183</ref>]). </note>
				<hi rend="italic"> – die Aufnahme der Schrift in die Reihe <pb xml:id="p260" ed="pga"/> rechtfertigte. Am <date when="1934-05-27">27. Mai</date> schickte <persName ref="kbga-actors-223">Charlotte von Kirschbaum</persName> Lackmanns Text mit dem untenstehenden Geleitwort Barths an <persName ref="kbga-actors-662">Lempp</persName>, der ihn als Heft 11 der ThExh erscheinen ließ.</hi><note xml:id="n05"><bibl corresp="kbga-bibls-6072"><persName ref="kbga-actors-7152">M. Lackmann</persName>, <hi rend="italic">Herr, wohin sollen wir gehen? Ein Wort eines evangelischen Theologiestudenten an seine Kommilitonen</hi> (ThExh 11), München 1934.</bibl> Die von <persName ref="kbga-actors-7152">Lackmann</persName> benannten, auf <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> zurückzuführenden Änderungen (s. oben, <ref type="pub" target="#fn_n03">Anm. 3</ref>), finden sich <bibl corresp="kbga-bibls-6072">a.a.O., S. 10. 43. 46f.</bibl> </note>
			</p>
			<p>
				<hi rend="italic">Die Veröffentlichung der Schrift <persName ref="kbga-actors-7152">Lackmanns</persName> hatte gravierende Folgen, zunächst für ihn selbst: Er wurde in ein Disziplinarverfahren der Universität wegen «Verächtlichmachung der Professoren» verwickelt. Dies und seine Weigerung, der nationalsozialistisch geführten Fachschaft beizutreten und Fragebogen der «Deutschen Studentenschaft» auszufüllen, führten zum Ausschluss aus der Studentenschaft und daran anknüpfend zum Ausschluss aus der «Studienstiftung des deutschen Volkes» und aus der «Bonner Studienstiftung», über die er sein Studium finanzierte. Damit war ihm ein Weiterstudieren in Deutschland unmöglich gemacht. Auf Vermittlung Barths konnte er sein Studium dann in <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName> fortsetzen, um nach dessen Abschluss in den Dienst der Bekennenden <term type="sachen" key="Bekennende Kirche">Kirche</term> einzutreten.</hi><note xml:id="n06">Als Vikar und Hilfsprediger geriet er mehrfach in Untersuchungshaft und wurde <date when="1941">1941</date> wegen einer Predigt, in der er die Euthanasie als Mord bezeichnete, verhaftet. <persName ref="kbga-actors-7152">Lackmann</persName> war daraufhin bis 1945 im Konzentrationslager <placeName ref="kbga-places-830">Dachau</placeName>, wurde <date when="1946">1946</date> Pfarrer in Büren (Westfalen) und geriet im Folgenden vor allem wegen seines Eintretens für eine Erneuerung der evangelischen Kirche durch Anschluss an die katholische Kirche in Konflikte mit seiner Landeskirche (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-6">Bw.Th. III, <ref type="pub" target="../volume/34/p692#fn_n06">S. 692, Anm. 6</ref></bibl>). </note>
			</p>
			<p>
				<hi rend="italic">Das Heft mit <persName ref="kbga-actors-7152">Lackmanns</persName> Schrift und Barths Geleitwort wurde einen guten Monat nach Erscheinen zusammen mit allen von <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> verfassten Heften der ThExh verboten,</hi><note xml:id="n07">Siehe unten <ref type="pub" target="../volume/52/p426#p426">S. 426f.</ref> </note>
				<hi rend="italic"> sorgte aber weiter für Aufsehen: In einem Bericht der Bonner Studentenschaft vom <date when="1934-12">Dezember 1934</date> heißt es: «Der Inhalt der verbotenen Schrift von <persName ref="kbga-actors-7152">Lackmann</persName>: ‹Herr, wohin sollen wir gehen?›, in der, unter Billigung von <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>, die Unvereinbarkeit einer christlich-theologischen Haltung mit dem SA-Dienst behauptet wird, gewinnt immer mehr an Wirkung. Es haben Anhänger der <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>’schen Theologie, früher gute <term type="sachen" key="Nationalsozialismus">Nationalsozialisten</term>, ‹aus Gewissensgründen› ihren Austritt aus der <orgName ref="kbga-actors-8360">SA</orgName> genommen. Von anderen Universitäten kommende Theologiestudenten sind über die <pb xml:id="p261" ed="pga"/> Stimmung der hiesigen Theologenschaft entsetzt.»</hi><note xml:id="n08">«Von der Dozentenschaft» (<placeName ref="kbga-places-10">Bonn</placeName>, den <date when="1934-12-12">12. Dezember 1934</date>), in: «Vorgänge in der Bonner Studentenschaft im Zusammenhang mit der Einstellung der Vorlesungen von Prof. <persName ref="kbga-actors-2151">Karl Barth</persName> (<date when="1934-12">Dezember 1934</date>)» (Archiv der Reichsstudentenführung Würzburg; auch: <ref type="archival">LKA Düsseldorf, NL Rohkrämer, Best. Karl Barth, Bonn 1934, Nr. 1</ref>). </note>
				<hi rend="italic"> – <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> selbst wurde von <persName ref="kbga-actors-5324">Emil Pfennigsdorf</persName></hi><note xml:id="n09"><persName ref="kbga-actors-5324">Emil Pfennigsdorf</persName> (1868–1952), seit 1913 Prof. für Praktische Theologie und Apologetik in <placeName ref="kbga-places-10">Bonn</placeName>, seit 1933 Dekan der Theologischen Fakultät. </note>
				<hi rend="italic"> beim <term type="namen" key="Rust, Bernhard">Reichskultusminister</term> als Hauptverantwortlicher für die Veröffentlichung und die in dem Heft enthaltenen Angriffe gegen regimetreue Professoren angezeigt.</hi><note xml:id="n10">Vgl. Brief <persName ref="kbga-actors-5324">Pfennigsdorfs</persName> an <persName ref="kbga-actors-347">Bernhard Rust</persName> vom
<date when="1934-04-21">21.4.1934</date> (Auszüge: <bibl corresp="kbga-bibls-3351">Prolingheuer, S. 22f.</bibl>). </note>
			</p>
				<p><hi rend="italic">Vom vorliegenden Text existiert der Durchschlag eines einseitigen, einzeilig geschriebenen Typoskripts (<ref type="kba-objects-id" target="91489">KBA 9234.184</ref>), das nur geringfügige Abweichungen vom Abdruck aufweist, die unten angemerkt sind. Der Abdruck, auf den sich die eingefügte Originalpaginierung bezieht, erfolgte in:</hi> <bibl corresp="kbga-bibls-5558"><hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-7152">M. Lackmann</persName>, </hi>Herr, wohin sollen wir gehen? Ein Wort eines evangelischen Theologiestudenten an seine Kommilitonen<hi rend="italic"> (ThExh 11), München 1934, S. 3f.</hi></bibl></p>
		</div>
		<div>
			<head>Zum Geleit</head>
			<p rend="left">Dass ein Student in öffentlicher Druckschrift das Wort ergreift, ist eine kühne und zunächst etwas verdächtige Sache. Der Student soll studieren, das heißt hören, was Andere sagen, lesen, was Andere geschrieben haben, um hernach in der Lage zu sein, selber in gehaltvoller Weise das Wort zu ergreifen.<note xml:id="n11">«Andere» (beide Male), «hernach», «selber» und «gehaltvoller» sind im Tskr. hervorgehoben. </note> Über diesen Satz besteht zwischen dem Verfasser dieser Schrift und mir völlige Übereinstimmung. Aber als er mir eines Tages das Manuskript dieser seiner Schrift, mit deren Plan und Absicht er mich vorher nicht beschäftigt hatte, vorlegte, da musste ich mich doch des anderen Satzes erinnern, der besagt, dass keine Regel ohne Ausnahme sein kann, wenn nur auch die Ausnahme die Regel bestätigt. Diese Bedingung fand ich aber hier insofern erfüllt, als ich den Verfasser schon vorher als einen rechtschaffenen Stu<pb xml:id="p262" ed="pga" break="no"/>denten, das heißt Hörer und Leser, kennengelernt hatte (der sich z. B. in dem Knechtsdienst sauberer Textanalysen schon einigermaßen bewährt hat!<note xml:id="n12"><persName ref="kbga-actors-7152">Lackmann</persName>, der <date when="1932">1932</date> vor allem wegen <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> nach Bonn gekommen und regelmäßiger Teilnehmer an seinen Veranstaltungen war, gab den Herausgebern gegenüber (s. oben, <ref type="pub" target="#fn_n01">Anm. 1</ref>) an, bei <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> eine «Fleißarbeit» über die Rechtfertigungslehre Schleiermachers geschrieben zu haben. </note>) und als ich dieses sein Wort an seine Kommilitonen nun einfach als solches in seiner besonderen Art als gut und notwendig anerkennen musste. Gegen die Möglichkeit, dass tatsächlich doch<note xml:id="n13">Tskr.: «nun». </note> auch einmal ein Student öffentlich etwas Ordentliches zu sagen haben könnte, kann sich ja jener erste Satz nicht richten. Es kommt dazu, dass wir in Kirche und Theologie heute ohnehin in einer Ausnahmezeit leben, in der an <ref type="can" subtype="bible" target="Mt.21.15 Mt.21.16">Matth. 21,15–16</ref> zu denken erlaubt und geboten sein dürfte. Es kommt dazu, dass die kirchliche und theologische <term type="sachen" key="Öffentlichkeit">Öffentlichkeit</term>, oder sagen wir besser: die christliche <term type="sachen" key="Gemeinde">Gemeinde</term> ein Recht und eine Pflicht hat, neben dem, was sie durch den Mund der sogenannten «Fachschaften», das heißt der betreffenden Fachschaftsleiter, zu hören bekommt, auch einmal eine Stimme aus der durch diese Fachschaften angeblich vertretenen evangelisch-theologischen Studentenschaft selbst zu hören.<note xml:id="n14">Schon mit dem «Gesetz über die Bildung von Studentenschaften an den wissenschaftlichen Hochschulen» vom
<date when="1933-04-22">22. April 1933</date> waren die ehemals unabhängigen Interessenvertretungen im Sinne des Nationalsozialismus «gleichgeschaltet» worden und vertraten fortan allein die Interessen der Partei, d. h. sie kontrollierten die Studenten hinsichtlich ihrer ideologischen und politischen Gesinnung und führten entsprechende Schulungen durch, an denen teilzunehmen Pflicht war. – <persName ref="kbga-actors-7152">Lackmann</persName> ging in seinem Aufsatz ausführlich auf diese Praktiken ein und verurteilte sie scharf (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-6072"><persName ref="kbga-actors-7152">Lackmann</persName> [<ref type="pub" target="#fn_n05">Anm. 5</ref>], S. 11. 35f.</bibl>). Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-6073">C. H. Meisiek, <hi rend="italic">Evangelisches Theologiestudium im Dritten Reich</hi> (EHS.T 481), Frankfurt/Main u. a. 1993, S. 129–139</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-129">K. Meier, <hi rend="italic">Die Theologischen Fakultäten im Dritten Reich</hi>, Berlin / New York 1996, S. 232–275.</bibl> </note> Es kommt vor allem dazu, dass das, was der Verfasser seinen Kommilitonen zu sagen hat, wirklich einmal gesagt werden muss und gerade von einem Studenten gesagt besser ge<pb n="4" ed="A" break="no"/>hört werden kann, als wenn es – und wäre es zehnmal reifer – von einem Professor oder Pfarrer gesagt würde. Dies ist’s, was mich bewogen hat, der Veröffentlichung dieser Schrift zuzustim<pb xml:id="p263" ed="pga" break="no"/>men.<note xml:id="n15">Wie ernst es <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> damit war, dass es sich bei dieser Veröffentlichung um eine wirkliche Ausnahme handelt, zeigte sich, als <persName ref="kbga-actors-7152">Lackmann</persName> sich am Ende des Jahres von <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName> aus erneut an <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> wandte und um Hilfe beim Abdruck eines weiteren Textes bat. <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>, der von <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> über Lackmanns Ambitionen und sein Verhalten in Basel informiert war (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-6">Bw.Th. III, bes. <ref type="pub" target="../volume/34/p744#p744">S. 744.</ref> <ref type="pub" target="../volume/34/p779#p779">779f.</ref> <ref type="pub" target="../volume/34/p784#p784">784f.</ref></bibl>), wies ihn zurecht: «Ich bin aber grundsätzlich nicht damit einverstanden, dass Sie sich, nachdem Sie im Sommer Blut geleckt haben, nunmehr weiterhin als öffentlicher Lehrer oder Seelsorger betätigen wollen. Wenn Sie die Existenz von ‹Heft 11› richtig verstehen, so müssen Sie es als eine Ausnahme verstehen, die gerade als solche eine Wiederholung nicht erfahren kann, ohne Schaden zu nehmen» (Brief an <persName ref="kbga-actors-7152">Lackmann</persName> vom
	<date when="1934-12-13">13.12.1934</date> [<ref type="kba-objects-id" target="25190">KBA 9234.359</ref>]). </note> Sie gehört in die Schriftenreihe «Theologische Existenz heute», denn es gibt wahrlich auch eine Frage nach der «Studentisch-theologischen Existenz heute»<note xml:id="n16">Tskr.: «<hi rend="italic">Studentisch</hi>-theologischen Existenz heute». </note>, deren Beantwortung für die «Theologische Existenz morgen»<note xml:id="n17">Tskr.: «Theologische Existenz <hi rend="italic">morgen</hi>». </note> entscheidend wichtig sein dürfte.</p>
			<!-- leerzeile -->
			<p> <placeName ref="kbga-places-10">Bonn</placeName>,
<date when="1934-05-27">27. Mai 1934</date>. <hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-2151">Karl Barth</persName></hi><note xml:id="n18">Im Tskr. nicht hervorgehoben. </note>. </p>
		</div>
		</div>
	</body>
	</text>
</TEI>
