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        <title type="volume" n="vol-52">Vorträge und kleinere Arbeiten 1934–1935</title>
        <title type="content">Theologische Erklärung zur gegenwärtigen Lage der Deutschen Evangelischen Kirche</title>
        <title type="citation_line_1">Barth, Karl: Theologische Erklärung zur gegenwärtigen Lage der Deutschen Evangelischen Kirche, 1934</title>
        <title type="citation_line_2">https://kbga.karl-barth.ch/texts/52017 (Stand: 2. Oktober 2026)</title>
        <title type="citation_line_3">Druck: Karl Barth, Vorträge und kleinere Arbeiten 1934–1935, hrsg. v. Beintker, Michael / Hüttenhoff, Michael / Zocher, Peter (Gesamtausgabe, Abt. III), Zürich 2017, S. 264–301.</title>
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        <edition>Digitale Karl Barth-Gesamtausgabe</edition>
        <sponsor>Schweizerische Akademie der Geistes- und Sozialwissenschaften (SAGW)</sponsor>
        <sponsor>Schweizerischer Nationalfonds (SNF)</sponsor>
        <sponsor>Karl Barth-Stiftung</sponsor>
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        <publisher>Karl Barth-Archiv</publisher>
        <pubPlace>Basel</pubPlace>
        <date when="2026">2026</date>
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        <!-- The printed Gesamtausgabe -->
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          <title type="volume">Vorträge und kleinere Arbeiten 1934–1935</title>
          <title type="text">Theologische Erklärung zur gegenwärtigen Lage der Deutschen Evangelischen Kirche</title>
          <author ref="kbga-actors-2151">Barth, Karl</author>
          <editor>Beintker, Michael</editor>
          <editor>Hüttenhoff, Michael</editor>
          <editor>Zocher, Peter</editor>
          <pubPlace>Zürich</pubPlace>
          <publisher>Theologischer Verlag</publisher>
          <date type="publication">2017</date>
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        <!-- Data from KBA (https://kba.karl-barth.ch) -->
        <bibl xml:id="B" type="source">B (Weitere Vorlage): , Theologische Erklärung zur gegenwärtigen Lage in der D.E.K. [Deutschen Evangelischen Kirche] [Notiz Ch. von Kirschbaums: Barmer Erklärung 1934 (Urschrift)], 1934. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/89">KBA 10071</ref>. </bibl>
        <bibl xml:id="C" type="source">C (Weitere Vorlage): , Theologische Erklärung zur gegenwärtigen Lage der Deutschen Evangelischen Kirche, 16. Mai 1934. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/1186">KBA 10586</ref>. </bibl>
        <bibl xml:id="D" type="source">D (Material zum Kontext): , Dokumente zur Entstehung der Barmer Theologischen Erklärung, kein Datum. <ref target="https://kba.karl-barth.ch/objects/91079">KBA 33323</ref>. </bibl>
        <!-- we should provide more types: <bibl type="not-found-in-kba"></bibl> <bibl type="not-in-kba"></bibl>  -->
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			<head>Theologische Erklärung zur gegenwärtigen Lage der Deutschen Evangelischen Kirche</head>
			<head type="sub"> <date>1934</date></head> <p rend="left"><hi rend="italic">Bei dieser als «Barmer Theologische <term type="sachen" key="Barmer Theologische Erklärung">Erklärung»</term> berühmt gewordenen und heute in vielen evangelischen Kirchen im Bekenntnisrang stehenden Erklärung handelt es sich um den wohl wirkmächtigsten Text, an dem <persName ref="kbga-actors-2151">Karl Barth</persName> entscheidend mitgearbeitet hat: Es war seit der Reformationszeit die erste von <term type="sachen" key="Lutheraner / Luthertum">Lutheranern</term> und <term type="sachen" key="Reformierte / Reformiertentum">Reformierten</term> gemeinsam verabschiedete bekenntnishafte theologische Erklärung, mit der auch der Weg hin zur Leuenberger <term type="sachen" key="Leuenberger Konkordie">Konkordie</term> von <date when="1937">1973</date> eröffnet war; auf diese Erklärung stützten sich alle, die sich während der nationalsozialistischen Diktatur zur Bekennenden <term type="sachen" key="Bekennende Kirche">Kirche</term> bekannten; und nach <date when="1945">1945</date> wurde sie zu einem wichtigen Orientierungspunkt nicht nur für europäische evangelische Kirchen, sondern darüber hinaus für den weltweiten <term type="sachen" key="Protestantismus">Protestantismus</term>, gerade auch in den sogenannten «jungen <term type="sachen" key="Kirche, junge">Kirchen»</term>.</hi><note xml:id="n01">Die Entstehungsgeschichte der Barmer Theologischen Erklärung sowie die Vorbereitung und der Verlauf der Barmer <term type="sachen" key="Bekenntnissynode, Barmen, Deutsche Evangelische Kirche">Bekenntnissynode</term>, auf der sie verabschiedet worden ist, sind <persName ref="kbga-actors-1494">breit</persName> erforscht und brauchen hier nicht erneut ausführlich dargestellt zu werden. Im Folgenden wird lediglich skizziert, unter welchen Umständen die Textstufen entstanden sind, an deren Erarbeitung <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> direkt beteiligt war. Im Zentrum der Aufmerksamkeit soll dabei stehen, wie <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> selbst in zeitnahen Zeugnissen seine eigene Rolle, aber auch die Mitarbeit der anderen Beteiligten einschätzte. – An Quellen und Literatur seien pars pro toto genannt: <bibl corresp="kbga-bibls-4932"><persName ref="kbga-actors-1668">K. Immer</persName> (Hrsg.), <hi rend="italic">Bekenntnissynode der Deutschen Evangelischen Kirche. Barmen 1934. Vorträge und Entschliessungen</hi>, Wuppertal-Barmen [1934]</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-1218"><persName ref="kbga-actors-299">G. Niemöller</persName>, <hi rend="italic">Die erste Bekenntnissynode der Deutschen Evangelischen Kirche zu Barmen</hi>, Bd. I: <hi rend="italic">Geschichte, Kritik und Bedeutung der Synode und ihrer Theologischen Erklärung</hi> (AGK 5), Göttingen 1959</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-3282">ders. (Hrsg.), <hi rend="italic">Die erste Bekenntnissynode der Deutschen Evangelischen Kirche zu Barmen</hi>, Bd. II: <hi rend="italic">Text – Dokumente – Berichte</hi> (AGK 6), Göttingen 1959</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-3284"><persName ref="kbga-actors-19">Chr. Barth</persName>, <hi rend="italic">Bekenntnis im Werden. Neue Quellen zur Entstehung der Barmer Erklärung</hi>, Neukirchen-Vluyn 1979</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-3283">C. Nicolaisen, <hi rend="italic">Der Weg nach Barmen. Die Entstehungsgeschichte der Theologischen Erklärung von 1934</hi>, Neukirchen-Vluyn 1985</bibl>. Zur Rezeption vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4935">M. Heimbucher / R. Weth (Hrsg.), <hi rend="italic">Die Barmer Theologische Erklärung. Einführung und Dokumentation</hi>, Neukirchen-Vluyn 2009<hi rend="sup">7</hi>, S. 94–117.</bibl> – Für die folgende Darstellung orientierten sich die Herausgeber dankbar an der überaus detaillierten und nach wie vor unübertroffenen Studie von Carsten Nicolaisen, in der er neben zahlreichen weiteren Quellen auch die im KBA vorhandenen Dokumente weitestgehend ausgewertet und frühere Darstellungen dort, wo es nötig war, nachvollziehbar korrigiert hat. </note></p>
			<div type="abstract">
			<p><pb xml:id="p265" ed="pga" rend="noPipe"/> <hi rend="italic">Die Initiative zur Einberufung einer reichsweiten Bekenntnissynode ging vom «Bruderrat der Bekenntnisgemeinschaft der <term type="sachen" key="Bekennende Kirche, Bruderrat">DEK»</term> aus, der als «Nürnberger <term type="sachen" key="Bekennende Kirche, «Nürnberger Ausschuss»">Ausschuss»</term> am
				<date when="1934-04-11">11. April 1934</date> bei einer Zusammenkunft der süddeutschen Bischöfe mit Vertretern der Leitungen der norddeutschen <term type="sachen" key="Bekenntnissynode">Bekenntnissynoden</term> ins Leben gerufen worden war. Auf diesen Ausschuss ging bereits die von <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> noch skeptisch beurteilte «Ulmer Erklärung» vom <date when="1934-04-22">22. April</date> zurück, mit der man gemeinsam gegen die deutsch-christliche <term type="sachen" key="Deutsche Evangelische Kirche, Kirchenregierung">Reichskirchenregierung</term> und ihr Vorgehen gegen Bischof <persName ref="kbga-actors-434">Theophil Wurm</persName> und die württembergische Kirchenleitung protestiert hatte.</hi><note xml:id="n02">Vgl. oben, <ref type="pub" target="../volume/52/p250#p250">S. 250</ref>. Noch am <date when="1934-05-02">2. Mai</date> äußerte sich <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> in einem Brief an <persName ref="kbga-actors-12">H. Asmussen</persName> (<ref type="kba-objects-id" target="23756">KBA 9234.143</ref>) in einem sehr ironischen Ton darüber. Zwar hob er hervor: «Die Sache mit der ‹rechtmäßigen evangelischen Kirche› war sehr schön» (vgl. dazu <ref type="pub" target="../volume/52/p250#fn_n26">a.a.O., Anm. 26</ref>), meinte aber auch: «Vielleicht gelingt es […] die bayrische <persName ref="kbga-actors-271">Meise</persName> und das württembergische <persName ref="kbga-actors-434">Würmlein</persName> noch zu allerhand Taten zu begeistern, aber irgendetwas Solides und eigentlich Bedeutungsvolles erwarte ich von den sämtlichen Leuten dieses Kalibers nicht mehr. Und meine Unterschrift mit ihnen unter irgend ein Dokument zu setzen, würde ich schwerste Bedenken tragen.» <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> verbliebene Skepsis gründete u. a. sicher darin, dass man ihm zugetragen hatte, Bischof <persName ref="kbga-actors-271">Hans Meiser</persName> habe nur kurze Zeit später erklärt, «das Wort von der wahren, legitimen Kirche sei ‹nur innerlich› zu verstehen» (Brief <persName ref="kbga-actors-223">Ch. von Kirschbaums</persName> an <persName ref="kbga-actors-24">M. Barth</persName> vom
					<date when="1934-05-05">5.5.1934</date> [<ref type="kba-objects-id" target="23779">KBA 9234.149</ref>]). </note></p> <p><hi rend="italic">Die konkreten Vorbereitungen für die Synode begannen auf der zweiten Sitzung des Nürnberger <term type="sachen" key="Bekennende Kirche, «Nürnberger Ausschuss»">Ausschusses</term> am
<date when="1934-05-02">2. Mai 1934</date> in <term type="sachen" key="Berlin">Berlin</term>. Dort beschloss man die Einsetzung mehrerer Unter-Ausschüsse zur Erarbeitung von Beschlussvorlagen, um die Arbeit der Synode selbst zu erleichtern und zu entlasten. Neben Erklärungen zur Rechtslage und zur praktischen Arbeit der Bekenntnissynode sollte vor allem eine theologische Erklärung vorbereitet werden. In den Ausschuss zur Erarbeitung einer Vorlage für diese Erklärung berief man zunächst <persName ref="kbga-actors-12">Hans Asmussen</persName></hi><note xml:id="n03"><persName ref="kbga-actors-12">Hans <term type="namen" key="Asmussen, Hans"><persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName></term></persName> (1898–1968), seit 1932 Pfarrer in <placeName ref="kbga-places-1538">Altona</placeName>, Mitverfasser des «Altonaer Bekenntnisses», 1933 zeitweilig suspendiert, 1934 zur Ruhe gesetzt. </note><hi rend="italic">, den Münchener Oberkirchenrat <pb xml:id="p266" ed="pga"/> <persName ref="kbga-actors-1494">Thomas Breit</persName></hi><note xml:id="n04"><persName ref="kbga-actors-1494">Thomas Breit</persName> (1880–1966), seit 1925 Dekan in Hof, seit 1933 Oberkirchenrat im Landeskirchenrat <placeName ref="kbga-places-43">München</placeName>. </note><hi rend="italic"> und <persName ref="kbga-actors-2151">Karl Barth</persName>; am <date when="1934-05-07">7. Mai</date>, als während einer weiteren Sitzung in <placeName ref="kbga-places-238">Kassel</placeName> auch die Einberufung der <term type="sachen" key="Bekenntnissynode, Barmen, Deutsche Evangelische Kirche">Synode</term> auf die Tage vom <date to="1934-05-31" from="1934-05-29">29. bis zum
31. Mai 1934</date> festgelegt wurde, berief man noch den Erlanger Kirchenhistoriker <persName ref="kbga-actors-352">Hermann Sasse</persName>.</hi><note xml:id="n05"><persName ref="kbga-actors-352">Hermann Sasse</persName> (1895–1976), 1931–1934 Herausgeber des «Kirchlichen Jahrbuchs», seit 1933 ao. Prof. für Kirchen- und Dogmengeschichte sowie Symbolik in <placeName ref="kbga-places-19">Erlangen</placeName>, 1946 dort o. Prof., 1948 Austritt aus der bayrischen Landeskirche wegen ihres Anschlusses an die EKD, Auswanderung nach Australien, dort seit 1949 Prof. in North Adelaide. </note></p>
			<p><hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> nahm seine Berufung, die ihm <persName ref="kbga-actors-708">Wilhelm Niesel</persName> am <date when="1934-05-03">3. Mai</date> im Auftrag des westfälischen Präses <persName ref="kbga-actors-227">Karl Koch</persName></hi><note xml:id="n06"><persName ref="kbga-actors-227">Karl Koch</persName> (1876–1951), seit 1916 Pfarrer in <placeName ref="kbga-places-920">Bad Oeynhausen</placeName>, seit 1927 Superintendent in <placeName ref="kbga-places-661">Vlotho</placeName>, seit 1927 Präses der Provinzialsynode <placeName ref="kbga-places-697">Westfalen</placeName>. </note><hi rend="italic"> mitgeteilt hatte, umgehend an, bat <persName ref="kbga-actors-227">Koch</persName> aber darum, ihm in seinen «eigenen Worten noch einmal zu sagen», wie er sich die «Direktiven zu dieser Arbeit» denke.</hi><note xml:id="n07">Brief <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> an <persName ref="kbga-actors-227">Koch</persName> vom
				<date when="1934-05-03">3.5.1934</date> (<ref type="kba-objects-id" target="23767">KBA 9234.145</ref>; Abdruck: <bibl corresp="kbga-bibls-3283">Nicolaisen [<ref type="pub" target="#fn_n01">Anm. 1</ref>], S. 64</bibl>). Nach <persName ref="kbga-actors-223">Ch. von Kirschbaums</persName> Taschenkalender war <persName ref="kbga-actors-708">Niesel</persName> am selben Tag bei <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>. </note><hi rend="italic"> <persName ref="kbga-actors-227">Koch</persName> antwortete am <date when="1934-05-08">8. Mai</date>, es gehe «um die Herausstellung der gemeinsamen Anliegen der Bekenntnisse gegenüber den <orgName ref="kbga-actors-8309">Deutschen Christen</orgName>, ihrer Lehre und ihren Methoden». Im Einzelnen nannte er fünf Punkte: «1.) unsere Auffassung vom kirchlichen Amt und vom Recht dieses Amtes, 2.) unsere Stellung zum <term type="sachen" key="Führer / Führertum, in der Kirche">Führerprinzip</term> in der Kirche, 3.) unsere Auffassung über das Verhältnis von <term type="sachen" key="Kirche, Verfassung">Verfassung</term> und bekenntnismäßiger <term type="sachen" key="Kirche, Gestalt">Gestalt</term> der Kirche, 4.) unsere Auffassung darüber, wie weit, vom <term type="sachen" key="Bekenntnis">Bekenntnis</term> aus gesehen, die rechtliche Vereinheitlichung der Kirche gehen kann. 5.) Welches Bild von der Deutschen Evangelischen <term type="sachen" key="Deutsche Evangelische Kirche">Kirche</term> schwebt uns vor?»</hi><note xml:id="n08">Brief <persName ref="kbga-actors-227">Kochs</persName> an <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> vom
	<date when="1934-05-08">8.5.1934</date> (<ref type="kba-objects-id" target="23810">KBA 16397</ref>; Abdruck: <bibl corresp="kbga-bibls-3283">Nicolaisen [<ref type="pub" target="#fn_n01">Anm. 1</ref>], S. 72</bibl>). </note><hi rend="italic"> Zugleich schlug <persName ref="kbga-actors-227">Koch</persName> den Termin und den Ort für das erste Treffen des «Theologenausschusses» vor: «Dienstag, den 15. und Mittwoch, den <date when="1934-05-16">16. Mai</date> in <placeName ref="kbga-places-20">Frankfurt a. M.</placeName> im Hospiz Basler Hof».</hi><note xml:id="n09">Ebd. (i. Orig. hervorgehoben). Die an gleicher Stelle als Beginn der Arbeit angegebene Uhrzeit: «
<date>15. Mai</date> 9 Uhr vormittags» wurde wenige Tage später auf 11 Uhr verschoben (vgl. Brief <persName ref="kbga-actors-227">Kochs</persName> an <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName>, <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>, <persName ref="kbga-actors-1494">Breit</persName> und <persName ref="kbga-actors-352">Sasse</persName> vom
	<date when="1934-05-12">12.5.1934</date> [<ref type="kba-objects-id" target="23871">KBA 16402</ref>]). </note><hi rend="italic"> Schließlich erwähnte er noch, dass man <pb xml:id="p267" ed="pga"/> übereingekommen sei, auch <persName ref="kbga-actors-352">Hermann Sasse</persName> hinzuzuziehen, verschwieg aber, dass es der bayrische Bischof <persName ref="kbga-actors-271">Hans Meiser</persName> war, der darauf gedrängt hatte.</hi><note xml:id="n10">Vgl. Brief <persName ref="kbga-actors-227">Kochs</persName> an <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> vom
<date when="1934-05-08">8.5.1934</date> (<ref type="pub" target="#fn_n08">Anm. 8</ref>); Protokoll der Sitzung des «Nürnberger <term type="sachen" key="Bekennende Kirche, «Nürnberger Ausschuss»">Ausschusses»</term> vom
<date when="1934-05-07">7. Mai 1934</date> (Abdruck: <bibl corresp="kbga-bibls-3283">Nicolaisen [<ref type="pub" target="#fn_n01">Anm. 1</ref>], S. 65–68, dort S. 67</bibl>); weitere Mitschriften der Sitzung finden sich <bibl corresp="kbga-bibls-3283">a.a.O., S. 68–71</bibl>, und in: <bibl corresp="kbga-bibls-3115">Verantwortung I, S. 274–277.</bibl> – <persName ref="kbga-actors-271">Meisers</persName> Drängen auf die Hinzuziehung <persName ref="kbga-actors-352">Sasses</persName> muss nach den erhaltenen Quellen im Zusammenhang mit seinen eigenen Bedenken gegen die seiner Meinung nach vorschnelle «Herausgabe eines gemeinsamen Bekenntnisses» gesehen werden, mit dem «die Hand zu einer nicht gewollten Union» geboten werde (Nicolaisen; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3115">Verantwortung I, S. 277, Anm. 14</bibl></note></p>
			<p><hi rend="italic">Um am Treffen in <placeName ref="kbga-places-20">Frankfurt</placeName> teilnehmen zu können, setzte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> sich – wie zwei Wochen später für die Teilnahme an der <term type="sachen" key="Bekenntnissynode, Barmen, Deutsche Evangelische Kirche">Synode</term> in <placeName ref="kbga-places-162">Barmen</placeName> – über das Ende <date when="1934-04">April 1934</date> gegen ihn verhängte Reiseverbot hinweg und teilte dies den zuständigen Stellen auch mit.</hi><note xml:id="n11">Grund für das am <date when="1934-04-30">30.4.</date> gegen <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> verhängte Reiseverbot war unter anderem, dass einerseits ein Rundbrief, in dem <persName ref="kbga-actors-1716">Erica Küppers</persName> im <date when="1933-10">Oktober 1933</date> Äußerungen <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> im Kreis der <term type="sachen" key="Pfarrernotbund">Notbundpfarrer</term> in <placeName ref="kbga-places-8">Berlin</placeName> wiedergegeben hatte (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-26">V.u.kl.A. 1930–1933, <ref type="pub" target="../volume/49/p519#p519">S. 519–522</ref></bibl>), an die Öffentlichkeit gelangt war und andererseits inzwischen der Bericht <persName ref="kbga-actors-7205">Charles Macfarlands</persName> über sein Gespräch mit <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> am gleichen Tag erschienen war (<bibl corresp="kbga-bibls-4924"><persName ref="kbga-actors-7205">Ch. S. Macfarland</persName>, <hi rend="italic">The New Church and the New Germany. A Study of Church and State</hi>, New York 1934, S. 132f.</bibl> [Nachdruck in: <bibl corresp="kbga-bibls-6149"><hi rend="italic">Reformationstag 1933. Dokumente der Begegnung Karl Barths mit dem Pfarrernotbund in Berlin</hi>, hrsg. und eingeleitet von E. Busch, Zürich 1998, S. 61–63</bibl>]; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-26">V.u.kl.A. 1930–1933, <ref type="pub" target="../volume/49/p519#fn_n16">S. 519, Anm. 16</ref></bibl>; ein Abdruck des Protokolls der Vernehmung <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> findet sich in: <bibl corresp="kbga-bibls-106">Prolingheuer, S. 243–245</bibl>). In einem Brief an den Ministerialrat im Preußischen Kultusministerium, <persName ref="kbga-actors-7402">Karl Schnöring</persName> (1886–1966; im Amt seit
<date when="1933-06-10">10.6.1933</date>, 1934 zum Generalstaatsanwalt in <placeName ref="kbga-places-129">Düsseldorf</placeName> berufen), teilte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> am
				<date when="1934-05-09">9. Mai 1934</date> seine Absicht mit, am 15. nach <placeName ref="kbga-places-20">Frankfurt</placeName> zu reisen (vgl. <ref type="kba-objects-id" target="23821">KBA 9234.155</ref>). Er wurde daraufhin am 12.5. an den Universitätskurator als zuständigen Beamten verwiesen (vgl. <ref type="kba-objects-id" target="23873">KBA 9334.554</ref>), von dem er – unter der Auflage, sich von Fall zu Fall erneut an ihn zu wenden – die Genehmigung zu beiden Reisen erhielt. In einem Schreiben an Kultusminister <persName ref="kbga-actors-347">Rust</persName> vom <date when="1934-05-25">23.5.</date> protestierte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> gegen dieses Verfahren und verlangte seine Befreiung von diesen Auflagen (<ref type="kba-objects-id" target="23944">KBA 9234.175</ref>; Abdruck: <bibl corresp="kbga-bibls-106">Prolingheuer, S. 246</bibl>). In einem persönlichen Gespräch mit <persName ref="kbga-actors-7124">Paul Klingelhöfer</persName> (1887–1951; im Amt seit Sommer 1933, ab 1935 Ministerialrat im Reichsministerium für Erziehung, Wissenschaft und Volksbildung), der als Stellvertreter seines beurlaubten Vorgängers das Amt des Universitätskurators versah, erhielt <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> am <date when="1934-05-28">28.5.</date> nicht die Erlaubnis nach <term type="sachen" key="Barmen (Wuppertal)"><placeName ref="kbga-places-162">Barmen</placeName></term> zu reisen; er kündigte deshalb seine Abreise dorthin vorsichtshalber in einem Brief an, der auf den <date when="1934-05-30">30.5.</date> datiert war, an dem <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> längst in <placeName ref="kbga-places-162">Barmen</placeName> war (<ref type="kba-objects-id" target="24001">KBA 9234.191</ref>). Vgl. zum Ganzen <bibl corresp="kbga-bibls-106">Prolingheuer, S. 17–20.</bibl> </note><hi rend="italic"> Nachdem er am <pb xml:id="p268" ed="pga"/> Wochenende noch die Thesen für die Bonner <term type="sachen" key="Bonn, Bekenntnisgemeinschaft">Bekenntnisgemeinschaft</term> geschrieben hatte, die zum Teil bereits große Ähnlichkeit mit den ersten vier der späteren Barmer Thesen aufwiesen,</hi><note xml:id="n12">Vgl. oben, <ref type="pub" target="../volume/52/p252#p252">S. 252-258</ref>.</note><hi rend="italic"> reiste er am Morgen des <date when="1934-05-15">15. Mai</date> mit der Bahn nach <placeName ref="kbga-places-20">Frankfurt</placeName> und kehrte am Abend des darauffolgenden Tages zurück.</hi><note xml:id="n13">Einträge im Taschenkalender <persName ref="kbga-actors-223">Ch. von Kirschbaums</persName>; vgl. auch Brief <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> an <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> vom
					<date when="1934-05-20">20.5.1934</date> (<ref type="kba-objects-id" target="23927">KBA 9270.623</ref>; <bibl corresp="kbga-bibls-6">Bw.Th. III, <ref type="pub" target="../volume/34/p642#p642">S. 642</ref></bibl>); <bibl corresp="kbga-bibls-3284"><persName ref="kbga-actors-19">Chr. Barth</persName> (<ref type="pub" target="#fn_n01">Anm. 1</ref>), S. 9, Anm. 8.</bibl> Die – viel später – von <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> verbreitete Version, das Treffen in <placeName ref="kbga-places-20">Frankfurt</placeName> habe an nur einem Tag stattgefunden (so auch <bibl corresp="kbga-bibls-134">Busch, S. 258</bibl>), beruhte auf einem Irrtum. </note><hi rend="italic"> Über die gemeinsame Arbeit dort mit <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName> und <persName ref="kbga-actors-1494">Breit</persName> – <persName ref="kbga-actors-352">Sasse</persName> musste seine Teilnahme wegen einer Erkrankung kurzfristig absagen – schrieb <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> wenige Tage später an <persName ref="kbga-actors-403">Eduard Thurneysen</persName>: «Ich war vergangene Woche zwei Tage in <placeName ref="kbga-places-20">Frankfurt</placeName>, wo ich in einem Zimmer des Basler Hofs mit <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName> und dem Oberkirchenrat <persName ref="kbga-actors-1494">Breit</persName> aus <placeName ref="kbga-places-43">München</placeName> Tag und Nacht gearbeitet habe – an was? Ja, an nichts weniger als an einem lutherisch-reformiert-unierten kleinen <term type="sachen" key="Bekenntnis">Bekenntnis</term>, das nun demnächst, wenn nichts dazwischen kommt, aus größtem Geschütz abgeschossen werden soll. Dieser <persName ref="kbga-actors-1494">Breit</persName> erwies sich als ein unerwartet ordentlicher Mann, und da das Zusammenwirken mit <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName> denkbar gut war, ging das Ganze wirklich erfreulich schön.»</hi><note xml:id="n14">Brief an <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> vom
<date when="1934-05-20">20.5.1934</date> (<ref type="pub" target="#fn_n13">Anm. 13</ref>; <bibl corresp="kbga-bibls-6">Bw.Th. III, <ref type="pub" target="../volume/34/p642#p642">S. 642f.</ref></bibl>). Vgl. auch die auf die Entstehung der «Konkordie» bezogene Äußerung <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> in einem Brief an <persName ref="kbga-actors-227">Karl Koch</persName> vom
						<date when="1934-05-18">18.5.1934</date> (<ref type="kba-objects-id" target="23905">KBA 9234.163</ref>): «Unser Zusammensein und Zusammenwirken ist denkbar gut gewesen.» In <persName ref="kbga-actors-223">Ch. von Kirschbaums</persName> Taschenkalender findet sich unter dem
						<date when="1934-05-16">16.5.1934</date> die Notiz: «in <placeName ref="kbga-places-20">Frankfurt</placeName> <hi rend="italic">gute</hi> Zusammenarbeit mit <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName> und <persName ref="kbga-actors-1494">Thomas Breit</persName> (Hof) – <persName ref="kbga-actors-352">Sasse</persName> krank – Bekenntnis sehr einmütig formuliert». </note></p> <p><hi rend="italic">Da von der Frankfurter Tagung kein Protokoll existiert, können über ihren Verlauf keine wirklich genauen Angaben gemacht werden. Ein erster Vorschlag <persName ref="kbga-actors-12">Asmussens</persName>, das von ihm wesentlich mitformulierte Altonaer <term type="sachen" key="Altonaer Bekenntnis">Bekenntnis</term> zur Grundlage der Beratungen zu machen, wurde nicht umgesetzt. Stattdessen orientierte man sich an den The<pb xml:id="p269" ed="pga" break="no"/>men, die <persName ref="kbga-actors-227">Karl <term type="namen" key="Koch, Karl"><persName ref="kbga-actors-227">Koch</persName></term></persName> in seinem Schreiben an <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> aufgeführt hatte.</hi><note xml:id="n15">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3283">Nicolaisen (<ref type="pub" target="#fn_n01">Anm. 1</ref>), S. 29; die a.a.O., S. 74–76</bibl>, wiedergegebene Mitschrift <persName ref="kbga-actors-12">Asmussens</persName> bezieht sich nur auf den Beginn der Besprechungen am <date when="1934-05-15">15. Mai</date> und bricht vor der Beratung über die konkreten Thesen ab. </note><hi rend="italic"> Im Karl Barth-Archiv existiert ein Notizzettel</hi><note xml:id="n16">Der <bibl corresp="kbga-bibls-3283">a.a.O., S. 76f.</bibl>, abgedruckte und von C. Nicolaisen irrtümlich ebenfalls den Vorarbeiten zur «Barmer Theologischen <term type="sachen" key="Barmer Theologische Erklärung">Erklärung»</term> zugeordnete weitere Notizzettel <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> ist vorzudatieren auf Ende Dezember 1933 / Anfang Januar 1934 und als Vorarbeit zur <hi rend="italic"><bibl corresp="kbga-bibls-486">Erklärung über das rechte Verständnis der reformatorischen Bekenntnisse in der Deutschen Evangelischen Kirche der Gegenwart</bibl></hi> zu betrachten (vgl. oben, <ref type="pub" target="../volume/52/p065#fn_n04">S. 65f., Anm. 4</ref>). </note><hi rend="italic"> <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName>, der diesen Verhandlungen entstammen muss: Die längeren Notizen darauf lassen sich bereits der Präambel, den Thesen – insbesondere den Thesen V und VI – und dem Nachsatz der späteren Erklärung eindeutig zuordnen.</hi><note xml:id="n17"><ref type="kba-objects-id" target="1013">KBA 10581</ref>; Abdruck und nähere Angaben: unten, <ref type="pub" target="../volume/52/p280#p280">S. 280-282</ref>. </note></p> <p><hi rend="italic">In der Mittagspause des ersten Tages der Verhandlungen</hi><note xml:id="n18">Die bei <bibl corresp="kbga-bibls-3284"><persName ref="kbga-actors-19">Chr. Barth</persName> (<ref type="pub" target="#fn_n01">Anm. 1</ref>), S. 20f.</bibl>, vertretene These, die «Urschrift» könne erst in der Mittagspause des <date when="1934-05-16">16.5.</date> niedergeschrieben worden sein, wird von <bibl corresp="kbga-bibls-3283">Nicolaisen (<ref type="pub" target="#fn_n01">Anm. 1</ref>), S. 27–32</bibl>, mit überzeugenden Argumenten widerlegt. </note><hi rend="italic"> schrieb <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> das Manuskript des ersten zusammenhängenden Textentwurfs nieder; es handelt sich um die von <persName ref="kbga-actors-223">Charlotte von Kirschbaum</persName> später so bezeichnete, noch nur fünf Thesen enthaltende «Urschrift» der Barmer <term type="sachen" key="Barmer Theologische Erklärung">Erklärung</term>, in der <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> das Ergebnis der bis dahin geführten Verhandlungen festhielt und redigierte.</hi><note xml:id="n19"><ref type="kba-objects-id" target="89">KBA 10071</ref>; Abdruck und nähere Angaben: s. unten, <ref type="pub" target="../volume/52/p283#p283">S. 283-292</ref>. </note><hi rend="italic"> Dass er sich dabei, wie von <persName ref="kbga-actors-19">Christoph Barth</persName> vermutet, auch an den von ihm kurz zuvor formulierten Thesen für die Bonner <term type="sachen" key="Bonn, Bekenntnisgemeinschaft">Bekenntnisgemeinschaft</term> orientierte,</hi><note xml:id="n20">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3284"><persName ref="kbga-actors-19">Chr. Barth</persName> (<ref type="pub" target="#fn_n01">Anm. 1</ref>), S. 44–50</bibl>;<bibl corresp="kbga-bibls-3283"> Nicolaisen (<ref type="pub" target="#fn_n01">Anm. 1</ref>), S. 30f.</bibl>; s. auch oben, <ref type="pub" target="../volume/52/p254#p254">S. 254f.</ref> </note><hi rend="italic"> ist aufgrund von deren teils großer Ähnlichkeit zu den späteren Thesen I–IV anzunehmen. Dafür spricht auch, dass es zu eben diesen vier Thesen mit Ausnahme einer umfangreicheren Ergänzung zu These II keine weiteren Hinweise <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> auf dem erhaltenen Notizzettel gibt. Jedenfalls diente diese von <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> angefertigte «Urschrift» der Thesen I–V in einer von <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName> angefertigten maschinenschriftlichen Version als Grundlage für die weiteren Beratungen in <placeName ref="kbga-places-20">Frankfurt</placeName>, deren Ergebnis ein nun alle sechs Thesen enthaltendes, ebenfalls von <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName> geschriebenes, sechsseitiges Typoskript war, die sogenannte <pb xml:id="p270" ed="pga"/> «Frankfurter Konkordie».</hi><note xml:id="n21"><ref type="kba-objects-id" target="1186">KBA 10586</ref>; Abdruck und nähere Angaben: unten, <ref type="pub" target="../volume/52/p283#p283">S. 283-292</ref>. Ebenfalls im KBA erhalten ist das <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName>-Typoskript der «Urschrift» mit zahlreichen Korrekturen in <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Handschrift (<ref type="kba-objects-id" target="90">KBA 10072</ref>). </note><hi rend="italic"> Aufgrund der zahlreichen Abweichungen dieser «Konkordie» von der «Urschrift» und der auch durch <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> berichteten Intensität der Verhandlungen muss das Resultat eindeutig als ein gemeinschaftlich erarbeiteter Text angesehen werden,</hi><note xml:id="n22">So auch <bibl corresp="kbga-bibls-3283">Nicolaisen (<ref type="pub" target="#fn_n01">Anm. 1</ref>), S. 34–36</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-3284"><persName ref="kbga-actors-19">Chr. Barth</persName> (<ref type="pub" target="#fn_n01">Anm. 1</ref>), bes. S. 20–22.</bibl> Vgl. auch oben, <ref type="pub" target="#fn_n14">Anm. 14</ref>, die zeitnahen Aussagen <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName>. </note><hi rend="italic"> auch wenn in der schließlich beschlossenen Thesenreihe, wie <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> nur Tage später an <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> schrieb, «nur </hi>ein<hi rend="italic"> Satz» nicht von ihm redigiert wurde.</hi><note xml:id="n23">Brief an <persName ref="kbga-actors-403">Thurneysen</persName> vom
<date when="1934-05-20">20.5.1934</date> (<ref type="pub" target="#fn_n13">Anm. 13</ref>; <bibl corresp="kbga-bibls-6">Bw.Th. III, <ref type="pub" target="../volume/34/p643#p643">S. 643</ref></bibl>). Es handelt sich um den zweiten Teil der zweiten These; vgl. <ref type="pub" target="../volume/34/p643#fn_n16">a.a.O., Anm. 16.</ref> </note><hi rend="italic"> Nachdem man sich untereinander noch darauf verständigt hatte, dass <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName> das Einbringungsreferat auf der <term type="sachen" key="Bekenntnissynode, Barmen, Deutsche Evangelische Kirche">Synode</term> halten solle,</hi><note xml:id="n24">Vgl. <persName ref="kbga-actors-12">Asmussens</persName> Mitteilung in seinem Brief an <persName ref="kbga-actors-227">Karl Koch</persName> vom
<date when="1934-05-17">17.5.1934</date> (Abdruck: <bibl corresp="kbga-bibls-3283">Nicolaisen [<ref type="pub" target="#fn_n01">Anm. 1</ref>], S. 80f., dort S. 80</bibl>): «Ich habe Ihnen jetzt im Auftrage der beiden Herren zu sagen, daß ich beauftragt wurde, das Referat zu diesen Sätzen zu übernehmen und darum auch die Sätze vorzutragen.» </note><hi rend="italic"> gingen <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName>, <persName ref="kbga-actors-1494">Breit</persName> und <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> allem Anschein nach davon aus, mit ihrer noch in <placeName ref="kbga-places-20">Frankfurt</placeName> geleisteten Unterschrift unter die Thesen sei die eigentliche Arbeit beendet und der Entwurf werde der <term type="sachen" key="Bekenntnissynode, Barmen, Deutsche Evangelische Kirche">Synode</term> unverändert vorgelegt.</hi><note xml:id="n25">So auch die Einschätzung von <bibl corresp="kbga-bibls-3283">Nicolaisen, a.a.O., S. 36</bibl>, die sich u. a. auf <persName ref="kbga-actors-12">Asmussens</persName> Brief an <persName ref="kbga-actors-227">Koch</persName> vom <date when="1934-05-17">17.5.</date> stützt, in dem <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName> lediglich darum bat, ein fehlendes Datum zu ergänzen und die Sätze vor der Drucklegung noch einmal Korrektur lesen zu dürfen (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3283">a.a.O., S. 81</bibl>). </note></p>
			<p><hi rend="italic">Jedoch wurde der Text der «Konkordie» schnell zum Gegenstand scharfer, konfessionell bestimmter Kritik: <persName ref="kbga-actors-352">Hermann <term type="namen" key="Sasse, Hermann"><persName ref="kbga-actors-352">Sasse</persName></term></persName> und <persName ref="kbga-actors-4">Paul Althaus</persName> intervenierten bei <persName ref="kbga-actors-271">Hans Meiser</persName>. <persName ref="kbga-actors-352">Sasse</persName>, weil die Erklärung ihm «viel zu unionistisch» war und die kommende Synode seiner Auffassung nach keinesfalls daran gehen dürfe, «Barthsche Unionsformeln [zu] schmieden».</hi><note xml:id="n26">Brief <persName ref="kbga-actors-352">Sasses</persName> an <persName ref="kbga-actors-271">Meiser</persName> vom
<date when="1934-05-21">21.5.1934</date> (Abdruck: <bibl corresp="kbga-bibls-3283">a.a.O., S. 83–85, dort S. 83. 84</bibl>). </note><hi rend="italic"> Althaus formulierte seine Kritik viel schärfer und persönlicher gegen <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Einfluss auf diese <term type="sachen" key="Barmer Theologische Erklärung">Erklärung</term> gerichtet: «Der <term type="sachen" key="Staat">Staat</term> kommt vor, das <term type="sachen" key="Volk / Volkstum">Volk</term> nicht. Echt <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>! […] der Staatsbegriff, der hier vorliegt, ist der des liberalen <term type="sachen" key="Staat, Rechtsstaat">Rechtsstaates</term>, wie in allen Schrif<pb xml:id="p271" ed="pga" break="no"/>ten <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName>. […] Denn über die Irrlehren der D[eutschen] C[hristen] kann man vielleicht mit <persName ref="kbga-actors-1953">Otto Weber</persName></hi><note xml:id="n27"><persName ref="kbga-actors-1953">Otto Weber</persName> (1902–1966), seit 1928 Dozent, seit 1930 Direktor der Theologischen Schule <placeName ref="kbga-places-197">Elberfeld</placeName>, 1933 zeitweise Mitglied der <orgName ref="kbga-actors-8309">Deutschen Christen</orgName>, 1933/34 Reformiertes Mitglied des Geistlichen Ministeriums der DEK. </note><hi rend="italic"> oder <persName ref="kbga-actors-737">de Quervain</persName></hi><note xml:id="n28"><persName ref="kbga-actors-737">Alfred de Quervain</persName> (1896–1968), seit 1930 Privatdozent in <placeName ref="kbga-places-5">Basel</placeName>, seit 1931 Pfarrer der Niederländisch-reformierten Gemeinde <placeName ref="kbga-places-197">Elberfeld</placeName>. </note><hi rend="italic">, niemals aber mit <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> eine gemeinsame Erklärung machen, ohne das <term type="sachen" key="Lutheraner / Luthertum">Luthertum</term> zu verraten.» Althaus warnte schließlich vor einer «Selbstpreisgabe» des Luthertums «an Bonn» und urteilte: «Ich mag mir gar nicht ausmalen, was es bedeuten würde, wenn diese erbärmliche Kreatur von Thesen das Licht der kirchlichen Welt erblicken würde.»</hi><note xml:id="n29">Brief <persName ref="kbga-actors-4">Althaus’</persName> an <persName ref="kbga-actors-271">Meiser</persName> vom
<date when="1934-05-21">21.5.1934</date> (Abdruck: <bibl corresp="kbga-bibls-3283">Nicolaisen [<ref type="pub" target="#fn_n01">Anm. 1</ref>], S. 86–88, dort S. 87f.</bibl>). </note></p>
			<p><hi rend="italic">Aber auch der «Nürnberger <term type="sachen" key="Bekennende Kirche, «Nürnberger Ausschuss»">Ausschuss»</term> als eigentlicher ‹Auftraggeber› der Erklärung sah sich veranlasst, auf seiner nächsten Sitzung am
				<date when="1934-05-22">22. Mai 1934</date> in <placeName ref="kbga-places-39">Leipzig</placeName> noch einen Redaktionsausschuss zur Überarbeitung der Erklärung zu bilden, dem unter anderen <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName> und <persName ref="kbga-actors-271">Hans Meiser</persName> angehörten. Dieser Redaktionsausschuss hatte seine Arbeit schon aufgenommen, als die Briefe <persName ref="kbga-actors-352">Sasses</persName> und <persName ref="kbga-actors-4">Althaus’</persName> an <persName ref="kbga-actors-271">Meiser</persName> eintrafen und dieser daraufhin seine weitere Mitarbeit als unmöglich erachtete. Das ganze Vorhaben schien nun gefährdet, denn einerseits kam es in <placeName ref="kbga-places-39">Leipzig</placeName> nicht mehr zu einem Beschluss über die redaktionellen Abänderungen der Erklärung</hi><note xml:id="n30">Ein Abdruck des Ergebnisses dieser redaktionellen Überarbeitung findet sich <bibl corresp="kbga-bibls-3283">a.a.O., S. 162–190</bibl> (Text III). </note><hi rend="italic"> und andererseits vergab Hans <persName ref="kbga-actors-271">Meiser</persName> gleich dreifach den Auftrag, einen neuen Entwurf für eine theologische Erklärung zu erstellen,</hi><note xml:id="n31">Die Entwürfe sind abgedruckt bei <bibl corresp="kbga-bibls-3283">Nicolaisen (<ref type="pub" target="#fn_n01">Anm. 1</ref>), S. 162–191</bibl> (Texte IV, V und VI); vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3283">a.a.O., S. 41.</bibl> </note><hi rend="italic"> und zwar erneut an <persName ref="kbga-actors-12">Hans Asmusse</persName>n und <persName ref="kbga-actors-1494">Thomas Breit</persName> sowie zusätzlich an <persName ref="kbga-actors-3558">Christian Stoll</persName></hi><note xml:id="n32"><persName ref="kbga-actors-3558">Christian Stoll</persName> (1903–1946), 1932 Pfarrer in der Diakonissenanstalt <placeName ref="kbga-places-275">Neuendettelsau</placeName>, seit 1933 theologischer Hilfsreferent im Landeskirchenrat <placeName ref="kbga-places-43">München</placeName>. </note><hi rend="italic">.</hi></p> <p><hi rend="italic">Diese drei Entwürfe spielten dann aber doch keine oder jedenfalls keine wesentliche Rolle mehr; selbst der von <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName> unter Hinzuziehung <persName ref="kbga-actors-352">Hermann Sasses</persName> am <date when="1934-05-24">24. Mai</date> ausgearbeitete neue Entwurf, mit dem <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName> am <date when="1934-05-26">26. Mai</date> nach <placeName ref="kbga-places-10">Bonn</placeName> kam, um ihn mit <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> zu <pb xml:id="p272" ed="pga"/> besprechen, war danach kein Thema mehr.</hi><note xml:id="n33">Laut Taschenkalender <persName ref="kbga-actors-223">Ch. von Kirschbaums</persName> traf <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName> am Nachmittag des <date when="1934-05-26">26.5.</date> ein und bestätigte <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Befürchtung einer beabsichtigten «Verwässerung» (so <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> in einem Brief an <persName ref="kbga-actors-1044">H. A. Hesse</persName>, den er unmittelbar nach der telegraphischen Ankündigung des Besuchs <persName ref="kbga-actors-12">Asmussens</persName> am <date when="1934-05-26">26.5.</date> schrieb [<ref type="kba-objects-id" target="23975">KBA 9234.182</ref>]). Trotz der Mühe, die er unmittelbar zuvor selbst darauf verwandt hatte, <persName ref="kbga-actors-352">Hermann Sasse</persName> möglichst mit ins Boot zu holen (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3283">Nicolaisen, a.a.O., S. 41–43</bibl>), scheint auch <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName> die Außerachtlassung des von ihm mit <persName ref="kbga-actors-352">Sasse</persName> erarbeiteten Entwurfs umstandslos gebilligt zu haben. </note><hi rend="italic"> Stattdessen erarbeiteten beide eine leicht veränderte Fassung der «Frankfurter Konkordie», den sogenannten «Bonner Entwurf», in den einige der in <placeName ref="kbga-places-39">Leipzig</placeName> beratenen redaktionellen Änderungen einflossen,</hi><note xml:id="n34">Dass die bei <bibl corresp="kbga-bibls-3283">Nicolaisen, a.a.O., S. 45</bibl>, aus <persName ref="kbga-actors-223">Ch. von Kirschbaums</persName> Taschenkalender zitierte Äußerung, <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> und <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName> seien übereingekommen, «die Erklärung unverändert der Synode» vorzulegen, mit dem «aus den Quellen zu erhebenden Befund nicht zur Deckung zu bringen ist» (ebd.), stimmt daher formal betrachtet. Vergleicht man allerdings die in <placeName ref="kbga-places-10">Bonn</placeName> an diesem Tag erstellte Fassung <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> und <persName ref="kbga-actors-12">Asmussens</persName> (Abdruck: <bibl corresp="kbga-bibls-3283">a.a.O., S. 164–192</bibl> [Text VII]) mit der «Frankfurter Konkordie» einerseits und dem stark davon abweichend formulierten Entwurf <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName>/<persName ref="kbga-actors-352">Sasse</persName> andererseits, erscheint angesichts der so weitgehenden Ähnlichkeit des neuen «Bonner Entwurfs» mit der Konkordie <persName ref="kbga-actors-223">Ch. von Kirschbaums</persName> Eintrag mindestens verständlich. Nicolaisen selbst gibt <bibl corresp="kbga-bibls-3283">a.a.O., S. 46</bibl>, dann ja auch an, dass sowohl <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName> als auch <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> weiterhin von der «Frankfurter Konkordie» sprachen, wenn sie den nun nur noch zur Diskussion stehenden, in <placeName ref="kbga-places-10">Bonn</placeName> entstandenen Text meinten – auch sie hielten die Abänderungen also kaum für gravierend. </note><hi rend="italic"> und kamen überein, die Erklärung auf der <term type="sachen" key="Bekenntnissynode, Barmen, Deutsche Evangelische Kirche">Synode</term> nun ganz anders zu präsentieren, um damit den konfessionellen Bedenken vor allem aus <placeName ref="kbga-places-166">Bayern</placeName> Rechnung zu tragen: Nicht mehr über eine fertige Beschlussvorlage sollte die Synode abstimmen, sondern die Thesen und das Einbringungsreferat <persName ref="kbga-actors-12">Asmussens</persName> sollten verlesen und «von der Synode selbst den zu gründenden Theologenkonventen als Arbeitsgegenstand anbefohlen» werden.</hi><note xml:id="n35">So <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName> in einem Brief, den er am
<date when="1934-05-26">26. Mai 1934</date> unmittelbar nach der Abreise aus <placeName ref="kbga-places-10">Bonn</placeName> noch im Zug an <persName ref="kbga-actors-227">Koch</persName> und <persName ref="kbga-actors-271">Meiser</persName> schrieb (Abdruck: <bibl corresp="kbga-bibls-3283">Nicolaisen [<ref type="pub" target="#fn_n01">Anm. 1</ref>], S. 99f., dort S. 99</bibl>). </note></p>
			<p><hi rend="italic">Sowohl die bis zum Beginn der Synode am <date when="1934-05-29">29. Mai</date> andauernden Auseinandersetzungen über die Art und Weise, wie mit der Erklärung umzugehen sei, als auch der Umstand, dass er bis wenige Tage vor <pb xml:id="p273" ed="pga"/> Beginn der <term type="sachen" key="Bekenntnissynode, Barmen, Deutsche Evangelische Kirche">Synode</term> noch keine Einladung erhalten hatte, ließen in <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> zwischenzeitlich den Gedanken aufkommen, es sei womöglich besser, gar nicht selbst an der Synode teilzunehmen.</hi><note xml:id="n36">So schrieb <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> in einem Brief an <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName> vom
				<date when="1934-05-23">23.5.1934</date> (<ref type="archival">LKA Bielefeld, Best. 501, Nr. 708, Fasc. 1</ref>; Kopie: <ref type="kba-objects-id" target="23943">KBA 9234.176</ref>): «Ich wundere mich, dass von Präses <persName ref="kbga-actors-227">Koch</persName> hinsichtlich des Stattfindens der F[reien] D[eutschen] N[ational-]S[ynode] noch keine Nachricht da ist. Oder werden zur Synode selbst nur Sie als Referent hinzugezogen? Ich würde ohne Weiteres damit einverstanden sein, weil es vielleicht zur Vermeidung von allerhand imponderablen Ressentiments gar nicht übel wäre, wenn ich überhaupt nicht sichtbar in die Erscheinung treten würde.» </note><hi rend="italic"> Mit Datum vom <date when="1934-05-25">25. Mai</date> aber teilte ihm <persName ref="kbga-actors-1044">Hermann A. Hesse</persName> mit, er freue sich darüber, dass <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> nun «als Ältester der rheinischen <term type="sachen" key="Bekenntnissynode, rheinische">Bekenntnissynode</term> nach Barmen eingeladen» werde und somit «vollberechtigtes Mitglied der Synode» sei.</hi><note xml:id="n37"><ref type="kba-objects-id" target="23965">KBA 9334.606</ref>. </note><hi rend="italic"> Die Einladung traf am <date when="1934-05-27">27. Mai</date> in <placeName ref="kbga-places-10">Bonn</placeName> ein,</hi><note xml:id="n38">Notiz im Taschenkalender <persName ref="kbga-actors-223">Ch. von Kirschbaums</persName>. </note><hi rend="italic"> und so reiste <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> am Dienstag, dem <date when="1934-05-29">29. Mai</date>, nach <placeName ref="kbga-places-162">Barmen</placeName>, wo er bei <persName ref="kbga-actors-737">Alfred de Quervain</persName> Quartier nahm.</hi><note xml:id="n39">Schon im Januar zur Reformierten <term type="sachen" key="Bekenntnissynode, Barmen, Freie reformierte">Bekenntnissynode</term> (s. oben, <ref type="pub" target="../volume/52/p003#p003">S. 3-7</ref>) hatte <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> bei de Quervains übernachtet, und so lautete sein noch auf derselben Seite im Gästebuch stehender Eintrag nun: «<hi rend="italic">29.–
					<date when="1934-05-31">31. Mai 1934</date></hi> Schon wieder: <persName ref="kbga-actors-2151">Karl Barth</persName>, <placeName ref="kbga-places-10">Bonn</placeName>» (Kopie: <ref type="kba-objects-id" target="23996">KBA 9234.190</ref>).</note></p>
				<p><hi rend="italic">Die <term type="sachen" key="Bekenntnissynode, Barmen, Deutsche Evangelische Kirche">Bekenntnissynode</term> begann am Abend des <date when="1934-05-29">29. Mai</date> mit einem Gottesdienst in der reformierten Gemarker Kirche; es nahmen 139 geladene Synodale aus nahezu allen evangelischen Kirchen teil, unter ihnen mit der pommerschen Synodalen <persName ref="kbga-actors-9585">Stephanie von Mackensen</persName></hi><note xml:id="n40"><persName ref="kbga-actors-9585">Stephanie von Mackensen</persName> (1894–1985), 1933 auf der Liste der <orgName ref="kbga-actors-8309">Deutschen Christen</orgName> in die Landessynode <term type="sachen" key="Pommern">Pommerns</term> gewählt, wandte sich aufgrund schnell wachsender Zweifel an der Vereinbarkeit von Nationalsozialismus und Christentum der Bekennenden Kirche zu und wurde Mitglied des Bruderrates der Bekennenden Kirche Pommerns und dessen Geschäftsführerin. </note><hi rend="italic"> eine Frau.</hi><note xml:id="n41">Eine Liste aller Synodalen, auf der allerdings Hans <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName> fehlt, der wie auch <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> wohl verspätet eingeladen wurde, und die deshalb nur 138 Namen enthält, ist abgedruckt bei <bibl corresp="kbga-bibls-3282"><persName ref="kbga-actors-299">G. Niemöller</persName> II (<ref type="pub" target="#fn_n01">Anm. 1</ref>), S. 11–15.</bibl></note><hi rend="italic"> Aufgrund der nach wie vor herrschenden Unklarheit schon darüber, welche Version der theologischen <term type="sachen" key="Barmer Theologische Erklärung">Erklärung</term> den Synodalen nun eigentlich vorzulegen sei und in welchem Verfahren die Synode darüber beraten solle, war am Nachmittag zuvor der «Nürn<pb xml:id="p274" ed="pga" break="no"/>berger <term type="sachen" key="Bekennende Kirche, «Nürnberger Ausschuss»">Ausschuss»</term> gemeinsam mit weiteren Synodalen nochmals zusammengetreten, um den Verlauf der Synode festzulegen. Beschlossen wurde zunächst, dass über die theologische Erklärung erst am letzten Tag, also am <date when="1934-05-31">31. Mai</date>, verhandelt werden solle, um Zeit für weitere als notwendig empfundene Vorberatungen zu lassen.</hi><note xml:id="n42">Auf diese Situation wird sich der erste Teil einer Postkarte beziehen, die <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> an diesem Tag an <persName ref="kbga-actors-223">Ch. von Kirschbaum</persName> schrieb (<ref type="kba-objects-id" target="23997">KBA 9272.124</ref>; <bibl corresp="kbga-bibls-1">Bw.Kirschbaum I, <ref type="pub" target="../volume/45/p357#p357">S. 357f.</ref></bibl>): «Der Tag verläuft unter den mannigfaltigsten Vorgesprächen. Im Kreis der altpreußischen Union fand ich eine gute entschlossene Stimmung und Haltung. Dagegen droht nun von Seiten der <term type="sachen" key="Lutheraner / Luthertum">‹Lutheraner›</term> ein großer Ansturm gegen die Frankfurter Erklärung. Und wer steht dabei an der Spitze? <hi rend="italic"><persName ref="kbga-actors-275">Georg Merz</persName>!</hi> Eben bin ich in einer Sitzung, in welcher darüber beraten wird – <persName ref="kbga-actors-271">Meiser</persName> spricht gerade über die <term type="sachen" key="Ordnungen, Schöpfungsordnungen">Schöpfungsordnungen</term> – es sieht Alles sehr trostlos aus, und ich weiß nicht, wie es morgen werden soll – und wie es möglich sein soll, dass ich nicht in der nächsten Viertelstunde in Worte der Verachtung und des Zornes ausbreche.» Vgl. auch <bibl corresp="kbga-bibls-3115">Verantwortung I, S. 279f.</bibl>: <persName ref="kbga-actors-271">Meisers</persName> Bedenken bündelten sich nach seinen Aufzeichnungen in der Frage, ob man sich in der negativen Abgrenzung von den <orgName ref="kbga-actors-8309">Deutschen Christen</orgName> wirklich «so einig» sei, dass man zu einem «freudigen Wort der Gemeinsamkeit kommen» könne; konkret benannte er das Thema «Evangelium und Volk», das «Problem der ‹Schöpfungsordnung›» sowie den Zusammenhang von <term type="sachen" key="Ordnung, kirchliche">Kirchenordnung</term> und Volksordnung und machte in Sonderheit Bedenken gegen den Entwurf der fünften These geltend (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3115">a.a.O., S. 279f., Anm. 3</bibl>). – Die Bekenntnissynode der Evangelischen Kirche der altpreußischen <term type="sachen" key="Bekenntnissynode, Barmen, Altpreußische Union">Union</term> tagte am
<date when="1934-05-29">29. Mai 1934</date> ebenfalls in <placeName ref="kbga-places-162">Barmen</placeName> und vereinigte sich am Abend mit den Synodalen der anderen Landeskirchen zur Eröffnung der Bekenntnissynode der Deutschen Evangelischen Kirche. </note><hi rend="italic"> Nach dem Eröffnungsgottesdienst lud <persName ref="kbga-actors-271">Hans <term type="namen" key="Meiser, Hans"><persName ref="kbga-actors-271">Meiser</persName></term></persName> zu einer weiteren Besprechung mit nur lutherischen Teilnehmern ein,</hi><note xml:id="n43">Mit der Zeitangabe «6 h» versehen fuhr <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> auf der Postkarte an <persName ref="kbga-actors-223">Ch. von Kirschbaum</persName> vom
<date when="1934-05-29">29.5.1934</date> (<ref type="pub" target="#fn_n42">Anm. 42</ref>) fort: «Ich bin nicht ausgebrochen, sondern habe den Lutheranern energisch, aber sanft zugeredet. […] Sie haben nun heute Nacht einen lutherischen Konvent, dessen hoffentlich weise Beschlüsse man nun abwarten muss.» </note><hi rend="italic"> auf der <persName ref="kbga-actors-12">Hans Asmussen</persName> erstmals den Bonner Entwurf verlas. Man entschied, eine weitere, kleinere Gruppe lutherischer Synodaler mit der Entscheidung darüber zu beauftragen, welche Textfassung in welcher Form den Synodalen vorzulegen sei. Die Beratungen in diesem kleineren Kreis zogen sich bis morgens um 4 Uhr hin, und im Ergebnis wurde die Tagesordnung der <term type="sachen" key="Bekenntnissynode, Barmen, Deutsche Evangelische Kirche">Synode</term> erneut geändert: Der unveränderte «Bonner Entwurf» sollte <pb xml:id="p275" ed="pga"/> nun doch bereits am darauffolgenden Vormittag den Synodalen vorgetragen und von <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName> erläutert werden, vor einer allgemeinen Aussprache oder Beschlussfassung der Synode aber sollten daraufhin der reformierte und der lutherische Konvent getrennt über das Gehörte beraten.</hi></p>
			<p><hi rend="italic">So begann die Arbeit der Synode am Vormittag des <date when="1934-05-30">30. Mai</date> schließlich doch, wie ursprünglich vorgesehen, damit, dass Hans <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName> nach einer kurzen Erläuterung des Prozesses, in dem die Thesen entstanden waren, sein Einführungsreferat vortrug, während die Synodalen gleichzeitig die noch in der Nacht eiligst abgetippten und dann vervielfältigten Thesen mitlesen konnten.</hi><note xml:id="n44">Abdruck des Einführungsreferats: <bibl corresp="kbga-bibls-3283">Nicolaisen (<ref type="pub" target="#fn_n01">Anm. 1</ref>), S. 110–139</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-3282"><persName ref="kbga-actors-299">G. Niemöller</persName> II (<ref type="pub" target="#fn_n01">Anm. 1</ref>), S. 49–66.</bibl> Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3283">Nicolaisen, S. 51f.</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-3115">Verantwortung I, S. 280–285.</bibl> </note><hi rend="italic"> Die Begeisterung war groß, selbst lutherische Synodale regten eine sofortige Beschlussfassung an, doch blieb man bei dem in der Nacht zuvor beschlossenen Procedere und teilte sich in die konfessionellen Konvente auf.</hi><note xml:id="n45">Ein unierter Konvent scheint nach den zugänglichen Quellen nicht zustande gekommen zu sein, es könnte aber sein, dass man sich im Kreis der Delegierten der altpreußischen <term type="sachen" key="Bekenntnissynode, Barmen, Altpreußische Union">Bekenntnissynode</term>, die kurz noch einmal zusammengerufen worden waren, auch über die Thesen beriet; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3280">Nicolaisen, a.a.O., S. 53f., Anm. 197</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-3282"><persName ref="kbga-actors-299">G. Niemöller</persName>, a.a.O., S. 71f.</bibl> </note><hi rend="italic"> Kaum überraschen kann, dass die Beratungen im reformierten Konvent sehr schnell mit der Annahme der Erklärung beendet werden konnten. Dafür aber zogen sich die Beratungen im lutherischen Konvent, in dem man nochmals einen kleineren theologischen Ausschuss gebildet hatte, der dem Konvent Bericht erstatten sollte, umso länger hin, und hier war es einmal mehr der erst am <date when="1934-05-30">30. Mai</date> eingetroffene <persName ref="kbga-actors-352">Hermann <term type="namen" key="Sasse, Hermann"><persName ref="kbga-actors-352">Sasse</persName></term></persName>, der – von der neuen Entwicklung überrascht – seine schon früher geäußerten Bedenken erneut vortrug. Die Dauer der Beratungen in diesem lutherischen Konventsausschuss</hi><note xml:id="n46">Mitschriften finden sich: <bibl corresp="kbga-bibls-3283">Nicolaisen, a.a.O., S. 140f.</bibl> (vgl. <ref type="pub" target="../volume/52/p054#p054">S. 54–57</ref>); <bibl corresp="kbga-bibls-3115">Verantwortung I, S. 285.</bibl> </note><hi rend="italic"> führte zu Verzögerungen im vorgesehenen Programm der Synode und verursachte unter den übrigen Delegierten Unruhe, nicht zuletzt auch bei den lutherischen Synodalen. Aus deren Kreis, genauer von etwa 30 lutherischen Laien-Synodalen und Gästen, wurde dem Konventsausschuss schließlich eine Eingabe zugeleitet, in der man mahnte, der Ausschuss «möge sich bei <pb xml:id="p276" ed="pga"/> seinen Entschließungen dessen bewußt sein, daß ein Nichtzustandekommen der bekenntnismäßigen Kampfgemeinschaft auf der <term type="sachen" key="Bekenntnissynode, Barmen, Deutsche Evangelische Kirche">Synode</term> durch Scheitern einer gemeinsamen Erklärung das Ende der evangelischen Kirche in Deutschland zur Folge haben würde», und von den Theologen forderte, «sie möchten nicht durch eine Überspitzung theologischer Formulierungen das Grundanliegen der evangelischen Christenheit im Kampf um das Dasein der Kirche gefährden».</hi><note xml:id="n47">Zit. nach <bibl corresp="kbga-bibls-3282"><persName ref="kbga-actors-299">G. Niemöller</persName> II (<ref type="pub" target="#fn_n01">Anm. 1</ref>), S. 153, Anm. 19.</bibl> – In dieser Eingabe scheint <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> einen Wendepunkt der Verhandlungen gesehen zu haben, heißt es doch in einer Taschenkalender-Notiz <persName ref="kbga-actors-223">Ch. von Kirschbaums</persName> über ein am <date when="1934-05-31">31. Mai</date> frühmorgens mit <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> geführtes Telefonat: «Er ist getrost, der Widerstand scheint gebrochen, nachdem sogar die lutherischen <hi rend="italic">Laien</hi> eine Bittschrift an ihre Theologen eingereicht haben, sie möchten nicht so halsstarrig sein». </note></p>
				<p><hi rend="italic">Schließlich einigte man sich zuerst im Ausschuss und dann schnell auch im lutherischen Konvent, dass sich zu keinem der nach wie vor strittigen Punkte Bedenken von solchem Gewicht ergäben, dass sie der Verabschiedung einer gemeinsamen Erklärung im Wege stünden, wenn die Bedingungen erfüllt würden, die Präses <persName ref="kbga-actors-227">Koch</persName> in seinem Beschlussantrag an die Synode zuletzt so formulierte: «1. Synode erkennt die Theologische <term type="sachen" key="Barmer Theologische Erklärung">Erklärung</term> zur gegenwärtigen Lage der Deutschen Evangelischen Kirche im Zusammenhang mit dem Vortrag von Pastor <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName> als christliches, biblisch-reformatorisches Zeugnis an und nimmt sie auf ihre Verantwortung. 2. Synode übergibt diese Erklärung den Bekenntniskonventen zur Erarbeitung verantwortlicher Auslegung von ihren Bekenntnissen aus.»</hi><note xml:id="n48"><bibl corresp="kbga-bibls-3282"><persName ref="kbga-actors-299">G. Niemöller</persName> II, a.a.O., S. 156f.</bibl> (i. Orig. hervorgehoben). </note></p> <p><hi rend="italic">Mit der Einsetzung einer gemischtkonfessionellen «Schlussberatungskommission», in der in einer Endredaktion nochmals lutherische Bedenken geprüft werden sollten, wurde eine letzte Bedingung des lutherischen Konvents erfüllt. Dieser Kommission gehörten neben <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName>, <persName ref="kbga-actors-897">Joachim Beckmann</persName></hi><note xml:id="n49"><persName ref="kbga-actors-897">Joachim Beckmann</persName> (1901–1987), seit 1933 Pfarrer in <placeName ref="kbga-places-129">Düsseldorf</placeName>, 1933 Gründer der rheinischen Pfarrerbruderschaft, 1934 Mitglied im Rat der Bekenntnissynode Rheinland, im Bruderrat der Evangelischen Kirche der altpreußischen Union und im Reichsbruderrat. </note><hi rend="italic"> und <persName ref="kbga-actors-6092">Eduard Putz</persName></hi><note xml:id="n50"><persName ref="kbga-actors-6092">Eduard Putz</persName> (1907–1990), seit 1933 theologischer Hilfsreferent im Landeskirchenrat <placeName ref="kbga-places-43">München</placeName>. </note><hi rend="italic"> als weitere <term type="sachen" key="Lutheraner / Luthertum">Luthe<pb xml:id="p277" ed="pga" break="no"/>raner</term> auch die beiden Protagonisten der bisherigen Kritik, <persName ref="kbga-actors-275">Georg Merz</persName> und <persName ref="kbga-actors-352">Hermann Sasse</persName>, an; von reformierter Seite wurden neben <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> die beiden ortsansässigen Pfarrer <persName ref="kbga-actors-708">Wilhelm Niesel</persName> und <persName ref="kbga-actors-3422">Harmannus Obendiek</persName> entsandt, die beide nicht Synodale waren. Die Sitzung der Schlussberatungskommission begann am <date when="1934-05-30">30. Mai</date> gegen 17 Uhr und endete erst in der späten Nacht um 1 Uhr.</hi><note xml:id="n51">Abdruck der Mitschrift und einzelner Notizen <persName ref="kbga-actors-12">Asmussens</persName>: <bibl corresp="kbga-bibls-3283">Nicolaisen (<ref type="pub" target="#fn_n01">Anm. 1</ref>), S. 142–146.</bibl> Erhalten sind ebenfalls kurze Notizen aus der Hand <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> (<ref type="kba-objects-id" target="91">KBA 10073</ref>; Abdruck: <bibl corresp="kbga-bibls-3283">a.a.O., S. 146</bibl>), die unten im textkritischen Apparat ausgewiesen sind. </note><hi rend="italic"> Satz für Satz ging man die <term type="sachen" key="Barmer Theologische Erklärung">Erklärung</term> noch einmal durch, sprach über alle Bedenken, und auch <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> zeigte sich so sehr an einem Konsens interessiert, dass er selbst die in der bisherigen Fassung besonders kritisierte fünfte These umformulierte, so dass sie die Billigung auch der lutherischen Kommissionsmitglieder fand.</hi><note xml:id="n52">Vgl. die kurze Mitteilung <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> an <persName ref="kbga-actors-223">Ch. von Kirschbaum</persName>, datiert bereits auf den
					<date when="1934-05-31">31.5.1934</date>: «Sehr ausgefüllter Arbeitstag. Mehr darum nicht möglich. Die Dinge laufen jetzt <hi rend="italic">besser</hi>.» Darunter fügte er hinzu: «Nachts 12 (immer noch Kommissionssitzung)» (<ref type="kba-objects-id" target="24007">KBA 9272.125</ref>; <bibl corresp="kbga-bibls-1">Bw.Kirschbaum I, <ref type="pub" target="../volume/45/p360#p360">S. 360</ref></bibl>). – Im KBA liegt ein dieser Beratung zuzuordnendes Blatt mit Notizen <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> vor, aus denen hervorgeht, dass er selbst die Umformulierung der fünften These maßgeblich mitgestaltet hat (<ref type="kba-objects-id" target="91">KBA 10073</ref>; Abdruck: <bibl corresp="kbga-bibls-3283">Nicolaisen [<ref type="pub" target="#fn_n01">Anm. 1</ref>], S. 146</bibl>). Der mit Bleistift geschriebene, auf dem Blatt stark bearbeitete Text bietet in seiner Endgestalt die fünfte These in der Fassung, wie sie schließlich der Synode zur Abstimmung vorgelegt wurde. </note><hi rend="italic"> Der schließlich gefundene Konsenstext – einzig <persName ref="kbga-actors-352">Sasse</persName> konnte nicht zustimmen und reiste am folgenden Tag vorzeitig ab, um die gewünschte Einstimmigkeit des Beschlusses nicht zu gefährden – wurde vervielfältigt und den Delegierten des Plenums am Vormittag des
<date when="1934-05-31">31. Mai 1934</date> vorgelegt. Nach der Korrektur kleinerer Schreibfehler in dieser Beschlussvorlage ergriff <persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName> noch einmal das Wort und mahnte die <term type="sachen" key="Bekenntnissynode, Barmen, Deutsche Evangelische Kirche">Synode</term> zur Einmütigkeit.</hi><note xml:id="n53">Mitschrift: <bibl corresp="kbga-bibls-3283">Nicolaisen, a.a.O., S. 147–153</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-3282"><persName ref="kbga-actors-299">G. Niemöller</persName> II (<ref type="pub" target="#fn_n01">Anm. 1</ref>), S. 140–149</bibl>; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3115">Verantwortung I, S. 291f.</bibl> </note><hi rend="italic"> Anschließend nahm die Synode die «Theologische Erklärung» einstimmig an.</hi><note xml:id="n54">Vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3282"><persName ref="kbga-actors-299">G. Niemöller</persName>, a.a.O., S. 156f.</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-3115">Verantwortung I, S. 295.</bibl> </note></p>
				<p><hi rend="italic">Die «Theologische <term type="sachen" key="Barmer Theologische Erklärung">Erklärung»</term> ging so schnell in den Druck, dass das erstellte vierseitige Flugblatt</hi><note xml:id="n55"><idno type="kba-objects-identifier">KBA 9107.329</idno>. Die «Theologische <term type="sachen" key="Barmer Theologische Erklärung">Erklärung»</term> findet sich auf S. 1–3 dieses Flugblatts, das neben der Kundgebung «An die Evangel[ischen] Gemeinden und Christen in Deutschland» (S. 1; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4932"><persName ref="kbga-actors-1668">Immer</persName>, <hi rend="italic">Bekenntnissynode</hi> [<ref type="pub" target="#fn_n01">Anm. 1</ref>], S. 74f.</bibl>) auch noch die «Erklärung der Bekenntnissynode zur Rechtslage der Deutschen Evangelischen Kirche» (S. 4; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-4932">a.a.O., S. 37f.</bibl>) enthält. Zu weiteren Einzelheiten vgl. unten, <ref type="pub" target="#fn_n66">Anm. 66</ref>. </note><hi rend="italic"> noch am selben Tag an die Synodalen <pb xml:id="p278" ed="pga"/> verteilt werden konnte. Zeitnah erschienen Abdrucke in J<bibl corresp="kbga-bibls-6148">K 2 (1934), Heft 12 (
<date when="1934-06-16">16.6.1934</date>), S. 489–493</bibl>, und im Berichtsband der Synode</hi><note xml:id="n56"><bibl corresp="kbga-bibls-4932"><persName ref="kbga-actors-1668">Immer</persName>, a.a.O., S. 8–11.</bibl> </note><hi rend="italic">; seitdem in kaum überschaubarer Anzahl in weiteren Zeitschriften, Dokumentationen, Sammlungen von Bekenntnistexten u. v. m. – Neben der zeitgenössischen, umfangreichen und bis heute anhaltenden positiven Rezeption der Barmer Theologischen Erklärung gab es sehr schnell auch kritische Abgrenzungen, die zunächst vor allem auf die konfessionelle Problematik und die zum Ausdruck kommende Distanziertheit zum nationalsozialistischen <term type="sachen" key="Staat, nationalsozialistischer">Staat</term> abzielten und damit des Öfteren eine Polemik gegen die maßgebliche Autorschaft <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> verbanden.</hi><note xml:id="n57">Zu nennen sind in erster Linie der u. a. von <persName ref="kbga-actors-4">Paul Althaus</persName> und <persName ref="kbga-actors-105">Werner Elert</persName> (1885–1954; seit 1923 Prof. für Kirchengeschichte und Systematische Theologie in Erlangen) unterzeichnete, bereits auf den
<date when="1934-06-11">11. Juni 1934</date> datierte <bibl corresp="kbga-bibls-3291">«Ansbacher Ratschlag» (AELKZ 67 [1934], Nr. 25, Sp. 584–586</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-493">Schmidt II, S. 102–104</bibl>; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-1218"><persName ref="kbga-actors-299">G. Niemöller</persName> I [<ref type="pub" target="#fn_n01">Anm. 1</ref>], S. 142–156</bibl>) sowie der an der Barmer <term type="sachen" key="Barmer Theologische Erklärung">Erklärung</term> sich entzündende Briefwechsel <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> mit <persName ref="kbga-actors-224">Gerhard Kittel</persName> (1888–1948; seit 1926 Prof. für Neues Testament in <placeName ref="kbga-places-61">Tübingen</placeName>, seit 1933 Hrsg. des ThWNT, 1933 zeitweise Mitglied der <orgName ref="kbga-actors-8309">Deutschen Christen</orgName>) vom Juni / Juli 1934 (<bibl corresp="kbga-bibls-1217"><persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName> / <persName ref="kbga-actors-224">G. Kittel</persName>, <hi rend="italic">Ein theologischer Briefwechsel</hi>, Stuttgart 1934</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-179">O.Br. 1909–1935, <ref type="pub" target="../volume/35/p268#p268">S. 268–319</ref></bibl>; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-1218"><persName ref="kbga-actors-299">G. Niemöller</persName> I, S. 156–168</bibl>). Zu weiteren zeitnahen Auseinandersetzungen mit der Barmer Erklärung vor allem von lutherischer Seite vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-1218"><persName ref="kbga-actors-299">G. Niemöller</persName> I, S. 168–229.</bibl> </note><hi rend="italic"> Später kam es zu kritischen Anfragen vor allem auch hinsichtlich dessen, was die Barmer Thesen </hi>nicht<hi rend="italic"> ansprechen, besonders hinsichtlich der im <date when="1934-05">Mai 1934</date> schon fortgeschrittenen Verfolgung und Entrechtung der <term type="sachen" key="Judenverfolgung">Juden</term> in Deutschland und des kirchlichen Umgangs mit dem sogenannten <term type="sachen" key="Arierparagraph">«Arierparagrahen»</term>.</hi><note xml:id="n58">Vgl. beispielsweise <bibl corresp="kbga-bibls-6150"><persName ref="kbga-actors-7632">W. Gerlach</persName>, <hi rend="italic">Als die Zeugen schwiegen. Bekennende Kirche und die Juden</hi> (SKI 10), 2., bearb. und erg. Aufl., Berlin 1993, S. 127–130</bibl>, der zu dem Schluss kommt (S. 130): «So hatte sich die Bekennende <term type="sachen" key="Bekennende Kirche">Kirche</term> bei ihrer Barmer Konstituierung von einem Problem getrennt, dem sie ursprünglich überhaupt ihre Entstehung verdankte – dem Arierparagraphen.» </note><hi rend="italic"> Gerade dieser Anfrage verschloss <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> selbst sich nicht, ja, er stimmte der Kritik in einem <pb xml:id="p279" ed="pga"/> Brief an den Bonhoeffer-Biographen Eberhard <term type="namen" key="Bethge, Eberhard">Bethge</term> sogar zu: «Ich empfinde es längst als eine Schuld meinerseits, dass ich sie [= die <term type="sachen" key="Judenfrage">Judenfrage</term>] im <term type="sachen" key="Kirchenkampf">Kirchenkampf</term> jedenfalls öffentlich (z. B. in den beiden von mir verfassten Barmer Erklärungen von 1934) nicht ebenfalls als entscheidend geltend gemacht habe. Ein Text, in dem ich das getan hätte, wäre freilich 1934 bei der damaligen Geistesverfassung auch der ‹Bekenner› weder in der <term type="sachen" key="Bekenntnissynode, Barmen, Freie reformierte">reformierten</term> noch in der allgemeinen <term type="sachen" key="Bekenntnissynode, Barmen, Deutsche Evangelische Kirche">Synode</term> akzeptabel geworden. Aber das entschuldigt nicht, dass ich damals – weil anders interessiert – in dieser Sache nicht wenigstens in aller Form gekämpft habe.»</hi><note xml:id="n59">Brief <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> an Bethge vom
	<date when="1967-05-22">22.5.1967</date> (<ref type="kba-objects-id" target="77581">KBA 9267.32</ref>; <bibl corresp="kbga-bibls-1378">Br. 1961–1968, <ref type="pub-" target="../volume/06/p403#p403">S. 403</ref></bibl>).</note></p>
			<p><hi rend="italic">Im Folgenden wird als Haupttext der Erstdruck auf dem Flugblatt geboten. Abweichungen von der Beschlussvorlage zur zweiten Lesung (
<date when="1934-05-31">31.5.1934</date>; SV 2) und vom «Bonner Entwurf» <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> und <persName ref="kbga-actors-12">Asmussens</persName> (
<date when="1934-05-26">26.5.1934</date>; BE) sind im textkritischen Apparat ausgewiesen. Um diesen Apparat zu entlasten, werden dem Haupttext vorangestellt die Abdrucke der erhaltenen ersten Notizen <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> von der Frankfurter Besprechung sowie in paralleler Anordnung die beiden in <placeName ref="kbga-places-20">Frankfurt</placeName> entstandenen Thesenreihen: <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Manuskript («Urschrift»;
<date when="1934-05-15">15.5.1934</date>) und das Typoskript der «Frankfurter Konkordie» (
<date when="1934-05-16">16.5.1934</date>).</hi></p>
		</div>
		<div>
			<pb xml:id="p280" ed="pga" rend="noPipe"/> 
			<head>1. Notizzettel <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName><note xml:id="n60"><ref type="kba-objects-id" target="1013">KBA 10581</ref>. – Ein Blatt, 15 × 22 cm, beidseitig in <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Handschrift beschrieben, überwiegend mit Bleistift, lediglich der Entwurf zu These V mit Tinte. Die verschiedenen Bearbeitungsstufen sind, soweit erkennbar, im textkritischen Apparat ausgewiesen, eingefügte Ergänzungen durch ⌈ ⌉ kenntlich gemacht. Die Anordnung der Notizen – einschließlich der von <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName> vorgenommenen Unterteilungen – ist in der möglichen Genauigkeit wiedergegeben; die in eckigen Klammern zur besseren Orientierung eingefügten Zwischenüberschriften sind aus dem Abdruck bei <bibl corresp="kbga-bibls-3283">Nicolaisen (<ref type="pub" target="#fn_n01">Anm. 1</ref>), S. 77–79</bibl>, übernommen. Der Vergleich mit der «Urschrift» und der «Frankfurter Konkordie» (s. unten, <ref type="pub" target="../volume/52/p283#p283">S. 283-292</ref>) lässt eine sichere Datierung der ersten beiden Notizen-Abschnitte vor der Niederschrift der «Urschrift» zu, während die übrigen Notizen erst danach angefertigt worden sein können. </note>
			(Frankfurt/Main, <date to="1934-05-16" from="1934-05-15">15./
16.5.1934</date>)</head> <p rend="smaller"><hi rend="italic">[1. – Zur Präambel]</hi></p> <p rend="smaller left">D[eutsche] E[vangelische] <term type="sachen" key="Deutsche Evangelische Kirche">K[irche]</term> nicht Kirche, sondern Bund von Kirchen </p> <p rend="smaller left">Im Kampf gegen denselben Gegner ist eine neue Gemeinschaft erlebt worden, die nun zu bekennen. </p>
			<p rend="margin-top smaller left">
			<!-- Linien / Grafik --> E. <hi rend="italic">Hirsch</hi>, Deutsches Volkstum</p> <p>u[und] evang[elischer] Glaube Hanseat[ische] Verlagsanstalt <placeName ref="kbga-places-90">Hamburg</placeName><note xml:id="n61">Die genannte Broschüre war <date when="1934">1934</date> erschienen.</note> </p> <p rend="margin-top smaller left">Wir <hi rend="italic">müssen</hi> protestieren gegen… </p> <p rend="smaller left">Wir anerkennen Einheit nur auf folgender Grundlage… </p> <p rend="margin-top smaller left"><hi rend="italic">[2. – Entwurf zu These 5]</hi><term type="sachen" key="Barmer Theologische Erklärung"> </term> </p> <p rend="smaller left">Wir<note n="a" type="textcritical" xml:id="na">Ursprünglicher Beginn: «Der Staat ist nach»; gestrichen und ersetzt durch: «Wir erkennen im Staat»; schließlich geändert in den oben stehenden Text.</note> lassen uns durch die <term type="sachen" key="Bibel / Heilige Schrift">Schrift</term> sagen, dass der Staat nach <anchor type="note" xml:id="fn-b"/>⌈Anordnung des göttl[ichen] Befehls⌉ und nach der ⌈göttl[ichen]⌉ Geduld Anordnung<note n="b" target="fn-b" type="textcritical" xml:id="nb">Ursprünglich: «dem Befehl und nach der Geduld göttlicher Anordnung»; der oben stehende Text entstand durch die angezeigten Hinzufügungen über der Zeile, ohne dass das am Schluss jetzt überzählige Wort «Anordnung» getilgt wurde.</note> die<note n="c" type="textcritical" xml:id="nc">Die ursprünglich voranstehenden Worte «in der Welt» sind im Mskr. durchgestrichen. </note>
				<pb xml:id="p281" ed="pga"/> Aufgabe hat, in der <anchor type="note" xml:id="fn-d"/>noch nicht erlösten<note n="d" target="fn-d" type="textcritical" xml:id="nd">Im Mskr. korrigiert aus: «unerlösten».</note> Welt, der auch die <term type="sachen" key="Kirche, und Staat">Kirche</term> angehört, ⌈nach dem Maß menschl[icher] Einsicht u[nd] menschl[ichen] Vermögens⌉ für <term type="sachen" key="Recht">Recht</term> zu sorgen. Die Kirche[,]⌈frei in der Bindung an ihren Auftrag⌉[,] begleitet den in der Bindung an seinen<note n="e" type="textcritical" xml:id="ne">Im Mskr. korrigiert aus: «diesen».</note> Auftrag ⌈ebenso⌉ freien Staat mit der<note n="f" type="textcritical" xml:id="nf">Im Mskr. korrigiert aus: «ihrer».</note> ernsten Anerkennung seiner Würde, mit ihrer Fürbitte[,] aber auch mit der Erinnerung an Gottes überlegenes <term type="sachen" key="Reich Gottes">Reich</term>, an Gottes <term type="sachen" key="Gesetz / Gesetze, Gottes">Gesetz</term> u[nd] Gottes <term type="sachen" key="Gericht, Gottes">Gericht</term>. </p> <p rend="margin-top smaller left"><hi rend="italic">[3. – Zur Präambel]</hi> </p> <p rend="smaller left">Die Gemeinsamkeit in der wir als <term type="sachen" key="Lutheraner / Luthertum">Lutheraner</term>, <term type="sachen" key="Reformierte / Reformiertentum">Reformierte</term> u[nd] Unierte<note n="g" type="textcritical" xml:id="ng">Ursprünglich folgten drei dann durchgestrichene und dadurch jetzt unleserliche Worte.</note> in dieser Sache ⌈heute⌉ reden dürfen und müssen, tut dem Ernst, mit dem wir <anchor type="note" xml:id="fn-h"/>Alle den<note n="h" target="fn-h" type="textcritical" xml:id="nh">Ursprünglich: «uns Alle den Bek[enntnissen]» («uns» und «Bek» im Mskr. gestrichen).</note> unserer verschiedenen Herkunft u[nd] Verantwortung entsprechenden <term type="sachen" key="Bekenntnis">Bekenntnissen</term> treu sein u[nd] bleiben wollen<note n="i" type="textcritical" xml:id="ni">Im Mskr. korrigiert aus: «möchten».</note>[,] keinen Eintrag. Wir dürfen aber auch nicht schweigen, da uns in einer Zeit<note n="j" type="textcritical" xml:id="nj">Im Mskr. korrigiert aus: «Stunde».</note> gemeinsamer Not tatsächlich ein gemeinsames Wort des Glaubens in den Mund gelegt ist[,] und befehlen es Gott, was diese Tatsache hinsichtlich des Verhältnisses der Bekenntniskirchen untereinander <anchor type="note" xml:id="fn-k"/>für die<note n="k" target="fn-k" type="textcritical" xml:id="nk">Im Mskr. korrigiert aus: «in».</note> Zukunft bedeuten<note n="l" type="textcritical" xml:id="nl">Im Mskr. korrigiert aus: «für Folgen haben» (versehentlich wurde «haben» dort nicht gestrichen).</note> mag. |r| </p>
			<p rend="margin-top smaller left"><hi rend="italic">[4. – Zum Nachsatz]</hi>
			</p> <p rend="smaller left">S. 6<note xml:id="n62">Gemeint ist S. 6 der maschinenschriftlichen Ausfertigung der «Urschrift» (s. oben, <ref type="pub" target="#fn_n21">Anm. 21</ref>).</note> Sie fordert Alle, die <anchor type="note" xml:id="fn-m"/>auf den Boden dieser <term type="sachen" key="Barmer Theologische Erklärung">Erklärung</term> treten können<note n="m" target="fn-m" type="textcritical" xml:id="nm">Ursprünglich: «sich mit ihr auf den Boden dieser Erklärung stellen»; dann geändert in: «mit ihr auf dem Boden dieser Erklärung stehen»; dann geändert in den oben stehenden Text. </note>, auf, bei ihren <term type="sachen" key="Kirchenpolitik">kirchenpolitischen</term> Entscheidungen dieser theologischen Bedingung eingedenk zu sein.</p> 
			<p rend="margin-top smaller left"><pb xml:id="p282" ed="pga" rend="noPipe"/><hi rend="italic">[5. – Zu These 2]</hi> </p> <p rend="smaller"><anchor type="note" xml:id="fn-n"/>auf die Dankbarkeit<note n="n" target="fn-n" type="textcritical" xml:id="nn">Ursprünglicher Beginn dieser Notiz: «auf unser ganzes Leben»; bis auf das versehentlich stehengebliebene «auf», das in der korrigierten Version darum doppelt steht, gestrichen und durch den oben stehenden Text ersetzt.</note>, die wir ihm mit Allem[,] was wir sind[,] erweisen<note n="o" type="textcritical" xml:id="no">Ursprünglich voranstehend, im Mskr. gestrichen: «schuldig».</note> dürfen </p>
			<p rend="smaller"><anchor type="note" xml:id="fn-p"/>Durch ihn<note n="p" target="fn-p" type="textcritical" xml:id="np">Ursprünglich: «So» (im Mskr. gestrichen).</note> widerfährt uns frohe Befreiung aus den gottlosen Bindungen unseres Lebens zu freiem dankbarem Dienst an s[einen] Geschöpfen </p>
			<p rend="margin-top smaller left"><hi rend="italic">[6. – Entwurf zu These 6]</hi> </p> <p rend="smaller left"><ref type="can" subtype="bible" target="Mt.28.18 Mt.28.20">Mt. 28,18–20</ref> </p> <p rend="smaller left">Der Auftrag der <term type="sachen" key="Kirche, Auftrag">Kirche</term>[,]⌈in welchem ihre Freiheit gründet⌉[,] besteht darin, an Christi Statt und also ⌈im Dienst⌉ <anchor type="note" xml:id="fn-q"/>seines eigenen Wortes u[nd] Werkes<note n="q" target="fn-q" type="textcritical" xml:id="nq">Ursprünglich: «seinem eigenen Wort u[nd] Werk dienend»; im Zusammenhang mit der voranstehenden Einfügung im Mskr. korrigiert.</note>, durch <term type="sachen" key="Predigt">Predigt</term> und <term type="sachen" key="Sakrament">Sakrament</term> die Botschaft von der<note n="r" type="textcritical" xml:id="nr">Im Mskr. korrigiert aus: «seiner».</note> <term type="sachen" key="Gnade, freie">freien </term><term type="sachen" key="Gnade, Gottes">Gnade</term> Gottes auszurichten an alles Volk. </p> <p rend="smaller left">Wir verwerfen den Irrtum, als habe die Kirche<note n="s" type="textcritical" xml:id="ns">Ursprünglich folgte: «den Befehl oder» (im Mskr. gestrichen).</note> die Freiheit, das<note n="t" type="textcritical" xml:id="nt">Voranstehend ursprünglich ein kurzes Wort und ein Wortanfang (im Mskr. gestrichen und nicht sicher zu entziffern).</note>
				<term type="sachen" key="Wort Gottes">Wort</term> u[nd] Werk des Herrn <anchor type="note" xml:id="fn-u"/>⌈in den Dienst irgendwelcher⌉<note n="u" target="fn-u" type="textcritical" xml:id="nu">Ursprünglich: «zum Gegenstand ihrer eigenen» (im Mskr. gestrichen).</note> menschlichen Wünsche, Zwecke und Pläne zu stellen<note n="v" type="textcritical" xml:id="nv">Ursprünglich: «machen»; im Zusammenhang mit der voranstehenden Korrektur im Mskr. gestrichen.</note>.</p>
		</div>
		<div rend="left">
			<pb xml:id="p283" ed="pga" rend="noPipe"/>
			<head><seg xml:id="ps-01">2. «Urschrift»<note xml:id="n63"><ref type="kba-objects-id" target="89">KBA 10071</ref> (Abb. 2–3); 3 Seiten, 22×28 cm, handschriftlich mit Tinte beschrieben, mit einem Vermerk in <persName ref="kbga-actors-223">Ch. von Kirschbaums</persName> Handschrift: «<hi rend="italic">Barmer Erklärung</hi> <term type="sachen" key="Barmer Theologische Erklärung">1934</term> (Urschrift)»; Abdruck: <bibl corresp="kbga-bibls-3283">Nicolaisen (<ref type="pub" target="#fn_n01">Anm. 1</ref>), S. 161–189</bibl> (Text I). Am Manuskript angebrachte Korrekturen sind im textkritischen Apparat ausgewiesen, einfache Hinzufügungen durch ⌈ ⌉ kenntlich gemacht.</note></seg></head>
			<head type="sub"><seg xml:id="ps-02">(<persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>; <placeName ref="kbga-places-20">Frankfurt/Main</placeName>,
				<date when="1934-05-15">15.5.1934</date>)</seg></head>

			<p rend="italic margin-top"><seg xml:id="ps-03">Theologische Erklärung zur gegenwärtigen Lage in der D[eutschen] E[vangelischen] K[irche]</seg></p>

			<p rend="margin-top"><seg xml:id="ps-04">Die D[eutsche] E[vangelische] <term type="sachen" key="Deutsche Evangelische Kirche">K[irche]</term> ist nach den Eingangsworten ihrer Verfassung vom
				<date when="1933-07-11">11. Juli 1933</date> ein Bund der aus der <term type="sachen" key="Reformation">Reformation</term> erwachsenen gleichberechtigt nebeneinanderstehenden Bekenntniskirchen, die sich durch ihre Vereinigung <pb xml:id="p284" ed="pga"/> gemeinsam zu der kommenden Wirklichkeit der einen, heiligen allgemeinen und apostolischen Kirche im Sinn von <ref type="can" subtype="bible" target="Eph.4.4 Eph.4.6">Eph. 4,4–6</ref> bekennen möchten. Die theologische Voraussetzung<note n="a2" type="textcritical" xml:id="na2">Im Mskr. korrigiert aus: «Grundlage».</note> der Vereinigung<note n="b2" type="textcritical" xml:id="nb2">Im Mskr. korrigiert aus: «Einheit».</note> dieser Kirchen ist in den §§ 1, § 2,1 und § 4,1 der Verfassung der D[eutschen] E[vangelischen] <term type="sachen" key="Deutsche Evangelische Kirche, Verfassung">K[irche]</term> angegeben wie folgt: ............</seg></p>
			<p><seg xml:id="ps-05"/></p>
			<p><seg xml:id="ps-06"/></p>
			<p><seg xml:id="ps-07"/></p>
			<p><seg xml:id="ps08">Wir, die zur freien ⌈deutschen⌉ <term type="sachen" key="Bekenntnissynode, Barmen, Deutsche Evangelische Kirche">Nationalsynode</term> vereinigten Vertreter ⌈lutherischer, reformierter u[nd] unier<pb xml:id="p285" ed="pga" break="no"/>ter Kirchen, freier <term type="sachen" key="Synoden, Freie">Synoden</term> und Kirchentage⌉<note n="c2" type="textcritical" xml:id="nc2">Die Einfügung begann ursprünglich mit «der freien Synoden» (im Mskr. gestrichen); «und Kirchentage» wurde dieser Einfügung als weiterer Nachtrag mit Bleistift hinzugefügt.</note> erklären<note n="d2" type="textcritical" xml:id="nd2">Im Mskr. korrigiert aus «stellen uns».</note>  hiermit erneut[,] ⌈dass wir uns von ganzem Herzen gemeinsam⌉ auf den Boden der<note n="e2" type="textcritical" xml:id="ne2">Im Mskr. vorher ursprünglich (und wohl schon im Wort abgebrochen und gestrichen): «dies».</note> D[eutschen] E[vangelischen] <term type="sachen" key="Deutsche Evangelische Kirche">K[irche] </term> d. h.<note n="f2" type="textcritical" xml:id="nf2">Im Mskr. folgte ursprünglich (dort gestrichen): «auf».</note> dieses Bundes der deutschen Bekenntniskirchen und auf den Boden des mit dieser Vereinigung ausgesprochenen Bekenntnisses zu der einen Kirche Jesu <term type="sachen" key="Kirche, Jesu Christi">Christi</term> stellen.</seg></p>

			<p><seg xml:id="ps-09">Wir müssen aber vor der Öffentlichkeit aller evangelischen Gemeinden Deutschlands ebenso gemeinsam protestierend erklären, dass die Einheit dieses <term type="sachen" key="Bekenntnis">Bekenntnisses</term> und damit auch die Einheit der D[eutschen] E[vangelischen] K[irche] durch die in dem ersten Jahr des Bestehens der D[eutschen] E[vangelischen] K[irche] mehr und mehr sichtbar gewordene Lehre und Handlungsweise der<note n="g2" type="textcritical" xml:id="ng2">Im Mskr. nach «der» eingefügt und wieder gestrichen: «in ihr».</note>
				<pb xml:id="p286" ed="pga"/> herrschenden Kirchenpartei ⌈der D[eutschen] <term type="sachen" key="Deutsche Christen">C[hristen]⌉</term> und der von ihr getragenen <term type="sachen" key="Deutsche Evangelische Kirche, Reichskirchenregierung">Reichskirchenregierung</term>
				<anchor type="note" xml:id="fn-h2"/> aufs Schwerste ⌈bedroht⌉ ist. ⌈Diese Bedrohung<note n="i2" type="textcritical" xml:id="ni2">Im Mskr. in der Einfügung korrigiert aus: «Verletzung».</note> besteht darin, dass⌉ die theologische Voraussetzung<note n="h2" type="textcritical" xml:id="nh2" target="fn-h2">Ursprünglich: «dadurch aufs Schwerste verletzt ist, dass die theologische Grundlage der D.E.K. an Stelle der theologischen Voraussetzung»; im Mskr. durch die angezeigten Einfügungen korrigiert.</note> in der die D[eutsche] E[vangelische] <term type="sachen" key="Deutsche Evangelische Kirche">K[irche]</term> vereinigt ist, ⌈sowohl seitens der Führer u[nd] Sprecher der D[eutschen] <term type="sachen" key="Deutsche Christen">C[hristen]</term> als auch seitens der <term type="sachen" key="Deutsche Evangelische Kirche, Reichskirchenregierung">R[eichs‑]Kirchenregierung⌉</term> dauernd und grundsätzlich durch<note n="j2" type="textcritical" xml:id="nj2">Im Mskr. folgte ursprünglich, dann gestrichen: «andere».</note> Voraussetzungen durchkreuzt u[nd] unwirksam gemacht wird, <anchor type="note" xml:id="fn-k2"/>bei deren Geltung<note n="k2" type="textcritical" xml:id="nk2" target="fn-k2">Im Mskr. korrigiert aus: «auf Grund deren sowohl».</note> ⌈die Kirche⌉ nach lutherischem, nach reformiertem und nach uniertem <term type="sachen" key="Bekenntnis">Bekenntnis</term> aufhört, Kirche zu sein, bei deren Geltung also auch <anchor type="note" xml:id="fn-l2"/>die D[eutsche] E[vangelische] K[irche]<note n="l2" type="textcritical" xml:id="nl2" target="fn-l2">Ursprünglich: «der Bund» (im Mskr. geändert bzw. gestrichen).</note> als Bund der Bekenntniskirchen innerlich unmöglich wird.</seg></p>
			<p><seg xml:id="ps-10"/></p>
			<p><pb xml:id="p287" ed="pga" rend="noPipe"/> <seg xml:id="ps-11">Wir bekennen uns angesichts der die Kirche verwüstenden und damit auch die Einheit der D[eutschen] E[vangelischen] K[irche] sprengenden Irrtümer der D[eutschen] <term type="sachen" key="Deutsche Christen">C[hristen]</term> und der gegenwärtigen R[eichs‑]Kirchenregierung insbesondere zu folgenden, auf ⌈Grund⌉ der theologischen Voraussetzung der D[eutschen] E[vangelischen] <term type="sachen" key="Deutsche Evangelische Kirche">K[irche]</term> notwendig gültigen evangelischen <term type="sachen" key="Wahrheit, evangelische">Wahrheiten</term>:</seg></p>

			<p><pb n="2" ed="A" rend="noPipe"/> <seg xml:id="ps-12"><hi rend="italic">1.</hi> «Wahrlich, wahrlich[,] ich sage euch: Wer nicht zur Tür hineingehet in den Schafstall, sondern steiget anderswo hinein, der ist ein Dieb u[nd] ein Mörder... Ich bin die Tür; so jemand durch mich eingehet, der wird selig werden und wird ein[-­] und ausgehen und Weide finden» (<ref type="can" subtype="bible" target="Joh.10.1 Joh.10.9">Joh. 10,1.9</ref>).</seg></p>
			<p><pb xml:id="p288" ed="pga" rend="noPipe"/> <seg xml:id="ps-13"><hi rend="italic">
				Jesus Christus, wie er uns in der h[ei]l[igen] Schrift bezeugt wird<note n="m2" type="textcritical" xml:id="nm2">Im Mskr. korrigiert aus: «ist».</note>
				ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben u[nd] im Sterben zu vertrauen u[nd] zu gehorchen haben.
			</hi></seg></p>
			<p><seg xml:id="ps-14">Wir verwerfen den Irrtum, als könne<note n="n2" type="textcritical" xml:id="nn2">Im Mskr. korrigiert aus: «könnte».</note> und müsse die Kirche außer und neben dieser einen <term type="sachen" key="Offenbarung">Offenbarung</term> auch noch andere Ereignisse u[nd] Mächte, Gestalten<note n="o2" type="textcritical" xml:id="no2">Im Mskr. korrigiert aus: «Menschen».</note> u[nd] Wahrheiten als<note n="p2" type="textcritical" xml:id="np2">Im Mskr. folgte ursprünglich, dann gestrichen: «Worte».</note> Gottes Wort ⌈hören⌉[,] anerkennen und verkündigen.</seg></p>
			<p><seg xml:id="ps-15"><hi rend="italic">2.</hi> «Jesus Christus ist uns gemacht von Gott zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung» (<ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.1.30">I Cor. 1,30</ref>).</seg></p>
			<p><seg xml:id="ps-16"><hi rend="italic">
				Wie Jesus Christus Gottes Verheißung ist zur Vergebung aller unserer Sünden, so und mit gleichem Ernst ist er auch Gottes kräftiger Anspruch auf unser ganzes Leben.
			</hi></seg></p>
			<p><pb xml:id="p289" ed="pga" rend="noPipe"/> <seg xml:id="ps-17">Wir verwerfen den Irrtum, als gebe es Gebiete unseres <term type="sachen" key="Leben">Lebens</term>, auf denen wir nicht ihm[,] sondern anderen Herren gehörig, nicht<note n="q2" type="textcritical" xml:id="nq2">Im Mskr. folgte ursprünglich, dann gestrichen: «ihm».</note> seinem[,] sondern einem andern Gesetz verantwortlich wären.</seg></p>
			<p><seg xml:id="ps-18"><hi rend="italic">3.</hi> «Lasset uns aber rechtschaffen sein in der Liebe u[nd] wachsen in allen Stücken an dem, der das Haupt ist, Christus, von welchem aus der ganze Leib zusammengefügt ist» (<ref type="can" subtype="bible" target="Eph.4.15 Eph.4.16">Eph. 4,15–16</ref>).</seg></p>
			<p><seg xml:id="ps-19"><hi rend="italic">Die christliche Kirche ist die<note n="r2" type="textcritical" xml:id="nr2">Im Mskr. korrigiert aus: «eine».</note>
				Gemeinde von Brüdern, <anchor type="note" xml:id="fn-s2"/>
				in der Jesus Christus als der Herr verkündigt wird<note n="s2" type="textcritical" xml:id="ns2" target="fn-s2">Im Mskr. korrigiert aus: «die in Jesus Christus ihren Herrn erkennen und haben».</note>. Sie hat mit ihrem Glauben 
				wie mit ihrem Gehorsam, mit ihrer Botschaft wie mit ihrer Ordnung ⌈mitten in der Welt der Sünde⌉ <anchor type="note" xml:id="fn-t2"/> als Kirche der begnadigten <term type="sachen" key="Mensch, Sünder"> </term> Sünder<note n="t2" type="textcritical" xml:id="nt2" target="fn-t2">Im Mskr. zunächst durchgestrichen und durch die voranstehende Einfügung ersetzt; durch eine dann unter den durchgestrichenen Worten angebrachte durchbrochene Linie wurde die Streichung zurückgenommen.</note>
				zu bezeugen, dass sie allein sein Eigentum ist, allein von seinem Trost u[nd] von seiner Weisung leben möchte.</hi></seg></p>
			<p><seg xml:id="ps-20">Wir verwerfen den Irrtum, als könne u[nd] dürfe sich die Kirche hinsicht<pb xml:id="p290" ed="pga" break="no"/>lich ihrer <term type="sachen" key="Kirche, Botschaft">Botschaft</term> u[nd] <term type="sachen" key="Kirche, Ordnung">Ordnung</term> ihrem freien Belieben oder dem Wechsel der jeweils herrschenden <term type="sachen" key="Weltanschauung">weltanschaulichen</term> u[nd] <term type="sachen" key="Politik">politischen</term> Überzeugungen überlassen.</seg></p>
			<p><pb n="3" ed="A" rend="noPipe"/> <seg xml:id="ps-21"><hi rend="italic">4.</hi> «Ihr wisset, dass die weltl[ichen] Fürsten herrschen und die Oberherrn haben Gewalt. So soll es nicht sein unter euch. Sondern[,] so jemand will unter euch gewaltig sein, der sei euer Diener» (<ref type="can" subtype="bible" target="Mt.20.25 Mt.20.26">Matth. 20,25–26</ref>).</seg></p>
			<p><seg xml:id="ps-22"><hi rend="italic">
				Die verschiedenen Ämter in der Kirche begründen keine Herrschaft der Einen über die Andern, sondern die Ausübung des der ganzen Gemeinde anvertrauten und befohlenen Dienstes.
			</hi></seg></p>
			<p><seg xml:id="ps-23">Wir verwerfen den Irrtum, als könne u[nd] dürfe sich die Kirche abseits von diesem Dienst nach dem Vorbild bestimmter Staatsformen besondere, mit Herrschaftsbefugnissen ausgestattete <term type="sachen" key="Führer / Führertum, in der Kirche">«Führer»</term> geben oder geben lassen.</seg></p>
			<p><seg xml:id="ps-24"><hi rend="italic">5.</hi> «Fürchtet Gott, ehret den König!» (<ref type="can" subtype="bible" target="1.Petr.2.17">I Petr. 2,17</ref>).</seg></p>
			<p><seg xml:id="ps-25"><hi rend="italic">
				Wir lassen uns durch die Schrift sagen, dass der Staat
				nach göttl[icher] Anordnung die Aufgabe hat, in der noch nicht erlösten Welt, der auch die Kirche angehört[,] nach dem Maß <pb xml:id="p291" ed="pga"/> menschl[icher] Einsicht u[nd] menschl[ichen] Vermögens unter Androhung von Gewalt für Recht
				zu sorgen. Die Kirche, frei in  ihrem Auftrag[,] begleitet  den in der Bindung an seinen Auftrag ebenso freien Staat
				mit Dank<note n="u2" type="textcritical" xml:id="nu2">Im Mskr. folgte ursprünglich, dann gestrichen: «für diese».</note>
				⌈u[nd] Ehrfurcht⌉ gegen Gott, mit ihrer Fürbitte, aber auch mit der Erinnerung an Gottes überlegenes Reich, an sein Gesetz
				und seine Gerichte.
			</hi></seg></p>
			<p><seg xml:id="ps-26">Wir verwerfen den <term type="sachen" key="Irrtum">Irrtum</term>, als sei der <term type="sachen" key="Staat, totaler">Staat</term> die einzige und totale Ordnung<note n="v2" type="textcritical" xml:id="nv2">Im Mskr. anstelle des voranstehenden und durchgestrichenen: «Form».</note>  menschlichen Lebens. Wir verwerfen den Irrtum, als habe sich die Kirche mit ihrer <term type="sachen" key="Kirche, Botschaft">Botschaft</term> u[nd] <term type="sachen" key="Kirche, Gestalt">Gestalt</term> einer bestimmten Staatsform <term type="sachen" key="Gleichschaltung">«gleichzuschalten»</term>.</seg></p>
			<p><seg xml:id="ps-27"/></p>
			<p><seg xml:id="ps-28"/></p>
			<p><pb xml:id="p292" ed="pga" rend="noPipe"/> <seg xml:id="ps-29"/></p>
			<p><seg xml:id="ps-30">Die freie deutsche <term type="sachen" key="Bekenntnissynode, Barmen, Deutsche Evangelische Kirche">Nationalsynode</term> erklärt, dass sie <anchor type="note" xml:id="fn-w2"/>in der <anchor type="note" xml:id="fn-w21"/> Anerkennung dieser Wahrheiten und <anchor type="note" xml:id="fn-w23"/> in der<note n="w2" type="textcritical" xml:id="nw2" target="fn-w2">Jeweils im Mskr. korrigiert aus: «die».</note> Verwerfung <term type="sachen" key="Irrtum">dieser </term>Irrtümer<note n="x2" type="textcritical" xml:id="nx2">Im Mskr. folgte ursprünglich, dann gestrichen: «für».</note> die ­unumgängliche <anchor type="note" xml:id="fn-y2"/>theologische Bedingung<note n="y2" type="textcritical" xml:id="ny2" target="fn-y2">Im Mskr. ist nach der Streichung des ursprünglichen «Be» (wohl für «Bedingung») neu angesetzt worden mit dem oben stehenden Text.</note> der Einheit und damit des Bestandes der D[eutschen] E[vangelischen <term type="sachen" key="Deutsche Evangelische Kirche">K[irche]</term> sieht.</seg></p>
			<p><seg xml:id="ps-31"/></p>
		</div>
		<div rend="right">
			<head><seg corresp="ps-01">3. «Frankfurter Konkordie»<note xml:id="n64"><ref type="kba-objects-id" target="1186">KBA 10586</ref>; Typoskript-Durchschlag, 5 S., 22,5×28,5 cm; Bleistiftkorrekturen in <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Handschrift, am oberen Rand handschriftliche Notiz <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName>: «Erster Entwurf des Ausschusses (<persName ref="kbga-actors-12">Asmussen</persName>, <persName ref="kbga-actors-2151">Barth</persName>, <persName ref="kbga-actors-1494">Breit</persName> in <placeName ref="kbga-places-20">Frankfurt a.M.</placeName>)»; Abdruck: <bibl corresp="kbga-bibls-3283">Nicolaisen (<ref type="pub" target="#fn_n01">Anm. 1</ref>), S. 161–189</bibl> (Text II). – Zu den ersichtlichen Abweichungen von der «Urschrift» vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3283">Nicolaisen (<ref type="pub" target="#fn_n01">Anm. 1</ref>), S. 32-35</bibl>, der auch eine Rekonstruktion der verschiedenen Bearbeitungsstufen bietet. – Im textkritischen Apparat ausgewiesen sind die von <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Hand am Text <hi rend="italic">später</hi> angebrachten Bleistiftkorrekturen; bloße Ergänzungen sind durch ⌈ ⌉ kenntlich gemacht. Diese Korrekturen und Ergänzungen sind augenscheinlich im Zusammenhang mit der Redaktion der «Konkordie» durch Barth und <term type="namen" key="Asmussen, Hans">Asmussen</term> am 26. Mai vorgenommen worden, in die ein großer Teil von ihnen eingeflossen ist (Abdruck: <bibl corresp="kbga-bibls-3283">a.a.O., S. 164–192</bibl>; vgl. oben, <ref type="pub" target="../volume/52/p272#p272">S. 272</ref>).</note> </seg></head>
			<head type="sub"><seg corresp="ps-02">(<persName ref="kbga-actors-12">H. Asmussen</persName>, <persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>, <persName ref="kbga-actors-1494">Th. Breit</persName>; <placeName ref="kbga-places-20">Frankfurt/Main</placeName>,
				<date when="1934-05-16">16.5.1934</date>)</seg></head>

			<p><seg corresp="ps-03">Theologische <term type="sachen" key="Barmer Theologische Erklärung">Erklärung</term> zur gegenwärtigen Lage der Deutschen Evangelischen <term type="sachen" key="Deutsche Evangelische Kirche">Kirche</term></seg></p>
			<p><seg corresp="ps-04">Die D[eutsche] E[vangelische] K[irche] ist nach den Eingangsworten ihrer <term type="sachen" key="Deutsche Evangelische Kirche, Verfassung">Verfassung</term> vom
				<date when="1933-07-11">11. Juli 1933</date> ein Bund der aus der <term type="sachen" key="Reformation">Reformation</term> erwachsenen, gleichberechtigt nebeneinanderstehenden Bekenntniskirchen. Diese möchten sich durch ihre <?pagina pb="284"/?>  Vereinigung gemeinsam zu der kommenden Gottesgabe der einen, heiligen, allgemeinen und apostolischen Kirche im Sinn von Eph. <term type="bibel" key="Eph. 4,4–6">4,4–6</term> bekennen. Die theologische Voraussetzung der Vereinigung dieser Kirchen ist in Art. 1, ⌈Art.⌉ 2,1 und Art. 4,1 der von der <term type="sachen" key="Deutschland / Deutsches Reich, Regierung">Reichsregierung</term> am ......... anerkannten Verfassung der D[eutschen] E[vangelischen] <term type="sachen" key="Deutsche Evangelische Kirche, Verfassung">K[irche]</term> angegeben:</seg></p>
			<p><seg corresp="ps-05">Art. 1: Die unantastbare Grundlage der D[eutschen] E[vangelischen] K[irche] ist das <term type="sachen" key="Evangelium">Evangelium</term> von Jesus Christus, wie es uns in der Heiligen <term type="sachen" key="Bibel / Heilige Schrift">Schrift</term> bezeugt und den <term type="sachen" key="Bekenntnis, reformatorisch">Bekenntnissen</term> der Reformation neu ans Licht getreten ist. Hierdurch werden die Vollmachten, deren die Kirche für ihre <term type="sachen" key="Kirche, Sendung">Sendung</term> bedarf, bestimmt und begrenzt.</seg></p>
			<p><seg corresp="ps-06">Art. 2,1: Die D[eutsche] E[vangelische] K[irche] gliedert sich in Kirchen (Landeskirchen).</seg></p>
			<p><seg corresp="ps-07">Art. 4,1: Die D[eutsche] E[vangelische] <term type="sachen" key="Deutsche Evangelische Kirche">K[irche]</term> will die in ihr geeinte deutsche evangelische Christenheit für die Erfüllung des göttlichen Auftrages der <term type="sachen" key="Kirche, Auftrag">Kirche</term> rüsten und einsetzen. Sie hat deshalb von der Heiligen <term type="sachen" key="Bibel / Heilige Schrift">Schrift</term> und den reformatorischen <term type="sachen" key="Bekenntnis, reformatorisch">Bekenntnissen</term> her sich um eine einheitliche Haltung in der Kirche zu bemühen und der kirchlichen Arbeit Ziel und Richtung zu weisen.</seg></p>
			<p><seg corresp="ps-08">Wir, die zur Freien Deutschen <term type="sachen" key="Bekenntnissynode, Barmen, Deutsche Evangelische Kirche">Nationalsynode</term> vereinigten Vertreter lutherischer, reformierter und unierter <?pagina pb="285"/?>  Kirchen, freier <term type="sachen" key="Synoden, Freie">Synoden</term>, Kirchentage und Gemeindekreise erklären hiermit erneut<note n="a3" type="textcritical" xml:id="na3">Eckig eingeklammert.</note>,   dass wir uns gemeinsam <anchor type="note" xml:id="fn-b3"/>von ganzem Herzen auf den<note n="b3" type="textcritical" xml:id="nb3" target="fn-b3">«von ganzem Herzen» eckig eingeklammert («von» zusätzlich durchgestrichen); «den» in «dem» korrigiert.</note> Boden der D[eutschen] E[vangelischen] <term type="sachen" key="Deutsche Evangelische Kirche">K[irche]</term>, d. h. dieses Bundes der deutschen Bekenntniskirchen stellen<note n="c3" type="textcritical" xml:id="nc3">In «stehen» korrigiert (ohne dass allerdings das unter Berücksichtigung aller am Satz angebrachten Korrekturen dann überflüssige «uns» gestrichen worden wäre).</note>. Uns fügt dabei zusammen das Bekenntnis zu der einen Kirche Jesu <term type="sachen" key="Kirche, Jesu Christi">Christi</term>, welches bei der Vereinigung der Bekenntniskirchen zur D[eutschen] E[vangelischen] K[irche] ausgesprochen ist.</seg></p>
			<p><seg corresp="ps-09">Wir müssen<note n="d3" type="textcritical" xml:id="nd3">Geändert in: «erklären».</note> aber vor der Öffentlichkeit aller evangelischen Kirchen Deutschlands ebenso gemeinsam <anchor type="note" xml:id="fn-e3"/>protestierend erklären<note n="e3" type="textcritical" xml:id="ne3" target="fn-e3">Im Zusammenhang mit der vorangehenden Änderung gestrichen.</note>, dass die Einheit dieses <term type="sachen" key="Bekenntnis">Bekenntnisses</term> und damit auch die Einheit der D[eutschen] E[vangelischen] <term type="sachen" key="Deutsche Evangelische Kirche">K[irche]</term> aufs schwerste gefährdet ist. Sie ist nämlich bedroht durch die in dem ersten Jahr des Bestehens der |2| D[eutschen] E[vangelischen] K[irche] mehr und mehr sichtbar gewordene Lehr- und Handlungsweise der herrschenden <?pagina pb="286"/?>  Kirchenpartei der D[eutschen] <term type="sachen" key="Deutsche Christen">C[hristen]</term> und der<note n="f3" type="textcritical" xml:id="nf3">Geändert in: «des».</note> von ihr getragenen <anchor type="note" xml:id="fn-g3"/>Reichskirchen-Regierung<note n="g3" type="textcritical" xml:id="ng3" target="fn-g3">Geändert in: «Kirchenregimentes».</note><term type="sachen" key="Deutsche Evangelische Kirche, Kirchenregierung">.</term> Diese Bedrohung besteht darin, dass die theologische Voraussetzung[,] in der die D[eutsche] E[vangelische] K[irche] vereinigt ist[,] sowohl seitens der Führer und Sprecher der D[eutschen] <term type="sachen" key="Deutsche Christen">C[hristen]</term>, als auch seitens der Reichskirchenregierung<note n="h3" type="textcritical" xml:id="nh3">Geändert in: «Kirchenregimentes» (ohne Anpassung des voranstehenden Artikels).</note> dauernd und grundsätzlich durch fremde Voraussetzungen durchkreuzt und unwirksam gemacht wird. Bei deren Geltung hört die Kirche nach allen bei uns in Kraft stehenden <term type="sachen" key="Bekenntnis">Bekenntnissen</term> auf, Kirche zu sein. Bei deren Geltung wird also auch die D[eutsche] E[vangelische] <term type="sachen" key="Deutsche Evangelische Kirche">K[irche]</term> als Bund der Bekenntniskirchen innerlich unmöglich.</seg></p>
			<p><seg corresp="ps-10">Gemeinsam dürfen und müssen wir als <term type="sachen" key="Lutheraner / Luthertum">Lutheraner</term>, <term type="sachen" key="Reformierte / Reformiertentum">Reformierte</term> und <term type="sachen" key="Unierte / Union">Unierte</term> heute in dieser Sache reden. Das tut dem Ernst keinen Eintrag, mit dem wir alle den unserer verschiedenen Herkunft und Verantwortung entsprechenden Bekenntnissen treu sein und bleiben wollen. <?pagina pb="287"/?>  Wir dürfen aber auch nicht schweigen, da uns in einer Zeit gemeinsamer Not tatsächlich ein gemeinsames Wort des <term type="sachen" key="Glaube / Glauben">Glaubens</term> in den Mund gelegt ist[,] und befehlen es Gott, was diese Tatsache hinsichtlich des Verhältnisses der Bekenntniskirchen untereinander für die Zukunft bedeuten mag.<note xml:id="n65">Zu diesem im Vergleich zur «Urschrift» neuen Absatz vgl. auch oben, <ref type="pub" target="../volume/52/p281#p281">S. 281</ref>, <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Notizen [I] zur Präambel [3.].</note> </seg></p>
			<p><seg corresp="ps-11">Wir bekennen uns angesichts der die Kirche verwüstenden und damit auch die Einheit der D[eutschen] E[vangelischen] <term type="sachen" key="Deutsche Evangelische Kirche">K[irche]</term> sprengenden <term type="sachen" key="Irrtum">Irrtümer</term> der D[eutschen] <term type="sachen" key="Deutsche Christen">C[hristen]</term> und der gegenwärtigen <term type="sachen" key="Deutsche Evangelische Kirche, Kirchenregierung">Reichskirchenregierung</term> insbesondere zu folgenden evangelischen <term type="sachen" key="Wahrheit, evangelische">Wahrheiten</term>, die auf Grund der theologischen Voraussetzung der D[eutschen] E[vangelischen] K[irche] notwendig Gültigkeit haben und deren Leugnung oder Verkehrung gegen die Heilige <term type="sachen" key="Bibel / Heilige Schrift">Schrift</term> und gegen die <term type="sachen" key="Bekenntnis">Bekenntnisse</term> verstößt.</seg></p>
			<p><seg corresp="ps-12">1.)<note n="i3" type="textcritical" xml:id="ni3">Oberhalb der Zeile hinzugefügt: «<ref type="can" subtype="bible" target="Joh.14.6">Joh. 14,6</ref>».</note> «Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wer nicht zur Tür hineingeht in den Schafstall, sondern steiget anderswo hinein, der ist ein Dieb und ein Mörder ... Ich bin die Tür; so jemand durch mich eingeht, der wird selig werden.» (<ref type="can" subtype="bible" target="Joh.10.1 Joh.10.9">Joh. 10,1.9</ref>)</seg></p>
			
			<p><seg corresp="ps-13"><hi rend="italic">Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Ster<pb n="3" ed="A" break="no"/>ben zu vertrauen und zu gehorchen haben.</hi></seg></p>
			<p><seg corresp="ps-14">Wir verwerfen die falsche <term type="sachen" key="Häresie / Irrlehre">Lehre</term>, als könne und müsse die Kirche außer und neben dieser <term type="sachen" key="Offenbarung">einen </term>Offenbarung<note n="j3" type="textcritical" xml:id="nj3">Ohne Anpassung des voranstehenden «dieser» geändert in: «Worte Gottes».</note> auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als <term type="sachen" key="Wahrheit, Gottes">Gottes </term>Wahrheit<note n="k3" type="textcritical" xml:id="nk3">Geändert in: «Offenbarung».</note> hören, anerkennen und verkündigen.</seg></p>
			<p><seg corresp="ps-15">2.) «Jesus Christus ist uns gemacht von Gott zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung.» (<ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.1.30">1.Kor. 1,30</ref>)</seg></p>
			<p><seg corresp="ps-16"><hi rend="italic">
				Wie Jesus Christus Gottes Zuspruch der Vergebung aller unserer Sünden ist, so und mit gleichem Ernst ist er auch Gottes kräftiger Anspruch auf unser ganzes Leben:</hi>
				<anchor type="note" xml:id="fn-l3"/>
				<hi rend="italic">durch ihn widerfährt uns frohe Befreiung aus den gottlosen Bindungen dieser Welt zu freiem dankbarem Dienst an seinen Geschöpfen.</hi><note n="l3" type="textcritical" xml:id="nl3">Die versehentlich unterlassene Hervorhebung auch dieses Satzteiles, der sich erst der Beratung über die «Urschrift» verdankt (vgl. auch oben, <ref type="pub" target="../volume/52/p282#p282">S. 282</ref>, <persName ref="kbga-actors-2151">Barths</persName> Notizen zu These 2), ist nachträglich ergänzt.</note>
			</seg></p>
			<p><seg corresp="ps-17">Wir verwerfen die falsche <term type="sachen" key="Häresie / Irrlehre">Lehre</term>, als gäbe es Gebiete unseres Lebens, auf denen wir nicht Jesus Christus[,] sondern Herren außer ihm gehören, nicht seinem[,] sondern einem von ihm <term type="sachen" key="Gesetz / Gesetze">unabhängigen </term>Gesetz<note n="m3" type="textcritical" xml:id="nm3">Geändert in: «Gebote».</note> verantwortlich wären.</seg></p>
			<p><seg corresp="ps-18">3.) «Lasset uns aber rechtschaffen sein in der Liebe und wachsen in allen ­Stücken an dem, der das Haupt ist, ­Christus, von welchem aus der ganze Leib zusammengefügt ist.» (<ref type="can" subtype="bible" target="Eph.4.15 Eph.4.16">Eph. 4,15–16</ref>)</seg></p>
			<p><seg corresp="ps-19"><hi rend="italic">
				Die christliche Kirche ist die Gemeinde von Brüdern, in der Jesus Christus als der Herr verkündigt wird. Sie hat mit ihrem Glauben
				wie mit ihrem Gehorsam, mit ihrer Botschaft 
				wie mit ihrer Ordnung mitten in der Welt der Sünde 
				und selber als die Kirche der Sünder zu bezeugen, dass sie allein sein Eigentum ist, allein von seinem Trost und von seiner Weisung<note n="n3" type="textcritical" xml:id="nn3">Ergänzung: «in Erwartung seiner Erscheinung».</note> lebt und leben möchte.
			</hi></seg></p>
			<p><seg corresp="ps-20">Wir verwerfen die falsche <term type="sachen" key="Häresie / Irrlehre">Lehre</term>, als dürfe sich die Kirche in ihrer Bot<?pagina pb="290"/?>schaft und <term type="sachen" key="Kirche, Ordnung">Ordnung</term> ihrem freien<note n="o3" type="textcritical" xml:id="no3">Durchgestrichen.</note> Belieben oder dem Wechsel der jeweils herrschenden <term type="sachen" key="Weltanschauung">weltanschaulichen</term> und <term type="sachen" key="Politik">politischen</term> Überzeugungen überlassen.</seg></p>
			<p><pb n="4" ed="A" rend="noPipe"/><seg corresp="ps-21">4.) «Ihr wisset, dass die weltlichen Fürsten herrschen und die Oberherren haben Gewalt. So soll es nicht sein unter euch. Sondern, so jemand will unter euch gewaltig sein, der sei euer Diener.» (<ref type="can" subtype="bible" target="Mt.20.25 Mt.20.26">Matth. 20,25–26</ref>)</seg></p>
			<p><seg corresp="ps-22"><hi rend="italic">
				Die verschiedenen Ämter in der Kirche begründen keine Herrschaft der Einen über die Anderen, sondern die Ausübung des der ganzen Gemeinde anvertrauten und befohlenen Dienstes.
			</hi></seg></p>
			<p><seg corresp="ps-23">Wir verwerfen die falsche <term type="sachen" key="Häresie / Irrlehre">Lehre</term>, als könne und dürfe sich die Kirche abseits von diesem Dienst besondere, mit Herrschaftsbefugnissen ausgestattete <term type="sachen" key="Führer / Führertum, in der Kirche">«Führer»</term> geben oder geben lassen,<note n="p3" type="textcritical" xml:id="np3">Einfügung eines hochgestellten x, ohne dass es eine zugehörige Anmerkung gäbe.</note>  nach dem Vorbild bestimmter Staatsformen, über deren Recht und Wert als solche der <term type="sachen" key="Kirche, und Staat">Kirche</term> kein Urteil zusteht.</seg></p>
			<p><seg corresp="ps-24">5.) «Fürchtet Gott, ehret den König.» (<ref type="can" subtype="bible" target="1.Petr.2.17">1.Petr. 2,17</ref>)</seg></p>
			<p><seg corresp="ps-25"><hi rend="italic">
				Die Schrift sagt uns, dass der <term type="sachen" key="Staat">Staat</term> nach göttlicher Anordnung die Aufgabe hat, in der noch nicht erlösten Welt, der auch die Kirche angehört, nach dem Maß menschlicher Einsicht <?pagina pb="291"/?>  und menschlichen Vermögens unter Androhung und Ausübung von Gewalt für Recht
				und Sicherheit zu sorgen<note n="q3" type="textcritical" xml:id="nq3">Im Typoskript folgt ein überzähliges, handschriftlich durchgestrichenes «hat».</note>. Die
				<term type="sachen" key="Kirche, und Staat">Kirche</term>, frei in der Bindung an ihren Auftrag, begleitet mit Dank und Ehrfurcht gegen Gott den in der Bindung an seinen Auftrag ebenso freien Staat mit ihrer Fürbitte[,] aber auch mit der Erinnerung an Gottes ewiges Reich, an Gottes
				Gesetz<note n="r3" type="textcritical" xml:id="nr3">Geändert in: «Gebot».</note> und Gottes Gerechtigkeit.
			</hi></seg></p>
			<p><seg corresp="ps-26">Wir verwerfen die falsche <term type="sachen" key="Häresie / Irrlehre">Lehre</term>, als könne ein <term type="sachen" key="Staat, totaler">Staat</term> die einzige und totale Ordnung menschlichen Lebens werden. Wir verwerfen die falsche Lehre, als habe sich die Kirche mit ihrer <term type="sachen" key="Kirche, Botschaft">Botschaft</term> und<note n="s3" type="textcritical" xml:id="ns3">Geändert in: «oder auch nur mit ihrer».</note> <term type="sachen" key="Kirche, Gestalt">Gestalt</term> einer bestimmten <term type="sachen" key="Kirche, und Staat">Staatsform</term> anzugleichen.</seg></p>
			<p><seg corresp="ps-27">6.) «Siehe[,] ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.» ⌈(<ref type="can" subtype="bible" target="Mt.28.20">Matth. 28,20</ref>)⌉ «Gottes Wort ist nicht gebunden.» ⌈(<ref type="can" subtype="bible" target="2.Tim.2.9">2.Tim. 2,9</ref>)⌉<note n="t3" type="textcritical" xml:id="nt3">Die zu These 6 versehentlich nicht mit angeführten Bibelstellenangaben sind von Barth handschriftlich nachgetragen worden.</note> </seg></p>
			<p><seg corresp="ps-28"><hi rend="italic">Der Auftrag der Kirche[,] in welchem ihre Freiheit gründet[,] besteht darin, an Christi Statt und also im Dienst seines eigenen Wortes und Werkes <pb n="5" ed="A"/> durch Predigt und Sakrament
				die Botschaft von der freien Gnade Gottes auszurichten an alles Volk.&gt;</hi></seg></p>
			<?pagina pb="292"/?>
			<p><seg corresp="ps-29">Wir verwerfen die falsche <term type="sachen" key="Häresie / Irrlehre">Lehre</term>, als könne die Kirche in menschlicher Selbstherrlichkeit das <term type="sachen" key="Wort Gottes">Wort</term> und Werk des Herrn in den Dienst irgendwelcher eigenmächtig gewählter Wünsche, Zwecke und Pläne stellen.</seg></p>
			<p><seg corresp="ps-30">Die Freie Deutsche <term type="sachen" key="Bekenntnissynode, Barmen, Deutsche Evangelische Kirche">Nationalsynode</term> erklärt, dass sie in Anerkennung dieser <term type="sachen" key="Wahrheit">Wahrheiten</term> und<note n="u3" type="textcritical" xml:id="nu3">Nachfolgend ergänzt: «in».</note> Verwerfung dieser <term type="sachen" key="Irrtum">Irrtümer</term> die unumgängliche theologische Bedingung der Einheit und damit des Bestehens der D[eutschen] E[vangelischen] <term type="sachen" key="Deutsche Evangelische Kirche">K[irche]</term> sieht. Sie fordert alle, die sich ihrer <term type="sachen" key="Barmer Theologische Erklärung">Erklärung</term> anschließen können[,] auf, bei ihren <term type="sachen" key="Kirchenpolitik">kirchenpolitischen</term> Entscheidungen dieser theologischen Erkenntnisse<note n="v3" type="textcritical" xml:id="nv3">Geändert in: «Bedingung».</note> eingedenk zu sein. Sie bittet alle, die es angeht, in die Einheit des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung zurückzukehren.</seg></p>
			<p rend="center"><seg corresp="ps-31">Verbum Dei manet in Aeternum.</seg></p>
		</div>
		<div type="paper"><pb xml:id="p293" ed="pga" rend="noPipe"/> 
			<head>4. Barmer Theologische Erklärung<note xml:id="n66"><idno type="kba-objects-identifier">KBA 9107.329</idno>; Abdruck auf S. 1–3 eines vierseitigen Flugblattes, gedruckt auf einem gefalteten Blatt (35,6 × 25,8 cm) am
<date when="1934-05-31">31.5.1934</date>; «Druck und Versand: Westd[eutscher] Jungmännerbund A.-G., W[uppertal]-Barmen, Besenbruchstr. 28.» (S. 4); vgl. oben, Anm. 55. Im textkritischen Apparat werden die Abweichungen vom Bonner Entwurf (BE; s. oben, Anm. 34) und die wenigen Abweichungen von der zweiten Synodalvorlage (SV 2; Abdruck: <bibl corresp="kbga-bibls-3283">Nicolaisen [<ref type="pub" target="#fn_n01">Anm. 1</ref>], S. 164–192</bibl> [Text VIII]), über die die <term type="sachen" key="Bekenntnissynode, Barmen, Deutsche Evangelische Kirche">Synode</term> abstimmte, ausgewiesen; Verbesserungen offensichtlicher Schreibfehler oder die Auflösung von Abkürzungen bleiben dabei unberücksichtigt, ebenso die Hervorhebung der Bibelzitate im Original durch Fettdruck. </note></head>
			<head type="sub">(<placeName ref="kbga-places-162">Wuppertal-Barmen</placeName>,
				<date when="1934-05-31">31.5.1934</date>)</head> <head type="sub"><anchor type="note" xml:id="fn-a4"/><hi rend="italic">Theologische Erklärung zur gegenwärtigen Lage der Deutschen Evangelischen Kirche</hi><note n="a4" target="fn-a4" type="textcritical" xml:id="na4">BE / SV 2: «Vorschlag des / 2. Lesung des Vorschlages des theologischen Ausschusses für die Bekenntnissynode [BE: «Bekenntnis-Synode»] der Deutschen Evangelischen Kirche». Das in der Überschrift wohl irrtümlich ergänzte «in», das zuletzt in Barths «Urschrift» enthalten war, wurde beim Satz weggelassen (vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3283">Nicolaisen [<ref type="pub" target="#fn_n01">Anm. 1</ref>], S. 59</bibl>).</note></head> <p rend="left">Die Deutsche Evangelische <term type="sachen" key="Deutsche Evangelische Kirche">Kirche</term> ist nach den Eingangsworten ihrer <term type="sachen" key="Deutsche Evangelische Kirche, Verfassung">Verfassung</term> vom
<date when="1933-07-11">11. Juli 1933</date> ein Bund der aus der <term type="sachen" key="Reformation">Reformation</term> erwachsenen, gleichberechtigt nebeneinanderstehenden Bekenntniskirchen.<note n="b4" type="textcritical" xml:id="nb4">In BE folgt der Satz: «Diese möchten sich durch ihre Vereinigung gemeinsam zu der kommenden Gottesgabe der einen, heiligen, allgemeinen und apostolischen Kirche im Sinn von <ref type="can" subtype="bible" target="Eph.4.4 Eph.4.6">Eph. 4,4–6</ref> bekennen.»</note><note xml:id="n67">Im zweiten Satz der Eingangsworte heißt es unter Berufung auf <ref type="can" subtype="bible" target="Eph.4.4 Eph.4.6">Eph. 4,4–6</ref>: «Sie [die Deutsche Evangelische Kirche] vereinigt die aus der Reformation erwachsenen gleichberechtigt nebeneinanderstehenden Bekenntnisse in einem feierlichen Bunde und bezeugt dadurch: ‹Ein Leib und ein Geist, ein Herr, ein Glaube, eine Taufe, ein Gott und Vater unser aller, der da ist über allen und durch alle und in allen›» (<bibl corresp="kbga-bibls-121">GDEK 1 [1933], Nr. 1, S. 2</bibl>). </note> Die theologische Voraussetzung der Vereinigung dieser Kirchen ist in <anchor type="note" xml:id="fn-c4"/>Art. 1 und Art. 2,1<note n="c4" target="fn-c4" type="textcritical" xml:id="nc4">BE: «Art. 1, Art. 2,1 und Art. 4,1». </note> der von der <term type="sachen" key="Deutschland / Deutsches Reich, Regierung">Reichsregierung</term> am
<date when="1933-07-14">14. Juli 1933</date> anerkannten<note xml:id="n68">«Gesetz über die Verfassung der Deutschen Evangelischen Kirche» vom
<date when="1933-07-14">14.7.1933</date> (Abdruck: <bibl corresp="kbga-bibls-121">GDEK 1 [1933], Nr. 1, S. 9</bibl>).</note> Verfassung der Deutschen Evangelischen Kirche angegeben:</p> 
			<p rend="margin-top smaller"><pb xml:id="p294" ed="pga" rend="noPipe"/> Art. 1: Die unantastbare Grundlage der Deutschen Evangelischen Kirche ist das <term type="sachen" key="Evangelium">Evangelium</term> von Jesus Christus, wie es uns in der Heiligen <term type="sachen" key="Bibel / Heilige Schrift">Schrift</term> bezeugt und in den Bekenntnissen der <term type="sachen" key="Bekenntnis, reformatorisch">Reformation</term> neu ans Licht getreten ist. Hierdurch werden die Vollmachten, deren die Kirche für ihre <term type="sachen" key="Kirche, Sendung">Sendung</term> bedarf, bestimmt und begrenzt. </p>
			<p rend="smaller">Art. 2,1: Die Deutsche Evangelische Kirche gliedert sich in Kirchen (Landeskirchen).<note n="d4" type="textcritical" xml:id="nd4">In BE folgt noch Art. 4,1 der Verfassung der DEK (s. oben, <ref type="pub" target="../volume/52/p284#p284">S. 284</ref> [«Frankfurter Konkordie»]).</note><note xml:id="n69"><bibl corresp="kbga-bibls-121">A.a.O., S. 2.</bibl> </note> </p>
<p>Wir, die zur <anchor type="note" xml:id="fn-e4"/><term type="sachen" key="Bekenntnissynode, Barmen, Deutsche Evangelische Kirche">Bekenntnissynode</term> der Deutschen Evangelischen Kirche<note n="e4" target="fn-e4" type="textcritical" xml:id="ne4">BE: «Deutschen Bekenntnis-Synode».</note> vereinigten Vertreter lutherischer, reformierter und unierter Kirchen, freier <term type="sachen" key="Synoden, Freie">Synoden</term>, Kirchentage und Gemeindekreise erklären, dass wir gemeinsam auf dem Boden der Deutschen Evangelischen <term type="sachen" key="Deutsche Evangelische Kirche">Kirche</term> <anchor type="note" xml:id="fn-f4"/>als eines<note n="f4" target="fn-f4" type="textcritical" xml:id="nf4">BE: «…, d. h. dieses».</note> Bundes der deutschen Bekenntniskirchen stehen. Uns fügt dabei zusammen das <term type="sachen" key="Bekenntnis">Bekenntnis</term> zu <anchor type="note" xml:id="fn-g4"/>dem einen Herrn der einen, heiligen, allgemeinen, und apostolischen Kirche<note n="g4" target="fn-g4" type="textcritical" xml:id="ng4">BE: «der einen Kirche Jesu Christi, welches bei der Vereinigung der Bekenntniskirchen zur D[eutschen] E[vangelischen K[irche] ausgesprochen ist».</note><note xml:id="n70">Glaubensbekenntnis von <orgName ref="kbga-actors-8308">Nicäa</orgName>-Konstantinopel, III. Art. </note>.</p>
			<p>Wir erklären<note n="h4" type="textcritical" xml:id="nh4">BE: «erklären aber».</note> vor der Öffentlichkeit aller evangelischen Kirchen Deutschlands<note n="i4" type="textcritical" xml:id="ni4">BE: «Deutschlands ebenso gemeinsam».</note>, dass die Gemeinsamkeit<note n="j4" type="textcritical" xml:id="nj4">BE: «Einheit».</note> dieses Bekenntnisses und damit auch die Einheit der Deutschen Evangelischen Kirche aufs schwerste gefährdet ist. Sie ist<note n="k4" type="textcritical" xml:id="nk4">BE: «ist nämlich».</note> bedroht durch die in dem ersten Jahr des Bestehens der Deutschen Evangelischen Kirche mehr und mehr sichtbar gewordene Lehr- und Handlungsweise der herrschenden Kirchenpartei der <orgName ref="kbga-actors-8309">Deutschen Christen</orgName> und des von ihr <term type="sachen" key="Deutsche Evangelische Kirche, Kirchenregierung">getragenen </term>Kirchenregimentes<note n="l4" type="textcritical" xml:id="nl4">SV 2: «Kirchenregiments». </note>.<note xml:id="n71">Mit den <orgName ref="kbga-actors-8309">Deutschen Christen</orgName> und ihren Ansichten hatte Barth sich bereits seit dem Frühsommer 1933 immer wieder auseinandergesetzt, seit dem Spätsommer 1933 auch mit den Maßnahmen des deutsch-christlich dominierten Kirchenregiments. Vgl., mit jeweils zahlreichen in den Fußnoten ausgewiesenen Belegen, u. a. <bibl corresp="kbga-bibls-397"><persName ref="kbga-actors-2151">K. Barth</persName>, <hi rend="italic">Theologische Existenz heute!</hi>, in: V.u.kl.A. 1930–1933, <ref type="pub" target="../volume/49/p271#p271">S. 271–363</ref>, dort <ref type="pub" target="../volume/49/p320#p320">S. 320–330</ref></bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-854">ders., <hi rend="italic">Gegenthesen zu den Rengsdorfer Thesen</hi>, in: a.a.O., <ref type="pub" target="../volume/49/p558#p558">S. 558–566</ref></bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-581">ders., <hi rend="italic">Kirchliche Opposition 1933. Grundsätzliches</hi>, in: a.a.O., <ref type="pub" target="../volume/49/p581#p581">S. 581–589</ref>, dort bes. die Thesen 3 und 4 (<ref type="pub" target="../volume/49/p587#p587">S. 587f.</ref>)</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-6151">ders., <hi rend="italic">Bericht über die Grundsätze der Kirchenbewegung «Deutsche Christen e. V.»</hi> (s. oben, <ref type="pub" target="../volume/52/p138#p138">S. 138-144</ref>)</bibl>. Zahlreiche einschlägige Quellen sind auch zitiert im Untertext zu den sechs Barmer Thesen in: <bibl corresp="kbga-bibls-4935">Heimbucher / <persName ref="kbga-actors-6727">Weth</persName> (<ref type="pub" target="#fn_n01">Anm. 1</ref>), S. 37–42.</bibl> Die im Folgenden zu den Verwerfungssätzen angeführten Belege haben insofern nur Beispielcharakter und lassen sich beliebig vermehren.</note> Diese Bedrohung besteht darin, dass die theo<pb xml:id="p295" ed="pga" break="no"/>logische Voraussetzung, in der die Deutsche Evangelische Kirche vereinigt ist, sowohl seitens der Führer und Sprecher der <orgName ref="kbga-actors-8309">Deutschen Christen</orgName> als auch seitens <anchor type="note" xml:id="fn-m4"/>des Kirchenregiments<note n="m4" target="fn-m4" type="textcritical" xml:id="nm4">BE: «der Kirchenregimente»; SV 2: «des Kirchenregimentes».</note> dauernd und grundsätzlich durch fremde Voraussetzungen durchkreuzt und unwirksam gemacht wird. Bei deren Geltung hört die Kirche nach allen bei uns in Kraft stehenden Bekenntnissen auf, Kirche zu sein. Bei deren Geltung wird also auch die Deutsche Evangelische Kirche als Bund der Bekenntniskirchen innerlich unmöglich.</p>
			<p><anchor type="note" xml:id="fn-n4"/>
			&gt;Gemeinsam dürfen und müssen wir als Glieder lutherischer, reformierter und unierter Kirchen heute in dieser Sache reden. Gerade weil wir unseren verschiedenen <term type="sachen" key="Bekenntnis">Bekenntnissen</term> treu sein und bleiben wollen, dürfen wir nicht schweigen, da wir glauben, dass uns in einer Zeit gemeinsamer Not und Anfechtung ein gemeinsames Wort in den Mund gelegt ist. Wir befehlen es Gott, was dies für das Verhältnis der Bekenntniskirchen untereinander bedeuten mag.<note n="n4" target="fn-n4" type="textcritical" xml:id="nn4">BE: «Wir dürfen aber auch nicht schweigen, da uns in einer Zeit gemeinsamer Not tatsächlich ein gemeinsames Wort des Glaubens in den Mund gelegt ist. Wir befehlen es Gott, was diese Tatsache für das Verhältnis der Bekenntniskirchen untereinander für die Zukunft bedeuten mag.»</note></p>
			<p> Wir bekennen uns angesichts der die Kirche verwüstenden und damit auch die Einheit der Deutschen Evangelischen <term type="sachen" key="Deutsche Evangelische Kirche">Kirche</term> sprengenden <term type="sachen" key="Irrtum">Irrtümer</term> der «<orgName ref="kbga-actors-8309">Deutschen Christen»</orgName> und der gegenwärtigen <term type="sachen" key="Deutsche Evangelische Kirche, Kirchenregierung">Reichskirchenregierung</term> zu folgenden <term type="sachen" key="Wahrheit, evangelische">evangelischen </term>Wahrheiten<note n="o4" type="textcritical" xml:id="no4">In BE folgt: «…, die auf Grund der theologischen Voraussetzung der D[eutschen] E[vangelischen] K[irche] notwendig Geltung beanspruchen und deren Leugnung oder Verkehrung gegen die heilige Schrift und gegen die Bekenntnisse verstößt».</note>:</p>
<p><pb xml:id="p296" ed="pga" rend="noPipe"/> 1.<note n="p4" type="textcritical" xml:id="np4">In BE beginnt die erste These vor dem Bibelzitat mit: «Jesus spricht:»</note>
			«Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.» (<ref type="can" subtype="bible" target="Joh.14.6">Joh. 14,6</ref>).</p> <p>«Wahrlich, wahrlich[,] ich sage euch: Wer nicht zur Tür hineingeht in den Schafstall, sondern steigt anderswo hinein, der ist ein Dieb und ein Mörder. Ich bin die Tür; so jemand durch mich eingeht, der wird selig werden.» (<ref type="can" subtype="bible" target="Joh.10.1 Joh.10.9">Joh. 10,1.9</ref>).</p> <p><hi rend="italic">Jesus Christus, wie er uns in der heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes</hi><hi rend="italic">, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben</hi><note xml:id="n72">Vgl. <hi rend="italic">Heidelberger Katechismus</hi>, Frage 1 (<bibl corresp="kbga-bibls-17">BSRK, S. 682,20</bibl>; <bibl corresp="kbga-bibls-20">RefBS 2/2, S. 175,32</bibl>). </note>
				<hi rend="italic">[vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Röm.14.8">Röm. 14,8</ref></hi><hi rend="italic">] zu vertrauen und zu gehorchen haben.</hi></p> <p rend="smaller">Wir verwerfen die falsche <term type="sachen" key="Häresie / Irrlehre">Lehre</term>, als könne und müsse die Kirche <anchor type="note" xml:id="fn-q4"/>als Quelle <term type="sachen" key="Verkündigung">ihrer </term>Verkündigung<note n="q4" target="fn-q4" type="textcritical" xml:id="nq4">Fehlt in BE.</note> außer und neben diesem einen Worte Gottes auch noch andere Ereignisse und Mächte, Gestalten und Wahrheiten als Gottes <term type="sachen" key="Offenbarung, zweite">Offenbarung</term> anerkennen<note n="r4" type="textcritical" xml:id="nr4">BE: «hören, anerkennen und verkündigen». </note>.<note xml:id="n73">Vgl. etwa die dritte der <hi rend="italic">Richtlinien der Kirchenbewegung Deutsche Christen (Nationalkirchliche Bewegung)</hi> vom 11. Dezember 1933 (<bibl corresp="kbga-bibls-74">Schmidt</bibl>; vgl. oben, <ref type="pub" target="../volume/52/p142#p142">S. 142</ref>): «Wie jedem Volk, so hat auch unserem Volk der ewige Gott ein arteigenes Gesetz eingeschaffen. Es gewann Gestalt in dem Führer Adolf Hitl<persName ref="kbga-actors-185">er</persName>m von ihm geformten nationalsozialistischen Staat. Dieses Gesetz spricht zu uns in der aus Blut und Boden erwachsenen Geschichte unsres Volkes. Die Treue zu diesem Gesetz fordert von uns den Kampf für Ehre und Freiheit.»</note>
			</p>
<p>2. «Jesus Christus ist uns gemacht von Gott zur Weisheit und zur Gerechtigkeit und zur Heiligung und zur Erlösung.» (<ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.1.30">1.Kor. 1,30</ref>).</p> <p><hi rend="italic">Wie Jesus Christus Gottes Zuspruch der Vergebung</hi> <hi rend="italic">aller unserer Sünden</hi> <hi rend="italic">ist, so und mit gleichem Ernst ist er auch Gottes kräftiger Anspruch auf unser ganzes Leben</hi><hi rend="italic">; durch ihn widerfährt uns frohe Befreiung aus den gottlosen Bindungen dieser Welt zu freiem, dankbarem Dienst an seinen Geschöpfen.</hi>
			</p> 
			<p rend="smaller"><pb xml:id="p297" ed="pga" rend="noPipe"/> Wir verwerfen die falsche <term type="sachen" key="Häresie / Irrlehre">Lehre</term>, als <anchor type="note" xml:id="fn-s4"/>gebe es Bereiche<note n="s4" target="fn-s4" type="textcritical" xml:id="ns4">BE: «gebe es Gebiete»; SV 2: «gäbe es Bereiche».</note> unseres Lebens, <anchor type="note" xml:id="fn-t4"/>in denen wir nicht Jesus Christus, sondern anderen Herren zu eigen wären, Bereiche, in denen wir nicht der <term type="sachen" key="Rechtfertigung">Rechtfertigung</term> und <term type="sachen" key="Heiligung">Heiligung</term> durch ihn bedürften<note n="t4" target="fn-t4" type="textcritical" xml:id="nt4">BE: «auf denen wir nicht Jesus Christus, sondern Herrn außer ihm gehören, nicht seinem, sondern einem von ihm unabhängigen Gebot verantwortlich wären»; in SV 2 fehlt «Bereiche» (sonst wie der oben stehende Text).</note>.<note xml:id="n74">In Punkt 5 der auf der <term type="sachen" key="Sportpalastkundgebung">«Sportpalastkundgebung»</term> des Gaues «Groß-Berlin» am
<date when="1933-11-13">13. November 1933</date> angenommenen Entschließung hieß es: «Wir fordern, daß eine deutsche Volkskirche ernst macht mit der Verkündigung der von aller orientalischen Entstellung gereinigten schlichten Frohbotschaft und einer heldischen Jesusgestalt als Grundlage eines artgemäßen Christentums, in dem an die Stelle der zerbrechenden Knechtsseele der stolze Mensch tritt, der sich als Gotteskind dem Göttlichen in sich und in seinem Volke verpflichtet weiß» (<bibl corresp="kbga-bibls-169">Gauger</bibl>). </note> </p>
<p>3. «Lasset uns aber rechtschaffen sein in der Liebe und wachsen in allen Stücken an dem, der das Haupt ist, Christus, von welchem aus der ganze Leib zusammengefügt ist.» (<ref type="can" subtype="bible" target="Eph.4.15 Eph.4.16">Eph. 4,15–16</ref>).</p> <p><hi rend="italic">Die christliche Kirche</hi> <hi rend="italic">ist die Gemeinde von Brüdern, in der Jesus Christus</hi> <anchor type="note" xml:id="fn-u4"/><hi rend="italic">in Wort</hi> <hi rend="italic">und Sakrament</hi> <hi rend="italic">durch den Heiligen Geist</hi> <hi rend="italic">als der Herr</hi> <hi rend="italic">gegenwärtig handelt</hi><note n="u4" target="fn-u4" type="textcritical" xml:id="nu4">BE: «als der Herr verkündigt wird».</note><hi rend="italic">. Sie hat mit ihrem Glauben</hi> <hi rend="italic">wie mit ihrem Gehorsam, mit ihrer Botschaft</hi> <hi rend="italic">wie mit ihrer Ordnung</hi> <hi rend="italic">mitten in der Welt der Sünde</hi>
				<anchor type="note" xml:id="fn-v4"/><hi rend="italic">als die Kirche der begnadigten</hi><note n="v4" target="fn-v4" type="textcritical" xml:id="nv4">BE: «und selber als die Kirche der».</note> <hi rend="italic">Sünder</hi>
			<hi rend="italic">zu bezeugen, dass sie allein sein Eigentum</hi> <hi rend="italic">ist, allein von seinem Trost und von seiner Weisung in</hi><note n="w4" type="textcritical" xml:id="nw4">BE: «und in».</note> <hi rend="italic">Erwartung seiner Erscheinung lebt und leben möchte.</hi></p> <p rend="smaller">Wir verwerfen die falsche <term type="sachen" key="Häresie / Irrlehre">Lehre</term>, als dürfe <anchor type="note" xml:id="fn-x4"/>die Kirche die Gestalt<note n="x4" target="fn-x4" type="textcritical" xml:id="nx4">BE: «sich die Kirche in». </note> ihrer <term type="sachen" key="Kirche, Botschaft">Botschaft</term> und ihrer <term type="sachen" key="Kirche, Ordnung">Ordnung</term> ihrem Belieben oder dem Wechsel der jeweils herrschenden <term type="sachen" key="Weltanschauung">weltanschaulichen</term> und <term type="sachen" key="Politik">politischen</term> Überzeugungen überlassen.<note xml:id="n75">Vgl. etwa <bibl corresp="kbga-bibls-4591"><persName ref="kbga-actors-184">E. Hirsch</persName>, <hi rend="italic">Das kirchliche Wollen der Deutschen Christen. Zur Beurteilung des Angriffs von Karl Barth (Theologische Existenz heute, München 1933)</hi>, in: ders., <hi rend="italic">Das kirchliche Wollen der Deutschen Christen</hi>, Berlin 1933, S. 5–17, dort S. 15</bibl>: «Es ist nach dem allen nur natürlich, daß wir jetzt, wo wir in eine von oben bis unten auf den Führungsgedanken gebaute Volklichkeit und Staatlichkeit treten, nun auch in unsrer Kirche Führung verwirklichen und gestalten»; <bibl corresp="kbga-bibls-6152">ders., <hi rend="italic">Theologisches Gutachten in der Nichtarierfrage</hi> (Erweiterte und für den Druck verbesserte Fassung des Gutachtens vom
				<date when="1933-10-07">7.10.1933</date>), in: DTh 1 (1934), S. 182–199, dort S. 196</bibl>: Eine Kirchenordnung sei, «auch soweit sie gut ist und richtig gebracht wird, immer ein bestimmter Gebrauch menschlicher Freiheit, neben dem anderer Gebrauch menschlicher Freiheit möglich wäre». Vgl. auch das ebenfalls u. a. auf Hirsch zurückgehende <hi rend="italic">Pommersche Bekenntnis Deutscher Christen</hi> von Ende 1933 (<bibl corresp="kbga-bibls-74">Schmidt</bibl>), wo es zum Punkt «Kirche und Staat» hieß (<bibl corresp="kbga-bibls-74">a.a.O., S. 105</bibl>): «Evangelischer Glaube schließt in sich die Bereitschaft, immer wieder in die geschichtliche Wirklichkeit von Volk und Staat hineinzulauschen und den ihm von Gott gebotenen Weg sich in neuer Stunde neu zeigen zu lassen. Wir können heute nur von solchen Christen rechte kirchliche Führung in der Wirklichkeit von Volk und Staat erwarten, welche in der nationalsozialistischen Bewegung eine für alle Deutschen verbindliche neue Gestalt deutschen Lebens erkennen.» </note>
			</p>
<p><pb xml:id="p298" ed="pga" rend="noPipe"/> 4. «Ihr wisset, dass die weltlichen Fürsten herrschen und die Oberherren haben Gewalt. So soll es nicht sein unter euch; sondern so jemand will unter euch gewaltig sein, der sei euer Diener.» (<ref type="can" subtype="bible" target="Mt.20.25 Mt.20.26">Matth. 20,25–26</ref>).</p> <p><hi rend="italic">Die verschiedenen Ämter</hi> <hi rend="italic">in der Kirche begründen keine Herrschaft der einen über die anderen, sondern die Ausübung des der ganzen Gemeinde anvertrauten und befohlenen Dienstes</hi><hi rend="italic">.</hi></p> <p rend="smaller">Wir verwerfen die falsche <term type="sachen" key="Häresie / Irrlehre">Lehre</term>, als könne und dürfe sich die Kirche abseits von diesem Dienst besondere, mit Herrschaftsbefugnissen <term type="sachen" key="Führer / Führertum, in der Kirche">ausgestattete </term>Führer<note n="y4" type="textcritical" xml:id="ny4">BE: «‹Führer›».</note> geben oder geben lassen<note n="z4" type="textcritical" xml:id="nz4">BE: «lassen nach dem Vorbild bestimmter Staatsformen».</note>.<note xml:id="n76">Zur Frage des Bischofsamtes als eines autoritativen Führungsamtes hatte Barth sich bereits in <bibl corresp="kbga-bibls-397"><hi rend="italic">Theologische Existenz heute!</hi> (<ref type="pub" target="#fn_n71">Anm. 71</ref>), <ref type="pub" target="../volume/49/p302#p302">S. 302–320</ref></bibl>, eingehend geäußert.</note>
			</p>
<p>5. «Fürchtet Gott, ehret den König!» (<ref type="can" subtype="bible" target="1.Petr.2.17">1.Petr. 2,17</ref>).</p> <p><hi rend="italic">Die Schrift</hi>
			<hi rend="italic">sagt uns, dass der Staat</hi> <hi rend="italic">nach göttlicher Anordnung die Aufgabe hat, in der noch nicht erlösten Welt,</hi> <anchor type="note" xml:id="fn-aa4"/><hi rend="italic">in der auch die Kirche steht</hi><note n="aa4" target="fn-aa4" type="textcritical" xml:id="naa4">BE: «der auch die Kirche angehört».</note><hi rend="italic">, nach dem Maß menschlicher Einsicht und mensch<pb xml:id="p299" ed="pga" break="no"/>lichen Vermögens unter Androhung und Ausübung von Gewalt für Recht</hi> <hi rend="italic">und Frieden</hi> <hi rend="italic">zu sorgen.</hi><anchor type="note" xml:id="fn-ab4"/><hi rend="italic">Die Kirche</hi> <hi rend="italic">erkennt in Dank und Ehrfurcht gegen Gott die Wohltat dieser seiner Anordnung an</hi><note n="ac4" type="textcritical" xml:id="nac4">SV 2: «anerkennt» statt «erkennt … an». Zur Frage, ob diese Änderung auf den Setzer zurückzuführen ist oder doch noch auf der Synode beschlossen wurde, vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-3283">Nicolaisen (<ref type="pub" target="#fn_n01">Anm. 1</ref>), S. 59, Anm. 218.</bibl></note>. <hi rend="italic">Sie erinnert an Gottes Reich</hi><hi rend="italic">, an Gottes Gebot</hi> <hi rend="italic">und Gerechtigkeit</hi> <hi rend="italic">und damit an die Verantwortung der Regierenden und Regierten. Sie vertraut und gehorcht der Kraft des Wortes</hi><hi rend="italic">, durch das Gott alle Dinge trägt [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="Hebr.1.3">Hebr. 1,3</ref></hi><hi rend="italic">].</hi><note n="ab4" target="fn-ab4" type="textcritical" xml:id="nab4">BE: «Die Kirche, frei in der Bindung an ihren Auftrag, begleitet mit Dank und Ehrfurcht gegen Gott den in der Bindung an seinen Auftrag ebenso freien Staat mit ihrer Fürbitte, aber auch mit der Erinnerung an Gottes ewiges Reich, an Gottes Gebot und Gerechtigkeit.»</note></p> <p rend="smaller">Wir verwerfen die falsche <term type="sachen" key="Häresie / Irrlehre">Lehre</term>, <anchor type="note" xml:id="fn-ad4"/>als solle und könne der Staat über seinen besonderen Auftrag hinaus die einzige und totale <term type="sachen" key="Staat, totaler">Ordnung</term> menschlichen Lebens werden<note xml:id="n77">Der Begriff «total» im Zusammenhang mit dem Staat spielte – zumal, wenn er wie bis in BE hinein durch Anführungszeichen hervorgehoben war – auf den nationalsozialistischen <term type="sachen" key="Staat, nationalsozialistischer">Staat</term> an; vgl. <bibl corresp="kbga-bibls-397">V.u.kl.A. 1930–1933, <ref type="pub" target="../volume/49/p362#fn_n215">S. 362, Anm. 215</ref></bibl>. </note> und also auch die Bestimmung der Kirche erfüllen. </p>
			<p rend="smaller">Wir verwerfen die falsche Lehre, als solle und könne sich die <term type="sachen" key="Kirche, und Staat">Kirche</term> über ihren besonderen Auftrag hinaus staatliche Art, staatliche Aufgaben und staatliche Würde aneignen und damit selbst zu einem Organ des Staates werden<note n="ad4" target="fn-ad4" type="textcritical" xml:id="nad4">BE: «als könne ein Staat die einzige und ‹totale› Ordnung menschlichen Lebens werden. Wir verwerfen die falsche Lehre, als habe sich die Kirche mit ihrer Botschaft oder auch nur mit ihrer Gestalt einer bestimmten Staatsform anzugleichen». </note>.<note xml:id="n78">Vgl. aus dem Wort des <term type="namen" key="Müller, Ludwig">Reichsbischofs</term> an die Pfarrer vom
<date when="1934-03-24">24. März 1934</date>, der sog. «Karfreitagsbotschaft»: «Es ist gewiß verständlich, wenn der Totalitätsanspruch des Staates für Viele etwas ganz Neues und Fremdes war, und insonderheit dem zum Individualismus neigenden, um Innerlichkeit ringenden evangelischen Pfarrerstand schwere Anstöße gab, weil man Mut und Kraft nicht aufbrachte, um den entsprechenden Totalitätsanspruch der Kirche volksverbunden zu bewahren. Das gibt kein Recht, von Martyrium zu reden, wenn solcher Totalitätsanspruch auf pastorale Zaghaftigkeit, Bedenklichkeit, Unsicherheit, schwankende Haltung oder gar versteckte Anklagen stößt, zumal, wenn sich derartiges hinter ‹Wortverkündigung› versteckt» (<bibl corresp="kbga-bibls-74">Schmidt</bibl>). </note></p>
			<p><pb xml:id="p300" ed="pga" rend="noPipe"/> 6. «Siehe, ich bin bei euch alle Tage, bis an der Welt Ende.» (<ref type="can" subtype="bible" target="Mt.28.20">Matth. 28,20</ref>).</p> <p> «Gottes Wort ist nicht gebunden.» (<ref type="can" subtype="bible" target="2.Tim.2.9">2.Tim. 2,9</ref>).</p> <p><hi rend="italic">Der Auftrag der Kirche</hi><hi rend="italic">, in welchem ihre Freiheit gründet, besteht darin, an Christi Statt und also im Dienst seines eigenen Wortes und Werkes durch Predigt</hi> <hi rend="italic">und Sakrament</hi> <hi rend="italic">die Botschaft von der freien</hi> <hi rend="italic">Gnade Gottes</hi> <hi rend="italic">auszurichten an alles Volk.</hi></p> <p rend="smaller">Wir verwerfen die falsche <term type="sachen" key="Häresie / Irrlehre">Lehre</term>, als könne die Kirche in menschlicher Selbstherrlichkeit das Wort und Werk des Herrn in den Dienst irgendwelcher eigenmächtig gewählter Wünsche, Zwecke und Pläne stellen.<note xml:id="n79">Vgl. aus den von <persName ref="kbga-actors-10817">Hermann Grüner</persName>, Pfarrer in Braunschweig und «Kampfstaffelführer» der <orgName ref="kbga-actors-8309">Deutschen Christen</orgName>, im März 1934 veröffentlichten Thesen <hi rend="italic">Was wir «Deutschen Christen» wollen. 6 Thesen für «Deutsche Christen»</hi>: «Der Staat ist das Werkzeug Gottes zur Erhaltung des deutschen Volkes nach außen, die Kirche das Werkzeug Gottes zur Erhaltung des deutschen Volkes nach innen» (<bibl corresp="kbga-bibls-169">Gauger</bibl>). Im <hi rend="italic">Pommerschen Bekenntnis</hi> (<ref type="pub" target="#fn_n75">Anm. 75</ref>) hieß es: «Wir sehen in den Männern der nationalsozialistischen Bewegung und des nationalsozialistischen Staates Gottes Werkzeuge und Diener in der Erneuerung unserer deutschen christlichen Volksordnung. Unsere Deutsche Evangelische Kirche steht bei dem ihr aufgetragenen besonderen Dienste mit diesen Männern in dem gleichen Lebensraum des deutschen Volkes. Indem sie mit ihnen im Vertrauen an dem Werke des Neubaus zusammenarbeitet, verzichtet sie auf ein falsches Eigenwesen und gewinnt die ihr von Gott einzig gewährte Hoheit des Dienstes» (Schmidt I,<bibl corresp="kbga-bibls-3234"> S. 105).</bibl></note> </p>
			 <p>Die <anchor type="note" xml:id="fn-ae4"/>Bekenntnis-Synode der Deutschen <term type="sachen" key="Bekenntnissynode, Barmen, Deutsche Evangelische Kirche">Evangelischen </term>Kirche<note n="ae4" target="fn-ae4" type="textcritical" xml:id="nae4">BE: «deutsche Bekenntnis-Synode».</note> erklärt, dass sie in der Anerkennung dieser <term type="sachen" key="Wahrheit">Wahrheiten</term> und in der Verwerfung dieser <term type="sachen" key="Irrtum">Irrtümer</term> die unumgängliche theologische <anchor type="note" xml:id="fn-af4"/>Grundlage der Deutschen Evangelischen <term type="sachen" key="Deutsche Evangelische Kirche">Kirche</term> als eines Bundes der Bekenntniskirchen<note n="af4" target="fn-af4" type="textcritical" xml:id="naf4">BE: «Bedingung der Einheit und damit des Bestehens der D[eutschen] E[vangelischen] K[irche]».</note> sieht. Sie fordert alle, die sich ihrer <term type="sachen" key="Barmer Theologische Erklärung">Erklärung</term> anschließen können, auf, bei ihren <term type="sachen" key="Kirchenpolitik">kirchenpolitischen</term> Entscheidungen dieser theologischen Erkenntnisse eingedenk zu sein. Sie bittet <pb xml:id="p301" ed="pga"/> alle, die es angeht, in die Einheit des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung [vgl. <ref type="can" subtype="bible" target="1.Kor.13.13">1.Kor. 13,13</ref>] zurückzukehren.</p> <p rend="center"><foreign xml:lang="lat"><hi rend="italic">Verbum Dei</hi>
			<hi rend="italic">manet in aeternum</hi></foreign><note n="ag4" type="textcritical" xml:id="nag4">In BE irrtümlich «aeternam». </note>.<note xml:id="n80"><ref type="can" subtype="bible" target="Jes.40.8">Jes. 40,8</ref>; <ref type="can" subtype="bible" target="1.Petr.1.25">1.Petr. 1,25</ref>. Die lateinische Übersetzung dieser Verse nimmt mit der Losung, unter der evangelische Fürsten und Städte <term type="sachen" key="Speyer (Reichstage)">1526</term> und 1529 auf den Reichstagen zu Speyer auftraten, ein geflügeltes Wort der lutherischen Tradition auf. </note>
			</p> </div>
		</div>
	</body>
	</text>
</TEI>
