Bibelstellen-Register

Jdt. 8–13

Jdt. 8–13

Das 8. Kapitel

Judith gibt den Ältesten Mahnung und guten Rat.

1Solches kam vor Judith, welche war eine Witwe, eine Tochter Meraris, des Sohnes des Uz, des Sohnes Josephs, des Sohnes Osias, des Sohnes Elais, des Sohnes Jamnors, des Sohnes Gideons, des Sohnes Raphaims, des Sohnes Achitobs, des Sohnes Malchias, des Sohnes Enans, des Sohnes Nathanjas, des Sohnes Sealthiels, des Sohnes Simeons. 2Und ihr Mann hatte geheißen Manasse; der war in der Gerstenernte gestorben. 3Denn da er auf dem Felde war bei den Arbeitern, ward er krank von der Hitze und starb in seiner Stadt Bethulia und ward zu seinen Vätern begraben. 4Der ließ die Judith nach; die war nun drei Jahre und sechs Monate eine Witwe. 5Und sie hatte sich oben in ihrem Hause ein besonderes Kämmerlein gemacht, darin sie saß mit ihren Mägden; 6und war bekleidet mit einem Sack und fastete täglich, außer an den Sabbaten, Neumonden und andern Festen des Hauses Israel. Und sie war schön und reich und hatte viel Gesinde und Höfe voll Ochsen und Schafe. 7Und hatte ein gutes Gerücht bei jedermann, daß sie Gott fürchtete; und konnte niemand übel von ihr reden. 8Diese Judith, da sie hörte, daß Osias zugesagt hatte, die Stadt nach fünf Tagen den Assyrern zu übergeben, sandte sie zu den Ältesten Chabri und Charmi. 9Und da sie zu ihr kamen, sprach sie zu ihnen: Was soll das sein, daß Osias eingewilligt hat, die Stadt den Assyrern zu übergeben, wenn uns in fünf Tagen nicht geholfen wird! 10Wer seid ihr, daß ihr Gott versuchet? Das dient nicht, Gnade zu erwerben, sondern vielmehr Zorn und Ungnade. 11Wollt ihr dem Herrn nach eurem Gefallen Zeit und Tag bestimmen, wann er helfen soll? 12Doch der Herr ist geduldig; darum laßt uns das leid sein und Gnade suchen mit Tränen. 13Denn Gott zürnt nicht wie ein Mensch, daß er sich nicht versöhnen lasse. 14Darum sollen wir uns demütigen von Herzen und ihm dienen und mit Tränen vor ihm beten, daß er nach seinem Gefallen Barmherzigkeit uns erzeigen wolle; 15und wie wir jetzt trauern müssen wegen ihres Hochmuts, daß wir uns nach diesem Jammer wieder freuen mögen, daß wir nicht gefolgt sind der Sünde unsrer Väter, die ihren Gott verließen und fremde Götter anbeteten, darum sie ihren Feinden übergeben und von ihnen erschlagen, gefangen und geschändet sind. 16Wir aber kennen keinen andern Gott als ihn allein und wollen mit Demut von ihm Hilfe und Trost erwarten, 17so wird er, der Herr, unser Gott, unser Blut retten von unsern Feinden und alle Heiden, die uns verfolgen, demütigen und zu Schanden machen. 18Und ihr, liebe Brüder, dieweil ihr seid die Ältesten des Volks und ihr Leben in eurer Hand ist, tröstet das Volk mit eurem Wort, daß sie bedenken, wie unsre Väter auch versucht wurden, daß sie bewährt würden, ob sie Gott von Herzen dienten. 19Erinnert sie, wie unser Vater Abraham auf mancherlei Weise versucht ist und ist Gottes Freund geworden, nachdem er durch mancherlei Anfechtung bewährt war. 20Also sind auch Isaak, Jakob, Mose und alle, die Gott lieb gewesen sind, beständig geblieben und haben viel Trübsale überwinden müssen. 21Die andern aber, so die Trübsale nicht haben wollen annehmen mit Gottesfurcht, sondern mit Ungeduld wider Gott gemurrt und gelästert haben, sind von dem Verderber und durch die Schlangen umgebracht. 22Darum laßt uns nicht ungeduldig werden in diesem Leiden, sondern bekennen, daß es eine Strafe ist von Gott, viel geringer denn unsre Sünden sind, und glauben, daß wir gezüchtigt werden als seine Knechte zur Besserung und nicht zum Verderben. 23Darauf antwortete Osias und die Ältesten: Es ist alles wahr, wie du gesagt hast, und ist an deinen Worten nichts zu strafen. 24Darum bitte für uns zum Herrn; denn du bist ein heiliges, gottesfürchtiges Weib. 25Und Judith sprach: Weil ihr dafür haltet, daß aus Gott sei, was ich gesagt habe, so wollet auch prüfen, ob das, was ich vorhabe zu tun, aus Gott sei, und bittet, daß Gott Glück dazu gebe. 26Diese Nacht wartet am Tor, wenn ich hinausgehe mit meiner Magd, und betet, daß der Herr in diesen fünf Tagen, wie ihr gesagt habt, sein Volk Israel trösten wolle. 27Was ich aber vorhabe, dem sollt ihr nicht nachforschen, sondern betet allein für mich zum Herrn, unserm Gott, bis ich euch weiter anzeige, was ihr tun sollt. 28Und Osias, der Fürst Juda’s, sprach zu ihr: Gehe hin im Frieden; der Herr sei mit dir und räche uns an unsern Feinden! Und sie gingen also wieder von ihr.

Das 9. Kapitel

Gebet der Judith.

1Darnach ging Judith in ihr Kämmerlein und bekleidete sich mit einem Sack und streute Asche auf ihr Haupt und fiel nieder vor dem Herrn und schrie zu ihm und sprach: 2Herr, Gott meines Vaters Simeon, dem du das Schwert gegeben hast, die Heiden zu strafen, so die Jungfrau genotzüchtigt und zu Schanden gemacht hatten, und hast wiederum ihre Weiber und Töchter fangen und sie berauben lassen durch deine Knechte, die da in deinem Eifer geeifert haben, hilf mir armen Witwe, Herr, mein Gott! 3Denn alle Hilfe, die vorzeiten und hernach je geschehen ist, die hast du getan; und was du willst, das muß geschehen. 4Denn wenn du willst helfen, so kann’s nicht fehlen; und du weißt wohl, wie du die Feinde strafen sollst. 5Schaue jetzt auf der Assyrer Heer, wie du vorzeiten auf der Ägypter Heer schautest, da sie deinen Knechten nachjagten mit großer Macht und trotzten auf ihre Wagen, Reiter und großes Kriegsvolk. 6Da du sie aber ansahst, wurden sie verzagt, 7und die Tiefe übereilte sie, und das Wasser ersäufte sie. 8Also geschehe auch jetzt diesen, Herr, die da trotzen auf ihre Macht, Wagen, Spieße und Geschütze und kennen dich nicht und denken nicht, daß du, Herr, unser Gott, der seist, der da den Kriegen steuert von Anfang, und heißest billig Herr. 9Strecke aus deinen Arm wie vorzeiten und zerschmettere die Feinde durch deine Macht, daß sie umkommen durch deinen Zorn, die sich rühmen, sie wollen dein Heiligtum zerstören und die Hütte deines Namens entheiligen und mit ihrem Schwert das Horn deines Altars abhauen. 10Strafe seinen Hochmut durch sein eigenes Schwert; laß ihn durch seine eigenen Augen gefangen werden, wenn er mich ansieht, und durch meine freundlichen Worte betrogen werden. 11Gib mir einen Mut, daß ich mich nicht entsetze vor ihm und vor seiner Macht, sondern daß ich ihn stürzen möge. 12Das wird deines Namens Ehre sein, daß ihn ein Weib darniedergelegt hat. 13Denn du, Herr, kannst wohl Sieg geben ohne alle Menge und hast nicht Lust an der Stärke der Rosse. Es haben dir die Hoffärtigen noch nie gefallen; aber allezeit hat dir gefallen der Elenden und Demütigen Gebet. 14O Herr, du Gott des Himmels, Schöpfer der Wasser und Herr aller Dinge, erhöre mein armes Gebet, die ich allein auf deine Barmherzigkeit vertraue! 15Gedenke, Herr, an deinen Bund und gib mir ein, was ich reden und denken soll, und gib mir Glück dazu, auf daß dein Haus bleibe und alle Heiden erfahren, daß du Gott bist und kein anderer außer dir!

Das 10. Kapitel

Judith geht in das Zelt des Holofernes.

1Da sie nun ausgebetet hatte, stand sie auf 2und rief ihre Magd und ging herunter ins Haus, legte den Sack ab und zog ihre Witwenkleider aus 3und wusch sich und salbte sich mit köstlichem Wasser und flocht ihr Haar ein und setzte eine Haube auf und zog ihre schönen Kleider an und tat Schuhe an ihre Füße 4und schmückte sich mit Spangen und Geschmeide und zog all ihren Schmuck an. 5Und der Herr gab ihr Gnade, daß sie lieblich anzusehen war; denn sie schmückte sich nicht aus Vorwitz, sondern Gott zu Lob. 6Und sie gab ihrer Magd einen Schlauch voll Wein und einen Krug mit Öl und einen Sack, darin sie hatte Feigenkuchen, Mehl und Brot, das sie essen durfte; und sie ging dahin. 7Und am Tor fand sie Osias und die Ältesten, die ihrer warteten. 8Und sie wunderten sich, daß sie so schön war. 9Doch fragten sie nicht, was sie vorhätte, sondern ließen sie hinaus und sprachen: Der Gott unsrer Väter gebe dir Gnade und lasse dein Vornehmen geraten, daß sich Israel dein freue und dein Name gerechnet werde unter die Heiligen. 10Und alle, die da waren, sprachen: Amen, amen! 11Aber Judith betete und ging fort mit ihrer Magd.
12Und da sie frühmorgens den Berg hinabging, begegneten ihr die Wächter der Assyrer und fielen sie an und fragten sie, woher sie käme und wohin sie wollte. 13Und sie antwortete: Ich bin ein hebräisches Weib und bin von ihnen geflohen; denn ich weiß, daß sie euch in die Hände kommen werden, darum daß sie euch verachtet haben und nicht wollen Gnade suchen und sich willig ergeben. 14Darum habe ich mir vorgenommen, zu dem Fürsten Holofernes zu kommen, daß ich ihm ihre Heimlichkeiten offenbare und sage ihm, wie er sie leicht gewinnen könne, daß er nicht einen Mann verlieren dürfe. 15Dieweil sie so redete, schauten sie sie an und verwunderten sich sehr, daß sie so schön war, 16und sprachen: Das möchte dir helfen, daß du es so gut meinst und zu unserm Herrn gehen willst. 17Denn wenn du vor ihn kommst, so wird er dir gnädig sein, und wirst von Herzen ihm wohl gefallen. 18Und sie führten sie hin in des Holofernes Gezelt und sagten ihm von ihr. 19Und da sie vor ihn kam, ward er alsbald entzündet gegen sie. 20Und seine Diener sprachen untereinander: Das hebräische Volk ist traun nicht zu verachten, weil es schöne Weiber hat. Sollte man um solcher schönen Weiber willen nicht kriegen? 21Da nun Judith den Holofernes sah sitzen unter seinem Vorhang, der schön gewirkt war mit Purpur und Gold, und mit Smaragden und viel Edelsteinen geziert, bückte sie sich und fiel vor ihm nieder. Und Holofernes hieß sie wieder aufrichten.

Das 11. Kapitel

Gespräch der Judith mit Holofernes.

1Und Holofernes sprach zu ihr: Sei getrost und fürchte dich nicht; denn ich habe nie einem Menschen Leid getan, der sich unter den König Nebukadnezar ergeben hat. 2Und hätte mich dein Volk nicht verachtet, so hätte ich nie einen Spieß aufgehoben wider sie. 3Nun sage an, warum du bist von ihnen gewichen und zu mir gekommen. 4Judith antwortete ihm und sprach: Du wollest deine Magd gnädig hören. Wirst du tun, wie dir deine Magd anzeigen wird, so wird’s der Herr mit dir wohl ausrichten. 5Gott gebe Nebukadnezar Glück und Heil, dem König der ganzen Erde, der dich ausgeschickt hat, alle Ungehorsamen zu strafen; denn du kannst ihm untertan machen nicht allein die Leute, sondern auch alle Tiere auf dem Felde. 6Denn deine Vernunft und Weisheit ist hoch berühmt in aller Welt, und jedermann weiß, daß du der gewaltigste Fürst bist im ganzen Königreich, und dein gutes Regiment wird überall gepriesen. 7So wissen wir auch, was Achior geredet hat und wie du dagegen mit ihm getan hast. 8Denn unser Gott ist also erzürnt über unsre Sünden, daß er durch seine Propheten hat verkündigen lassen, er wolle das Volk strafen um seiner Sünden willen. 9Weil nun das Volk Israel weiß, daß sie ihren Gott erzürnt haben, sind sie erschrocken vor dir. 10Dazu leiden sie großen Hunger und müssen vor Durst verschmachten; 11und haben jetzt vor, ihr Vieh zu schlachten, daß sie sein Blut trinken, und das heilige Opfer zu essen an Korn, Wein und Öl, das ihnen Gott verboten hat, daß sie es auch nicht anrühren sollten. Darum ist gewiß, daß sie müssen umkommen, weil sie solches tun. 12Und weil ich das weiß, bin ich von ihnen geflohen; und der Herr hat mich zu dir gesandt, daß ich dir solches solle anzeigen. 13Denn ob ich wohl zu dir bin gekommen, so bin ich doch nicht darum von Gott abgefallen, sondern will meinem Gott noch dienen bei dir. Und deine Magd wird hinausgehen und Gott anbeten; der wird mir offenbaren, wann er ihnen ihren Lohn geben will für ihre Sünde. So will ich dann kommen und will dir’s anzeigen und dich mitten durch Jerusalem führen, daß du alles Volk Israel habest wie Schafe, die keinen Hirten haben, und wird nicht ein Hund dich dürfen anbellen. Denn das hat mir Gott offenbart, 14weil er über sie erzürnt ist, und hat mich gesandt, daß ich dir’s anzeige. 15Diese Rede gefiel Holofernes und seinen Knechten wohl; und sie wunderten sich ihrer Weisheit und sprachen untereinander: 16Des Weibes gleichen ist nicht auf Erden von Schöne und Weisheit. 17Und Holofernes sprach zu ihr: Das hat Gott also geschickt, daß er dich hergesandt hat, ehe denn das Volk in meine Hand käme. Wird nun dein Gott solches ausrichten, wie du gesagt hast, so soll er auch mein Gott sein; und du sollst groß werden beim König Nebukadnezar, und dein Name soll gepriesen werden im ganzen Königreich.

Das 12. Kapitel

Des Holofernes Gastmahl und Trunkenheit.

1Da ließ er sie hineinführen in die Schatzkammer, da sie bleiben sollte, und befahl, daß man sie von seinem Tisch speisen sollte. 2Aber Judith antwortete und sprach: Ich darf noch nicht essen von deiner Speise, daß ich mich nicht versündige; sondern ich habe ein wenig mit mir genommen, davon will ich essen. 3Da sprach Holofernes selbst: Wenn das aufgezehrt ist, was du mit dir gebracht hast, woher sollen wir dir anderes schaffen? 4Judith antwortete: Mein Herr, so gewiß du lebst: ehe deine Magd alles verzehren wird, wird Gott durch mich ausrichten, was er vorhat. 5Und da sie die Knechte in das Gemach führen wollten, wie er befohlen hatte, 6bat sie, daß man ihr erlaubte, abends und morgens herauszugehen und ihr Gebet zu tun zum Herrn. 7Da befahl Holofernes seinen Kammerdienern, daß man sie drei Tage sollte frei aus und ein lassen gehen, ihr Gebet zu tun zu Gott. 8Und des Abends ging sie heraus in das Tal vor Bethulia und wusch sich im Wasser. 9Darnach betete sie zum Herrn, dem Gott Israels, daß er ihr Glück gäbe, sein Volk zu erlösen; 10und ging wieder in das Gezelt und hielt sich rein und aß nicht vor abends.
11Am vierten Tage machte Holofernes ein Abendmahl seinen nächsten Dienern allein und sprach zu Bagoas, seinem Kämmerer: Gehe hin und berede das hebräische Weib, daß sie sich nicht weigere, zu mir zu kommen; 12denn es ist eine Schande bei den Assyrern, daß ein solch Weib sollte unberührt von uns kommen und einen Mann genarrt haben. 13Da kam Bagoas zu Judith: Schöne Frau, ihr wollet euch nicht weigern, zu meinem Herrn zu kommen, daß er euch ehre und ihr mit ihm esset und trinket und fröhlich seid. 14Da sprach Judith: Wie darf ich’s meinem Herrn versagen? 15Alles, was ihm lieb ist, das will ich von Herzen gerne tun all mein Leben lang. 16Und sie stand auf und schmückte sich und ging hinein vor ihn und stand vor ihm. 17Da wallte dem Holofernes sein Herz; denn er war entzündet mit Begierde nach ihr. 18Und er sprach zu ihr: Sitz nieder, trink und sei fröhlich; denn du hast Gnade gefunden bei mir. 19Und Judith antwortete: Ja, Herr, ich will fröhlich sein; denn ich bin mein Leben lang so hoch nicht geehrt worden. 20Und sie aß und trank vor ihm, was ihr ihre Magd bereitet hatte. 21Und Holofernes war fröhlich mit ihr und trank so viel, wie er nie getrunken hatte sein Leben lang.

Das 13. Kapitel

Judith tötet den Holofernes und dankt Gott mit ihrem Volke.

1Da es nun sehr spät ward, gingen seine Diener hinweg in ihre Gezelte; und sie waren allesamt trunken. 2Und Bagoas machte des Holofernes Kammer zu und ging davon. Und Judith war allein bei ihm in der Kammer. 3Holofernes aber war auf sein Bett hingefallen und schlief; denn er war ganz trunken. 4Da sprach Judith zu ihrer Magd, sie sollte draußen warten vor der Kammer. 5Und Judith trat vor das Bett und betete heimlich mit Tränen 6und sprach: Herr, Gott Israels, stärke mich und hilf mir gnädig das Werk vollbringen, das ich mit ganzem Vertrauen auf dich mir habe vorgenommen, daß du deine Stadt Jerusalem erhöhest, wie du zugesagt hast. 7Nach solchem Gebet trat sie zu der Säule oben am Bett und langte das Schwert, das daran hing, 8und zog es aus und ergriff ihn beim Schopf und sprach abermals: 9Herr Gott, stärke mich in dieser Stunde! Und sie hieb zweimal in den Hals mit aller Macht und schnitt ihm den Kopf ab; darnach wälzte sie den Leib aus dem Bette und nahm den Vorhang von den Säulen weg mit sich. 10Darnach ging sie heraus und gab das Haupt des Holofernes ihrer Magd und hieß sie es in ihren Sack stoßen. 11Und sie gingen miteinander hinaus nach ihrer Gewohnheit, als wollten sie beten gehen, durch das Lager und gingen umher durch das Tal, bis sie heimlich ans Tor der Stadt kamen.
12Und Judith rief den Wächtern auf der Mauer von ferne zu: Tut die Tore auf; denn Gott ist mit uns, der hat Israel Sieg gegeben! 13Da nun die Wächter ihre Stimme hörten, forderten sie alsbald die Ältesten der Stadt. 14Da kam alles herzu, klein und groß; denn sie hatten schon gefürchtet, daß sie nicht würde wiederkommen. 15Und sie zündeten Fackeln an und umringten sie. 16Sie aber trat auf einen höhern Ort und hieß sie still sein und zuhören und sprach also: 17Danket dem Herrn, unserm Gott, der nicht verläßt diejenigen, so auf ihn trauen, und hat uns Barmherzigkeit erzeigt durch mich, seine Magd, wie er dem Hause Israel verheißen hat, und hat diese Nacht den Feind seines Volks durch meine Hand umgebracht. 18Und sie zog das Haupt des Holofernes heraus und zeigte es ihnen und sprach: 19Sehet, dies ist das Haupt des Holofernes, des Feldhauptmanns der Assyrer; und sehet, das ist der Vorhang, darunter er lag, da er trunken war. Da hat ihn der Herr, unser Gott, durch Weibeshand umgebracht. 20So wahr der Herr lebt, hat er mich durch seinen Engel behütet, daß ich nicht bin verunreinigt worden, solange ich bin außen gewesen, und hat mich ohne Sünde wieder hergebracht mit großen Freuden und Sieg. 21Darum danket ihm alle; denn er ist gütig und hilft immerdar! 22Und sie dankten alle dem Herrn und sprachen zu ihr: Gelobt sei der Herr, der durch dich unsre Feinde heute hat zu Schanden gemacht. 23Und Osias, der Fürst des Volks Israel, sprach zu ihr: Gesegnet bist du, Tochter, vom Herrn, dem höchsten Gott, vor allen Weibern auf Erden; 24und gelobt sei der Herr, der Himmel und Erde geschaffen hat, der dir hat Glück gegeben, den Hauptmann unsrer Feinde zu töten, und hat deinen Namen so herrlich gemacht, daß dich allezeit preisen werden alle, die des Herrn Werk achten, darum daß du deines Lebens nicht geschont hast in der Trübsal und Not deines Volks, sondern hast es errettet vor dem Herrn, unserm Gott! 25Und alles Volk sprach: Amen, amen!
26Darnach forderte man den Achior; zu dem sprach Judith: Der Gott Israels, von dem du gezeugt hast, daß er sich an seinen Feinden rächen kann, hat diese Nacht der Gottlosen Haupt umgebracht durch meine Hand. 27Und daß du es sehest, so ist hier der Kopf des Holofernes, der den Gott Israels trotzig gelästert hat und dir den Tod gedroht, da er sprach, 28wenn das Volk Israel gefangen würde, so wollte er dich mit ihnen erstechen lassen. 29Und da Achior des Holofernes Kopf sah, entsetzte er sich, daß er erstarrte. 30Darnach, da er wieder zu sich selbst kam, fiel er zu ihren Füßen und sprach: 31Gesegnet bist du von deinem Gott in allen Hütten Jakobs! denn der Gott Israels wird an dir gepriesen werden bei allen Völkern, die deinen Namen hören werden.

Übersetzung Martin Luther (Ausgabe 1912)

Fundstellen im Text 1

  • Das Gebot des Lebens 1928

    … Einzelner aufgerufen ist, ihn aus der Welt zu schaffen («umzulegen») – die Geschichten von Debora und Judith [vgl. Richt. 4 u. 5 ; Jdt. | 250 8–13 ] sind nicht die einzigen in der Bibel, die mit dieser Möglichkeit zu rechnen scheinen trotz des Du-sollst-nicht-töten!, und Calvin hat jedenfalls d …