17. November 1930

Charlotte von Kirschbaum an Eduard Thurneysen

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Lieber Eduard!

Karl las gestern in einem Zug das Nigg-Buch 📖1 und schrieb am Abend dann den beiliegenden Brief, der dich gewiß auch interessiert.2

Wir wären so froh, etwas von dir über den Brief an E. Brunner zu hören! —

Das Semester ist inzwischen in Gang gekommen. Jeden Morgen um 8 Uhr über 300 Studenten im Ethik-Kolleg!3

Sei in Eile herzlich gegrüßt mit Marguerite von Karl und mir.
Deine
Lollo

Sachfußnoten

1
Siehe oben S. 27, Anm. 38.↩
2
Barth teilte Nigg in seinem Brief vom 16.11.1930 seine Kritik an dessen Buch mit. Es habe sein Bild von Fr. Overbeck bereichert und einige Linien historisch konkretisiert, ihm jedoch auch «einige Enttäuschungen» bereitet. Zum einen sei nichts wirklich Neues, «die verschiedenen Overbeckprobleme entscheidend weiter Klärendes vorgebracht» worden; zu kritisieren sei zum anderen der Impetus der — entgegen der Erklärung im Vorwort — zustimmenden Darstellung Overbecks als eines Mannes, «der die ‹Vernichtung der Theologie› verkündigt u. zw. in ‹rasender Wut› verkündigt hat», ohne daß Nigg sich selber darüber erklärt habe, «was er [Nigg] sich bei einer so apokalyptischen Botschaft nun eigentlich denkt und welches die Vorschläge sind, die er für den Tag nach ihrer allfälligen Erfüllung zu machen» habe. Schließlich verwahrte Barth sich gegen Niggs «sagen wir einmal so frei[en]» Umgang mit seinen und Thurneysens Aussagen über Overbeck in einem «so proletigen Ton» und verwies auf die Zeit, in der W. Nigg beiden positiv gegenübergestanden hatte (vgl. oben S. 27, Anm. 38).↩
3
Im WS 1930/31 wiederholte Barth seine im WS 1928/29 gehaltene Vorlesung Ethik II; vgl. K. Barth, Ethik II (1928/29), hrsg. von D. Braun (Gesamtausgabe, Abt. II), Zürich 1978. 📖 ↩