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[Wabern bei]
Bern, 23. Januar 1935
Ich danke dir sehr herzlich — für den meisterhaften Reisebericht, den ich heute, von Grindelwald hier eintreffend, vorgefunden habe, und vor Allem für diese Reise selbst und für das tatkräftige Eingreifen in die etwas ins Stocken geratene Maschinerie meines Schicksals. Lollos Bericht stimmte mit dem deinigen sachlich völlig überein. Auch sie denkt sehr gerne an dieses gemeinsame Unternehmen zurück. Nur ist sie leider gleich darauf einer, wie es scheint, nicht schwachen Grippe verfallen, liegt zu Bett und ist doch unheimlicherweise rastlos weiter tätig, soweit sie es von da aus sein kann. Die Sache gefällt mir wenig. Aus dem Berner Oberland bin ich sehr erquickt von Bergen und Menschen zurückgekehrt. Nil ist in seiner ganzen Eigenart auf guten Wegen und in guten Schuhen. Gestern Abend habe ich in einer Versammlung von «Erweckten» in Interlaken Rede und Antwort gestanden1 und mich |826 auch dort an der Lage in jenem Sektor nur freuen können. Ich übernachtete bei Pfr. Treier in Gsteig, einem Alt-Helveter, der nun dennoch und gerade der Führer aller Gerechten jenes Landes zu sein scheint.2 Die Tatsache, daß auch in der Schweiz etwas passiert, läßt sich wirklich nicht leugnen. Die «deutsche Frage» müssen wir dann in Basel in aller Gründlichkeit erörtern. Ich verstehe nach deinem und Lollos Bericht immer noch nicht, warum den Leuten so viel an dieser Berufung liegt bzw. warum sie nicht einsehen, daß sie rebus sic stantibus mit einer noch schallenderen Verurteilung endigen muß. — Deine Schilderung der Gebets-Szenen etc. in Barmen war köstlich! Ich meine, dabeigewesen zu sein. Was war das für ein Zusammenprall zwischen Lollo und dem Fremdling? Sie schreibt mir nur andeutend davon.3 — Heute Abend gehe ich mit Markus in die Zofingia. Am Samstag habe ich ein Vorträglein über die deutsche Lage4 zu halten und am Sonntag eine Abendbibelstunde5. Am Montag Morgen komme ich nach Basel. Ist’s recht so? Am 1. Februar möchte ich nach Bonn zurück.
Herzlichen Gruß dir und Marguerite