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Von den beiliegenden Briefen von Emil1 mußt du doch gleich auch Kenntnis nehmen! Sie beziehen sich auf den letzten Freitag [28. 6.], den er vom Morgen bis zum Abend hier zubrachte und an dem es, wie du aus seinen Kundgebungen siehst, wahrhaft johanneisch zugegangen sein muß, obwohl er jenen Pfr. Spörri aus Aarau, der mich wegen jenes Bischofs in den Pastoralbriefen [vgl. 1.Tim. 3,1–7; Tit. 1,7–9] heimlich anöden2 will, als Sekundanten mitgebracht hatte, während mir der wackere Karwehl rüstig zur Seite stand. Wir haben so ziemlich Alles durchgesprochen, nicht ohne daß die mitten auf dem Tisch (am Waldrand) liegende Bibel aufgeschlagen und konsultiert wurde. Der Schaden ist wirklich beträchtlich, und es war vielleicht die elfte Stunde, ihn in seinem Lauf in alle möglichen weiteren Schwärmereien (besonders über die Kirche, in der er, wenn ich recht verstanden, die Zungenrede wieder einführen möchte) noch einmal aufzuhalten. Es gab verschiedene Höhepunkte, in denen ich doch ein wenig laut geworden bin und ihm zurief, daß er seine schönen, von Gott ihm gegebenen Gaben sträflich mißbrauche, daß er entgegen seiner Oxfordbehauptung kein bißchen anders geworden, sondern — wie ich auch — der alte Emil, ziemlich eitel und rechthaberisch geblieben sei, durchaus simul peccator et justus3 wie wir alle, daß ich nur mit ihm Frieden schließe, wenn er wie die Deutschen 1918 seine 5000 Kanonen4, d. h. seine ganze Advokatur samt Notariat zugunsten des lieben Gottes, restlos ausliefere, und derglei|918chen mehr. Aber ich kann seine Darstellung bestätigen, daß das Gespräch im Ganzen ordentlich und nicht hoffnungslos war, wenn es auch zu keinerlei Konsensformeln gekommen ist, sondern die Spälte zwischen ihm und mir sich auf der ganzen Linie sehr drohend zeigten. Er hat irgend eine merkwürdige Unrast in sich, etwas zutiefst Unfriedliches und Sorgenvolles, ganz und gar nicht Christlich-Heiteres, wie es einem Oxforder doch verheißen ist. Aber man kann ihm irgendwo vielleicht gerade darum nicht böse sein. Und so war ich denn auch nicht eigentlich böse mit ihm, und Rudi und Gerty, die der Sache im Hintergrund folgten, auch nicht. Sondern man ließ aus Zürich seine Reithosen nachschicken, und so sah man uns gegen Abend zu viert: Rudi, Karwehl, Emil und ich friedlich-rüstig durch die Wälder traben und galoppieren und zum Schluß in Wädenswil einen Schoppen trinken, bis endlich das Auto am Klusdörfli5 zum Stehen kam und der große Versöhnungstag sein Ende erreicht hatte. Übrigens sind Emil und ich zusammen zu Pferd photographiert worden6, ein Bild, das, wenn es heraus ist, vielleicht an die Schweizer Illustrierte7 geschickt werden sollte, wa?
Im Sonstigen habe ich eine Menge Abschiedskorrespondenz nach Deutschland, z. T. auch in der Richtung des dir gestern geschickten Durchschlags, zu erledigen.8 Lollo ist in Bonn krank geworden, mußte sich sogar einer kleinen Operation (Furunkel) unterziehen und wird nun wohl erst, wenn ihr schon von Basel weg seid, dort durchfahren, mit Hansjoggeli, der über jene dann anbrechenden Tage des Einräumens am St. Albanring9 hier sein darf.
Du kennst den Architekten Peter Meyer10. Mit diesem Mann ging |919 ich gestern Sonntag reiten, während Rudi eine 8tägige Solo-Reise nach Istrien angetreten hat, und am Mittwoch werde ich mit demselben einen Tagesritt nach Einsiedeln und auf den Etzel machen. Ich liebe das Pferd doch überaus, wenn ich auch voraussichtlich nie mehr ein beachtlicher Reiter werden kann.
Grüße Marguerite und empfiehl mich ihrer ferneren Gewogenheit. Die Art, wie sie mich letzten Dienstag geführt und beraten hat11, war ganz vorzüglich.
Herzlichen Gruß!