Bei seinem Besuch in Paris (vgl. Gespräch Nr. 8) führte Barth ein Gespräch mit Pressevertretern der im Titel genannten drei Zeitungen. Unter dem Titel «Approximations d’un chrétien», erschienen am 18.5.1963 in Réforme, Paris, No 948, S. 2
📖, gab der Herausgeber dieser Zeitung der reformierten Kirche Frankreichs, Albert Finet, einen allgemeinen Überblick über die politische Situation seines Landes und stellte dabei eine Unsicherheit hinsichtlich der politischen Ziele und Aufgaben auf allen Seiten fest.1 Am Ende des Artikels kam er auch auf jenes Gespräch mit Barth zu reden.
Pressegespräch mit Le Monde, La Croix
und Réforme
Ich hatte diesen schlecht geratenen Artikel im Kopf, als ich das Glück hatte, Karl Barth zu begegnen. Weil mir das Thema keine Ruhe läßt, sprachen wir unter anderem über Christ und Politik. Ich kann nicht sagen, daß mir das Gespräch eine «christliche» Beurteilung der Handlungen meiner Regierung ermöglicht hat. Es wäre ja auch eine große Anmaßung oder Leichtfertigkeit, die französische Politik «christlich» beurteilen zu wollen. Aber ein so verständiger Mensch, wie es der hervorragende Professor aus Basel ist, hat es besser gemacht: Er hat mir die Grenze meiner Möglichkeiten und meines Berufs in Erinnerung gerufen. Wenn es richtig und gut ist, seine Zeit, die Menschen und die Ereignisse im Licht des Evangeliums verstehen zu suchen, so |39 geht es dabei nur um eine «Annäherung», ebenso wie das Leben des Christen nur eine Annäherung an das Leben Jesu Christi ist. Die Nachfolge kann nicht mehr sein als das.
Das beleuchtet genau unser Gesprächsthema. Man versucht, die Politik seines Landes ohne Parteigeist zu würdigen, und meint nicht, daß unser Glaube an Jesus Christus uns dazu zwingt, diese Politik zu bekämpfen. Vielmehr geht es nur um eine Annäherung.