1) Dank an den Herausgeber
An den Schluß seiner Vorworte pflegte Hermann
Schmidt jeweils einen «Dank des Herausgebers» zu stellen: Unter dieser
Überschrift führte er mit schöner Sorgfalt, die ein Ausdruck seines Respekts war, alle
die auf, die ihm im Laufe der Arbeiten an dem jeweiligen Band behilflich gewesen waren.
Das Vorwort zu diesem Band muß nun mit einem Dank an den Herausgeber beginnen: Pfarrer
i. R. Hermann Schmidt ist am 14.12.2005 im Alter von 80 Jahren in Oldenburg
(Oldenburg) gestorben. Auf dem Sterbebett konnte ihn noch die Nachricht erfreuen, daß
der von ihm vorbereitete Band mit den Predigten Karl Barths aus dem Jahr 1920 in den
nächsten Tagen zur Auslieferung komme. Es war der achte Band, den Hermann Schmidt in der
Karl Barth-Gesamtausgabe betreut hatte. Nun kommen als neunter Band die Predigten 1921
hinzu, die schon weitgehend von ihm vorbereitet waren.
In der gemeinsamen Arbeit an den Predigten, in der mir die Überprüfung der
Transkription, die Überarbeitung und Ergänzung des Anmerkungsapparates und die
Überwachung der Drucklegung zufielen, habe ich immer wieder mit Staunen und Bewunderung
darauf geblickt, wie Hermann Schmidt aus der Handschrift Karl Barths, die sich in den
Safenwiler Jahren immer mehr der «littera inintelligibilis» des Thomas von Aquino
anzunähern scheint, mit zäher Geduld einen Sinn zu entbinden wußte. Nur wer mit den
Problemen solcher Handschriften ein wenig Erfahrung hat, kann die Leistung recht
ermessen, mehr als 2700 Druckseiten aus den - aus diesen
Manuskripten zu transkribieren. Angesichts dessen habe ich die wissenschaftliche
Bescheidenheit ebenso bewundert, mit der er seine Entzifferung mit einem Fragezeichen
zur Diskussion stellen, und die Offenheit, mit der er abweichende
Entzifferungsvorschläge prüfen konnte. Über der großen Leistung der sieben Bände
Safenwiler Predigten 1915-1921 (erschienen von 1996 bis 2007) darf aber der wichtige
Dienst nicht vergessen werden, den Hermann Schmidt der Karl Barth-Gesamtausgabe und
damit der weltweiten Barth-Forschung geleistet hat, indem er, noch vor diesen Predigten,
Barths erste Römerbriefauslegung von |nan 1919 und dann die
«Vorträge und kleineren Arbeiten 1925-1930» für die Gesamtausgabe bearbeitete: zwei
wichtige und gewichtige Bände, die 1985 bzw. 1994 herauskamen.
Prof. Dr. Rolf Schäfer, der hochangesehene Schleiermacher-Herausgeber, wußte, wovon er
sprach, als er in seiner Predigt im Trauergottesdienst am 19.12.2005 die «lange
geduldige Arbeit im Studierzimmer oder in den Bibliothekssälen» erwähnte, die Hermann
Schmidt zu tun hatte, um diese neun Bände zu bewältigen. Mit viel Recht fährt Rolf
Schäfer aber fort: «Wer ihn kannte, wußte auch, daß das für ihn kein philologischer
Frondienst war, sondern - bei aller Sorgfalt - eine Freude, die seinem theologischen
Herzen wohltat.» Alle, die Hermann Schmidts Arbeit nun instand setzt, das Erbe Karl
Barths umfassender, sorgfältiger und fruchtbarer zu verstehen, werden mit ehrerbietigem
Dank an ihn denken. Es ruft einen charakteristischen Zug seines Denkens, seines Herzens,
in Erinnerung - und es ist uns ein lebendiger Trost, wenn Rolf Schäfer von ihm sagt:
«Er hielt nicht viel von Spekulationen über das Jenseits, von poetischen Umschreibungen
oder von philosophischen Behauptungen oder Widerlegungen der Unsterblichkeit. Das Leben
nach dem Tode begründete er für sich und andere viel einfacher darin, daß Gott unser
gedenkt.»
2) Biographisches
Auch für Karl Barths Verhältnisse war 1921 ein außergewöhnliches
Jahr. Am 25.10.1920 hatte er in seinen Pfarrerkalender
eingetragen: «Gogarten fort. Begonnen: Römerbrief II. Aufl.!»
Am 22.9.1921 notierte er: «Römerbrief
fertig.» Betrachtet man diese Daten und bedenkt, daß sie die Entstehung des
Manuskripts für ein Buch von 521 Seiten umschließen, versteht man ohne weiteres, daß
Barth sich in diesen Monaten oft vorkam «wie ein alter Hafner, den ich einmal in einem
Ofen arbeiten sah: so, daß tatsächlich nur noch die Schuhe hervorragten»1. Am 27.7.1921
schreibt Barth an Thurneysen: «Ich stehe jetzt in der Tat unter stärkstem Druck, fahre
mit abgeblendeten Lichtern gradaus ins Dunkle und bin des Trostes und der Ermunterung
|nan sehr bedürftig.»2 Am 3.8.1921: «Eine weitere Lieferung
Römerbrief. Du siehst, ich gebe jetzt aus großen und kleinen Kalibern Schnellfeuer.
Dieser heiße Sommer wird mir aber unvergeßlich bleiben. Ich wandle wie betrunken hin
und her zwischen Schreibtisch, Eßtisch, Bett, bei jedem Kilometer schon immer den
nächsten im Auge.»3 Am 22.2.1921 hatte es bereits geheißen: «Es ist wirklich eine
Kanufahrt auf dem Niagara.»4 Am 4.5.1921 schreibt Barth seinem Freund: «Hier ein weiteres
Stück Römerbrief. Die Sorge um dieses Buch verfolgt mich bis in die Träume. Das
Schreiben fällt mir bedenklich sauer.» Und höchst sorgenvoll fährt er fort: «Werde ich
in dieser Weise in Göttingen Vorlesungen aus mir herausquetschen müssen?»5 Denn seit dem 1.2.1921 hatten sich die Sorgen bedenklich verschärft durch die Nachricht
aus Göttingen, «daß die Reformierten (unter Einverständnis mit der Fakultät, wie es
scheint) mich auf einen neu zu errichtenden, aus Amerika zu bezahlenden reformierten
Lehrstuhl für systematische Theologie setzen wollen»6. Die Erwägungen des Für und Wider, die Verhandlungen mit den
verschiedenen Instanzen beschäftigten Barth nun bis in die Träume: «Mein Angst-Traum
des Nachts ist nun öfters die Vorlesung».7
Und bei Tag beschäftigt Barth neben der Mühe um das Manuskript («Wenn nur das
Römerbrief-Ungetüm bälder erlegt wäre!»8)
die Sorge um die Erarbeitung der künftigen Vorlesungen und die Befürchtung, daß statt
einer «erfolgreichen Lehrtätigkeit» im Gegenteil «nach kurzem Aufschwung eine
fürchterliche Flucht vor meinen erknorzten Mitteilungen einsetzen wird»9.
Es klingt nur zu glaubhaft, wenn Barth später im Vorwort zu dem unter solchen
Umständen entstehenden Buch sagt, seine Gemeindegenossen hätten «ihren Pfarrer oft nur
in seiner Studierstube gehabt»10. Anders als in strenger Konzentration auf dies Manuskript |nan hätte, so meint man, das Buch wohl nicht in solch kurzer
Zeit zustande kommen können. Nun sind aber einerseits in diesen Monaten in der
Studierstube des Safenwiler Pfarrhauses neben diesem epochemachenden Buch auch die 31
Predigten entstanden, die in diesem Band vorgelegt werden. Selbst wenn man in Betracht
zieht, daß einige nicht bis zum eigentlichen Schluß ausformuliert sind, ist das eine
erstaunliche Leistung. Denn andererseits gingen ja - abgesehen von den fünf Wochen,
in denen Fritz Lieb Karl Barth entlastete - auch die übrigen Pflichten des Pfarramts
weiter. Der Briefwechsel zwischen Barth und Thurneysen vermittelt einen lebendigen
Eindruck von all den Besuchen und Begegnungen, den Anforderungen und Aufregungen, die
in dieser Zeit Barths Aufmerksamkeit forderten - nicht zu vergessen: die erstaunliche
Liste der Bücher, die Barth noch nebenher las («Dann habe ich Ludendorff und
Scheidemann in einem Zug durchgelesen, mit gespanntester Anteilnahme an der Entstehung
des Wracks, auf das wir nun vielleicht uns begeben sollen»11). Nimmt man hinzu, daß Barth z. B. auch noch neben dem
regulären Konfirmanden-Unterricht «zwei ganz schwache Knaben
privatim» unterrichtete12, bewundert man die
Energie und die Konzentration, mit der er den Forderungen, die das Pfarramt an ihn
stellte, und dem verwegenen Versuch, mit dem «Römerbrief» eine
neue Hermeneutik: ein «ganz auf die Sache» ausgerichtetes
«Gespräch zwischen Urkunde und Leser»13 zu initiieren, zugleich gerecht wurde.
Zwar finden sich in den Predigten nur verhältnismäßig wenige direkte Reflexe dieser
Arbeit am Römerbrief. Sie geben jedoch insgesamt davon Zeugnis, wie Barth den gleichen
Ansatz einer neuen Hermeneutik im Genus der Gemeindepredigt durchführte. Auch hier
ging es jedesmal darum, so in den Innenraum des Textes vorzustoßen, daß der Prediger
mit seinen Hörern «nahezu nur noch vor dem Rätsel der Sache»
steht14. Ob und wie das
gelingt, entzieht sich der Feststellung eines Zuschauers.15 Umso kritischer gibt Barth selber dem Ge|nanfühl des Mißlingens Ausdruck, wenn ihm eine
Predigt, wie er meint, «irgendwie unter den Händen zu einer Reihe von Mitteilungen»
zerfließt16. Die
Erforschung der Römerbriefauslegung von 1922 wird in diesen Predigten, die die Arbeit
am Manuskript stetig begleiten, spannendes Material zum Verständnis jener radikalen
hermeneutischen Wende finden - und übrigens auch zur Illustrierung der sehr
grundsätzlichen Aussage Barths in seiner letzten öffentlichen Äußerung: «Im Grunde
[...] ist meine ganze Theologie eine Theologie für Pfarrer. Sie ist herausgewachsen
aus meiner eigenen Situation, in der ich unterrichten, predigen und ein bißchen
Seelsorge üben mußte.»17 Es steht freilich zu hoffen, daß diese Veröffentlichung nicht nur
Stoff zur theologischen Forschung, sondern zugleich auch eine Hilfe zur theologischen
Existenz bietet, indem sie noch «ganz anders auf den schmalen
Weg» verweist18.
3) Zu dieser Edition
Dieser Band enthält 31 Predigten und eine Taufansprache Barths aus
dem Jahre 1921. Die Göttinger Predigt vom 27.2.1921
trägt keine Nummer, die übrigen haben die Nummern 549-578. Nur die Predigt Nr. 551
fehlt, sie war nicht auffindbar. Hingegen liegt die Predigt Nr. 552 in zwei Versionen
vor, die wir als Nr. 552A und 552B wiedergeben. Die im Karl Barth-Archiv aufbewahrten
Predigt-Manuskripte sind auf unlinierte Bögen geschrieben. Diese haben eine Höhe von
22,7 cm, eine Breite von 36,4 cm und sind einmal quergefaltet. Barth schrieb in eng
gedrängter deutscher Handschrift und benötigte für keine Predigt mehr als einen Bogen.
In 10 Fällen ist die 4. Seite des Bogens halb oder ganz beschrieben; 6-mal endet die
Predigt auf S. 3; 13 Predigten umfassen 2 Seiten, die Predigt Nr. 576 und die Skizze
zur Konfirmationspredigt Nr. 560 umfassen nur 1 Seite. 7 Predigtmanuskripte brechen
gegen Ende ab. Bei 7 Predigten liegt der Schluß nur in Skizze oder in Stichworten
vor.
nan Die Transkription hat Hermann Schmidt
erarbeitet. Er vollzog dann mit seiner Frau die nötigen Kontrollesungen. Danach habe
ich die Transkriptionen noch einmal an Hand der Originalmanuskripte überprüft.
Weiterhin unsichere Wörter sind mit einem [?] oder einer Anmerkung versehen.
Orthographie und Interpunktion werden nach den für die Gesamtausgabe gültigen Regeln
modernisiert unter Beibehaltung charakteristischer Eigentümlichkeiten Barths.
Abkürzungen werden in der Regel ausgeschrieben. Lange Passagen werden untergliedert
durch Herausgeber-Absätze. Diese sind erkennbar an einem | hinter dem Punkt.
Gedankenstriche, mit denen Barth einen Abschnitt unterteilt, werden öfters in
Druckabsätze umgewandelt. Unterstreichungen mit Tinte werden durch Kursivsatz
wiedergegeben. Mit Blaustift unterstrichene Wörter - eher Markierungen des
Gedankengangs als Hervorhebungen - sind in abweichender Schrift (Helvetica) gesetzt. Kursive Helvetica steht dann, wenn
ein Wort mit Tinte und Blaustift unterstrichen ist. Texte in eckigen Klammern -
meistens Bibelstellennachweise - stammen stets vom Herausgeber.
Eine Predigt des Jahrgangs, die Göttinger Predigt über «Das große ‹Aber›», hat Barth
in dem von ihm und Thurneysen 1924 herausgegebenen Band «Komm Schöpfer Geist!»19 in Druck gegeben. Dazu wurde eine
neue Reinschrift angefertigt. Dabei hat Barth seinen Manuskripttext zahlreichen
Veränderungen unterworfen. Neben Verbesserungen und Ergänzungen finden sich auch
sinnstörende Abschreibfehler. Wir folgen der Druckfassung, weisen aber die
Abweichungen vom Manuskript vollständig nach. Reine Erweiterungen sind in [ ] gesetzt,
sonstige Veränderungen sind in einem ersten, durch Buchstaben gekennzeichneten Apparat
festgehalten. Vernachlässigt werden im ersten Apparat Unterstreichungen im Manuskript.
Die Seitenzahlen des Drucks in «Komm Schöpfer Geist!» werden zwischen senkrechten
Strichen || mitgeführt; so können in der Sekundärliteratur zitierte Stellen leicht
gefunden werden.
Bei der Göttinger Predigt und bei den Predigten Nr. 562-565, 567, 569 und 570 hat
Barth den Bibeltext in lateinischer Schrift über die |nan
Predigt geschrieben. Bei den übrigen Predigten hat der Herausgeber den Text in [ ]
hinzugefügt, und zwar in der Fassung der Lutherbibel von 1912.
Bei den meisten Predigten hat Barth auf S. 1 des Manuskripts rechts oben die
Liednummern für den Gottesdienst eingetragen. Es handelt sich um das Gesangbuch für
die Evangelisch-reformirte Kirche der deutschen Schweiz, Basel 1891 (GERS)
📖. Wir teilen
nach der Predigt die Lieder mit und fügen die Liednummern des Gesangbuchs der
Evangelisch-reformierten Kirchen der deutschsprachigen Schweiz, Basel/Zürich 1998 (RG
[1998])
📖 und des (deutschen) Evangelischen Gesangbuchs von 1992f. (EG)
📖 hinzu. Finden
sich die Lieder hier nicht, geben wir nach Möglichkeit eine andere Quelle an.
Der Erschließung des Buches für die Lektüre dienen die Register. Dort werden
nachgewiesen: 1. Bibelstellen, 2. Namen, 3. Begriffe.
4) Dank
Der Dank, der Pfarrer i. R. Hermann Schmidt
auch für diesen Band gebührt, ist am Anfang angedeutet worden. Es ist seine
Transkription, es ist sein Entwurf für die Anmerkungen, auf denen die Edition gründet.
Es ziemt sich aber, hier auch dem Dank Ausdruck zu geben, den Hermann Schmidt für die
Begleitung seiner Frau, Gertraude Schmidt, geb. Ittmann,
empfand. Er hat gelegentlich geäußert, wie gerne er die Arbeit an Barths Predigten
tat, weil ihn der Austausch über diese Texte mit seiner Frau froh machte.
Herrn Dr. Dr. h. c. mult. Hinrich Stoevesandt und seine Frau
Elisabeth Stoevesandt (Basel) habe ich wieder bei einer
Reihe von schwierigen Entzifferungsproblemen um ihre Meinung und um ihren Rat bitten
dürfen. Herr Pfarrer Marcel Wittwer (Aarau) hat weitgehend
selbständig die Register erarbeitet. Frau Dr. Katja Tolstaja
M. A. (Kampen) und Herr Pfarrer Peter Leuenberger (Füllinsdorf,
früher Safenwil) und mit besonderer Ausdauer und Anteilnahme auch wieder Frau Margrit Müller (Basel) haben zum Band beigetragen. Ihnen allen
gilt mein herzlicher Dank.
Aber - wie früher die vielen, die auf den Titelblättern und
in den Vorworten der bisher erschienenen 43 Bände aufgeführt sind, so könnten auch die
heute in diesem Band Genannten ihre Arbeit für das |nan Karl
Barth-Archiv und für die Karl Barth-Gesamtausgabe nicht in sinnvoller Kontinuität und
mit der Hoffnung auf einen Nutzen für Theologie und Historie - und im weiteren Kreis:
für ecclesia und polis - tun ohne den Einsatz der Karl
Barth-Stiftung und der Karl Barth-Nachlass-Kommission.
Daß deren Präsidenten in diesem Jahr besondere Geburtstage haben, ist ein willkommener
Anlaß, die Leserinnen und Leser der Karl Barth-Gesamtausgabe in aller Welt an dieser
Stelle einmal ausdrücklich auf die Bedeutung der Stiftung und der Nachlass-Kommission
für die Barth-Forschung hinzuweisen.
Die theologische Arbeit betrifft «jeden Christen, sofern sein Leben bewusst oder
unbewusst auch ein Zeugnis ist. Sofern er in ihm auch der Wahrheitsfrage gegenüber
verantwortlich ist, ist jeder Christ als solcher auch zum Theologen berufen.»20 Der 65.
Geburtstag von Dr. iur. Bernhard Christ ist eine schöne
Gelegenheit, an diese Sätze Karl Barths zu erinnern: in Dankbarkeit und Respekt für
das sich an diese Berufung haltende große Engagement, mit dem Bernhard Christ die Karl
Barth-Stiftung leitet. Wie sich Besinnung auf die Vergangenheit und Wahrnehmung der
Gegenwart fruchtbar bedingen, das zeigt sehr schön der Rückblick Bernhard Christs auf
einen «Kampf ums Bekenntnis» im alten Basel21: ein Exempel des aufmerksamen,
verantwortlichen Hörens auf die «Väter von vorgestern und gestern»22, wie
Karl Barth es gefordert - und selber in stets frischer Neugier geübt hat. In diesem
Sinne versucht die Karl Barth-Stiftung unter ihrem Präsidenten Bernhard Christ dem
offenen kritischen Hören auf das Werk Karl Barths zu dienen. Die Aufgabe ist schon im
Blick auf den Umfang dieses ungewöhnlich vielgestaltigen Werkes nicht einfach. Umso
größer ist der Dank.
Etwas von jener Neugier, die sich im Feuer der Frage nach der Wahrheit erneuert und
bewährt, hat Karl Barth zweifellos seinem Enkel Dieter
Zellweger mitgegeben - vielleicht besonders einprägsam in dem privaten
zusätzlichen Konfirmandenunterricht, in dem er mit |nan ihm
seine damals eben erschienene «Einführung in die evangelische Theologie» durchnahm. Ob
im theologischen Unterricht in Afrika oder im Dienst als Pfarrer und Dekan der
Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Landschaft, ob auf den ihm sozusagen von
Kindesbeinen an vertrauten Wegen oder auf den Wegen anderer, neuer theologischer
Fragestellungen und Methoden - das sehr prinzipielle Motto hat Dieter Zellweger immer
begleitet: «Credo, ja! Aber: credo, ut intelligam.»23 Hier
liegt der entscheidende Antrieb zu freier theologischer Forschung. Im Blick auf Dieter
Zellwegers 60. Geburtstag ist ihm für den großen Dienst Dank zu bezeugen, den er in
der Tradition seines unvergeßlichen Vaters Max Zellweger als Präsident der
Nachlass-Kommission für das Erbe Karl Barths leistet, und insbesondere ist ihm dafür
zu danken, daß er die Verantwortung für den Nachlaß Karl Barths in Gemeinschaft mit
den anderen Vertretern der Familie Karl Barths: Shabnam-Edith
Barth, Dr. Daniel Barth und Dr. Niklaus Peter, und mit Dr. Georg Vischer, dem alt
Kirchenratspräsidenten der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt, stets
entschieden zugunsten der freien Forschung wahrgenommen hat.
Es bleibt, allen Genannten herzlich zu danken und zu wünschen: «Möge ihnen und uns
allen das so schön Eingeleitete zu folgereichem Genuß gedeihen. Und so fortan!»
Basel, im Oktober 2007Hans-Anton Drewes