Brief Nr. 3 · 27. Oktober 1925

Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in Krefeld

6

3

L.L.!

Es war doch gut, neulich in Elberfeld dein freundliches Angesicht zu erblicken unter all den reformierten Brüdern, mit denen ich so gar keine Ehre einlegen konnte1. Ich hoffe schon sehr, daß du von Zeit zu Zeit in dieser Weise auftauchst. Unterdessen habe ich mich also in Münster niedergelassen. Nach Nellys Heimkehr gehörig vereinsamt, mit Haussorgen, Arbeit und zäh weiterlebender Ischias gesegnet, mit den hiesigen Eingeborenen von «Pumpernickel» mich nährend. In der Verzweiflung habe ich mir gestern ein überaus patriotisches Kino-Schauspiel angesehen. Eben habe ich an Georg Merz geschrieben, daß er dir womöglich den ersten Teil der Dogmatik-Vorlesung2 schicken soll, die du beim dritten zu lesen begonnen3. Ich wohne hier Warendorfer Strasse 73 bei Frau von Flottwell; vom 16. November ab (hoffentlich! es droht noch allerlei Störung!) Himmelreichallee 43.

Mit herzlichem Gruß!
Karl Barth

Sachfußnoten

1
Siehe Bw.Th. II, S. 379f. 📖 ↩
2
Eine studentische Nachschrift der Göttinger Vorlesung vom Sommersemester 1924 «Unterricht in der christlichen Religion» (I) (s. Unterricht I 📖).↩
3
Siehe oben S. 3, Anm. 3.↩