Brief Nr. 15 · 23. Februar 1926

Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in Krefeld

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Liebe Lollo!

Es ist mir eine richtige Enttäuschung, daß soeben statt deiner selbst nur dein Brief kommt – – und mit der gleichen Post die beiliegende Karte von R. Karwehl1!! Es ist ja wie verhext. Und ich hatte es mir für heute so schön ausgedacht, genügend vorgearbeitet usw. Aber was machen wir nun? Auf keinen Fall darfst du in den Nachtwachen-Tunnel einfahren, ohne hier gewesen zu sein. Es würde mich wirklich betrüben. Du verstehst, daß ich R. Karwehl zunächst nicht gerne ein zweites Mal zurückschiebe. Aber wenn es nicht anders geht, dann muß es eben sein und wird geschehen. Ich riskiere nun (man wird in Krefeld allmählich die schwersten Ereignisse vermuten angesichts dieser regen Inanspruchnahme außerordentlicher postalischer Möglichkeiten!) ein Telegramm2, das, diesen Zeilen vorauseilend, dich auf morgen oder übermorgen aufmerksam machen soll. Du schreibst zwar kategorisch: «nur der Freitag», aber vielleicht kannst du daran doch rütteln. Dann tue es aus aller Kraft. Geht es Mittwoch oder Donnerstag durchaus nicht, dann bitte ich dich, deinerseits an Karwehl zu telegraphieren: «Münster besetzt» oder so was, ohne Zaudern |21 und Bedenken. Er will ja ohnehin nur auf den Nachmittag kommen, kann mich sehr wohl auch im März besuchen, und ich bereite ihn natürlich auf die Möglichkeit deines Telegramms geziemend vor. Auf alle Fälle komm, und komm früh genug am Tag, damit wir Zeit haben. Schade, schade, schade, daß es nicht heute sein konnte!

Mit herzlichem Gruß
Karl B.

Sachfußnoten

1
Die Karte, mit der sich Richard Karwehl auf Freitag, den 26.2.1926 anmeldete, ist nicht erhalten.↩
2
Nicht erhalten.↩