1915

Zwei Gedichte

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ZWEI GEDICHTE

1915

Zu Barths Vorträgen im Blauen Kreuz s. oben S. 101f.

Bl† [Blaukreuz] 7. II 15

Zwei Gedichte

1. Philippi, Belagerungsschlacht1
   Zulauf, Bekenntnis2
   120 Christus als Bruder im Schützengraben
   Christus als Meister über der Welt des Krieges

2. Die Anrufung Χρ’i [Christi] ist nötig, ehrlich u. wahr. Es ist ja viel Christusgeist im Leben der Kriegführenden (Soldaten u. daheim!)

3. Aber wenn wir dem Χρ Geist folgen[,] kommen wir in merkwürdigen Widerspruch zu der Wirklichkeit.
Χρ ficht [?] nicht als Feind sondern
   als Freund der Menschen
für die Wahrheit u. nicht für ein Vaterland
┐
├   Überwindung  
┘
für Gott u. nicht im Gehorsam der Welt

4. So fühlen wir uns innerlich gewisser, urteilen dürfen wir nicht, aber uns innerlich zu Χρ dem Meister stellen in Hoffnung u. Glauben

Sachfußnoten

1
Fr. Philippi, Die Belagerungsschlacht, in: ChW, Jg. 29 (1915), Sp. 100 📖:
Da wurden die Gräben im Felde heilige Stätten.
Und Höhlen der Verlassenheit
zu Gottesherbergen wurden geweiht
unter Donner und Blitz: Wir wollen das Vaterland retten!

Da hob das eiserne Beten Priesterhände
aus Gräben und Gruben bei Tag und Nacht;
schlaflos es Auge in Auge wacht
dem Sterben … Ein Rieseln rieselt ohne Ende

von Wasser und Blut und Schweiß in den Gruben zur Seite,
wie dem Heiland es floß zum Weltenheil –
Da schreitet hernieder nächtlicher Weil
vom Himmel der Menschensohn im Sternengeleite.

Einst hatte auch er nicht, wo er sein Haupt hinlegte,
nur einen Stein und ruhete gut.
Von Haupt und Händen ihm rieselte Blut,
als ihm der Stachelkranz die Stirn umhegte.

Drum steigt zu den Gräben und Höhlen der Heiland nieder.
Er wandelt über dem Drahtverhau,
barfuß durch den höllischen Morgentau
und lächelt und grüßt am äußersten Ort seine Brüder.
↩
2
Fritz Zulauf (1885–1965) war ein Studienkollege und Freund Barths. Beide gehörten zur Studentenverbindung Zofingia. Zulauf war von 1912 bis 1952 Pfarrer in Delsberg (Delémont). Das in der posthumen Sammlung Fr. Zulauf, Du hast uns reich gemacht. Gedichte, Privatdruck 1966, S. 33, unter dem Titel «Das Ziel» 📖 veröffentlichte, mit Delsberg, den 17. August 1914 datierte Gedicht war unter dem Titel «Bekenntnis» zunächst im «Freien Schweizer Arbeiter», Jg. 8 (1914/15), Nr. 6 vom 11.12.1914, S. [2] 📖, - dort aber mit einem Druckfehler in der letzten Strophe: «Gott» statt richtig «Gold» - erschienen und dann vom «Monatsblatt für das reformierte Volk des Aargaus», Jg. 25 (1915), Nr. 2, S. [1] 📖, nachgedruckt worden:
Ich glaube nicht an den Krieg!
Und ob die Soldaten marschieren
Und die Mächtigen kommandieren:
  Ich glaube an den Sieg,
  Den die Lieb’ erringt,
  Die mein Herz bezwingt.

Ich lieb’ ihn nimmer, den Krieg!
Und ob auch die Fahnen stolz flattern,
Und viel tausend Gewehre knattern:
  Ich liebe still den Sieg,
  Den die Arbeit hat
  Und die Geistestat.

Ich hoff’ auf Frieden, nicht Krieg!
Und ob noch die Zaren sich brüsten,
Und um Gold die Seelen verwüsten:
  Ich hoffe auf den Sieg,
  Der da Geld und Welt
  Unter Christus stellt.
↩