1915

Abwege auf dem Weg zum Lebensziel

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ABWEGE AUF DEM WEG ZUM LEBENSZIEL

1915

Zu Barths Vorträgen im Blauen Kreuz s. oben S. 101f.

Bl† [Blaukreuz] 24. I 15

Abwege auf dem Weg zum Lebensziel.

1. Zu einem rechten Leben gehören zwei: die Erkenntnis des rechten Ziels und die völlige Bereitschaft des Menschen, ihm zuzustreben

Das Ziel ist uns gegeben in der Erkenntnis Gottes: ein Mensch werden, der andern dient in der Gerechtigkeit, in der Seligkeit, in der Wahrheit, in der Kraft – in Beruf, Familienleben, freier Tätigkeit

2. Weniger sicher ist die Bereitschaft d. Menschen. Unser Weg ist nicht direkt, denn unser Lebensdrang verirrt sich, indem er allerlei Scheingestalten für Wirklichkeit nimmt u. sich darein stürzt: (Lesen – Bleisoldaten u. Schlachtenbilder – Schriftstellerei – Theaterspielen – Vereinsleben – so bei mir) Strolchen der Buben – Plaudern der Mädchen – Kleider – Vereinsmeierei – Wirtshaushocken – Liebschaften

3. Zur Beruhigung für Väter u. Mütter: kein Anlaß zum Erschrecken. Gutes Beispiel geben (bei mir Papa![)] Das ist das sicherste Leitseil, nicht Moralen u. Strafen

Wie erkennt man den Abweg? Am Gefühl des Ungenügens. Ein guter Mensch in seinem ...1 Rat annehmen u. sich orientieren an Bessern als wir, das sind die Kräfte die zum Ziel führen.

Sachfußnoten

1
Vgl. J. W. von Goethe, Faust I, V. 328f. (Prolog im Himmel) 📖.↩