1932

Vorwort zur englischen Ausgabe der Römerbriefauslegung

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Anhang

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Vorwort zur englischen Ausgabe der Römerbriefauslegung
1932

Der seit 1919 in Cambridge lehrende anglikanische Neutestamentler Edwyn Cl. Hoskyns1 hatte erstmals 1924 Barths Römerbriefkommentar gelesen. Diese Lektüre sollte seine weitere theologische Arbeit entscheidend beeinflussen, so dass Hoskyns zu einem frühen Wegbereiter der Rezeption Barths in England wurde. Hoskyns’ intensive Beschäftigung mit der Theologie Barths gipfelte in den frühen 1930er Jahren in seiner Übersetzung des Römerbriefkommentars.2

Am 14. September 1932 teilte Hoskyns Barth mit, seine Übersetzung sei nun abgeschlossen und er werde sie Anfang Oktober an den Verlag schicken. Zugleich bat er ihn, auch im Namen der «authorities of the Oxford University Press», um ein Vorwort, zu dem er schrieb: «I do not think it need be long unless indeed you yourself wished to make it so»; er fügte hinzu: «It could, of course, be printed at the last moment, and I need not receive it until, say November or even December.»3 Barth antwortete umgehend, sagte das erbetene Vorwort zu und versprach auch, den Termin einzuhalten.4 Am 19. Oktober sandte Barth das Vorwort an Hoskyns und bat darum, die Übersetzung dieser ihm «sehr wichtigen grundsätzlichen Erklärung» vor Drucklegung noch einmal zur Durchsicht vorgelegt zu bekommen.5 Hoskyns erfüllte diese Bitte drei Wochen später und verband dies mit Nachfragen, die von ihm gewählte freiere Übersetzungen betrafen.6 Besonders wichtig |842 war ihm dabei die richtige Übersetzung der von Barth formulierten Bitte, nicht «nach dem Schema und den Anweisungen der Theologie Emil Brunners» verstanden zu werden,7 denn, so Hoskyns: «The point is a very important one, because nearly everyone who talks about you in England, does so as a result of reading Brunner’s books.»8

Barth muss die deutsche Fassung dieses Vorworts gleich nach dessen Fertigstellung im Oktober auch an Karl Ludwig Schmidt geschickt haben, denn dieser reagierte schon am selben Tag telefonisch auf die Zusendung und schrieb Barth nur einen Tag später: «Ich möchte es für gut halten, wie ich Ihnen gestern schon telefonisch sagte, daß dieses Vorwort in einer deutschen theologischen Zeitschrift erschiene. Wann etwa wird die englische Ausgabe herauskommen? Ich könnte mir denken, daß das Vorwort in deutscher Fassung gleichzeitig oder gar schon etwas früher, also sagen wir gleich konkret: in der Novembernummer der ThBl herauskäme.»9 Zu einem Abdruck in den «Theologischen Blättern» kam es jedoch nicht; stattdessen wurde – vermutlich als Georg Merz Ende Oktober 1932 Barth in Bonn besuchte – die Aufnahme des Vorwortes in «Zwischen den Zeiten» verabredet.10

Die deutsche Fassung des Vorworts erschien in ZZ 10 (1932), S. 477–481 📖. Auf diesen ersten und einzigen deutschsprachigen Abdruck bezieht sich die angegebene Originalpaginierung. Die englische Übersetzung durch E. Hoskyns erschien im Jahr darauf: The Author’s Preface to the English Edition, in: K. Barth, The Epistle to the Romans, translated from the sixth Edition by E. C. Hoskyns, with a new Preface by the Author, London 1933, S. V–X. 📖 Vorarbeiten zum Text sind nicht erhalten.

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Vorwort zur englischen Ausgabe der Römerbriefauslegung

Sir Edwyn Hoskyns hat sich der mühevollen und selbstlosen Arbeit unterzogen, dieses Buch ins Englische zu übertragen. Meine Kenntnis dieser Sprache ist leider zu unvollkommen und meine Zeit war zu sehr von anderen Aufgaben in Anspruch genommen, als dass es möglich gewesen wäre, seinem Werk im Ganzen zu folgen. Er hat mir aber eine größere Probe davon vorgelegt, bei deren genauem Studium ich zu der bestimmten Überzeugung gekommen bin, dass er mit außerordentlicher Geschicklichkeit und vor allem mit der einen guten Übersetzer kennzeichnenden Vereinigung von Treue und Freiheit vorgegangen ist. Ich darf also Sir Edwyn auch öffentlich herzlich danken. Und ich glaube, dem englisch denkenden, lesenden und sprechenden Publikum die Hoffnung machen zu dürfen, dass es in dem vorliegenden Text, soweit das in der Verwandlung, die auch die beste Übersetzung immer bedeuten wird, überhaupt möglich ist, wirklich das vor sich habe, was ich sagen wollte.

Darüber hinaus möchte ich mir erlauben, den englischen Lesern einige Bitten ans Herz zu legen, die sich mir aufdrängen, wenn ich an die ganz neue Situation denke, in die dieses mein Buch nun versetzt ist.

1. Die Leser möchten freundlich und verständnisvoll bedenken, dass das deutsch geschriebene Buch elf oder genaugenommen vierzehn Jahre alt ist.11 Als ich es in seiner ersten Form, von der hier nur noch das Vorwort Kunde gibt, vollendete, da vernahm man von meinem Schreibtisch aus, wenn der Nordwind wehte, bei ein wenig Aufmerksamkeit und Phantasie noch immer die Stimme der Kanonen des großen Krieges12… Und der an jenem Schreibtisch arbeitete, war ein junger Landpfarrer,13 der das, was kirchliche und wissenschaftliche |844 Verantwortlichkeit ist, wirklich erst teilweise kannte, der sich, weithin unbekümmert um die ihm zur Verfügung stehenden und um die ihm entgegenwirkenden Kräfte, in einen Kampf stürzte, dessen innere und äußere Tragweite er 478 damals von ferne nicht zu übersehen vermochte. So war es im Wesentlichen auch noch 1921, als das Buch die hier vorliegende zweite Form erhielt. Es ist, von heute aus gesehen, das Buch einer anderen Zeit und eines anderen Mannes. Ich habe darauf schon im Vorwort zu der sechsten deutschen Auflage hingewiesen.14 Auch die englischen Leser – und sie vielleicht noch mehr als die deutschen – werden sich klarmachen müssen, dass sie mit der Lektüre dieses Buches an den Anfang einer Entwicklung geführt werden, dass sie den Bonner Professor von heute nicht auf den Safenwiler Pfarrer von damals festlegen, dass sie auch den Stand der heutigen theologischen Diskussion in Deutschland nur höchst mittelbar aus diesem Buch ablesen dürfen. Sie werden sich sagen müssen, dass wahrscheinlich alle Bedenken und Fragen, die sich ihnen bei der ersten Lektüre aufdrängen mögen, vom Verfasser selbst und von seinen deutschen Freunden und Gegnern längst aufgeworfen und in späteren Veröffentlichungen in irgend einer Form verarbeitet worden sind. Die Lektüre wird für sie nur eine Einleitung bedeuten können und also eine Einladung bedeuten müssen, sich an der Arbeit, die auf dieses Buch folgte, in angemessener Weise zu beteiligen.

2. Es ist mir bekannt und es ist mir eine Ehre und Freude, dass meine Arbeit vielen Theologen des englischen Sprachgebietes auch schon vor dem Erscheinen dieser Übersetzung nicht ganz unbekannt war. Die Übersetzung einer Sammlung von Vorträgen und einiger |845 kleinerer Arbeiten sind ja diesem Buch bereits vorangegangen.15 Ich kenne ferner die meisten der guten und weniger guten Bücher und Aufsätze, die in England und Amerika über mich geschrieben worden sind.16 Ich kenne selbstverständlich auch die Versuche Adolf Kellers, meine theologischen Bemühungen im Rahmen der ökumenischen Bewegung fruchtbar zu machen.17 Und ich weiß endlich um den star|846ken Eindruck, den Emil Brunner mit seinen englisch geschriebenen Darlegungen seiner mit den meinigen verwandten Bestrebungen in der englischen Welt erzielt hat.18 Irgend eine Vorstellung von dem, was man «dialektische Theologie», «Theologie der Krisis», «Barthianismus» etc. zu nennen pflegt, und auch irgend ein Vorurteil hinsichtlich dieser Sache wird also wohl jeder, der zu dieser Übersetzung greift, schon irgendwoher mitbringen. Ist es wohl zu viel verlangt, wenn ich ihn bitte, jene Vorstellungen und Vorurteile bei der Lektüre so viel als möglich zurückzudrängen und das Buch so zu lesen, als ob er, um die bekannten Schlagworte und 479 Rubrizierungen noch nicht wissend, zum ersten Mal mit dieser Sache in Berührung käme? Darf ich ihn auch bitten – ich tue dies im Blick auf die seither geschehene Entwicklung der Dinge in Deutschland, Holland und der Schweiz – mich gerade nicht ohne weiteres nach dem Schema und den Anweisungen der Theologie Emil Brunners und überhaupt nicht als den Exponenten einer «Schule» zu verstehen, sondern mich zunächst als einen «Fall für sich» gelten zu lassen?19 Nur dann wird er ja das Buch so lesen, wie |847 es 1921 geschrieben wurde und wie es dann Anlass zu der seither stattgefundenen Auseinandersetzung geworden ist. Nur dann kann es ihm den Dienst leisten, selbständig in die Arbeit, die es nach sich gezogen hat, einzutreten. Ich meine aufrichtig, dass es im Interesse der Sache und damit auch der englischen Leser liegen würde, wenn sie die Freundlichkeit haben wollten, sich gerade diesem Rate nicht zu verschließen.

3. Sir Edwyn hat mir besonders nahegelegt, ich möchte den englischen Lesern in diesem Vorwort empfehlen, das Buch ganz und nicht nur in Bruchstücken zu lesen.20 Nun, das ist eine Empfehlung, die im Munde des Verfassers selbst notwendig etwas seltsam klingen wird. Dass die Leser, mit der Lektüre anhebend, so viel Freude und Gewinn davon haben möchten, dass sie sie fortsetzen und beendigen müssen, das kann ich ihnen gegenüber nicht wohl aussprechen. Aber Sir Edwyn hat doch mit dem, was er will, ganz recht. Ich kenne deutsche Leser und Rezensenten, von denen ich beschwören möchte, dass sie nicht viel mehr als das Vorwort und eine Anzahl Seiten gelesen haben, um dann doch durch alle Jahre hindurch so zu tun, als wüssten sie, was in dem Buch steht, und mit ihren zustimmenden oder ablehnenden Urteilen immer wieder Porzellan zu zerschlagen. Ich kenne auch bestimmte Dinge, die man hartnäckig in dem Buch «vermissen» zu müssen geglaubt hat,21 nur weil man sie nicht am rechten Ort gesucht und |848 gefunden hatte. Viele Donquichotterien, die dem Buch widerfahren sind, wären schon in Deutschland zu vermeiden gewesen, wenn alle den verständigen und einfachen Rat von Sir Edwyn vor Augen gehabt und befolgt hätten. Für die englischen Leser ist es noch nicht zu spät. Ist es nicht schon im Römerbrief des Paulus selbst so, dass man Röm. 1–2 nun einmal nicht ohne Röm. 3, Röm. 5 nicht ohne Röm. 6, Röm. 8 nicht ohne Röm. 7, Röm. 9 nicht ohne Röm. 11 und vor allem Röm. 1–11 nicht ohne Röm. 12–15 lesen darf? Kann und darf man es dann mit einer Auslegung des Römerbriefs anders halten? Ist es nicht 480 hier wie dort die selbstverständliche Bedingung wirklichen Verstehens, dass man das Ganze aus dem Ganzen zu verstehen sich die Mühe gibt?22 Den Antrieb, sich diese Mühe zu geben, kann ich keinem Leser mitteilen; ich darf aber jedenfalls jedem Leser, der seinerseits über das Buch zu reden beabsichtigt, die Erinnerung mit auf den Weg geben, dass er das verantwortungsvoll eigentlich nur tun dürfte, nachdem zuvor das Buch in seinem gesamten Inhalt zu ihm geredet hat. Das Buch wäre keine Auslegung des paulinischen Römerbriefs, wenn es nicht eine große Bewegung ausführte, die man in allen ihren Stadien mitgemacht haben muss, um es zu kennen.

4. Es ist gewiss nicht überflüssig, wenn ich die künftigen Freunde und die künftigen Gegner des Buches, wie sie ihm nun auch in der englischen Welt erwachsen werden, darauf aufmerksam mache, dass es sich hier nicht um eine freie religiöse oder religionsphilosophische Darlegung handelt, sondern – wenigstens meiner Absicht nach – um |849 Schriftauslegung. Man sage mir nicht zu schnell (in Deutschland haben es mir Einige allzu schnell gesagt!), ich sei kein Ausleger oder vielmehr: ich sei ein «pneumatischer» Ausleger.23 Der Vorwurf, der in diesem «pneumatisch» liegen soll, könnte gerade auf die, die ihn am leichtesten erheben, am schwersten zurückfallen. Vielleicht wird das Buch auch in der englischen Welt ein Anlass, die Frage: Was heißt Auslegung? ganz neu in Erwägung zu ziehen. Niemand kann auslegen, ohne auch einzulegen. Kein Ausleger ist sicher vor der Gefahr, mehr einzulegen als auszulegen.24 Ich war und ich bin vor dieser Gefahr auch nicht sicher. Man würde mich aber schlecht verstehen, wenn man mir nicht zunächst glauben würde, dass ich auslegen und also gebundene (durch den Text gebundene) und nicht freie Theologie treiben wollte. Man kann und man muss meine Auslegung kritisieren, und ich hoffe, dass ich in dieser Hinsicht auch aus den Kreisen der Theologie englischer Sprache bald Wichtiges und Richtiges zu hören bekommen werde. Man kann meine Auslegung aber nicht von irgend einem religiösen, philosophischen oder moralischen Standpunkt aus, sondern man kann sie sinnvollerweise nur von dem ausgelegten Text aus, man kann sie nur streng theologisch bejahen oder verneinen. Allgemeine Erwägungen über den Wert oder Unwert meiner geistigen Haltung, meiner religiösen Richtung und Weltanschauung könnten und würden mir keinerlei Eindruck machen. Interessant kann nur die eine Frage sein, ob Paulus im Einzelnen und im Ganzen in der 481 Richtung gedacht und gesprochen hat, in der ich ihn in dieser Auslegung denken und sprechen lasse, oder ob dies nicht der Fall ist. Meine vierte und letzte Bitte geht also sehr schlicht dahin, es möchte mir der freundliche Leser nichts abnehmen und glauben als das, was |850 ihm selbst als Sinn des paulinischen Textes einleuchtend wird, es möchte mir aber auch der abgeneigte Leser nichts vorwerfen, was er vielleicht einfach dem paulinischen Text selbst vorzuwerfen hat. Die Absicht dieses Buches war und ist nicht die, den Leser durch das Angebot einer neuen Theologie zu erfreuen oder zu ärgern, sondern ihn auf die Heilige Schrift, auf den Römerbrief des Paulus selbst hinzuweisen, mit dem er sich dann erfreut oder geärgert, «angenommen» oder «verworfen», selbst und direkt auseinandersetzen mag. Ich wünschte und ich wünsche zu dienen mit diesem Buch. Wem dienen? Gewiss auch seinen Lesern. Aber zuerst und vor allem dem andern Buch, in dem Jesus Christus seiner Kirche gegenwärtig ist. Theologie heißt ministerium verbi divini.25 Nichts sonst. Diese Einsicht ist das Ziel des Kampfes, den wir in Deutschland seit zehn Jahren kämpfen und zu dem aufzurufen auch der Sinn dieser englischen Ausgabe meines Römerbriefes sein muss.

Bonn, im Oktober 1932.

Sachfußnoten

1
Sir Edwyn Cl. Hoskyns, 13th Baronet (1884–1937), lehrte seit 1919 am Corpus Christi College in Cambridge, seit 1932 «canon theologian (= theologisches Mitglied des Kapitels) of Liverpool Cathedral». ↩
2
Vgl. A.-K. Finke, Karl Barth in Großbritannien. Rezeption und Wirkungsgeschichte, Neukirchen-Vluyn 1995, S. 122–133 📖; D. D. Morgan, Barth Reception in Britain, London / New York 2010, S. 119–128. 📖 ↩
3
Brief Hoskyns’ an Barth vom 14.9.1932 (KBA 9332.476). ↩
4
Vgl. Brief Barths an Hoskyns vom 18.9.1932 (KBA 9232.268). ↩
5
Brief Barths an Hoskyns vom 19.10.1932 (KBA 9232.297). ↩
6
Vgl. Brief Hoskyns’ an Barth vom 12.11.1932 (KBA 9335.571). Weder das deutsche Typoskript, das Barth nach England geschickt hatte, noch das von Hoskyns zurückgesandte Exempar der englischen Übersetzung sind im KBA erhalten. ↩
7
Siehe unten, S. 846. ↩
8
Brief an Barth vom 12.11.1932 (Anm. 6). Vgl. unten, Anm. 18. ↩
9
Brief K. L. Schmidts an Barth vom 20.10.1932 (KBA 9335.539). ↩
10
Am 25.10.1932 teilte Merz auf einer Postkarte an Barth diesem seine Absicht mit, ihn am 30./31. Oktober in Bonn zu besuchen (vgl. KBA 9332.544); am 7.11.1932 schrieb er an Ch. von Kirschbaum (KBA 98792.53): «Ich muss doch wieder am Schluss des Jahrgangs, der ja gleichzeitig der Schluss des ersten Jahrzehnts von Z.Z. ist, die von vielen erwartete Mitteilung an die Leser zusammenstellen und möchte in ihr […] auf den englischen Römerbrief hinweisen, dessen Vorrede ja in der gleichen Nummer den Lesern entgegentreten soll.» ↩
11
An der ersten Ausgabe seines Römerbriefkommentars (Römerbrief 1 📖) arbeitete Barth von 1916 bis 1918; das Buch war im Dezember 1918 fertiggestellt und erschien mit der Jahresangabe 1919. Die zweite, völlig überarbeitete Ausgabe (Römerbrief 2 📖) erschien 1921. ↩
12
Gemeint ist der Erste Weltkrieg, der am 11. November 1918 mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandsvertrags im Wald von Compiègne endete. ↩
13
Barth wirkte von 1911 bis 1921 als Pfarrer in der überwiegend ländlich geprägten Gemeinde Safenwil (Kanton Aargau), in der es allerdings auch Betriebe der Textilindustrie gab. ↩
14
In diesem Vorwort (Römerbrief 2, S. 40–42 📖) hatte Barth geschrieben: «Ich möchte es aber doch nicht ziehen lassen ohne das ausdrückliche Bekenntnis, dass ich, wenn ich heute wieder vor der Aufgabe dieses Buches stünde, um dasselbe zu sagen, alles ganz anders sagen müsste, […]. Vieles wäre kürzer und vieles ausführlicher, vieles vorsichtiger und umsichtiger, vieles auch entschiedener und eindeutiger zu sagen. Viel Beiwerk, das durch meine eigenen und die allgemeine damalige Lage bedingt war, wäre wegzuschneiden, und viele Zusammenhänge, die mir damals noch nicht bewusst waren, wären sichtbar zu machen. Den Vorbehalt, der durch die Tatsache gegeben ist, dass ich, seit dieses Buch geschrieben wurde, sieben Jahre älter geworden und dass unterdessen unser aller Hefte korrigiert worden sind, wird sich also der Leser von heute vor Augen halten müssen» (a.a.O., S. 40). ↩
15
Ins Englische übersetzt waren bis zum Erscheinen der Übersetzung des Vorwortes 1933: K. Barth, Die Auferstehung der Toten. Eine akademische Vorlesung über I. Kor. 15, München 1924 📖 = ders., The Resurrection of the Dead, translated by H. J. Stenning, London 1933 📖; K. Barth, Das Wort Gottes und die Theologie. Gesammelte Vorträge, München 1925 📖 = ders., The word of God and the word of man, translated by D. Horton, London 1928 und Boston / Chicago 1928 📖; K. Barth, Vom christlichen Leben, München 1926 📖 = ders., The christian life, translated by J. Strathearn McNab, London 1930 📖; K. Barth, Fragen an das Christentum (1931), in: V.u.kl.A. 1930–1933, S. 141–155 📖 = ders., Questions to Christendom, translated by R. Birch Hoyle, London 1932 📖 (unter dem Titel: Questions which «Christianity» must face, in: SW 25 [1932], S. 93–100 📖). – Hoskyns hatte bei Barth am 23.12.1932 nach weiteren Übersetzungen zusätzlich zu denen, die ihm bekannt waren, gefragt (vgl. KBA 9335.653); den Aufsatz Questions to Christendom ordnete er in der seiner Römerbrief-Übersetzung beigefügten Liste der bis dahin ins Englische übersetzten Arbeiten Barths (K. Barth, The Epistle to the Romans, translated from the sixth Edition by E. C. Hoskyns, with a new Preface by the Author, London 1933, S. XVII 📖) fälschlich dem Aufsatzband Die Theologie und die Kirche, München 1928 📖, zu. ↩
16
Vgl. in Auswahl: A. Keller, A Theology of Crisis, in: Exp. 9 (1925), S. 164-175. 245–260 📖; ders., The Dialectic Theology. A Survey oft he Movement of Karl Barth and his Friends, in: ConQ 6 (1928), S. 56–68 📖; G. Krüger, The Theology of Crisis, in: HThR 19 (1926), S. 227–258 📖; J. Phillips, Barth’s Theology of Crisis, in: ConQ 4 (1926), S. 323–330 📖; J. McConnachie, The teaching of Karl Barth. A New Positive Movement in German Theology, in: HibJ 25 (1927), S. 385–400 📖; ders., The Significance of Karl Barth, London 1931 📖; H. R. Mackintosh, Leaders of Theological Thought. Karl Barth, in: ET 39 (1927/28), S. 536–540 📖; W. G. Hanson, The Message of Karl Barth, London 1931. 📖 – Zur frühen Barth-Rezeption in Großbritannien vgl. Finke (Anm. 2), S. 87–145 📖; Morgan (Anm. 2), S. 1–118. 📖 ↩
17
Neben den in der vorangehenden Anmerkung genannten Aufsätzen ist hier besonders zu nennen A. Keller, Der Weg der dialektischen Theologie durch die kirchliche Welt. Eine kleine Kirchenkunde der Gegenwart, München 1931 📖; engl.: ders., Karl Barth and Christian Unity. The influence of the Barthian Movement upon the Churches of the World, London 1931 📖. – Barths Meinung über dieses Buch und Kellers oben nur angedeutetes Bestreben kommt in einem Brief an A. Lempp vom 9.12.1931 (KBA 9231.391) zum Ausdruck: «Ich habe das Buch von Adolf Keller gelesen und bin leise unglücklich darüber, dass es bei Ihnen erschienen ist, weil es einerseits verflixt nach Propaganda aussieht und andererseits inhaltlich freilich Propaganda ist, aber schließlich doch nur – wozu der Umweg über die dialektische Theologie gerade gut genug ist – Propaganda für die ökumenische Bewegung. L. v. Kirschbaum macht mich soeben darauf aufmerksam, dass Sie mich seinerzeit wegen dieses Buches um meine Ansicht gefragt hätten und dass ich damals nicht widersprochen habe. Das kann wohl sein, aber das leise Weinen über die nun vollendete Tatsache – lieber Herr Lempp, ich kann nicht umhin, Ihnen ins Ohr, aber nur ins Ohr zu sagen, dass ich das Buch für einen Schmarren halte – lässt sich deshalb nicht unterdrücken.» ↩
18
Der im Englischen wesentlich versiertere Brunner hatte bereits 1928 Vorlesungen in den USA (vgl. E. Brunner, The Theology of Crisis, New York / London 1929 [19312] 📖) und 1931 in England und Schottland (vgl. ders., The Word and the World, London 1931 📖) gehalten und war im englischsprachigen Raum zum meistbeachteten Vertreter der Dialektischen Theologie geworden. Vgl. Fr. Jehle, Emil Brunner. Theologe im 20. Jahrhundert, Zürich 2006, S. 241–251 📖; vgl. auch oben, S. 842. ↩
19
Im Hintergrund dieser Bemerkung steht die zunehmende theologische Entfremdung Barths gerade von Emil Brunner, die mit der in diesem Band abgedruckten Schrift Nein! Antwort an Emil Brunner (s. oben, S. 429-527) 📖 nur ihren Höhepunkt gefunden, sich aber lange zuvor angebahnt hatte (vgl. V.u.kl.A. 1930–1933, S. 41f., Anm. 65, S. 97f., Anm. 75, und S. 492f. 📖). – Dieser ihm besonders wichtige Passus (s. oben, S. 841f.) wurde von Hoskyns so übersetzt: «May I also ask my English readers […] not to look at me simply through the spectacles of Emil Brunner, not to conform me to his pattern, and, above all, not to think of me as the representative of a particular ‹Theological School›?» (Barth, Epistle [Anm. 15], S. VII 📖). ↩
20
Im Brief vom 14.9.1932 (Anm. 3) hatte Hoskyns geschrieben: «I am most anscious for you to urge upon English readers that they must read the book through to the end, if they are to have any hope of understanding it. I have myself found, that difficult passages become far more intelligible in the light of the whole.» ↩
21
Vgl. etwa die vor allem auf die Römerbriefauslegung Barths Bezug nehmende Schrift: W. Knappe, Karl Barth und der Pietismus, Elberfeld 1927 📖 (zuerst veröffentlicht in: Licht und Leben, Jg. 39 [1927], S. 467-470. 483–485. 499-501. 515–518. 531–536 📖), S. 57 (= Licht und Leben, S. 536): «Wir wissen gleichzeitig, daß uns Barth nicht den ganzen Reichtum der Schrift erschlossen hat, ja daß wir das Wichtigste bei ihm vermissen, ein helles Zeugnis von der unbegreiflichen Liebe Gottes in Jesus Christus und ebenso ein Verständnis dafür, daß diese Liebe nun einmal, so unfaßbar das dem Verstand ist, von einem menschlichen Herzen im Glauben erlebt werden kann […].» ↩
22
Schleiermacher nannte es in seiner Hermeneutik den «ersten Grundsatz» des Verstehens, «daß das Einzelne nur könne aus dem Ganzen verstanden werden» (Fr. D. E. Schleiermacher, Vorlesungen zur Hermeneutik und Kritik [ders., Kritische Gesamtausgabe, Abt. II, Bd. 4, hrsg. von W. Virmond, Berlin 2012], S. 224 📖), und führte im weiteren aus: «[…] eine gewisse Kenntniß des Einzelnen haben wir schon in der Kenntniß der Sprache und der gemeinschaftlichen Combinationsgesetze. Das ist gerade soviel als nöthig ist, um eine allgemeine Kenntniß des Ganzen zu erhalten, wenn wir auch bloß das Einzelne durchgehen. Haben wir dann die allgemeine Kenntniß des Ganzen, dann kann man daraus das Ganze verstehen. Es ist also an kein Verstehen zu denken, wenn man nicht erst eine Uebersicht des Ganzen hat» (a.a.O., S. 225; i. Orig. mit Hervorhebungen). ↩
23
In den Vorworten zur zweiten und zur vierten Auflage des Römerbriefkommentars benennt Barth Adolf Jülicher als Urheber dieses Vorwurfs; vgl. Römerbrief 2, S. 16 und S. 32. 📖 ↩
24
Vgl. KD I/1, S. 108f. 📖: «Alle Exegese kann überwiegend ein Einlegen statt ein Auslegen werden und insofern zurückfallen in das Gespräch der Kirche mit sich selber.» – In einem Brief an Hoskyns vom 15.11.1932 (KBA 9232.313) schlug Barth vor, zur Verdeutlichung des im Englischen nicht wiederzugebenden Wortspiels auch in der englischen Übersetzung des Vorworts die deutschen Begriffe «einzulegen» und «auszulegen» in Klammern hinter den ihnen entsprechenden englischen Begriffen einzufügen. Hoskyns griff diesen Vorschlag auf (vgl. Barth, Epistle [Anm. 15], S. IX 📖). ↩
25
Vgl. Unterricht I, S. 378 📖: «Dogmatik kann nebenbei […] eine Wissenschaft sein. Sie kann im Erfolg ein Kunstwerk sein. Sie ist aber in ihrem Wesen weder das Eine noch das Andere, sondern ein Dienst an der Kirche, ministerium verbi divini in zweiter Potenz»; KD I/1, S. 60 📖: «Die der Kirche gegebene in der Heiligen Schrift bezeugte Verheißung selbst ist ja offenbar im Unterschied zu der gepredigten Verheißung nicht solches Menschenwerk. Sie ist Wort: als geschehenes göttliches Ereignis, als vollbrachte göttliche Handlung der richtenden und versöhnenden Gnade […]. Wird dieses Ereignis nicht mitverkündigt, inwiefern wird dann wirklich die der Kirche gegebene Verheißung verkündigt, inwiefern ist dann die kirchliche Verkündigung statt eines ministerium verbi divini nicht vielmehr ein unüberwindliches Hindernis, das dem Selbstwort Gottes in den Weg gelegt wird?»↩