1935

Das Evangelium in der Gegenwart

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Das Evangelium in der Gegenwart

1935

Diesen am 3. Juni 1935 vor Studenten in Bern gehaltenen und am darauffolgenden Tag vor der Baseler Studentenschaft wiederholten Vortrag schrieb Barth Ende Mai 1935 auf dem Bergli in Oberrieden, wo er sich seit dem 22. Mai aufhielt. Er befand sich zu diesem Zeitpunkt in einer in mehrfacher Hinsicht bedrängenden Situation: Der Abschluss seines Prozesses stand bevor,1 ihm war vor allem aufgrund seiner bekanntgewordenen Äußerung zur Notwendigkeit der Verteidigung der Schweizer Nordgrenze bedeutet worden, seine Teilnahme an der dritten Reichsbekenntnissynode in Augsburg sei nicht erwünscht,2 und er wartete – wie sich zeigen sollte vergebens – auf eine |806 mit einem konkreten Vorschlag verbundene Aufforderung seitens bekenntniskirchlicher Kreise, auch nach einer Amtsenthebung in Deutschland tätig zu bleiben.3

1. Bern

Am 19. Mai 1935 lud Emil Blum im Namen der evangelischen Studenten Berns Barth zu einem Vortrag für Hörer aller Fakultäten nach Bern ein. «Aufgabe wäre einfach die Vergegenwärtigung der uns aufgetragenen Verkündigung, wobei gerade jene Studierenden anzusprechen sind, denen ihre Konfession fragwürdig ist und die vom Wort Gottes nicht so getroffen sind, dass sie um die Verbindlichkeit ihres Glaubens wissen.»4 Blum überließ Barth die Wahl des Themas, nannte aber «zur Illustrierung» der Erwartungen mögliche Formulierungen: «‹Das Wort Gottes in der Gegenwart› oder einfach: ‹Das Evangelium›, eventuell mit dem übersetzenden Zusatz: ‹Das Evangelium, die frohe Botschaft›.»5 Die Einladung, an Barths Bonner Anschrift adressiert, kann Barth erst auf dem Bergli erreicht haben.6 Er sagte sofort zu, ging sogleich «an die Ausarbeitung»7 und schrieb am 24. Mai an Eduard |807 Thurneysen: «Ich bin von der Berner Studentenschaft um einen Vortrag gebeten (‹Das Evangelium in der Gegenwart›), und weil ich dazu schon längst gerne etwas ausgearbeitet und gesagt hätte, habe ich den Antrag angenommen für einen Tag zwischen dem 1. und 5. Juni.»8 Blum legte in seiner Antwort auf Barths – nicht erhaltene – Zusage den Vortrag auf Montag, den 3. Juni; er sollte im Großratssaal stattfinden.9

Barth arbeitete den Vortrag in den letzten Maitagen aus; am 31. Mai schrieb er «den 3. Teil seines Vortrags noch einmal» und noch am selben und am nächsten Tag diktierte er Charlotte von Kirschbaum den fertigen Text.10

Barth reiste vom Bergli aus allein nach Bern, um dort den Vortrag zu halten. Am 4. Juni 1935 trafen sich Barth und Ch. von Kirschbaum, die über Zürich dorthin fuhr, in Basel wieder.11

2. Basel

Für Barth ungewöhnlich war, dass er von sich aus den Kontakt mit den Basler Studenten suchte, um den Vortrag auch dort halten zu können. Mit ausschlaggebend für dieses Vorgehen waren einerseits die schon sehr konkreten Überlegungen zu einer möglichen Berufung Barths nach Basel, die dann am 25. Juni 1935, drei Tage nach Barths Versetzung in den Ruhestand, tatsächlich erfolgte. Allerdings spielte es auch eine Rolle, dass Barth von dorther bereits mehrfach um einen Vortrag gebeten worden war.12 Am 24. Mai schrieb er an Thurneysen: «Dabei fällt mir nun ein, dass mich ja auch die Basler Studenten längst einmal zu einem solchen Vortrag haben wollten. Es kommt dazu, dass ich das, |808 was zu sagen mir vorschwebte, im Blick auf die beiden Eventualitäten meiner Basler Entscheidung gerade dort nicht ungern schon zuvor öffentlich gesagt hätte.»13 Da Barth die Adressen der Personen, mit denen er früher korrespondiert hatte, auf dem Bergli nicht vorlagen, bat er Thurneysen, den Kontakt zu vermitteln. Am 27. Mai verabredete Barth mit Hans Dietschy vom Vortragsausschuss der Studentenschaft Basel telefonisch, dass er am 4. Juni als Gast der Studentenschaft im Münstersaal des Basler Bischofshofs zum Thema «Das Evangelium in der Gegenwart» sprechen werde.14 Der von Zürcher Theologiestudenten geäußerten Bitte, auch dort den Vortrag zu wiederholen,15 kam Barth nicht nach.

Die Basler Zeitungen brachten ausführliche Zusammenfassungen des Vortrags,16 der sicher aufgrund des großen Andrangs statt im Bischofshof in der «vollbesetzten» Martinskirche stattgefunden hatte.17 Nachher fand eine Diskussion statt; danach blieben Barth und Ch. von Kirschbaum in Basel und verbrachten den Abend und die Nacht bei Eduard Thurneysen.18 Über den «persönlichen Nachhall» berichtete Thurneysen kurz darauf an Barth: «Natürlich haben alle die, die irgendwie mit der deutschen Lage innerlich mitgehen, besonders wach zugehört und waren besonders bewegt durch deine Worte. Ich weiß von solchen, die einfach aufgeatmet haben, gedankt haben ob der Klarheit und Kraft, mit der die letzten Untergründe aufgerissen wurden. Dagegen gibt es natürlich Basler, die einiges ‹übertrieben› fanden, doch wirklich keine – wenigstens ich habe keine getroffen –, die nicht bewegt waren […].»19

809 Von den Vorarbeiten zum Vortrag ist lediglich das Manuskript erhalten, das neun eng beschriebene Seiten umfasst.20 – Der Abdruck erschien in: K. Barth, Das Evangelium in der Gegenwart (ThExh 25), München 1935, S. 18–36. 📖 Hierauf bezieht sich die angegebene Originalpaginierung. Ein weiterer Abdruck erfolgte nicht, jedoch erschien bereits 1936 eine Übersetzung in holländischer Sprache in: K. Barth, De levende God. Preeken en voordrachten, uitgezocht en ingeleid door W. J. Aalders, vertaling van P. G. van den Hooff, Amsterdam 1936, S. 61–84. 📖

Das Evangelium in der Gegenwart

a-Vortrag, gehalten am 3. Juni in Bern und am 4. Juni 1935 in Basel-a

Der englische Schriftsteller John Galsworthy erzählt in seinem in der Gegenwart spielenden Roman «Blühende Wildnis»21 die Geschichte eines vornehmen und gebildeten jungen Engländers, der, in die Gefangenschaft eines feindlichen Arabers geraten, vor dem Gewehrlauf desb Gegners, um sein Leben zu retten, den christlichen Glauben abschwört und zum Islam übertritt. Darüber allgemeine Empörung der guten Gesellschaft in London: der junge Mann hat mit seinem Abfall die Würde und Überlegenheit der weißen Rasse im Allgemeinen und insbesondere des britischen Imperiums gegenüber der farbigen Welt verraten. Weil der christliche Glaube zum geschichtlichen Erbe und |810 c-als Symbol wohl auch zum notwendigen Bestand der modernen Kultur und insbesondere des englischen Wesens-c gehört, darum hätte er sich für ihn totschießen lassen müssen. Auch für den christlichen Glauben als solchen? Nein, darüber ist sich die gute Gesellschaft in London nun allerdings offen oder heimlich ebenso einig: nicht für den christlichen Glauben als solchen! An sich könnte man heuted ebenso gut Mohammedaner wie Christ, wie irgend etwas Anderes, wie vielleicht auch gar nichts sein. In die Entscheidung gestellt, wird man sich heute zum christlichen Glauben vielleicht um der Moral, um der Ehre, um der Tradition, aber nimmermehr um seiner selbst willen bekennen. Das Katastrophale jenes Falles besteht nicht darin, dass der Manne seinen Glauben verleugnet, sondern darin, dass er damit England Unehre gemacht hat. Das Christentum steht – auch in den Kreisen, in denen es überhaupt noch steht – nicht mehr auf eigenen Füßen. Sofern es noch lebt, lebt es zur Miete in fremden Häusern, deren Wert und Dauerhaftigkeit übrigens auch nach Galsworthy eine Frage für sich ist.

Hat Galsworthy recht? Er wird wohl wie alle Analytiker, die sich mit ihrem Urteil an solche letzten Zeitfragen heran19wagen, nur teilweise recht haben. Es steht gewiss jedem f-von uns-f frei, zu beteuern, dass er sich auch als g-Mensch der Gegenwart-g anders benehmen, und zwar im Unterschied zu der guten Gesellschaft jenes Romans um des christlichen Glaubens selbst willen anders benehmen würde als der bewusste junge Engländer. Und das wird man ihm dann bis auf weiteres glauben müssen, schon darum, weil das Phänomen offenbar echten Martyriums schließlich auch der Gegenwart nicht ganz unbekannt ist. Immerhin: die Tatsache, dass gerade ein Mann wie Galsworthy, dem man Sinn und Verständnis für die metaphysischen Tiefen des Menschenlebens wahrhaftig nicht absprechen kann, gerade im Blick auf die von außen gesehen so intakte Kirchlichkeit Englands die Lage des Christentums in der Gegenwart – nicht nur in diesem, |811 sondern in allen seinen Büchern! – so sehen zu müssen meint, würde zu denken geben, auch wenn er nur zu einem kleineren Teil recht hätte. Er könnte aber, auf das Ganze der angeblich und vermeintlich christlichen europäisch-amerikanischen Welt gesehen, auch zu einem größeren Teil recht haben. Ich erinnere, um von der guten Gesellschaft in London jetzt abzusehen, an das typische Bild, das heute sicher jede größere Stadt, aber weithin auch schon die Kleinstadt und das Land beider Kontinente an ihren Sonntagen bieten: am Morgen die endlose Flucht der in irgend eine Ferne strebenden Autos und Motorräder, am Nachmittag Fußball-Länderkampf oder etwas Ähnliches, am Abend die überfüllten Kinos. Irgendwo dazwischen erklingen gewiss auch die Kirchenglocken, wird auch gepredigt und gebetet. Irgendwo hört man auch singen: «Wie nach einer Wasserquelle…»22 Das Bild wäre nicht vollständig, wenn das ganz fehlte. Die getaufte und konfirmierte Menschheit in diesen Städten und Dörfern ist im Ganzen weit entfernt davon, das Christentum abzulehnen oder zu hassen oder gar verfolgen zu wollen. Sie ist aber doch offensichtlich noch weiter entfernt davon, sich in ihrem anderweitig bestimmten Lauf h-auch nur ein bisschen-h von ihm stören zu lassen oder gari sich mit letztem Nachdruck dafür einzusetzen. Geschäft, Technik, Sport und etwas Politik sind notwendig; auch das Christentum ist eine gute, aber doch nur eine als mehr oder weniger überflüssiger Zusatz gute |812 Sache. Der letzte Nachdruck des Denkens und Handelns dieser Menschheit kommt offensichtlich anderswoher, um anderswohin zu gehen. Was besagt es 20 demgegenüber, wenn es tatsächlich auch in der Gegenwart eine Anzahl Leute gibt, die bereit sind, nicht nur im Krieg, nicht nur in irgend einer Sportsangelegenheit, sondern nun gerade in der Behauptung ihres christlichen Glaubens ihr Leben in die Schanze zu schlagen? j-Sie könnten ja auch die Nachzügler einer demnächst endgültig vergangenen Zeit sein.-j Die heutige Christenheit als Ganzes ist sicher nicht bereit dazu. Der Fanatismus, der allerdings ein bezeichnender Zug gerade im Gesicht unserer Gegenwart ist, hat heute seinen Sitz anderswo als in den christlichen Kirchen. Man kann das zu ihrem Ruhme sagen. Man kann sich aber auch darüber wundern, dass heute zu ihrem Ruhme gerade das zu sagen ist!

Von hier aus dürfte das zu verstehen sein, was sich in diesen Jahren in Sachen des Christentums in Deutschland ereignet. Die neue deutsche Staats- und Lebensordnungk behauptet bekanntlich aufs Feierlichste, «auf dem Boden des positiven Christentums» zu stehen.23 Das christliche Ausland soll sich doch ja hüten, den Balken im eigenen Auge nicht zu sehen [vgl. Mt. 7,3] und hier etwa gleich von Heuchelei zu reden! Die Formel ist nämlich darum subjektiv ganz ehrlich gemeint, weil unter «positivem Christentum» sehrl schlicht und selbstverständlich ein solches Christentum zu verstehen ist, das nun eben zu dieser neuen deutschen Staats- und Lebensordnungm, der nationalsozialistischen, in einem «positiven»n Verhältnis steht, das sie bejaht, |813 das sie zu stützen und o-zu fördern-o bereit ist. Die Formel bedeutet, dass das Christentum im neuen Deutschland genau so viel inneres und äußeres Lebensrecht hat, als es in diesem Sinn «positiv» p-oder «volksverbunden»-p24 ist. Lässt es sich in diesem Sinn verstehen und nötigenfalls umgestalten? Um diese – im heutigen Deutschland im Unterschied zu früheren Zeiten und zu anderen Ländern offen und gebieterisch gestellte – Frage dreht sich der ganze deutsche «Kirchenstreit»25. Und nun hat die Erfahrung dieser Jahre gezeigt, dass man das Christentum in der Tat weithin in diesem Sinn «positiv» verstehen und umgestalten kann. Die nationale Welle trug und bedeckteq – und das im Ursprungslande der Reformation! – r-neben so viel Anderem-r weithin auch das Christentum. Sind wir sicher, dass der Staat und die Gesellschaft in Holland, in Dänemark, in Frankreich und Italien – in der Schweiz (bei verschiedenem Vorzeichen und ohne jene 21 Frage so ausdrücklich und nachdrücklich zu stellen!) unter «positivem Christentum» etwas grundsätzlich Anderes verstehen? Sind wir sicher, dass man das Christentum nicht auch in der Schweiz, wenn die Frage auch hier einmal ausdrücklich und nachdrücklich gestellt würde, sehr wohl in einem entsprechenden «positiven» Sinn verstehen und umgestalten könnte? Wer dessen sicher ist, der – aber auch nur der werfe hier den ersten Stein! [vgl. Joh 8,7] So lange ist es |814 schließlich noch nicht her, dass ein wenig in allen Ländern wenigstens protestantischen Bekenntnisses allen Ernstes versucht wurde, das Christentum sozialistisch zu verstehen und umzugestalten, und wir werden uns wohl noch erinnern, dass das damals wenigstens eine Zeitlang ganz schön ging.26 Auf diesem Hintergrunde gesehens, wird man die offene und energische Verunselbständigung des Christentums, auf die die Entwicklung in Deutschland t-hinzutreiben scheint-t, nicht als etwas Unerhörtes betrachten können.27

Was dem Christentum heute widerfährt, ist nun aber bekanntlich nicht nur dies, dass es offenkundig zu einem (eben noch als praktisch unentbehrlich mitgeschleppten) Nebenwert wird, und nicht nur dies, dass es sich im Sinn irgend eines der heute gültigen Hauptwerte «positiv» verstehen und umgestalten lassen muss. Es kann ihm auch dies geschehen, dass die angebliche und vermeintliche Christenheit allmählich oder plötzlich zum Bewusstsein kommt, dass ihr Christentum im Verhältnis zu dem, wovon sie in Wahrheit lebt, ein Fremdkörper, eine Maske, ein Irrtum gewesen sei, von dem sie sich nunmehr zugunsten einer ursprünglicheren und eigentlicheren Erkenntnis befreien müsse. Woher kommt und wohin weist das in unserer Mitte so eindrucksvoll aufgestandene und vertretene Religionstum eines Rudolf Steiner28? Woher und wohin die Entwicklung eines Mannes wie Albert Schweitzer u-und seiner theologischen Schüler-u?29 Es hat in die|815sen Jahren v-jenes «positive»-v Verstehen und Gestalten des Christentums im Sinn des Nationalsozialismus in weiten Kreisen Deutschlands zu dem merkwürdigen Ergebnis geführt, dass als das eigentliche «positive Christentum» ein teils in deutschen Studierstuben entdecktes, teils in deutschen w-Wäldern und Herzen-w unmittelbar erlebtes genuines Heidentum sichtbar wurde. Und es hat dort ein angesehener Theologe allen Ernstes die These vertreten können, dass das Christentum selbst, demütig, 22 wie es ohnehin ist, in der heutigen Lage bereit sein müsse, gegenüber den natürlichen Elementen deutscher Religion wenigstens auf eine Weile x-mit seinen Ansprüchen-x freiwillig zurückzutreten.30 Und wenn man früher wohl den Eindruck haben konnte, als ob sich das Christliche vielleicht nirgends so innig – primitiv, aber umso rührender – mit dem Volks-, Gesellschaftsy und Staatsleben vereinigt habe wie im heiligen Russland, so hat man es gerade daselbst nach der politischen Umwälzung nicht einmal erst mit jenem «positiven» Verstehen und Gestalten des Christentums versucht, sondern ist sofort zu dessen offener Negation, ja Unterdrückung und Verfolgung übergegangen.31 z-Wie sich denn diese Konse|816quenz auch in Deutschland wenigstens in einzelnen Erscheinungen bereits anzukündigen scheint.-z32 Ob wohl Galsworthy in vollem Umfang wusste, was er damit sagte, dass er seinen Helden nun doch nicht bloß das Christentum ablegen, sondern immerhin ausgerechnetaa zum Islam übertreten ließ? Dass es dem Christentum gegenüber einen bestimmten Weg gibt, auf dem ein Schritt den anderen mit einer gewissen Notwendigkeit nach sich zieht: die sympathische Indifferenz die eigenmächtige Umdeutung, diese die offene Negation, diese den Angriff und die Verfolgung, das hat man immer gewusst und im Einzelnen beobachten können. Das Neue, was sich heute abzuzeichnen beginnt, scheint dies zu sein: dass sich die angebliche und vermeintliche Christenheit der Gegenwart in Europa und Amerika ab-allgemein und im Ganzen-ab auf diesem Weg befindet. Die Folgen in den anderen Erdteilen, wo das Christentum mehr oder weniger zu Gaste ist bzw. Missionsarbeit treibt, bleiben abzuwarten. Es bleibt auch diesac ruhig abzuwarten, ob diese Entwicklung nicht doch wieder ins Stocken kommt oder durch andersartige Entwicklungen durchkreuzt wird, bevor ihre ad-schärferen und-ad letzten Spitzen überall sichtbar sein wer|817den. Es liegt mir nichts ferner, als durch ae-den Hinweis auf diese Entwicklung-ae Sensation und Gruseln erregen zu wollen. Aber es muss doch nüchtern damit gerechnet werden, dass af-dies die Entwicklung ist, in der die Dinge in der Gegenwart sich tatsächlich befinden-af. – So viel vom Christentum in der Gegenwart.

Dem Allem gegenüber haben wir nun nach dem Evangelium in der Gegenwart zu fragen. Das Evangelium ist mit 23 dem Christentum nicht identisch. Das Evangelium ist die mächtige Botschaft, die im Christentum gemeint ist, auf die sich das Christentum schlecht und recht – und genaugenommen immer mehr schlecht als recht – begründet und bezieht. Gerade die Mächtigkeit dieser Botschaft lässt sich nun freilich nicht historisch feststellen und darstellen. Nüchtern rechnend mit den vorhin angeführten Tatsachen müssen wir ebenso nüchtern zunächst mit einer ag-zweiten Betrachtungs-Dimension-ag rechnen, wenn wir nun nicht nur vom Christentum, sondern vom Evangelium reden wollen. Das Evangelium lebt nicht davon, dass das Christentum die allgemeine Entwicklung, das Herz der führenden Politiker, die Gebildeten, die Jugend oder gar die Massen für sich hat. Und so kann das Evangelium auch nicht daran leiden, wenn das Christentum heute tatsächlich in London zur Attrappe gemacht, in Zürich übersehen, in Berlin verfälscht und in Petersburg verfolgt wird. Das Evangelium geht durch alle diese Möglichkeiten frei hindurch. Es ist die jeweilige Lage des Christentums sein Schauplatz, aber nimmermehr seine Bedingung, weder im Guten noch im Bösen. Denn es ist seine Mächtigkeit eine geistliche: unübersichtlich, unkontrollierbar, unberechenbar für den, der ihm mit einem anderen Maßstab als seinem eigenen beikommen33 wollte. Nichts ist leichter als ah-die Mächtigkeit des Evangeliums-ah zu leugnen, wo man diesen seinen eigenen Maßstab nicht kennt. Kennt man ihn, dann ist freilich auch nichts schwerer als dies, |818 seine Mächtigkeit zu leugnen. Bei dem Allem bleibt aberai die Mächtigkeit des Evangeliums nicht etwa unsichtbar. Sie erweist sich im Zeichen. Sie bekundet sich in Ereignissen, die dann als solche auch historisch feststellbar und darstellbar sind, die sehr wohl die Kraft haben, historische Entwicklungen aufzuhalten, zu beschleunigen, zu durchkreuzen, neue historische Entwicklungen zu begründen. Als das, was sie sind, nämlich als Zeichen der Mächtigkeit des Evangeliums, können sie freilich auch immer übersehen, missverstanden und missdeutet werden. Es eignet dem Evangelium auch in seinen historischen Gestalten die Freiheit des Geistes, der sich entzieht und aj-der sich-aj gibt, wo er will [vgl. Joh. 3,5–8], der immer durch sich selbst erkannt sein will ak-und nur durch sich selbst erkannt werden kann-ak [vgl. 1.Kor. 2,11–15].

Ein solches Zeichen, eine solche historische Gestalt des Evangeliums ist das, was man mit einem merkwürdigerweise 24 gerade in unseren Tagen wieder aktuell und inhaltsvoll gewordenen Wort das Bekenntnis nennt. Das Bekenntnis ist die vom Evangelium selbst mitten in der historischen Entwicklung des Christentums herbeigeführte und erzwungene öffentliche und verantwortliche Bejahungal des Evangeliums. Aus der historischen Entwicklung selbst heraus bzw. auf Grund eines Urteils über sie ist es noch nie zu dieser Bejahung gekommen. Gewiss auch nicht ohne klaren und bestimmten Blick auf sie und also auch nicht ohne irgend ein Urteil über sie. Aber wo es zum Bekenntnis kam, da war dieser Blick von allem Schielen und Wimperzucken ganz frei auf die Tatsachen als solche gerichtet, ohne den Wunsch, sich von ihnen belehren, bestätigen oder trösten zu lassen, und dann auch ohne die Gefahr, sich durch sie in Sorgen verwickeln, ängstigen und irre machen zu lassen. Es war dann immer ein letztlich und entscheidend nicht von den Tatsachen, sondern vom Evangelium festgehaltener und also die Tatsachen vom Evangelium aus festhaltender Blick. am-Das erste Gegebene im Bekenntnis ist ja nicht dies, dass Menschen sich aus irgendwelchen Gründen dazu ent|819schließen, sich zu Christus zu bekennen, sondern dies, dass Christus ohne allen Grund entschlossen ist, sich zu ihnen zu bekennen.-am Echtes Bekenntnis ging daruman nie mit, es ging immer gegen den Strom, gegen das geistige Fluidum, das jeweils in der Luft war, gegen die Ergebnisse der jeweiligen ao-von den Historikern vollzogenen-ao Zeitanalysen, gegen die stärkeren Bataillone,34 vor allem auch gegen die Tendenzen dessen, was jeweils Christentum hieß. Echtes Bekenntnis ist ja kein zur Verbesserung oder Verbreitung, zur Rettung oder Erhaltung des Christentums ausgedachtes Menschenwerk. Echtes Bekenntnis ist vielmehr in seinem Wesen eine vom Evangelium selbst her fallende Entscheidung,35 die dann von bestimmten Menschen schlicht damit ausgeführt werden muss, dass sie ohne Rücksicht auf Welt und Christentum und was auch aus diesen werden möge, zum Evangelium wieder einmal laut und deutlich Ja sagen. Man erkennt das echte Bekenntnis an dieser Freiheit, an dieser Sorgenfreiheit gegenüber den Fragen: Was wird daraus? ap-Wieviel und wer sind wir, die da mittun?-ap Was werden wir damit ausrichten? Wer wird uns hören, wer uns beistimmen und helfen? Es ist die Freiheit des Evangeliums selbst, die sich in dieser Freiheit des Bekenntnisses spiegelt. Man erkennt das echte Be25kenntnis weiter an der Bestimmtheit, in der es zum Evangelium in einer bestimmten Zeit so Ja sagt, dass dieses Ja einen bestimmten Ton hat, der es von allen möglichen anderen Jas – wohlverstanden: auch und gerade von den in aller Ohren klingenden christlichen Jas – dieser Zeit unterscheidet, so also, dass dieses Ja einen bestimmten Gehaltaq von Nein hat, der notwendig, wenn auch vielleicht sehrar ärgerlich mitzuhören ist.36 Es wird die göttliche Be|820stimmtheit, as-der kritische Charakter-as der evangelischen Botschaft selber in dieser menschlichen Bestimmtheit at-und Polemik-at des Bekenntnisses ihre notwendige Entsprechung finden. Man erkennt das echte Bekenntnis weiter daran, dass die Bekenner, ob sie nun heroische Persönlichkeiten oder kleine Leute seien, in der Lage und willens sind, Haltung anzunehmen und Disziplin zu halten, Schritt für Schritt au-ihrem Bekenntnis entsprechende Beschlüsse-au zu fassen und auszuführen, Entscheidungen zu vollziehen, diese Positionen zu verlassen und andere zu besetzen, wiederumav ohne Rücksicht auf Welt und Christentum das Alles! Das Evangelium selbst könnte ja nicht als Entscheidung in ihr Leben getreten sein, wenn sie nicht lebensmäßig, wie aw-gebrochen und-aw bescheiden immer, im Sinn ihres Bekenntnisses in Bewegung gesetzt wären. Man erkennt das echte Bekenntnis endlich daran, dass es Kirche begründet, vielleicht da ganz neu begründet, wo man mittenax in der Kirche gar nicht mehr wusste, was Kirche ist: Gemeinschaft des Glaubens und des Gehorsams. Bloße Meinungsäußerungen, bloße Überzeugungexplosionen können das nicht, das Bekenntnis kann und tut das. Das Bekenntnis ruftay als Antwort auf den Ruf des Evangeliums. Das Evangelium selbst aber ruft zusammen, dorthin wo Menschen allein und wirklich eins werden können.az

Warum rede ich angesichts der heutigen Lage des Christentums gerade vom Bekenntnis? Es wäre ein Rückfall in die historische und als solche nicht weiterführende Betrachtung dieser Dinge, wenn man mich jetzt fragen wollte, ob ich denn so etwas wie echtes Bekenntnis irgendwo in der Welt zu kennen meine. Ich meine wohl so etwas zu kennen. Aber ich meine bloß. Ich weiß z. B. nicht, ba-so deutlich mir diese Sache vor Augen steht und so brennend sie mir-ba am Herzen |821 liegt, ob und inwiefern es sich bei dem, was man heute in Deutschland Bekenntniskirche, Bekenntnisfront, Bekenntnisgemeinschaft nennt, um echtes Be26kenntnis handelt. Es spricht auch sehrbb Vieles dagegen. Ich weiß aber ohne allen Zusatz von Meinung, dass das Bekenntnis unter allen Umständen angesichts der heutigen Lage des Christentums die allein mögliche Antwort auf das Evangelium ist. Wichtig in der heute sichtbaren Entwicklung wird unter allen Umständen nur dies sein, ob es geschieht oder eben nicht geschieht, dass einige Menschen in Europa und Amerika – ob es einige tausend oder nur zwei oder drei bc-sein werden-bc [vgl. Mt. 18,20], tut nichts zur Sache – an allen anderen Möglichkeiten vorbei zum Bekenntnis vorstoßen. Wichtig kann also nicht die Frage sein, ob Galsworthy und seinesgleichen recht oder halb recht oder zum größeren oder kleineren Teil recht haben – wichtig ist nicht die Frage, ob das Experiment mit dem «positiven Christentum»  in Deutschland oder das noch viel radikalere Experiment in Russland zuletzt gelingt oder nicht gelingt, sondern wichtig kann nur die schließlich direktbd an uns selbst gerichtete Frage sein: ob wir uns nicht täuschen, wenn wir meinen, dass die Entscheidung vom Evangelium her nicht kraft seiner inneren Mächtigkeit in der ganzen Freiheit des Geistes auch über uns selbst schon gefallen sei, ob wir also nicht mit unserem Bekenntnis schlecht und recht – und sei es denn mehr schlecht als recht – zur Stelle sein müssten? Wichtig wird ja in der heutigen Lage nicht dies sein, obbe Millionen diese oderbf diese Stellung zum Christentumbg einnehmen, bh-ob z. B. die deutsche Bekenntniskirche sich durchsetzt oder nicht durchsetzt,-bh sondern wichtig – auch für die Lage des Christentums wichtig – wirdbi allein dies sein, obbj Einige die rechte, die sachlich gebotene Stellung zum Evangeliumbk gewinnen. Dies und nur dies würde die Schaffung einer |822 Tatsache bedeuten, während bl-durch alles Andere, wie stark es an sich in die Augen fallen mag, letztlich-bl nichts in Bewegung gebracht wird.

Wir dürfen aber nicht dabei stehen bleiben, der Mächtigkeit und der Freiheit des Geistes des Evangeliums zu gedenken und uns also sagen zu lassen, dass es die Tat des Bekenntnisses fordert. Eine bedenkliche Verkürzung unserer Einsicht in das, was heute notwendig ist, könnte sonst die Folge sein. Es kann die Frage: was denn unter dem Evangelium zu verstehen sei? und also die Frage nach dem Inhalt des Bekenntnisses nicht offen bleiben. Das Evangelium, auf das sich das Christentum be27gründet und bezieht, will ja schlicht die Wahrheit sein und es muss also das Bekenntnis zu ihm ebenso schlicht aus der Erkenntnis der Wahrheit hervorgehen. An Offenheit für die Mächtigkeit des Evangeliums und also an Mut und Entschlossenheit zum Bekenntnis fehlt es vielleicht heute so wenig wie in alten Zeiten. Es fehlt aber vielleicht bm-weithin und schon lange-bm an der Einsicht in diesen Zusammenhang zwischen Bekenntnisbn und Erkenntnis. Vielleicht ist das Christentum mit darum in so merkwürdiger Weise mitten in der Christenheit zu einem bloßen bo-mehr oder weniger-bo entbehrlichen Nebenwert geworden, weil man immer weniger wusste und zu sagen wusste, um was es sich denn handelt bei dieser Sache. Vielleicht mit darum konnte man es in Deutschland unternehmen, es so willkürlich umzudeuten und umzugestalten, und ist es in Russland so verächtlich und schließlich verhasst geworden. Was in den Kirchen Bekenntnis heißtbp, war das mehr aus Gründen der Pietät bq-oder sogar-bq der Ästhetik als aus eigenem beteiligten Wissen wiederholte Bekenntnis der Väter. Mit solcher Wiederholung kann aber dem Evangelium nicht gedient sein. Und wo dem Evangelium nicht gedient wird, da löst sich das Christentum von seinem Grund und Ziel, da wird es bei allem vielleicht immer noch warmen Eifer seiner Bekenner zu einem Spiel|823ball fremder Elemente. Wo das aber einmal geschehen ist, da ist es auchbr bei gutem Willen garbs nicht so einfach, wieder zum Bekenntnis des Evangeliums vorzustoßen. Vielleicht entdeckt man bei bt-dieser Absicht-bt erst, wie fremd man ihm eigentlich geworden, wie unsicher hinsichtlich der ihm gegenüber gebotenen sachlichen Stellungnahme. Schwere Ratlosigkeit und Uneinigkeit kann dann entstehenbu auch unter denen, die von Herzen gern Bekenner des Evangeliums sein oder werden möchten, oder was noch fastbv schlimmer ist: schwere neue Verwechslungen des geforderten, auf Erkenntnis beruhenden Bekenntnisses mit der Wiederholung bw-ehrwürdiger Väterworte-bw. Besonders die mit dem Worte bekanntlich schnell fertige Jugend37 kann dann gefährdet und auchbx gefährlich werden, wenn sie sich etwa, um rascher vorwärts zu kommen, die ganze Strenge und Not eines neuen Fragens nach dem Evangelium, einer wirklichen und zuchtvollen Sammlung und Besinnung auf seine Wahrheit ersparen zu können meint. Und man täusche sich nicht: auch das ernst und aufrichtig gemeinte Bekenntnis wird, by-wenn solche 28 Sammlung und Besinnung fehlt,-by hohl klingen und wohl rasch genug überhaupt verklingen; es wird jener kühnen Freiheit im Ernstfall doch entbehren; es wird nicht jenes notwendige Ärgernis, sondern höchstens Verwunderung und Verdruss erwecken; es wird nicht entscheidungs- und aktionsfähig sein; es wird nicht Kirche begründen. Es wird also keine Tatsachen schaffen und gleich irgend einer Ansicht auch nichts in |824 Bewegung setzen. Das sind Erfahrungen des deutschen Bekenntniskampfes, die zu Rate zu ziehen man auch anderswo guttun wird.

Wenn wirklich vom Evangelium her jene Entscheidung fällt, die zum Bekenntnis drängt, dann wird das damit aufgerichtete Zeichen wohl vor allem die Einladung zu der Einsicht bedeuten, dass die Christenheit darum nur eine angebliche und vermeintliche Christenheit ist, weil sie Entscheidendes, was sie als Christenheit wissen müsste, vergessen hat und erstbz wieder lernen müsste. Und das Lernen unter diesem Zeichen wird dann ein Weg sein, der auf keinen Fall mit der Ausgabe und Annahme einiger noch so richtiger Parolen übersprungen werden kann, der vielmehr in zäher Übung und Gewöhnung von Schritt zu Schritt gegangen werden muss. Es ist schon das etwas Großes, ca-zu wissen, dass man-ca sich erst wieder einmal wirklich um die Quellen und Zeugnisse des Evangeliums, nämlich um die Bibel, cb-sammeln muss-cb, um sich, statt sich ein Evangelium selbst zu machen, authentischcc sagen zu lassen, was Evangelium ist. Es bedeutet etwas, einzusehen, dass die Christen als Glieder der Kirche keine Macht über die Kirche, keinecd Macht über ihre Lehre und ihr Leben haben, weil die Kirche und mit ihr sie selbst, die Christen, laut des Evangeliums ihren Herrn schon haben. Es bedeutet etwas, bei dem Wort «Gott» statt an den Inbegriff menschlicher Ideale und Sehnsüchte mit dem Evangelium wieder nüchtern an dence dem Menschen und seiner Welt real gegenüberstehenden persönlichen Schöpfer, Gebieter und Erlöser zu denken. Es bedeutet etwas, den einfachen und doch so folgenschweren Gedanken, der das Zentrum des Evangeliums bildet, nämlich den Gedanken der freien Gnade dieses Gottes so zu realisieren, dass man sieht und versteht: hier ist das Ende aller, aber auch aller menschlichen Eigenmächtigkeit und Sorgenmacherei und Schlamperei, hier geht es um die Demütigung und um die Befreiung und um die Ordnung unserer Existenz. 29 Es bedeutet etwas, sich vom Evangelium sagen zu lassen, dass diese freie Gnade Gottes |825 für die ganze Kirche und für jeden Einzelnen in ihr ganz und gar cf-aufgehoben und verschlossen ist in dem Einen, der da war und der da kommt [vgl. Apk. 1,4f.], Jesus Christus,-cf dem gegenüber wir nun ebenso ganz und gar auf den Glauben, cg-auf das Gedächtnis und auf die Erwartung seiner-cg gestellt sind, auf den Heiligen Geist, den wir uns nicht nehmen, dem wir aber auch bei Todesgefahr nicht ungehorsam sein können. Und es bedeutet etwas, nach dem Evangelium von da aus unsere Mitmenschen zu sehen als die, diech mit uns verloren, mit uns gerettet und also unsere Brüder und Schwestern sindci, an die wir gebunden sind, an die wir einen unverlierbaren und ununterbrochenen Auftrag haben. Ich sage: es bedeutet etwas, hier zu lernen, um dann zu wissen, was man getan hat und tun wird mit seinem Bekenntnis zum Evangelium. Es würde viel Arbeit von den Pfarrern, aber es würde sofort auch viel Arbeit von den Gemeinden verlangen, wenn es etwa darum gehen sollte, hier wieder ganz anders und zwar vom ABC auf anders zu lernen, als es in den Zeiten, die uns in die heutige Lage hineingeführt haben, geschehen ist. Es müsste dann wohl vor allem die Theologie in dem Sinn wieder eine ernsthaftere christliche Angelegenheit werden, als sie ihre Arbeit streng und einseitig auf die diesem Lernen dienende Forschung und Lehre zu konzentrieren hätte und als ihre Arbeit von der Gemeinde in einer Mitverantwortlichkeit zu begleiten wäre, die sie dauernd tragen und zugleich wohltätig bei der Stange halten würde.

Es ist die Erkenntnis der Wahrheitcj des Evangeliums, die dem Bekenntnis zu ihm Substanz und Metallgehalt gibt. Wieder ist es das Evangelium selbst, das uns zu solcher Erkenntnis ruft und allein rufen kann. Ruft es uns, so ruft es uns zur Besinnung. Es ist das auf solcher Besinnung beruhende Bekenntnis, das Tatsachen schafft, quer hindurch durch den scheinbar unaufhaltsamenck Lauf der Welt, quer hindurch auch durch den Lauf eines dieser Welt gleichförmig gewordenen Christentums. «Die Wahrheit wird euch frei machen.» [Joh. 8,32]

826 Blicken wir von da aus noch einmal zurück auf das, was eingangs über das Christentum in der Gegenwart gesagt wurde, so scheint nun doch auch eine bestimmte historische Erwägung 30 mit einer gewissen Notwendigkeit sich aufzudrängen. In Form einer These lässt sie sich freilich nicht vortragen. Als einer ernsten Frage mag ihr immerhin Raum gegeben sein.

Wir haben gesehen, dass die angeblich und vermeintlich christlichecl Gesellschaft heute im Begriff zu stehen scheint, ihr Verhältnis zum Christentum einer Revision zu unterziehen, auf Grund deren es offenbar zuerst zu einem entbehrlichen Nebenwert gemacht, dann ausdrücklich und nachdrücklich seiner Selbständigkeit beraubt, dann offen verneint und schließlich sogar verfolgt und unterdrückt werden muss. Und wir haben demgegenüber gesehen, dass uns das Evangelium heute ganz neu und erst recht zum Bekenntnis und zur Erkenntnis auffordert. Es könnte nun sein – und dies ist die Frage, die jetzt noch aufgeworfen werden soll – dass wir uns von beiden Seiten her gesehen vor einer ungewohnt großen Veränderung der Zeiten und darum auch vor der Notwendigkeit ungewohnt großer innerer Umstellungen befinden würden.cm Es könnte sein, dass unsere Gegenwart bedeutet: einerseits die letzten Tage eines alten, ja uralten Bundes zwischen dem Bekenntnis und der Erkenntnis des Evangeliums und den natürlichen Kräften und Mächten der menschlichen Geschichtecn – andererseits: den Anbruch von Tagen, in denen sich die Kirche, ganz auf ihre eigenen Füße co-gestellt, ohne-co den Rahmen und Schutz dieses Bundes jenen natürlichen Kräften und Mächten der menschlichen Geschichte gegenüber verantwortencp wird.

Man kann diesen heute vielleicht zu Ende gehenden Bund von zwei verhältnismäßig entgegengesetzten Auffassungen hercq charakterisieren. Auch diese Auffassungen sollen hier beidecr nur als Fragen geltend gemacht werden:

827 Man kann sagen und klagen: Die Christenheit hat sich schon nach den ersten Jahrhunderten ihres Bestandes einer großen Fiktion und Illusion, zu Deutsch: einer großen Lüge in die Arme geworfen. Sie hielt es nicht mehr aus dabei, die törichte, immer verschwindende Minderheit zu sein. Sie wollte mehr sein als das Volk in der Einöde [vgl. Ps. 74,1438], als der einsame Vogel auf dem Dach [vgl. Ps. 102,8]. Sie wollte nicht mehr leiden. Unter dem Vorwand der Ehre Gottes und des Wohles der Menschheit wollte sie es endlich auch gut haben. Und so vergaß sie, dass ihre Zeit die Zeit zwischen der Himmelfahrt und der Wiederkunft Jesu Christi und 31 also eine von einem Anfang her einem Ende entgegenlaufende Zeit, eine kurze Zeit ist [vgl. 1.Kor. 7,29], in der es für die Gefangenen der freien Gnade Gottes wohl ein Wandern, aber kein Aufhalten, wohl ein Sichbegegnen, aber kein Sichbinden, wohl Zelte, aber keine Steinhäuser gibt. cs-Und so ließ sie sich von der Welt einladen.-cs So bat sie ihrerseitsct die Welt darum, ihr Daseinsberechtigung, ja Hausrecht zu gewähren. So schloss sie Übereinkünfte mit ihr. So ließ sie sich ihr Leben garantieren. So cu-ging sie immer aufs Neue den Bund ein:-cu mit dem römischen Reich, mit der platonisch-aristotelischen Philosophie, mit dem Volks- und Brauchtum des germanischen Nordens, mit der humanistisch und später mit der technisch bestimmten Kultur der Neuzeit. Und sie hatte Erfolg. cv-Die Kirche wurde eine Macht neben den anderen Mächten dieser Welt.-cv Das Christentum erhielt seincw Leben in diesem Bund, cx-und nicht nur das: es schien bald-cx der eigentlich gewinnende, der eigentlich überlegene Teil zu werden. Es «siegte», wie man sagte.39 Es er|828schien eine Weile, auf der Höhe des Mittelalters, wie die Spitze und Krone des ganzency europäischen Menschheitslebens. cz-Es gelang ihm auch noch in den Jahrhunderten nachher lange genug, wenigstens diesen Schein und Anspruch aufrecht zu erhalten. Es ließ sich und es lässt sich ja bis in unsere Tage hinein die Stadtgemeinde wie das Dorf die milde Weihe einer angemessen temperierten Christlichkeit im Ganzen nicht ungern gefallen.-cz Aber es bezahlte einen teurenda Preis. Es verkaufte sein Erstgeburtsrecht um ein Linsengericht [vgl. Gen. 25,29–34]. Indem es sich von den Kräften und Mächten der Geschichte seine eigenedb Existenz garantieren ließ, garantierte es ihnen notwendigdc auch die ihrige. Indem es sich von ihnen halten und beschenken ließ, wurde es hineingezogen in dd-ihre ganze Vergänglichkeit-dd, in ihr Steigen und Fallen, Kommen und Gehen. Indem es sie, wie man so schön sagte, «beeinflusste», wurde es selbst noch viel mehr von ihnen beeinflusst. Sein Bekenntnis wurde matt und seine Erkenntnis leerde in diesem Bunde. Sein Salz wurde dumm [vgl. Mt. 5,13]. Seine Geschichte wurde die Geschichte seiner freiwillig-unfreiwilligen Amalgamierung mit den Ideen und Tendenzen eben des Äons, von dem es zu Anfang geheißen hatte, dass er im Kreuze Christi ein für allemal vergangen sei [vgl. 2.Kor. 5,17]. Aber die Strafe folgte auf dem Fuße, |829 und heute wird sie offenbar. Die Welt, der das Christentum nur zu viel Treue entgegengebracht und bewiesen hat, war ihm 32 ihrerseits wohl heimlich immer untreu, df-verstand jene Weihe wohl immer als ziemlich unverbindlich-df und sagt es heute offen heraus, dass sie an ein ehrliches Halten des Bundes dg-auch nur noch zu denken nicht mehr-dg gesonnen ist. Das «christliche Europa» kehrt unter dem Gelächter der Hölle zu seiner ursprünglichen wilden Freiheit40 zurück. Und nun mag ihm das Christentum nachtrauern wie ein verführtes Mädchen seinem ungetreuen Liebhaber.dh Warum hat es sich di-am Leben-di erhalten wollen auf Kosten des Evangeliums, dj-statt es darauf ankommen zu lassen, aus den Kräften des Evangeliums zu leben-dj? Was ihm heute widerfährt, ist die Quittung für die große Lüge, deren es sich, deutlich seit dem verhängnisvollen Zeitalter Konstantins41, auf der ganzen Linie schuldig gemacht hat.

830 Man kann nun denselben Sachverhalt gewiss auch ganzdk anders sehen. Man kann nämlich diesen merkwürdigen, vor Jahrtausenden geschlossenen und heute so problematisch gewordenen Bund zwischen dem Evangelium und den Weltmächten auch als ein Ereignis verstehen, das als ein Erweis der Geduld Gottes und unter der Leitung seiner Weisheit auf bestimmte Zeit und in bestimmten Grenzen sein Recht und seine Notwendigkeit hatte. Es sollte die Zeit zwischen Himmelfahrt und Wiederkunft nicht einfach leer sein, nicht ohne ein großes Gleichnis der ewigen, der kommenden Welt, nicht ohne eine vorläufige Erfüllung der Verheißung, dass die Sanftmütigen das Erdreich besitzen [vgl. Mt. 5,5], dass die Reiche dieser Welt Gottes und seines Christus sein werden [vgl. Apk. 11,15]. Nicht ohne jene «erste Auferstehung» [Apk. 20,5], nicht ohne jenes tausendjährige Reich der Offenbarung Johannis [vgl. Apk. 20,2–6]. Es musste der Satan auf eine Weile gebunden werden [vgl. Apk. 20,2]. Es durften unterdessen Natur und Gnade, dl-Antike und Christus,-dl Vernunft und Offenbarung, dm-Staat und Kirche-dm, vereint gesehen werden wie unter dem Bogen eines zweiten noachitischen Bundes [vgl. Gen. 9,13–17]. Es durfte diese Vereinigung sogardn Gestalt annehmen, widerspruchsvoll unddo problemreich in jeder Hinsicht und doch nicht ohne dp-eine gewisse Konsistenz, nicht ohne-dp einen Widerschein des Friedens, den sie dq-meinte. Sie nahm Gestalt an in der Idee und Wirklichkeit jenes cor|831pus christianum42, das sich in den Schöpfungen der Kunst und Wissenschaft des Mittelalters und noch der früheren und späteren Renaissance spiegelt, Heimweh und Sehnsucht erweckend bis auf diesen Tag. Sie nahm Gestalt an in der so wunderlichen und doch so be33deutungsvollen Idee und Wirklichkeit jenes «Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation»43, das einst durch die Absonderung der schweizerischen Eidgenossenschaft einen der ersten starken Stöße erlitt,44 das noch Goethe vor Augen gehabt hat 45 und dessen letzte Trümmer wir erst in unseren Tagen mit dem alten Österreich ausein|832anderfallen sahen-dq.46 Es sollte diese Zeit der Synthese – ein einziges großes Traumgesicht sozusagen, ein dr-menschlicher, allzu menschlicher-dr Abglanz und Widerhall der Inkarnation – ein Zeichen sein, um allen Zeiten zu sagen, wo sie herkommen, wo sie hingehen. ds-Sie war ein-ds vorübergehendes Zeichen, ein vergängliches Gleichnis, aufgerichtet inmitten der Hinfälligkeit aller menschlichen Dinge und selber dieser Hinfälligkeit teilhaftig, dem Stillstand und Verderben geweiht, lange bevor es auch nur von ferne Vollkommenheit gewonnen hätte. dt-Sie war dennoch und gerade so ein Zeichen und Gleichnis ewiger Dinge, eine freundliche Veranstaltung der Vorsehung zur Überwinterung des Evangeliums.-dt47 Was wir heute erleben in der du-Verselbständigung eines Reiches der Profanität, der-du großen Ausschaltung und Säkularisierung und Negation des Christentums istdv das letzte, nicht zu bejammernde, sondern nüchtern zu anerkennende natürliche Ende dieser Zeit, die nicht umsonst gewesen ist, dw-die ihre Größe und Würde hatte und behält, wenn sie auch so nicht andauern konnte und-dw so nicht wiederkehren kann.

833 Der Gegensatz dieser beiden Auffassungen ist wohl, so scharf sie sich widersprechen, kein endgültiger, und es dürfte sich darum schwerlich lohnen, die eine gegen die andere auszuspielendx und durchsetzen zu wollen. dy-Es ist wohl nötig, um diese beiden Auffassungen zu wissen; es ist aber nicht nötig und es wäre auch nicht ratsam, sich für die eine gegen die andere zu entscheiden.-dy Man wird ja im Blick auf die Konfusion der Menschen die Vorsehung Gottes und dz-man wird-dz im Blick auf die Vorsehung Gottes die Konfusion der Menschen nicht leugnen können48 und also die Wahrheit beider Auffassungen zu bedenken haben. Sicher ist dies, dass sie im Ergebnis übereinkommen: ea-die Zeit, das christlich-bürgerliche oder bürgerlich-christliche Zeitalter ist abgelaufen, der Bund, d. h. aber das Christentum in seiner uns bisher bekannten Gestalt ist zu Ende.-ea Der Bogen, der das Evangelium und die Welt auf eine Weile überspannte, ist, ob wir ihn als menschliche Fiktion oder als göttliches Segenszeichen verstehen, 34 erloschen. Die eb-zu Unrecht oder zu Recht vereinten-eb Elemente scheiden sich wieder. ec-«Siehe, der Winter ist vergangen.»-ec [Hld. 2,11] Die Welt nimmt die Maske ab und ihre Freiheit zurück, ed-um sich wieder offen zu bekennen als das, was sie im Grunde ist und will-ed. Eben damit ee-ist aber auch dem-ee Evangelium seine Freiheit ihr gegenüber zurückgegebenef. Eben damit ist eg-heute die Christenheit, ist die Kirche zu einer ganz neuen-eg Freiheit ihres Bekenntnisses und ihrer Erkenntnis aufgerufen. Nicht eh-zu einer-eh Flucht vor der Welt |834 oder aus der Welt, aber zu einer ihr in ei-jener konstantinischen49 Ordnung-ei nicht gegebenen Freiheit in der Welt. Nicht zu einer Freiheit ej-von ihrer Solidarität mit dieser Welt und also nicht zu einer Freiheit-ej von ihrer Sendung, von ihrer Verantwortlichkeit, von ihrem Dienst in der Welt, aber zur Freiheit, inek- der Welt und fürek die Welt ihrer eigenen Sendung, ihrer eigenen Verantwortlichkeit, ihrem eigenen Dienst zu leben und nachzugehen. Zur Freiheit von allen denjenigen Voraussetzungen, Bindungen und Verpflichtungen, die ihr nicht durch das Evangelium, sondern von außen, durch die Rücksicht auf die eigene Natur und Richtung der geschichtlichen Kräfte und Mächte auferlegt wurden. Ihre Beziehungen zu diesen Kräften und Mächten el-müssen – nicht gelöst, wohl aber gelockert, sie müssen in Erfüllung jener Solidarität wieder zu Beziehungen eines lebendigen kirchlichen Handelns an ihnen-el werden. Es muss die Kirche es wieder wagen, dem Staat, em-der Wissenschaft, der Kunst, der Gesellschaft, dem Volkstum-em – gewiss nicht in ganz unnötigem Eifer als Feind, wohl aber mit der Verkündigung desen von allen Anliegen dieser vergehenden Welt unüberhörbar eo-verschiedenen göttlichen-eo Anliegens gegenüberzutreten. Sie muss ep-es wieder wagen, dem Menschen zu-ep sagen, dass ihm seine Sünden vergeben sind, ohne ihn eq-wie bisher durch ein ganzes System von Konzessionen, Brückenschlägen, Anknüpfungspunkten50 und Anpassungen im Voraus über sich selbst beruhigt und also-eq gerade für diese Botschaft taub gemacht zu haben. |835 Es könnte wohl sein, dass die Kirche heute außerhalb dieser Freiheit und also in dem trügerischen Schutz und Schatten jenes nur noch als schöneer Traumerinnerung existierenden Bundes gar nicht mehres als lebendige Kirche existieren et-und handeln-et kann, dass ein Bann auch auf ihrem ernstesten Bekennen und auf ihrem tiefsten Erkennen liegt, solange sie sich wohlmeinend aber wirklich35keitsfremd immer noch an dieser Traumerinnerung orientieren will. Dass sie, um in diese Freiheit zu kommen, viel aufs Spiel setzen, ja opfern müsste an bisher selbstverständlich behaupteten Möglichkeiten, Ansprüchen, Vorrechten, Besitztümern auf allen Gebieten, eu-dass sie arm werden müsste,-eu dass eine ganze Welt von Christlichkeit, die sich bis jetzt in ev-ihrem Raum-ev ausdehnte, zunächstew einfach zusammenbrechen würde, dass eine gewisse schmerzlicheex Trennung zwischen der christlichen Gemeinde und der getauften und konfirmierten Menschheit unvermeidlich würde, dass ey-die Kirche sich ohne Ängstlichkeit gegenüber den bisherigen Inhalten der Begriffe «Volkskirche» und «Freikirche»51 weithin-ey äußerlich ganz neu konstituieren und innerlich auf eine ganz neue Strategie und Taktik ez-– die Strategie und Taktik der Freiheit –-ez einstellen müsste, dass sie wieder ernstlich und praktisch mit dem rechnen müsste, was das Neue Testament «Leiden» heißt, das Allesfa lässt sich nicht leugnen. Man kann dazu nur sagen, dass sie dann eben, fb-indem sie das wagte,-fb das Gottvertrauen haben und bewähren fc-und |836 auch dessen Verheißung in Erfüllung gehen sehen-fc würde, von dem sie unter den ganzen Voraussetzungen des christlichen und doch unchristlichen Europa vielleicht längst nicht mehr ganzfd glaubwürdig zu reden wusstefe. Und man kann mit aller Bestimmtheit sagen: dass sie dann wieder ein Licht werden würde in der Welt [vgl. Mt. 5,14]. Diese zu Ende gehende Welt ff-in ihrer ganzen Herrlichkeit und in ihrem ganzen Jammer-ff wartet gerade auf das: auf fg-die Botschaft einer freien-fg, nämlich für das Evangelium ganz freienfh Kirche.

Man kann nun gewiss sagen und ich sage es selber: Dass jener Bund wirklich abgelaufen und fi-dass, auch historisch betrachtet,-fi eine neue Zeit der Kirche angebrochen sei, das ist, fj-ob man es nun im Sinn der ersten oder der zweiten jener beiden Auffassungen behaupte,-fj eine Fragefk-, eine historische Hypothesefk wie eine andere. fl-Es ist der Kirche nötig, mit dieser neuen Zeit zu rechnen und sich also auch heute für jene Frage jedenfalls offen zu halten. Es ist ihr aber nicht nötig und es wäre auch nicht ratsam, sie darauf bauen zu wollen, dass diese neue Zeit heute schon angebrochen sei.-fl Man kann und mag fm-also über diese Hypothese-fm diskutieren. fn-Aber was-fn wir zuletzt gesagt haben, fo-gilt grundsätzlich auch abgesehen von der Richtigkeit dieser Hypothese. Es würde auch dann gelten, wenn, historisch betrachtet,-fo jener Bund heute 36 fp-noch nicht abgelaufen, sein relatives Recht noch nicht aufgehoben, seine relativen Möglichkeiten noch nicht erschöpft sein sollten,-fp wenn das, was wir die große Fiktion oder das große Gleichnis nannten, heutefq noch immer in Geltung stehen sollte. Die |837 Kirche war und ist auch unter diesem Zeichen nur insofern Kirche, als sie trotz jenes Bundes und in ihm heimlich freie Kirche war. Mitten in jener Zeit des Gleichnisses hat es ja – man möchte sagen: als fr-Gegengleichnis für das-fr, was auch mitten in dieser Zeit letztefs Wahrheit und Wirklichkeit war – eine Reformationft gegeben. Es kann sein, dass die Zeit des Gleichnisses, fu-die Zeit der babylonischen Gefangenschaft52 nach den Einen, die Zeit des tausendjährigen Reiches53 nach den Andern,-fu noch nicht vorbei ist. Es kann alsofv sein, dass die Kirche auch fernerhin als fw-heimlich freie bewahrt werden, existieren und handeln-fw soll. fx-Aber das Gegengleichnis der Reformation ist auch dann zu bedenken.-fx Treues Bekenntnis und echte Erkenntnis fy-des Evangeliums-fy werden auch dann und so ihre Kraft und ihren Lohn haben, fz-und den Bann, von dem sie dann freilich bedroht sind, faktisch durchbrechen,-fz wie es wahrhaftig auch in den anderthalb Jahrtausenden hinter uns immer wieder der Fall war. Es wird heute wie zu allen Zeiten alles darauf ankommen, dass Einige zu solcher Treue und Echtheit berufen und willig sind ga-– berufen und willig, sich nicht zu fürchten und in der Hoffnung nicht müde zu werden-ga.

838 Wir schließen mit einigen Worten aus dem 33. Psalmgb:

Wohl dem Volk, des Gott der Herr ist, dem Volk, das er zum Erbe erwählet hat!
Der Herr schauet vom Himmel und siehet aller Menschen Kinder.
Von seinem festen Thron siehet er auf alle, die auf Erden wohnen.
Er lenket ihnen allen das Herz; er merket auf alle ihre Werke.
Einem Könige hilft nicht seine große Macht; ein Riese wird nicht errettet durch seine große Kraft.
Rosse helfen auch nicht, und ihre große Stärke errettet nicht.
Siehe, des Herrn Auge siehet auf die, so ihn fürchten, die auf seine Güte hoffen,
dass er ihre Seele errette vom Tode und ernähre sie in der Teuerung.
Unsere Seele harret auf den Herrn; er ist unsere Hilfe und Schild.
Denn unser Herz freuet sich sein, und wir trauen auf seinen heiligen Namen.
Deine Güte, Herr, sei über uns, wie wir auf dich hoffen. [Ps. 33,12–22]

Textkritische Fußnoten

a-a
Fehlt im Mskr.↩
b
Mskr.: «seines». ↩
c-c
Mskr:: «symbolisch wohl auch zum Bestand der Kultur und insbesondere der englischen Kultur».↩
d
Fehlt im Mskr.↩
e
Mskr.: «Herr».↩
f-f
Fehlt im Mskr.↩
g-g
Mskr.: «heutiger Mensch».↩
h-h
Fehlt im Mskr.↩
i
Fehlt im Mskr. ↩
j-j
Fehlt im Mskr.↩
k
Mskr.: «Lebensform».↩
l
Mskr.: «ganz».↩
m
Mskr.: «Lebensform».↩
n
Im Mskr. ohne Anführungszeichen. ↩
o-o
Mskr.: «ihr zu dienen».↩
p-p
Fehlt im Mskr.↩
q
Mskr.: «verschlang».↩
r-r
Fehlt im Mskr. ↩
s
Fehlt im Mskr.↩
t-t
Mskr.: «jedenfalls hintreibt».↩
u-u
Fehlt im Mskr. ↩
v-v
Mskr.: «das positive».↩
w-w
Mskr.: «Herzen und Wäldern».↩
x-x
Fehlt im Mskr.↩
y
Fehlt im Mskr.↩
z-z
Mskr.: «Wird sich diese Konsequenz nicht auch schon in Deutschland in einzelnen Erscheinungen wenigstens ankündigen?»↩
aa
Mskr.: «ausgerechnet gerade».↩
ab-ab
Mskr.: «im großen Ganzen».↩
ac
Fehlt im Mskr.↩
ad-ad
Fehlt im Mskr.↩
ae-ae
Mskr.: «irgend eine Zeitprophetie».↩
af-af
Mskr.: «die Entwicklung in der Gegenwart tatsächlich in dieser Richtung läuft».↩
ag-ag
Mskr.: «weitern Dimension».↩
ah-ah
Mskr.: «seine Mächtigkeit». ↩
ai
Fehlt im Mskr.↩
aj-aj
Fehlt im Mskr.↩
ak-ak
Fehlt im Mskr., wo der im Druck folgende Absatz durch einen Gedankenstrich markiert ist.↩
al
Im Mskr. hervorgehoben.↩
am-am
Fehlt im Mskr.↩
an
Fehlt im Mskr.↩
ao-ao
Fehlt im Mskr.↩
ap-ap
Mskr:: «Wieviel sind wir, die mittun?»↩
aq
Mskr.: «Rand».↩
ar
Fehlt im Mskr. ↩
as-as
Fehlt im Mskr.↩
at-at
Fehlt im Mskr.↩
au-au
Mskr.: «die ihrem Bekenntnis entsprechenden Entschlüsse».↩
av
Mskr.: «wieder».↩
aw-aw
Fehlt im Mskr.↩
ax
Mskr.: «vermeintlich mitten».↩
ay
Mskr.: «ruft ja».↩
az
Im Mskr. folgt kein Absatz.↩
ba-ba
Mskr.: «so brennend mir diese Sache».↩
bb
Fehlt im Mskr.↩
bc-bc
Mskr.: «sind».↩
bd
Fehlt im Mskr.↩
be
Mskr.: «dass».↩
bf
Mskr.: «und».↩
bg
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
bh-bh
Fehlt im Mskr.↩
bi
Mskr.: «kann».↩
bj
Mskr.: «dass».↩
bk
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
bl-bl
Mskr.: «alles Andere schließlich Ansichten sind, durch die».↩
bm-bm
Fehlt im Mskr.↩
bn
Mskr.: «Wahrheit».↩
bo-bo
Mskr.: «leise».↩
bp
Mskr.: «hieß».↩
bq-bq
Mskr.: «und».↩
br
Mskr.: «aber auch».↩
bs
Fehlt im Mskr.↩
bt-bt
Mskr.: «diesem Anlass».↩
bu
Mskr.: «einsetzen».↩
bv
Fehlt im Mskr.↩
bw-bw
Mskr.: «ehrwürdigen Vätergutes».↩
bx
Fehlt im Mskr.↩
by-by
Mskr.: «dann». ↩
bz
Mskr.: «also».↩
ca-ca
Fehlt im Mskr.↩
cb-cb
Mskr.: «zu sammeln».↩
cc
Fehlt im Mskr.↩
cd
Mskr.: «bzw.»↩
ce
Mskr.: «einen».↩
cf-cf
Mskr.: «in dem einen Jesus Christus aufgehoben und verschlossen sind,».↩
cg-cg
Fehlt im Mskr.↩
ch
Fehlt im Mskr.↩
ci
Fehlt im Mskr.↩
cj
Im Mskr. hervorgehoben.↩
ck
Mskr.: «unüberwindlichen».↩
cl
Mskr.: «christliche menschliche».↩
cm
Im Mskr. folgt hier ein Absatz.↩
cn
Mskr.: «Geschichte, insofern die letzten Tage dessen, was wir bisher und vor uns unsere Väter und Vorväter seit Menschengedenken unter ‹Christentum› verstanden haben».↩
co-co
Mskr.: «gestellt und ohne».↩
cp
Mskr.: «verantworten müssen».↩
cq
Mskr.: «aus».↩
cr
Fehlt im Mskr.↩
cs-cs
Fehlt im Mskr.↩
ct
Fehlt im Mskr.↩
cu-cu
Mskr.: «schloss sie Bund über Bund ab mit den heiligen Partnern,».↩
cv-cv
Fehlt im Mskr.↩
cw
Mskr.: «nicht nur sein».↩
cx-cx
Mskr.: «es schien». ↩
cy
Im Mskr. wurde das im Druck folgende «europäischen» anstelle des durchgestrichenen «ganzen» eingefügt.↩
cz-cz
Mskr.: «Es gelang ihm noch Jahrhunderte lang wenigstens den Schein aufrecht zu erhalten, als ob es das sei.»↩
da
Druck: «teueren»; in Übereinstimmung mit dem Mskr. von den Hrsg. korrigiert.↩
db
Fehlt im Mskr.↩
dc
Fehlt im Mskr.↩
dd-dd
Mskr.: «ihr vergängliches Wesen».↩
de
Mskr.: «musste leer werden».↩
df-df
Fehlt im Mskr.↩
dg-dg
Mskr.: «gar nicht mehr zu denken».↩
dh
Im Mskr. folgt ein – in der untersten Zeile einer Randeinfügung stehender, nicht sicher zu entziffernder Satz: «Warum hat es sich ihn in den Kopf gerufen?»↩
di-di
Fehlt im Mskr.↩
dj-dj
Fehlt im Mskr. ↩
dk
Fehlt im Mskr.↩
dl-dl
Fehlt im Mskr.↩
dm-dm
Mskr.: «Kirche und Staat».↩
dn
Fehlt im Mskr.↩
do
Fehlt im Mskr.↩
dp-dp
Fehlt im Mskr.↩
dq-dq
Mskr.: «meinte in der Idee des corpus christianum, in den bis auf diesen Tag Sehnsucht und Heimweh erweckenden Schöpfungen der mittelalterlichen Kunst und Wissenschaft, in der so wunderlichen und doch so bedeutungsvollen Wirklichkeit des ‹heiligen römischen Reiches deutscher Nation›, dessen letzte Trümmer wir erst in unsern Tagen auseinderfallen sahen»↩
dr-dr
Fehlt im Mskr.↩
ds-ds
Mskr.: «Ein».↩
dt-dt
Fehlt im Mskr.↩
du-du
Fehlt im Mskr.↩
dv
Mskr.: «ist nur».↩
dw-dw
Mskr.: «wenn sich auch». ↩
dx
Mskr.: «ausspielen».↩
dy-dy
Fehlt im Mskr.↩
dz-dz
Fehlt im Mskr.↩
ea-ea
Mskr.: «Die Zeit ist abgelaufen. Der Bund ist zu Ende.»↩
eb-eb
Fehlt im Mskr.↩
ec-ec
Fehlt im Mskr.↩
ed-ed
Mskr.: «bekennt sich wieder offen als das, was sie ist».↩
ee-ee
Mskr.: «hat aber auch das».↩
ef
Mskr.: «wieder gewonnen».↩
eg-eg
Mskr.: «die Christenheit zur».↩
eh-eh
Mskr.: «zur». ↩
ei-ei
Mskr.: «jenem tausendjährigen Reich so oder so».↩
ej-ej
Fehlt im Mskr.↩
ek
Im Mskr. jeweils nicht hervorgehoben.↩
el-el
Mskr.: «müssen in dem Sinn – nicht gelöst, aber gelockert werden, dass sie wieder zu Beziehungen eines lebendigen kirchlichen Handelns».↩
em-em
Mskr.: «der Gesellschaft, der Wissenschaft, der Kunst, der Wirtschaft».↩
en
Mskr.: «eines».↩
eo-eo
Mskr.: «unterschiedenen göttlichen».↩
ep-ep
Mskr.: «dem Menschen».↩
eq-eq
Mskr.: «durch alle jene ‹und› im Voraus beruhigt und». ↩
er
Fehlt im Mskr.↩
es
Fehlt im Mskr.↩
et-et
Fehlt im Mskr.↩
eu-eu
Fehlt im Mskr.↩
ev-ev
Mskr.: «ihren Räumen».↩
ew
Fehlt im Mskr.↩
ex
Fehlt im Mskr.↩
ey-ey
Mskr.: «sie sich weithin»; über dem wohl durchgestrichenen «sie» stehen – mit Bleistift nachgetragen – zwei schwer entzifferbare Wort, möglicherweise: «die Kirche».↩
ez-ez
Fehlt im Mskr.↩
fa
Fehlt im Mskr.↩
fb-fb
Fehlt im Mskr. ↩
fc-fc
Fehlt im Mskr.↩
fd
Fehlt im Mskr.↩
fe
Mskr.: «weiß».↩
ff-ff
Fehlt im Mskr.↩
fg-fg
Mskr.: «eine freie».↩
fh
Mskr.: «freie».↩
fi-fi
Fehlt im Mskr.↩
fj-fj
Fehlt im Mskr.↩
fk
Im Mskr. jeweils nicht hervorgehoben.↩
fl-fl
Fehlt im Mskr.↩
fm-fm
Mskr.: «darüber».↩
fn-fn
Mskr.: «Was».↩
fo-fo
Mskr.: «würde grundsätzlich auch dann gelten, wenn».↩
fp-fp
Mskr.: «auch und noch nicht abgelaufen sein,».↩
fq
Fehlt im Mskr.↩
fr-fr
Mskr.: «Gleichnis dessen».↩
fs
Fehlt im Mskr.↩
ft
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
fu-fu
Fehlt im Mskr.↩
fv
Mskr.: «ja».↩
fw-fw
Mskr.: «heimliche Kirche bewahrt werden».↩
fx-fx
Fehlt im Mskr.↩
fy-fy
Fehlt im Mskr.↩
fz-fz
Fehlt im Mskr.↩
ga-ga
Fehlt im Mskr. ↩
gb
Der folgende Text der Psalmverse fehlt im Mskr. ↩

Sachfußnoten

1
Im Urteil des Berliner Oberverwaltungsgerichts vom 14. Juni 1935 wurde das Verfahren gegen Barth in den zwei nachträglich hinzugefügten Anschuldigungspunkten (Äußerungen vom Oktober 1933; Verweigerung des «Deutschen Grußes»; vgl. oben, S. 674-679) eingestellt, weil eine solche Hinzufügung für nicht zulässig befunden wurde. Im ursprünglichen Anklagepunkt, der Verweigerung des Beamteneides, wurde Barth nun lediglich «mit Gehaltskürzung in Höhe von einem Fünftel auf die Dauer eines Jahres» bestraft (Abdruck des Urteils: Prolingheuer, S. 362–368 📖; Zitat dort S. 362). – Auf diese Nachricht hin beschloss Barth, «eine Audienz bei Min[ister] Rust zu erbitten, um klar zu sehen» (Eintrag Taschenkalender Ch. von Kirschbaum, 14.6.1935; ein entsprechendes Schreiben ist im KBA nicht erhalten). Die kurze Freude wurde jedoch schnell beendet, denn als Antwort kam lediglich ein Telegramm mit der Mitteilung seiner Entlassung: «Erbetene Unterredung gegenstandlos, da ich Ihre Entlassung nach Paragraph sechs des Berufsbeamtengesetzes verfügt habe» (Telegramm Rusts an Barth vom 22.6.1935 [KBA 9335.617]). – Das am 7. April 1933 erlassene Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums, das in § 3 auch den sogenannten «Arierparagraphen» enthielt, bestimmte in § 6: «Zur Vereinfachung der Verwaltung können Beamte in den Ruhestand versetzt werden, auch wenn sie noch nicht dienstunfähig sind» (Reichsgesetzblatt 1933, Teil I, Nr. 34, 7.4.1933, S. 175–177, dort S. 176 📖). Was im Telegramm also ungenau formuliert war, lautete in der offiziellen schriftlichen Mitteilung vom 21.6.1933 richtiger: «Auf Grund von § 6 des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 werden Sie hiermit in den Ruhestand versetzt» (KBA, Slg. Dokumente und Materialien 1933–1935, Mappe «Suspension»). ↩
2
Vgl. Prolingheuer, S. 172–187 📖; W. Niemöller (Hrsg.), Die dritte Bekenntnissynode der Deutschen Evangelischen Kirche zu Augsburg. Text – Dokumente – Berichte (AGK 20), Göttingen 1969, S. 27–38 📖; G. Besier, Die Kirchen und das Dritte Reich, [Bd. 3]: Spaltungen und Abwehrkämpfe 1934–1937, München 2001, S. 83 📖. ↩
3
Wenig später schrieb Barth an Gotthilf Weber, um ihm eine «Vorstellung» davon zu vermitteln, was bei seiner Entscheidung, den Ruf nach Basel anzunehmen, «schließlich entscheidend […] gewirkt» habe, und nannte als ersten Punkt: «Es ist gegen die ausdrückliche Abrede vor dem 14. Juni zu keinem bruderrätlichen (Rheinland, Westfalen, altpreußische Union kamen in Betracht) Beschluss hinsichtlich meiner Berufung gekommen. Ich hatte am 22., als die Absetzung kam, wohl einige Aufforderungen, mich ‹offen zu halten›, aber dass das irgendwohin führen werde, das musste mir angesichts meiner bisherigen Erfahrungen zweifelhaft sein» (Brief vom 2.7.1935 [KBA 9235.179]). ↩
4
Brief E. Blums an Barth vom 19.5.1935 (KBA 9335.507). – Emil Blum (1894–1978), Dr. phil., 1934–1939 Studentenberater in Basel und Vikar in ­Nydegg, ab 1939 Pfarrer. ↩
5
Ebd. ↩
6
Laut Taschenkalender Ch. von Kirschbaums war man bereits am 19. Mai in Bonn aufgebrochen, verbrachte die folgenden Tage in München und reiste am 22. Mai in die Schweiz (Einträge vom 19.– 22.5.1935). ↩
7
Im Taschenkalender Ch. von Kirschbaums folgt diese Notiz am 24.5. unmittelbar auf den Eintrag: «Entschluß, in Bern Vortrag zu halten über ‹Evangelium in der Gegenwart›». ↩
8
Brief an Thurneysen vom 24.5.1935 (KBA 9270.655; Bw.Th. III, S. 893 📖). Vgl. auch den Brief Ch. von Kirschbaums an K. G. Steck vom 24.5.1935 (KBA 9235.130). ↩
9
Karte Blums an Barth vom 27.5.1935 (Datum des Poststempels). ↩
10
Vgl. die Taschenkalendereinträge Ch. von Kirschbaums vom 27., 28. und 31.5. (dort das Zitat) sowie vom 1.6.1935. ↩
11
Vgl. a.a.O., die Einträge vom 3. und 4.6.1935. ↩
12
Vgl. die Anfragen E. Stickelbergers vom 15.9.1934 (KBA 9334.905), in der Stickelberger bereits schrieb, er bitte «noch einmal» um einen Vortrag, und von Anfang Januar 1935 (KBA 9335.11 [undatiert]). ↩
13
Brief an Thurneysen vom 24.5.1935 (Anm. 8; Bw.Th. III, S. 893 📖). ↩
14
Vgl. Brief H. Dietschys an Barth vom 27.5.1935 (KBA 9335.535). – Hans Dietschy (1912–1991) studierte zu dieser Zeit in Basel Ethnologie und Geschichte. ↩
15
Vgl. Brief F. Guidons an Barth vom 4.6.1935 (9335.552). ↩
16
M. S., Das Evangelium in der Gegenwart. Prof. Karl Barth als Gast der Basler Studentenschaft, in: National-Zeitung, Jg. 93 (1935), Nr. 254, 5.6.1935 📖; K. O., Prof. Karl Barth über «Das Evangelium in der Gegenwart». Vortrag der Studentenschaft Basel, in: Basler Nachrichten, Jg. 91 (1935), Nr. 153, 6.6.1935, 3. Beilage 📖; O., Prof. Karl Barth über «Das Evangelium der Gegenwart», in: Neue Basler Zeitung, Jg. 6, Nr. 132, 8.6.1935 📖. ↩
17
K. O., a.a.O. 📖 – Ch. von Kirschbaum schrieb in ihrem Taschenkalender von der «gefüllten Martinskirche» ( 4.6.1935). ↩
18
Vgl. Taschenkalender Ch. von Kirschbaum, ebd.↩
19
Brief Thurneysens an Barth vom 7.6.1935 (KBA 9370.750; Bw.Th. III, S. 894 📖). ↩
20
KBA 10091. Von der fünften Seite liegt eine erste, in der zehnten Zeile abbrechende Variante vor; auf S. 6 sind die letzten etwa zwei Drittel des Textes durchgestrichen – hierbei könnte es sich um den Beginn des ursprünglichen dritten Teiles handeln, den Barth nach Auskunft Ch. von Kirschbaums am 31. Mai 1935 «noch einmal» schrieb (s. oben). ↩
21
J. Galsworthy, Flowering Wilderness, London 1932 📖; deutsche Ausgabe: ders., Blühende Wildnis. Roman, übersetzt von L. Schalit, Berlin 1932 📖. – John Galsworthy (1867–1933) war Träger des Literaturnobelpreises 1932.↩
22
Psalmlied auf der Grundlage von Ps. 42 und 43, deutscher Text von A. Lobwasser (1515–1585), Melodie von Loys Bourgeois (1510–1561), in: J. Zahn, Die Melodien der deutschen evangelischen Kirchenlieder aus den Quellen geschöpft und mitgeteilt, Bd. 4: Die Melodien von den achtzeiligen trochäischen bis zu den zehnzeiligen inkl. enthaltend, Gütersloh 1891 (Nachdr. Hildesheim 1963), S. 102 📖. – Barth und seine Zuhörer werden die modernisierte und textlich überarbeitete Fassung im Gesangbuch für die Evangelisch-reformirte Kirche der deutschen Schweiz, Basel 1907, Nr. 262 📖 (RG 30 bietet eine weiter modernisierte Fassung), vor Augen gehabt haben:
Wie nach einer Wasserquelle / Ein Hirsch schreiet mit Begier,
Also schreit auch meine Seele / Sehnsuchtsvoll, mein Gott, nach Dir.
Nur nach Dir, o Lebensgott, / Dürstet sie in ihrer Not.
Ach, wann werd’ ich dahin gehen, / Wo ich kann dein Antlitz sehen?
↩
23
Wörtlich zitiert Barth hier Punkt 4 der sogenannten Hossenfelderschen Richtlinien der Glaubensbewegung «Deutsche Christen» von 1932: «Wir stehen auf dem Boden des positiven Christentums» (Schmidt 📖). Dem inhaltlichen Zusammenhang nach gemeint sein dürfte aber – es liegt hier dieselbe Verwechslung vor wie schon im Artikel Bekennende Kirche im nationalsozialistischen Deutschland 📖 – Punkt 24 des NSDAP-Parteiprogramms von 1920: «Die Partei als solche vertritt den Standpunkt eines positiven Christentums, ohne sich konfessionell an ein bestimmtes Bekenntnis zu binden» (s. oben, S. 797, Anm. 26).↩
24
Vgl. zu dieser besonders von den Deutschen Christen propagierten Forderung z. B. E. Hirsch, Die wirkliche Lage unserer Kirche, in: ders., Das kirchliche Wollen der Deutschen Christen, Berlin-Charlottenburg 1933, S. 20–23 📖: «Es ist das eigentliche Anliegen der Deutschen Christen, uns eine volksverbundene Kirche zu geben, so daß wirklich die Kirche ein Volk und das Volk eine Kirche hat. Wenn wir unsre evangelische Kirche in innerer Gleichartigkeit zum nationalsozialistischen Staate aufbauen, […], dann kann unsre evangelische Kirche wahrhaft eine deutsche Volkskirche werden» (a.a.O., S. 22). ↩
25
Die Auseinandersetzungen in der deutschen evangelischen Kirche wurden zu dieser Zeit oft als «Kirchenstreit» bezeichnet. Vgl. z. B. E. Fiedler, Kirchenregiment und Kirchenstreit, Leipzig 1934 📖; S. Knak, Kirchenstreit und Kirchenfriede, beleuchtet von den Erfahrungen der Mission aus, Berlin 1934 📖; Chr. Stoll, Dokumente zum Kirchenstreit, 6 Hefte, München 1934–1935 📖.↩
26
Anspielung auf den religiösen Sozialismus, der nach dem Ersten Weltkrieg in den evangelischen Kirchen vor allem des deutschsprachigen Raumes zu Einfluss gelangte. ↩
27
Den Gedanken, dass das Ausland den Deutschen in dieser Frage nicht gegenüberstehen dürfe «wie die Gerechten den Ungerechten», hatte Barth bereits 1933 im Vorwort [zu: Die Kirche Jesu Christi] (V.u.kl.A. 1930–1933, S. 600–618, Zitat dort S. 617; vgl. a.a.O., S. 617f. 📖) ausgeführt. ↩
28
Rudolf Steiner (1861–1925), Begründer der Anthroposophie. In Dornach bei Basel befindet sich seit 1928 in dem noch von Steiner entworfenen «Goetheanum» das Zentrum der Anthroposophischen Gesellschaft ↩
29
Albert Schweitzer (1875–1965), Dr. phil, Lic. theol., Dr. med., 1901 Habilitation, ab 1902 Privatdozent für Neues Testament in Straßburg, 1905–1911 Medizinstudium, ab 1913 Missionsarzt in Lambarene am Ogowe, 1953 Friedensnobelpreis. – Der wichtigste theologische Schüler Schweitzers, Johannes Martin Werner (1887–1964), war 1928–1958 Professor für Systematische Theologie, Dogmengeschichte und Geschichte der Philosophie in Bern. Ein Freund Schweitzers war Hans Baur (1870–1937), Pfarrer an St. Leonhard in Basel und Mitherausgeber des Schweizerischen Protestantenblatts. – Zu Barths Beurteilung Schweitzers – vor allem seiner kulturphilosophischen Schriften – und seiner Kritik besonders an ihm nahestehenden Theologen vgl. K. Barth, Sunt certi denique fines. Eine Mitteilung (1924), in: V.u.kl.A. 1922–1925, S. 490–499 📖; Brief Barths an E. Thurneysen vom 15.11.1928 (KBA 9270.528; Bw.Th. II, S. 628 📖). ↩
30
Welchen Theologen Barth hier meint, konnte nicht ermittelt werden. ↩
31
Kurz nach der Oktoberrevolution 1917 wurde dort am 23. Januar 1918 das Dekret über die Trennung von Kirche und Staat erlassen, «das der Kirche die Rechte einer juristischen Person aberkannte, Schließung der kirchlichen Lehranstalten und Enteignung des gesamten kirchlichen Besitzes vorsah» (I. Neander 📖). Ab 1917/18 wurden in den Wirren des Bürgerkriegs, später und besonders 1921/22 auch durch systematischen kirchenfeindlichen Terror viele Kirchen und Klöster zerstört und zahlreiche Priester und Mönche getötet oder vertrieben. Vgl. V.u.kl.A. 1930–1933, S. 29, Anm. 46 📖. ↩
32
Besondere Aufmerksamkeit hatten kurz zuvor die Vorgänge um die Kanzelabkündigung der altpreußischen Bekenntnissynode vom 4./ 5. März 1935 gegen das Neuheidentum erregt. Reichsinnenminister Wilhelm Frick ließ die Verlesung der Kanzelabkündigung verbieten; etwa 500 Pfarrer, die sich weigerten, dem Verbot zu folgen, wurden vorübergehend verhaftet. Vgl. Besier (Anm. 2), S. 61–63 📖; W. Niesel, Kirche unter dem Wort. Der Kampf der Bekennenden Kirche der altpreußischen Union 1933–1945 (AGK.E 11), Göttingen 1978, S. 57–64 📖. Eine Übersicht über weitere «Maßnahmen gegen die Bekennende Kirche von März bis September 1935» findet sich bei Gauger III, S. 487–491 📖.↩
33
Druck: «bekommen»; durch die Hrsg. korrigiert nach dem Mskr.↩
34
Anspielung auf eine Redewendung Friedrichs des Großen; vgl. oben, ­S. 95, Anm. 46. ↩
35
Zum Begriff der «gefallenen Entscheidung» vgl. ausführlich K. Barth, Reformation als Entscheidung, in: V.u.kl.A. 1930–1933, S. 516–552, dort bes. S. 532, Anm. 63 📖. ↩
36
Zur Notwendigkeit, dem Ja des Bekenntnisses zur Verdeutlichung ein klares Nein zur Seite zu stellen, vgl. oben, S. 313.↩
37
Vgl. Fr. Schiller, Wallenstein II. Wallensteins Tod, Zweiter Aufzug, Zweiter Auftritt 📖:
Schnell fertig ist die Jugend mit dem Wort,
Das schwer sich handhabt, wie des Messers Schneide;
Aus ihrem heißen Kopfe nimmt sie keck
Der Dinge Maß, die nur sich selber richten.
↩
38
Text der revidierten Lutherbibel von 1912. ↩
39
In der Kirchengeschichtsschreibung ist der Sieg Konstantins über seine Rivalen oft als Sieg des Christentums interpretiert worden: «[…] der Gang der politischen Ereignisse im Westen entschied 312 das Uebergewicht Konstantins und damit den Sieg des Christentums» (K. Heussi, Kompendium der Kirchengeschichte, Tübingen 19307, S. 80 📖); «Die Niederlagen des Licinius (323) und seine Ermordung (325) entschieden die Alleinherrschaft Konstantins und den Sieg des Christentums im römischen Reiche» (a.a.O., S. 82); «323 kam es zum zweiten entscheidenden Kriege mit Konstantin, der dem Licinius Thron und Leben kostete, und damit war der Sieg des Christentums entschieden.» (J. von Walter, Die Geschichte des Christentums, Bd. I/1: Das Altertum, Gütersloh 1932, S. 121 📖). Vgl. etwa auch F. Chr. Baur, Das Christenthum und die christliche Kirche der drei ersten Jahrhunderte, Tübingen 18602, S. 466–471 📖.↩
40
Zum Gedanken einer ursprünglich «wilden», aber durch das Recht zu sich selbst gebrachten Freiheit vgl. I. Kant, Zum ewigen Frieden. Ein philosophischer Entwurf, in: Akademie-Ausgabe, Bd. 8, Berlin, S. 341–386, dort: S. 357 📖: «Für Staaten, im Verhältnisse unter einander, kann es nach der Vernunft keine andere Art geben, aus dem gesetzlosen Zustande, der lauter Krieg enthält, herauszukommen, als daß sie eben so wie einzelne Menschen ihre wilde (gesetzlose) Freiheit aufgeben […]»; ders., Die Metaphysik der Sitten, in: Akademie-Ausgabe, Bd. 6, Berlin 1907/1914, S. 203–494, dort S. 315f. 📖: «Der Act, wodurch sich das Volk selbst zu einem Staat constituirt, […], ist der ursprüngliche Contract, nach welchem alle (omnes et singuli) im Volk ihre äußere Freiheit aufgeben, um sie als Glieder eines gemeinen Wesens […] sofort wiederaufzunehmen, und man kann nicht sagen: der Staat, der Mensch im Staate, habe einen Theil seiner angebornen äußeren Freiheit einem Zwecke aufgeopfert, sondern er hat die wilde, gesetzlose Freiheit gänzlich verlassen, um seine Freiheit überhaupt […] in einem rechtlichen Zustande unvermindert wieder zu finden […].» ↩
41
Konstantin (ca. 285–337), 306 römischer Kaiser, 313 im gesamten Westreich, 324 Alleinherrscher. – Obwohl die Entwicklung zur römischen Reichskirche unter Konstantin noch nicht zum Abschluss kam, hat sich die Idee eines Bundes von Staat und Kirche an seinen Namen geheftet. Die Wendung «Zeitalter Konstantins» meint hier die Zeit der Herrschaft Konstantins, vielleicht das gesamte 4. Jahrhundert, aber nicht die mit Konstantin beginnende und sich bis ins 19./20. Jahrhundert erstreckende Zeit des Bündnisses von Staat und Kirche, die unter diesem Aspekt häufig als «konstantinisches Zeitalter» bezeichnet wird. Vgl. dazu M. Hüttenhoff, «Das konstantinische Zeitalter». Über die Karriere und Funktion einer historisch-theologischen Formel, in: Kl. M. Girardet (Hrsg.), Kaiser Konstantin der Große. Historische Leistung und Rezeption in Europa, Bonn 2007, S. 177–192, bes. S. 181–183 📖. – Zu Barths Position s. KD I/2, S. 365–367 📖. ↩
42
Der Begriff «corpus christianum» bezieht sich auf die mittelalterliche Vorstellung von einer einheitlichen, die gesamte Christenheit umfassenden respublica christiana, die unter ihrem unsichtbaren Haupt Christus vom Papst und vom Kaiser als den zwei irdischen Häuptern regiert wird. Der Begriff wird zurückgeführt auf Karl Riekers Übersetzung des Ausdrucks «christlicher Körper» in Luthers Schrift An den Christlichen Adel deutscher Nation von des Christlichen standes besserung (1520), in: WA 6, S. (381) 404–469 📖 (vgl. dort S. 410,4). Nach Barth ist die «Idee des corpus christianum» die stolze und doch trügerische «Idee der Einheit von Kirche und Reich» (KD I/2, S. 366 📖). ↩
43
«Heiliges Römisches Reich» bzw. «Sacrum Romanum Imperium» war vom Mittelalter (erstmals 1254) bis 1806 die amtliche Bezeichnung für den Herrschaftsbereich des abendländischen Römischen Kaisers und der in ihm verbundenen Reichsterritorien. Die deutsche Formel erschien seit Kaiser Karl IV. (1316–1378; Kaiser seit 1355). Im 15./16. Jh. wurde sie mit dem Zusatz «deutscher Nation» versehen. ↩
44
Die Gründung der Eidgenossenschaft 1291 richtete sich noch nicht gegen das Reich, dem man unmittelbar unterstellt blieb, sondern gegen die Herrschaft der Habsburger. Erst als 1438 die seitdem ununterbrochene Folge von Kaisern aus dem Hause Habsburg begann, löste sich die Eidgenossenschaft allmählich aus dem Reich. Im Westfälischen Frieden von 1648 erreichte die Schweiz die Entlassung aus dem Reichsverband. ↩
45
Schon lange ausgehöhlt und kaum noch eine reale politische Größe, ging das Heilige Römische Reich 1806, als Franz II. von Österreich auf die Kaiserkrone verzichtete, auch formal unter. Bei Goethe finden sich Bezugnahmen auf das Heilige Römische Reich in: J. W. von Goethe, Faust. Eine Tragödie, 2089–2100, in: Goethes Werke, Bd. 3: Dramatische Dichtungen, Bd. 1, Hamburg 19626, S. 7–364, hier: S. 68 📖; ders., Dichtung und Wahrheit, in: Goethes Werke, Bd. 9: Autobiographische Schriften, Bd. 1, Hamburg 19614, S. 524–531 📖. Nach K.-O. Conrady regte «der Untergang des alten Deutschen Reichs, das nur ein Sammelsurium kleiner, ehrgeiziger Staatsgebilde war», Goethe «nicht weiter auf» (K. O. Conrady, Goethe. Leben und Werk, München / Zürich 1994, S. 806 📖).↩
46
Barth meint die Auflösung Österreich-Ungarns in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg (1918–1920). ↩
47
Das Bild von der «Überwinterung des Evangeliums» im Sinne seiner «Erhaltung […] für die Kirche und damit für das Volk» findet sich bei Hermann Cremer (1834–1903; seit 1870 Prof. für Systematische Theologie in Greifswald); vgl. E. Cremer, Hermann Cremer. Ein Lebens- und Charakterbild, Gütersloh 1912, S. 153. 183 📖 (zit. nach: G. Diekmeyer, Wort und Gewißheit. Das Schriftprinzip in der Theologie Hermann Cremers [STM 2], Wuppertal 1999, S. 11 [mit Anm. 36] 📖).↩
48
Anspielung auf die von Barth häufiger zitierte Wendung «Hominum confusione et Dei providentia (Helvetia) regitur»; vgl. V.u.kl.A. 1930–1933, S. 301, Anm. 81 📖.↩
49
Druck: «konstantini-»; von den Hrsg. korrigiert. ↩
50
Zu dieser Anspielung auf Emil Brunner s. oben, S. 37, Anm. 54, und S. 468-473.↩
51
Zur vor allem in Deutschland während des Kirchenkampfes virulenten Diskussion um diese Alternativen vgl. oben, S. 237f., Anm. 65.↩
52
Anspielung auf Luthers Schrift De captivitate babylonica ecclesiae praeludium (1520) (WA 6, S. [484]497–573) 📖. ↩
53
Zur Identifikation der Kirche mit dem 1000jährigen Reich vgl. Augustin, De civitate Dei XX, 6–9 (CCSL 48, 706–719) 📖; Thomas von Aquino, Summa theologiae III, Suppl. q.77, a.1, ad 4 📖; ders., Summa contra gentiles IV, 83 (Ausgabe M. H. Wörner, Darmstadt 1996 [Sonderausgabe 2001], Bd. 4, S. 511) 📖; Fr. Diekamp, Katholische Dogmatik nach den Grundsätzen des heiligen Thomas, Bd. 3: Die Lehre von den Sakramenten – Die Lehre von den letzten Dingen, Münster 19326, S. 394f. 📖↩