1928 – 1929

Die Liebe

§ 14 DIE LIEBE

Gottes Gebot wird von mir erfüllt, D.h.mein Tun ist gut, ist Gehorsam gegen das Gebot des Gesetzes, geschieht in Anerkennung der mir gesetzten Autorität und als Werk der Demut, sofern mir gesagt ist und ich mir gesagt sein lasse, daß ich selbst ein an Gott und durch ihn an meinen Nächsten Gebundener bin. Daß mir das gesagt ist und daß ich mir das gesagt sein lasse, das ist als Werk des Wortes Gottes die Wirklichkeit der Liebe.

1.

Wir haben nun auch in bezug auf das Gebot Gottes des Versöhners das Problem unseres Tuns, unseres Haltens des Gebotes kurz ins Auge zu fassen. Wir haben dieses Gebot, D.h.das eine Gebot Gottes in dieser besonderen Beleuchtung kennen gelernt als das Gebot des Gesetzes Gottes, wie es uns in unserem Gegenüber mit dem Mitmenschen konkret gegeben ist. Wir haben unsere Bestimmtheit durch dieses Gebot verstanden als unser Stehen unter der Autorität Gottes, und darum unseres Mitmenschen. Wir haben die in dieser Bestimmtheit an uns ergehende Forderung des Gebotes erkannt im Begriff der Demut oder des Opfers, der sich uns in die Begriffe der Buße vor Gott und des Dienstes am Nächsten auseinanderlegte. Wieder sind uns damit eine Anzahl von Kriterien unseres Handelns sichtbar geworden, Fragen, an denen es sich entscheidet oder mitentscheidet, ob unser Handeln im Gehorsam und also in der Heiligung geschieht. Wir haben aber noch nicht nach unserem Handeln als solchem gefragt, nach dem Subjekt aller dieser Bestimmungen. Anders gesagt: es bleibt uns noch übrig, eben diese Frage, die Frage: Wer oder was müssen wir denn sein, um unter dem Gesetz, unter Autorität, in der Demut zu stehen und also Christen zu sein? – als1 den Sinn aller gestellten Fragen ausdrücklich |344 herauszustellen. Wieder deuteten ja alle auf unserem Weg berührten Punkte auf einen Mittelpunkt hin, auf die fallende Entscheidung unseres konkreten Handelns, in dem wir unter das Kriterium, in dem wir vor Gott selbst gestellt sind. Nur zur weiteren Beleuchtung des in diesem Mittelpunkt sich vollziehenden Ereignisses erlaubten wir uns die diesem Kapitel zu Grunde liegende Abstraktion einer lex gratiae und die weiteren Abstraktionen, die wir mit der Aufstellung jener Begriffe vollzogen haben. Wir sind uns klar darüber, daß wir unter keinem der angeführten Gesichtspunkte, und auch nicht unter allen ineinandergerechnet, in der Lage sind, weiter als bestenfalls bis zu höchst wahrscheinlich richtigen Antworten in bezug auf die Frage nach der Güte unseres Tuns vorzustoßen. Die entscheidende Antwort auf diese Frage gibt Gott und Gott allein, indem er uns in der fallenden Entscheidung als Gehorsame findet oder nicht findet. Wenn theologische Ethik mehr sein will als ein Kompendium von höchst wahrscheinlich richtigen Antworten, d.h. aber von ethischen Überzeugungen, dann dürfen auch ihre Antworten keinen anderen Charakter tragen als den von spezifizierten Fragen. Sie müssen geöffnet bleiben und immer wieder geöffnet werden, nicht nach der Seite der menschlichen Willkür, wohl aber nach der Seite des allein entscheidenden Wortes Gottes selber. Anders als in dieser grundsätzlichen Offenheit werden wir nun auch die Frage nach unserem Handeln als solchem oder nach unserem eigenen Sein als Handelnde nicht stellen und beantworten dürfen. Wir dürfen ihr aber auch nur schon darum nicht ausweichen, weil deutlich zu machen ist, daß wir auch und daß wir gerade in der entscheidenden Frage nach unserer eigenen Entscheidung als solcher, auch und gerade [nach] unserer Entscheidung gegenüber der lex gratiae, vor der Entscheidung Gottes stehen. Mit der entscheidenden Frage haben wir es hier zu tun, sage ich. Alle Antworten auf die Frage: wie handle ich als mit Gott versöhnter Mensch? müssen ja offenbar darum offene Antworten sein und bleiben, Antworten, die letztlich selber nur bestimmt fragen wollen, weil sie gewissermaßen nur Vorfragen, Eventualfragen sind, die auf die entscheidende Frage zurückweisen, ob ich denn als versöhnter |345 Mensch handle? Ob ich unter das Gesetz gestellt bin, ob ich unter Autorität und ob ich in der Demut stehe, das alles hängt an jenem ersten großen Ob. Gibt es eine Möglichkeit, nun auch noch dieses große Ob auf einen Begriff zu bringen, der sich dadurch als ethischer Begriff, als Darstellung einer Inanspruchnahme unseres Handelns kennzeichnet, daß er nicht nur das ausdrückt, daß die Antwort auf jenes Ob in Gottes Hand ist – das muß er freilich auch tun– sondern auch das Andere, daß das, was hier in Gottes Hand ist, wirklich unser eigenes verantwortliches Handeln ist, zu dem wir freilich erwählt sein müssen, um dessen Geschehen wir also nur beten können, zu dessen Vollbringen wir aber auch, indem wir um sein Geschehen beten, indem wir dazu erwählt sind, mit letzter Dringlichkeit, und eben indem wir voll verantwortlich gemacht werden, aufgerufen sind? Die Bestimmung unseres Tuns, derer hier zu gedenken ist, ist nach Anleitung der Bibel Alten und Neuen Testamentes sowohl wie der in diesem Stück mehr oder weniger einmütigen theologischen Tradition, aber auch nach dem Ansatz, von dem aus wir den Weg zu dieser unserer letzten Frage gegangen sind, die Bestimmung unseres Tuns durch die Wirklichkeit der Liebe.

2.

Was könnte und müßte das heißen, wenn mein Handeln als Christ im Verhältnis zu dem Gebot dessen, der mich zum Christen macht, in diesem Augenblick gut, also Erfüllung, Halten dieses Gebotes, also christlich wäre, wenn ich also in diesem Augenblick unter dem Gesetz stünde, unter Autorität mich beugte, das Gott wohlgefällige Opfer der Demut darbrächte? Dann würde offenbar der Wille Gottes geschehen. Aber wir haben offenbar jetzt noch ganz anders als an der entsprechenden Stelle unseres Kapitels vom Schöpfungsgebot2 Anlaß zu bedenken, daß es sich dabei um das Geschehen des Willens Gottes auf Erden handelt, von dem dasselbe |346 Geschehen im Himmel wohl zu unterscheiden ist [vgl. Mt. 6,10]. «Auf Erden» heißt ja jetzt nicht bloß wie dort: in den Schranken der Kreatürlichkeit, also in der wesenhaften Unvollkommenheit aller geschaffenen endlichen Vollkommenheit. «Auf Erden» heißt jetzt darüber hinaus: in den Schranken unserer von Gott abgefallenen, verkehrten, wenn auch durch Gottes unbegreifliche Barmherzigkeit nicht fallen gelassenen, sondern im Fall gehaltenen Existenz. Wie könnte es uns jetzt noch einfallen, unser Tun des Guten etwa als Einigung unseres menschlichen mit dem göttlichen Willen beschreiben, mit unserem Tun an Gottes Stelle treten zu wollen? Daß wir begnadigte Sünder, nicht daß wir wie Gott seien [vgl. Gen. 3,5], ist uns geboten. Eben darum ist die Liebe des Gesetzes Erfüllung [Röm. 13,10]. Liebe überbrückt den Abstand des begnadigten Sünders von dem Gott aller Barmherzigkeit und alles Trostes [vgl. 2.Kor. 1,3], ohne ihn aufzuheben. Liebe behauptet ihn vielmehr, indem sie ihn überwindet. Liebe sucht und findet ja, ganz wie der Glaube, einen Gegenstand. Sie sucht und findet ihn, aber sie hat ihn auch durchaus als Gegenstand. Gerade Liebe kann, solange sie Liebe ist und bleibt, nicht in ein mystisches Identitätsbewußtsein ihrem Gegenstand gegenüber [übergehen], sie kann nicht zur Aufhebung ihres Gegenstandes werden. Liebe ist schon darum wirklich das Tun des Guten, weil sie das Gute in Gott sucht, findet und hat. Nicht nur [sucht, findet und hat sie] wie der Glaube [das Gute] in Gott als dem einen, ursprünglichen, ewigen, in sich selbst begründeten Guten – das tut sie freilich auch, auch die Liebe liebt ja Gott den Schöpfer, auch die Liebe ist insofern einfach Glaube –, sondern [sie sucht, findet und hat] Gott als den, der sich unbegreiflicherweise als der Schöpfer, als der Eine in sich Gute dem aus seiner Gutheit gefallenen Geschöpf zugewendet, entgegengeneigt, über sein Gutsein hinaus ihm Güte erwiesen hat. Diese uns unbegreiflicherweise nachgehende und zuvorkommende Güte Gottes sucht und findet die Liebe. Sie sucht und findet, sie hat Gott im Wunder seiner Gegenliebe. In der Liebe geht es nicht bloß wie im Glauben um die Übereinstimmung unseres Willens mit Gott, sondern um unser Gebundensein an Gott. Weil wir ihn, indem wir ihn |347 lieben, begreifen als den, der uns über dem Abgrund hält, gegen alles Begreifen und Erwarten. Wie sollte sie da nicht in noch tieferem Sinne als der Glaube ein Tun innerhalb der dem Menschen gesetzten Schranke sein, der Schranke, die nun nicht nur als Kreaturschranke, sondern als Sündenschranke qualifiziert ist?

Nochmals: schon darin ist sie eben das Gute, das von uns geforderte Tun. Aber wir müssen schon weitergehen. Wenn die Liebe des Gesetzes Erfüllung ist, dann muß schon von ihr zu sagen sein, daß in ihr der Wille Gottes geschieht: «auf Erden wie im Himmel» [Mt. 6,10]. Innerhalb jener Schranke müßte unser Tun, um gut zu heißen, nicht eine Verwirklichung – das hat Gott sich selber vorbehalten –, wohl aber eine Darstellung, eine Repräsentation, ein Abbild und Spiegel des göttlichen Tuns sein. In dem Augenblick wäre unser Tun ein Tun des Guten, wo es Gottes Wohlgefallen darum fände, weil er in ihm die Vollstreckung seines Friedensgedankens über uns und insofern die Bejahung seines barmherzigen Willens sähe. Der Inhalt dieses Augenblickes wäre dann offenbar die Antwort auf die sämtlichen Fragen, von denen wir uns durch sein Gebot umstellt sehen. In diesem Augenblick lebten wir unter dem Gesetz, stünden wir unter Autorität und in der Demut. Diese existentielle Bejahung Gottes ist jetzt, im Blick auf die lex gratiae gesagt, eben die Liebe. Liebe ist der Inbegriff des Gehorsams des begnadigten Sünders. Mehr ist nicht von ihm verlangt, aber das ist von ihm verlangt als Grund und Inbegriff alles Anderen. Um Vergottung geht es nicht, aber darum geht es. Die Tat der Liebe ist die Tat des gebundenen Menschen. Wir bejahen Gott den Versöhner, indem wir gebunden handeln, gebunden dadurch, daß unser Existenzgrund das Wunder seiner Barmherzigkeit ist. Wir müßten uns selbst preisgeben, wenn unser Tun nicht Antwort wäre auf die uns in Gottes Barmherzigkeit nachgehende und zuvorkommende Gegenliebe, wenn wir nicht wieder lieben würden. Lieben heißt: die Gebundenheit bejahen, in der wir nicht verloren, sondern gerettet sind.

Aber wir haben allen Anlaß, uns zu fragen, ob es einen solchen Augenblick des Wohlgefallens, ein solches Existieren in der Gebun|348denheit unseres Willens an den Willen Gottes gab, gibt und geben wird. Was haben wir, was wissen wir, als daß wir danach eben gefragt sind? Darum kann es bei der Tat der Liebe nicht gehen, daß wir diese oder jene Antwort auf die uns gestellten Fragen ergreifen als die uns überzeugendste, als die für uns notwendige. Das tun wir freilich fort und fort, und wenn man will, so mag man ja auch dieses unser Ergreifen der jeweils wahrscheinlichsten Möglichkeit Liebe nennen. Aber das Gute, die Erfüllung des Gebotes sollten wir auf dieser Linie nicht suchen. Liebe im Sinn von Gebundenheit sollten wir das nicht nennen. Denn sind nicht wir selbst es, die uns hier binden? Wer hat uns aber ermächtigt und bevollmächtigt, uns selbst durch unser Ergreifen dieser oder jener Antwort auf das, wonach wir gefragt sind, so zu binden, daß wir in dieser Bindung durch uns selbst zugleich die an Gott Gebundenen wären? Von Liebe im eigentlichen Sinn kann offenbar nur da die Rede sein, wo wir uns nicht selbst gebunden haben, sondern gebunden sind. Liebe gründet doch in der gesuchten und gefundenen und wieder gesuchten Gegenliebe, in ihrem sie, weil er selber liebt, weckenden und herausfordernden Gegenstande. Zur Liebe entschließt man sich nicht, sondern zur Liebe ist man entschlossen von dem geliebten Gegenstand her. Liebe ist nicht eine Begleitmusik zu unserem Ergreifen dieser und jener Möglichkeiten, sie ist aber auch selber nur insofern ein Ergreifen, als sie zuerst ein Ergriffensein ist, und alles Ergreifen dieser und jener Möglichkeiten kann dann nur noch ein Ausdruck dieses Ergriffenseins sein wollen. Geht es nun aber um unser Gebundensein an Gott und also um die reine, von allem Sichselberbinden freie Liebe (zu der sich alles unser Lieben kreatürlicher Gegenstände nur wie das Gleichnis zur Sache verhalten kann), dann können wir unser Gebundensein, die Bedingtheit unserer Liebe durch ihren Gegenstand nur dadurch einigermaßen angemessen ausdrücken, daß wir ihren Grund, das, was sie zur wirklichen Liebe und also zum Tun des Guten macht, darin suchen, daß uns unser Gebundensein gesagt ist und daß wir es uns gesagt sein lassen. Gesagt durch das zu uns gekommene Wort der Versöhnung.

Indem wir auch an dieser unerwarteten Stelle vom «Sagen» |349 und vom «Wort» reden, halten wir einmal fest, daß wir ja von der Liebe als des Gesetzes Erfüllung reden, von der Liebe zu dem Gott, der uns gerade als unser Versöhner im überbrückten, aber darum nicht aufgehobenen Gegensatz gegenübersteht. Da wissen wir nicht ohnehin um ihn, da können wir ihn auch nicht lieben auf Grund irgendeiner Vorerkenntnis, die wir vom ihm hätten, da muß er zu uns gesprochen und da müssen wir ihn gehört haben. Wir unterstreichen, indem wir von Sagen und Gesagtseinlassen reden, zweitens, daß die Liebe wirklich Inhalt eines an uns ergehenden Gebotes und eben so wirkliches Gebundensein durch ihren Gegenstand, durch die Liebe ihres Gegenstandes ist. Darin ist die Liebe reine Liebe, daß sie nicht auf einer eigenen inneren Notwendigkeit beruht und nicht in einem eigenen Ergreifen besteht, sondern ganz, in der Ganzheit, wie sie [in] keiner menschlichen, auf kreatürliche Gegenstände gerichteten Liebe Ereignis ist, in der Ganzheit eines von außen fremd zu uns kommenden Wortes als «Aufgang aus der Höhe» [Lk. 1,78] uns besucht, die wir [sie] von uns aus nie erwartet und gar nicht gekannt haben. Und wir reden drittens darum auch und gerade hier vom Wort, vom Sagen und Sichsagenlassen, weil eben die reine Liebe, die das Tun des Guten ist, sich durchaus nicht in einer Sphäre des Unmittelbaren und Unaussprechlichen abspielt, sondern durchaus in der Mittelbarkeit des wirklichen Lebens, wo wohl Gott und der Mensch sich gegenüberstehen, aber der in der Unscheinbarkeit des Mitmenschen sich verhüllende Gott und der Mensch, also in der Sphäre typisch menschlicher Beziehungen. Hier und so sind wir ja unter das Gesetz gestellt. Hier und so ist ja der Versöhner zu uns gekommen. Hier und so, im Anspruch des Mitmenschen, ist das Gebot der Liebe Ereignis, und im Hören dieses Anspruches müßte die Liebe selber Ereignis werden.

Ist uns nicht gesagt, daß wir gebunden sind, und lassen wir es uns nicht sagen, so sind wir es gewißlich gar nicht, so könnte unser Lieben noch immer ein eigenhändiges und eigenmächtiges Ergreifen sein, dessen Charakter als Erfüllung des Gesetzes ganz in der Luft stünde. Wenn wir mit Gott versöhnt sind, dann lieben wir auch. Die Liebe Gottes ist dann ausgegossen in unsere Herzen durch den |350 heiligen Geist (Röm. 5,5), D.h.wir handeln dann in jener Bindung an ihn und durch ihn an den Nächsten, zu der wir uns nicht entschlossen haben, sondern zu der wir von Gott und durch ihn vom Nächsten her entschlossen sind und an der es sich entscheidet, ob wir unter dem Gesetz, unter Autorität, in der Demut stehen, oder ob das alles nur Schein und Einbildung ist. Es verhält sich dann mit unserem Handeln so, wie es sich eben da verhält, wo wir lieben, D.h.wir wollen dann in dem, was wir wollen und also tun, nicht ohne Gott und also nicht ohne den Nächsten sein. Dieses Nichtohne-Gott und darum Nicht-ohne-den-Nächsten-Sein in unserem Wollen und Handeln ist das Sein, das unter dem Gesichtspunkt des Gebotes des Versöhnergottes Gutsein bedeutet. In diesem Gebundensein sind wir Täter des Wortes. Aber wie anders kommt es zu diesem Tun, als indem wir versöhnt sind, und wie anders sind wir mit Gott versöhnt als durch das Wunder, durch das Gott selber uns mit sich selber versöhnt hat? An diesem Wunder hängt die Wirklichkeit der Liebe, hängt also auch unser Halten des Gebotes, hängt die Antwort auf die Frage nach der Gutheit unseres Handelns. Man kann also die Wirklichkeit der Liebe schon nicht anders verstehen denn wie die Wirklichkeit des Glaubens. «Darin stehet die Liebe: nicht daß wir Gott geliebt haben, sondern daß er uns geliebt hat» [1.Joh. 4,10]. Liebe ist Gnade.

Wir können uns das Entscheidende, das geschehen muß, nicht nehmen, sondern es muß uns geschenkt werden. Das ist die beherrschende theologische Bestimmung des Begriffs der Liebe. Sie wird sich aber dadurch als echt erweisen müssen, daß sie sich auch, wenn auch keinen Augenblick anders als im Blick auf den Grundtext, ins Anthropologische übersetzen, also als verantwortliches Tun des Menschen verstehen läßt. Die Möglichkeit und die Notwendigkeit dazu ist eben damit gegeben, daß wir jenes Geschenk, daß wir die Gnade, jetzt also die in unsere Herzen ausgegossene Liebe nicht, wie es, sicher im Mißverständnis jenes Pauluswortes, so oft geschehen ist, als eine Art physikalischen Influxus auffassen, sondern eben als ein Wort, das zu uns gesagt ist und das wir uns gesagt sein zu lassen haben.

351Damit wird die Liebe im wörtlichsten Sinne eben zur Verantwortung. Wir gehorchen, indem wir lieben, nicht einem wie ein Zauber über uns gekommenen Trieb – wir können uns also, wenn wir nicht lieben, auch nicht damit entschuldigen, daß dieser Zauber nicht über uns gekommen sei –, sondern, und das ist etwas ganz Anderes, wir sind gefragt, ob wir das Wort der ewigen Liebe etwa wirklich nicht gehört haben und ob wir, wenn wir es gehört haben, etwas Anderes tun können als eben lieben. Denn Lieben ist ein Tun, dasjenige Tun, das in der Bindung geschieht, die wir mit den Begriffen Gesetz, Autorität, Demut umschrieben haben, in der Bindung, die der tragende Sinn dieser Begriffe ist. Man könnte die Liebe wie den Glauben als ein «Trauen und Wagen des Herzens»3 beschreiben, man könnte auch von ihr sagen, daß es darum geht, die Mitte unseres Daseins in Frage gestellt zu sehen, loszulassen, preiszugeben, aufs Spiel zu setzen, um Gott unseren Herrn sein zu lassen in der ganz bestimmten Weise der Offenheit für sein uns in der Gegebenheit unseres Nächsten gegebenes Gesetz. Man könnte auch hier das Bild vom Schwimmer oder vom Radfahrer verwenden, der das Gleichgewicht aufgeben muß, um es in der Vorwärtsbewegung neu zu suchen. Aber über das, was die Liebe mit dem Glauben gemeinsam hat, hinaus ist für sie bezeichnend der Charakter der Notwendigkeit ihres Wagnisses. Das Tun der Liebe ist notwendiges Tun, sofern es sich eben bezieht auf eine Not und auf eine Notwende. Gnade heißt ja nicht nur Gott der Herr im allgemeinen, wie er als der Schöpfer hoch über unserer Not steht, sondern Gott der Herr unserer Notwende. Danach sind wir gefragt, wenn es um das Wort der ewigen Liebe geht, ob wir in Christus und darum in seinen geringsten Brüdern [vgl. Mt. 25,40] wirklich die uns widerfahrende Notwende nicht erkennen sollten, ob wir an ihn und darum an sie nicht gebunden sind darum, weil die Not, die hier gewendet wird, nicht mehr und nicht weniger als unser Verlorensein bedeuten würde, ob uns also etwas Anderes übrigbleibt |352 als zu lieben, um nicht verloren zu sein? Also in dieser Notwendigkeit jenes Wagnis des Herzens wagen, das heißt lieben. Was außerhalb dieser Notwendigkeit gewagt würde, Gott und dem Nächsten gegenüber, das wäre noch immer nicht Liebe – nicht Liebe im Sinn des Gebotes. Wir würden uns dabei wohl selber binden, vielleicht aufs stärkste binden; als Gehorsam gegen das Gebot des Versöhners wäre unser Tun dann doch nicht anzusprechen. Vielleicht als Gehorsam gegen das Schöpfergebot. Aber dem Schöpfergebot in seiner Ganzheit stehen wir doch als Übertreter gegenüber, und das eben ist unsere Not, in der uns Gottes Gnade als Notwende begegnet, und in und mit der Gnade eben das Gebot des Versöhners, das uns in Anspruch nimmt als solche, die in der Notwende stehen, deren Liebe also nicht darin bestehen kann, daß sie sich selber binden, sondern daß sie Gebundene sind. In diesem Gebundensein an Gott und den Nächsten steht die Liebe. Dann allerdings in dem in diesem Gebundensein unternommenen Wagnis – das sich doch von Allem, was man sonst Wagnis nennt, dadurch unterscheidet, daß es sich um das Wagnis einer Beugung handelt, und wenn wir es als das Wagnis des Herzens bezeichnen, als das Wagnis der Beugung unseres eigenen Herzens unter einen fremden Anspruch als solchen, eben gerade in seiner ganzen, dem eigenen Herzen durchaus widersprechenden Fremdheit. Unser Herz möchte ja in diesem Sinne durchaus nicht lieben. Es ist ja eben darin unser sündiges Herz, daß es viel lieber alles Andere wagen, viel lieber sich selbst aufs stärkste binden möchte, statt gebunden zu sein. Und es ist unser ungebrochen sündiges Herz, sofern es sein Gebundensein durch die göttliche Notwende und also doch wohl auch seine eigene Not noch nicht erkannt hat, sondern bei seiner Ungebundenheit beharrt. Wir lieben im Sinne des Gebotes, wenn wir den uns widerfahrenden Anspruch auch und gerade als uns widerfahrenden Widerspruch hören, wenn uns Gott und der Nächste Größen sind, die wirklich von uns selbst, deren Begehren von unserem eigenen durchaus unterschieden ist, das wir also gerade nicht ohnehin in uns selber vorfinden oder in unser eigenes Begehren übersetzen oder mit ihm versöhnen können, Größen, die allem Bemühen, sie mit unserer eigenen Größe zu |353 identifizieren, beharrlich und endgültig widerstehen und an die wir nun doch in der Weise gebunden sind, daß wir uns ihnen beugen müssen.

Müssen! Das ist das Wort, das uns, ausdrücklich oder nicht ausdrücklich, durch dieses ganze Kapitel begleitet hat. Das ist das Wort, das auch für die durch das Gebot von uns geforderte Liebe, das also für das Tun des Gebotes als solches bezeichnend ist. Wir tun das Gute, wenn wir es tun müssen, und dieses Müssen ist die christliche Liebe. Daß wir diesem Müssen uns fügen, also gegen uns selber uns fügen, das ist das Wagnis der christlichen Liebe. Es ist eine paradoxe, aber notwendige Formulierung, wenn wir sagen: christliche Liebe kommt dann von Herzen, wenn sie gegen unser Herz, und eben so uns zu Herzen geht. «So klammert sich der Schiffer endlich noch am Felsen fest, an dem er scheitern sollte.»4 Wie sollte es anders sein, wenn wir über dem anthropologischen den theologischen Charakter dieses Begriffes nicht aus den Augen verlieren, vielmehr in diesem den eigentlichen und entscheidenden Gehalt jenes festhalten wollen. Wir müssen ja nun doch von diesem wieder auf jenen zurückblicken.

Die christliche Liebe bietet phänomenologisch ebenso wie der christliche Glaube das befremdliche Bild eines Sprungs ins Leere. Was ist das für ein Gebundensein, das in keinem Sichselberbinden sein Korrelat haben soll? Was ist das für ein Entschluß, der darin besteht, daß ich entschlossen bin? Was ist das für eine Tat, die ich tun muß, die ich ganz und gar aus Notwendigkeit tue? Wenn hier Klarheit und Wahrheit sein soll und nicht Wahnsinn, wenn wir hier gewisse Tritte tun sollen, dann muß Gott zur Stelle sein, nicht bloß unser Gedanke an Gott, nicht bloß unsere Intention auf ihn, sondern Gott selber in der Wirklichkeit seiner Liebe. Alles Gesagte: Liebe als Verantwortung, Liebe als Wagnis, Liebe als Beugung, Liebe als Notwendigkeit und damit Liebe als das Eigentliche und Entscheidende in der Frage, ob wir unter dem Gesetz, unter Autori|354tät, ob wir in der Demut stehen – Alles hängt daran, daß Gott selbst zur Stelle ist, D.h.daß er sich uns – und daß er sich uns durch unseren Nächsten als Gegenstand gibt. Wären wir gegenstandslos, so würden wir, so könnten wir nicht lieben, so fiele Alles, die Verantwortung, das Wagnis, die Beugung, die Notwendigkeit auf uns selbst zurück. Es wäre dann in der Tat auch ontologisch nur als Wahnsinn zu verstehen. Daß wir aber nicht gegenstandslos sind, das ist nicht schon damit gegeben, daß Gott Gott ist und daß es uns auch an Mitmenschen nicht zu fehlen scheint. Sonst würden wir wohl in derselben Selbstverständlichkeit auch lieben. Wir wissen aber, wie selten wir lieben, und wenn wir ganz genau sein wollen, so werden wir sogar sagen müssen, daß wir, obwohl Gott Gott ist und obwohl es uns auch an Mitmenschen nicht fehlt, an sich gar nie lieben, und stehen dann vor der Wahl, ob wir uns damit zermartern wollen, dies dennoch zu tun, oder ob wir uns entschließen wollen, von diesem Unternehmen zu lassen, wie man eben von einem offenkundigen Wahnsinn läßt. Wir können also die anthropologische Definition der Liebe gar nicht vollziehen, ohne den Kreis zu schließen, indem wir sie theologisch noch einmal definieren als die Liebe, mit der wir geliebt sind, als die Liebe Gottes selber, in der er – wir können nur sagen: Wunder über Wunder – nicht nur Gott, sondern Gott für uns ist, sich als durch unsere Not, die doch unsere Schuld an ihm ist, gefragt bekennt und darauf antwortet, sozusagen selber einen Schritt ins Leere tut, nämlich den Schritt hinein in die Nichtigkeit, in die wir uns begeben haben, sich beugt vor einem Anspruch, den nicht nur er uns geschenkt [hat], indem er uns schuf, den wir auch verloren und verwirkt haben, – [und so] ein Müssen für sich in uns entdeckt, das doch nur das Müssen seiner Barmherzigkeit sein kann. So und damit wird Gott Gegenstand für uns, so und damit wird der Nächste uns Gegenstand. So und damit wird Liebe möglich und wirklich. Wir können dieses Fürunssein Gottes keinen Augenblick ausschalten, wenn wir nicht, von der Liebe redend, von einem Schemen reden wollen. Aber wie hätten wir dieses Moment verstanden, wenn wir es anders in unsere Definition einschalten wollten denn als das |355 Moment, um dessen Zugegensein wir nur beten können, weil sein Zugegensein keinen Augenblick anderswo als in ihm selbst begründet ist?

Also nur, indem wir dessen gedenken, daß die Klarheit und Wahrheit unseres Liebens im göttlichen Lieben, in unserem Geliebtwerden steht, indem wir der ganzen Unverfügbarkeit dieses entscheidenden Momentes gedenken, können wir nun fortfahren und sagen: indem wir lieben, sind wir an den Willen Gottes gebunden, ist also unser Tun als das Tun der begnadigten Sünder, die wir sind, gutes Tun. Als Augenblick der Liebe kann der Augenblick meiner Entscheidung der Augenblick göttlichen Wohlgefallens sein, der Augenblick, in dem ich das Gebot erfülle. Mein ganzes Wissen um meine Sünde, auch um mein Nicht-Lieben ist dann – nicht beseitigt, aber widerlegt durch das, was Gott von mir hält, indem er mich gesucht und gefunden, indem er mich geliebt und also zum Lieben geweckt und aufgerufen hat im Widerspruch zu meiner Sünde, im Widerspruch auch und gerade zu meinem Nicht-Lieben. Gewiß ist gerade die Liebe die Aufdeckung meiner Nicht-Liebe, aber ich würde nicht lieben, wenn es nicht eben meine widerlegte Nicht-Liebe wäre, die da aufgedeckt wird. Und alles Andere Ob: ob ich denn meinen Nächsten sehe als Gesetz Gottes, ob ich unter Autorität und in der Demut stehe, ob ich dem ganzen an mich gerichteten Anspruch gerecht werde – alle diese anderen Ob sind freilich, indem ich liebe, auch erst aufgestanden in ihrer ganzen Größe als lebendige Fragen. Mein Antworten aber auf diese Fragen ist, wenn ich liebe, das rechte, Gott wohlgefällige Antworten, und wenn – davon, daß ich liebe, auch nur einen Augenblick abgesehen – sofort Alles, vielleicht die höchste Wahrscheinlichkeit dagegen spräche. In der Liebe handle ich, wie Gott die Seinigen als Brände, die er aus dem Feuer gerissen hat [vgl. Am. 4,11], handeln sehen will. In der Liebe stimmt Alles, was sonst und an sich fraglos nicht stimmt, ist eben jener Vorbehalt des Uneigentlichen, den wir immer wieder machen mußten, aufgehoben, denn das ist ja eben der Vorbehalt, den wir freilich nicht aufheben können, der aber in der Liebe aufgehoben ist, daß Gott unserem Tun seine Teil|356nahme, seine Annahme schenken muß, damit es gutes Tun sei. Diese Teilnahme findet statt, wenn wir lieben.

Vorbehaltlos hat Paulus an berühmter Stelle von der Liebe geschrieben: «Die Liebe ist geduldig. Die Liebe ist gütig. Sie eifert nicht. Die Liebe prahlt nicht. Sie bläht sich nicht. Sie verletzt das Schickliche nicht. Sie sucht nicht das Ihre. Sie läßt sich nicht verbittern. Sie rechnet nicht mit dem Bösen. Sie freut sich nicht der Ungerechtigkeit. Sie freut sich aber der Wahrheit. Sie ist ganzes Tragen, ganzes Glauben, ganzes Hoffen, ganzes Ausharren» [1.Kor. 13,4–7]. Alles Andere hat Paulus bekanntlich sehr wohl unter den Vorbehalt gestellt: Zungenrede, Prophetie, Erkenntnis, Glauben, Gütergemeinschaft, Märtyrertod. Das alles kann der Mensch haben und tun und doch noch immer «ein tönendes Erz» und «eine klingende Schelle» [1.Kor. 13,1] sein. Das alles wird «aufgehoben», wie er in bezeichnendem Ausdruck sagt [1.Kor. 13,8.10]. Von der Liebe hat er anders geredet. Wir sehen aus Allem, was er von ihr sagt, daß er wirklich die Liebe als menschliche Tat meint, die Liebe, die im Verhältnis zum Nächsten Tat wird. Wir sehen auch aus den vielen «Nicht» in dieser Beschreibung, wie die Liebe tatsächlich einen Widerspruch bedeutet, der uns widerfährt, einen Abzug von dem, was wir eigentlich und von uns aus tun möchten. Es ist freilich auch lehrreich, daß Paulus gerade an dieser Stelle nicht etwa vom liebenden Menschen als dem Vollbringer aller dieser Dinge, sondern eben fast unpersönlich von der Liebe selber [redet]. Und eben daran hängt offenbar die Unbedingtheit, mit der er von ihrem Werke spricht: man bedenke den Schluß: «Ganzes Tragen, ganzer Glaube, ganzes Hoffen, ganzes Ausharren». Wer könnte hier das übersehen, was wir das theologische Moment im Begriff der Liebe genannt haben? Aber das hat Paulus nicht gehindert, von der Liebe als von einem Weg zu reden [1.Kor. 12,31], auf den er meint hinweisen zu können, einen Weg für Menschen, auf dem eine ganz andere Liebe wirklich da ist für sie in ihrer ganzen Lieblosigkeit, in ihrer Ganzheit für ihre Halbheit, aber doch für sie da ist – von einem Weg menschlicher Teilnahme an der göttlichen Liebe. Und sicher von dieser menschlichen, |357 an der göttlichen teilnehmenden Liebe hat er dann das Unerhörte gesagt: «Die Liebe höret nimmer auf» [1.Kor. 13,8]. Unsere Liebe hört freilich auf. Aber teilnehmend an der Liebe Gottes hört auch sie nimmer auf. Es hat seinen Grund, daß Paulus gerade an dieser Stelle auf die Beschränktheit des menschlichen Erkennens zu sprechen gekommen ist. Wir stehen, gerade wenn wir das Geheimnis der Liebe und also der Erfüllung des Gebotes trotz und in unserer sündigen Menschlichkeit bedenken, vor dem Vollkommenen, das wir als solches nur als kommend, als zukünftige Gegenwart verstehen können. Wir erkennen es «bruchstückweise» (ἐκ μέρους –1.Kor. 13,12). Es ist ein «unbegreiflicher Weg», auf den wir da gestellt sind. Die Unmöglichkeit, die Liebe anders zu denken, anders zu sagen, als indem wir sie als das Tun bezeichnen, in dem wir selber geliebt sind, erinnert uns an die Schranke, in der wir am Vollkommenen jetzt und hier teilnehmen. Es gibt aber innerhalb dieser Schranke ein volles, wirkliches Teilnehmen am Vollkommenen. Es gibt ein Tun des Guten. Gott gibt es. «Die Liebe höret nimmer auf.» «Und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm» [1.Joh. 4,16]. Und darum stellt Paulus schließlich den Glauben und die Hoffnung neben die Liebe als neben ihr Zentrum [1.Kor. 13,13]. In der Liebe bekommen und haben sie, bekommen als Glaubende und Hoffende wir selbst den Gegenstand, dessen wir bedürfen. Weil der Glaube glaubt, daß wir geliebt sind, darum rechtfertigt er. Darum hängt der Mensch im Glauben an Gott selber und wird leben, ob er gleich stürbe [vgl. Joh. 11,25]. Weil die Hoffnung das Kommende ergreift als Gegenwärtiges, darum läßt sie nicht zuschanden werden [vgl. Röm. 5,5], darum hängt der Mensch in der Hoffnung an Gott selber und wird leben, ob er gleich stürbe. Aber die Liebe ist die größte unter ihnen. Man kann vom Glauben und von der Hoffnung nicht sagen, daß sie Gott selber sind. Man kann und muß aber sagen, daß Gott die Liebe ist [vgl. 1.Joh. 4,8. 16].

5

Sachfußnoten

1
Original: «… zu sein? – eben diese Frage als». Die störende Wiederholung wurde vom Hrsg. gestrichen.↩
2
Vgl. Bd. I, S. 423ff. 📖 ↩
3
Vgl. M. Luthers Auslegung des 1. Gebotes im Grossen Katechismus von 1529, WA 30, 1, 132-133 📖 (= BSLK 560, 13ff. 📖).↩
4
J. W. Goethe, Torquato Tasso (1787–1789) 📖, 5. Aufzug, 5. Auftritt.↩
5
5 Original: «er». Änderung vom Hrsg.↩