31. Dezember 1930 – 1. Januar 1931

Charlotte von Kirschbaum und Karl Barth an Eduard Thurneysen

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Lieber Eduard,

hier zwei weitere Seminarprotokolle. Du kannst die sieben ersten Blätter vorne einheften.

Ich danke Euch beiden für den Blumhardtkalender1 und grüße Euch mit den herzlichsten Wünschen für den Übergang ins neue Jahr. — Morgen fahre ich für drei Tage nach Bethel. — Karl sitzt am Anselm 📖 und läßt sich nur durch Euer Revolutionsbuch gelegendich in der Arbeit unterbrechen. Er liest es mit brennendem Interesse.

Herzlichst
Eure
Lollo

Wir hatten gute ruhige Weihnachtstage.

[Nachschrift von Barth:]

Lieber Eduard! Ich danke dir vorläufig sehr für das Buch, das mich zwischen dem quo majus cogitari nequit2 heftig beschäftigt. Hätten wir |86 eigentlich damals der Welt bessere Vorschläge zu machen gewußt? — Möchte es dir in diesen Tagen gut gegangen sein und möchtest du nun etwas Ruhe haben. De hesch’s verdient, Edi!3

Dein
Karl

Sachfußnoten

1
Der Blumhardt-Kalender der Kreuzritter für das Jahr 1931 📖 war ein auf einem Karton befestigter, zum Aufhängen oder Aufstellen bestimmter Abreißkalender (grün mit Goldschrift) im Format 6,4 x 10,5 cm, der für jeden Sonn- und Feiertag ein Zitat aus dem Werk der beiden Blumhardt, aber auch anderer Theologen, bot. Der Kalender erschien seit 1929 bis 1968 jährlich im Verlag Peter Müller (München) und wurde bis 1948 herausgegeben von Merz’ Freund Alo Münch (bzw. 1929–1933 von der «Kreuzritterbewegung», als deren «Geschäftsstelle» Münch fungierte); eine Schweizer Ausgabe des Kalenders läßt sich erst ab 1939 nachweisen. Ch. von Kirschbaums Kalender, die sie über mehrere Jahre von Thurneysens geschenkt bekam, sind nicht erhalten; Exemplare im Blumhardt-Archiv (Württembergische Landesbibliothek Stuttgart) (briefliche Auskünfte über den Blumhardt-Kalender von Dr. E. Zwinck, Direktor der Württembergischen Landesbibliothek, vom 23.7. und 27.8.1998).↩
2
«Et quidem credimus te esse aliquid quo nihil maius cogitari possit», Umschreibung des Gottesbegriffs in: Anselm von Canterbury, Proslogion, in: S. Anselmi Cantuariensis archiepiscopi opera omnia, ed. Fr. S. Schmitt, Vol. I, Seccovii 1938, S. 101, Z. 15f. 📖; vgl. K. Barth, Fides quaerens intellectum, a.a.O. (S. 14, Anm. 23), S. 126. 📖 — Das genannte Buch, offenbar historischen Inhalts, ließ sich nicht ermitteln.↩
3
Vgl. oben S. 44, Anm. 4.↩