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7. April 1932
Also Hansli Buur hat wieder einmal das Maul verrissen wider die reine Lehre, und zwar auf eigentlich ziemlich gemeine Weise, bedenke |221 z. B. das «gegen Bezahlung» Vorschicken «Bileams».1 Und nun steht heute morgen erst noch der beiliegende Artikel von Thalmann in der Nationalzeitung, der zweifellos neben dem fatalen Diktum Emils, auf das er sich ausdrücklich bezieht, auch noch auf den durch Hansli Buur gebrandmarkten Münsterpfarrer Bezug nimmt.2 Mir ist natürlich die Wahlsituation3, um die es da geht, gleichgültig, aber nicht ganz wurst kann es mir schließlich sein, daß Thalmann Präsident der Kuratel4 ist |222 und als solcher eine ganz bestimmte Kulturpolitik treibt auch in Hinsicht auf theologische Berufungen und die ganze Haltung der Universität der Theologie gegenüber. Wenn unsereiner da einfach als schwarzes Schaf dasteht, und zwar dunkelster Färbung, so wirkt sich das unter Umständen wieder einmal so aus, wie es etwa Heiner erfahren mußte. Ich gedenke daher einmal bei Thalmann selber einen Schritt zu tun und mich zu verwahren gegen die Darstellung Hansli Buurs, aus der Thalmann sicher mich einzig kennt. Fatal ist dabei nur, daß der Ausspruch Emils offenbar gefallen sein muß und natürlich auf unsere Rechnung kommt. Der Dubel von Pressemüller5 hat dummerweise dafür gesorgt, daß dieses Diktum Emils urbi et orbi bekannt gegeben wurde. Überhaupt zeitigt die Wahlsituation fatale Dinge. Denn die Inanspruchnahme der Kirche durch die Basler Nachrichten6 zwecks Stimmenfang bei den ordligen7 Kirchgängern für die liberale Liste ist natürlich kein Haar besser als der Reformlerschreck, den Thalmann beschwört8.
223Du hast also unterdessen wieder einen stattlichen Turm errichtet, der nun in Berlin vorgeführt werden wird.9 Sicher eine ganz ausgezeichnete Sache, nach der einem der Mund wäßrig wird. Laß sie mir bald zugehen! Ich freue mich, durch Ruedis dann sogleich authentischen Bericht zu erhalten über die Berliner Schlacht.10 Gertys Notizbuch wird ja sicher mitreisen und in der bekannten guten Weise alles wieder erstehen lassen. Gute Reise! Nur Ferien hast du und Lollo auf diese Weise wieder einmal nicht gehabt.11 Karl, wohin führt dieser rasante, atemlose Lauf von einem zum anderen? Denn jetzt kommt ja dann sofort wieder das Semester. Wir begleiten euch mit aller Anteilnahme von weitem und doch wieder nahe, so gut es uns gegeben ist. Marguerite denkt besonders besorgt an Lollos durchscheinende Gestalt. Denk, vorgestern war Cordier einen Abend lang unser Gast. Er reiste in den Süden und wollte allerlei besprechen. Er berichtete allerhand von Halle und den Dingen um Dehn, die nach seiner Meinung nicht sehr gut stehen. Die Fakultät hat sich scheints nun die Akten aus Magdeburg geben lassen über jene ernsten Vorfälle, aus denen alles herauswuchs. Und offenbar muß da Dehn wirklich irgendetwas Ungeschicktes von «Mördern» gesagt haben, das nicht bestritten werden kann und das nun allerdings sehr nachträglich den auf alles Bedenkliche und Zweideutige natürlich sehr erpichten Hallensern sehr erwünscht sein muß.12
224Ruedi danken wir vielmal für seine heutige Sendung von ausgezeichneten Bildern! Und für den Brief.13 Wir kommen also mit Freuden spätestens am Samstag nächster Woche. Ich kann über zwei Sonntage bleiben. Von Emil höre ich nachträglich, daß er wieder nach Wildungen gefahren ist wegen seinen Steinen. Sie wollen scheints nicht weichen. Und wenn Wildungen nichts bewirkt, muß er sich operieren lassen. Der arme Kerl muß scheußliche Schmerzen ausstehen bei jeder solchen Kolik.
Und nun herzliche Grüße! Wann sehen wir uns wieder? Im Sommer
doch sicher, nicht?