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6. Oktober 1932 [Poststempel Koblenz]
Ein Gruß aus der so ganz anderen Welt, in der ich jetzt wieder untergetaucht bin. Szene: ein trostloser Saal mit Säulen an der Regierungsstraße in Koblenz. Ein abnormal breiter grüner Tisch, neben mir H. E. Weber1, der eben Philosophie prüft, weiterhin Pfennigsdorf2 und der General-Superintendent Stoltenhoff3. Gegenüber fünf mehr oder weniger begabte Jünglinge. Eben ist ein Grisebachianer an der Reihe und beweist, daß er von Kant nichts versteht. Gestern ist einer durchgefallen, der die Würde eines nationalsozialistischen «Kulturdezernenten für den Kreis Mörs» bekleidet!4 So fehlt es auch hier nicht an allerhand |292 Blendwerk und Illusionen. Dagegen hat einer meiner Seminarsenioren mit «vorzüglich» bestanden, und ein anderer ist auf bestem Wege.5 So daß es mir an Freude auch nicht fehlt. Übrigens empfehle ich dir den Film «Der träumende Mund
📖»6, den ich hier gesehen. L. Christ hat mir Akten zur Gesangbuchrevision geschickt.7 Ob ich dazu komme, mich eingehend damit zu beschäftigen? Behalte diese Sache doch ja im Auge! Mir scheint, man könne hier nicht aufmerksam und grundsätzlich genug sein. Wenn du Georg siehst, so versäume doch ja nicht, ihn zu mahnen, daß er seinen Heimweg über Bonn nehme.8 [Die Prüfung ist unterdessen zu Fichte weitergeschritten.]9
Grüße Marguerite! Es grüßt dich
(bis 12. Okt. 1932: Koblenzer Hof, Koblenz)