23. Dezember 1932

Eduard Thurneysen an Charlotte von Kirschbaum

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Liebe Lollo,

Eben ist der Brief an Karl beendigt. Aber er soll nicht abgehen ohne ein Wort an dich. Ich bin dir so dankbar für deinen Nachrichtendienst! |318 Du tust mir damit so Gutes! Dein ausführlicher Brief über den ersten Brunnerabend und mit all seinen sonstigen Mitteilungen sei dir besonders gedankt! Wenn, ja wenn es dir wirklich möglich wäre, mir weiteres dergleichen zukommen zu lassen, wäre ich dafür, das weißt du ja, immer neu empfänglich! Vor allem: Könntest du mir möglichst bald die Notizen zukommen lassen über eure Besprechung von Gogartens 1. Kapitel? Ich würde dich nicht darum bitten, wenn du sie nicht selber in Aussicht gestellt hättest und wenn ich nicht Mitte Januar über dieses Kapitel selber zu sprechen hätte in Heiners Vereinigung. Auch die homiletischen Notizen interessieren mich natürlich brennend. Aber ich möchte dir nicht besondere Mühe machen und will gerne warten.

Was hierseits geht, erfährst du aus dem Brief an Karl. Wir gedenken Euer herzlich und nicht nur hinsichtlich eures theologischen Arbeitens. Möchte ein guter Stern über euch stehen in diesen Tagen! Wir kommen durch. Manchmal denke ich: es sei weithin ein Gehen an Ort und kein Vorwärtslaufen. Aber vielleicht ist es das verborgenerweise doch auch. Basel ist ja nicht gerade der Ort, wo man leicht ausschreitet. Man muß froh sein, wenn man inmitten des allgemeinen Gestrüpps und Verhängtseins, das diese Mittelstadt1 auszeichnet, nicht einfach nur steckenbleibt und sich daran erst noch2 gewöhnt. Da sorgt Eure Arbeit mehr als alles Andere für die frische Luft. Die Dogmatik 📖 vor anderem! Du ersiehst auch da aus dem Brief an Karl, was sie mir zu bedeuten scheint. Ich gedenke beim Lesen wahrhaftig auch immer neu deiner Arbeit, ohne die sie nicht so da wäre, wie es nun geschehen ist.

Wir grüßen dich beide, Marguerite und ich, von Herzen und in Treuen
Dein
Eduard