28. Dezember 1932

Charlotte von Kirschbaum an Eduard Thurneysen

336
Lieber Eduard,

hier hast du das Referat über Gogarten1, das ich heute in großer Eile abschrieb und von dem ich dabei doch neuerdings den Eindruck hatte, daß da viele erhellende Dinge gesagt werden, die vielleicht, trotz der manchmal etwas schwer zu ertragenden sprachlichen Umständlichkeit, auch dir nicht unwichtig sind. — Für deine lieben Zeilen danke ich dir. Ich bin ja so froh, wenn ich dann und wann, wenigstens «vermittelnd», dir auch ein wenig helfen kann und darf. — Unsere Weihnachtstage verliefen ohne besondere Ereignisse, und die Anwesenheit einiger einsamer Studenten sowie die von Erica Küppers hat hilfreich die Familien-Situation erweitert. — Karl genießt die Ferien, reitet, schläft, schreibt Briefe und liest Rousseau. — In diesen Tagen geht an dich die ziemlich umfangreiche Korrespondenz mit München ab, die zu lesen fast eine Zumutung ist.

Grüße Marguerite bitte sehr herzlich und danke ihr für den Blumhardt-Kalender2, über den als solchen und als Gruß von ihr ich mich freute.

337Ich wünsche Euch beiden ein gutes Jahr und grüße Euch von Herzen.
Eure
Lollo

Den Brief von Eichholz bitte zurück.

Sachfußnoten

1
Referat von Georg Eichholz über das 1. Kapitel von Gogartens Ethik 📖. Eichholz hatte es am 27.12.1932 mit einem Begleitbrief an Karl Barth geschickt. Vgl. oben S. 305, Anm. 8.↩
2
Blumhardt-Kalender der Kreuzritter für das Jahr 1933, zsgest. und hrsg. von Alo Münch, München [1932] 📖; s. oben S. 85, Anm. 1.↩