21. August 1933

Eduard Thurneysen an Charlotte von Kirschbaum

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Liebe Lollo,

hier das Gewünschte! Ich wollte es euch mit anderem bei Euerm Kommen zurückgeben. Nun lege ich noch ein paar andere Dokumente, die ich von euch hatte, bei. Den Rest kann ich dir dann am Mittwoch geben1, er würde das Couvert zu sehr belasten. Von mir liegt bei die Kopie eines Kleinen Briefes, den ich dieser Tage an Heiner schrieb.2 |482 Heiners selbst kommen erst Donnerstag dieser Woche nach Basel zurück, so daß es euch also nicht belasten muß, in Basel anzukehren, ohne sie zu sehen. Wir freuen uns ganz mächtig auf Euer Kommen am Mittwoch. Eingeladen, Karl zu sehen, habe ich erst Hartenstein und Koechlin. Die Anderen, die uns dann vielleicht noch erwünscht scheinen, können wir am Tage selber herzurufen. Kommt, so bald es euch am Vormittag möglich ist. Ich bin ganz frei. Wenigstens hat sich bisher noch nichts gezeigt. Herzlich!

dein
Eduard

Sachfußnoten

1
Am Mittwoch, dem 23.8.1933 besuchten Barth und Ch. von Kirschbaum Thurneysens in Basel.↩
2
In seinem Brief vom 18.8.1933 (Durchschlag im Karl Barth-Archiv), einer Antwort auf einen nicht erhaltenen Brief H. Barths, wehrte Thurneysen sich gegen dessen Vorwürfe wegen seiner Haltung und seines Auftretens in der Philosophisch-theologischen Vereinigung. Ihm, Thurneysen, ständen zwar sicherlich «nicht die ausgebreiteten Kenntnisse zur Verfügung, die erlaubt hätten, die Diskussion auch von meiner Seite auf der wissenschaftlichen Höhe zu halten, die auch mir als das Ziel unserer Vereinigung vor Augen steht», er habe auch sicher «hin und wieder ungeschützte Formulierungen gebraucht»; er könne aber nicht zugeben, «daß ich deine Lebensarbeit irgend-einmal auch nur ‹ein wenig› ‹mißhandelt› hätte … daß hinter meiner Frage, meinem Anliegen nur ‹katastrophales Unverständnis›, Unbildung …, daß hinter meinen Einwänden einfach ‹zu wenig sachliches Verständnis›, ‹stumpfe Ablehnung›, ‹kein Prüfen›, ‹Unterschiebungen› und hinter diesen ‹offenbar das Bedürfnis, die Verkehrtheit des Partners und die Überlegenheit des theologischen Satzes in die Augen springen zu lassen› stehe.» Seine Einwände seien «bei aller du liebe Zeit ohne weiteres zuzugebenden Beschränktheit meiner ‹individuellen Intellektualität› sachlich gemeint» gewesen. Doch angesichts von H. Barths Erbitterung sei er ratlos und frage diesen, ob es nicht besser sei, wenn er sich «wenigstens auf Zeit vom Gespräch zurückziehe».↩