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19. September 1933
Ich kann dir melden, daß die Sache mit der Münchner Reise nun meinerseits doch so geordnet werden konnte, daß es bei der Abreise Freitag 29. Sept. bleiben kann. Ich habe mich für diesen darauf folgenden Sonntag frei gemacht, so daß ich ungesorgt1 mit euch fahren kann. Und du nicht meinetwegen deinen Aufenthalt in Bern2 frühzeitig abbrechen mußt. Hier ein paar Briefe. Den von dem Studenten in Leysin deshalb, weil ich denke, du werdest vielleicht doch auch bereit sein, Lempp die Weisung zu geben, er möge auf dein Konto einiges Wesentliche von deinen Büchern dort hinauf schicken3, es wäre sicher angebracht. Ich habe es mit meinen Büchern wenigstens so gehalten. Die Briefkopie an Jacobi nur zur Einsicht, Jacobi hat gerade heute deswegen an mich geschrieben.4 Der welsche Brief zeigt dir, wie gut wir augen|498blicklich im Westen aufgenommen sind. Ich habe Maury bereits geschrieben, du seiest in Bern und er möge sich mit dir direkt in Verbindung setzen, über den Sonntag freilich seiest du abwesend.5 Wie geht es dir wohl in Bern? Hast du allerhand gute Zusammenkünfte mit den Dortigen? Eine gute Bettagspredigt gehört? Denk, bei mir hat es sich ereignet, daß bei einer Abendpredigt im Margarethenkirchlein6 ein irgendwie etwas Aufgeregter nach zu Ende gegangener Predigt von der Empore herunter das Wort ergriff, und zwar durchaus nur, um zu bekräftigen, ich habe das Wahre gesagt, und er habe es nun wirklich gehört, daß die Sünden vergeben werden, und es möchten doch alle Anwesenden das auch gehört haben. Und ich möge entschuldigen, daß er sich herausgenommen habe, das herauszurufen, aber er sei dazu getrieben. Ich konnte ihm nur von der Kanzel herunter zunicken. Die Leute in der Kirche aber versicherten mir nachher, es habe für sie die Wirkung gehabt, daß die ganze Predigtsituation für sie durch dieses unerwartete Zeugnis dieses «Getroffenen» in merkwürdiger Weise in den Ernstfall hinaufgehoben worden sei. Der Gottesdienst ging dann in einer gewissen Bewegtheit zu Ende. Dagegen hat mein Kollege Täschler nichts Gescheiteres zu predigen gewußt vor ganz vollem Münster als: Text: Halte, was du hast, daß niemand deine Krone … [Apk. 3,11]; Ausführung: das dreifache Diadem der Mutter Helvetia, 1.: wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern 2. Wir wollen frei sein, wie die Väter waren 3. Wir wollen trauen auf den höchsten Gott, also recht und schlecht nach Wilhelm Tell7! Was doch alles in der Kirche passiert! Wie geht es wohl Peter?8 Sollte er in Bern sein, so lasse ich ihn vielmal grüßen, ebenso natürlich Frau Professor. Heute habe ich zwei Vorträge von Karl |499 Heim gehört über theolgische Probleme der Gegenwart9, recht und schlecht in seinem Stil und Gang, aber mit erfreulich deutlicher und richtig sofort dem Protest unter den Schwaben rufender Abgrenzung gegen das moderne Heidentum der Deutschen Christen. Hartenstein ist wieder einmal nach Stuttgart gerufen worden, weil der Wurm10 scheints nun doch dem Arierparagraph und ähnlichen Torheiten widerstehen will für seine Kirche11 und dazu alle seine Mannen um sich ruft.12 Sei herzlich gegrüßt!