12. September 1933

Eduard Thurneysen an Karl Barth

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Lieber Karl,

Hier das angekündigte Heft aus Bethel.1 Findest Du nicht auch, daß die darin versuchte Arbeit der Besinnung und Abklärung in wirklich |492 guter Weise verläuft? Du wirst vielleicht sagen: Es sei zu spät für alle diese Dinge. Aber kann man das wirklich wissen? Auf alle Fälle mußt Du die Stimme dieser Schwankenden und Schwachen doch auch wieder nicht unterschätzen. Sie erhebt sich immerhin noch und sagt einiges von dem, was man ja wirklich längst gerne von ihnen gehört hätte. Mag es mit ihren verpaßten Gelegenheiten stehen, wie es nun einmal steht, sie werden, wenn sie in dieser Richtung weiter arbeiten, doch sicher auch mit zu den hoffnungsvollen Punkten in der so verwüsteten deutschen Kirchenlandschaft gehören.

Karl, ich habe mir in diesen letzten Tagen alles, alles immer von neuem durch den Kopf gehen lassen, wirklich fast Tag und Nacht. Das Eine ist mir ganz klar geblieben: Daß ich für mich von keiner anderen Linie etwas wissen möchte als von der, die Du jetzt in Deutschland mit allem Einsatz halten mußt. Aber ich möchte noch etwas dazu sagen. Ist es nicht wirklich von existentieller Bedeutung, daß Du als Nichtdeutscher mit einer Rückzugslinie im Rücken, wie sie die Anderen nicht haben, mit einem bei den Anderen natürlich so nicht vorkommenden Nichtverwurzeltsein im Schicksalsboden des deutschen Volkes, daß Du also mit einem Wort wirklich als Schweizer unter die Deutschen gestellt bist? Du wirst mir nicht zutrauen, daß ich daraus eine metaphysische Lehre mache, welche das Nicht-auf-Dich-Hörenwollen der deutschen Theologen begreiflich machen oder gar irgendwie rechtfertigen könnte. Das sicher nicht! Ich meine es vielmehr ganz positiv so: Ich bin sehr tief davon überzeugt als von einer wirklichen «Führung»2, daß du gerade als Schweizer mitten im deutschen Kirchenland drin diese Deine Linie halten mußt allen Anderen gegenüber. Denn, das haben mir die Gespräche in diesen Wochen sehr klar gemacht, es ist den deutschen Theologen offenbar im Augenblick schlechthin unmöglich, diese Linie ihrerseits heute zu halten. Sie können es nicht. Es ist ihnen wie verwehrt. Sie könnten aber — und daran hängt der Sinn deiner Arbeit und Sendung — sie könnten auf Dich hören, und sie müßten Dich aushalten als den ihnen nun in dieser Sache gesetzten «Lehrer». Aber Karl, und das möchte ich nun weiter sagen: Solltest Du sie nicht auch Deinerseits nun trotz allem einfach aushalten, diese deutschen Theologen, als Deine wirklich widerstrebenden «Schüler»? Du hast in der Ethik dieses Wi|493derstreben, dieses Sich-nicht-Dreinredenlassen als den eigentlichen Sinn des «Lehrer-Schülerseins» erläutert.3 Also laß es nun doch konkret gelten. Es ist mir ganz sicher geworden, daß Du in Deutschland ausharren mußt bis zu der Grenze, wo die mögliche «Disziplinwidrigkeit» der «Schüler» Dich realiter zum Schweigen und vielleicht zum Abzug nötigt.

Karl, ich möchte Dir von da aus noch ein Wort sagen zu Deiner, wie soll ich’s nennen, «Personalpolitik». Ich muß es tun, weil da auch in mir ein Bedenken sich regt, das ein gewisses Gewicht hat. Ich glaube, ich weiß ein wenig, wie es bei Dir ist, wie jedesmal dann, wenn Du einem solchen durchaus widerstrebenden «Ketzer» begegnest, ganz elementar in Dir drin eine Türe zugeht und Du kaum mehr anders kannst als davonlaufen und das Gespräch dahinfallen zu lassen. Aber bedenke doch das Dransein dieser Anderen! Sie können wirklich — ich sehe es ganz von nahem und deutlich an Hartenstein — sie können nicht einfach hören. Ist das nun jedesmal der schon eingetretene Fall endgültiger Verstockung, die nur noch mit dem Abbruch des Gesprächs beantwortet werden darf? Mir ist auf der anderen Seite ebenfalls ganz deutlich sichtbar — ich weiß, daß ich es darin sehr viel leichter habe als Du —, daß die Ketzer auf ihrer Seite und in ihrer Weise nicht weniger darunter leiden, mit Dir nicht in eins zu kommen, Deine von Dir mit einem letzten Geltungsanspruch notwendigerweise gehaltene Linie ihrerseits nicht wirklich als die eigene sehen zu können. Laß sie also nicht einfach fallen! Rede nichts Anderes zu ihnen, aber (sollte es nicht doch möglich sein?) rede es, wenn Du kannst, ein klein wenig geduldiger zu ihnen. So daß sie merken, daß Du ihr inneres und äußeres Dransein wahrhaftig auch ein wenig siehst. Das glauben sie Dir nämlich einfach nicht. Du mußt nicht über «Johannes» spotten, Karl, es hängt daran meiner Einsicht nach ungeheuer viel, vielleicht eigentlich Entscheidendes. Du sollst nicht Jona unter dem Ricinus [Jona 4] sein, sogar nicht den heillosen Deutschen Christen gegenüber. Du denkst nun, ich komme eben von einem solchen her und sei vielleicht so ein wenig von ihm gewickelt worden. Ja, es ist wahr, ich habe mit Gogarten ein Gespräch gehabt, aber weiß Gott, was ich da schreibe, das ist schon vorher in mir drin gewesen. Übrigens war ich mit Gogarten nur ganz kurz zusammen. Das |494 Gespräch ging sofort los und war sachlich sehr schwierig, schwierig auch darum, weil auch Gogarten seine «Gertrud»4 (sie heißt zwar anders) bei sich hatte. Und du sollst ja nicht glauben, daß ich nicht mit dem mir wahrhaftig gebotenen tiefsten Mißtrauen an ihn herangegangen bin und wahrhaftig auch nachher mich keineswegs etwa mit ihm «verständigt» wußte. Aber eines ist mir sehr eindrücklich geworden, viel eindrücklicher als bei Hartenstein, das nämlich, daß Gogarten sich in seiner Lage5 nichts weniger als siegreich und um Auswege wissend und den Aufbruch der Nation begrüßend und bejahend dargestellt hat, sondern ganz und gar bedrängt und bedrückt, elend und vor allem einsam sich dran weiß, nicht weniger, als Du es auf Deiner Seite oft genug sein mußt. Meinst Du nicht, das habe, ich möchte fast zu sagen wagen, wirklich auch seine «theologische» Bedeutung? Du hast ihn persönlich ja nie «angenommen», wie man so sagt, aber das ist auf seiner Seite wirklich anders. Es war ganz klar im Gespräch über diese Seite der Sa|495che, daß er richtig Verlangen darnach hätte, gerade mit Dir (Du mußt nicht lachen) den Kontakt nicht ganz abreißen zu lassen, sich trotz aller Differenzen irgendwie mit Dir in einer Nähe zu wissen. Auch für ihn gilt, daß er den eigentlichen Dissensus zwischen Dir und sich einfach nicht richtig sieht. Darüber wird das Gespräch, wirklich das Gespräch noch weiter gehen müsse. Ja, es muß wirklich weiter gehen! Es wäre ein Unglück, wirklich ein Unglück weittragender Art, wenn es irgendwie abrisse. Wenn die Türen zwischen Dir und den Anderen endgültig zugehen müssen, dann wird das sich doch noch klarer zeigen, als es heute der Fall ist. Ich persönlich könnte die Verantwortung dafür heute noch nicht übernehmen.

Ich bin heilfroh, daß wir uns noch einmal sehen. Sollte es nicht sogar irgendwie möglich gemacht werden, daß wir uns an dem schönen uns bevorstehenden Männerabend in Bubendorf6 noch einen Augenblick ohne Lukas und Eberhard und Hächler7 und Konsorten sehen könnten? Wenn ich sicher wüßte, daß Ihr am Donnerstag abend schon vor dem Nachtessen in Bubendorf eintrefft, so würde ich sehen, ein wenig vor den anderen Gästen dort einzutreffen. Auch die schöne Reise nach München, die uns also bevorstehen soll, freut mich natürlich.8 Ich hoffe wirklich, es möglich zu machen mitzukommen.

496 Mit Heiner war das Zusammensein nach dem Berglisonntag9 darum zunächst gar nicht gut, weil er mit der runden Erklärung hervortrat, er habe sich mit Dir restlos verständigt. Mit Dir sei das eine leichte Sache gewesen, und es könne nur an mir und nicht an der Sache selber liegen, wenn es zwischen mir und ihm nicht so leicht gehe. Das habe ich mir so nicht sagen lassen. Aber die Vereinigung soll also weiter laufen, und |497 Heiner hat als nächstes im Sinn, nun einmal unseren Freund Emil aus Zürich über die Humanität und die Offenbarung reden zu lassen. Ich habe zugestimmt, obgleich ich befürchten muß, daß es auch da nicht ein Friedens-, sondern eher wieder ein Streitgespräch absetzen wird. Schluß!

Sei mit Lollo, mit Ruedis herzlich gegrüßt
Dein
Eduard

in Eile!

Den Brief an Georg, dessen Abschrift beiliegt10, habe ich der Kürze halber nun ohne Euer ausdrückliches Plazet bereits abgehen lassen.

Sachfußnoten

1
Entwurf des Betheler Bekenntnisses vom 26.8.1933 (bis 1959 unveröffentlicht); vgl. dazu D. Bonhoeffer, a.a.O., S. 77–119 📖 (Abdruck des Bekenntnistextes dort S. 91–119) und S. 126–137 (Briefwechsel zwischen Barth und Bonhoeffer über das Betheler Bekenntnis); Scholder I, S. 579–582 📖. — Über die Vorbereitungen hatte Barth bereits aus einem Brief G. Merz’ erfahren, den dieser am 7.8.1933, zwei Tage nach dem ersten konstituierenden Treffen zwischen Merz, Bodelschwingh und Bonhoeffer, geschrieben hatte: «Bodelschwingh hat offenbar Deine Broschüre gründlich gelesen. Wir haben mit ihm unterdessen einige gute theologische Sitzungen gehabt. Auch Bonhoefler war von dem Gespräch mit ihm sehr angetan und kommt nächste Woche einige Tage hierher, um voraussichtlich mit Sasse gemeinsam — als sein Gast bestimmte theologische Vorarbeiten zu erledigen [Texterarbeitung mit Bonhoeffer, Merz, Sasse und Stratenwerth 15.8.-23./25.8.1933]. Er wird Dir dann wohl das Bearbeitete vorlegen, um wenigstens zu erfahren, ob es theologisch richtig ist, wenn er auch fürchtet, daß Du die Bedenken der reformierten Theologen gegen das lutherische Bekenntnis geltend machen mußt.» Tatsächlich schaltete Bodelschwingh Barth vorläufig noch nicht ein (vgl. Chr.-R. Müller, a.a.O., S. 18–20 📖). Am 15.9.1933 antwortete Bodelschwingh auf einen Brief Barths an ihn (vom 13.9.1933): «Haben Sie herzlichen Dank, daß Sie so gütig sein wollen, uns Ihre Gedanken zu der hier entstandenen Arbeit auszusprechen. Die Brüder, die dabei mithalfen, sind inzwischen selbst zu der Überzeugung gekommen, daß ein so schneller Abschluß, wie sie ursprünglich gehofft hatten, nicht möglich sei. Man wird darum erst Anfang nächsten Monats eine zweite Beratung vornehmen können.» Barths Beitrag werde dann erst nötig sein (Abdruck dieses Briefwechsels zwischen Bodelschwingh und Barth in: Chr.-R. Müller, a.a.O., S. 199f.; Liste der Gutachter dort S. 194). Vgl. unten S. 514, Anm. 7; Abdruck der Endfassung des Bekenntnisses unter dem Titel «Das Bekenntnis der Väter und die bekennende Gemeinde» in: Schmidt 1933, S. 105–131 📖 (der auf Vischer zurückgehende Abschnitt über «Die Kirche und die Juden» [dort S. 127f.] wurde hier nochmals gekürzt und verändert). Vgl. auch E. Bethge, Dietrich Bonhoeffer, a.a.O. (S. 197, Anm. 7), S. 353–356 📖; E. Busch, Unter dem Bogen des einen Bundes. Karl Barth und die Juden 1933-1945, Neukirchen-Vluyn 1996, S. 50–61 📖; Lichtenfeld, S. 327–409 📖, der in seiner Darstellung bisher unberücksichtigte Dokumente heranzieht.↩
2
Zentraler Begriff aus dem Wortschatz der Oxforder Gruppenbewegung; vgl. oben S. 271, Anm. 8.↩
3
Siehe Ethik II, S. 190–212. 📖 ↩
4
Anspielung auf H. Barths Frau, vgl. Anm. 9. — Margarete Gogarten, geb. Kirchhoff (1895–1965), seit 1918 mit Fr. Gogarten verheiratet.↩
5
Gogarten war in der zweiten Augustwoche zusammen mit einigen jüngeren Pfarrern und Kirchenjuristen in Schlesien der Glaubensbewegung Deutsche Christen beigetreten (Abdruck des Rundbriefes dieses Kreises um Gogarten an ausgewählte Amtsbrüder mit der Aufforderung zum Beitritt in: E. Hornig, Die Bekennende Kirche in Schlesien 1933-1945. Geschichte und Dokumente [AGK Erg. 10], Göttingen 1977, S. 78f. 📖). Er erhielt jedoch keine Mitgliedskarte, möglicherweise deshalb, weil über das von ihm geforderte Mitspracherecht in der DC-Leitung keine Einigung erzielt werden konnte. Eine vorgedruckte Postkarte mit Briefkopf von J. Hossenfelder (ohne Datum, Poststempel 13.8.1933) enthält die Mitteilung über den Beginn seiner Mitgliedschaft am 1.8.1933 (Datum der einzige handschriftliche Vermerk). Auf dieser Karte notierte Gogarten «Am 26.11.1933 abgemeldet» (Original im Nachlaß Gogarten). Bereits am 17.11.1933 distanzierte er sich, veranlaßt durch die Entschließung auf der Sportpalastkundgebung vom 13.11. (s. unten S. 539, Anm. 3), mit der «Erklärung Breslauer Geistlicher. Zur Klärung der kirchlichen Lage» zusammen mit anderen offiziell von der Glaubensbewegung (Abdruck der Erklärung in: Hornig, a.a.O., S. 85f. [dort Datierung auf den 18.11.]; Schmidt 1933, S. 79f. 📖). Vgl. auch K.-W. Thyssen, Begegnung und Verantwortung. Der Weg der Theologie Friedrich Gogartens von den Anfängen bis zum Zweiten Weltkrieg (Hermeneutische Untersuchungen zur Theologie 12), Tübingen 1970, S. 220–226 📖, nach dessen Darstellung es jedoch wegen der von Gogarten gestellten «Bedingung …, dass ihm eine Zusatzerklärung zur Begründung seines Schrittes gestattet würde», zu «seiner Aufnahme in diese Bewegung … allerdings nie gekommen» sein soll (a.a.O., S. 220f.; ähnlich auch E. Hornig, a.a.O., S. 79, Anm. 2). Die Angaben für die oben gegebene Darstellung verdanke ich Dozent und Pfr. i.R. H. G. Göckeritz. Vgl. auch oben S. 483, Anm. 2.↩
6
Die Tage vom 13. bis 15.9.1933 verbrachte Barth bei seinem Schüler R. Eberhard in Bubendorf. Geplant war neben einem ausgiebigen Ausritt am 14.9. ein Abend mit Thurneysen, L. Christ und W. Hächler (den Besuch betreffende Briefe Eberhards [vom 17. und 30.8.1933] und Barths [vom 20.8. und 6.9.1933] im Karl Barth-Archiv).↩
7
Walter Hächler (geb. 1898, am 3.9.1963 verschollen erklärt auf den 8.8.1954), Student bei Barth in Göttingen, nach Pfarrämtern in Siebenbürgen und Venezuela 1932–1943 Pfarrer in Kilchberg, 1943–1951 in Oberwil (beide Kanton Basel-Landschaft), 1952 krankheitshalber zurückgetreten (H. Schäfer / Fr. LaRoche, Basilea reformata. Teil II: Die Gemeinden und Spezialpfarrämter der Evangelisch-reformierten Kirchen Basel-Stadt und Basel-Landschaft und ihre Pfarrer in den Jahren 1929-1978, Liestal 1979, S. 41 📖).↩
8
Am 30.9.1933 fand — in Abwesenheit von Gogarten — dort eine Sitzung der ständigen Mitarbeiter von ZZ statt, auf der Barth und Thurneysen ihren Rücktritt erklärten. (Anwesend waren laut Protokoll [s. unten S. 507, Anm. 5]: Barth, Lempp, Merz und Thurneysen. Nach einer brieflichen Auskunft von Pfr. D. H. Traub vom 15.2.1993 nahm auch Ch. von Kirschbaum an der Sitzung teil.) Auf die Sitzung folgten Auseinandersetzungen zwischen Merz und den beiden Schweizern, die schließlich zum Ende der Zeitschrift führten. Am 30.9. wurde jedoch noch die Weiterführung von ZZ durch G. Merz beschlossen. Ch. von Kirschbaum hatte schon vor der Ankunft der Teilnehmer mit Lempp über Barths Sicht und Vorstellungen gesprochen; mit Bezug darauf schrieb Barth am 20.9.1933 an Lempp: «Aber es wird trotzdem nicht überflüssig sein, wenn ich nach München komme, und wenn es auch nur zu dem Zweck wäre, vor Ihnen und den Freunden Alles noch einmal zu wiederholen. Mir liegt nichts am Aufhören von ZdZ und nichts an der Eröffnung einer neuen Zeitschrift, aber Alles an einer Klärung. Und nur das trennt mich von Georg Merz und zwingt mich jetzt zum Rückzug von ZdZ, daß er zu einer Klärung nie zu haben war und auch und gerade in dem jetzigen tödlich ernsten Augenblick nicht zu haben ist. Wenn es nun doch gelänge, ihn wenigstens dazu zu bringen, vor aller Ohren zu sagen, warum er nicht will. Warum sollte er nicht eben so gut wie ich ernst[e] Gründe dazu haben? Und dann könnte man wenigstens offenen Blickes auseinander gehen. Ach, daß es doch gelänge!» Zuversichtlicher klang Merz’ Ausblick auf das Treffen: «Die Aussicht, noch im September mit Dir und Karl, ja, wenn ich recht unterrichtet bin, sogar mit unseren Freunden vom Bergli beisammen sein zu dürfen, hat in allem Bedrängenden der Gegenwart etwas Erhebendes und Befreiendes. Vielleicht kommen wir dann doch auch zu einem guten Entschluß. Ich war, als ich nach München kam, in diesen Dingen ganz klar, aber nun haben mich Sasse, der ebenso wie Bonhoeffer das Aufhören von Z.Z. etwas überheblich als eine Katastrophe bezeichnet, und der Schrecken unseres verehrten Freundes Lempp, der in dem frivolen Knicken dieser ‹Blüte› Wahnsinn sieht, mindestens etwas beeindruckt. Ich habe Gogarten geschrieben und will auch sein Gutachten haben. Du selbst wirst ja aus Deinem Gespräch mit ihm und aus Deinen sonstigen nach den verschiedensten Seiten hingehenden Informationen etwas Erhebliches beizutragen haben» (Brief aus München vom 19.9.1933 an Thurneysen, Nachlaß Thurneysen 📖). Vgl. auch unten S. 512, Anm. 2; zu den Protokollen der Sitzung unten S. 507, Anm. 5. Zum Ende von Zwischen den Zeiten vgl. Lichtenfeld, S. 193–212. 📖 ↩
9
Über den Besuch H. Barths am 3.9.1933 auf dem Bergli schrieb K. Barth am 6.9.1933 an seine Mutter: «Am Sonntag ist, wie du vielleicht schon gehört hast, Heiner hier gewesen, und ich habe — ich weiß nicht mit welchen Eindrücken er geschieden ist — den Tag als freundlich und friedlich empfunden. Obwohl wir über sein Verhältnis zu Thurneysen eine ausführliche Aussprache hatten und obwohl ich mich dabei nicht überzeugen lassen konnte, daß Heiner weise und gut daran tut, in solchen Fällen so vorzugehen, und ob es nicht angebracht wäre, wenn die kleine Gertrud in solchen Fällen ein wenig bremsen würde, statt so ganz und gar ‹mit em Hainer iverstande› [= mit Heiner einverstanden] zu sein. Doch genug: er behandelt mich ein wenig schonungsvoller als meinen Freund und als manche Male auch mich selber, und so ist alles glücklich abgelaufen.»↩
10
Nicht erhalten; vgl. oben S. 487, Anm. 5.↩