22. Oktober 1933

Karl Barth an Eduard Thurneysen

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[Auf der Postkarte ist ein Zeitungsausschnitt mit folgendem Wortlaut aufgeklebt:]

Der als Rundfunkprediger und Gauleiter der Deutschen Christen in Bayern bekannte Pfarrer Wolf Meyer-Würzburg-Heidingsfeld hat vom thüringischen Volksbildungsministerium die Berufung zur Uebernahme der ordentlichen Professur für praktische Theologie in Jena erhalten und diesen Ruf angenommen.1

Lieber Eduard!

Du siehst, dieser unser alter Freund hat es nun auch geschafft, und du kannst daraus lernen, welche Eigenschaften nötig sind für den, der es zum Professor für prakt. Theol. bringen will. Dir wollte ich nochmals zurufen, du möchtest doch auf alle Fälle dein ganz eigenes Abschiedswort neben das meinige stellen. Ich habe mit Absicht keines von den verschiedenen plastischen Bildern, die du in deiner Münchener Ansprache gebraucht hast, gestohlen, damit du Alles mit der dir eigenen Lust und Kraft selber sagen kannst, was nun eben aus deiner Sicht zu sagen ist. Ich habe (am 30. und 31.) Großkampftage in Berlin vor mir, wo ich außer dem Vortrag gerne den Jung-Ref. ein wenig ins Gewissen reden möchte. Sie vermitteln nämlich nach wie vor, und da[s] sollte jetzt gerade nicht geschehen. Was magst du heute morgen gepredigt haben?2 |527 Wir sind sehr froh, die Nachschriften nun auch zu bekommen, auch für allerhand anderes Volk.

Grüße Marguerite! Ich danke ihr für alle Mühe, die sie bei der Durchreise von Nelly gehabt haben mag.

Rudis Venedigbuch3 ist hier schon eingetroffen und ist eine schöne Sache.

Mit herzlichem Gruß
Dein
Karl

Sachfußnoten

1
Wolf Meyer-Erlach (1891–1982), Pfarrer in Heidingsfeld bei Würzburg, seit 1931 Rundfunkprediger beim Bayerischen Rundfunk, Sommer 1933 Beitritt zu den Deutschen Christen, November 1933 Wechsel zu den radikaleren Thüringern, 1.11.1933–1945 (Entlassung) o. Professor für Praktische Theologie und Universitätsprediger in Jena, ab 1950 Pfarrer in Wörsdorf (Taunus); vgl. Bw.Th. I, S. 423.427 u.ö 📖;. (s. Namenregister).↩
2
Thurneysen predigte am 22.10.1933 über Ex. 20,2.16; Vervielfältigung einer Nachschrift (6 S.) im Karl Barth-Archiv.↩
3
Siehe oben S. 510, Anm. 12.↩