4. November 1933

Eduard Thurneysen an Karl Barth

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Lieber Karl,

Endlich! Du erhältst hier meinen Versuch, mein Abschiedswort1 zu sagen. Verzeih, daß ich so lange damit gewartet habe. Oder vielmehr, ich habe nicht gewartet, aber es ging bei mir in den letzten Wochen so am laufenden Band, daß ich zu keiner Besinnung kam. Einmal fressen mich die Menschen immer mehr auf, und da es wirklich nicht nur Nichtigkeiten sind, um die es da geht, sehe ich oft gar keinen Weg, mich freizumachen. Und dann läuft zu allem anderen noch der Volkshochschulkurs2 vor wirklich vollbesetztem Münstersaal. Aber das muß auch jede Woche wieder bereitgestellt sein. Endlich sind da noch ein paar unvorsichtig angenommene Vorträge, so am kommenden Montag ein Reformationsvortrag für die St. Galler3 Ich hatte auch wirklich richtig Mühe, etwas für Zwischen den Zeiten zu schreiben. Du wirst es ja verstehen, ich bin da draußen in der Schweiz in einer anderen Lage, ich konnte nicht einfach schwächer nachreden, was du kräftig genug vorgesagt hast. So habe ich eben — wie soll ich’s sagen? — eine Art «Vertrauliches Blatt» geschrieben, wie es in seiner Weise der jüngere Blumhardt geschrieben hat, wenn ihm etwas seiner «Gemeine» Mitteilens|528wertes aus seinem Denken oder Leben einfiel.4 Sei es daß seine Frau eine Operation zu bestehen hatte5, sei es daß ein wichtiger Todesfall im Hause vorgekommen war6, sei es daß «Gedanken aus dem Reiche Gottes» weiterzugeben waren7. Ob die letztere Rubrik gerade für unser Tun und Reden zu beanspruchen sein wird, ist ja sicher die Frage. Aber warum eigentlich nicht? Gelt, du liesest nun meine Sache aufmerksam und kritisch. Du kannst ja ganz anders ermessen, was heute draußen wirklich gesagt werden kann und muß. Und wenn du wesentliche Veränderungen vorgenommen sehen möchtest, so müßte eben alles noch einmal an mich zurückgehen. Kleinere Streichungen oder dergl. nimm nur ruhig selber vor. Vielleicht leuchtet dir ja auch der ganze Schrieb überhaupt nicht ein. Dann — ja dann wäre ich in Verlegenheit, was vorschlagen. Ich könnte höchstens ungefähr das kleine Votum aus dem Protokoll8 mehr oder weniger tel quel abdrucken. Ich weiß, daß mein Wort |529 nicht die Stärke und Volltrefferhaftigkeit hat wie das deine, aber das ist nun einmal von mir her nicht zu machen. Ich dächte mir, falls du also damit einverstanden sein kannst, so würde mein Votum unmittelbar unter dem Deinen und unter der gemeinsamen Überschrift «Abschied» abgedruckt. Falls du es wirklich billigen kannst, so schick es doch von dir aus sogleich an Georg. Ich habe ihm keinen Durchschlag geschickt, er müßte also diese Sache für den Druck durch dich erhalten.9

530 Dein eigenes Schlußwort ist in allen Teilen gut. Ich habe es wie alle diese Dinge reiflich überdacht, und es hat wirklich zu mir geredet. Ich bin vielleicht allem zu nah, um ein objektives Urteil zu haben. Mir ist es sehr nahe gegangen. Mein subjektives Empfinden hat einzig an zwei kleinen Stellen nicht ganz mitgekonnt. Einmal bei dem Satz unten auf S. 4: «Sie und sein [Gogartens] Beitritt zu der ‹Glaubensbewegung› ist nur der unzweideutige Ausdruck dessen, was er immer gemeint und gewollt hat. Post eventum kann und muß man sagen: es ist nichts selbstverständlicher als dies, daß es mit ihm dahin kommen mußte. Es ist nun aus dem Faß, wie Luther zu sagen pflegte.»10 Ich weiß genau, was du damit sagen willst. Aber es ist an diesem Sagen irgendetwas, das ich als «synthetisches Urteil a priori»11, als ein fast endrichterliches Zusprechen und Auf-den-Kopf-hin-Sagen empfinde. Man könnte hier auf Erden wenigstens Gogartens fatalen Schritt auch als seine Verirrung, vielleicht seine Endverirrung ansehen und ihn sogar in seinem letzten theologischen Wollen besser deuten, als er sich nun mit seinem Schritt selber gedeutet hat. Aber ich weiß — da, über die persönliche Beurteilung Friedrichs, werden wir nie ganz einig werden. Und die zweite Stelle ist die auf S. 9 unten an sich treffende Berufung auf den schrecklichen Gottfried Keller.12 Ich mag diesen Vers nicht ausstehen. Der ganze, aber auch der ganze schweizerische Freisinn rauscht in dieser Strophe auf, dazu ist es ein Lieblingszitat Kefirs13. Aber ich will dir diesen Denkmalsspruch wirklich nicht absprechen. Sei es denn! Ich weiß, es ist bei mir Ressentiment!

531 Denk, ich hatte den gleichen Gedanken wie du, als das Protokoll fertig vorlag: warum eigentlich das nicht à titre de document einfach abdrucken? Aber als ich Georgens Abneigung sah, der ja nicht einmal haben will, daß ein paar Leute in unserer nächsten Nähe Einsicht darein nehmen14, sah ich ganz davon ab, den Vorschlag zu machen. Ich habe es in Deutschland außer an euch und Helmi Vischer (der gerade in Basel war) und Gogarten selbst und — Siebeck niemand geschickt, in der Schweiz aber unter anderem auch an deinen Schwager Lindt in Bern, der es glaub Schädelin und sicher auch deiner Mutter gezeigt hat.

Ich muß schließen. Ein ordentlicher Brief ist das wirklich nicht geworden. Karl, wie ging es euch wohl in Berlin? Darüber zu hören, wäre |532 ich sehr gespannt. Lollo schreibt an Georg von Aufzeichnungen über die dortigen Gespräche15: gelt, die bekomme ich auch gelegentlich zu sehen? Ich schreibe euch nächstens mehr. Dein Weg wird steil und angefochten genug weitergehen. Wir gedenken eurer. Noch einmal: verzeih, daß ich zu deinem Abschiedswort nicht gleich geschrieben habe. Ich wollte es nicht tun, ohne mein eigenes Wort beizulegen. Nun ist das so spät geworden. Sei mit Lollo herzlich, treulich gegrüßt. Lollo danke ich für die Zusendung von allerlei mir Wichtigem!

Euer
Eduard
verte!16

533 Noch etwas! Karl, ich halte es für ganz unerläßlich, daß Gogarten von unseren Abschiedsreden Einsicht bekommt vor der Drucklegung. Er muß Gelegenheit haben, sich sogleich dazu zu äußern, wenn er will. Das halte ich bei der Schärfe, mit der er hier angegriffen wird, für einfach geboten. Willst du das Georg nicht gleich mitteilen, wenn du ihm mein Wort schickst?

Sachfußnoten

1
Gedruckt zusammen mit den Abschiedsartikeln von Barth und Merz in: ZZ, Jg. 11 (1933), S. 544–551; 📖 wieder abgedruckt in: Anfänge der dialektischen Theologie. Bd. II, a.a.O., S. 321–328. 📖 ↩
2
Siehe oben S. 511, Anm. 16.↩
3
Thurneysen sprach am 6.11.1933 an der 10. St. Galler Reformationsfeier in der Tonhalle über das Thema «Von der Messe zur evangelischen Predigt» (briefliche Auskunft von Herrn H. R. Fischer vom 1.9.1994).↩
4
Die Hefte «Vertrauliche Blätter für Freunde von Bad Boll» erschienen 1888–1895 in loser Folge im Selbstverlag des Verfassers. — Pfarrer Christoph Blumhardt (1842–1919), als Nachfolger seines Vater seit 1880 Leiter der Hausgemeinde im von diesem 1852 erworbenen Schwefelbad in Bad Boll und Seelsorger mit Wirkung über die Grenzen Europas hinaus, 1900–1906 sozialdemokratischer Abgeordneter im württembergischen Landtag.↩
5
Siehe Chr. Blumhardt, Zur Nachricht, in: Vertrauliche Blätter für Freunde von Bad Boll, Nr. 2 (1889), S. 4–10; 📖 ders., Zur Nachricht, a.a.O., Nr. 3 (1889), S. 1–7. 📖 — Blumhardts Frau Emilie, geb. Bräuninger, wurde Anfang 1889 durch eine in ihrem Wohnhaus durchgeführte Notoperation vor dem Erstickungstod gerettet.↩
6
Vgl. etwa Chr. Blumhardt, Zum neuen Jahre, a.a.O., Nr. 1 (1889), S. 17–22, dort S. 17–20 📖: Nachricht vom Tod der Tante Clara von Miltitz und des Vetters Hans Jörg (Johann Georg) Dittus.↩
7
Vgl. etwa Chr. Blumhardt, Zum Christtag, a.a.O. (1889), S. 1–11 📖; ders., Morgenandacht vom 14. Januar [über Ps. 34,7], Nr. 2, S. 10–18. 📖 Eine eigene «Rubrik» «Gedanken aus dem Reiche Gottes» gab zwar in den Vertraulichen Blättern nicht, doch eine in kleiner Auflage erschienene Sammlung von Aussprüchen Blumhardts trug den Titel Gedanken aus dem Reiche Gottes, im Anschluß an die Geschichte von Möttlingen und Bad Boll, und unsere heutige Stellung. Ein vertrauliches Wort an Freunde von Christoph Blumhardt, Bad Boll 1895. 📖 ↩
8
Thurneysens Gesprächsbeitrag in der Sitzung vom 30.9. (s. oben S. 495f., Anm. 8) bezog sich auf ein Votum von Barth, in dem dieser Merz gegenüber darauf beharrte, daß er in einer Zeitschrift, in der neben seinem Beitrag ein anderer, dem widersprechender stehe, nicht in der gewünschten Eindeutigkeit gehört werden könne. Daraufhin sagte Thurneysen laut Protokoll (beide Fassungen [s. oben S. 507, Anm. 5]): «Ich bin der Meinung, daß in der Tat ein Zeichen aufgerichtet werden müsse, das unzweideutig anzeigt, um was heute der Kampf geht. Und auch ich sehe als einzige Möglichkeit, ein Zeichen zu errichten, den Auszug aus dem gemeinsamen Hause. Die Stunde solcher Zeichen ist nicht immer gegeben, aber heute und jetzt scheint sie mir gegeben. Ich kann sie freilich nicht aus der deutschen Lage heraus deuten, wie Karl Barth es tut, aber es steht mir die ganze Entwicklung, die die dialektische Theologie in der Schweiz genommen hat, vor Augen», die sich «von der zeitgenössischen Philosophie» und von der «Umklammerung» durch den religiösen Sozialismus habe lösen müssen. «Heute droht nun ein dritter Einbruch von Seiten des säkularen Denkens, … und zwar ist diese Bedrohung von allen bisherigen die gefährlichste, weil sie auf unserem eigentlichsten Felde, nämlich innerhalb des Raumes der Kirche und dort innerhalb des Raumes der Theologie selbst auftritt. Ich meine das, was Karl Barth neuerdings den Einbruch einer ‹natürlichen Theologie› genannt hat. Es ist hier nicht der Ort, auf die einzelnen Sätze dieser ‹natürlichen Theologie› einzutreten. Ich muß aber darauf hinweisen, daß gerade die Glaubensbewegung Deutscher Christen, soweit sie sich theologisch überhaupt fassen läßt, ihren Vorstoß innerhalb der deutschen Kirche mit theologischen Aussagen stützt und unterbaut, die rein und ganz einer solchen natürlichen Theologie zuzuweisen sind. Ich denke etwa an einen Satz wie den von Stapel, daß der Nomos des Volkes als solcher der Nomos Gottes sei. Wo solche Sätze in solcher Eindeutigkeit auftreten, da muß widersprochen werden, da gibt es kein Paktieren, sondern nur scharfe Abgrenzung. Als Zeichen solcher Abgrenzung gegenüber dieser theologischen Front, die wir nicht mehr gemeinsam vertreten können, ist unser Abseitstreten von Z.d.Z. gemeint. Es endlastet uns alle in unseren verschiedenen Lagern, wenn es zu solch klarem Auseinandertreten an dieser Stelle kommt. Wir können einander wohl auch wieder ruhiger zuhören, und, wo es sein kann, das Gespräch gleichsam von Macht zu Macht führen. Es wird dafür gesorgt sein, daß die mittlere Diagonale im Parallelogramm der Kräfte schon von selber zustande kommt. Wollten wir diese mittlere Linie, die wohl irgendwie das Ergebnis auch der heutigen theologischen Entwicklung sein wird, von uns aus suchen und halten, so würde dies nur von einem umso schwereren Absinken des theologischen Niveaus innerhalb der Kirche bezahlt werden müssen. Je klarer Rechts- und Linkskurs gehalten wird, desto besser wird das Resultat sein, das aus der ganzen schweren Diskussion, die uns heute auferlegt ist, heraus kommt. Es liegt mir nichts an Kriegserklärungen und Antithesen, aber es liegt mir alles an grundsätzlicher Klarheit in diesem Augenblick, wo Fragen von letztem Gewicht an uns gestellt sind.»↩
9
Ch. von Kirschbaum schickte Merz Thurneysens Abschiedswort mit einem kurzen Begleitbrief vom 6.11.1933 zu. Hinsichtlich Überschrift und Anordnung der Artikel wurde verfahren wie von Thurneysen vorgeschlagen.↩
10
Siehe Barths Abschiedsartikel a.a.O. (S. 524, Anm. 1, ZZ), S. 539 📖; Gottes Wille und unsere Wünsche, S. 34 📖; Anfänge der dialektischen Theologie, Bd. II, S. 316. 📖 Zum dortigen Luther-Zitat vgl. Evangelium von den zehn Aussätzigen (1921), WA 8, 343,28f. 📖: «Auch wil ich hie mit meinen lieben Deutschen die Postillen credentzen, mitten ausz dem fasz».↩
11
Vgl. I. Kant, Kritik der reinen Vernunft, B 14-18, Kant’s gesammelte Schriften, hrsg. von der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften, Abth. 1, Bd. III, Berlin 1904, S. 36–39 (u.ö.) 📖.↩
12
Barth zitierte in seinem Abschiedswort (ZZ, Jg. 11 [1933], S. 543 📖; Gottes Wille und unsere Wünsche, a.a.O., S. 39 📖; Anfänge der dialektischen Theologie, Bd. II, a.a.O., S. 320) 📖 das Ende der 2. Strophe von G. Kellers «Wegelied»: «Heil uns, noch ist bei Freien üblich, Ein leidenschaftlich freies Wort!» (in: G. Keller, Sämtliche Werke, nach Texten des Kellerschen Nachlasses hrsg. von H. Frankel, Gesammelte Gedichte, Bd. I, Bern/Leipzig 1931, S. 323f.). 📖 ↩
13
Max Gerbers.↩
14
Am 19.10.1933, zwei Tage nachdem Thurneysen das Protokoll an Gogarten geschickt hatte (vgl. oben S. 513, Anm. 3), schrieb Merz an diesen, «daß es besser ist, unserem Freunde Friedrich Gogarten Deine Aufzeichnungen nicht zugänglich zu machen. Es erscheint mir in Anbetracht der Vorbereitung des Gespräches und der Zusammensetzung der Teilnehmer wahrhaftiger, es als ein privates Gespräch zu bezeichnen, statt als eine offizielle Sitzung von Z.Z. Würden Deine Aufzeichnungen über den Kreis der Teilnehmer hinaus bekannt, so würde die Folge sein, daß zunächst von Gogarten, dann von mir, dann von Brunner, dann wer weiß von wem Erklärungen erfolgten. Das ist nun wirklich nicht nötig» (Nachlaß Thurneysen 📖; längeres Zitat bei Lichtenfeld, S. 202 📖). Wegen der Verbreitung des Protokolls durch Barth und Thurneysen kam es bei Merz zu einer ernsten Verstimmung. Am 28.10.1933 schrieb er an Ch. von Kirschbaum, da ihm und Gogarten das Protokoll der Sitzung von ZZ am 30.9.1933 mit der Bitte um vertrauliche Behandlung zugegangen sei, sei er überrascht gewesen, in Berlin bei Jacobi ein Exemplar mit der Aufschrift «Protokoll ‹Zwischen den Zeiten›, zu geben an Dehn, Bonhoeffer, Fricke, Jacobi» zu finden, das den Letztgenannten über G. Staewen erreicht hätte. Er habe diesen daraufhin informiert, daß es sich nicht um ein offizielles Protokoll einer offiziellen Sitzung von ZZ handle und dessen Weitergabe «an den Berliner Kreis, der mit Ausnahme von Dehn gar keine Mitarbeiter von Z.Z. und z. T. Eduard oder mir unbekannte Leute umfaßt, nicht im Sinne der Teilnehmer des Münchener Gespräches waren.» (Merz schickte einen Durchschlag dieses Schreibens an Thurneysen, der bereits am 23.10.1933 einen kurzen Brief ähnlichen Inhalts von ihm erhalten hatte [Nachlaß Thurneysen].) In ihrer Antwort vom 2.11.1933 bedauerte Ch. von Kirschbaum die Differenzen über die Versendung des Protokolls, das mit der Bitte um vertrauliche Behandlung außer an die Merz bekannten Berliner noch «an etwa 5 Freunde», darunter H. Gollwitzer und K. G. Steck, gegangen sei, und bat Merz um Verständnis dafür, daß Barth gerade in der derzeitigen Lage den noch Verbliebenen unter den sachlich mit ihm Einigen Einblick gewähren wollte (Teilabdruck des Briefes bei Lichtenfeld, S. 203). Doch Merz beurteilte diese Versendung des Protokolls in seiner Replik weiterhin als unangemessen (Brief vom 4.11.1933 an Ch. von Kirschbaum). Siehe auch unten S. 548 mit Anm. 12.↩
15
Ch. von Kirschbaum erwähnte die — noch auszuarbeitenden — Protokolle «von allen entscheidenden Gesprächen» in ihrem Brief an Merz vom 2.11.1933. Bei Barths Aufenthalt vom 30. bis 31.10.1933 in Berlin anläßlich des Vortrags «Reformation als Entscheidung» kam es zu zwei Diskussionen mit oppositionellen Pfarrern, darunter den Führern des Pfarrernotbundes, und zu einem Gespräch überwiegend mit Laien im Haus des Pfarrers Willy Praetorius in Berlin-Lichterfelde (s. unten S. 696, Anm. 16); vgl. Busch, S. 243f. 📖; Scholder I, S. 685–691 📖(dort Zitate aus dem Protokoll des Gespräches am 31.10.1933 nachmittags). Im Karl Barth-Archiv befinden sich ein «Protokoll einer Aussprache in kleinerem Kreise im Hause von Pfr. Jacobi Dienstag, 31. Oktober 1933» (11 S., einzeilig geschriebenes Typoskript, Durchschlag mit handschriftlichem Zusatz neben der Überschrift: «vormittags»; Abdruck in: Reformationstag 1933 …, a.a.O. [S. 500, Anm. 2], S. 71–92) 📖 und ein «Protokoll der Versammlung im Hause von Pfr. Jacobi Dienstag, 31. Oktober 1933 nachm.» (12 S., einzeilig geschriebenes Typoskript, Durchschlag mit handschriftlichem Zusatz: «(etwa 150 Pfarrer)»; Abdruck a.a.O., S. 93–113). Über das vormittägliche Gespräch vgl. auch Erica Küppers’ Bericht in einem privaten Rundbrief vom 11.11.1933, verkürzt abgedruckt a.a.O., S. 64–70, und in: Prolingheuer, S. 237–239 📖. — Der Pfarrernotbund, zu dessen Gründung die Einführung des Arierparagraphen durch die «braune Synode» Anfang September 1933 (s. oben S. 386, Anm. 3, und S. 499, Anm. 11) den entscheidenden Anstoß gab, wurde seit dem 20.10. von einem «Brüderrat» unter M. Niemöllers Vorsitz geleitet. Die Vereinigung, der zeitweise bis zu 3000 Pfarrer angehört haben sollen (Scholder I, S. 684), entwickelte sich durch ihre öffentlichen Stellungnahmen zu kirchenpolitischen Ereignissen schnell zu einem wichtigen Sprachrohr der kirchlichen Opposition und unterstützte später wegen ihrer oppositionellen Haltung verfolgte und entlassene Amtsbrüder. Vgl. W. Niemöller, Der Pfarrernotbund. Geschichte einer kämpfenden Bruderschaft, Hamburg 1973, S. 1–19 📖; Scholder I, S. 610–615.683-685; Gauger I, S. 101.103.105 📖; Meier I, S. 121f.561, Anm. 458 📖; E. Bethge, Dietrich Bonhoeffer …, a.a.O. (S. 197, Anm. 7), S. 357–365 📖; auf den Zusammenhang zwischen der Einführung des Arierparagraphen durch die altpreußische Synode, dem Betheler Bekenntnis und der Entstehung des Pfarrernotbundes verweist besonders Lichtenfeld, S. 376–378. 📖 ↩
16
Auf der Rückseite des Blattes steht das hier folgende Postskriptum.↩