18. Oktober 1933

Abschied

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ABSCHIED

1933

Mit dieser Erklärung, der sich eine parallele Verlautbarung Eduard Thurneysens anschloss,1 wollte Barth ursprünglich nur seine eigene Mitarbeit bei «Zwischen den Zeiten» einstellen. Der Abschied Barths und Thurneysens von der Zeitschrift wurde dann jedoch zugleich zum Abschied der Zeitschrift von ihrer Leserschaft. In dem kurz vor Weihnachten ausgelieferten letzten Heft des Jahres 1933 gab Georg Merz als Schriftleiter im Anschluss an beide Darlegungen das Ende der Zeitschrift bekannt.2

Aus Barths Darstellung geht hervor, dass die Trennung von den einstigen Weggefährten Friedrich Gogarten und Emil Brunner eine längere, in die zwanziger Jahre zurückreichende Vorgeschichte gehabt hat. Es verdient auch Beachtung, dass Barth bereits im Januar 1933 – also noch vor dem Machtantritt der Nationalsozialisten – das Ende der Arbeitsgemeinschaft des Kreises um «Zwischen den Zeiten» gekommen sah und sich mit einer «Neuordnung der Angelegenheit ZdZ» beschäftigte. Schon dabei stellte er die Möglichkeit zur Diskussion, «auf Ende des jetzt beginnenden Jahrgangs überhaupt Schluss [zu] machen».3 Unmittelbarer Auslöser für solche Erwägungen war ein erstes Echo Brunners auf den Ende 1932 erschienenen ersten Teilband der Kirchlichen Dogmatik 📖 gewesen, in dem dieser Barth gegenüber erklärt hatte, «dass wir ungefähr in der entgegengesetzten Richtung weitergehen».4 Barth antwortete Brunner am 10. Januar 1933, es dränge sich ihm immer mehr die Überzeugung auf, «dass es sich […] längst nicht nur um einen Gegensatz der Methode und Schreibweise, sondern um einen auf der ganzen Linie stattfindenden Gegensatz in der Sache handelt».5 Und er fügte hinzu: «Das Jahr 1932 hat für mich die schmerzliche Bedeutung, dass mir dies nun sowohl dir wie Gogarten gegenüber so klar geworden ist, wie einem etwas derartiges klar |493 werden kann.»6 Gegenüber Georg Merz brachte Barth wenig später schon sein grundsätzliches Bedenken deutlich und mit im Oktober wieder aufgenommenen Formulierungen zum Ausdruck: «Ich bin es leid, hier nach außen den Anschein einer Gemeinschaft zu erwecken oder zu unterstützen, die ich als durch die tatsächliche Entwicklung der Dinge gebrochen ansehen muss, und damit so und so viel gutmütigen Leuten Anlass zu geben zu dem Irrwahn, als ob sie sich in aller Behaglichkeit miteinander das, was ich vertrete, und Brunners Anknüpfungspunkt und Oxfordbewegung und Gogartens Schöpfungsordnungen samt Ständelehre, Polis etc. gefallen lassen und als ‹irgendwie› berechtigte ‹Anliegen› aneignen könnten unter dem vagen Obertitel einer ‹biblisch-reformatorischen› Theologie.»7 Die weiteren im Januar 1933 zwischen Barth, Thurneysen, Gogarten, Brunner und Merz gewechselten Briefe und ein abschließendes Gespräch Barths mit Albert Lempp führten schließlich zu der Entscheidung, von Heft 1 des Jahrgangs 1933 an die Mitarbeiterschaft Barths, Gogartens und Thurneysens auf der Titelseite nicht mehr explizit zu erwähnen.8 Das Ende der Zeitschrift schien noch einmal abgewendet worden zu sein.

Die Ereignisse des Jahres 1933 konnten die Konflikte im Herausgeberkreis jedoch nur verstärken. Vor allem der ihm im August bekannt gewordene Beitritt Gogartens zu den Deutschen Christen und die von ihm zunehmend als taktierend empfundene Haltung von Merz9 bewogen Barth dazu, auf klare Entscheidungen zu drängen. |494 Aber auch bei Merz hatte sich der Eindruck verdichtet, dass die Zeitschrift so nicht mehr weitergeführt werden könne. Auf Anregung von Lempp fanden sich Barth, Thurneysen, Merz und Lempp – Gogarten war nicht gekommen – am 30. September 1933 noch einmal zu einer Sitzung in München zusammen, um alle Möglichkeiten einer Weiterführung von «Zwischen den Zeiten» auszuloten.10 Die von Barth intendierte Trennung von Gogarten und eine damit verbundene «neue Konstituierung von Z.d.Z.»11 scheiterten am auf Vermittlung bedachten Einspruch von Merz. Aber es sah so aus, als gebe es für die Zukunft der Zeitschrift doch noch eine Hoffnung: Barth und Thurneysen würden aus der Zeitschrift ausscheiden (deshalb «Abschied») und ihre Arbeiten separat in zwangloser Folge unter dem Titel «Theologische Existenz heute» erscheinen lassen. Sie sollten aber alles unterlassen, was dieser Reihe den Charakter einer «Gegengründung»12 verleihen würde, und – so jedenfalls die Hoffnung von Merz – zu einer späteren Zeit wieder in den Herausgeberkreis zurückkehren. Für das in Vorbereitung befindliche nächste Heft sollte eine «Erklärung» verfasst werden, «in welcher dem Leser gesagt wird, um was es nun geht, und gleichzeitig gesagt wird, dass nach dem Willen aller Beteiligten Z.d.Z. weiterlaufe».13 Offensichtlich dachte man dabei an eine von Barth, Thurneysen und dem Schriftleiter Merz zu gleichen Teilen verfasste redaktionelle Mitteilung an die Leserschaft.

Die von Barth unter dem Titel «Abschied» verfasste Erklärung trägt das Datum des 18. Oktober 1933. Der Text kann nur zwischen dem 16. und 18. Oktober entstanden sein.14 Merz erhielt ihn aber erst |495 Anfang November. Im Begleitschreiben Ch. von Kirschbaums wird die Verzögerung so erklärt: «Hier kommt nun also das Abschiedswort, das nun wohl schon mindestens 14 T[a]g[e] fertig da liegt. Wir haben auf Eduards Rückäußerung gewartet. Da diese leider bis heute nicht gekommen ist, geht es nun eben so an dich ab.»15 Thurneysens eigene – undatierte – Erklärung traf dann am 7. oder 8. November bei Merz ein; er hatte sie zunächst an Barth geschickt, der sie durch Ch. von Kirschbaum an Merz weiterleiten ließ.16

Die Erklärungen von Barth und Thurneysen waren so entschieden und eindeutig ausgefallen, dass sich Merz außerstande sah, an der ohnehin nur schwer akzeptablen Kompromisslösung festzuhalten. Vor allem vermisste er die von ihm erwartete klare Aussage, dass beide die Weiterführung von «Zwischen den Zeiten» ausdrücklich wünschten. Am 9. November erklärte er in einem Brief an Barth und Thurneysen17, am 10. November in Briefen an Gogarten und Lempp18 das Ende der Zeitschrift. Er zog eine bereits gesetzte «Mitteilung»19 zur Fortführung der Zeitschrift ohne Barth und Thurneysen zurück und verfasste stattdessen den Schlussteil von «Abschied»20. Darin hieß es: «Bei der Art, wie wir Z.d.Z. gründeten und wie wir elf Jahre miteinander arbeiteten, ist es unmöglich, daß Karl Barth und Eduard Thurneysen in solcher Weise Abschied nehmen und wir weiterfahren, als wenn nichts gewesen wäre. Ebensowenig könnte ich Friedrich Gogar|496ten bitten, nicht mehr mitzuarbeiten, um Karl Barth das Ärgernis zu nehmen.»21 Der Verleger schrieb dann am 15. November an Merz: «Es ist mir, wie wenn plötzlich jemand ganz liebes gestorben wäre, so wenig begreiflich ist es mir, dass es nun mit einemmal aus sein soll mit Z.d.Z. Nach all Deinen Briefen ist es aber natürlich ausgeschlossen, dass hier noch irgendetwas geschehen kann.»22

Barths erhaltenes handschriftliches Manuskript besteht aus fünf mit schwarzer Tinte engzeilig beschriebenen Einzelblättern.23 Ebenfalls erhalten ist ein Durchschlag des zehnseitigen Typoskripts24, das als Vorlage für den Druck diente. Der Text erschien erstmals in ZZ 11 (1933), S. 536–544 📖. Barth ließ ihn in Gottes Wille und unsere Wünsche (ThExh 7), München 1934, S. 31–39 📖, wieder abdrucken.

Dem folgenden Abdruck liegt der Erstdruck zugrunde, dessen Paginierung durch die zwischen senkrechten Strichen eingefügten Seitenzahlen ausgewiesen ist. Das Typoskript weist immer wieder Ergänzungen gegenüber dem Textbestand des Manuskripts auf. Sie sind mit ˹ ˺ kenntlich gemacht. Andere Textänderungen sind im textkritischen Apparat dokumentiert.

Abschied

Als wir im Herbst 1922 «Zwischen den Zeiten» begründeten:25 Friedrich Gogarten, Eduard Thurneysen und ich mit Georg Merz als Schriftleiter, da waren wir uns, wie wir meinten, leidlich einig in dem, was wir wollten: im Gegensatz zu der positiv-liberalen oder liberal-|497positiven Theologie des Neuprotestantismus des Jahrhundertanfangs mit dem Menschgott, den wir als deren Heiligtum erkannt zu haben meinten, eine Theologie des Wortes Gottes, wie sie sich uns als jungen Pfarrern von der Bibel her allmählich als geboten aufgedrängt hatte und wie wir sie bei den Reformatoren vorbildlich gepflegt fanden. (Der Name «dialektische Theologie» ist uns noch im selben Jahr von irgend einem Zuschauer angehängt worden.26) Es konnte nun schon nach der Vollendung weniger Jahrgänge unserer Zeitschrift keinem Kundigen verborgen bleiben, dass das Verständnis jenes stillschweigend vorausgesetzten Programms insbesondere bei Gogarten und mir ein nicht unerheblich verschiedenes war. Aber man konnte sich eine gute Weile dabei beruhigen und sogar daran erfreuen, dass es wohl ein Zeichen von Bewegung und Reichtum a-in unserem Kreise-a sein möchte, wenn man den Einen fast dauernd mit den philosophischen bzw. ethischen Grenzfragen der angeblichb gemeinsamen Aufgabe, den Anderen fast ebenso dauernd mit Theologiegeschichte und Dogmatik beschäftigt sah. Schwebte nicht schon in der allerersten Zeit die Frage in der Luft: Warum versäumst du die notwendige Bereinigung der Voraussetzungen? Und die Gegenfrage: Wann wirst du endlich, endlich zur Sache kommen? ˹Doch warum sollte es nicht ganz interessant und nützlich sein, sich gegenseitig so zu fragen und fragen zu lassen?˺ Und wenn man mit den vorrückenden Jahren immer öfter so |498 etwas wie gelegentliche implizite oder auch explizite Polemik herüber und hinüber wahrzunehmen bekam, wenn die anthropologische Richtung des Einen mit der Zeit so unverkennbar wurde wie die theologische des Anderen – wenn dann scheinbar oder wirklich unabhängig von diesem Gegensatz, oder auch in bewusster Anteilnahme an der einen oder anderen Seite, Dritte und Vierte ˹und Fünfte˺ hinzutraten und, vermeintlich immer auf dem gemeinsamen Grundton, ihr besonderes Lied mehr oder weniger vortrefflich, erbaulich und lehrreich 537 dazwischen sangen – nun, dann konnte und durfte das Alles in all diesen geistig bewegten, aber nicht eben zu Entscheidungen herausfordernden Jahren wohl so sein. Die vor fünf Jahren einmal gefallene Behauptung eines jüngeren Frechlings: dass die Führerc der dialektischen Theologie unter sich so uneins seien wie die chinesischen Revolutionsgenerale,27 konnte als nicht übler Witz belacht und beiseite gelegt werden. Die d-vorhandenen und uns nicht unbewussten-d Spannungen wurden ertragen, weil sie nicht unerträglich waren, und sie wurden von manchen Lesern offenbar nicht nur ertragen, sondern wegen des mannigfaltigen und gerade so anregenden Inhalts, den die Zeitschrift von daher zu bekommen schien, hochgeschätzt. Georg Merz aber, durch Natur und Gnade in gleicher Weise gerade zu solchem Amt ausgerüstet, hat in oft mühsamer und immer entsagungsvoller Arbeit, ermunternd und ausgleichend, wo es Not tat, und auch aus seinem Eigenen aufs Glücklichste ergänzend, die entstandene Gruppe in immer neuen Formationen aufgestellt und vorgeführt. Und auch unser Herr Verleger28 konnte von seinem besonderen Ort aus mit dem Gang der Ereignisse gewiss nur zufrieden sein. Es hätte vielleicht noch lange so weitergehen können.

Die Frage, ob es in Ehren so weitergehen dürfe, hat mich in akuter Weise zum ersten Mal jetzt vor einem Jahr und dann den ganzen |499 letzten Winter hindurch beschäftigt. Die Leser des ersten Halbbandes meiner Dogmatik wissen um die Frage, die ich dort an Gogarten richten zu müssen meinte – der Text S. 128f. stammt schon aus dem Sommer 1931 und ist Gogarten damals sofort mitgeteilt worden29 – ˹die Frage:˺ inwiefern sich seine anthropologischee Unterbauung der Theologie nun eigentlich von der f-natürlichen Theologie-f des Katholizismus und des Neuprotestantismus noch unterscheiden möchte? Eine Antwort darauf habe ich nie erhalten. Es erschienen aber auf dem Hintergrund der inzwischen veröffentlichten «Politischen Ethik»30 in Z.d.Z. 1932g die Aufsätze «Staat und Kirche»31 und «Schöpfung und Volkstum»32, die mich im Lichte jener unbeantwortetenh Frage mit einer nicht mehr zu unterdrückenden Bekümmerung erfüllten. Wohin, wohin ging die Entwicklung, die, mit den Untersuchungen über den echten Begriff der Geschichte begonnen, über die Lehre vom Du |500 und Ich zu dem immer massiver werdenden Dogma von den Ordnungen geführt hatte? In welcher Meinung wohl˹, so fragte ich mich jetzt schon rückblickend,˺ hatte Gogarteni bereits seiner «Religiösen Entscheidung» von 1921 das Thomaswort «Gratia non tollit naturam sed perficit» vorangestellt?33 538 Es kam dazu, dass ich in und außerhalb unserer Zeitschrift den ebenfalls zu unserer Gruppe gerechneten Emil Brunnerj34 eine Theologie treiben sah, die ich immer mehr nur noch als eine unter neuen Fahnen vollzogene Rückkehr zu den – so wie ichk unseren gemeinsamen Ausgang verstanden hatte – ˹mit Ernst˺ verlassenenl Fleischtöpfen des Landes Ägypten [vgl. Ex. 16,3], nämlich zu dem neuprotestantischen, bzw. katholischen Schema «Vernunft und Offenbarung», wie es im Protestantismus zum ersten Mal von der sogenannten «vernünftigen Orthodoxie» an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert offen proklamiert worden ist,35 beurteilen konnte. Ich sah ˹aber auch˺ mit Befremden, dass die Schar unseres m-engeren und weiteren-m Leserkreises und nicht zuletzt unser Schriftleiter sich durch den immer offenkundiger werdenden Zwiespalt durchaus nicht zu einer Entscheidung aufgerufen zu fühlen, ja, dass sie den Zwiespalt überhaupt nicht so sehr zu empfinden schienen, sondern n-dass sie-n sich immer wieder ebenso gern gefallen ließen, durch meine Manifeste – so fasste man es ja wohl auf – im Sinn des zweiten und dritten Artikels aufgerufen ˹zu werden˺, wie durch die von Gogarten im Sinn des ersten Artikels o-eine Art Rückversicherung |501 zu erhalten-o. In der vor einigen Jahren in den Verlag Chr. Kaiser übernommenen mehr volkstümlichen Zeitschrift «Christentum und Wirklichkeit»36 p-sah ich es erst recht anschaulich zum Vorschein kommen-p, in welcher Dosierung und Mixtur man in Franken37 und in anderen mittleren Gegenden die vor 10 Jahren viel zu laut gepriesene Neuentdeckung «biblisch-reformatorischer Einsicht» zu verstehen und an den Mann zu bringen gedachte. Ich fragte mich in gewissen Stunden des letzten Winters fast verzweifelt, ob denn die so entstehende Limonade nun wirklich der Arbeit und der Kämpfe wert sein möchte, die wir an die Aufgabe einer Erneuerung des theologischen Denkens und der kirchlichen Verkündigung seit nahezuq 20 Jahren38 gewendet zu haben meinten. Es war mir ein Trost zugleich und eine Beunruhigung, von dem einen Eduard Thurneysen immer wieder bestätigt zu hören, dass ˹er meine Sorge teile und dass˺ jedenfalls wir zwei es ursprünglich anders gemeint hatten als so. Ich dachte aber noch immer, nach einer zu Beginn des laufenden Jahrgangs eingeführten leisen Veränderung in der äußeren Aufmachung der Zeitschrift39 |502 könnte ich mit gutem Gewissen, nämlich in der immerhin nicht unmöglichen Hoffnung auf neue Entwicklungen innerhalb des ganzen Kreises in diesem Kreis insofern mit drinstehen, als ich meine Arbeiten nach wie vor, in der Erwartung, mindestens auch gehört zu werden, in diese nun einmal 539 aufmarschierte Reihe stellte. Es war eben doch noch immer Friedenszeit, in welcher es als erlaubt oder sogar geboten erscheinen konnte, in solchen Fragen der Taktik fünf gerade sein zu lassen. Aber die letzten Monate dieser Friedenszeit sind für mich wahrhaftig nicht mehr schön gewesen.

Irgendeinmal im Laufr dieses Sommers las man dann im «Deutschen Volkstum» das Bekenntnis Gogartens zu dem Stapelschen Theologumenon, dass das Gesetz Gottes für uns identisch sei mit dem Nomos des deutschen Volkes.40 Dass Gogarten sich wenig später mit|503samt seiner Umgebung auch kirchenpolitisch s-an die Seite von-s Ludwig Müller und Joachim Hossenfelder stellte,41 war und ist mir verhältnismäßig nebensächlich neben der Tatsache jenes von ihmt in der Schrift «Einheit von Evangelium und Volkstum?» S. 18 und 23u in aller Form wiederholten Bekenntnisses.42 Gogartenv hat sich mit diesem Satz die entscheidende These der Deutschen Christen zu eigen gemacht. Es ist hier nicht der Ort, diese These zu diskutieren. Ich anerkenne ohne Weiteres, dass Gogartens ganzer Weg ihn in höchster Folgerichtigkeit dazu führen musste, sie gutzuheißen. Sie ˹und sein Beitritt zu der «Glaubensbewegung»43˺ istw nur der unzweideutige Ausdruck dessen, was er immer gemeint und gewollt hat. ˹Post eventum kann und muss man wirklich sagen: es ist nichts selbstverständlicher als dies, dass es mit ihm dahin kommen musste.˺ Es ist nun «aus |504 dem Fass», wie Luther zu sagen pflegte.44 Ebenso folgerichtig ist aber auch von meiner Seite die glatte, zornige Ablehnung jenerx These. Ich habe bei dem, was wir damals am Anfang der zwanziger Jahre gemeinsam zu bekämpfen schieneny, immer gerade z-auf das gezielt-z, was jetzt in der Lehre, in der Mentalität und Haltung der Deutschen Christen in geballter Form auf dem Plane steht. Ich kann in den Deutschen Christen nichts, aber auch gar nichts anderes sehen als die letzte, vollendetste und schlimmste Ausgeburt des neuprotestantischen Wesens, das die evangelische Kirche, wenn es nicht zu überwinden ist, romreif machen muss und wird. Ich halte den Stapelschen Satz über das Gesetz Gottes für den vollzogenen Verrat am Evangelium. aa-Ich meine, dass dieser Satz nun doch wieder und viel schlimmer, weil viel grundsätzlicher und viel konkreter als in der Ära Harnack-Troeltsch45, die Aufrichtung des Menschgottes des 18. und 19. Jahrhunderts bedeute.-aa Gogarten wird sich über michab so wenig wundern wie ich mich über ihn wundere. Die Sonne hat es ja bei mir wie bei ihm nur an den Tag gebracht.46 Wir sind jetzt ˹beide˺ klüger als wir vor dreizehn |505 540 Jahren oder noch vor einem Jahr waren. Das muss aber heißen: wir sind nun geschiedene Leute. Es hätte keinen Sinn mehr, sondern es könnte die theologische und kirchliche Öffentlichkeit nur noch irreführen und verwirren, wenn wir fernerhin nach außen eine Gruppe und Front darstellen wollten. Gogarten steht dort, wo E. Hirsch, wo Wobbermin47, wo H. M. Müller48, wo Fezer49 und Schumann50, wo sie alle, alle stehen. Wer aber dort steht, mit dem kann und will ich nicht einmal scheinbar ˹in einer Gruppe zusammenstehen und˺ zusammenarbeiten. So wenig wie der Apostel Johannes, wenn die Nachricht stimmt, mit Kerinth zusammen in einer Badeanstalt sein wollte.51 Trotz oder gerade wegenac seines: «Kindlein, liebet euch untereinander!»52

Das ist meine Entscheidung hinsichtlich Gogartens und der Deutschen Christen. Ich nehme an, dass Gogarten selbst sie wenigstens |506 formal verstehen und billigen wird. Sie ist aber nicht die Entscheidung des Schriftleiters und des Verlegers und sie ist, wenn nicht alles täuscht, auch nicht die Entscheidung des größeren Teiles der Leserschaft von Z. d. Z. Ihre Entscheidung geht dahin, dass die kirchliche Krise dieses Jahresad für Z. d. Z. keineae Entscheidung notwendig macheaf, dass die Sonne ˹in unserem Kreise˺ nichts an den Tag gebracht habe, dass theologische Aufsätze auf der Basis jenes Stapelschen Satzes fernerhin ruhig neben einem Aufsatz wie etwa dem ag-von mir-ag über das erste Gebot53 in Z. d. Z. stehen und gelesen werden könnten, kurz, dass, als wäre nichts geschehen,54 in Z. d. Z. alles so weitergehen könne wie bisher. Das klassische Dokument dieser Entscheidung für die Nicht-Entscheidung war das Heft 4 dieses Jahrgangs.55 Auf Grund |507 dieser Entscheidung muss ich meine Mitarbeiterschaft an Z. d. Z. als abgeschlossen ansehen. In einer Zeit wie der jetzigen, wo das Feld der Theologie und Kirche aus einem bloßen Manöverfeld zum Kriegsschauplatz geworden ist wie in den Zeiten, um die wir bis jetzt vorwiegend aus den Büchern wussten – in einer solchen Zeit müsste ich für den theologisch-kirchlichen Inhalt einer Zeitschrift, für die ich mich als Mitbegründer dem Inland und Ausland gegenüber haftbar fühle, die Verantwortung ˹voll˺ mitübernehmen können. Das kann ich aber nicht, wenn auch nur ein einziger von den Deutschen Christen oder den ihnen Nahestehenden fernerhin ebenfalls an dieser Zeitschrift mitarbeitet, wenn die Schriftleitung keinen Sinn dafür hat, dass es mit der Gemütlichkeit ˹und Duldsamkeit˺ nun für einmal vorbei ah-sein muss-ah, wenn ich also befürchten muss, im nächsten Heft z. B. irgend eine sanft-kluge Verteidigung des 541 Arierparagraphen56 auf |508 Grund der Schöpfungsordnungen als einen immerhin auch möglichen Beitrag zur «biblisch reformatorischen Einsicht» zu lesen zu bekommen. Weil ich das nicht kann und weil Schriftleitung und Verlag ihrerseits auch nicht anders können, darum muss ich von Z. d. Z. Abschied nehmen. Georg Merz will, wenn ich ihn recht verstehe, in der Gestaltung von Z. d. Z. im Kleinen die Situation wiederholen, die wir nun in der deutschen evangelischen Kirche im Großen vor uns haben: das interessante Nebeneinander von Ja und Nein.57 Ich meine, dass Z. d. Z. dies der «Christlichen Welt»58, der «Zeitwende»59 oder ähnlichen Organen hätte überlassen dürfen. Ich meine, dass der Ort, von dem aus man solche Synthese für möglich hält, ein geschichtsphilosophischer und kein theologischer ist.60 Ich meine, wahrhaft kirchlich |509 hätte unsere Zeitschrift in der heutigen Zeit nur ˹dann˺ sein können, wenn sie sich als ein bescheidener aber nicht zu durchbrechender Damm gegen die deutsch-christliche Überschwemmung bewährt hätte. Da das nicht möglich ist, kann ich, so leid es mir tut, nichts mehr mit Z. d. Z. zu tun haben. Ich will lieber gar nicht mehr gehört werden, als der Meinung Vorschub leisten, dass ˹man˺ fernerhin gemächlich mit dem einen Ohr mich und mit dem anderen Gogarten hören könne. Wer das will, der soll heute lieber gleich ganz und gar nur Gogarten hören. – Die Gründung und der Bestand von Z. d. Z. war ein Missverständnis. Ein produktives Missverständnis, soviel kann ai-und darf man trotz allem schon heute-ai sagen. aj-Könnte man-aj die Wege der Vorsehung einsehen, so dürften wir vielleicht sogar sagen: ein notwendiges Missverständnis. Aber auf alle Fälle – der unversöhnliche Gegensatz zwischen Gogartens und meiner Arbeit, wie er nun am Tage ist, und noch mehr das Nichtverstehen zwischen Georg Merz und mir hinsichtlich ˹des Ernstes˺ jenes Gegensatzes beweist es – ein Missverständnis. Missverständnisse sind dazu da, um beseitigt zu werden. Z. d. Z. wird kein Missverständnis mehr sein, nachdem ich mich davon zurückgezogen habe.

Erklärungen wie die hier abgegebenen pflegen nachher allerlei Deutungen ausgesetzt zu sein, mit denen man sich die Stellungnahme dazu vereinfachen zu können meint. Und wer kann sich wehren gegen Deutungen? Ich darf aber den Deutern – es ist selbstverständlich, dass ich hier weder an Gogarten noch an Georg Merz denke – einige Warnungen mit auf den Weg geben.

Es werden etliche Lust haben, meinen Rücktritt von Z. d. Z. wie meine ganze Stellung zu der gegenwärtigen kirchlichen Kriseak auf |510 542 den Gegensatz meines reformierten zum lutherischen Bekenntnis zurückzuführen. Ich warne. Selbstverständlich bin ich reformiert. Aber der in der «Glaubensbewegung Deutsche Christen» kulminierende Neuprotestantismus zerstört das lutherische ebensowohl wie das reformierte Bekenntnis. Ein al-in seiner Weise-al so guter Lutheraner wie A. F. C. Vilmar hat einst in nicht ganz unähnlicher Lage ebensowenig mit sich markten lassen, wie dies mir jetzt möglich ist.61 Gute Lutheraner stehenam heute nicht bei den Deutschen Christen, nicht bei den Vermittlern zwischen diesen und unsan Anderen, sondern entschlossen bei uns Anderen! Und schlechte Reformierte genug stehen ganz oder halb bei den Deutschen Christen. Wenn irgend einmal der Augenblick zur Union zwischen den gutenao1 Lutheranern und den gutenao2 Reformierten (ich weiß, wie spärlich beide heute gesät sind) nämlich zur Union in einem neuen Kampfbekenntnis gegen die neueste Gestalt des altbösen Feindes62, gekommen sein sollte, dann heute. Die ernsthaften Fronten laufen heute wirklich durch die ˹Grenzen der˺ beiden überkommenen Bekenntnisse quer hindurch.

Es werden etliche Lust haben, bei diesem Anlass wieder und wieder Betrachtungen des Inhalts anzustellen, dass hinter meinem theologisch-kirchlichen Urteil entscheidend doch nur mein politisches Denken über die Vorgänge dieses Jahres stehe. Ich warne. Selbstverständ|511lichap habe ich darüber meine eigenen Gedanken. Aber wenn ich wirklich von daher zu interpretieren wäre, dann hätte ich wohl schwerlich den deutschen Religiös-Sozialen so gründlich das Konzept verdorben, wie dies schon 1919 nach dem unverdächtigen Zeugnis von ­Leonhard Ragaz geschehen ist,64 dann hätte meine theologisch-kirchliche Affinität zum Marxismus, Liberalismus etc. doch auch in den |512 berüchtigten 14 Jahren65 irgendwie sichtbar werden müssen, dann müssten in dieser Zeit, und ich füge hinzu: auch in diesem Jahr ˹1933˺ meine politisch überwiegend ganz anders als ich eingestellten Zuhörer irgendetwas von diesem bösen ˹kausalen˺ Zusammenhang ˹meiner Theologieaq˺ gemerkt und sich entsprechend verhalten haben. Man beweise mir diesen Zusammenhang aus meinen Büchern, Aufsätzen und Predigten oder man frage, wenn man will, in Göttingen, Münster und Bonn nach, was ich ˹in all den Jahren˺ getan und nicht getan habe, und dann – aber erst dann, setze man˹, wenn man kann und mag,˺ das Reden über meine politischen Hintergründe fort. Bis dahin werde ich es für ein unter Männern unwürdiges Gerede halten.

543 Und es werden etliche Lust haben, bei diesem Anlass nochmals und nochmals darauf hinzuweisen, dass ich eben ein Schweizer und nicht, wie Hirsch so schön schrieb, «von der Wurzel bis zum Wipfel» ein Deutscher sei.66 Ich warne. Selbstverständlich bin ich ein Schweizer, |513 nicht nur halb, sondern ganz, genau so wie ich nun ebenfalls nicht halb, sondern ganz zwölf Jahre lang mein Leben in Deutschland gelebt, meine Arbeit in Deutschland getan habe. Aber es gibt doch auch Schweizer, und zwar in der Schweiz lebende Schweizer, die nicht höher als auf Gogarten schwören, und andererseits gute Deutsche, und zwar in Deutschland lebende Deutsche, die gar nicht daran denken, dies zu tun. Seit wann ist es üblich, den Heimatschein eines Menschen zum Argument in einer sachlichen Auseinandersetzung zu machen? Was gedenkt man eigentlich in der Sache, um die es heute in Theologie und Kirche geht, ar-mit diesem Argument-ar zu beweisen? Will man etwa mir und so und so viel geborenen Deutschen mit mir einreden, as-das echte Deutschtum fange erst mit dem Arianismus67 und-as mit dem Bekenntnis zur natürlichen Theologie an? Ein ernstes ˹verantwortliches˺ Mittragen des deutschen Schicksals68 müsse sich ausgerechnet in der Kniebeugung vor den Mysterien der Deutschen Christen oder doch in der Respektierung ihres angeblich berechtigten «Anliegens» erweisen?69 Ich weiß wohl, in welchem Stück ich ein Schweizer bin und mitten in der deutschen Theologie und Kirche |514 auch total und unentwegt bleiben will – in dem nämlich, was bei dem sehr profanen Gottfried Keller zu lesen steht:

Heilat uns, noch ist bei Freien üblich
Ein leidenschaftlich freies Wort!70

Und ich meine allerdings, dass ich – wenn denn von meinem Heimatschein durchaus die Rede sein soll – meine Liebe zu Deutschland˹, meine Zugehörigkeit zu ihm˺ nicht wohl besser beweisen kann als indem ich in diesem Sinn mitten in Deutschland ˹aber˺ im Unterschied zu vielen Deutschen ein – Schweizer bin. Man zeige mir, mit welchem Recht man mich deshalb erledigen willau!

Dies an die Adresse der Leichtfertigen! – Ich weiß, dass auch Ernsthafte, auch Menschen, die sich der erwähnten, törichten Argumentationen enthalten werden, Menschen, die sich auch sachlich, auch gegenüber den Deutschen Christen, auch gegenüber den Vermittlern weithin mit mir eins wissen, über meine schroffe Haltung in der gegenwärtigen ˹kirchlichen˺ Lage und nun auch über diese meine besondere Absage den Kopf schütteln werden. Ich gebe zu, 544 dass es auchav im gegenwärtigen Augenblick angesichts der Verschiedenheit der Temperamente und Lebensführungen nicht ohne weiteres Jedermanns Sache sein kann, so scharf zu sein, wie ich es offenbar bin. Wenn aw-man mir nur umgekehrt zeigen könnte-aw, mit welchem inneren Recht man heute weniger scharfax sein darfay! Bis dahin az-möge |515 man-az mir glauben, dass ich nicht nur der Sache, um die es uns allen gehen muss, sondern auch und gerade allen ˹denen,˺ denen es mit dieser Sache ernst ist, ob sie mich in diesem Augenblick verstehen oder nicht, gerade damit Treue zu halten meine, dass ich jetzt scharf binba und also z. B., da ich Z. d. Z. nicht scharf machen kann, von Z. d. Z. Abschied nehme. Ich bin der Meinung, dass ich mit dieser Tatbb manchembc deutlicher sagen kann, was ich sagen möchte, als wenn ich in Z. d. Z. im bisherigen Rahmen weitere bd-Worte machen würde-bd. Und ich bin der Hoffnung, dass be-dieser Schritt-be einmalbf auch denen als sinnvoll einleuchten wird, deren letzter Eindruck jetzt doch bloß der sein sollte, dass ich reichlich – eigensinnig sei.

Meine künftigen Veröffentlichungen werden bis auf weiteres in einer zwanglos erscheinenden Schriftenreihe unter dem Titel «Theologische Existenz heute» im Verlag Chr. Kaiser München erscheinen, die Eduard Thurneysen und ichbg herauszugeben schon begonnen haben.71bh

Karl Barth.

Textkritische Fußnoten

a-a
Mskr.: «unseres Kreises»↩
b
Mskr.: «vermeintlich».↩
c
Mskr.: «Häupter»; im Tskr. von «Häupter» in «Führer» korrigiert.↩
d-d
Mskr.: «uns nicht unbewussten vorhandenen»↩
e
Mskr.: «‹anthropologische›».↩
f-f
Mskr.: «‹natürlichen Theologie›».↩
g
Im Tskr. handschriftlich ergänzt; im Mskr. fehlt hier die Jahresangabe, dafür ist sie – samt der Angabe «S. 340f.» – hinter dem ersten Aufsatztitel in Klammern vermerkt.↩
h
Fehlt im Mskr.; im Tskr. handschriftlich ergänzt.↩
i
Mskr.: «schon».↩
j
Im Mskr. und im Tskr. folgt: «und wieder in anderer Weise auch Rudolf Bultmann».↩
k
Im Mskr. und im Tskr. nicht hervorgehoben.↩
l
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
m-m
Mskr.: «engen und weiten».↩
n-n
Mskr.: «es»; im Tskr. «es» durchgestrichen und in den obigen Text korrigiert.↩
o-o
Mskr.: «rückversichert zu werden».↩
p-p
Mskr.: «kam es ganz anschaulich zum Vorschein».↩
q
Mskr.: «bald».↩
r
ThExh 7: «Laufe».↩
s-s
Mskr.: «zu».↩
t
Mskr.: «Gog[arten]».↩
u
ThExh 7: «13».↩
v
Mskr.: «Er».↩
w
Mskr.: «ist, wie man jetzt post eventum sagen kann, aber auch sagen muss,».↩
x
Mskr.: «dieser».↩
y
Mskr.: «meinten».↩
z-z
Mskr.: «das gemeint».↩
aa-aa
Fehlt im Mskr.; im Tskr. handschriftlich ergänzt.↩
ab
Mskr.: «das Alles» (im Tskr. durchgestrichen und in den obigen Text korrigiert).↩
ac
Im Mskr. hervorgehoben.↩
ad
Mskr.: «Sommers»↩
ae
Im Mskr. hervorgehoben.↩
af
Mskr.: «gemacht»↩
ag-ag
Mskr.: «meinigen».↩
ah-ah
Mskr.: «ist».↩
ai-ai
Mskr.: «man schon heute trotz Allem».↩
aj-aj
Mskr.: «Könnten wir».↩
ak
Mskr.: «Krisis».↩
al-al
Fehlt im Mskr.; im Tskr. handschriftlich ergänzt.↩
am
Mskr.: «stehen auch».↩
an
Mskr.: «den».↩
ao1
Im Mskr. hervorgehoben.↩
ao2
Im Mskr. hervorgehoben.↩
ap
Im Mskr. folgt: «– die Gedanken sind frei!63 –».↩
aq
ThExh 7: «Theorie».↩
ar-ar
Mskr.: «damit».↩
as-as
Mskr.: «der echte Deutsche fange erst beim Arianer und das echte Deutschtum fange erst».↩
at
Mskr. und Tskr.: «Wohl».↩
au
Mskr.: «kann».↩
av
Fehlt in ThExh 7.↩
aw-aw
Mskr.: «sie mir nur umgekehrt zeigen könnten».↩
ax
Mskr.: «scharf als so».↩
ay
Im Mskr. nicht hervorgehoben.↩
az-az
Mskr.: «mögen sie».↩
ba
Mskr.: «sein will».↩
bb
Im Mskr. und im Tskr. nicht hervorgehoben.↩
bc
Mskr. und Tskr.: «vielleicht Manchem».↩
bd-bd
Mskr.: «– Worte gemacht hätte»; Tskr.: «Worte machen würde».↩
be-be
Mskr.: «diese Sache».↩
bf
Mskr.: «irgend einmal».↩
bg
Mskr.: «ich zusammen».↩
bh
Der petit gesetzte Absatz wurde in ThExh 7 nicht mit abgedruckt.↩

Sachfußnoten

1
E. Thurneysen, [Erklärung], in: ZZ 11 (1933), S. 544–551. 📖↩
2
G. Merz, [Erklärung], in: a.a.O., S. 551–554. 📖↩
3
Brief Barths an G. Merz vom 20.1.1933 (KBA 9233.25; Br. 1933, S. 43 📖).↩
4
Brief Brunners an Barth vom 13.12.1932 (KBA 9125.157; Bw.Brunner, S. 210 📖).↩
5
KBA 9233.13; Bw.Brunner, S. 214. 📖↩
6
Ebd. 📖↩
7
Brief Barths an Merz vom 20.1.1933 (KBA 9233.25; Br. 1933, S. 42 📖). Zur Kritik an Brunner s. oben, S. 216, Anm. 31; zu Gogarten vgl. unten im Text.↩
8
Siehe dazu auch unten, Anm. 39. Vgl. Bw.Th. III, S. 341–343.348–354 📖; M. M. Lichtenfeld, Georg Merz - Pastoraltheologe zwischen den Zeiten. Leben und Werk in Weimarer Republik und Kirchenkampf als theologischer Beitrag zur Praxis der Kirche (LKGG 18), Gütersloh 1997, S. 191f. 📖↩
9
Barth gab in einem Brief aus den Ferien seine Eindrücke zu der nach den Kirchenwahlen (s. oben, S. 384.390–392) herrschenden Situation so wieder: «Es ist Alles sehr verworren und dunkel. Die D[eutschen] Chr[isten] haben nun äußerlich vollständig die Oberhand in sämtlichen Behörden und Synoden, und wie ich es voraussah, leisten die Jung-Reformatorischen keinen rechten Widerstand, wenn sie nicht gar, wie sogar ... Gogarten !!! direkt zu den D[eutschen] Chr[isten] übergehen. Ich muss mich jetzt sogar von Georg Merz trennen, der in ZdZ und sonst eine Kirchenpolitik gemacht hat, die ich nur für faul halten kann. Es ist eben erschütternd [...], wie dieser Sommer Scheidungen auf Mark und Bein nach allen Seiten hervorgebracht oder vielmehr ans Licht gebracht hat» (Brief an A. Barth vom 16.8.1933 [KBA 9233.200; Br. 1933, S. 328 📖]).↩
10
An der Sitzung nahmen außerdem Charlotte von Kirschbaum und Rudolf Pestalozzi teil. Zu den Einzelheiten der Beratung und den sich anschließenden Entwicklungen s. Lichtenfeld (Anm. 8), S. 193–212. 📖↩
11
So eine Formulierung Barths im von Thurneysen erstellten Protokoll des Treffens («Sitzung ‹Zwischen den Zeiten›. 30. September 1933 in München» [KBA, Dokumente und Materialien 1933–1935], S. 5).↩
12
A.a.O., S. 7.↩
13
Ebd.↩
14
Am 16. Oktober äußerte Barth gegenüber Thurneysen noch seine Absicht zum Schreiben: «Ich [...] will nun in der nächsten Zeit versuchen, das, was ich in der Sache zu sagen habe, aufzusetzen. Ich würde, wie in München schon gesagt, größten Wert darauf legen, dass du dich dabei in einem eigenen Votum vernehmen lässest, und werde dir darum meinen Schrieb, sobald er vorliegt, zusenden» (KBA 9270.603; Bw.Th. III, S. 513 📖). Kurzzeitig wurde von Barth erwogen, statt solcher Erklärung einfach das Protokoll der Münchener Besprechung abdrucken zu lassen (vgl. ebd.).↩
15
Brief Ch. von Kirschbaums an Merz vom 2.11.1933 (KBA 9233.305; teilweise abgedruckt bei Lichtenfeld [Anm. 8], S. 203 📖).↩
16
Vgl. Brief Ch. von Kirschbaums an Merz vom 6.11.1933 (KBA 9233.307); Lichtenfeld (Anm. 8), S. 204. 📖↩
17
KBA 9333.872.↩
18
KBA 9333.876 und KBA 9333.877. Der Brief an Lempp findet sich teilweise abgedruckt bei Lichtenfeld (Anm. 8), S. 206f. 📖↩
19
Ein Faksimile der ersten Seite der zurückgezogenen Druckfahne findet sich a.a.O., S. 198.↩
20
Siehe oben, Anm. 2.↩
21
Merz, [Erklärung] (Anm. 2), S. 553. 📖↩
22
Brief Lempps an Merz vom 15.11.1933, zitiert bei Lichtenfeld (Anm. 8), S. 207 📖. Vgl. zum Ganzen auch M. Beintker, Barths Abschied von «Zwischen den Zeiten». Recherchen und Beobachtungen zum Ende einer Zeitschrift (2009), in: ders., Krisis und Gnade. Gesammelte Studien zu Karl Barth, hrsg. von St. Holtmann / P. Zocher, Tübingen 2013, S. 86–107. 📖↩
23
KBA 10044. Es handelt sich um einzelne Rückseiten des Typoskripts von Theologische Existenz heute! (s. oben, S. 279, Anm. 43).↩
24
KBA 10045.↩
25
Den Entschluss zur Gründung von ZZ und zur Beauftragung von Georg Merz als Schriftleiter fassten Barth, Thurneysen und Gogarten am 18. August 1922 im «Bergli» oberhalb von Oberrieden am Zürichsee (vgl. Busch, S. 158f. 📖; Fotos von dieser «Gründungsversammlung» finden sich a.a.O., S. 172 [Abb. 32], bei Lichtenfeld [Anm. 8], S. 175 📖, und in: Friedrich Gogartens Briefwechsel mit Karl Barth, Eduard Thurneysen und Emil Brunner, mit einer Einführung hrsg. von H. G. Göckeritz, Tübingen 2009, S. XXXIV u. XXXIX 📖). Am 16. September 1922 schloss man in München den Vertrag mit dem Chr. Kaiser Verlag ab; das erste Heft erschien bereits im Oktober 1922. Vgl. Lichtenfeld, S. 174–179.↩
26
Der namentlich unbekannte Zuschauer ist unter den Hörern des am 3. Oktober 1922 in Elgersburg gehaltenen Vortrags Das Wort Gottes als Aufgabe der Theologie zu vermuten, in welchem Barth den dialektischen Weg theologischer Arbeit in programmatisch deutbarer Weise thematisiert hatte (vgl. V.u.kl.A. 1922–1925, S. 144–175, bes. S. 166–172 📖).↩
27
Vgl. H. M. Müller, Credo, ut intelligam. Kritische Bemerkungen zu Karl Barths Dogmatik, in: ThBl 7 (1928), Sp. 167–176, Zitat Sp. 175 📖: «‹Die› dialektische Theologie ist ein Phantom. Barth hat sie einst ins Leben gerufen. Aber heute sind ihre Führer untereinander methodisch viel uneiniger als die politischen Generale in China.»↩
28
Albert Lempp.↩
29
In KD I/1, S. 128–136 📖, hatte sich Barth eingehend mit Gogartens Einwand auseinandergesetzt, der «Christlichen Dogmatik» von 1927 mangele es noch an hinreichenden anthropologischen Sachklärungen (vgl. Fr. Gogarten, Karl Barths Dogmatik, in: ThR.NF 1, 1929, S. 60–80 📖; vgl. oben, S. 39, Anm. 62). Im Sommer 1931 – also ein Jahr vor der Drucklegung – übersandte Barth diese längere und eine weitere kürzere Passage (KD I/1, S. 177–180) des Manuskripts an Gogarten und schrieb dazu: «Lieber Gogarten! Ich habe dies Semester einen Teil meiner Prolegomena in der neuen Fassung, die ich dem Buche geben möchte, in der Vorlesung vorgetragen. Dabei bin ich an zwei Stellen, die beide als Exkurse gedacht und zu drucken sind, auch auf dich und deine Rezension in der Theol. Rsch. zu sprechen gekommen. Diese beiden Stellen möchte ich dir hier im Durchschlag zur Kenntnisnahme unterbreiten, einmal um allfälligen Studentennachrichten über das Gesagte zuvorzukommen, sodann um dich, wenn du Zeit und Lust dazu hast, zu veranlassen, mir vielleicht das Nötige dazu zu sagen» (Brief an Gogarten vom 28.7.1931 [KBA 9231.215; Friedrich Gogartens Briefwechsel (Anm. 25), S. 285 📖]).↩
30
Fr. Gogarten, Politische Ethik. Versuch einer Grundlegung, Jena 1932. 📖↩
31
Fr. Gogarten, Staat und Kirche, in: ZZ 10 (1932), S. 390–410. 📖↩
32
Fr. Gogarten, Schöpfung und Volkstum, in: ZZ 10 (1932), S. 481–504. 📖↩
33
Siehe Fr. Gogarten, Die religiöse Entscheidung, Jena 1921 (19242), S. 2. 📖 – Zur komplizierten Geschichte dieses «Thomaswortes» vgl. V.u.kl.A. 1925–1930, S. 22f., Anm. 56. 📖↩
34
Zu Barths wachsender Distanz zu Brunner s. oben, S. 38f.41f. und S. 216.231–233.↩
35
Siehe oben, S. 230–233.↩
36
Die von Friedrich Rittelmeyer (1872–1938) und Christian Geyer (1862–1929) 1910 gegründete Zeitschrift «Christentum und Gegenwart» wurde 1924 in «Christentum und Wirklichkeit» umbenannt und kam nach dem Tod von Geyer nach mehrjährigen Verhandlungen 1932 zum Chr. Kaiser Verlag. Georg Merz wollte das Blatt zu einem praktisch-theologisch orientierten Seitenstück von «Zwischen den Zeiten» entwickeln (vgl. Lichtenfeld [Anm. 8], S. 239f. 📖). Mit Beginn des Jahres 1934 erschien es unter dem Titel «Evangelium und Gegenwart».↩
37
Rittelmeyer und Geyer, die Begründer von «Christentum und Wirklichkeit», waren Pfarrer in Nürnberg, denen der in Oberfranken geborene Georg Merz seit seiner Studienzeit sehr verbunden war. Vgl. Lichtenfeld (Anm. 8), S. 96–101. 📖↩
38
Diese Zeitangabe wird sich auf den Beginn der engen Arbeitsgemeinschaft zwischen Barth und Thurneysen im Sommer 1914 beziehen.↩
39
Mit Beginn des Jahres 1933 entfielen die bis dahin üblichen Angaben auf der Titelseite der Hefte von «Zwischen den Zeiten»: «Verantwortlicher Schriftleiter: Pfarrer Georg Merz, Bethel bei Bielefeld. Ständige Mitarbeiter: Prof. D. Karl Barth, Bonn; Prof. D. Friedrich Gogarten, Breslau; Pfarrer D. Eduard Thurneysen, Basel» (zum Hintergrund s. oben, S. 493). Barth berichtete Thurneysen am 31.1.1933 über ein Gespräch mit dem Verleger, dass er durchaus nicht an ein Ende der Zeitschrift gedacht habe, aber für «jede humane, im besten Sinn zwischenzeitliche Lösung durchaus offen» sei. Und er führte dann aus: «Eine solche haben wir denn nun auch bis auf Weiteres vereinbart. Es ist die in meinem Brief an Georg [Merz] auch schon erwogene: Streichung aller drei offiziellen ‹Mitarbeiter›, als schlichte Tatsache, also ohne eine öffentliche Erklärung über den Grund. Der mag dann durchsickern oder auch nicht durchsickern – verschwiegen zu werden braucht er niemandem, der danach fragen sollte – das falsche Bild, das jetzt gestellt wird, hört auf, und jeder steht nach außen nur noch für seine Sachen ein» (Brief vom 30./31.1.1933 [KBA 9233.28; Bw.Th. III, S. 352 📖]).↩
40
Im 1. Juniheft der von Wilhelm Stapel und Albrecht Erich Günther herausgegebenen Halbmonatsschrift «Deutsches Volkstum» hatte Gogarten unter anderem ausgeführt: «[...] die Herrschaft Jesu Christi trifft den Menschen in seiner irdischen Wirklichkeit. Denn sie trifft ihn da, wo er unter dem Gesetz steht, und zwar da, wo er von Natur oder, wie ich lieber sagen möchte, wo er in seiner irdischen Geschichte unter dem Gesetz steht. Unter dem Gesetz, soll das heißen, das aus seiner Geschichte heraus seine Existenz regiert. Und das ist das Gesetz, der Nomos des Volkes und, wie man außerdem ausdrücklich sagen muß, das Gesetz seines Volkes» (Fr. Gogarten, Die Selbständigkeit der Kirche, in: Deutsches Volkstum, Jg. 15 [1933], S. 445–451, Zitat S. 448 📖). Zur Rückführung dieser Argumentation auf Stapels Theorie vom Volksnomos vgl. W. Stapel, Der christliche Staatsmann. Eine Theologie des Nationalismus, Hamburg 1932, S. 174–185. 📖↩
41
Siehe unten, Anm. 43.↩
42
Fr. Gogarten, Einheit von Evangelium und Volkstum?, Hamburg 1933, S. 18 📖: «Denn das Gesetz ist uns in unserem Volkstum gegeben. Hier kann ich Stapel nur schlechtweg zustimmen.» A.a.O., S. 23, wiederholt Gogarten fast wörtlich die in Anm. 40 wiedergegebene Aussage.↩
43
Gogarten gab Anfang August 1933 seinen Beitritt zu den «Deutschen Christen» bekannt (vgl. Scholder I, S. 538 📖). Er habe «mit einer kleinen Gruppe von schlesischen Pfarrern und Kirchenleuten» seinen Beitritt erklärt, weil dort der «geschichtliche Ort» sei, «an dem sich entscheiden wird, was an unseren Kirchen ist. Dort wird auch die entscheidende theologische Auseinandersetzung erfolgen» (Brief Gogartens an Merz vom 20.9.1933, zit. in Merz, [Erklärung] [Anm. 2], S. 552 📖; vgl. auch Lichtenfeld [Anm. 8], S. 195f. 📖). Gogarten bemerkte weiter: «Man muß Staat und Volk, die, ich will mich vorsichtig ausdrücken, mit Gesetz zu tun haben und Gesetz in irgendeiner Weise handhaben und repräsentieren, ernst genommen haben, um sich im Namen des Evangeliums gegen sie wenden zu dürfen, wenn sie ihre Grenzen überschreiten» (ebd.). Nach H. G. Göckeritz, Zwei Wege zwischen den Zeiten. Zur Einführung, in: Friedrich Gogartens Briefwechsel [Anm. 25], S. 1–145, dort S. 82–84 📖, bleibt allerdings unklar, ob die Beitrittserklärung auch zu einer formellen Aufnahme der Gruppe geführt hat.↩
44
Für diese Wendung findet sich bei Luther nur ein – hier nicht passender – wörtlicher Beleg: «Auch wil ich hie mit meinen lieben Deutschen die Postillen credentzen mitten ausz dem fasz» (WA 8, 343,28f. 📖). Die Wendung lässt sich jedoch per negationem rekonstruieren: Zwingli und seine Anhänger handelten nach Luthers Auffassung «auch mit so blödem verzagtem gewissen, das mich dunckt, sie wolten, Es were das bier widder ym fasse» (WA 23, 73,10f. 📖; vgl. WA.Br 5, 331,48f. 📖), d. h. sie hätten am liebsten das Fass nicht geöffnet, will sagen: die Sache nicht angefangen.↩
45
Gemeint sind die Jahre ab etwa 1890 bis zum Ersten Weltkrieg, in denen Adolf von Harnack und Ernst Troeltsch zu den führenden und einflussreichsten Theologen des Protestantismus gehörten.↩
46
Vgl. A. von Chamissos Ballade «Die Sonne bringt es an den Tag» (1827), gedichtet nach dem Motiv des in die Sammlung der Gebrüder Grimm aufgenommenen Märchens «Die klare Sonne bringts an den Tag» (vgl. H.-J. Uther, Handbuch zu den Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm. Entstehung – Wirkung – Interpretation, Berlin 2008, S. 256f. 📖).↩
47
Georg Wobbermin (1869–1943), 1922–1935 Prof. für Systematische Theologie in Göttingen, war seit 1. Mai 1933 Mitglied der NSDAP. Zu seiner engagierten Parteinahme für das «Dritte Reich» vgl. G. Wobbermin, Karl Barths Angriff auf die Glaubensbewegung Deutsche Christen, in: CuW 9 (1933), S. 302–304. 📖 Vgl. auch M. Wolfes, Protestantische Theologie und moderne Welt. Studien zur Geschichte der liberalen Theologie nach 1918 (TBT 102), Berlin / New York 1999, S. 251.322ff. 📖↩
48
Hans Michael Müller (1901–1989), seit 1928 Privatdozent in Jena, 1934 Prof. für Systematische Theologie in Königsberg, 1933/34 theologischer Referent Ludwig Müllers. Mit seiner Habilitationsschrift hatte sich Barth 1929 in einer eingehenden Rezension beschäftigt (V.u.kl.A. 1925–1930, S. 442–457 📖). H. M. Müller war der oben erwähnte «jüngere Frechling» (s. oben, Anm. 27).↩
49
Karl Fezer war der maßgebliche Autor der Richtlinien der Deutschen Christen vom 16. Mai 1933 (s. oben, S. 321f., Anm. 115).↩
50
Auch Friedrich Karl Schumann (1886–1960), seit 1932 Prof. für Systematische Theologie in Halle/Saale, gehörte seit dem Sommer 1933 zu den theologischen Beratern Ludwig Müllers.↩
51
Nach Irenäus, Adversus haereses III, 3,4 📖, berichtete Polykarp von Smyrna, der Herrenjünger Johannes «habe in Ephesus ein Bad betreten und dann gesehen, daß Kerinth darin war. Da sei er aus dem Bad herausgesprungen, ohne gebadet zu haben, und habe erklärt: ‹Schnell weg! Das Bad könnte einstürzen, wenn Kerinth darin ist, der Feind der Wahrheit.›» (Irenäus von Lyon, Adversus Haereses. Gegen die Häresien, übers. u. eingel. von N. Brox, Bd. III [FChr 8/3], Freiburg/Br. u. a. 1995, S. 37).↩
52
Vgl. 1.Joh. 3,11. 18. 23; vgl. auch Joh. 13,34; 15,12. 17. ↩
53
Das erste Gebot als theologisches Axiom (s. oben, S. 209–241). 📖↩
54
Vgl. oben, S. 280.↩
55

Heft 4 (ZZ 11 [1933], S. 289–376) erschien im August 1933 und wurde mit Barths Predigt über Luk. 6,36–42 (a.a.O., S. 289–296 📖; Predigten 1921–1935, S. 287–295 📖) und seinem Aufsatz Das erste Gebot als theologisches Axiom (ZZ 11 [1933], S. 297–314 📖; s. oben, Anm. 53) eröffnet. Daneben enthielt es die folgenden Aufsätze: E. Fuchs, Theologie und Metaphysik. Zu der theologischen Bedeutung der Philosophie Heideggers und Grisebachs (a.a.O., S. 315–326) 📖; K. Stoevesandt, Medizin und menschliche Existenz (a.a.O., S. 326–344) 📖; H. Vogel, Die Endversiegelung des Schönen (a.a.O., S. 345–356) 📖; G. Wieser, Gesetz und Evangelium in der Pädagogik (a.a.O., S. 357–362) 📖; H. Schomerus, «Konfessionalität und politische Haltung» (a.a.O., S. 362–367) 📖. Weiter erschienen zwei Rezensionen, verfasst von Hinrich Knittermeyer und Albert Schädelin (a.a.O., S. 367–371 📖.371–374 📖), und eine Stellungnahme von Georg Merz zu Barths Schrift Theologische Existenz heute! (G. Merz, Mitteilungen und Hinweise, in: a.a.O., S. 374–376 📖).   

Barth hatte seine Kritik an diesem Heft auf der Münchener Besprechung zur Zukunft von ZZ konkreter geäußert: «Knittermeyer bekommt noch einmal das Wort, und in der Umschau stellt sich Georg Merz in diesem Augenblick in die Haltung vermittelnder Betrachtung zwischen die beiden Lager» (Protokoll «Sitzung ‹Zwischen den Zeiten›» [Anm. 11], S. 1). Hinrich Knittermeyer engagierte sich inzwischen bei den Bremer Deutschen Christen (s. oben, S. 331f., Anm. 138). Barths Kritik könnte sich auch auf den Abdruck des Artikels des ähnlich exponierten Hans Schomerus bezogen haben, vor allem aber eben auf die Stellungnahme von Georg Merz. In seinen Mitteilungen und Hinweisen lobte dieser zwar Theologische Existenz heute! als «mahnende[n] Ruf» (S. 375), zeigte jedoch vor allem Verständnis für die von Barth kritisierte kirchliche Opposition und ihre Fragestellungen. Unter anderem verteidigte er Zoellner und Asmussen gegen Barths Kritik an deren kirchenpolitischem Kurs: «Was sie bewegte, war jedenfalls nicht das, was Karl Barth vermutet» (ebd.). Den Abdruck des Beitrags von Schomerus, der sich mit einem Artikel Asmussens (H. Asmussen, Konfessionalität und politische Haltung, in: ZZ 11 [1933], S. 111–125 📖) auseinandersetzte und auch Barth kritisierte, nannte Merz eine dem Ansinnen, die Auseinandersetzung «theologisch zu gestalten», dienende «Bemühung» und erklärte zugleich, dass er die «in ihr gegebene Diagnose der Barth’schen Rechtfertigungslehre für falsch halte» (S. 375f.). Den Beitritt einiger Mitarbeiter der Zeitschrift, z. B. Knittermeyers, zu den Deutschen Christen verteidigte Merz zwar nicht, sah dahinter jedoch die «wichtige theologische Frage» stehen, «ob die protestantische Kirche das Recht habe, sich als besondere Gemeinschaft gegenüber dem Staat abzugrenzen oder ob sie nicht vielmehr unter Verzicht auf äußere Deutlichmachung ihrer Besonderheit ihren Dienst am Volke auszurichten habe» (S. 376). Zu diesem Thema wies Merz abschließend ausgerechnet auf den Stapels Nomos-Lehre rezipierenden Aufsatz Gogartens im Juniheft von «Deutsches Volkstum» (s. oben, Anm. 40) hin.↩

56
Siehe oben, S. 474, Anm. 63. – Unmittelbar vor Abschied erschien in ZZ ein Aufsatz von Georg Merz, in dem dieser dem Arierparagraphen innerhalb der Kirche eine klare Absage erteilte, aber auch schrieb: «Der Staat des dritten Reiches mag zum Unterschied vom ersten Reich durch volkspolitische Erwägungen genötigt sein, ihm [= dem Juden] den Eingang in das natürliche Volk zu versagen. Der lutherische Christ, dem es erlaubt ist, ‹nach kaiserlichem und anderen üblichen Rechten Urteil und Recht zu sprechen› (C.A. XVI) kann auch dies Gesetz bejahen» (G. Merz, Zur theologischen Erörterung des Ariergesetzes, in: ZZ 11 [1933], S. 529–535, Zitat S. 533 📖).↩
57
Vgl. dazu die oben, Anm. 55, zitierten Aussagen von Georg Merz, der diese Einschätzung Barths auch im Nachhinein bestätigte: Im Anschluss an Barths und Thurneysens Erklärungen betonte er noch einmal, dass er die weitere Nachbarschaft von Gogarten und Barth in einer Zeitschrift trotz oder gerade wegen ihrer Kontroverse für durchaus wünschenswert gehalten hätte: «Es wäre mir [...] lieb gewesen, wenn die Auseinandersetzung über diese Dinge in Z.d.Z. geführt worden wäre. Nach meiner festen Überzeugung hätte davon nicht nur unser Kreis, sondern auch die ganze Kirche und ihre Theologie Gewinn gehabt» (Merz, [Erklärung] [Anm. 2], S. 553 📖).↩
58
Die 1886 gegründete und mit dem Lebenswerk von Martin Rade (1857–1940) untrennbar verbundene «Christliche Welt. Protestantische Halbmonatsschrift für Gebildete aller Stände», an der Barth 1908/09 als Redaktionsgehilfe gearbeitet hatte, war das führende Blatt des liberalen, richtungsoffenen Protestantismus in Deutschland.↩
59
Die 1925 von Tim Klein, Otto Gründler und Friedrich Langenfaß gegründete evangelische Monatsschrift «Zeitwende» verstand sich als Forum protestantischer Kultur und Kunst und verfolgte einen zeittypischen nationalprotestantischen Kurs (vgl. E. Hauschildt, Art. «Klein, Tim», in: BBKL 3, Sp. 1592–1594 📖).↩
60
In der Münchener Besprechung über das Schicksal von ZZ formulierte Barth diesen Gedanken gegenüber der Vorstellung einer «auch bei differenter theologischer Einstellung weiter bestehenden sozus[agen] geschichtlich gewordenen Führungsgemeinschaft» zwischen ihm und Gogarten, wie sie von Merz behauptet worden war, so: «Indem du das so formulierst und dich auf die Seite dieser Führungsgemeinschaft stellst, treibst Du sozus[agen] Geschichtsphilosophie. Du meinst, die bestimmte Lage […] überblicken zu können und überbrückst durch diesen Überblick die Gegensätze, die für mich scharf formulierte Gegensätze zwischen kirchlicher Lehre und Häresie sind» (Protokoll «Sitzung ‹Zwischen den Zeiten›» [Anm. 11], S. 5).↩
61
Anspielung auf die energische Verteidigung des lutherischen Bekenntnisstandes der kurhessischen Kirche durch August Vilmar (1800–1868) und dessen Absage an den Unionismus, den er auf eine rationalistische Vergleichgültigung des Bekenntnisses der Kirche zurückführte (vgl. J. Haußleiter, Art. «Vilmar, August Friedrich Christian», in: RE3 20, S. 649–661, dort S. 656ff. 📖). Insbesondere ist an Vilmars Rolle im sogenannten kurhessischen Symbolstreit von 1839 zu denken (vgl. dazu W. Hopf, August Vilmar. Ein Lebens- und Zeitbild, Bd. I, Erlangen 1913, S. 386ff. 📖).↩
62
Vgl. aus der ersten Strophe von Luthers Lied «Ein feste Burg ist unser Gott» (EG 362,1; RG 32,1) 🎵:
Der altböse Feind mit Ernst er’s jetzt meint;
groß Macht und viel List sein grausam Rüstung ist,
auf Erd ist nicht seinsgleichen.
↩
63
Kehrvers des Volkslieds «Die Gedanken sind frei» 🎵. Die erste Strophe lautet:
Die Gedanken sind frei,
wer kann sie erraten?
Sie fliegen vorbei
wie nächtliche Schatten.
Kein Mensch kann sie wissen, kein Jäger sie schießen.
Es bleibet dabei:
Die Gedanken sind frei!
(zit. nach: Schlesische Volkslieder mit Melodien, aus dem Munde des Volkes gesammelt und hrsg. von H. von Fallersleben / E. Richter, Leipzig 1842, S. 307 📖).↩
64
Im September 1919 hatte Barth auf der religiös-sozialen Konferenz in Tambach den berühmt gewordenen Vortrag Der Christ in der Gesellschaft (V.u.kl.A. 1914–1921, S. 546–598) 📖 gehalten. Barths Einschätzung vermittelt einen zutreffenden Eindruck von der unmittelbaren Wirkung des Vortrags (vgl. a.a.O., S. 552–554 📖; G. Dehn, Die alte Zeit. Die vorigen Jahre. Lebenserinnerungen, München 1962, S. 217–222 📖; Busch, S. 122–125 📖). Leonhard Ragaz (1868–1945), der führende Vertreter der religiös-sozialen Bewegung in der Schweiz, urteilte im Hinblick auf Barths Tambacher Vortrag rückblickend: «[...] viele der Deutschen lernten dadurch die Hauptelemente unserer religiös-sozialen Botschaft zum ersten Mal kennen und wurden dadurch mächtig angezogen; aber sie lernten sie in ihrer dialektischen Fassung und Entstellung kennen, und dadurch wurde ihre revolutionäre Wirkung paralysiert» (L. Ragaz, Mein Weg, Bd. II, Zürich 1952, S. 191 📖; vgl. M. Mattmüller, Leonhard Ragaz und der religiöse Sozialismus. Eine Biographie, Bd. II, Zürich 1968, S. 245–256 📖). Vgl. auch L. Ragaz, Von der schweizerischen religiös-sozialen Bewegung zur dialektischen Theologie, in: Reich Gottes – Marxismus – Nationalsozialismus. Ein Bekenntnis religiöser Sozialisten, hrsg. von G. Wünsch, Tübingen 1931, S. 1–65, Zitat S. 40 📖: «Während Wort und Wirklichkeit eins sein sollen, hat die dialektische Theologie sie wieder getrennt. […] Ihr Fehler ist eine falsche Weichenstellung. […] Sie hat unsere Sache von der lebendigen Wirklichkeit ab auf das Geleise der Theologie gelenkt. Darum heißt sie auch Theologie und in ihrem Namen liegt schon die Kritik: Statt Reich Gottes Theologie!»↩
65
Anspielung auf die damals gängige Diffamierung der Weimarer Republik.↩
66
In seiner Stellungnahme zu Theologische Existenz heute! (s. oben, S. 271–363) sprach Emanuel Hirsch von Barths Blindheit «für den großen vorbereitenden Dienst, den die Kirche am ganzen Leben des Volkes tun soll», und führte dann aus: «[...] ich kann mir [...] nicht denken, daß er hier blind wäre, wenn er von der Wurzel bis zum Wipfel Deutscher wäre wie wir, wenn er das Schicksal unsers Volkes in Krieg und Niederlage und Selbstentfremdung und nationalsozialistischer Erhebung wie wir mit Zittern und mit Freude als sein eignes Schicksal erlebt hätte» (E. Hirsch, Das kirchliche Wollen der Deutschen Christen. Zur Beurteilung des Angriffs von Karl Barth [Theologische Existenz heute, München 1933], in: ders., Das kirchliche Wollen der Deutschen Christen, Berlin-Charlottenburg 19332, S. 5–17, Zitat S. 7 📖 [in Barths persönlichem Exemplar mit einem «oh!» kommentiert]). Schon 1932, in der Kontroverse um den «Fall Dehn», hatte sich Hirsch an Barth gewendet und ihm als einem Schweizer und «Ausländer» die Berechtigung bestritten, sich zu deutschen Problemen zu äußern: «Es geht [...] darum, daß das Fehlen eines letzten Gefühls unbedingter Zusammengehörigkeit mit unserem Volke und Staate Ihrem Verständnis deutscher Dinge Grenzen zieht, die Sie innerlich achten lernen müssen. Wer jetzt nicht mit den Wurzeln seines Lebens und mit seinem und der Seinen ganzem Geschick unwiderruflich hineingebunden ist in das deutsche Schicksal [...], ihm fehlt eine wesentliche Bedingung, uns in unsrer verzweifelten Lage zu verstehen, und damit das innere Maß für die Leidenschaft und die Ziele gegenwärtigen deutschen Wollens» (E. Hirsch, Offener Brief an Karl Barth, in: Deutsches Volkstum, Jg. 14 [1932], S. 266–272, Zitat S. 267 📖; vgl. auch O.Br. 1909–1935, S. 187–197, Zitat S. 189 📖).↩
67
Anspielung auf die deutschvölkische Anknüpfung an den «artgemäßen» germanischen Arianismus und das von den Deutschen Christen bevorzugte Bild vom «heldischen Jesus». Vgl. etwa D. Klagges, Das Urevangelium Jesu, der deutsche Glaube, Leipzig 19332. 📖 Auch das Betheler Bekenntnis verwarf ausdrücklich den «Irrtum der neuen Arianer» (s. oben, S. 453).↩
68
Vgl. E. Hirsch, Deutschlands Schicksal. Staat, Volk und Menschheit im Lichte einer ethischen Geschichtsansicht, Göttingen 1920 (19253) 📖. Siehe auch die oben, Anm. 66, angeführten weiteren Äußerungen Hirschs.↩
69
Vgl. E. Hirsch, Volk, Staat, Kirche, in: EvDt 10 (1933), S. 204f. 📖 (erschienen am 4.6.1933), hier zit. nach dem Abdruck in: ders., Das kirchliche Wollen (Anm. 66), S. 25–27, Zitat S. 27 📖: «Es ist unser Anliegen als Deutsche Christen, daß unser evangelisches Christentum den Ruf des Führers nach rechter Mitarbeit an der Volkswerdung der Deutschen nicht überhöre. Darum fordern wir Neubildung der Anschauungen von Volk, Staat und Kirche im Sinne unserer Richtlinien.»↩
70
Im «Wegelied» von Gottfried Keller heißt es in der zweiten Strophe:   
Vom Rednersimse schimmert lieblich
Des Festpokales Silberhort:
Heil uns, noch ist bei Freien üblich
Ein leidenschaftlich freies Wort!
(G. Keller, Sämtliche Werke, Bd. 1: Gesammelte Gedichte, hrsg. von J. Fränkel, Bern / Leipzig 1931, S. 232 📖). – Mit demselben Gedicht eröffnete Keller seine Novelle «Das verlorene Lachen» (Ders., Sämtliche Werke, Bd. 8: Die Leute von Seldwyla. Erzählungen, Teilbd. 2, hrsg. von J. Fränkel, Erlenbach-Zürich / München 19272, S. 301–432, Zitat S. 303 📖).↩
71
Mitte Oktober 1933 war Barth mit der Vorbereitung von Heft 2 («Für die Freiheit des Evangeliums») der neuen Schriftenreihe beschäftigt (vgl. oben, S. 488). Die im Oktober 1933 erscheinende achte Auflage der Titelschrift Theologische Existenz heute! wurde nicht mehr als Beiheft zu ZZ, sondern als Heft 1 der neuen Schriftenreihe gedruckt. Bis zum Heft 46 (1936) wurde ThExh von Barth und Thurneysen herausgegeben, nach Barths Publikationsverbot bis zum Heft 64 (1939) von Thurneysen allein. Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs übernahm Barths Bonner Schüler Karl Gerhard Steck bis zum Ende der Reihe mit Heft 77 (1941) die Herausgeberschaft (s. dazu oben, S. 278, Anm. 37).↩