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29. November 1933
Ich möchte dich dringlich fragen, ob du nicht für Heft 5 unserer Reihe etwas zur Verfügung stellen kannst? Es könnten ja z. B. auch gut ein paar irgendwie zusammengehörige Predigten sein. Wir stehen in einem K[ampf]1, wo ganz viel Volk auf Speisung wartet und wo wir mit unseren 2 Fischen und 5 Broten herausrücken müssen in der Erwartung, daß die nötige Vermehrung nicht ausbleibe [vgl. Mt. 14,17 par.]. Du solltest nun, nachdem ich 1-4 bestritten habe, endlich auch zu Worte kommen. Daß du nicht so direkt zur Lage reden kannst, wie ich es jetzt einfach muß, schadet wirklich nichts. Aber, weißt du, du solltest dich et|554was eilig entschließen und etwas speditiv «liefern», weil einerseits im gegenwärtigen Augenblick die Reihe nicht auf lange unterbrochen sein sollte, andererseits das gute Luthermanuskript von E. Wolf, von dem ich dir schrieb, schon vorliegt — das ich aber, wenn es irgend tunlich ist, nicht vor deinem ersten Beitrag, sondern als Heft 6 bringen möchte. Gelt, du lässest mich — Georgs Kummer in dieser Hinsicht ist ja nun auf mich übergegangen! — nicht im Stich!
Die Kirchengeschichte ist ja nun wieder mächtig in Gang gekommen. Daß es mit den D. C. nun so übel endigt2, ist mir wirklich kein Anlaß zur Freude. Denn was nun droht, ist das viel Schlimmere: die Kirche der braven Leute, die über Hossenfelder Pfui! rufen[, um] puncto analogia entis doch und erst recht im alten Schlamm weiter zu waten.3
|555 Dort wird sich Alles, Alles versammeln, und ich werde mein Hofhundsgebell — ceteris imparibus: wie Jeremia nach der Josianischen Tempelreform4 — erst recht fortsetzen müssen. Ich verstehe jetzt erst recht, warum ich im Sommer primär den Jung-Reformatorischen — sie sind die echten Deuteronomisten — an den Kragen gehen mußte5, und bin heilfroh, daß ich es getan habe. Aber es wird schon dafür gesorgt sein, daß schließlich gerade die Deuteronomisten das Spiel gewinnen!!
Nun ist unser Fritzli auch den Weg alles Fleisches gegangen.6 Er hat das M. bei allen Gelegenheiten zu weit aufgerissen, als daß sein Schicksal verwunderlich wäre. Aber traurig ist es doch. Und wer weiß …? Ich bekam heute aus Berlin die «absolut sichere» Nachricht, daß die wirkliche Tsch.7 etwas gegen mich auf dem Herzen und im Plane habe8, und |556 mußte L. bereits in der Weise beruhigen, daß ich ihr das Lied «In allen meinen Taten…
🎵»9 aufgeschlagen vorlegte und langsam und aufmerksam zu lesen anbefahl. Im Übrigen muß nun wieder jeden Tag neue Dogmatik
📖 entstehen. Ich grüble z. Z. an dem schwierigen Problem der Zeit (vor und nach dem Sündenfall, Augustin und Heidegger, «erfüllte» Zeit, alter und neuer Bund und Alles, was dahin gehört).10 Von Przywara kam eben eine solenne Anzeige des ersten Bandes11, dessen Finessen dieser Fino12 jedenfalls zu würdigen wußte.
Mit herzlichem Gruß!