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26. Mai 1934
denk, ich komme nun auch nach Bern, und zwar will ich es nun so einrichten, daß wir zusammenfahren können am Freitag abend. Die Universität Aberdeen hat es sich nämlich in den Kopf gesetzt, nun doch durch mich eine Adresse in Bern am Festakt im Münster überreichen zu lassen.1 Da muß ich nun also wohl oder übel, und zwar durchaus mit der Trommel2 antreten, mich dann in Bern in irgendeine Reihe mit den Engländern und Schotten stellen und irgendwie mich des mir übergebenen Dokumentes entledigen im rechten Augenblick! Da hast du dann etwas zum Lachen! Überdies scheinen die wackeren Schotten sich einzubilden, die Berner seien besonders geschweinigelt3, daß sie mich, den Basler, in diesem Jahr des Berner Jubiläums gekrönt haben, steht doch in ihrem «Greeting!» an Bern zu lesen: «We beg the Rector and Senatus of the University of Berne to accept this tribute in token of our sincerity in conveying these congratulations to them at the hands of one of our most distinguished Graduands, himself a Swiss, Dr. Eduard Thurneysen, Lecturer in Practical Theology in the University of Basle, on whom we are proud (!) to be confering the Degree of Doctor of Divinity in July of this year.» Also da heißt’s natürlich antreten und Figur machen, wa? Die Berner werden es schlucken müssen, daß der Basler zu den ihnen aufgedrungenen Ehrengästen zählt. Aber das Gute daran ist nun wirklich dieses, daß wir uns richtig sehen werden — ausgezeichnet! Speisewagen Basel — Bern! In Bern selbst werde ich dich sicher vor allem den Deinigen überlassen: deine Mutter und Markus werden sehr |657 auf dich zählen. Nur das eine wüßte ich gern, und zwar, wenn es dir möglich wäre, möglichst umgehend: wann reisest du wieder zurück? Schon am Sonntag?
Ich selbst habe nämlich in Basel am Sonntag allerlei Abmachungen, die ich nicht leicht fallen lassen kann. Immerhin wäre zu überlegen, ob ich schon am Sonntag morgen zurückfahre oder erst etwas später. Den großen Türken in Interlaken4 möchte ich mir eigentlich schenken. Und wegen der hier notwendigen eventuellen Umstellungen wäre ich froh, wenn ich bis Mittwoch morgen von dir wissen könnte, wann du voraussichtlich zurückfahren wirst. Bitte, schreib es mir, sofern du das schon weißt, rasch auf einer Karte! Es wäre doch eine schöne Sache, wenn wir wieder bis Basel zusammenfahren könnten. — Wolf Meyer hat mir geantwortet, ich zeig dir dann seinen Brief. Er bestätigt seine bekannte Safenwiler Aussage, behauptet aber, er rede von uns beiden mit größtem Respekt, dafür seien die Studenten ihm Zeugen.5 Wir hatten hier am Donnerstag eine Aussprache mit dem Reichsjugendpfarrer Zahn6, der es sich in den Kopf gesetzt hatte, als ehemali|658ger Basler Student Basel zu besuchen und uns zu informieren … auch darüber lieber mündlich. Daß der Segen der Eltern den Kindern Häuser baut [vgl. Sir 3,11], erfuhr Fränzeli heute nachmittag, als es dem Klavierspieler Serkin7 seine Aufwartung machte im besten Sonntagsstaat und von ihm freundlich empfangen wurde und die Erklärung bekam, aus Verehrung für den Vater wolle er selber ihm, und zwar durchaus ohne Entgelt, Stunden geben! Was will man mehr. Fränzeli ist natürlich beglückt, und du wirst wohl diesem Zeitgenossen auch ein kleines greeting! zukommen lassen müssen … aber laß dir zuerst alles von Fränzeli selber berichten am kommenden Freitag.