23. Mai 1934

Charlotte von Kirschbaum an Eduard Thurneysen

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Lieber Eduard!

Nur die Mitteilung, daß ich mit der gleichen Post die Predigten aus den Bibl. Zeugnissen1 an dich abgehen lasse. Sie fanden sich noch — mit vereinten Kräften — bei uns vor. Karl meint, es sei nicht nötig, mit dem Verlag der Blätter zu verhandeln, da dieser Verlag nur von dem Lehrer Adolf Graf2 dargestellt wird und mehr einen Vertrieb als einen Verlag bedeutet. So wäre also der Weg geebnet, und wir dürfen das Weitere, die Verhandlungen mit Lempp und Homrighausen, dir überlassen? Eben hatte K. die Freude, daß Asmussen ein ausgezeichnetes Referat ausgearbeitet hat, das auf der Synode das Bekenntnis begleiten soll.3 Ach, wie ist man froh um die zwei, drei Männer, die mitgehen! — N. und die Kinder sind [seit] heute früh für einige Tage in der Eifel, so daß jetzt große |656 Stille herrscht im Hause. — K. läßt dich grüßen. Und ich grüße euch alle.

D. L.

Sachfußnoten

1
Vgl. oben S. 638, Anm. 45.↩
2
Adolf Graf (1887–1966), führende Persönlichkeit im Kreis der Freunde des Heidelberger Katechismus, die in seinem «Verlag Graf Adolf» die «Biblischen Zeugnisse» herausgaben, 1931–1933 Rektor, nach seiner wegen der Proteste von Eltern seiner Schüler wieder aufgehobenen Entlassung aus dem Schuldienst Lehrer an derselben Schule in Langerfeld.↩
3
H. Asmussen, Vortrag über die Theologische Erklärung zur gegenwärtigen Lage der Deutschen Evangelischen Kirche, in: Bekenntnissynode der Deutschen Evangelischen Kirche Barmen 1934. Vorträge und Entschließungen, i. A. des Bruderrates der Bekenntnissynode hrsg. von K. Immer, Wuppertal-Barmen 1934, S. 11–25 📖; Die Barmer Theologische Erklärung. Einführung und Dokumentation, hrsg. von A. Burgsmüller und R. Weth, Neukirchen-Vluyn 1983, S. 41–58. 📖 — Asmussen hatte Barth das Referat am 22.5.1934 per Einschreiben zustellen und im Begleitbrief von E. Kümpel (Sekretärin?) darum bitten lassen, «dasselbe möglichst bald mit den von Ihnen gewünschten Änderungen … zurückzusenden. Herr Pastor Asmussen legt Wert darauf, das Referat auch in Ihrem und Herrn Oberkirchenrat Breits Namen auf der F.D.N.S. [Freien Deutschen National-Synode] halten zu können.» Barth schickte das Referat am folgenden Tag mit geringen stilistischen Änderungen an Asmussen zurück. «Das Referat ist aus einem Guß, das ich als Ganzes wie im Einzelnen als eine genaue Wiedergabe der Meinung anerkenne, in der ich meinerseits die Vorschläge für den Text der Erklärung gemacht hatte. Erklärung und Text stimmen nun wirklich zusammen wie Topf und Deckel, so daß man nachträglich wohl fragen könnte, ob sich nun nicht doch so etwas wie jenes Septuagintawunder ereignet hat» (Abdruck des Briefes in: C. Nicolaisen, Der Weg nach Barmen, a.a.O. [S. 643, Anm. 15], S. 93). 📖 Das Referat wurde von der Synode zusammen mit der Theologischen Erklärung als deren verbindliche Auslegung angenommen.↩