677
26. Juli 1934
Ich bin dir einfach dankbar für deinen Brief. Und du darfst mir glauben, ich habe ihn bis aufs letzte Wort verstanden. Ich habe in der letzten Zeit, wenn ich an euch dachte, diese Not nicht mehr so intensiv vor Augen gehabt. Vergessen habe ich sie nie, aber ich dachte viel mehr an die ganz anderen Nöte, die auf euch liegen, und ich rechnete im Stillen damit, daß unter dem Druck der großen Fragen diese persönliche Frage sich vielleicht doch ein wenig gemildert habe. Und nun ist es so ganz anders. Ich bin durch deinen Anruf wieder mitten hineingestellt. Und ich bin dir dankbar dafür. Denn schon morgen abend werde ich ja Nelly sehen. Und dann nachher in Adelboden erst recht wieder. Helfen — ach Lollo, ich weiß ja mit euch, was hier helfen hieße … Aber nun möchte ich dir und Karl sagen: wir wollen wirklich in Basel einen ruhigen Abend zusammen haben. Es geht sehr gut. Du schläfst in Fränzelis Zimmer bei uns, Fränzeli schläft ja schon seit einiger Zeit im Haus von Frau Miescher1. Und Karl — ich habe schon darum gefragt — schläft bei Frl. Preiswerk. Und da ich das Mädchen behalten habe, essen wir bei uns. Ich freue mich. Es könnte nachher sehr, sehr lange gehen, bis wir uns richtig sehen, schon allein darum müßt Ihr es so einrichten. Am andern Tage könnt Ihr dann einfach weiterreisen aufs Bergli. Also ich rechne darauf und freue mich. Und erwarte nur noch kurz die Angabe des Zuges. Noch eines: die Sache mit dem jungen Stickelberger — wie soll ich das denn andrehen mit dem Vater? Ich habe antelefoniert, aber er ist nicht in Basel. Sonst wäre ich zu ihm gegangen. Brieflich darüber |678 verhandeln ist nicht so einfach. Oder dann müßte das Karl selber unter Umständen tun. Meint der Sohn wohl, ich solle gelegentlich einmal nach den Ferien den Vater zu sprechen suchen? Das ist nicht unmöglich. Es ist nur zu sagen, daß der Vater mit mir selber ganz sicher auch nicht einfach einverstanden ist. Aber natürlich kann ich versuchen, einmal mit ihm zu reden.
Also auf Wiedersehen heute in 8 Tagen, am Abend des 1. August! Sei
mit Karl herzlich gegrüßt!