8. November 1934

Eduard Thurneysen an Charlotte von Kirschbaum

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Liebe Lollo,

hab aufs neue warmen Dank für alle deine guten und treuen Nachrichten. Nun bist du also wieder allein auf dem Posten in Bonn, und Karl ringt in Berlin aufs neue gegen alle die Dämonen, die da das Werden der neuen Kirche bedrohen. Ich schicke dir hier für Karl den Durchschlag eines Briefes an Oeri.1 Sollte die Sache nicht bes|747sern2, so müßte nach meiner Meinung urbi et orbi in der Jungen Kirche3 die Berichterstattung der «Nachrichten» angeprangert werden, mit der Mitteilung, daß man sich auf die Zuschriften des jüdischen Korrespondenten dieses Blattes keinesfalls mehr verlassen dürfe.

Vor diesem letzten Mittel müßte vielleicht noch einmal eine Warnung an die Redaktion ergehen. Das Protokoll hat uns sehr interessiert, es ist bei mir gut aufgehoben. Herzliche Grüße dir und Karl!

Dein
Eduard

Sachfußnoten

1
Brief vom 8.11.1934 (je ein Durchschlag im Nachlaß Thurneysen 📖 und im Karl Barth-Archiv). Mit Hinweis auf die große Verantwortung, die den Basler Nachrichten als der einzigen deutschsprachigen Zeitung, die noch über den Kirchenkonflikt schreiben dürfe, zukomme, machte Thurneysen Oeri auf den verhängnisvollen Einfluß einer parteiischen Berichterstattung aufmerksam. «Ich denke konkret daran, daß Herr K. Meldungen an Sie gibt, die einfach nicht wahr sind, die aber Tatsachen herbeizuführen geeignet sind, die den Deutschen Christen passen könnten.» Seine Nebeneinanderstellung der Bekenntniskirche und der Deutschen Christen als zweier sich gegenseitig als gleichberechtigte Größen anerkennende Blöcke entspreche «Wunschträume[n]» der Deutschen Christen. Bereits von zwei Seiten habe Thurneysen gehört, die Basler Nachrichten seien dieser Gruppe gegenüber nicht unabhängig.↩
2
Im Schweizerischen wird «bessern» nicht-reflexiv gebraucht.↩
3
Die Zeitschrift «Junge Kirche. Halbmonatsschrift für reformatorisches Christentum» wurde seit 1933 von Hanns Lilje herausgegeben und galt als Organ des Pfarrernotbundes.↩