834
27. Februar 1935
In allen Unruhen dieser Tage ist es tatsächlich unters Eis gegangen, daß wir dir die Ankunft deines Manuskriptes bestätigt hätten und dir vor allem gesagt hätten, daß Karl ganz erfreut von dessen Lektüre war und es sofort an Lempp weiterleitete. Er hält es für etwas vom Besten, was in der letzten Zeit aus deiner Feder kam, und durchaus auch wichtig und bedeutsam als Stimme zu der deutschen Lage. — Du wirst wohl in allernächster Zeit schon die Druckbogen vom Verlag erhalten. — Einige kleine historische Dinge hat Karl sich erlaubt zu korrigieren. Das wird dir ja recht sein.
Für deinen heute eingetroffenen Brief sind wir dir sehr dankbar, wie ich auch Marguerite noch besonders für den ihren. Karl hat eine entschlossene Antwort an Tr. L. geschrieben1, die mit einer betrübten Karte ob der Schroffheit und Abweisung erwidert wurde2. Nun der Schuß aus dem Rohr ist, will ich meinerseits in diesen Tagen auch noch an Tr. Einiges erklärend schreiben.3 Dann ist hoffentlich wieder etwas Ruhe hergestellt nach dieser Seite. — Viel bedrohlicher liegen die Dinge ja zu Nelly hin, die eben doch nach wie vor auch ihrerseits einen zähen |835 Kampf gegen das Ganze führt. In der letzten Zeit hat sie nun zweimal einen Vorstoß unternommen gegen meine Beteiligung an der Hochzeit, das erste Mal unmittelbar nach unserer Rückkehr aus Basel4, das zweite Mal gestern Abend. Es schien, als hätte sie auf Grund eines Gespräches eingesehen, daß damit nichts gebessert würde an der Situation dieses Tages. Nun mußte sie aber doch ein zweites Mal Klage stellen, und ich bin nun eigentlich gewillt, fern zu bleiben. Wenn bis heute Abend nicht ihrerseits eine Änderung ihrer Ansicht eintritt, werde ich an Fränzeli schreiben, daß es nun eben so laufen müsse.5 Ein wenig unverständlich sind mir ja die Beweggründe, die N. anführt, aber eben wohl nur «anführt»; u. a. auch dies, sie müsse die Gesellschaft mit ihren Schwächen vor mir schützen!! Ihr wißt doch, daß ich jenen Abend bei Zellwegers wirklich nicht böse sah in all seiner Fremdartigkeit6 und daß ich Max Z. einfach gern habe. Es wäre mir nun wirklich einfach leid, wenn etwas dieser Art zu Fränzeli dränge. — Aber das ist ja nur eines von vielen Mißverständnissen.
Karl hat viel zu tun. Anfang der kommenden Woche ist preußische Synode. Er überlegt noch, ob er zusagen soll.7 Auf jeden Fall wird er |836 erst am Mittwoch reisen können. Wie es nun auch komme, ich danke euch ganz besonders, daß ich hätte bei euch sein dürfen.
Es grüßt euch mit K. von Herzen
Daß die Revision nun läuft, wißt ihr. Der Bittsteller waren zu viele.8 Wir sehen diesen Vorgang als sehr problematisch an.