857
21. April 1935
Den Anlaß, daß Stöffeli dir einen ausführlichen Brief von Karl1 entgegenträgt, will ich doch nicht vorübergehen lassen, ohne euch auch |858 meinerseits zu grüßen, dies umso mehr, als ich nun unter dem Schatten der Beunruhigung stehe, daß du mit mir nicht zufrieden bist!! Was habe ich versiebt mit meinem Brief an Lindts? War dir das Grundsätzliche darin nicht recht oder seine Haltung? Ich habe ihn nicht mehr ganz genau in Erinnerung, aber immerhin noch das, daß mich beim Schreiben der Einspruch aus Bern und noch mehr aus Basel (Heiner B.) wurmte, so daß es gut möglich ist, daß Einiges darin versteifter ist, als ich es wohl bei ruhigem Überlegen halten möchte. Aber es könnte wohl auch sein, daß einige Entschiedenheiten doch in mir entschiedener sind, als du vermutest. Und darüber möchte ich wohl gern mit dir reden. — Es ist sehr ungewiß, wann wir aufs Bergli fahren. Ob du mir nicht doch lieber schreibst? Aber du hast gewiß viel zu tun, und es geht hier gewiß nicht um etwas, was nicht auch noch später besprochen sein kann.
Daß euch Karls Zuwarten beunruhigt, verstehe ich gut. Es ist aber nicht so, daß die Gegenseite nicht mit ihm beschäftigt wäre. Unser Anwalt ist sogar überrascht, mit welch konkreter Weise.2 Daß es wohl trotzdem bei dem negativen Ausgang bleiben wird, dürfte nach der Gesamtlage so gut wie sicher sein. — Stoevesandt ist übrigens freigelassen.3 Am Mittwoch erwarten wir Lili S. auf der Durchreise, die euch dann in Basel wohl auch Details dieses auch sie sehr bewegenden Zwischenfalles |859 berichten wird.4 — Ihr müßt euch unsere persönliche Existenz hier aber nicht zu bedrängend und auch nicht zu unnütz denken. Ein schönes Buch über das Apostolikum mit beigefügter Diskussion5 wird euch demnächst zeigen, daß der Meister am Werk ist!! — Auch Erwin Reisner hat seine Antwort bekommen6, nach Wolfs Urteil so «mild» wie das «Nein
📖» scharf!!
Lieber Eduard, liebe Marguerite, habt schöne Tage in Glion, laßt mir die Sonne eurer Gunst auch durch Wolken strahlen und seid sehr herzlich gegrüßt