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dein ausführlicher und kostbarer Brief ist bei uns eingetroffen und in Ruhe und mit Freudigkeit entgegengenommen worden. Bene, bene! Ich verstehe alles, alles. Es wird jetzt so gehen müssen. Und wie wollte ich deine wohlerwogene Fahrt zum Endziel abbremsen? Du hast recht, sicher recht, wenn du keine «Gümpe»1 machen willst, sondern gleich den Fechtern bei Marignano2 nur schrittweise das Feld räumst, um auf ganz ehrenvolle Weise aus diesem Feldzug zurückzukehren. Auch mir leuchtet dieses Verfahren durchaus ein. Verzeih meinen wohl etwas ungeduldigen Zuruf!
O Matthys! — mir schwebte die schöne Parallele vor, daß er, so wie ich nach der Konfirmation von meiner Mutter sofort zum Herrn Pfarrer nach Boll geführt wurde3, nun zum Onkel Karl nach Bonn gesandt |872 werde. Nun scheint er aber diese Geisteslage durchaus nicht erfaßt und seinem «Herr Pfarrer» mit der Faust nach dem Munde gehauen zu haben! Das wäre mir in Boll nicht eingefallen! Hoffentlich versäumt er trotzdem nicht ganz, die Ohren weit aufzutun und einiges an Lehre und Einsicht bei euch aufzufangen. Eigentlich sollte er wie ich seinerzeit aus Bad Boll mit einem kleinen Büchlein voller goldener Worte aus Tisch- und anderen Reden heimkehren.4 Verleite ihn doch ja nicht mehr zu weiteren Boxkünsten! Er ist zu naiv und töricht, um die gebührende Grenze von sich aus zu wahren. Und sicher ist es ihm selber gar nicht wohl bei dieser kleinen Untat. Hoffentlich hast du nicht doch irgendwie Schaden gelitten!
Ich vergaß, ihm einen Brief von Hromádka aus Prag mitzugeben, der eigentlich dich angeht.5 Du sollst für Vorlesungen gewonnen werden, und Hromádka wollte wissen, ob du noch in Bonn zu erreichen seiest. Er will dich nächstens persönlich aufsuchen auf einer Reise nach Holland.6 Ich selber bekam einen Brief von einem Herrn Stevens aus Ut|873recht, der meinen Bekenntnis- und Gemeindevortrag übersetzen will7: die Holländer sind wohl durch deine Wirksamkeit nun richtig angetrieben und verlangen nach weiterer Speise. Ich freue mich auf deine Utrechtervorlesungen — das wird sicher etwas Rasantes und zugleich Speise für ein großes Volk!
Ach, wenn’s geht, wenn’s immer geht, komm doch im Mai ein wenig aufs Bergli. Das wäre einfach ausgezeichnet! Sieh, ich habe eben jetzt also auch ein paar gute Hoteltage an einem See, und das Bergli ist ja noch viel besser als jedes «Victoria», aber so eine kürzere Zeit, wo alles abgestellt ist und man ein wenig schlampen kann, ist doch ausgezeichnet. Gönn dir das doch! Die anderen Tage kommen dann wieder von selber.
Ich lasse deinen Brief aufs Bergli gehen, damit sie dort auch auf dem
Laufenden sind. Sei mit deinem ganzen Hause herzlich gegrüßt!