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7. Juni 1935
Du wirst die Besprechungen deines Vortrages in den Basler Zeitungen, wenigstens in National Ztg. und Nachrichten1, gesehen haben. Sie waren nicht übel. Wichtiger ist der persönliche Nachhall, auf den man immer wieder trifft bei solchen, die dich gehört haben. Natürlich haben alle die, die irgendwie mit der deutschen Lage innerlich mitgehen, besonders wach zugehört und waren besonders bewegt durch deine Worte. Ich weiß von solchen, die einfach aufgeatmet haben, gedankt haben ob der Klarheit und Kraft, mit der die letzten Untergründe aufgerissen wurden. Dagegen gibt es natürlich Basler, die einiges «übertrieben» fanden, doch wirklich keine — wenigstens ich habe keine getroffen —, die nicht bewegt waren — abgesehen vielleicht von dem unverbesserlichen Schwager von Fränzeli2, dem buckligen Zauberer, der von der Familie |895 dazu gedrängt wurde, diesmal doch auch mitzugehen, obwohl es ein geistlicher Vortrag war — aber wie wollte es anders sein: er ließ sich auch durch dich nicht imponieren! Die erhoffte «Bekehrung» dieses Sünders ist also auch dir nicht gelungen. Ebenso hat sich der «Vorwärts», wie du ersiehst, durch «die ideologischen Vorgänge an der Front der Bourgeoisie» nicht aus dem Konzept bringen lassen!3 Aber die Kommunisten sind ja wirklich bei uns unter allem Hund. Das Basel, das zählt, hat dich sicher gehört.
Ich bin nun mehr als je gespannt, wie die deutschen Wege und mit ihnen dein Weg weiterläuft. Ich lege dir den Wortlaut der Meldung bei, die gestern erscheinen sollte4. Glücklicherweise ist sie also unterblieben. Denn es ist doch mehr als nur Taktik, es ist wirklich sachlich wahr und geboten, daß alles noch offen bleiben muß, damit dann nächste Woche eine reine Entscheidung fallen kann. Wahrscheinlich wirst du sie letztlich selber fällen müssen, wahrscheinlich werden von der Gegenseite her, das heißt von der deutschen Lage her, immer weiter gewisse Lichter winken, so daß wirklich nicht nur die Laterne am Basler Hafeneingang |896 einzig übrig bleibt. Das wird es dir nicht leicht machen, und doch, es müßten schon wirklich neue Signale von draußen her aufblitzen, um dein diesem Hafeneingang doch irgendwie bereits sich zukehrendes Schiff wieder hinauszurufen. Leid tun müssen einem ja die da draußen, die du alleinlassen mußt, wenn du zu uns kommst. Denn es ist ja alles verworren genug. Hat es dich nicht fast gereut, daß du nicht noch einmal mitten im Gewühl drin in Augsburg gewesen bist? Es war sicher richtig so, doch die kleine Herde [vgl. Lk. 12,32] hätte deiner bedurft.
Ich bin gehetzt. Vor allem weil ich die deinen größeren Sorgen gegenüber unvergleichbar geringeren Sorgen der neuen Pfarrwahl irgendwie mitzubewegen habe in, ach, so langfädigen Sitzungen!5 Daneben liegen mir zwei Vorträglein auf, die ich nächste Woche an einer badischen Pfarrkonferenz in Nonnenweier am Rhein unten zu halten haben werde.6 Und während du die Dome ganz großer Vorträge errichtest, die dir erst noch im Schlafe eingegeben werden, schreibe ich Kalendersprüche (lacht mich nicht aus!) — «meine Braut ist katholisch!»7 — und für den wackeren Karl Sartorius ein Pfingstbeiträglein8, und habe daran erst noch zu knorzen9, bis es endlich dasteht. Wirklich, auch ich bedarf des größeren Zuges, der durch dein Kommen in unsere kleinere Welt hereinkommen wird!
So sei mit Lollo herzlich, treulich gegrüßt von uns allen!
Herzliche Grüße an Ruedis!