10 · 1926

An den Publizisten Dr. Wilhelm Stapel, Hamburg

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An Den Publizisten Dr. Wilhelm Stapel, Hamburg

1926

Der politische Publizist Dr. phil. Wilhelm Stapel (1882–1954), der sich im Ersten Weltkrieg von liberalen Ideen abgewandt hatte, war seit 1918 Schriftleiter der Zeitschrift «Deutsches Volkstum»1, die der «Deutschnationale Handlungsgehilfen Verband», eine konservativnationalistische, antisemitische Arbeitnehmerorganisation, in Hamburg herausgab. Dieses politisch-kulturelle Kampfblatt, das eine Auflage von 3000 bis 5000 Exemplaren hatte, vertrat Stapels Lehre vom Volk als Wesen mit einer «einheitlichen, in sich gesetzmäßigen Lebendigkeit» und bekämpfte Demokraten, Sozialisten, Kapitalisten, Juden und Ausländer; es war in der protestantischen Bildungsschicht verbreitet, besonders in der jüngeren Generation.2 Im April 1926 veröffentlichte Stapel in dieser Zeitschrift unter der Überschrift «Zur ‹Theologie der Krisis›» eine, wie es im Untertitel hieß, «persönliche Stellungnahme», in der er nach einem Rückblick auf den Beginn des Jahrhunderts die Theologie Gogartens und Barths beurteilte. Er nannte in mehreren Punkten «die Werte, die diese Theologen betonen oder neu bringen», und die Werte, die bei den «Theologen der Krisis» ausfielen, aber nicht ausfallen dürften.3 Barth reagierte auf diesen Artikel, den Stapel ihm zusandte, mit einer handschriftlichen Zuschrift, die im Original nicht mehr vorhanden ist.

Stapel antwortete Barth am 23.4.1926: «Verbindlichen Dank für Ihre Zeilen, von denen ich das in Betracht Kommende wohl unter der Rubrik der ‹Zwiesprache› unsern Lesern mitteilen darf; denn Ihre Rede muß selbstverständlich gehört werden. Vermutlich ist Ihnen meine Anmerkung zu meinem eigenen Beitrag (auf Seite 327 untenf.) entgangen. Ich vergaß wohl, sie anzustreichen. Darin betone ich (wie schon im Untertitel) das Subjektive meiner Ausführungen und gebe die Ursache an, warum ich so subjektiv geschrieben habe.»4

99Stapel ließ Barths Äußerungen abschreiben und schrieb ihm am 5.5.1926: «Ich will Sie keineswegs zur Veröffentlichung drängen, ich wollte nur Ihnen die Möglichkeit der Antwort nicht versagen. Auch sagt mir Ihre Antwort wegen ihrer Art sehr zu. Sie hat eine mir außerordentlich sympathische Schneidigkeit, die wohltuend gegenüber der in Deutschland allzu häufigen Verwaschenheit ist.» Am 21.5. sandte Stapel Barth handschriftliche Einleitungssätze und seine Antwort auf Barths Äußerungen und druckte in der Juni-Ausgabe des «Deutschen Volkstums» unter der Rubrik «Zwiesprache» «das Wesentliche» aus Barths Brief und seine Antworten ab.5

Im folgenden werden aus Stapels Artikel die Passagen wiedergegeben, die Barths Theologie betreffen, und der Offene Brief Barths in der abgedruckten Form, dazu Stapels «Antworten».

Als nun Gogarten und Barth auftraten und eine neue Schule, in sich stark differenziert, entstand, war mein Empfinden von Anfang an zwiespältig. Die Werte, die diese Theologen betonen oder neu bringen, scheinen mir, in kurze Formeln gefaßt, diese zu sein:

Erstens: Das Primäre ist bei ihnen nicht die Wissenschaft, sondern die Religion. Sie gehen nicht vom Erkenntnishunger aus, sondern vom Gottesverlangen. Die Religion ist ihnen nicht Stoff der Wissenschaft, sondern die Wissenschaft ist ihnen Mittel und Werkzeug des Religiösen. Ihre ursprüngliche Bewegkraft (primum movens) ist eine Art prophetischer Aktivität, nicht ein Erkenntnisverlangen.

Zweitens: Anstatt nach dem Gotteserlebnis fragen sie nach Gott an sich. Anstatt nach der innern Wahrhaftigkeit – welche Skrupel hat |100 diese Frage unter den liberalen Theologen hervorgerufen! – fragen sie nach der Wahrheit. Nicht das Seelische ist ihnen wesentlich, sondern allein Gott. Damit fällt das endlose Herumwühlen in der Seele und in der menschlichen Geschichte dahin, und der Mensch wird vor eine Entscheidung gestellt.

Drittens: An die Stelle des entwicklungsgeschichtlichen Denkens tritt das apokalyptische Denken. Der Fortschrittsoptimismus weicht der harten Erkenntnis, daß alles irdische Leben ein Sterben ist. An die Stelle des kulturbürgerlichen: «Nun, es wird schon irgendwie!» tritt ein sich abwendendes: «Nicht so!» Die Aufgabe ist nicht, daß wir kulturselig werden, sondern daß wir ewig selig werden. Die Welt ist nichts, Gott ist alles.

Demgegenüber scheinen mir nun aber bei den Theologen der Krisis manche Werte auszufallen, die nicht ausfallen dürfen, weil sonst das irdische Leben und das ewige Leben gleichsam unfruchtbar werden.

Erstens: Der Gegensatz zwischen Gott und Welt ist bei Luther nicht weniger scharf ausgeprägt wie bei den Theologen der Krisis. Aber bei ihm ist mehr. Luther erscheint seelisch reich gegenüber diesen Theologen, deren Pathos oft etwas Ärmliches hat und das Gemüt nicht erfüllt. Nun kann seelischer Reichtum sehr wohl Oberflächlichkeit sein, aber bei Luther ist er nicht Oberflächenreichtum, sondern: Fülle der Tiefe. Es klingt bei den Theologen der Krisis nicht das tiefe Pleroma mit. (Joh. 1,16).

Zweitens: Die Theologen der Krisis bedenken nur Gottes eingeborenen Sohn, nicht Gott den allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erden. Wer Gott als Vater- und Schöpfergott anerkennt, nimmt die Welt mitsamt dem Teufel in Gott auf, denn sie gehört zum «Werden» (Luther), zur «ewigen Geburt». Die Theologen der Krisis gelangen nur zu einer toten Zweischneidigkeit statt zu einer lebendigen Dreieinigkeit.

Drittens: Für sie werden Gott und Welt, statt zur lebendigen Polarität des wirklichen (endlichen wie ewigen) Lebens, zu abstrakten Begriffen, mit denen sich ein spitziges Gedankenspiel treiben läßt. An die Stelle des Wühlens in der Seele und in der Geschichte tritt das Wühlen in Begriffen. Es ist der Fluch des Akademikertums, das, festbesoldet und pensionsberechtigt, nicht mehr um sein täglich Dasein kämpfen muß, daß es sich aus der blutvollen, drangvollen Kampfes|101welt in eine Schattenwelt der Begriffe sublimiert. Die ganze moralische Begriffsbildung von «gut» und «böse» in den letzten Jahrhunderten leidet daran, daß sie fern vom Kampfplatz geprägt wurde, nach «allgemeinen Begriffen» statt aus der realen Individualität und realen Sozialität heraus, von «gesicherten Existenzen» statt von solchen, die die Moral mit dem eigenen Leben bezahlen müssen. Es ist schlimm, daß die Theologen der Krisis sich in eine soziale Dialektik und einen rationalen Pazifismus verfangen – das Akademikertum ist eben eine besonders feine Teufelei. Mir scheint, die Theologen der Krisis werden mit ihrer Kulturkritik nur das Zivilisatorische fördern, und zwar ohne es zu meistern. (Wenn sie das wenigstens vermöchten!) Luther stand mitten im Kampf gegen die Bilderstürmer, in der Wut des Bauernkrieges, in der Gefahr des Scheiterhaufens. In welchem Kampf und in welcher Gefahr stehn die, die mit ihrer akademischen Moral Luthers gute und tüchtige Schriften zum Bauernkrieg schulmeistern? Ein Hermann Kutter gewann dem Weltkrieg einen Sinn ab («Reden an die deutsche Nation».6) Ihr aber – seid erschrecklich hoch gestiegen über alle Kriege hinauf, was braucht ihr euch um die Sinngebung so böser Dinge abzumühn? An den Schülern wird man schließlich die Art der geistigen Saat der Meister erkennen. Werden es harte, große Menschen sein mit heimlicher Güte oder – meckernde Diskussionskoryphäen und begriffsspitze Belehrer der anderen? Gott bewahre mich vor dem Reich Gottes auf Erden!

Viertens: Ich vermisse bei den Theologen der Krisis, mit deren Schriften ich in Berührung gekommen bin, die Ehrfurcht vor den Schmerzen des Lebens. (Diese hat mit Individualismus oder Sozialismus nichts zu tun, sie ist Sache der empfindenden Fingerspitzen, nicht des Bewußtseins). Was mußte ein Wilhelm Raabe innerlich und äußerlich aufgeben und – was geben eigentlich die Theologen der Krisis mit ihrer Kulturkritik innerlich und äußerlich auf? Im Gegenteil, sie haben viel zu viel recht. Wilhelm Raabe: «Der Kerl hat viel zu oft recht! Der lehrt es einem, wie man sich dann und wann nach einem Menschen sehnen kann, der auch mal unrecht hat.»7 (Deutlicher kann |102 ich dies nicht aussprechen. Wer’s nicht versteht, zerbreche sich nicht den Kopf darüber, denn das würde ihm doch nichts nützen.)

Letztens: Bei Wilhelm Raabe, der wie nur einer als ein großer Ritter in der «fort und fort um den Erdball tobenden Schlacht des Daseins» stand8, bin ich mit Staunen inne geworden, daß es ein Christentum ohne – Christus gibt. Auch Raabe ist ein Apokalyptiker, und er steht fest auf dem Felsen jenseits der Welt. Bei ihm ist Gott Vater mit allen Engeln und Dämonen, bei ihm ist auch Ehrfurcht vor dem «Mann aus Galiläa». Aber eben nicht die dogmatische oder historische Heilsgeschichte. Auch nicht das «Ganz anders».9 Es liegt irgendwie auf der Linie Jakob Böhmes. – Ob und inwiefern dies als «Fünftens» hierhergehört, überlasse ich dem Urteil des geneigten krisistheologischen Lesers.

Religion offenbart sich im Kämpfen und Bauen. Ein gutes Wort ist gewiß nicht zu verachten. Aber – ich erwarte die «Erneuerung» nicht von den Theologen, die in ihrem Kolleg die Welt verneinen und dann nach der Erledigung des Verneinungspensums mit der übrigen Welt zum Mittagessen nach Hause gehen, sondern von Menschen, die sich sozusagen handgreiflich mit der verworfenen Welt beschäftigen.

Zu meinem kleinen Beitrag über die «Theologie der Krisis» schrieb mir Herr Professor Karl Barth eine persönliche Antwort, die mir sehr gefällt und aus der ich darum, mit seiner Genehmigung, das Wesentliche wiedergebe:

«ad 1) Ist es billig, Leuten, die sich doch wahrlich nicht als Propheten und Reformatoren ausgegeben und benommen haben, vorzuwerfen, daß ihnen die ‹seelische Tiefe› Luthers abgehe?

103ad 2) Die Welt mitsamt dem Teufel in Gott aufzunehmen, diese Einladung Böhmes und der Theosophen insgesamt dürfen Sie einem christlichen Theologen säuberlicherweise eben nicht zumuten.

ad 3) Es geht doch nicht an, mir (ich fühle mich hier wohl mit Recht besonders angegriffen) unter der Anklage auf ‹akademische› Begrifflichkeit im Besonderen das vorzuwerfen, daß ich den Nationalismus speziell der Mehrzahl der deutschen Akademiker irgendwie rein physisch nicht mag und ihm gegenüber dem, was Sie ‹soziale Dialektik, rationalen Pazifismus› nennen (ich bin als sozialistischer Pfarrer immerhin ein Jahrzehnt lang als ein bißchen ungesicherte ‹Existenz› auf dem ‹Kampfplatz› gewesen!), immer noch den Vorzug gebe. Darüber kann man verschieden denken; aber daß man ein ‹begriffsspitzer Belehren › sei, weil man diese Theorie (Sie wissen welche ich meine!) nicht mitmacht10, das scheint mir eine parteiische Ketzermacherei, die ich fröhlich ablehne.

ad 4) Hier gebe ich Ihnen recht. Auf die Ehrfurcht vor den Schmerzen des Lebens kann man sich nicht genug hinweisen lassen, auch nicht genug darauf, daß man unrecht hat, auch wenn man recht hat. Wer vergäße das nicht beständig?

ad 5) Wilhelm Raabe, den Sie besser kennen als ich, in Ehren, aber daß es ein Christentum ohne Christus gebe, damit ist es sicher nichts. Was sich so heißt, wird sich immer wieder als ein (vielleicht sehr ehrenwertes) Heidentum entpuppen, das dann die Erinnerung an ein bißchen dogmatische oder historische Heilsgeschichte gar sehr nötig hat.

104Zum Schlußabsatz. Ich beschäftige mich ‹sozusagen handgreiflich mit der verworfenen Welt› – nun ja, indem ich mich mit Kirche und Theologie beschäftige und folglich mein Kolleg so ernst nehme wie Sie Ihre Zeitschrift – um nachher, wie Sie gewiß auch, mit der übrigen Welt zum Mittagessen zu gehen. Die ‹Erneuerung› aber erwarten gewiß weder Sie noch ich von dem, was wir lehren, also weder von den Theologen noch von den freien Rednern über Religion, zu denen ich wie Raabe so auch11 Sie rechne.»

Darauf folgende Antworten:

ad 1) Barths und Gogartens Probleme reichen in ungewöhnliche Tiefen, in die Luther zuweilen hinabdrang. Ich vergleiche nicht die Persönlichkeiten, sondern das Pleroma, das zu dem Gang zu den «Müttern»12 nötig ist.

ad 2) Wenn man nicht das, was der christliche Theologe für christlich hält, sondern «die Wahrheit» will, so schlägt der Einwand nicht durch. Die Einheit ist so ewig wie die Doppelheit.

ad 3) Ich unterscheide zwei Menschenarten: die, welche hungern mußten, und die, welche höchstens freiwillig hungerten. Aber freilich, dieser Unterschied ist hier nicht das Wesentliche, darum ist Barths Einwand treffend. Es handelt sich um biologische Unterschiede. (Daher das «physische» Mögen und Nicht-Mögen.) Ich selbst, durch den Liberalismus hindurchgegangen, «mag» die pazifistischen und akademisch-sozialen Seelen nicht mehr und nehme eine gewisse Rauheit und Gradlinigkeit im Kauf, wenn ein redliches Herz und ein fester Charakter dabei ist. Barth gehört nicht zu den «weichlichen» «Intellektuellen», aber in der Gefahr, die mit der Begrifflichkeit gegeben ist, scheint er mir immerhin zu stehn.

ad 5) Das würde vielleicht mein Raabe-Buch entscheiden, das ich schreiben würde, wenn ich sechzig Jahre alt werden sollte.13

ad 6) Zu meiner Lebensstimmung gehört das Wort: «bilde mir nicht ein, ich könnte was lehren, die Menschen zu bessern und zu bekeh|105ren.»14 (Darum geben sich freundliche Menschen Mühe, mich von meinem «Pessimismus» zu bekehren.) Ich erwarte das Heil ebensowenig von mir (und andern Journalisten) wie von den Theologen der Krisis. Ich erwarte es von denen, die so unmittelbar im Leben stehn, daß sie überhaupt keine Zeit haben zu philosophieren und theologisieren, sondern daß sie nur kurz beten können. Ich erwarte es von solchen, denen es der Herr, weil es denn so sein muß, wohl oder übel im Schlafe geben muß.15

Sachfußnoten

1
Untertitel seit 1919: «Monatsschrift für das deutsche Geistesleben».↩
2
Fr. W. Graf, Art. «Wilhelm Stapel», in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Bd. X, hrsg. von Tr. Bautz, Herzberg 1995, Sp. 1165–1200, hier Sp. 1167f. 📖 ↩
3
Deutsches Volkstum, Jg. 8 (1926), S. 304–306 📖.↩
4
«Mein kleiner Beitrag über die Theologie der Krisis […] ist mit Absicht als eine ‹persönliche Stellungnahme› bezeichnet. Ein Schriftsteller, den sein Beruf zwingt, viele Gebiete unter Augen zu halten, kann sich nicht wie ein Gelehrter in die zum Teil nicht sowohl schwierige als diffizile Literatur hineinund durch sie hindurcharbeiten. Da ich aber mehrfach teils zustimmende, teils ironische Bemerkungen zu dieser Theologie gemacht habe, so ist es kein unbilliges Verlangen, wenn die Leser meine ‹eigendiche Stellung› kennenlernen möchten. Und vielleicht ist es den Theologen selbst nicht völlig gleichgültig, sich in unserm laienhaften Gemüte zu spiegeln. Aber ausdrücklich sei gesagt: ein objektives, wohlbegründetes Urteil will ich nicht geben» (in der Rubrik «Zwiesprache», a.a.O., S. 327f. 📖).↩
5
Deutsches Volkstum, Jg. 8 (1926), S. 486–488 📖.↩
6
Kutter hatte in diesem Buch, das 1916 in Jena erschien, davon gesprochen, Deutschland sei zu Großem in der Heilsgeschichte berufen, hatte aber 1918 sein Handexemplar zerrissen. (Vgl. H. Kutter jun., Hermann Kutters Lebenswerk, Zürich 1965, S. 75. 📖)↩
7
Notiz Wilhelm Raabes vom 11.6.1881 in seinem Notizbuch 6, in: Ders., Sämtliche Werke, Ergänzungsband 5, hrsg. v. Jörn Dräger und Rosemarie Schillemeit, Göttingen 1994, S. 365 📖. ↩
8
Nach W. Raabes Notiz vom 8.3.1875 in seinem Notizbuch 4: «Was ist solch ein unbedeutendes Gemetzel wie bei Cannä, Leipzig oder Sedan gegen (die) fort und fort um den Erdball tosende Schlacht des Daseins?» in: Ders., a.a.O., S. 335 📖. ↩
9
Die durch R. Otto, Das Heilige, Breslau 19182, S. 27–32 📖, zur Bestimmung des «Mysterium» eingeführte Rede vom «Ganz Anderen» galt dann vielfach als das Kennzeichen der «dialektischen Theologie».↩
10
Anspielung auf Stapels Lehre vom Volksnomos, die er in Aufsätzen der zwanziger Jahre vertrat und später so zusammenfaßte: «Jedes Volk wird zusammengehalten durch ein Gesetz des Lebens, das, entsprechend seiner Natur, seine innere und äußere Form, seinen Kultus, sein Ethos, seine Verfassung und sein Recht bestimmt: durch den Nomos.» (W. Stapel, Der christliche Staatsmann. Eine Theologie des Nationalismus, Hamburg 1932, S. 174 📖) Barth brachte 1933 gegenüber dem «Stapelsche Theologumenon, daß das Gesetz Gottes für uns identisch sei mit dem Nomos des deutschen Volkes», seine «glatte, zornige Ablehnung» zum Ausdruck. «Ich halte den Stapelschen Satz über das Gesetz Gottes für den vollzogenen Verrat am Evangelium» (K. Barth, Abschied, ZZ, Jg. 11 [1933], S. 539 📖). Später kam Barth in KD III/4, S. 329 und 345-349 📖, wiederum sehr kritisch, auf die Lehre vom Volksnomos zurück.↩
11
Druck: doch (von Barth handschriftlich in seinem Exemplar berichtigt).↩
12
Anspielung auf Goethe, Faust II, I. Akt, Szene Finstere Galerie 📖.↩
13
Stapel hat zwar eine ganze Reihe von Aufsätzen über Raabe geschrieben, aber kein Buch (F. W. Graf, a.a.O., s. Anm. 2 📖).↩
14
J. W. v. Goethe, Faust I, V. 372f. (Nacht) 📖 ↩
15
Nach Ps. 127,2: «… den Seinen gibt er’s im Schlaf.»↩