An die National-Zeitung, Basel
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An die National-Zeitung, Basel
Unter der Überschrift «Neue deutsche Dozenten für die Basler Universität?» erschien am 20.2.1938 in der Basler
Welcher junge Schweizer Gelehrte soll noch Lust verspüren, sich auf eine akademische Laufbahn vorzubereiten, wenn er damit rechnen muß, daß ihm bei jeder Gelegenheit irgendein Ausländer vorgezogen werde?
Vor die gleiche Frage wird sich die Hohe Regierung demnächst auch in Sachen der Neubesetzung eines Lehrstuhls für Neues Testament und alte Kirchengeschichte gestellt sehen. Da wird mehrheitlich auch ein Deutscher, bzw. ein baltischer Freiherr, empfohlen, dessen wissenschaftliche Tüchtigkeit außer Frage steht, der aber als Lutheraner, Bekenntnis-Christ und Ausländer unserer schweizerischen Art zu denken und zu sein unbedingt ferner steht als einige Privatdozenten, die, weil sie zugleich in einer Gemeinde ihres Heimatkantons als Pfarrer wirken, mit unserm Volkstum ganz anders verwachsen, mit den Bedürfnissen unserer zwinglischen Landeskirche ganz anders vertraut sind als der in völlig andern Verhältnissen großgewordene Deutschbalte. Mag dieser auch in Bezug auf Alter und Zahl, ja Gewicht seiner Publikationen einen gewissen Vorsprung haben – das sind am Ende Dinge, die sich einholen lassen, wenn man unsern Schweizern so viel Geduld und Vertrauen entgegenbringt, daß sie sich in die in Frage stehenden Gebiete einarbeiten können, was der vorgeschlagene Fremde ja zum Teil auch muß. Es kommt ja gerade auch für das erfolgreiche Wirken eines Professors der Theologie nicht nur auf die große Gelehrsamkeit an, sondern auch auf den Kontakt, den er mit seinen Studenten findet, und die Art der geistigen Führung, die ihm |73 eigen ist. In diesen Punkten können sich die von der Minderheit der Expertenkommission empfohlenen Privatdozenten jederzeit mit dem von der Mehrheit vorgeschlagenen messen, und wenn man ihnen nur erst die Möglichkeit gibt, sich einmal ganz und ausschließlich der wissenschaftlichen Tätigkeit zu widmen, werden sie auch nach dieser Seite hin so gut ihren Mann zu stellen wissen wie irgendein Ausländer. Wir haben je und je unter den führenden Theologen auch Schweizer gehabt.
Wir wagen zu hoffen, daß die hohe Regierung sich solchen und ähnlichen Erwägungen bei der Vornahme der Wahlen nicht verschließen wird. Sie darf im Falle der Berücksichtigung dieser Auffassung der Zustimmung weiter Kreise sicher sein, während die Berufung eines oder gar zweier Deutschen in einer Zeit wie der jetzigen von sehr vielen gut schweizerisch Gesinnten nicht verstanden würde.
Neue deutsche Dozenten für die Basler Universität?
Eine Antwort
In Nr. 85 der
Wir haben das Problem des schweizerischen akademischen Nachwuchses bei unseren Beratungen durchaus vor Augen gehabt. Wer etwas von Universitätsdingen versteht, wird uns aber rechtgeben müssen, wenn wir darin einig waren, daß dieser Gesichtspunkt erst an zweiter Stelle, d.h. im Falle gleicher sachlichen Eignung eines schweizerischen und eines ausländischen Kandidaten in Betracht zu ziehen |74 war. In diesen Fall sind wir aber nicht gekommen. Wir hatten einen Mann als Lehrer des Neuen Testamentes und der alten Kirchengeschichte vorzuschlagen, und es war und ist nun einmal so (unser Urteil dürfte jeder sachverständigen Nachprüfung von dritter Seite standhalten), daß für dieses Amt fünf Deutsche und ein (deutschsprachiger) Franzose, die bewußten schweizerischen Privatdozenten aber nicht als sachlich geeignet in Betracht kamen.
Der Verfasser meint nun freilich, daß eben zur «sachlichen Eignung» auch gehöre: «Verwachsenheit mit unserem Volkstum», mit «unserer schweizerischen Art» (was für «deutsche» Töne jetzt auf einmal!), Vertrautheit «mit den Bedürfnissen unserer zwinglischen (?) Landeskirche», Kontakt mit den Studenten usw. Nun, das sind Dinge, die auch uns wichtig sind. Aber Entschuldigung, das eben «sind am Ende Dinge, die sich einholen lassen» und die schon mancher in fremdem Land in allen Ehren eingeholt hat. Wir aber hatten uns – es ging ja nicht etwa um einen Lehrstuhl für praktische Theologie, sondern um eine Sache, die sich entscheidend auf dem Boden alter griechischer und lateinischer Texte abspielt – nach solchen Männern umzusehen, von denen wir wußten, daß sie nun eben mit dieser Sache «verwachsen» seien.
In einer solchen Frage ist es aber nicht nur allgemein üblich, sondern allein sachgemäß, sich – gewiß nicht an die Zahl, wohl aber an das Gewicht der Publikationen des Betreffenden, und zwar an das seiner Beiträge auf dem betreffenden Arbeitsgebiet zu halten. Man sollte «unseren Schweizern so viel Geduld und Vertrauen entgegenbringen, daß sie sich in die in Frage stehenden Gebiete einarbeiten können», meint der Verfasser. Dazu ist zu sagen, daß die Lage gerade unserer
Der Verfasser hat es nun für richtig gehalten, den von uns – nach uns hatten und haben die Expertenkommission, die Kuratel5, der Erziehungsrat6, der Regierungsrat7 das Wort! – an die Spitze unseres Vorschlags gestellten Mann8 durch eine Reihe von Bezeichnungen noch besonders verdächtig zu machen. Was soll man dazu sagen? «Baltischer Freiherr»: Ist es fein und schön und – demokratisch, zu tun, als ob ein Balte und ein Freiherr schon als solcher etwas Besonderes wäre? «Lutheraner»: Ob der Verfasser wohl sagen könnte, was er unter einem «Lutheraner» versteht? ob es ihm wohl bekannt ist, daß die reformierte Kirche im allgemeinen und die von
Neue leistungsfähige Dozenten für die