An den Vorstand des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes, zu Händen Prof. Dr. Eugen Choisy, Genf
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An den Vorstand des Schweizerischen Evangelischen
Kirchenbundes, zu Händen Prof. Dr. Eugen Choisy, Genf
Nach der deutschen Besetzung
Barth schlug
Unsere Aktion richte ein direktes Wort an die Spitzen der reformierten und katholischen Kirchen unseres Landes:
1. Sie gebe ihnen in kurzen Zügen eine Darstellung der schweizerischen Lage und ihrer Zukunftsmöglichkeiten, wie wir sie am letzten Samstag gehört haben.
2. Sie spreche aus:
daß es einerseits zur Erhaltung der
daß andrerseits gerade die Kirchen für die Notwendigkeit der Erhaltung der Eidgenossenschaft besonderes Verständnis und besondere Willigkeit haben müssen.
3. Sie bekunde den Kirchen das Vertrauen und die Erwartung, daß sie in Predigt, Unterricht und Seelsorge an der Vorbereitung des Schweizervolkes auf die drohende Gefahr und bevorstehende Aufgabe mitwirken möchten.
254
Der Text wurde im Dezember an zwei Stellen in Basel unter verschiedenen Überschriften publiziert.9 Er stieß bei
Zu Händen des Vorstandes
des
Die unterzeichneten Schweizerbürger sind aus verschiedenen geistigen und politischen Lagern unseres Volkes zusammengeführt worden durch die gemeinsame Sorge um die Freiheit, Ehre und Unabhängigkeit der schweizerischen
Auch ihre Stellung zu den in der
256Unter dieser Voraussetzung erlauben sie sich, Ihnen als der Vertretung der leitenden Behörden der evangelisch-reformierten Kirchen unseres Landes folgendes zu unterbreiten.
I. Die
Die weltpolitische und die militärische Lage in
II. Die unter Umständen plötzlich vor dem ganzen Schweizervolk und vor jedem einzelnen Schweizer stehenden Fragen werden lauten:
Können und wollen wir auf das, was wir bis jetzt als Schweizer schlecht und recht gewesen sind und gehütet haben, verzichten, um uns in eine Lebensform einzuordnen, die nicht nur der unsrigen, sondern auch allem dem, was wir von unseren Vätern her für menschlich recht und gut gehalten haben, fremd und zuwider ist?
Wenn nicht: Können und wollen wir die Erkenntnis betätigen, daß es sich lohnt, daß es geboten und daß es letztlich auch politisch, wirtschaftlich und militärisch klug ist, zur Abwehr dieser Gefahr unsere wohlbekannte und oft genug beteuerte Verteidigungspflicht zu erfüllen und jedes dabei von uns verlangte Opfer zu bringen?
Herr Präsident! Hochgeehrte Herren! Diese Fragen sind von so radikaler Art, daß es uns deutlich ist: die nötige ernstliche Abweisung der ersten wie die nötige ernstliche Bejahung der zweiten Frage wird von unserem Volk und von jedem einzelnen unter uns einen Glauben erfordern, der über das übliche Maß von Patriotismus und Idealismus weit hinausgeht. Uns ist deutlich, daß zuletzt eben der christliche |257 Glaube, aus dem die
Wir möchten aber darüber hinaus den Gedanken äußern, daß die bewußten Fragen auch die christlichen Kirchen als solche (hinsichtlich ihrer von der Weltpolitik unabhängigen eigenen Aufgabe) nicht gleichgültig lassen können, sofern die Entscheidung gegen oder für die schweizerische Freiheit, Ehre und Unabhängigkeit, so wie die Dinge heute liegen, notwendig zugleich eine Entscheidung gegen oder für alles das ist, was das Christentum bis jetzt, unvollkommen genug, als göttlich und menschlich geboten und recht vertreten hat. Auch das kann Ihnen nicht verborgen sein; aber auch an diese Seite der Sache möchten wir hiermit erinnert haben.
III. Auf Grund dieser Erwägungen gestatten wir uns, das Vertrauen und die Erwartung auszusprechen, die schweizerischen Kirchen seien sich der Gefahr, in der sich unser Volk und Land befindet, und der Größe und Tragweite der vielleicht plötzlich von uns allen geforderten Entscheidung bewußt und sie seien bereit, die gerade ihnen in dieser Zeit zufallende Verantwortung zu übernehmen, d.h. zu der inneren Vorbereitung unseres Volkes auf die drohende Krisis, zur Begründung und Erhaltung der dann in der Armee wie in der Zivilbevölkerung unentbehrlichen Einsicht, Gesinnung und Haltung den Beitrag zu leisten, den aus den angezeigten Gründen nur sie leisten können, zu leisten aber auch besonders Anlaß haben.
Unsere Meinung ist nicht die, daß die Kirche ihren Boden der christlichen Predigt, Unterweisung und Seelsorge verlassen solle, um sich mit vaterländischer Propaganda zu befassen. Unser Wunsch geht vielmehr dahin, daß sie streng auf ihrem eigenen Boden die besondere Gefahr und Aufgabe im Auge habe, auf die wir Schweizer heute gefaßt sein müssen, und daß sie es nicht versäume, auf ihrem Boden und mit ihren Mitteln im Blick darauf zu arbeiten, daß uns der moralische Zusammenbruch, der die eigentliche Ursache der Katastrophe in anderen Ländern gewesen ist, erspart bleiben und daß das Schweizervolk im entscheidenden Augenblick von seinem christliche Erbe den nötigen praktischen Gebrauch machen möge.
258IV. Wir versenden eine Abschrift dieser Erklärung an die sämtlichen kantonalen Kirchen- und Synodalräte sowie an den