Während Karl Barths Aufenthalt in Kopenhagen (vgl. Gespräch Nr. 5) gab er dem Schweden Ole Blegel ein Interview, das in der schweizerischen Boulevardzeitung «Blick» am 20.4.1963, S. 3, erschien - unter der Schlagzeile: «Professor Barth: Ein weißer Elefant. 63 000 Franken mit dem dänischen Sonning-Preis für den Theologen aus Basel - Sichtlich gerührt»
📖. Das Kurzinterview, das dort zu einem Artikel ausgebaut wurde, ist hier auf die reinen Interviewstellen reduziert. Im Kommentar zu der Preisverleihung heißt es etwa: «Bemerkenswert am Sonning-Preis ist, daß das Geld dafür aus dem Erlös von Häusern mit skandalösen Verhältnissen kommt, in denen arme Leute furchtbar hohe Mietzinse bezahlen müssen.» Barth seinerseits nannte die Blick-Reportage einen «sehr unguten Artikel», vgl. Br. 1961-1968, S. 142
📖.
Interview von Ole Blegel
Blick:
[Sind Sie zum ersten Mal in Dänemark?]
Barth:
Ich war schon einmal in Dänemark, aber vor vielen Jahren.1 Ich habe zwar keine nähere Beziehung zu diesem Land, aber ich bin trotzdem entzückt, daß ich den Sonning-Preis bekommen habe. Was ich mit dem Geld machen werde? Vielleicht kaufe ich mir einen weißen Elefanten oder einen Rolls Royce.2
Blick:
In Dänemark gibt es viele sogenannte Barthianer, die sich als Anhänger der berühmten Dogmatik
📖 des Theologen bekennen.
Barth:
Aber mit diesen Leuten fühle ich mich gar nicht verwandt.
Blick:
[Wie lange bleiben Sie in Dänemark?]
25Barth:
Ich bleibe bis Sonntag in Kopenhagen und fahre dann nach Basel zurück. Morgen, Samstag, halte ich eine Vorlesung für dänische Studenten.3