Brief Nr. 5 · 23. November 1925

Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum in Krefeld

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L.L.!

Nur zur einstweiligen Benachrichtigung: ich sitze noch immer allein an der Warendorfer Straße. Das Himmelreich1 will und will sich uns nicht öffnen, weil der Verkäufer es nicht fertig bringt, die bisherigen Mieter vertragsmäßig anderswo unterzubringen. So warte ich hier und mein ganzes liebes Heer in Göttingen, wo der Verkauf des Hauses sich auch immer noch in die Länge zieht. Wir rechnen jetzt frühestens mit dem 10. Dezember für den Einzug.2 Da wird aus deinem Dezemberbesuch kaum mehr etwas werden. Oder gehst du über Weihnacht nicht nach München3?! Dann natürlich doch! Und sonst eben im Januar. Mich allein hier zu besuchen wäre wohl weder lohnend noch tunlich. Dank für deinen letzten Brief. Der Elberfelder Vortrag erscheint im Dezember in Zw. d. Z.4 Ich habe letzte Nacht noch bis 3 Uhr an seiner Verbesserung und Ergänzung gearbeitet. Anfang Januar werde ich in Danzig drei Vorlesungen halten5 und dann hier einen öffentlichen Vortrag, wahrscheinlich über Calvin6. So ist für Arbeit gesorgt. Dein Übergang nach München7 wäre erfreulich – und bedauerlich, letzteres von hier aus gesehen.|

Alles Gute wünscht dir mit herzlichem Gruß
Dein
Karl Barth

Sachfußnoten

1
Das von Barth gekaufte Haus an der Himmelreichallee 43 in Münster.↩
2
Die Familie Barth konnte erst am 4.3.1926 nach Münster umziehen.↩
3
In München wohnte die Mutter von Kirschbaums, Henriette v. Kirschbaum, geb. Freiin von Brück.↩
4
Siehe oben S. 4.↩
5
Barth referierte während des theologischen Fortbildungskurses für Pfarrer und Religionslehrer in Danzig vom 4.-8.1.1926 auf der Grundlage seiner Philipperbrief-Vorlesung (Sommersemester 1924) über Phil. 3 (vgl. K. Barth, Erklärung des Philipperbriefes, [München 19281] Zollikon 19596, S. 89-118 📖); vgl. Bw.B.2, S. 60, Anm. 1 📖, und Bw.Th. II, S. 393f. 📖 ↩
6
Es ist nicht sicher, ob der Vortrag zustande kam. Ein Manuskript ist nicht erhalten (vgl. Bw.Th. II, S. 391 📖; Neuser, S. 18 📖; Busch, S. 180 📖).↩
7
Zu einer möglichen Arbeitsstelle für von Kirschbaum in München s. unten S. 29, Anm. 15, und S. 35, Anm. 2).↩