37
23
Wenn ich dich recht verstehe, so meinst du offenbar, daß Nelly oder ich Gerty etwas
gesagt hätten. Ich möchte dir nur rasch mitteilen, daß dies nicht der Fall ist.
Gerty
redete Nelly von
sich aus darauf an. Woher weiß sie
was? Auch ich hatte aus deinen Zeilen nach St. Gallen1 den Eindruck, du
selbst habest Gerty darüber geschrieben. Wenn dem nicht so ist, so mußt du
bedenken, daß wir beide wahrscheinlich schon im Herbst in unseren Briefen in die
Schweiz etwas aufsehenerregende |38 Reden führten. Ich weiß
von mir, daß ich dich 1-2 Mal sehr lobend erwähnt habe, und von dir soll ein Brief über Elberfeld2 existieren,
über dessen «verklärten» Inhalt Eduard neckische Bemerkungen an mich richtete. O Lollo, es ist doch ein
Glück und vielleicht etwas wie ein Zeichen von der verzeihenden Güte Gottes, daß Alles, was uns jetzt so
bewegt und so traurig macht, auch noch diese humoristische Seite
hat! Was für ein Netz von tragischen Verwicklungen, wenn nun auch noch Georg eine ernsthafte Figur ist in
dieser Sache. Ich verstehe nicht recht, was er dabei soll, aber es ist wohl das
Beste, du schreibst ein paar Worte an Gerty.* Die geraden, offenen
Wege sind sicher
auf alle Fälle die besten. Und selbstverständlich mußt du in
Allem nach deinem Empfinden für das Notwendige und Rechte deine
Entscheidungen treffen.
Die Beilage ist eine Übersetzung aus einer finnischen Zeitung3. Ich schicke sie dir, weil ich
denke, daß dir der erste biographische Teil Vergnügen bereiten wird. Die allzu hohen Töne
mußt du eben überhören. Der Verfasser ist Pfarrer und war letzten Sommer in Göttingen.
Es grüßt dich
Hansjoggeli gedeiht überaus prächtig (gestern 1
Jahr alt; er fiel zur Feier des Tages aus seinem Wagen, tat sich aber kein
Leid). Matthisli durfte gestern für einige Wochen nach
Emden4.