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Wie traurig, daß ich deinen Geburtstag am 25. Juni nicht bewußt mitfeiern konnte
und wie gut, daß ich dann doch, offenbar zur selben späten Stunde wie du, noch
zur Feder gegriffen. Daß ich dir alles Gute wünsche zu dem neuen Lebensjahr,
brauche ich dir nicht besonders zu sagen, gelt? Als du geboren wurdest, da stand
ich als 13jähriger Bub gerade mitten in der lebhaftesten Produktion von – –
Dramen und Trauerspielen aller
Art, teils in Prosa, teils in richtigen Jamben frei nach Schiller.1 Ich habe dieses Fach aufgegeben seither,
offenbar in der Ahnung, daß das Leben selber dramatisch genug sei. 27 Jahre
später tratst du dann also auf meinen Weg oder ich auf deinen oder wie man’s
nehmen will. Daß du mich in der nötigen Arbeit nicht störst – ich
glaube im Gegenteil -,
siehst du an dem unentwegten Fortgang der Vorlesung, von der ich dir hier wieder ein Stück schicke.2 Dav. Fr. Strauß3 wird leider erst am Montag fertig, so daß ich ihn noch
nicht beilegen kann. Über die Nachricht, daß du in verbesserter Fußhaltung vier
Stunden gefahren und nicht zur Erde
gefallen bist, habe ich mich sehr gefreut, weil damit wenigstens
ein positiver Gewinn aus unserer Begegnung für dich gesichert
ist, nicht wahr?4 Was nun auch komme, du wirst
meiner wenigstens in dieser Beziehung freundlich gedenken. Aber
nicht wahr, liebe Lollo, du wirst in Wirklichkeit keinen
«blödsinnigen Mediziner»
heiraten? Diese Stelle in deinem Brief hat mich doch sehr erschreckt. Laß dich
nicht müde machen und irre machen. |56 Das
wird nun von mir dumm sein, dir so zusprechen zu wollen, da du es
sicher nicht nötig hast. Weißt du, ich bringe es eigentlich gar nicht mehr
fertig, dich wie bisher aufrichtig an irgend einen «Zukünftigen»
freizugeben. Da wir ehrlich sein wollen, muß ich dir das sagen. Aber
genug davon.|
Ja Lempp!!5 Er ist halt unverbesserlicher
Verleger. Die sind alle so. Wegen des Bildes sägt er schon seit
Jahren an mir herum. Wegen der Bibelstunden drängt nun auch Georg.6 In Amsterdam7 ist
von einem begabten Jüngling ein Bild von mir gemacht worden8
(ich hoffe es dir am 11. mitbringen zu können), das habe ich nun Lempp als Abschlagszahlung
zugesagt. Aber wenn du mich sehr warnst vor diesem Kompromiß, so
kann ich es immer noch rückgängig machen. Ich dachte, die bisher geübte Askese
in dieser Hinsicht habe ja doch nur relativen Wert, und da die Sache Lempp so wichtig ist, wollte ich
ihm den Gefallen tun.
Alles sieht so aus, als ob es am 11. sein könne und dürfe. Wie freue ich
mich! Übrigens habe ich gefunden, daß ich abends erst 959
von Düsseldorf
abfahren muß. Es kann und darf wahrscheinlich sogar
nicht nur, sondern es muß sein wegen des nachträglich zu feiernden
Geburtstages.
Es grüßt dich von Herzen
Die Predigt in Groningen – übrigens über Psalm 37,5, ich besann mich dann
anders – wird zuerst holländisch und dann deutsch gedruckt erscheinen.9
Natürlich bekommst du sie dann!