60
36
Barth an v.K. in Krefeld
Hier bekommst du weitere drei Theologen1, einer seltsamer als der andere. Nun
stehen nur noch drei bevor, die ich dir dann vor unserer Abreise schicke. Dazu
allerhand Beilagen. Beachte besonders den Amerikaner und wie schön ich ihn
heimgeschickt habe!2 Was gibt es doch für
un-mögliche Leute in der Welt. Daß du die holländische Predigt3 Wort für Wort
verstanden hast, ist ja ein wahres kleines Pfingstwunder. Ich lege dir darum
gleich auch etwas Dänisches4 bei, |61 staunend über deine Gaben und Fähigkeiten! O Lollo, wie schlimm, daß du dir
(und mir!) diesen halben Monat August in Krefeld verordnet hast! Nun
reisen wir am 31., allen Betrieb hinter uns lassend, mit dem Sonderzug der
Schweiz zu, und du mußt noch so lange in der rheinländischen Sommerhitze und bei
deiner schweren Arbeit
aushalten. Wirklich, meine richtigen Ferien werden erst anfangen, wenn du auch zur Stelle
bist. Wieviele Pfund magst du unterdessen wieder abgenommen haben. Liebe Lollo,
du mußt mir versprechen, diesen Winter bis und mit Frühjahr trotz Allem und
Allem ruhig bei deiner Mutter in
München zuzubringen5, alle Morgen erst um 9 Uhr aufzustehen, viel Fleisch und Eier
zu essen etc. etc., um diese Krefelder Strapaze wieder gut zu machen. So
geht es ja nicht. Ich bin sehr in Sorge um dich, wenn ich
denke, wie schlecht du aussahst in Düsseldorf. – Ich bin eben im Begriff,
ins Seminar zu gehen. Es häuft sich noch viel diese Woche. Dazu nehme ich noch
fort und fort ein paar Reitstunden –
zur Vorbereitung auf das Bergli.
Letzten Montag abend 8-10 Uhr bin ich mit einer ganzen Gesellschaft weit durchs
Münsterland geritten, weithin gesprengt wie die wilde Jagd! Morgen
früh 7 Uhr geht’s wieder los. Es ist eigentlich toll, daß ich mir das leiste,
aber es hat viel für sich.
Ich schreibe dir nächste Woche noch einmal. Wie viel wäre zu
schreiben. Dein kleines Bild
ist immer irgendwie in meiner Nähe, ich habe es neben dem größeren auch sehr
gerne. Aber das Beste wird sein, dich selbst bald wieder zu
sehen. – – –