Brief Nr. 52 · 10. April 1929

Karl Barth an Charlotte von Kirschbaum auf dem Bergli

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Meine Lollo!

Wo ich bin? Unterwegs zu dir und zwar in unserem Köln und zwar im Bahnhofrestaurant und zwar an demselben Tisch, an dem wir am 23. Dezember1 so vergnügt frühstückten. Weißt du noch? Und heute ist der 10. April, an dem ich vor einem Jahr zu dir (d. h. an die Kon|95ferenz!) nach Düsseldorf2 fuhr und nachher mit dir und Gerty nach Frankfurt . Weißt du noch? Ach du: weißt du noch …?! Und nun soll ja Alles ganz bald wieder Gegenwart werden. Gestern kam dein zweites Brieflein. Ich war ja schon ein wenig traurig, seit 14 Tagen nur noch diese zwei Brieflein zu haben von dir! Gelt, du hast mich «ein bißchen vergessen» und freust dich gar nicht sehr? Aber ich, Lollo! Du, du ­- ­- ­- weißt du, daß ich dir sicher auch nach Sumatra [?] einfach nachlaufen würde. Ich kann’s doch fast nicht mehr aushalten ohne Lollo. Und nun komme ich. Wahrscheinlich Samstag abend.3 Ich melde dann das Genaue noch von Basel aus. Bitte sage Rudi, daß ich meinen Koffer und die zwei Kisten Bücher an seine Adresse Münsterhof 2 geschickt habe. Sie sind gestern per Eilgut abgegangen. Ich werde von Basel aus den Schlüssel zum Koffer schicken, damit eventuell die Zollformalität auf dem Bahnhof Zürich schon erledigt werden kann. Alles Weitere bald, bald mündlich. Wie freu ich mich! Grüße Rudis herzlich und sag ihnen, nun käme ich eben! Liebste Lollo!

Dein
K.

Sachfußnoten

1
Damit ist wohl der 23.12.1928 gemeint, an dem Barth von Münster aus von Kirschbaum nach Köln entgegengefahren war, die dann Weihnachten und Neujahr im Hause Barth in Münster verbrachte.↩
2
Die niederrheinische Predigerkonferenz vom 10.4.1928 in Düsseldorf. Barth hielt dort den Vortrag Der römische Katholizismus als Frage an die protestantische Kirche, in: ZZ, Jg. 6 (1928), S. 274-302 📖; wieder abgedruckt in: V.u.kl.A. 1925-1930, S. 303–343 📖.↩
3
Siehe oben, S. 93, Anm. 3.↩